A/N: Sorry, dass es so lange gedauert hat, dass ich ein neues Kapitel online gestellt hab, aber ich hab in den letzten zwei Wochen viel zu viele Klausuren geschrieben. Aber jetzt bin ich zum Glück damit fertig. Und hab wieder Zeit gefunden weiterzuschreiben, wie ich das vermisst habe...
Zum Kapitel: Es ist bis jetzt das längste, dass ich geschrieben habe und ich hab eine Menge untergebracht. Ich hoffe, es gefällt euch so gut wie mir. ;-)
Wünsch euch ganz viel Spaß damit. Und lasst doch bitte einen Kommentar da, damit ich weiß, ob es euch auch gefallen hat.
Kapitel 29:
Sie schaffte es nicht am nächsten Tag mit ihm zu reden und auch die darauffolgenden Tage hatte sie keinen Erfolg. Cedric fand immer eine andere Ausrede ihr aus dem Weg zu gehen. Einmal war es eine wichtige Hausaufgabe, dann war es ein Quidditchtraining, was, wie Cedric ihr erklärte, wichtig war, damit das Team trotz der Quidditchpause nicht einrostete. Sie war wirklich dem Heulen nahe, als Cedric ihr eineinhalb Wochen nach Schulbeginn wieder eine Absage gab.
Während des Unterrichts, vor allem wenn sie zusammen mit den Gryffindors hatten, dann war er unglaublich lieb und zuvorkommend zu ihr, waren sie alleine, dann versuchte er, ihr aus dem Weg zu gehen. Sie verstand es nicht und sie hatte auch so langsam die Schnauze voll. Morgen würde sie alles dafür tun, damit er mit ihr redete. Das nahm sie sich felsenfest vor, als sie am Donnerstagabend im Bett lag. Sie hatte morgen zum Glück nur Arithmantik und Kräuterkunde. Da würde sie anschließend genug Zeit haben, mit ihrem Freund zu reden. Mit diesem Gedanken schlief sie eher unruhig ein.
-------
„Fred!" George kam am Freitagnachmittag die Treppe zum Schlafsaal hinunter gerannt. „Fred!" Sein Bruder saß in einer Ecke und flirtete mit einem blonden Mädchen, von dem George nur wusste, dass es in der fünften Klasse war. Sheila, das Mädchen, dass mit ihnen im Hogwartsexpress gefahren war, war schon wieder abgeschrieben. Typisch Fred. „FRED!"
„Was?", fragte er genervt. Scheinbar wurde er nur ungern unterbrochen.
„Skyla!"
„Was ist mit ihr?" Er wandte sich wieder demonstrativ dem Mädchen zu, doch George wusste, dass Fred nur so tat, als ob es ihn nicht interessierte.
„Sie ist verschwunden!"
„Was interessiert mich das?" Fred hob die Hand und berührte das Gesicht des blonden Mädchens. In den letzten Monaten hatte Fred ständig eine neue Freundin gehabt. Der Streit mit Skyla machte ihm wirklich zu schaffen.
Aber George hatte langsam kein Verständnis mehr für seinen Bruder und wurde wütend. Er zog ihn von dem Mädchen weg.
„Jetzt hör mir mal zu! Mir ist völlig egal, wie sauer du noch auf Skyla bist, du hilfst uns jetzt sie zu suchen!"
„Uns?"
„Emily, Lee und mir." Emily hatte ihm gerade eine Nachricht geschrieben, dass sie Skyla nicht finden konnte und sie schon seit Schulschluss nicht mehr gesehen hatte.
„Was ist denn mit ihrem ach so tollen Diggory?"
„Keine Ahnung! Und das ist mir ehrlich gesagt, auch egal! Jetzt komm! Ich hab Emily versprochen, dass wir beide die Ländereien absuchen." George schleppte seinen Zwillingsbruder durch das Porträtloch und hinaus auf die Schlossländereien.
„Na gut, ich geh Richtung See.", meinte Fred resignierend.
„Gut, wenn du sie findest, dann schreib uns eine Nachricht.", sagte George und verschwand Richtung Quidditchfeld.
-------
Er war total geschockt, als er hörte, dass Skyla verschwunden war. Er war immer noch sauer auf sie, keine Frage, aber er machte sich trotzdem Sorgen um sie. Er ging zum See, irgendwie hatte er das Gefühl, dass er sie dort finden würde und er sollte Recht behalten. Als er sich dem Gewässer näherte, hörte er laute Stimmen, allerdings konnte er nicht verstehen, was sie sagten. Doch schon kurz darauf kam ihm Cedric Diggory entgegen, der ihn aber nicht bemerkt hatte.
Fred konnte sie schon von weitem sehen, als er beim See ankam. Skyla saß am Ostufer auf einem umgestürzten Baumstamm. Sie hatte ihre Beine angewinkelt und ihren Kopf vergraben.
Was war los mit ihr? Warum war sie diesem Diggory nicht hinterher gegangen? Er ging auf sie zu, ganz langsam. „Skyla?", fragte er ganz leise.
Sie reagierte so, als hätte er sie angeschrien: Sie zuckte zusammen und schreckte hoch. Ihre Haare fielen ihr ins Gesicht und Fred konnte nicht viel erkennen, weil auch schon das Licht weniger wurde und es zu dämmern anfing. „Fred?" Sie klang ziemlich überrascht. „Was willst du?" Ihre Stimme war unglaublich leise und Fred musste noch etwas näher kommen, damit er sie verstehen konnte, doch sie zog sich weiter zurück. Was war mit ihr los? War sie auch noch sauer auf ihn?
„Emily und George haben mir die Hölle heiß gemacht. Die beiden machen sich wahnsinnig Sorgen um dich."
„Und du?", fragte sie ängstlich, das überraschte ihn. Was sollte er darauf sagen? Die Wahrheit? Sollte er sie anlügen? Er war schließlich immer noch sauer und wütend auf sie... Einige Minuten schwieg er. Skyla seufzte vernehmlich und strich sich ihr Haar hinter das Ohr. Fred war geschockt. Sie sah schrecklich aus. Er konnte sehen, dass sie weinte, aber das war nicht das schlimmste. Ihr linkes Auge war blau und ihre Lippe blutete.
„Oh mein Gott! Was ist passiert, Skyla?", fragte er und stürzte auf sie zu. Sofort ließ sie ihre Haare wieder ins Gesicht fallen und wandte sich von ihm ab.
„Nichts. Alles in Ordnung.", meinte sie leise.
„Erzähl keinen Mist!" Fred setzte sich rittlings auf den Baumstamm und starrte sie an. „Was ist passiert? Was hat Diggory gemacht?"
„Nichts! Ich bin nur vorhin gestolpert und unglücklich gefallen."
„Ich glaub dir kein Wort." Ganz langsam hob er seine Hand und berührte sie vorsichtig. Er wollte ihren Kopf zu sich drehen, damit er ihr ins Gesicht sehen konnte. Sie zuckte erschrocken zusammen, als ob er sie geschlagen hätte. „Hey! Ganz ruhig! Ich will dir nichts tun!", sagte er leise und ruhig. Er streichelte ihr sanft über das Haar. Skyla fing an zu weinen. Fred rutschte näher zu ihr und nahm sie in den Arm. Bereitwillig legte sie ihren Kopf an seine Schulter und heulte hemmungslos. Er ließ sie, tröstete sie liebevoll und wartete bis sie sich etwas beruhigt hatte.
„Wer hat dir das angetan?", fragte er und war unheimlich wütend auf die Person, die ihr so etwas antun konnte. Der Streit von vor fast einem Jahr war vergessen. Jetzt zählte nur noch Skyla und dass es ihr wieder gut ging.
„Du hast Recht gehabt, Fred! Du hast so Recht gehabt. Warum habe ich nur nicht auf dich gehört?" Sie weinte immer noch ein bisschen.
„Womit?"
„Heute nach der letzten Stunde, als ich auf den Weg in unseren Gemeinschaftsraum war, da hab... da hab ich..." Sie stockte.
„Was hast du?", drängte Fred sie.
„Ich bin einen Korridor entlang gegangen und konnte Stimme hören. Sie haben über das Turnier gesprochen. Einer von ihnen meinte, er wollte sich als Champion melden. Dann... dann würde..." Sie fing wieder an zu weinen. „Er sagte, dann würde er sich endlich von seiner nervigen Freundin trennen und müsste sich nicht mehr mit seiner heimlichen Freundin verstecken." Ihre Tränen wurden immer mehr. Fred merkte, wie sein T-Shirt nasser wurde. „Ich... ich... ich ging um die Ecke und... und es... es war... es war Cedric." Skyla sackte zusammen und Fred fing sie auf. Die Tränen liefen ihr nur so über das Gesicht.
„WAS?", fragte Fred aufgebracht. „Dieser Mistkerl! Wenn ich den in die Finger kriege!" Was fiel dem Kerl nur ein? Klar, Fred wusste, dass Cedric Skyla nicht wirklich liebte, es auch nie getan hatte, deshalb hatten sich sich ja schließlich gestritten, aber dass er noch eine andere hatte, war wirklich das letzte. Eigentlich hatte er sich das ausgedacht, als er ihr im Zug gesagt hatte, dass er ihn knutschend mit einer anderen gesehen hatte. „Was hast du dann gemacht?"
„Ich hab erst so getan, als ob ich ihn nicht gehört hätte und bin auf ihn zugegangen.", erzählte sie, als sie sich wieder ein bisschen beruhigt hatte. „Er hat sich nichts anmerken lassen und kam mit einem strahlenden Lächeln auf mich zu. Er wollte mir einen Kuss geben, doch ich hab ihm eine Ohrfeige verpasst."
„Braves Mädchen!", meinte Fred und Skyla musste unwillkürlich grinsen. Das erleichterte den Rothaarigen ungemein.
„Ich hab ihm gesagt, dass ich ihn hasse und nichts mehr mit ihm zu tun haben will. Dann bin ich weggerannt, hierher..." Das Lächeln war wieder verschwunden.
„Du sitzt schon seit Unterrichtsschluss hier?" Skyla nickte.
„Irgendwann kam er dann her und hat mich angeschrien. Wie könnte ich es wagen, mich von ihm zu trennen. Er sei derjenige, der sagt, wann es aus ist. Und dann, als ich ihm widersprochen hab, da ... da hat er..." Sie stockte und musste schlucken.
„Da hat er dich geschlagen.", beendete Fred ihren Satz.
„Nein, nicht geschlagen. Nur weg gestoßen, dabei bin ich über eine Baumwurzel gefallen und hab mich an dem Baumstamm hier gestoßen.", erklärte Skyla. Er sah sie skeptisch an. „Wirklich.", bestätigte sie. „Danach ist er gegangen ohne ein weiteres Wort zu sagen." Die Wut kochte in ihm hoch. Wie konnte er es wagen, sie einfach im Stich zu lassen, wenn es ihr dreckig ging? Das hatte er doch letztes Jahr auch nicht getan, als ihr Vater gestorben war. Er schwor sich, wenn er Diggory das nächste Mal treffen sollte, wollte er nicht zimperlich sein. „Das wird er mir büßen, dieser Mistkerl!"
„Nein! Fred, bitte nicht!" Skyla war hoch geschreckt und starrte ihn mit angsterfüllten Augen an. „Tu das nicht!"
„Warum? Er hat es verdient."
„Weil er gesagt hat, dass, wenn ich jemandem davon erzähle, dass er mich dann nicht in Ruhe lässt. Ich hab Angst, Fred!"
Er erkannte sie nicht wieder. So verängstigt und verschreckt hatte er sie noch nie erlebt. Vorsichtig berührte er ihr Gesicht und wischte ihre Tränen weg. „Okay, ich verspreche dir, ich sage kein Wort." Skyla atmete erleichtert aus. Sie legte ihren Kopf wieder an seine Schulter. Fred legte seine Arme um sie und tröstete sie. Lange Zeit sprach keiner von ihnen ein Wort. Erst als es plötzlich anfing stark zu regnen, schaute Fred ihr in die Augen. „Komm, wir sollten ins Schloss gehen. Bevor du dich noch erkältest."
„Ich will aber nicht in unseren Gemeinschaftsraum! Nicht heute! Ich kann das nicht!"
„Aber wo willst du denn hin?", fragte Fred skeptisch. „Willst du vielleicht in einem Klassenzimmer schlafen?"
„Wenn es sein muss. Alles ist besser als heute Nacht auch nur in seiner Nähe zu sein." Der Regen hatte mittlerweile ihre Haare und Klamotten durchweicht.
„Lass uns erst einmal rein gehen.", meinte er und half ihr hoch. Gemeinsam liefen sie ins Schloss. „Bist du sicher, dass du nicht doch in deinen Schlafsaal willst? Emily hilft dir bestimmt." Doch Skyla schüttelte nur energisch den Kopf.
„Nein, nicht heute Nacht."
„Okay, dann komm mit. Wir suchen oben in einem der alten Klassenzimmer nach etwas geeignetem." Er nahm sie bei der Hand und führte sie hoch in den siebten Stock, wo es viele leere Klassenzimmer gab. Allerdings waren sie nicht so leer wie gedacht: Überall standen mehr oder weniger kaputte Möbel und Kisten. Sie hatten schon fast den ganzen Korridor abgesucht, als sie sich dem Ende näherten. Sie mussten doch nur einen Raum finden, in dem genug Platz war, damit Skyla dort die Nacht verbringen konnte. Das konnte doch nicht so schwer sein.
„Fred!" Skyla blieb stehen und hielt ihn zurück. Er drehte sich fragend zu ihr, doch sie blickte auf die rechte Wand. Fred folgte ihrem Blick und sah eine Tür, die ganz anders aussah, als die anderen in dem Korridor, sogar in ganz Hogwarts. Eine solche Tür hatte er noch nie gesehen. Es überraschte ihn, dass sie ihm nicht sofort aufgefallen war. Die Türen der Klassenzimmer waren alle dunkelbraun und schlicht, diese Tür aber, war dunkelrot und mit floralen Motiven verziert. Sie war auch größer als die anderen Türen. Langsam ging er auf sie zu und fast noch langsamer öffnete er sie. Es war zu dunkel in dem Raum, um irgendetwas auszumachen. Fred ging hinein und sofort begannen Kerzen und Fackeln an den Wänden Licht und etwas Wärme zu spenden.
Der junge Weasley machte noch ein paar Schritte in den Raum und Skyla folgte ihm. Sofort fiel die Tür ins Schloss und schützte die beiden vor ungebetene Augen. Sie staunten, als sie sich den Raum näher ansahen. Er entsprach genau ihren Wünschen. An einer Wand stand ein sehr großes Bett, in dem ohne Probleme drei oder vier Leute schlafen konnten. Es hatte schwarze Bettwäsche und sah sehr weich aus. Neben dem Bett standen zwei kleine Nachttische mit jeweils einer Petroleumlampe, die ebenfalls leuchteten. Dem Bett gegenüber gab es einen großen Schrank, der das gleiche florale Motiv auf den Türen hatte wie auf der Zimmertür. In einer Ecke stand ein kleiner Tisch mit zwei Stühlen. Sowohl der Schrank, als auch das Bett, die Stühle und der Tisch hatten den gleichen roten Farbton wie die Tür.
„Wow! Genau das, was wir brauchen!", meinte Fred und drehte sich langsam zu Skyla um. Sie sah sich immer noch um und nickte.
„Ja, genau das richtige.", murmelte sie und strich sich das Haar gedankenverloren aus dem Gesicht. Sofort sah Fred ihre aufgeplatzte Lippe und das blaue Auge und die Wut brodelte wieder in ihm auf. „Komm, du musst deine nassen Sachen ausziehen. Am besten wäre es, wenn du ein heißes Bad nehmen würdest."
„Aber hier ist kein Bad, und ich will nicht noch mehr durch das Schloss wandern.", meinte Skyla und setzte sich auf das Bett.
„Das brauchst du auch nicht." Fred ging auf die Wand neben dem Schrank zu und öffnete eine Tür. Er hatte gesehen, dass sie in dem Moment erschienen war, als er von einem Bad sprach. Was war das für ein Raum?
Er ging durch die Tür und fast gleichzeitig leuchtete der Raum auf. Er hatte Recht: es war ein Badezimmer, kein sehr großes, aber es reichte. Es gab eine Badewanne, ein kleines Waschbecken und eine Toilette. Fred wollte sich umdrehen und seine beste Freundin holen, doch er bekam einen kleinen Schreck, denn sie stand direkt hinter ihm und er hatte sie nicht kommen hören. „So, du nimmst jetzt ein Bad und ich besorg dir was zu essen."
„Du kommst aber wieder, oder?" Sie sah ihn ängstlich an.
„Natürlich." Er ging zurück in den anderen Raum und musste grinsen. Er konnte nicht anders, als glücklich darüber zu sein, dass sie ihn wiedersehen wollte. Aber am meisten freute er sich darüber, dass sie sich wieder so gut verstanden. Jetzt musste er nur noch etwas zu essen holen, am besten eine heiße Suppe und ihren Lieblingsnachtisch Erdbeereis. Er schloss die Tür zum Badezimmer und starrte auf den Tisch in der Ecke. Dort standen zwei Teller mit dampfender Suppe und eine große Schüssel mit Erdbeereis. Wahnsinn! Dieser Raum war immer für eine Überraschung gut. Er ließ wirklich keine Wünsche offen.
Fred setzte sich an den Tisch und holte sein Nuntius-Pergament heraus. Die anderen suchten bestimmt immer noch nach ihr.
EMPFÄNGER: Emily McIvory, George Weasley, Lee Jordan
NACHRICHT: Hey! Ich hab Skyla gefunden. Es geht ihr nicht so gut. Sie will heute Nacht nicht bei euch im Haus sein, Emily. Aber macht euch keine Sorgen, sie ist in Sicherheit.
Morgen redet sie mit euch. Fred
Er hatte gerade seinen Namen geschrieben, als die Tür zum Bad aufging. Nur mit einem Handtuch bekleidet kam Skyla heraus. Ihm stockte der Atem. Sie sah einfach atemberaubend schön aus. Ihre langen braunen Haare umspielten ihre nackten Schultern. Es tropfte und das Wasser bahnte sich seinen Weg über ihren Hals und ihr Dekolleté ins dunkelblaue Badetuch. Ihr Gesicht sah nicht mehr so verheult aus, nur ihr blaues Auge und ihre Lippen erinnerten noch an den schrecklichen Tag.
-------
„Das ging aber schnell!", hörte sie Freds Stimme. Sie erschrak so heftig, dass ihr beinahe das Handtuch herunterrutschte.
„Mein Herz!" Sie legte ihre Hand auf die Brust und atmete tief durch. „Musst du mich so erschrecken? Ich dachte, du wolltest Essen holen?" Skyla blickte zu ihm. Fred saß mit nassen Haaren auf einem Stuhl, neben sich ein Pergament, eine Feder und zwei Teller Suppe, und starrte sie an.
„Nee... nee, brauchte ich nicht. Das Essen ist einfach erschienen, als ich dran gedacht habe.", meinte er stockend und zeigte auf die Teller. Er wandte sich von ihr ab. „Dieser Raum erfüllt dir – glaub ich – all deine Wünsche."
„Wirklich? Dann hätte ich gerne trockene Kleidung." Kaum hatte sie es ausgesprochen, als sich auch schon die Schranktür öffnete. Skyla ging hin und holte frische Unterwäsche, ein dunkles T-Shirt und einen roten Jogginganzug heraus. „Du hast Recht." Sie drehte sich zu ihm, der im gleichen Moment auf den Tisch sah. Skyla musste unwillkürlich schmunzeln. Es war ihm scheinbar unangenehm und peinlich, dass sie hier nur mit einem Handtuch bekleidet stand. Schnell erlöste sie ihn davon, indem sie die Sachen nahm und zurück ins Badezimmer ging. Dort zog sie sich an.
Sie stellte sich vor einen Spiegel, um ihre Haare zu kämmen, doch sie bekam erneut einen Schreck, als sie sah, wie sie ausschaute. Ihr linkes Auge wurde immer dunkler und aus ihrer Lippe tropfte immer noch etwas Blut. Sie nahm ein Taschentuch und legte es sich über die Lippe. Sie hasste Cedric dafür. Es hat höllisch weh getan. Wie konnte er ihr das nur antun? Er sollte sie doch eigentlich lieben, aber nein, sie war nur seine nervige Freundin. Warum mochte er sie plötzlich nicht mehr? Hatte er sie überhaupt jemals gemocht? Sie erinnerte sich an das, was Fred ihr vor fast einer Ewigkeit gesagt hatte: Cedric sei nur mit ihr zusammen, weil er sich an Fred und George rächen wollte... Cedric könne es nicht ertragen, dass die Zwillinge immer mit allem durchkamen und da sie sich nicht mochten, um nicht zu sagen hassten, habe er sich Skyla als Opfer ausgesucht, um ihnen eins auszuwischen. Das hatte Fred damals gesagt, und sie hatte ihm nicht geglaubt, sondern ihn nur wüst beschimpft. Seit diesem Tag hatten sie kaum noch ein Wort miteinander gesprochen, wenn es sich vermeiden ließ. Doch jetzt wusste sie, dass er Recht gehabt hatte. Wenn sie darüber nachdachte, war seit jenem Tag ihre Beziehung zu Cedric den Bach runtergegangen. Es zeigte sich nur langsam und schleichend, doch immer öfter hatte er eine Verabredung abgesagt oder hatte sie einfach versetzt, ohne etwas zu sagen. Hätte sie ihm doch nur geglaubt! Dann wäre ihr vieles erspart geblieben. Nicht nur die Sache mit Cedric, sondern auch der Streit mit Fred, unter dem sie ziemlich gelitten und der ihr stark zugesetzt hatte.
Skyla zog sich die Jacke vom Jogginganzug über ihr T-Shirt und ging zurück in den anderen Raum. „Ich hab großen Hunger!", sagte sie und setzte sich zu ihm an den Tisch.
„Hier, ich hab heiße Suppe." Fred schob ihr einen Teller zu und reichte ihr einen Löffel. „Und wenn du fertig bist, dann hab ich noch eine Überraschung für dich." Er grinste sie an. Wie sie das vermisst hatte, wurde ihr erst jetzt wirklich klar.
„Danke.", sagte sie und nahm den Löffel. Vorsichtig aß sie den ersten Löffel Suppe, aber es brannte fürchterlich auf ihrer Lippe. Scharf zog sie die Luft ein.
„Warte!", meinte Fred und schloss kurz die Augen. Dann sah er sich um, stand auf und ging zu einem der Nachtschränkchen. Er kam mit einem kleinen Päckchen wieder. Etwas unbeholfen sah er sich die Sachen an. Fred kannte sich mit Erster Hilfe nicht aus. Aber Skyla wusste, was sie brauchte. Sie hatte oft genug ihrer Mutter zugesehen, wenn sie eine Wunde verarztet hatte.
Sie nahm eines der Desinfektionstücher, packte es aus und versuchte ihre Lippe zu desinfizieren, dabei nahm sie den Löffel zur Hilfe, um sich darin zu spiegeln, doch sie konnte nicht viel erkennen. Fred nahm ihr das Tuch aus der Hand.
„Lass mich das machen.", meinte er und tupfte vorsichtig mit dem Tuch um die kleine Wunde. Es tat höllisch weh, aber sie versuchte sich nichts anmerken zu lassen. Zum Glück hatte es mittlerweile aufgehört zu bluten. Sie sah Fred ins Gesicht. Er konzentrierte sich vollkommen auf die Wunde und merkte nicht, dass sie ihn ansah. Sie musste zugeben, dass er es sehr gut machte, selbst ihre Mutter könnte es nicht besser.
„So, fertig." Er blickte hoch und grinste sie an. „Ich hoffe, du kannst jetzt ordentlich essen."
„Vielen Dank.", antwortete sie und versuchte etwas Suppe zu löffeln. Es tat zwar immer noch ein bisschen weh, aber es klappte recht gut. Hungrig aß sie drei Teller Suppe (er füllte sich immer wieder auf). „Du solltest auch mal ein heißes Bad nehmen, sonst wirst du noch krank."
„Ja, Mama!" Fred grinste und schob den Teller weg. Anschließend stand er auf, nahm sich Kleidung aus dem Schrank und ging ins Bad. Er brauchte nicht lange. Nach einer Viertelstunde kam er wieder heraus. Er hatte fast den gleichen Jogginganzug an wie Skyla, die sich mittlerweile auf das Bett gesetzt hatte. Das Bett war angenehm weich und bequem.
„Ich hab übrigens den anderen gesagt, dass du heute Nacht nicht im Schlafsaal schläfst.", meinte Fred, als er sich zu ihr aufs Bett setzte. Sie seufzte.
„Und was haben sie gesagt?"
„Sie waren froh, dass ich dich gefunden hab, wollten aber wissen, was mit dir los ist. Ich hab gesagt, dass du Ruhe brauchst und ihnen morgen alles erzählst."
„Hm..." Skyla rückte an das Kopfende des Bettes und lehnte sich an. Sie zog die Beine an und legte ihren Kopf auf die verschränkten Arme, die auf ihren Knien lagen. Der Tag war wirklich schrecklich gewesen, vor allem das Ende. Sie konnte es immer noch nicht glauben, dass Cedric so gemein sein konnte. Wer war den nur die andere? Und wie lange ging das schon? Seit wann hatte er eine heimliche Freundin? Wenn sie so richtig darüber nachdachte, dann ging das sicher schon einige Monate. Warum sonst hätte er ständig absagen sollen? Es tat so weh. Er hatte ihr das Herz gebrochen. Sie hatte es ihm geschenkt und ihm fiel nichts besseres ein, als darauf rumzutrampeln. Die Tränen kamen wieder.
„Hey, nicht weinen.", hörte sie plötzlich Freds Stimme. Sie sah auf und lächelte ihn traurig an. „Er ist es nicht Wert." Er rückte neben sie und legte seinen Arm um sie. Skyla rutschte näher und lehnte ihre Kopf auf seine Schulter.
„Ja, ich weiß, aber es ist trotzdem so schwer." Die Tränen wurden nicht weniger. „Wie konnte er mir das antun? Und warum war ich ihm nicht genug? Warum hat er eine andere? Wer ist sie und was hat sie, was ich nicht habe?"
„Denk nicht darüber nach, dass macht es nur noch schwerer. Dieses miese Schwein hat es nicht verdient, dass du dir seinetwegen die Augen ausheulst und Gedanken machst." Sie konnte hören, dass Fred sauer auf Cedric war. „Ich hab etwas, dass dich aufmuntern wird.", meinte er leise und holte seinen Zauberstab heraus. Mit einem Schlenker ließ er eine große Schüssel und einen Löffel auf sie zu schweben. Er tauchte den Löffel in die Schüssel und hielt ihn ihr dann vor dem Mund. Sie blickte ihn irritiert an. „Iss!" Skyla öffnete den Mund und aß die rötliche Masse.
„Mhm.. lecker! Erdbeereis!" Freudig setzte sie sich auf. Das war jetzt genau das richtige, was sie brauchte. „Du bist zu gut zu mir.", meinte sie und nahm ihm den Löffel aus der Hand. „Das hab ich gar nicht verdient."
„Red keinen Unsinn."
„Ich rede keinen Unsinn. Ich war so gemein zu dir."
„Vergeben und vergessen.", meinte er nur und sie fiel ihm um den Hals. Sie war so glücklich darüber, dass er ihr verziehen hatte, dass sie einfach nicht anders konnte.
„Das hab ich nicht verdient.", wiederholte sie.
„Egal, ob du das verdient hast oder nicht, was wäre ich für ein Freund, wenn ich dich in dieser Situation im Stich lassen würde?"
„Nicht mein bester.", meinte sie und umarmte ihn ein weiteres Mal. „Ich bin so froh, dass wenigstens wir uns wieder vertragen haben. Ehrlich gesagt, habe ich schon nicht mehr daran geglaubt." Sie aß einen Löffel Eis.
„Ich auch nicht.", murmelte er. „Ich auch nicht." Er sah auf seine Uhr.
„Willst du gehen?", fragte sie alarmiert.
„Nur wenn du willst."
„NEIN! Bleib bei mir, bitte. Ich will heute Nacht nicht alleine sein."
„Gut, dann bleibe ich hier.", meinte er und Skyla fiel ein Stein vom Herzen. Erleichtert lehnte sie sich zurück und aß noch mehr Eis. Fred beschwor sich ebenfalls einen Löffel und aß mit ihr die Schüssel leer.
„Danke! Danke für alles!", sagte sie noch einmal, als die Schüssel leer war. Sie stellte sie auf das Nachtschränkchen.
„Hör auf dich zu bedanken, sonst überlege ich es mir vielleicht noch einmal anders." Er lachte leise. Sie knuffte ihm in die Seite.
„Mach dich nicht lustig über mich. Ich meine es ernst." Sie sah ihn ernst an. „Die letzten Monaten gehörten nicht gerade zu meinen glücklichsten." Sie schüttelte sich, als sie daran dachte.
„So schlimm?"
„Ja. Den ganzen Sommer über war ich fast jeden Tag alleine zuhause. Emily war ein paar mal da gewesen, aber sie war ja die meiste Zeit bei Lee gewesen und nur selten zuhause. Cedric hat mich fast komplett ignoriert. Wir haben uns vielleicht einmal in der Woche gesehen, wenn überhaupt. Immer hatte er etwas zu tun. Er war nicht mal am Jahrestag da..." Skyla seufzte. „Meine Mutter, Janus, seine Freundin Ann und ich waren alleine. Es war fast noch schrecklicher als letztes Jahr, als Dad gestorben ist. Damals hatte ich ja noch jemanden, der mir geholfen hat. Dieses Jahr war niemand da. Erst am nächsten Tag kam George vorbei. Er meinte, er wäre auch am Tag davor gekommen, aber er konnte sich nicht von dir losreißen."
„George war bei dir?"
„Ja. Weißt du das nicht?" Er schüttelte den Kopf. „Er war der einzige, der mich regelmäßig besucht hat. Ich bin ihm unendlich dankbar dafür."
„Er hat mir nie was davon erzählt." Fred schüttelte ungläubig den Kopf.
„Dann hat er dir auch nicht erzählt, dass Janus und Ann sich verlobt haben?" Ihr Bruder war Anfang August zu ihnen gekommen und hatte bekannt gegeben, dass er Ann heiraten wollte. Ihre Mutter war sehr glücklich darüber gewesen.
„Bill hat das erzählt. Er hat sich wohl mit deinem Bruder getroffen."
„Stimmt. Janus hat davon erzählt.", meinte Skyla und legte wieder ihren Kopf auf seine Schulter. „Du siehst, mein Sommer war nicht gerade prickelnd. Und der Schulbeginn war nicht besser..." Sie wurde wieder trauriger.
„Ich verspreche dir, dass das Schuljahr nicht so schlimm bleibt." Er drückte sie an sich.
„Das hast du schon gemacht.", meinte sie leise. „Wir haben uns wieder vertragen. Und wenn Gita nicht gewesen wäre, dann hätten wir uns bestimmt schon früher vertragen..."
„Was hat Gita damit zu tun?", wollte Fred wissen. Gita Akelson war bei ihnen im Jahrgang und gehörte wie Skyla und Emily nach Hufflepuff.
„Sie hat gepetzt. Sie hat Cedric von der Sache mit den zwei Wochen erzählt."
„Welche Sache mit den zwei Wochen?"
„Haben Emily und George dir das nicht erzählt? Nach unserem Streit, da haben alle versucht mich davon zu überzeugen, dass du Recht hast. Ich wollte ihnen nicht glauben und hab gesagt, wenn du wirklich Recht hättest, dann hätte sich Cedric ein paar Tage nach unserem Streit von mir trennen müssen. Aber das hat er nicht, weil Gita ihm das erzählt hat. Sie muss es mitbekommen haben, als Emily und ich nachts darüber geredet haben.", erzählte sie beklommen.
„Du hast in Betracht gezogen, dass ich Recht hatte?" Fred war ganz erstaunt.
„Wenn ich ehrlich bin, dann nein, aber ich hätte dir geglaubt, wenn das eingetroffen wäre. Wobei ich eigentlich bezweifelt habe, dass du dich mit mir vertragen würdest, wenn das eingetreten wäre. Du warst so sehr mit Angelina beschäftigt, dass ich dachte, du hasst mich."
„Ich könnte dich nie hassen.", sagte er bestimmt. „Ich war nur so wahnsinnig enttäuscht. Versprich mir, dass ich das nie wieder sein muss. Es war schrecklich."
„Versprochen! Hoch und heilig!" Sie richtete sich auf und sah ihm direkt in die Augen.
„Wunderbar, dann wollen wir die ganze Sache schnell vergessen!" Sie nickte energisch. Sie fühlte sich schon viel besser. Hätte ihr jemand vor ein paar Wochen erzählt, dass sie sich mit Fred wieder vertragen würde und dass er sie trösten würde, dann hätte sie geglaubt, jemand hätte diese Person mit einem Verwirrungszauber belegt.
Sie musste gähnen. Sie musste dringend schlafen. Die letzten Tage hatte sie viel zu wenig geschlafen. Immer hatte sie über Cedric nach gegrübelt. Aber sie bezweifelte, dass sie heute Nacht besser schlafen würde. Schließlich hatte Cedric sie hintergangen. Sie wollte nichts mehr mit ihm zu tun haben. Am liebsten würde sie ihn gar nicht mehr wiedersehen, aber das ging leider nicht. Jeden Tag würde sie ihm über den Weg laufen. Entweder beim Essen, oder im Gemeinschaftsraum oder aber im Unterricht. Sie konnte ihm nicht entkommen, das wusste sie. Also blieb ihr nur eine Möglichkeit: Sie musste so gut es ging damit fertig zu werden, aber Fred stand ja jetzt wieder an ihrer Seite, dann würde es hoffentlich nicht ganz so schwer. Und sie hatte ja auch noch Emily, George und Lee. Gemeinsam würden sie es schaffen. Emily wusste sicher eine gute Möglichkeit mit Liebeskummer fertig zu werden. Sie hatte damit am meisten Erfahrung. Obwohl, wenn sie genau darüber nachdachte, dann müsste Fred eigentlich noch mehr Erfahrung haben. Aber nein, er war ja nie sehr lange mit einem Mädchen zusammen gewesen, um wirklich verliebt gewesen zu sein, oder? Sollte sie ihn fragen? Lieber nicht. Wer weiß wie er reagieren würde, und sie hatten sich gerade erst wieder vertragen, da wollte sie ihre neue gewonnenen Freundschaft nicht gleich auf die Probe stellen. Sie wollte lieber mit Emily reden, so von Frau zu Frau.
Sie gähnte ein weiteres Mal und lehnte sich an das Bettende.
„Woher weißt du, dass Gita dich verraten hat?", fragte Fred leise.
Skyla schluckte. Sollte sie es ihm wirklich erzählen? Sie fasste sich ein Herz. „Cedric... er hat mir das eben um die Ohren geworfen. Er hat gesagt, dass er nur noch mit mir zusammen war, weil ihm Gita alles erzählt hat. Und er war ziemlich sauer, dass ich es in Betracht gezogen hab, dir zu glauben. Das war auch der Grund, warum er seitdem immer weniger mit mir zu tun haben wollte." Sie unterdrückte die Tränen, die wieder hochkommen wollten. Sie wollte nicht schon wieder weinen. Das hatte sie an diesem Tag oft genug getan.
„Am liebsten würde ich ihm eine Lektion erteilen, die er nie vergessen wird.", schnaubte Fred. „Ich kann nicht fassen, dass er dir so übel mitgespielt hat." Er ballte eine Faust.
„Bitte, Fred," Sie legte ihre Hand auf seinen Arm, um ihn zu beruhigen. „lass ihn in Frieden. Ich will nicht noch mehr darunter leiden." Sie sah ihn ängstlich an.
„Ich habe dir versprochen, dass ich nichts sagen werde, und daran halte ich mich." Er nahm sie in den Arm und sie beruhigte sich etwas.
„Danke." Sie gähnte und schloss kurz die Augen.
Als sie die Augen wieder öffnete, lief sie durch den Verbotenen Wald. Sie war schon oft darin gewesen, allerdings waren jedes Mal Fred und George dabei. Doch heute war sie allein. Sie hatte Angst. Große Angst. Sie hatte keine Ahnung, wo genau sie sich befand und warum sie hier war. Sie schaute verstört um sich, doch sie konnte sich nicht erinnern, jemals hier gewesen zu sein. Hinzu kam noch, dass es unheimlich dunkel war und sie kaum etwas von ihrere Umgebung ausmachen konnte. Sie blieb stehen. War da was? Hatte sie ein Geräusch gehört? Was war es?
Mit zitternden Händen hob sie ihren Zauberstab und murmelte den Licht-Zauber, der ihren Zauberstab zum Leuchten brachte. Doch es half nicht viel. Sie konnte nichts erkennen. Überall sah sie die Bäume und dichten Büsche des Waldes. Direkt vor ihr auf dem Boden lagen viele kleine Äste und der Weg, auf dem sie stand, wurde immer schmaler. Die Büsche wucherten ihn zu.
Da war es wieder! Es hörte sich an, als ob jemand hinter ihr her laufen würde. Wer war es und warum lief er ihr hinterher? Was wollte die Person?
Sie stürzte weiter. Ihr Umhang war schon ganz zerrissen und ihre Beine wiesen viele Schnitte und kleine Wunden auf. Aus irgendeinem Grund trug sie unter ihrem Umhang nur einen kurzen Rock. Sie wusste nicht, woher sie ihn hatte, denn eigentlich zog sie keine Röcke an.
Plötzlich blitzte es und kurz darauf folgte ein sehr lauter Donnerschlag. Verängstigt blickte sie nach oben. Sie konnte nicht viel erkennen. Die Baumkronen versperrten ihr den Blick auf den Himmel. Aber leider verhinderten sie nicht, dass der einsetzende Regen nicht auf sie niederprasselte. In wenigen Minuten war sie total durchnässt, doch sie lief immer weiter und hörte immer noch ihren Verfolger. Sie hatte den Eindruck, dass er immer näher kam.
Sie lief schneller, aber ihre Kondition ließ nach. Vielleicht sollte sie sich verstecken. Gerade als sie daran dachte, kam sie auf eine Lichtung. Sie starrte umher und leuchtete alles ab. Es war unheimlich. Die Bäume standen in einem großen Kreis um die Lichtung herum und es gab keinen Weg, der herausführte, bis auf den Weg, den sie gekommen war.
Sie bekam Panik. Wo sollte sie sich verstecken? Sie lief auf die gegenüberliegende Seite und suchte nach einem Versteck. Doch sie fand keines rechtzeitig und eine hochaufragende Person trat auf die Lichtung.
„Hab ich dich endlich." Es klang finster und sie wusste, dass es ein Mann war. Langsam ging er auf sie zu. Er hob seinen Zauberstab. „Jetzt wirst du mir endlich büßen, dass du mir über ein Jahr so sehr auf den Geist gegangen bist! Endlich kann ich dich loswerden!" Es war Cedric. Er kam immer näher und zielte mit ihrem Zauberstab auf sie. „Avada Kedavra!"
Plötzlich sprang eine große rothaarige Gestalt vor sie und wurde von dem Fluch getroffen. Sofort fiel die Person zu Boden und blieb regungslos liegen. Wo kam er jetzt her? Warum hatte sie ihn nicht früher gesehen?
„FRED!", rief sie, als sie Fred tot am Boden liegen sah. Die Tränen liefen ihr über das Gesicht. Sie hatte seinen Kopf in ihrem Schoß und starrte in die toten Augen von Fred. Cedric kam immer noch weiter auf sie zu. Er hob erneut seinen Zauberstab.
„Avada Kedavra!", wiederholte er den Fluch. Ein grüner Lichtblitz kam auf sie zugeschossen. Sie schloss die Augen und erwartete den Tod. Er kam mit großer Wucht. Sie wurde ein wenig zurückgeschleudert, als der Fluch sie traf und fiel dann über Freds Leiche tot zu Boden.
