Alle waren sprachlos. Sie konnten es noch nicht fassen, dass nun wohl alles vorbei sei.
Zu lange hatten sie unter ihren Entbehrungen gelitten.
Severus schaute sich schweigend um.
Er ging über die Wiese und sah von weitem, dass im Inneren des Steinkreises ein seltsames Glitzern in der Luft lag.
Er ging darauf zu und betrat dabei auch den Steinkreis. Das Glitzern umlagerte ihn und er wurde mit einem mal ganz ruhig. Seine Muskeln entspannten sich und er konnte in aller Ruhe nachdenken über das, was passiert war.
Seine Gedanken verweilten bei Cathrin und Eileen. Er musste unbedingt zu ihnen und das sofort!
Er trat aus dem Kreis und apparierte.
Von der Appariergrenze in Hogwarts aus rannte er so schnell er konnte auf die Krankenstation. Als Eileen ihn erblickte, gab es für sie kein Halten mehr, mit völlig verweinten Augen rannte sie tollpatschig auf ihn zu.
Er nahm sie auf den Arm und trat an Cathrins Krankenbett.
Madam Pomfrey machte ein ratloses Gesicht.
„Was ist los mit ihr, Poppy? Nun sag es mir schon!", blaffte er sie an.
Sie schaute ihn an und antwortete: „Es geht ihr nicht gut, ich weiß nicht, ob ich es schaffe!
Es gibt glaube ich, kein Körperteil, welches nicht gebrochen ist, zusätzlich noch Rippen und Becken. Das kann ich vermutlich mit Skeelewachs wieder reparieren, auch wenn es langwierig wird.
Was mir Kummer macht, sind die Verletzungen der inneren Organe. Sie hat einen Riss in der Leber und der Milz. Eine Rippe ist in ihr Zwerchfell eingedrungen!
Ich kann sie nur weiterschlafen lassen und hoffen, dass meine Magie und ihre Kraft ausreichen, um sie ohne Schäden später aufwachen zu lassen."
Severus hatte schweigend zugehört. Er musste das alles erst einmal verdauen. Instinktiv hielt er Eileen fester, die ihm mit ihrem ausgestreckten Arm zu verstehen gab, dass sie ans Bett ihrer Mutter wollte. Sie rief ständig „Mama!" Minerva strich ihm über den Arm.
„Was kann ich tun?", fragte er. Seine Verzweiflung war nicht zu überhören.
„So leid es mir tut, nun können wir einfach nur warten! Ich habe ihr einen Sud des lebenden Todes verabreicht. Sie wird schlafen, bis ihre Verletzungen geheilt sind. Sicherlich wäre sie beruhigt, wenn sie wüsste, dass du nun für Eileen da bist.", versuchtet Madam Pomfrey ihn zu trösten.
Severus konnte nur nicken. Es tat den Frauen in der Seele weh, ihn so leiden zu sehen.
Cathrins Eltern und Hermine kamen eilig angerannt.
Minerva ging auf sie zu, um ihnen alles zu erklären. Bei jedem Satz, wurde ihr Blick verzweifelter und sie schauten stumm zu Severus und Eileen.
Ihre Mutter trat zuerst an Cathrins Bett. Sie strich ihr eine Strähne aus dem Gesicht und nahm ihre Hand.
„Mein Schatz, du darfst uns nicht allein lassen! Hörst du? Bitte werde gesund!", flüsterte sie und die Tränen liefen über ihr Gesicht. Dann drehte sie sich zu Severus herum, tätschelte seinen Arm und streichelte Eileen über den Kopf.
„Sollen wir Eileen mit zu uns nehmen? Dann haben Sie Zeit, sich um ihren Unterricht und um Cathrin zu kümmern!", fragte sie ihn.
Energisch drehte er sich um und sagte laut: „Nein! Vielen Dank für das Angebot. Ich glaube, wir haben lange genug auf unser Familienleben verzichtet! Ich bin ihr Vater und nun, da ihre Mutter nicht in der Lage ist, werde ich auf sie achten und mich um sie kümmern!
Sie ist meine Tochter und es ist meine Pflicht, das zu tun!"
Er wurde mit jedem Satz lauter. Cathrins Vater trat auf ihn zu und versuchte, ihn zu beruhigen. „Keiner von uns möchte ihnen Eileen wegnehmen! Meine Frau dachte nur, dass es Ihnen helfen würde! Selbstverständlich kann sie bei ihnen bleiben! Hermine ist ja auch noch da, um ihnen notfalls zu helfen." Leise setzte er hinzu: „Ab und zu, würden wir uns freuen, sie beide zu sehen, wenn es ihnen nichts ausmacht!"
Severus hatte keine Kraft mehr, zu antworten. Er nickte nur, trat an Cathrins Bett, küsste ihre Stirn und ging mit Eileen in ihre Räume.
Dort setzte er sie ab und ging zum Fenster. Die Sonne ging langsam unter.
Auf dem Tisch stand ein Fläschchen Traumlostrank. Den musste Poppy ihm hergeschickt haben.
Beide waren müde und so nahm er seinen Trank und legte er sich mit Eileen in das große Bett. So wie sie waren, schliefen sie sofort ein.
Er hatte wirklich keine Träume, aber trotzdem einen unruhigen Schlaf.
Zeitig war er wach und beobachtete seine Tochter, wie sie schlief.
Es dauerte lange, bis sie erwachte. Erst wurde sie unruhig, öffnete dann die Augen und strahlte ihn sofort an.
Beide standen auf und gingen nach nebenan. Er sah sich um. Still stand er im Raum.
Nein! Hier konnte er nicht bleiben, alles erinnerte ihn an Cathrin. Das konnte er nicht!
Er benötigte seine Kraft nun für Eileen!
Severus beschloss, in seine Räume zu ziehen und rief nach Dobby. Der Hauself erschien, mit einem traurigen Gesicht.
Severus bat ihn, Eileens Sachen in sein Quartier zu räumen und ging inzwischen mit Eileen auf die Krankenstation.
Cathrins Zustand war unverändert. Blass und still lag sie da. Es zerriss ihm förmlich das Herz, sie so leiden zu sehen.
Den halben Vormittag verbrachten sie dort. Dann gingen sie in die große Halle.
Ohne die Schüler war es trostlos. Albus, Remus und Minerva saßen am Lehrertisch.
Severus hatte zwar keinen Hunger, aber Eileen musste etwas essen und ihr zu liebe, musste er sich dazu setzen.
Danach ging er noch mit ihr spazieren, bevor sie in seine Räume traten. Dort legte er sie zum Mittagsschlaf ab und bat Dobby, auf sie zu achten.
Er machte sich allein noch einmal auf den Weg zur Krankenstation und blieb an Cathrins Bett sitzen.
Stumm sah er sie an. Dann beugte er sich nach vorn und stützte seinen Kopf in seine Hände.
Verzweifelt raufte er sich die Haare.
„Bitte tu mir das nicht an!", sagte er leise.
ooooooooooooo
Die nächsten Tage verliefen immer gleich. Aufwachen, anziehen, frühstücken, Cathrin besuchen, Mittag essen, spazieren gehen, Mittagsschlaf für Eileen, Besuch bei Cathrin für Severus, spielen, Abendessen, baden, schlafen für Eileen, Besuch bei Cathrin bis spät in die Nacht für Severus, unruhige Träume.
Dieses Jahr sehnte Severus die Ankunft der Schüler regelrecht herbei, hoffte er doch, dass ihre Anwesenheit ihn ablenken würde.
Albus hatte bei der Eröffnung die Schüler über die Lage informiert und auch die Umstände von Voldemorts Tod näher erläutert. Das Meiste wussten sie schon aus dem Tagespropheten. In der Zaubererwelt war Severus Snape ein Held. Die Rolle von Eileen wurde verschwiegen, damit Keiner auf die Idee kam, ihre Macht missbrauchen zu wollen. Als er ihnen erklärte, dass Severus sich nun um Eileen kümmern würde, weil er Eileens Vater wäre, gingen seine nächsten Worte im allgemeinen Getuschel unter. Die Schüler waren überrascht und machten dem Luft.
Auch ein tödlicher Blick von Severus konnte sie nicht abschrecken.
Standen sie Severus als Vater anfangs noch skeptisch gegenüber, so legte sich das bald, als sie sahen, wie liebevoll er mit Eileen umging. Vor allem die Mädchen warfen ihm verklärte Blicke zu und lächelten ihn an, wo immer sie konnten.
Ein Gang in die Große Halle konnte so durchaus zum Spießrutenlaufen werden.
Severus schien das aber alles nichts auszumachen.
Die Mahlzeiten nahm er nun regelmäßig mit Eileen in der großen Halle ein. Da es nun kein Geheimnis mehr sein musste, dass sie zaubern konnte, machte es nichts aus, dass die Schüler ihren Zauberversuchen mit fliegenden Speisen zusahen. Minerva hatte den Stuhl neben ihm in einen Kinderstuhl verwandelt. Damit hatte er seine Hände frei und konnte auch die Spuren verunglückter Zauber leichter beseitigen.
Wenn er schnell zum Unterricht musste, trug er Eileen, hatte er Zeit, schlenderten die beiden gemütlich durchs Schloss.
Im Unterricht war Eileen immer dabei. Auch hier hatte Minerva einen Hochstuhl an den Lehrertisch gezaubert und Eileen genoss es, die Schüler beim Brauen zu beobachten.
Ihr Gebrabbel oder ihre gelegentlichen Zaubereiversuche, welche oft daneben gingen, amüsierten die Schüler und aus den Klassenräumen des Kerkermeisters erklang ungewöhnlich oft, lautes Lachen.
Die Krönung war, als Eileen eines Tages die Mrs. Norris, die Katze von Mr. Filch, ausgestattet mit einem Fallschirm wie einen Luftballon schweben ließ und Filch ihr hinterher rannte. Alle mussten lachten, selbst Severus.
Er war nicht mehr so verbissen. Er stimmte des Öfteren in die allgemeine Heiterkeit ein. Aber irgendwie hatte man das Gefühl, das Lachen erreichte nicht seine Augen. Zu oft dachte er an Cathrin.
Bei Eileen übernahm er alle Aufgaben selbst. Am Besten gefiel ihm, das abendliche Bad und wenn sie danach in seinem Arm eingeschlummert war, rief er Dobby. Er selbst ging zu Cathrin.
Ihre Knochen waren wieder zusammen gewachsen und die inneren Verletzungen waren verheilt. Eigentlich war ihr Zustand besser, als irgendjemand zu hoffen gewagt hatte.
Aber Cathrin wollte einfach nicht aufwachen. Er war verzweifelt.
