Irgendwo weit, weit oben.
„Er ist unterwegs zu den Zentauren. Er hat es fast geschafft. Er muss jetzt die Seelen bekommen, sonst war alles umsonst", mahnt ein Unsäglicher eindringlich.
„Schickt IHN, er soll ihm helfen", antworten zwei Stimmen, eine männliche und eine weibliche, die synchron sprechen.
„IHN? Er wird wieder versagen. Uns verraten", gibt der Unsägliche zu bedenken.
„Nein, das wird ER nicht."
Der Unsägliche schnauft ergeben.
„Croaker!"
Ein Mann tritt aus der Dunkelheit in den grellen Lichtkreis.
„Du wirst Severus Snape helfen müssen. Er kennt dich bereits. Das ist deine letzte Chance. Solltest du noch einmal über uns sprechen, wirst du ausgelöscht. Aus jeder Zeitlinie. Es wird sein, als wärst du nie geboren worden", befehlen die zwei Stimmen.
Croaker verneigt sich etwas verwundert über diese Großzügigkeit seiner Wiederauferstehung und verlässt den hellen Kreis.
Er schließt seine Augen und konzentriert sich auf die Stelle, an der sein weltliches Leben ein Ende gefunden hatte.
*****
Dolohow und Neville. Spinner´s End.
„Wir müssen runter. Bedient euch nur, ihr müsst hungrig sein", schlägt Rodolphus vor und geht gefolgt von Narzissa wieder zurück an seine Aufgabe im Kellerlabor.
„Vor allem du solltest etwas essen", meint Antonin nach rechts nickend und lässt Neville den Vortritt durch die schmale, von mittlerweile staubfreien Bücherregalen verborgene Tür in die Küche.
Dolohow bleibt ein wenig verwirrt vor den ganzen Muggelgerätschaften wie Kühlschrank und Herd stehen, doch Neville, der sich ein Lachen verkneifen muss, öffnet zielstrebig ein paar Schranktüren. Bald stehen Brot, etwas Käse, eine Karaffe Wasser und etwas ramponiertes Geschirr auf dem Tisch, während eine frische Kanne Kaffee blubbert.
Dolohows Augen sind jeder Bewegung des jungen Mannes genau gefolgt, auch jetzt sieht er ihn mit einer Mischung aus Ekel und vielleicht einem leisen Anflug Anerkennung an.
„Ich hatte immerhin drei Jahre Muggelkunde!", erklärt Neville trotzig. Natürlich weiß er die Abneigung in Dolohows Blick wegen seiner Sicherheit – immerhin ist Neville ebenfalls Reinblüter - im Umgang mit Muggelküchengeräten richtig zu deuten.
„Miss Burbage, nicht wahr?", hakt Dolohow nach und lehnt sich grübelnd zurück. Neville wird unmittelbar blass, als würde ihm erst jetzt auffallen, mit wem er da eigentlich spricht.
Die Zeitungen berichteten tagelang über Charity Burbages Entführung durch -Todesser.
Neville überlegt, ob er den Bissen Brot, den er im Mund hat unzerkaut runter schlucken, oder lieber dem vor ihm sitzenden Mörder ins Gesicht spucken soll.
„Die Zeitungen schreiben nicht immer die Wahrheit, Longbottom."
Neville quält den Bissen seine trockene Kehle hinunter und kippt ein Glas Wasser hinterher. Er schnaubt trocken auf. „Ach kommen Sie, jeder weiß doch, was ihr von Muggeln und erst recht von Muggelkundelehrern haltet. Bestimmt haben Sie Miss Charity höchst persönlich zu Tode gefoltert!", blafft Neville und wundert sich darüber, dass seine Stimme nicht so ängstlich klingt, wie er sich eigentlich gegenüber des Folterknechts fühlen müsste. Und Dolohow wundert sich ebenfalls.
„Nein, keiner von Seinen Männern hat sie auch nur angefasst. Sie starb sehr... schnell."
Neville atmet erleichtert aus, denn er hatte die hübsche Muggelkundelehrerin sehr gemocht. Dolohow zuzuhören, wie er den genauen Hergang ihres Ablebens schildert, hätte ihn bestimmt zu einer Dummheit verleitet.
„Der Dunkle Lord war leider ausgesprochen gnädig mit ihr. Er sprach einen Todesfluch, bevor Nagini ihre weit geöffneten Kiefer über ihrem Kopf aushakte", erklärt Dolohow und sieht Neville herausfordernd an.
Dieser steht wortlos auf und geht zur Kaffeemaschine, schenkt zwei Tassen voll und stellt eine vor Antonin.
„Nagini. Gut zu wissen. Dann war ich wenigstens ich derjenige, der diese widerliche Schändung ihres Leichnams gerächt hat."
Dolohow erlaubt sich ein leises Lächeln. Nicht hämisch oder spöttisch. Ein echtes Lächeln.
Sein Blick wandert zu Nevilles unübersehbar vereiterter Wunde auf dessen Arm.
Er zieht eine Besteckschublade auf und nimmt ein scharfes Messer heraus.
Dann nimmt er ohne einen Ton zu sagen Nevilles Arm am Handgelenk und zieht ihn über den Tisch.
„Was soll...? Aah!"
Dolohow zieht die Klinge über die Kratzer und öffnet so die bereits verkrusteten Wundränder. Sofort quillt zäher, flockiger Eiter hervor, Neville dreht seinen Kopf weg, es stinkt bestialisch.
„Es sollte ordentlich ausbluten. Du ahnst nicht, was Werkatzen alles unter ihren Krallen haben", murmelt Dolohow und Neville dreht seinen Kopf zurück nach vorne, beobachtet, wie Antonin mit fast schon chirurgischer Präzision seine Wunden säubert.
Zwischendurch achtet Dolohow immer weder auf die Reaktion und Gesichtsfarbe seine Patienten, der nach seinem anfänglichen Aufschrei nun seine Zähne fest zusammen beißt um sich keine weitere Blöße zu geben.
Als auf Druck nur noch hellrotes Blut aus der Wunde kommt, nimmt Dolohow ein gräuliches Küchenhandtuch und bindet es um Nevilles Arm.
„Sie haben nicht zufällig Heilkunde studiert?", fragt der Gryffindor erleichtert, dass er die wenig angenehme Prozedur hinter sich hat.
„Sagen wir so, ich hatte einige Heilkunstbücher und genügend... Probanden um meine Kenntnisse der menschlichen Anatomie zu vertiefen."
Dolohow steht auf und wirft das Messer in die Spüle, dreht das Wasser auf und spricht einen Wärmezauber darüber, bis es kocht.
Neville beobachtet das Spiel der unter dem eng anliegenden Hemd deutlich sichtbaren Rückenmuskeln. Dolohow lässt das Wasser abkühlen, krempelt seine Ärmel hoch und nimmt das desinfizierte Messer aus dem Becken. Er trocknet es mit einem weiteren Küchentuch ab und legt es zurück in die Schublade.
Neville folgt mit den Augen dem Zauberstab, den Dolohow nun wieder in seine hintere Hosentasche steckt, betrachtet das Kobramal auf seinem linken Arm, die bläulichen Venen, das filigrane Muster der silbernen Gürtelschnalle...
Nevilles Blässe weicht einer dunkelroten Farbe, er hatte nicht bemerkt, dass Dolohow sich längst umgedreht hat.
„Gefällt dir, was du siehst, Longbottom?"
Neville schluckt schwer und rutscht vorsorglich mit seinem Stuhl ein Stück zurück.
„Nein...ich meine...ich hab nicht..."
„Was hast du nicht? Mich angesehen? Bin ich es nicht wert, dass man mich ansieht?" Dolohows Stimme wird um einiges Kälter, genau wie sein Blick.
„Ich wollte nur..ich hab nur..."
Mit zwei schnellen Schritten hat Dolohow den Tisch umrundet und steht nun direkt vor Neville, packt ihn im Genick und drückt seinen Kopf nach vorne.
„Ich kann mir denken, was du kleiner, dreckiger..."
„Nein, Sie liegen falsch! Ich hab wirklich nicht..."unterbricht er den wütenden Todesser verzweifelt.
„Niemand wagt es, mich derart anzustarren, nicht einmal Hochrangige."
„Das weiß ich, Sir! Ich weiß auch nicht, wieso ich das gemacht habe..."
„Du gibst es also zu?"
Neville nickt, etwas beruhigt durch die nun wesentlich sanftere Stimme Antonins.
„Dann starrst du also öfter Männer an?", fragt Dolohow, seinen Griff lockernd.
„Nein.... ich meine...Nein!" Nevilles Augen weiten sich. Dieses Gespräch verläuft in eine gefährliche Richtung.
„Oh, dann bin ich also etwas besonderes?", fragt Dolohow weiter, übertrieben freundlich.
„Na ja... Sie haben schon eine gewisse Wirkung auf Menschen...Sir", murmelt Neville kleinlaut.
Dolohow lässt ihn los und stellt sich hinter Neville, der sich leise fluchend seinen geröteten Nacken reibt.
„Wie genau wirke ich denn auf ...dich?"
Neville, der nicht mitbekommen hat, dass Dolohow hinter ihn gegangen ist, zuckt zusammen, als er dessen Atem auf seinem Hals spürt.
„Furchteinflößend... Gnadenlos...Beängstigend..." Faszinierend denkt er sich lieber nur. „Brutal... Unnachgiebig..."
„Und das konntest du alles woran sehen?" Er tritt noch näher an den jungen Mann heran, der bereits heftig zittert. „Etwa... An meinem Arsch?"
Neville hält die Luft an, betet, dass Dolohow ihn vor Wut und somit schnell tötet.
„Da hast du doch hingesehen, oder etwa nicht?"
„Ich hab nur geschaut, wo Sie Ihren Zauberstab..."
„Die Wahrheit, Longbottom. Ich habe Übung darin die Wahrheit aus meinen Mitmenschen heraus zu quetschen, das kannst du mir glauben."
Daran herrscht überhaupt kein Zweifel.
„Ja, Sir. DA habe ich hingesehen", antwortet Neville tonlos, besser Antonin tötet ihn im Affekt, als ihn weiterhin so zu quälen.
„Das heißt im Umkehrschluss, dass du mich für schwul hältst."
Jetzt bleibt Nevilles Herz beinahe stehen, er lässt sich fassungslos, wie er ist, von Dolohow am Arm gepackt herumwirbeln und knallt mit dem Rücken gegen die Küchentür.
Einen Wimpernschlag später spürt er den stahlharten Oberkörper des Todessers gegen seinen gepresst.
Er ist kurz davor, in Ohnmacht zu fallen, doch etwas fällt ihm auf. Dolohow hat einen merkwürdigen Glanz in den Augen, was nicht so richtig zu seiner Raserei passen will.
Fast könnte man meinen, er würde genießen, was er tut. Neville ignoriert den Schmerz, den Dolohows Finger, die sich in seinen Arm krallen, verursachen. Er erstarrt, als Dolohows andere Hand sich auf seine Kehle legt, ihm mit festem Druck die Luft zum Atmen nimmt.
„Du kannst dir bestimmt vorstellen, wie ich gewöhnlich solche Unverschämtheiten ahnde?", fragt Dolohow gefährlich leise.
Neville ist es nicht möglich mit dem Kopf zu nicken, also presst er ein klägliches „Ja" zwischen seinen Zähnen hindurch.
Dolohows Kopf kommt immer näher, sein Lächeln wird diabolischer.
Neville ist sich ziemlich sicher, dass der Folterknecht vorhat, ihm die Nase ab zubeißen, als er bereits so nah ist, dass er die braunen Punkte in Dolohows Iris erkennen kann.
Ihm fällt auf, dass Dolohows Mund leicht geöffnet ist, noch ein bisschen näher und...
Das Glühen in Dolohows Augen erlischt, die Luft fängt an zu wabern, er weicht ruckartig zurück und schiebt Neville grob zur Seite, reißt beim Öffnen fast die Tür aus der Angel und stürmt ins angrenzende Wohnzimmer.
„Was...was ist los?", fragt Neville und stolpert ihm atemlos hinterher.
Er läuft fast gegen den Todesser, der abrupt mitten im Wohnzimmer stehen geblieben ist.
„Das waren die Schutzbanne, Longbottom!", knurrt Dolohow ungeduldig und sieht sich im menschenleeren Wohnzimmer um.
Die Kellertür springt auf und Rodolphus stürmt mit gezücktem Stab ebenfalls ins Wohnzimmer.
Dolohow legt einen Finger auf die Lippen und dreht sich in alle Richtungen, spricht leise einige Aufspürzauber, doch es tut sich nichts.
„Glaubst du, das waren die Flederviecher?", fragt Rodolphus leise und zielt in Richtung Decke.
„Nein. Die lösen keinen Magiealarm aus. Das war etwas anderes..."
„Ich kann niemanden sehen, du?", fragt Rodolphus und sieht vorsichtshalber hinter und unter alle Möbel und Vorhänge.
Dolohow beschwört seinen Makohai und lässt ihn ins Mal eintauchen, verwendet den gleichen Aufspürzauber, den einst Snape benutzt hat, um Rabastan zu finden.
Der Hai schwebt hoch ins Obergeschoss und kehrt schon nach kurzer Zeit wieder zurück in Dolohows Arm.
„Es ist niemand hier, Antonin", stellt Rodolphus fest und will wieder runter in den Keller.
„Niemand löst keinen Alarm aus, Lestrange. Ich dachte, der Wahnsinn deines Weibs hätte nicht auf dich abgefärbt!"
Rodolphus verkneift sich eine Antwort und durchsucht noch einmal persönlich das ganze Haus.
„Was ist mit dem Keller?", fragt Neville zögerlich.
„Es ist mir nicht gestattet, dort hin zu gehen, wenn ich also dich bitten dürfte...", meint Dolohow.
„Ich habe unten bereits nachgesehen, oder was glaubst du, warum ich nicht sofort hier hoch gekommen bin?!", poltert Rodolphus.
„Natürlich. Was auch immer es ist, es darf auf keinen Fall nach unten gelangen. Geh wieder runter. Versiegle die Tür. Nun mach schon!", befiehlt Dolohow und Rodolphus gehorcht zähneknirschend.
„Was würde einen Alarm auslösen, Sir?", fragt Neville nun mutiger und sieht sich auch noch einmal um.
„Jegliche Form von Apparation, Banngegenflüche, Dunkle Magie, alte Magie, starke, weiße Magie..", zählt Dolohow auf. Immerhin müssen sie sich auch die Auroren vom Hals halten...
„Aber ich dachte, es ist nicht möglich, hier herein zu apparieren? Sir?"
„Ist es auch nicht", antwortet Dolohow und inspiziert die Umgebung durch die schmutzigen Fenster. „Aber die Irre hat etwas gesagt, was mich glauben lässt, dass wir es mit sehr alter Magie zu tun haben könnten."
Neville stellt sich an die andere Seite des Fensters und starrt in den kümmerlichen Vorgarten.
Keiner von beiden kann Croakers Anwesenheit spüren, der direkt vor dem Sofa steht.
Die überaus mächtige Magie, die die Herrscher des Jenseits ihren Kriegern auferlegt haben, macht ihn absolut unauffindbar, er ist mit einem so starken Ignorierzauber belegt, dass niemand ihn wahr nehmen kann.
Nur einer der vielen Vorzüge, die die Aufnahme in den Kreis der Unsäglichen mit sich bringt.
Croaker sieht sehnsüchtig nach Dolohows Zauberstab, ein wenig Kleidung oder ein leichter Wärmezauber würde dem nackten Croaker seinen Aufenthalt um einiges erleichtern. Er überlegt fieberhaft, ob Dolohow wohl seinen Zauberstab jemals ablegt, auf den Tisch z.B., doch dann schüttelt er über sich selbst verärgert den Kopf. Ein Krieger wie Dolohow und seine Waffe außer Reichweite legen...
Verwundert stellt er fest, dass der junge Mann neben dem Todesser offenbar unbewaffnet ist, denn der hat nicht beim Alarm seinen Stab kampfbereit gezogen.
Wirklich sehr gefährlich, wenn man die momentane Situation betrachtet, in der sich die magische Gesellschaft befindet.
„Was genau meinten Sie mit `alter Magie´ ?", durchbricht nun Neville die angespannte Stille.
Der Todesser antworte ihm, ohne seinen Blick in den Vorgarten abzuwenden.
„Der alte Zausel tat unrecht damit, euch nur in weißer Magie zu unterrichten, Longbottom. Man muss seine Feinde studieren, bevor man sie bekämpfen kann. Nicht einfach nur ein paar Gegenflüche herunter rasseln. Man muss in die Dunkle Magie eintauchen, sie fühlen... sich mit ihr vereinigen. Erst wenn man sie wirklich verstanden hat, ist man in der Lage, sie zu bekämpfen."
Neville dreht sein Gesicht zu dem Älteren, der mit einem fast schon liebevollen Klang in der Stimme von den Dunklen Künsten spricht.
„Er war wohl der Meinung, ihr seid alle so schwach wie er selbst es war und würdet euch auf der Dunklen Seite verlieren", fügt Dolohow hinzu.
„Haben Sie sich verloren, Sir?"
Dolohow wendet Neville langsam sein Gesicht zu. Neville senkt beschämt seinen Blick, er hofft, mit dieser persönlichen Frage nicht wieder den Zorn seines Lehrmeisters auf sich zu ziehen.
„Das ist etwas völlig anderes, du Narr! Wirke ich auf dich, als stünde ich unter einem magischen Einfluss? Zweifelst du ernsthaft an meiner Hingabe, mit der ich der Dunklen Seite diene? Du musst noch sehr viel lernen, Gryffindor", er spuckt das Wort förmlich aus. „Ihr seid alle so sehr damit beschäftigt den tragischen Helden zu spielen, dass ihr verkennt, wie ehrenhaft es ist, sich voll und ganz einer höheren Macht freiwillig zu unterwerfen!"
„Wenn ich meinen gesamten VgdDK-Unterricht richtig verstanden habe, sind Todesser nichts anderes als Sklaven, Sir. Sie müssen dem Ruf des Lords folgen, können schmerzhaft bestraft werden über weite Entfernungen hinweg! Klingt nicht gerade, als hätten Sie überhaupt eine Chance, sich zu lösen, wenn Sie es wollten", bemerkt Neville trotzig.
„Du willst es nicht verstehen, oder? Ich habe überhaupt keinen Grund, mich lösen zu wollen! Und außerdem ist es nicht möglich, sich von dem Mal zu trennen. Du hast ja gesehen, sogar auf Dracos neuem Arm ist es erschienen! Und die Kobra ist noch sehr viel mächtiger, als mein früheres Mal."
Er lächelt wieder diabolisch, sieht Neville nun direkt in die Augen und diesem läuft es kalt den Rücken runter.
„Du hättest es annehmen sollen, Longbottom. Lord Snape sucht sich seine Anhänger sorgfältig aus. Sein Angebot war eine große Ehre für dich!"
Jetzt sieht Neville betreten zu Boden.
„Einige von seinen Anhängern haben meine Eltern in den Wahnsinn gefoltert, das kann ich nicht vergessen!"
„Möchtest du es sehen?", fragt Dolohow gefährlich verlockend.
„Was sehen?"
„Was wir mit den Auroren gemacht haben?"
Nevilles Gesicht wird blutleer. „Nein", haucht er nur wenig überzeugend.
„Sicher willst du das. Ich werde für dich vorsprechen, Lord Snape wird bestimmt gerne diese Erinnerung aus meinem Kopf holen, damit du sie dir ansehen kannst."
Dolohows Blick ruht auf seinem Gegenüber, in Nevilles Gesicht wechselt Abscheu mit Unglauben, Wut mit Ekel, Neugierde mit Hass.
„Du hast sehr viel mehr Kampfgeist als man dir zutraut. Im Moment würdest du mich liebend gerne in Stücke reißen, nicht wahr?"
Neville schüttelt energisch seinen Kopf.
„Ich bin nicht wie Sie", beharrt er.
„Verstehe. Dann hat es dir also keinen Spaß bereitet, dich an Alecto zu rächen?", fragt Dolohow.
Neville zögert mit der Antwort.
„Ich weiß nicht...nein...."
Dolohow geht einen Schritt auf ihn zu, Neville hält erneut die Luft an.
„Doch, Longbottom. Das hat es. Du kannst nicht verleugnen, was du bist."
„Was bin ich denn?", fragt Neville nun wütender.
„Würdig."
Nevilles Augen weiten sich. Würdig... Der brutalste Todesser hält ihn, den beinahe-Squib für würdig...
„Soweit ich mich erinnern kann, warst du es, der Nagini von innen heraus aufgeschlitzt hat. Das war sehr...inspirierend", meint Dolohow.
Neville läuft erneut rot an, er kann es nicht fassen, dass ihn ein Mann wie Dolohow tatsächlich lobt. Seine positiven Erfahrungen mit Slytherins halten sich in Grenzen, die positiven mit Schwarzmagiern sowieso.
„Aber ich könnte niemals einen Menschen töten, wenn Professor...Lord Snape es mir befiehlt..."
„Kommt darauf an, wen. Und denkst du nicht, Lord Snape kennt dich gut genug um so etwas zu wissen? Er ist nicht wie der frühere Lord, Longbottom. Er kümmert sich um seine Anhänger. Glaubst du, er würde von Granger verlangen, jemanden zu töten? Wozu bräuchte er mich dann noch?", fügt er scherzhaft hinzu.
Nevilles Mundwinkel heben sich leicht, das klingt alles so einleuchtend.
Dolohow kann erkennen, dass er ihn fast soweit hat. Eine richtige Ausbildung kann und wird er Neville nur angedeihen lasen, wenn der sich zeichnen lässt. Alles andere käme einem Verrat gleich. Niemals würde er einen Zivilisten in die Dunkle Kunst einweihen.
„Kann ich es mir noch einmal ansehen?", fragt Neville fast schüchtern und Dolohow streckt ihm seinen Arm entgegen.
Der kräftigen Hand des Folterknechtes ist deutlich anzusehen, dass er gewohnt ist, mit scharfen Gegenständen oder ätzenden Mittelchen zu arbeiten. Anscheinend trägt Dolohow diese Spuren seiner Tätigkeit mit Stolz, ein einfacher Heilzauber oder etwas Diptam hätte alle seine Kratzer ohne Narben zu hinterlassen, geheilt.
Nevilles Blick folgt den bläulichen Venen, die sich wie dicke Kabelstränge unter Dolohows Haut abzeichnen, je dichter am Mal, umso deutlicher sind sie zu sehen.
Die Kobra ruht um den Stab gewickelt, ebenso wie die sie umgebenden Runen. Ein erstaunlich friedliches Bild, wenn man die starke, schwarze Magie, die fast greifbar aus dem Zeichen strahlt, außer Acht lässt.
Fast hätte Neville seinen Finger über die blass-grauen Linien gezogen, doch Dolohow an zufassen, traut er sich dann doch nicht.
„Tut es weh? Die Zeichnung?", fragt Neville zögernd und sieht hoch in Dolohows kalte, braune Augen, die an ihm vorbei aus dem Fenster starren-und sich plötzlich ein wenig weiten.
Hass strahlt aus ihnen heraus und Neville verflucht sich für diese dämliche Frage, bestimmt hält der Todesser ihn jetzt für einen Jammerlappen.
Schon wird er am Kragen gepackt und unter den Esstisch geschleudert.
„Rühr dich nicht vom Fleck, wir kriegen Besuch!", zischt Dolohow und Neville duckt sich so tief es geht in den Schatten unterm Tisch.
Zwei blassgesichtige Gestalten spazieren einfach über das Gelände, völlig ungeschützt aufs Haus zu.
Dolohow schickt seinen Makohai als Warnung nach unten zu Rodolphus, doch der schickt keine Antwort zurück.
Jetzt stehen mehrere Gestalten um das Haus herum, am vom Halbmond beleuchteten Himmel erkennt Dolohow ein paar geflügelte Exemplare, die den Geräuschen nach zu urteilen, gerade auf dem Dach Position beziehen.
Die Vampire ziehen alle ein goldenes Amulett aus dem Kragen, genau das gleiche, das Bellatrix geholfen hatte, trotz der Sperre aus dem Moon-Lodge zu disapparieren.
Jeder hält sein Amulett in die Luft, sie sprechen gemeinsam eine sehr alte Formel auf rumänisch. Aus jedem der Amulette bricht ein goldener Strahl, sie treffen sich in der Luft und legen sich wie ein Netz übers Haus.
Dolohow kann spüren, dass die gesamte magische Schutzvorrichtung einfach in sich zusammen bricht.
