Kapitel 28: Wie weit würden wir gehen?
Fiona seufzte zufrieden, als sie den ersten Schluck von ihren schwarzen Kaffee nahm. Sie hasste das Gefühl verkatert zu sein und doch genoss sie es auf eine ganz bestimmte Art. Es gab ihr das Gefühl wieder wirklich lebendig zu sein. Als sie noch tot war, trank sie alles was sie in die Finger bekommen konnte, und doch vermochte nichts ihre Qualen in der Hölle zu betäuben. Es war als würde sie Wasser trinken und sie musste die Hölle vollkommen nüchtern erdulden.
Sie ging den Flur zu Eleonoras Zimmer entlang und erblickte Tamara, die gerade aus ihrem Zimmer kam. Verächtlich musterte Fiona die junge Frau. Nicht nur, dass sie anscheinend alles Tat um ihre Enkeltochter in den Schatten zu stellen, sie hatte zudem keinerlei Stilbewusstsein. Mit einen abschätzenden Blick ging sie ohne ein Wort an Tamara vorbei und klopfte an Eleonoras Zimmer.
„Was willst du schon wieder Mutter? Ich habe doch gesagt ich will meine Ruhe haben!" schrie Eleonora ohne die Tür zu öffnen.
Etwas irritiert und auch amüsiert über ihre Enkeltochter, klopfte Fiona noch einmal an die Tür.
„Ich bin es Schätzchen, darf ich reinkommen oder möchtest du auch vor mir deine Ruhe haben?"
Nach einigen Sekunden öffnete sich die Tür und Eleonora sah Fiona vollkommen übermüdet an.
„Hey Fiona, nein vor dir möchte ich nicht meine Ruhe haben. Ich dachte es wäre schon wieder meine Mutter, sie hat heute schon vier Mal an meine Tür gehämmert." Eleonora trat bei Seite und ließ Fiona herein.
Fiona musterte skeptisch das sonst so lebhafte Gesicht des Mädchens. Etwas stimmte mit ihr nicht und bei den meisten anderen Menschen wäre es Fiona egal gewesen, aber nicht bei ihren neuen Schützling.
„Meine Güte, hast du überhaupt geschlafen? Du siehst schrecklich aus Liebes." Fiona hielt Eleonora ihren Kaffee hin, so wie sie aussah brauchte sie den Kaffee dringender.
„Nein, um ehrlich zu sein habe ich nicht geschlafen. Mir gingen zu viele Dinge im Kopf herum und ich musste das alles erstmal verarbeiten." Eleonora nahm den Kaffee entgegen und ließ sich seufzend in ihren Sessel fallen „Ich habe dann die ganze Nacht versucht, meine Kräfte besser einsetzten zu können aber ich komme nicht weiter. Bitte Fiona, du musst mir helfen. Ich muss meine Kräfte wieder bekommen." verzweifelt sah sie zu Fiona hoch.
Fiona setzte sich in den anderen Sessel und sah Eleonora ernst an, etwas muss das Mädchen ziemlich aus der Bahn geworfen haben.
„Ich werde mich noch heute darum kümmern meine Kleine, versprochen. Welche Kräfte wolltest du den in der Nacht trainieren? Sag mir bitte nicht, du hast hier allein mit dem Feuer gespielt." Fiona dachte an den Brand den Eleonora verursacht hatte und ihr war nicht wohl dabei, dass das Mädchen mit dem Feuer spielte während sie ihren Rausch ausschlief.
„Nein, keine Sorge. Ich möchte Gedankenlesen, ich weiß dass diese Gabe irgendwo in mir steckt. Ich konnte es als ich klein war, doch dann verschwand diese Fähigkeit. Wir beide wissen ja warum." Finster blickte sie Fiona an, während sie an ihre Mutter dachte. Die Wut auf ihre Mutter stieg mit jedem Tag mehr, wie mächtig hätte sie jetzt schon sein können, wenn ihre Mutter ihr nur ein bisschen mehr vertraut hätte?
„In Ordnung, aber warum willst du unbedingt Gedankenlesen? Was ist passiert? Du verheimlichst mir was." Fiona nahm 2 Zigaretten aus ihrem Etui und reichte eine davon Eleonora.
Eleonora nahm die Zigarette entgegen und inhalierte sofort den Rauch tief ein. Sie schloss für einen Moment die Augen und dachte an das Gespräch mit Spalding. Sollte sie Fiona davon erzählen? Warum nicht? Wenn sie Fiona nicht vertrauen konnte, wem dann?
„Darf ich dich was fragen Fiona? Ich möchte aber, dass du mir ganz ehrlich antwortest und nichts versuchst herunter zu spielen."
Auch Fiona hatte sich ihre Zigarette angezündet und lehnte sich entspannt in den Sessel zurück. Eleonora war noch keine 15 Jahre alt und doch hatte Fiona gerade in diesen Moment das Gefühl, mit einer erwachsenen Frau zu sprechen.
„Du darfst mich alles fragen, ob ich alles beantworte kann ich dir nicht versprechen. Also, was ist es?"
„Ich war gestern Abend bei Spalding. Er ist ziemlich durchgeknallt aber er ist ein guter Kerl wie ich finde. Er ist ehrlich und den Menschen die er liebt und bewundert treu ergeben. Er hat mir etwas erzählt, was mir keine Ruhe lässt." Noch immer hatte Eleonora die Augen geschlossen und zog geistesabwesend an ihrer Zigarette.
Fiona musste schwer schlucken. Wenn es eine Person gab, die sämtliche schmutzigen Geheimnisse von ihr kannte, so was es Spalding. Doch würde er sie verraten?
„Und was hat dir unser kleiner Puppenliebhaber erzählt? Und was hat es mit dem Wunsch zu tun, Gedankenlesen zu wollen? "
Eleonora öffnete die Augen und sah Fiona an, ihr Blick verriet eine seltsame Leere.
„Hat meine Mutter versucht dich umzubringen?"
Fiona sah Eleonora überrascht an. Sie war erleichtert, dass Spalding die schmutzigen Geheimnisse von Cordelia ausplauderte und nicht ihre.
„Spalding hat gesagt, dass meine Mutter und einige andere versucht haben, mit einem Trick deinen Selbstmord einzufädeln."
„Nun, ganz so kurz und knapp ist die Geschichte nicht aber im Grunde genommen…..ja! Delia und die anderen Hexen des Zirkels wollten mich aus dem Weg haben, um die neue Oberste zu finden. Anscheinend dachten sie, die neue Oberste würde sie ins gelobte Land führen."
Kopfschüttelnd drückte Fiona ihre Zigarette aus und sah in das vollkommen schockierte und blasse Gesicht ihrer Enkelin. Eleonora fühlte sich, als hätte sie jemand von einer Brücke ins eiskalte Wasser gestoßen. All die Jahre, hatte Cordelia ihr die perfekte und immer gute Oberste vorgespielt. Cordelia Goode, die absolut reine und gute Oberste, frei von jeder Sünde und immer so rechtschaffend. Und nun stellte sich heraus, dass alles nichts weiter war, als eine riesen große Scheiße. Ihre Mutter war nicht die Unschuld die sie allen vorspielte und die Erkenntnis, dass sie sogar ihre einige Mutter ermorden wollte, traf Eleonora tief. Und etwas anderes, machte ihr noch viel mehr Angst. Cordelia verteidigte sich, dass sie nur das Beste für sie wollte, als sie ihre Kräfte mit einem Zauber wegsperrte, doch nun wusste es Eleonora besser. Sie tat es aus Angst, aus Angst um ihre Position. Deswegen war sie so feindselig zu Fiona und auch so widerlich zu ihr. Sie hatte Angst, von einer mächtigeren Hexe übertrumpft zu werden. Wie weit würde Cordelia gehen, um ihre Position zu halten?
„Nun schau nicht so Kleines." Fiona lächelte Eleonora an „Auch wenn ich selbst sehr überrascht war, dass Delia dazu fähig war, so tat sie es weil sie dachte es wäre das Beste für den Zirkel."
„Und was wird passieren, wenn meine Mutter nun feststellt, dass wir beide eine Bedrohung für den Zirkel darstellen?"
Fiona sah Eleonora tief in die Augen, dass Mädchen hatte gerade ein wirkliches Problem angesprochen. Wie weit würde Cordelia gehen?
