29. His Ways
Es gab einen sehr bestimmten Grund, weshalb sie ihm angeboten hatte, die erste Wache zu übernehmen. Und sie war nicht sonderlich stolz darauf. Natürlich war es praktisch, dass sie sowieso die erste Wache übernahm, aber heute war dies besonders von Vorteil.
Und sie hatte es ihm nicht gesagt, aus einem sehr bestimmten anderen Grund. Sie wartete, bis sie seine gleichmäßigen Atemzüge hörte. Dann angelte sie sich das Bündel, was sie mitgenommen hatten, die Augen die gesamte Zeit auf ihn geheftet, um nicht in die Verlegenheit zu geraten, sich womöglich noch erklären zu müssen.
Aber er schlief. In ein trockenes Blatt eines Lagunenbaums hatte sie die Reste der Weißwurzeln gewickelt, nachdem sie heute seinen Kratzer damit behandelt hatte.
Und gab es eine Sache, die ihr aus Pflege magischer Geschöpfe noch sehr klar in Erinnerung geblieben war. Es war ihr heute eingefallen, als sie daran gedacht hatte, seinen Kratzer zu behandeln. Sie hatte es ihm nicht gesagt, aber sehr schnell hatten sich ihre Gedanken um diese Tatsache geschlungen.
Wie bei allen Tieren, gab es bestimmte Dinge, die Einhörner fressen durften und andere Dinge, die nicht sonderlich bekömmlich waren.
Und ihr war eingefallen, wie Hagrid ihnen erzählte, was er den Einhörnern des Verbotenen Waldes verabreichte, wann er eines von ihnen untersuchen musste, da sie sich ja von Männern nicht so gerne berühren ließen.
Es wirkte wie eine Sedierung, und darüber hinaus war es auch noch von Vorteil, dass die Einhörner gerade dieses Kraut besonders zu lieben schienen, auch wenn es nirgendwo wuchs, wo Einhörner für gewöhnlich ihren Lebensraum hatten.
Sie erhob sich lautlos, vergewisserte sich, dass er noch immer schlief, die Weißwurzeln sicher in ihrer geschlossenen Hand, seinen Säbel hinten in der Hosenschlaufe. Das Einhorn, was noch immer zwischen den Bäumen graste, sich nicht nähern wollte, hatte den Kopf misstrauisch gehoben, und langsam näherte sie sich.
„Ganz ruhig", flüsterte sie, und es tat ihr wirklich leid. Wirklich. Die Tatsache, dass es nur ein mildes Schlafmittel war, beruhigte sie. Und dass sie wusste, dass Hagrid es mehrfach, ohne böse Nachwirkungen oder Nebeneffekte auf Einhörner verwendet hatte, machte es auch besser. Das Einhorn würde es ihr nicht einmal wirklich übelnehmen, aber darum ging es auch nur marginal.
Denn heute Abend hatte sie beschlossen, die Fliege mit Essig zu fangen. Und nicht mit Honig. Und genau das war es, was sie wirklich nicht vor Malfoy zugeben wollte. Wirklich nicht.
Aber dann war da noch der simple Überlebensinstinkt, denn sie hatten seit vierundzwanzig Stunden kaum Wasser getrunken, und das war etwas, was sie dringend brauchten. Vor allem er, denn… sein Tag war bedeutend schlimmer als ihrer gewesen. Und so sehr Hermine sich Zeit lassen wollte, dem Einhorn die Chance geben wollte, sich zu nähern, Vertrauen zu gewinnen, umso dringender war es, dass sie endlich hier fort kamen! Außerdem wusste sie, dass die verdammten Wasserwandler nicht schliefen, sondern nur auf eine günstige Gelegenheit warteten!
Und deshalb war ihr Gewissen merklich still. Aber sie wollte unter gar keinen Umständen sein überlegenes Gesicht sehen müssen, während sie, Hermine Granger, ein armes Einhorn mit Weißwurzeln fütterte, um es zu betäuben.
Sie streckte die Hand weiter aus, öffnete die Finger und wartete. Das Einhorn blähte die Nüstern, schien die Wurzeln bereits zu erahnen, und langsam kam es einen Schritt näher. Dann einen weiteren, bis sich seine Nüstern weiteten und es den Geruch vollends aufnahm. Hermine hielt praktisch den Atem an. Zwar waren ihre Absichten nicht ehrenwert, aber das Einhorn schien seinen eigenen Instinkten erlegen zu sein.
„Gut so", murmelte sie. Und ein Hauch von Schuld ließ ihre Handfläche zittern, als das Einhorn tatsächlich so nahe war, dass sein samtener Mund ihre Hand berührte. Ohne Skrupel fraß es die Wurzeln geräuschvoll und gierig. Es leckte sich mit der langen Zunge genüsslich über den Mund, sah sie an, als wolle es noch mehr Wurzeln essen, aber sie schüttelte entschuldigend den Kopf. „Tut mir leid, Kleiner", flüsterte sie. „Es tut mir so leid", ergänzte sie, und das Einhorn schüttelte die Mähne, und kurz schlossen sich seine Augen. Es schnaubte leise, und dann öffnete sich Maul weit, als es heftig gähnte. Es erinnerte Hermine sehr stark an die gewöhnlichen Pferde, auch wenn es wesentlich schöner war, als ein gewöhnlicher Hengst.
Sie hatte schon gesehen, dass es ein Männchen war. Männliche Einhörner waren noch schwieriger anzulocken, als weibliche. Es leckte sich noch einmal über den Mund, und dann ging es wackelig auf die vorderen Knie. So etwas hatte Hermine noch nie gesehen. Und es tat ihr wirklich leid. Dann lag das Einhorn, rollte sich im Gras, schien ein nahezu berauschendes Gefühl durch die Wurzeln zu empfinden, und dann sank sein Kopf langsam zu Boden, und sein Atem ging schwer und gleichmäßig.
Hermine kam sich schäbig vor, aber sie zögerte nicht eine einzige Sekunde, als sie hastig um das Tier herum trat, den Säbel zog und mit spitzen Fingern aus dem üppigen Schweif zwei seidig weiche Strähnen zog. Immerhin nahm sie nicht mehr, als sie brauchte. Garantiert nicht mehr! Es hatte mit zwei Strähnen zu funktionieren oder eben nicht. Mehr würde sie ihm nicht rauben.
Das Tier schlief so fest, dass es sich nicht rührte. Sie setzte die Klinge sehr weit oben an, und wie Seide durchtrennte sie die Haare. Sie atmete zufrieden aus und wich sofort zurück, entfernte sich von dem Tier, und jetzt war Fingerspitzengefühl gefragt, nahm sie an. Aber sie spürte es auch schon jetzt. Die Wärme der Magie zwischen ihren Fingern. Sie hatten die beiden Zweige in der Mitte geteilt und minimal ausgehöhlt, so dass ein Haar darin Platz finden konnte. Sie setzte sich zurück ans Feuer, spürte die grünen Blicke der Wasserwandler deutlich, und vielleicht irrte sie sich. Denn sie wusste ja, die Wasserwandler konnten sehr wohl an Land kommen, aber noch beobachteten sie nur.
Sie griff sich den ersten geteilten Zweig, passte das Haar hinein, und bereits jetzt glühte das edle Holz unter der Magie des Einhornhaars. Hermine verschlug es den Atem, und sie legte die zweite Hälfte darüber. Hell glomm das Holz. Mit dem Messer trennte sie das unten vorstehende Haar ab, und wiederholte dies bei dem zweiten Zweig, welcher ebenfalls anfing zu leuchten.
Sollte es so einfach sein? Tat die Insel ihnen tatsächlich diesen einen Gefallen?
Mit beiden Zweigen in der Hand lief sie zu einem der Bäume, aus welchem klebriger Harz aus der Rinde trat. Vorsichtig, so dass es nicht ins Innere gelangen konnte, schmierte sie den Harz über den Zweig, verschloss somit die Ränder, und nach wenigen Sekunden verschwand das Leuchten aus dem Innern.
Sie wiederholte dies beim zweiten Zauberstab und legte diesen zum Trocknen zurück ans Feuer.
Aus den Augenwinkeln sah sie, wie sich eines der Wesen heimlich an Land wagte. Sie nahm an, es war Zeit für die Feuertaufe, denn ihr Speer lag einige Meter weiter. Der Säbel leider auch. Fast glaubte sie, es lag daran, dass das Einhorn schlief, dass es die Wesen tatsächlich wagten, an Land zu kommen.
Und sie wandte sich um. Das Holz lag schwer in ihrer Hand, als würde es durch das magische Haar erst das richtige Gewicht erlangen. Es war magisch faszinierend.
Und als sie die Hand hob, als sie die nächsten Worte lediglich dachte, spürte sie die Magie, die sich mit ihrem Körper verband, mit ihrem Geist, die auf die Worte reagierte, noch bevor Hermine sie hatte äußern können.
„Stupor!", rief sie, und der Zauber brach mit einer solchen Macht aus der Spitze des Holzes, dass Hermine durch die schiere Kraft zurückgeworfen wurde. Leuchtend rot schoss der Zauber durch die Dunkelheit, traf das Wesen so heftig in die Brust, dass tatsächlich zehn Meter zurückflog und mit einem lauten Klatsch im Wasser landete, während es bewusstlos oben schwamm. Das andere Wesen zog sich so hastig zurück, um bloß nicht ebenfalls getroffen zu werden.
Schwer atmend kam Hermine auf die Beine, und mit weiten Augen starrte sie hinab auf das Holz in ihrer Hand. Magie durchflutete sie noch immer, und unglaublicherweise hatte sie es geschafft! Sie hatte es geschafft!
Malfoy war aufgewacht, hatte sich aufgesetzt und starrte sie an.
„Was…?" Dann blinzelte er schockiert, als er den Stab in ihrer Hand sah. Sie kam näher, griff sich den getrockneten zweiten Stab vom Boden und warf ihn in seine Richtung. Er fing ihn vollkommen verblüfft auf. „Ist das… ist er… fertig?", flüsterte er ungläubig, aber Hermine lächelte nur, Tränen in den Augen.
„Merlin", entfuhr es ihm, als er wohl die immense Kraft spürte, die durch seinen Körper strömte. „Lumos!", flüsterte er, und Hermine musste die Augen schließen, so stark blendete der Zauber ihre Augen. Es waren zwei Zauberstäbe von solcher Kraft, dass sie es gar nicht begreifen konnte. Malfoy kam auf die Beine, vollführte weiter simple Zauber, die in ihrer Ausführung vollkommen beeindruckend waren.
„Expecto Patronum!", rief er schließlich und ein gleißend heller silberner Drache brach aus der Spitze hervor, so groß wie der Elderbaum, und er breitete die sternengleich funkelnden Flügel aus und erhob sich in die Lüfte, kreiste weite Runden über den See, bis er sich in Sternenstaub auflöste.
Aber nach Hause konnte er scheinbar nicht fliegen, ging ihr dumpf auf. Natürlich nicht.
Sie und Malfoy tauschten einen Blick. Auch seine Augen wirkten merklich glasiger als sonst. Seine Mundwinkel hoben sich, als er auf sie zuschritt. „Merlin, Granger!", entfuhr es ihm tonlos, und sie musste unter Tränen ebenfalls grinsen. Und es war so natürlich, es war fast so selbstverständlich, dass sie wie von selbst die Arme ausbreitete, als er sie fest umarmte. Sein fester, warmer Körper hielt sie eng an sich gedrückt, und sie hörte, wie er lachte, wie er grenzenlos erleichtert war vor Freude.
Und erst, als sie merkte, wie vertraut diese Geste schien, als auch er plötzlich innehielt, machten sie beide einen Schritt zurück. Er fing sich schneller als sie.
„Wie… wie hast du das nur geschafft?", wollte er ungläubig wissen, und dann sah er sich um. Sein Blick fiel auf das Einhorn, welches bedauerlicherweise noch immer am Boden lag, und dann sah er sie wieder an. Sanfte Angst lag auf seinem Gesicht. „Ist… ist es-?" Er starrte sie an, und ihre Augen weiteten sich.
„Was? Merlin, nein!", sagte sie sofort. „Es… schläft nur", schloss sie kleinlaut.
„Es schläft? Es ist einfach eingeschlafen? Obwohl zwei wildfremde Menschen auf seiner Insel sind?" Er wirkte nicht überzeugt.
„Na ja. Siehst du ja", entgegnete sie knapp, und seine Stirn runzelte sich. Dann öffnete sich sein Mund.
„Du… hast das getan, oder?", konfrontierte er sie misstrauisch, und sie mied seinen Blick.
„Malfoy-", begann sie ausweichend, aber dann lachte er auf.
„Du betäubst ein Einhorn?", entfuhr es ihm fast anerkennend, und sie hasste ihn. „Tatsächlich? Ich darf das Baumvolk nicht fangen, aber… du betäubst das unschuldigste Tier im ganzen Universum, ja?" Sein Grinsen war so widerlich überheblich, dass sie ihn am liebsten verfluchen wollte. „Beeindruckend", schloss er, und sie sah ihn nicht mehr an.
„Du bist richtig scheiße", entkam es ihr kopfschüttelnd.
„Färbe ich auf dich ab?", wollte er unbeeindruckt von ihr wissen, aber sie würde sich auf kein Gespräch darüber mit ihm einlassen. Er war ein Mistkerl. Und das blieb er auch. Sie griff sich beide Flaschen, marschierte zum Ufer und füllte sie mit Wasser. Das zweite Wesen zeigte sein hässliches Gesicht nicht mehr.
Dann zog sie ihren neuen perfekten Zauberstab und richtete ihn auf das Gefäß. Und dieses Mal sprach sie den Zauber sehr sanft, weil sie Sorge hatte, dass sonst die Flasche noch zerbrechen würde. „Purgato!", flüsterte sie, und das Wasser schimmerte in Sekundenschnelle leuchtend klar in der milchigen Flasche. Sie wiederholte es mit der zweiten Flasche, um zu Malfoy zurückzukehren.
Und er hörte auf, sie aufzuziehen, griff sich die Falsche und trank gierig.
Auch Hermine spürte den Durst nur zu deutlich, und sie trank ebenfalls.
Es war das Beste, was sie jemals in ihrem gesamten Leben zu sich genommen hatte, dachte sie, als sich ihre Augen schlossen, während sie trank.
Sie tranken noch mehrere Liter des gereinigten Wassers, und das erste Mal seit einer ganzen Weile konnte sie wieder echte Zauber ausführen.
Es war… so erheblich. Aber… sie hatte es sich magischer vorgestellt, hatte nächtelang nur von einem Zauberstab geträumt, aber in Wahrheit… war es gar nicht so eindrucksvoll. In Wahrheit waren es… einfach Zauberstäbe. Jetzt gerade retteten sie zwar ihr Leben, aber… sehr lange hatten sie und Malfoy ihre beider Leben auch ohne Zauberstäbe gerettet.
Sie hatten ihre Sachen gepackt, und dieses Mal würden sie nicht nasswerden. Sie hatten das Feuer gelöscht, und den Rest des Einhornhaars hatte Hermine in ihrem Bündel verstaut. Langsam regte sich das Einhorn wieder und wachte auf.
Sie standen nebeneinander am Ufer, tauschten einen knappen Blick und apparierten dann ans gegenüberliegende Ende des Sees.
Magie erfüllte sie, während sie sich um sich selber drehte. Der Zauber funktionierte so makellos, so absolut unvorstellbar perfekt, dass sie wieder weinen wollte. Gut, es war schon wundervoll. Wirklich.
Schon standen sie am anderen Ufer. Malfoy schien wie sie zu empfinden, denn strahlend blickte er hinab auf seinen Zauberstab.
Und dann legte Hermine einen Schutzbann um sie und ihr Schlaflager, und eine absolute Sicherheit erfüllte sie plötzlich. Sie hatte vergessen, wie wunderbar Magie tatsächlich war. Sie hatte fast alles vergessen, was sie ausgemacht hatte.
Schnell hatte Malfoy mit dem Zauberstab Feuer gemacht.
„Accio Zweig!", rief er, und ein ganzes Bündel flog ihm nach und nach in die Hände. Er warf es ins Feuer, und Wärme erfüllte sie innerhalb ihrer Schutzmauer, die bläulich schimmernd eine Kuppel über ihnen bildete.
„Du bist so faul", informierte sie ihn kopfschüttelnd, aber er schenkte ihr lediglich ein müdes Lächeln.
„Ach ja?", erkundigte er sich, richtete den Zauberstab auf sie, und kurz stockte ihr der Atem. Sanft sprach er den nächsten Spruch. „Infractus!", sagte er, und ihre Augen weiteten sich, als sich ihre Kleidung in Fasern von ihrem Körper löste. Grinsend kam er näher. Hastig versuchte sie, ihre Blöße zu verbergen, aber sie war ziemlich erfolglos dabei.
„Du bist… unmöglich!", knurrte sie, und ihre Wangen färbten sich rot.
„Ich?", wiederholte er. „Du hast doch heute ziemlich eindeutig klargestellt, dass ich hier auf deinen Körper nicht verzichten will, oder nicht?", griff er ihre Diskussion vom Nachmittag wieder auf. Ja, vielleicht war das dumm von ihr gewesen, dachte sie mit klopfendem Herzen.
„Du… du solltest dich ausruhen", wich sie seinem sehr eindeutigen Blick aus, als er näher kam.
„Es geht mir gut", versicherte er ihr blind. „Danke, für deine Fürsorge", ergänzte er lächelnd. Und dann zog er ihre Hände aus der schützenden Position.
„Warte", flüsterte sie, als ihr siedendheiß etwas einfiel. Er runzelte die Stirn.
Sie richtete den Zauberstab auf ihren Unterleib, und sehr vorsichtig vollführte sie die Bewegung. „Alienarus!", flüsterte sie, und sie spürte, was sie sonst gespürt hatte, als sie den Zauber vor dem Verkehr mit Ron benutzt hatte. Malfoy hob die Augenbraue. „Verhütungszauber", murmelte sie, und kam sich… eigenartig vor. Und auch er wirkte kurz nicht mehr sonderlich erregt. Der Zauber vernichtete sämtliche fremde Zellen in ihrem Körper, bis zu einem gewissen Grad, und sie hatten noch nicht so lange Verkehr, als dass ein möglicher Fehler nicht noch zu richten wäre.
Denn… ein Fehler wäre es.
„Richtig", entfuhr es ihm schließlich. Und es war… alles so seltsam real geworden. Es war nicht eine einmalige Situation gewesen, in der sie Sex gehabt hatten, und sie einmalig einen Verhütungszauber anwenden musste, nein. Jetzt war es die bewusste Entscheidung, die sie traf, weil sie… anscheinend regelmäßigen Verkehr in Erwägung zogen – und sie war auch noch schuld, denn das hatte sie ihm schließlich in Aussicht gestellt, dafür, dass er ihr vertraute.
Sie unterschrieb auf dieser Insel am laufenden Meter ihr Todesurteil, nahm sie bitter an.
Noch immer stand sie nackt vor ihm, und mehr oder weniger instinktiv vollführte sie den nächsten Zauber, den sie früher auch benutzt hatte, denn sie wollte sich nicht mehr so schrecklich bewusst sein, dass sie auf dieser Insel gezwungenermaßen so aussehen musste, wie Gott sie geschaffen hatte. Mit Haaren überall, denn die scharfen Steine taten keinen sonderlich guten Dienst.
„Assoleo!", sagte sie ruhig, und es war ein sehr praktischer Zauber gewesen.
Der Pflegezauber entfernte mittels einer bestimmten Drehung des Zauberstabs die Körperhaare, die sie nicht haben wollte, und jetzt stand sie glatt und sauber vor ihm. Verdammt glatt. Sie spürte sogar eine frische Kälte zwischen ihren Beinen. Sein Blick verfing sich praktisch an ihrer neuen haarlosen Offenbarung, und sein Mund öffnete sich.
„Wa-was…?" Er blinzelte mehrfach.
„Pflegezauber", murmelte sie, und deutlich erkannte sie die Schwellung in seiner Hose. Stumm und beinahe hastig vollführte er selber einen Reinigungszauber, bevor er den Abstand schloss. Scheinbar war seine Erregung zurückgekehrt, nach dem ernüchternden Verhütungszauber.
Sofort glitt seine Hand über ihren haarlosen Venushügel, und sein Kopf neigte sich, um ihren Hals zu küssen. Ihre Augen schlossen sich unbewusst, und ihr Herzschlag ging unfassbar schnell.
„Verflucht", murmelte er heiß gegen ihre Haut. „Granger, du-", aber hart gruben sich ihre Fingernägel in seine Kopfhaut.
„-halt die Klappe und fick mich, Malfoy", flüsterte sie rau in sein Ohr, und sie schämte sich nicht einmal für diese Worte! Merlin! Grob verschloss er ihre Lippen, ließ sich garantiert nicht zweimal bitten, und sie wusste selber, dass sie irgendwann in den letzten Tagen den Punkt überschritten hatten, an dem ihre gemeinsame Nähe lediglich sporadisch gewesen war. Die neuen Zauberstäbe wirkten wie ein seltsames Aphrodisiakum, und jetzt brauchte sie nicht mal mehr ein schlechtes Gewissen zu haben, womöglich schwanger zu werden, denn jetzt konnte sie verhüten, konnte sich schnell säubern – konnte es praktisch ungeschehen machen.
Aber… sie war dankbar, dass sie ein Rätsel hatten lösen können.
Und das war alles. Sie feierte lediglich mit ihm, dass sie endlich einen Weg finden würden. Sie zelebrierten das Leben. Nichts weiter. Zumindest war es das, von dem sie sich von ganzen Herzen überzeugen wollte.
