Kapitel 28 – The Wizard of Ozkaban
Ron starrte niedergeschlagen auf seinen Teller voll Schinken und Ei, während er selbiges halbherzig hin und her schob. Es war einer dieser seltenen Momente in seinem Leben, in denen er keinen Appetit hatte. Den restlichen Schülern in der Großen Halle schien es genauso zu gehen. Kaum einer unterhielt sich und jene, die redeten, flüsterten in dumpfem Ton.
Nach weiterem Rumstochern in seinem Ei blickte Ron zum Slytherin Tisch hinüber. Es saßen nur wenige Schüler dort und die einzigen Siebtklässler waren Crabbe, Goyle und Tracy Davis. Ron bemerkte, dass dies die einzigen Siebtklässler waren, die von ganz Slytherin überhaupt noch übrig geblieben waren.
Notts Tod hatte die Slytherins schwer getroffen. Das Greengrass Mädchen hat Hogwarts Anfang der Woche verlassen, aber nicht bevor ihre Mutter McGonagall wütend angeschrieen hatte. Die Stellvertretende Schulleiterin hatte Mrs Greengrass nur betroffen angesehen, während die blonde Hexe über die Ungerechtigkeit in Notts Tod und Zabinis Verletzungen getobt hatte. Ihr schien es egal gewesen, dass ein anderer Schüler von einem Mitglied Slytherins umgebracht wurde.
Den Hufflepuffs hingegen war es nicht egal. Justin war von seinen Hauskameraden sehr geliebt worden und sein Tod setzte ihnen zu, so wie Cedric Diggorys drei Jahre zuvor. Ernie wurde seit der Tragödie nicht mehr gesehen und die arme Hannah hatte soviel geweint, dass ihre Augen nicht mehr zu sehen waren, so sehr waren sie geschwollen. Susan Bones, normalerweise ein süßes, ruhiges Mädchen, war letzten Abend zum Slytherin Tisch hinüber gerannt und hatte Crabbe und Goyle angebrüllt. Es brauchte Professour Sprout und Sinestra, um das verstörte Mädchen aus der Halle zu bringen, während diese immer wieder schrie, dass Draco Malfoy der Teufel sei.
Ron stimmte ihr aus ganzem Herzen zu. Nicht nur war Malfoy verantwortlich für Justins Tod, aber er hatte ebenfalls seinen besten Freund verhext und diesen zu einer Beziehung gedrängt. Eine unverzeihliche Tat, wenn es nach Ron ging.
Besser, er ließ Hermine nicht wissen, dass er immer noch ernsthafte Bedenken hatte, Malfoy zu helfen, auch wenn Harry sie darum gebeten hatte. Er blickte hinüber zu Hermine, dankbar, dass ihr Waffenstillstand noch galt. Nachdem seine Familie die Nachricht von Ginnys Urteilsspruch erhalten hatte, war er im wahrsten Sinne des Wortes zurück nach Hogwarts geflohen. Er konnte keine weiteren Tränen seiner Mutter ertragen.
Bill und Charlie wechselten sich nun ab, ihrer Mutter die Schultern zu massieren und sie zum Essen zu bringen. Fred und George waren dafür natürlich nicht zu gebrauchen. Deren Versuche sie aufzumuntern, hatten ihre Mutter nur noch hysterischer gemacht, was schließlich darin endete, dass sein Vater ihnen gesagt hat, sie sollen "die Fressen halten".
Fred war wütend hinausgestürmt, während George seinen Vater aufgrund der harschen Worte ungläubig angestarrt hatte. Dann setzte er sich auf die Couch, blickte drein wie ein gescholtenes Hündchen und sprach den ganzen Abend kein Wort mehr. Ron hatte letztendlich gebrüllt, dass Ginny wenigstens nicht den Rest ihres Lebens in Askaban verbringen müsste oder gar den Kuss bekäme, und dass sie trotz allem recht glimpflich davon gekommen sei.
Arthur hatte seinen Sohn erstaunt angeblickt und dann nachdrücklich genickt.
"Du hast Recht, Sohn."
Ron hatte zurück genickt und war dann gegangen.
Hermine blickte ihn nun an.
"Ron", sagte sie. "Professor Lupin wird heute Hilfe brauchen, um den Zauber zur Aufrufung der Vargulfs zu recherchieren. Wirst du helfen?"
Ron nickte heftig. "Natürlich, Hermine. Ich habe dir gesagt, ich werde Harry so gut ich kann helfen. Ich schulde ihm das. Er ist mein bester Freund." Er blickte wieder hinab auf seinen Teller. "Und ich schulde es dir ebenso."
Hermine lächelte schwach. "Du schuldest mir gar nichts, Ron. Sei einfach für Harrys Wohl da."
Ron schüttelte hartnäckig den Kopf. "Doch, das tu ich! Ich habe dich nicht sehr nett behandelt, Hermine. Du hast das nicht verdient. Es tut mir Leid."
Hermine griff über den Tisch und nahm Rons Hand in die ihre. "Das ist Vergangenheit, okay? Ich… hab es dir auch nicht leicht gemacht. Es tut mir auch Leid."
Ron lächelte schüchtern und erwiderte die Geste.
Das Kreischen der Eulen unterbrach sie, welche nun über die Tische kreisten, um die Morgenpost zu liefern.
Ron beobachtete, wie die Schleiereule den Morgenprophet in Hermines Müslischale fallen lies. Seine Augen verengten sich, als er realisierte, dass die Überschriften wahrscheinlich Ginnys Urteil in großen Buchstaben verkünden würden.
"Warum liest du dieses Ding immer noch?" Er wusste die Antwort natürlich, aber es ärgerte ihn, dass der Prophet meist Schlechtes für ihn, seine Familie und seine Freunde brachte. "Da sind doch nur verdammt schlechte Nachrichten drin."
Hermine nickte grimmig. Auch sie wusste, dass sich der Hauptartikel um Ginny drehen würde. Sie seufzte schwer und rollte die Zeitung auseinander.
Ron war nicht auf den Entsetzensschrei vorbereitet gewesen.
"Neeeeeein!"
"Hermine?"
Sie hob den Kopf und er sah, wie sich ihre Augen mit Tränen füllten.
"Ron… H-Harry…"
Ein felsengroßer Knoten zwang sich durch Rons Hals und krachte auf seine Eingeweide.
"Was? Verdammt! Was??" Er wollte nach der Zeitung greifen, wurde jedoch unterbrochen von dem tosenden Applaus der Slytherins.
"Haa! Der Goldjunge ist endlich gefallen!"
"Das hat er verdient!"
Ron wirbelte den Kopf herum und starrte die Slytherins an. Seine Fäuste ballten sich vor Zorn, als er erhob.
"Habt ihr irgendwas zu sagen?", bellte er.
Lautes Murmeln brach aus den Schülern in der Großen Halle hervor. Immer wieder keuchte jemand auf.
Ron starrte verwirrt umher, bis ein Fünftklässler aus Slytherin aufstand und ihm eine Kopie des Propheten zuwarf. Ron blickte den grinsenden Jungen finster an und musste den Drang unterdrücken, hinüber zu rennen und ihm ins Gesicht zu schlagen.
Aber er war sofort von der riesigen Schlagzeile der Zeitung abgelenkt. Er starrte fassungslos darauf,
HARRY POTTER:
ASKABANS NEUESTER INSASSE
Etliche Bilder waren darunter gedruckt. Eines war das Bild des Ministers, welcher gerade interviewt wurde. Dann Bilder von Nott und Zabini, welche irgendwann in Hogwarts aufgenommen wurden, wahrscheinlich bei einem Quidditchspiel. In der Mitte war einer der Zelltrakte von Askaban abgebildet, mit seinen kalten und modrigen Wänden. Ron konnte einen der boshaften Dementoren im Hintergrund schweben sehen. Die Hände von mindestens fünf Auroren oder Gefängniswärtern zerrten Harry in eine der Zellen. Trotz Harrys in Eisenhandschellen gefesselter Hände, schien er es ihnen verdammt schwer zu machen.
Rons Mund klappte auf, als Harry in die Kamera blickte; seine Augen blitzten ihm mit solch mörderischem Blick entgegen, dass Ron zusammenzuckte. Dann lächelte Harry teuflisch und lehnte sich zum Rand des Bildes. Es gab eine hastige Bewegung und Harry verschwand aus dem Blickfeld, dann sah man zwei Wärter mit zu Schreien verzerrten Mündern. Die Zauberkamera fiel nun zu Boden, sodass nur noch die Füße der Anwesenden zu sehen waren, welche hin und her rannten. Und dann wurde das Bild schwarz, und es begann wieder von Vorne.
Ron wich von der Zeitung zurück, sein Gesicht war weiß und seine Hände zitterten. Er stieß gegen Hermine, welche auf seine Seite des Tisches gekommen war. Ihre verängstigten Augen trafen seine.
"Wann ist das passiert? Niemand hat uns was gesagt!", brüllte Ron. Er fuhr sich mit der Hand durch die Haare, so dass sie nun abstanden, wie man es von Harrys gewohnt war.
Hermine blickte nun Lehrertisch empor und bemerkte, dass nicht ein einziger Lehrer anwesend war.
"Wo ist Dumbledore? Wo sind die Lehrer?"
Ron war bereits auf dem Weg aus der Halle. Hermine eilte ihm hinterher.
-
Severus hatte nicht die Absicht dem Befehl zu folgen, den er gerade erhalten hatte.
Sein Koffer war gepackt und er hatte die Hauselfen beauftragt Nachschub zu holen, sodass er auch seine vielen Kessel und Zaubertrankutensilien einpacken konnte. Es hatte sich in den achtzehn Jahren etliches angesammelt.
Eine kleine Stimme in seinem Kopf protestierte fieberhaft gegen seinen feigen Ungehorsam. Dumbledore hatte ihm ausdrücklich verboten, dass Schloss zu verlassen; und Koffer und Taschen packen war ganz klar das Gegenteil dessen.
Nach dem Horror des Oralverkehrs mit einem Schüler, Dumbledores gelassene Reaktion, als er den Samen des besagten Schülers auf Severus' Lippen ansah und Scrimgeours verabscheuungswürdige Demonstration von der Inkompetenz des Ministeriums, inklusive der Arroganz, als er Potter inhaftierte, war Severus ohne ein weiteres Wort an Dumbledore zurück nach Hogwarts appariert, überzeugt zu verschwinden, bevor sein Mentor zurückkehrte.
Er hatte es nicht einmal geschafft einen Koffer aus seinem Schrank zu ziehen, als eine Eule in seine Räumlichkeiten geschwebt kam, ihm einen Zettel auf den Kopf fallen lies und dann wieder verschwand.
"Geh nicht." Der Zettel war nicht unterzeichnet, aber das brauchte er auch nicht sein.
Severus hatte geflucht und die Notiz in den Kamin geworfen.
Es war sinnlos gewesen zu schlafen. Sein Magen drehte sich die ganze Nacht, wie er es auch immer getan hatte, wenn sein Vater nach einer seiner Nächte im örtlichen Pub, betrunken nach Hause kommen würde. Er verstand nun, warum sein Vater getrunken hatte. Severus kippte sich beinahe jedes alkoholische Getränk hinter, dass er in seinem Schrank finden konnte. Aber egal, wie viel der Flüssigkeit seinen Hals hinunterlief, es konnte das Bild von Potter nicht verdrängen, wie dieser sich unter ihm gewandt hatte oder den Geschmack von ihm auf seinen Lippen oder Dumbledores absolut enttäuschten Blick. Severus war nie so entsetzt gewesen, seit man die Schuld an Lilys Tod auf seine Schultern geladen hatte.
Sein Selbsthass stieg den Rest der Nacht exponentiell weiter.
Am nächsten Morgen wurde seine Entscheidung, den Avada Kedavra auf sich selbst anzuwenden, davon vereitelt, dass er die Hand nicht mehr heben konnte. Hatte er sogar aus dem Tintenfass getrunken?
Ein Krachen schallte durch den Raum, so laut wie ein Pistolenschuss. Severus hoffte, dass es eine Pistole war… direkt auf sein Herz gerichtet. Sein Kopf dröhnte schmerzlich aufgrund des Geräuschs.
Doch es war nur ein Hauself gewesen, dessen Ohren verängstigt zuckten. Er blickte Severus unsicher an.
"Master Schulleiter hat Winnie gesagt, er soll Master Zaubertränkemeister sagen, er solle in sein Büro kommen."
Severus starrte den Elf an und schnaubte dann. Die Augen des Elfen weiteten sich.
"Master sieht nicht sehr gesund aus. Master tut… tut nach unzähligen Spirituosen stinken." Winnie rümpfte angeekelt die Nase. "Winnie hat von anderen Hauselfen von Master Zaubertränkemeister gehört. Winnie hat nicht gewusst, Master hat eine Schwäche fürs Trinken."
Severus schnaubte erneut und knurrte dann, "Offensichtlich ist das nicht meine einzige Schwäche." Er versuchte sich in eine aufrechte Position zu bringen und stöhnte. Mit noch mehr Mühe kam er auf die Füße, der Raum drehte sich und Übelkeit stieg schnell in ihm hoch. Er schlurfte zu seinem Schrank in dem er Zaubertränke aufbewahrte, seine Hände währenddessen vor sich gestreckt, um das Gleichgewicht zu halten. Severus fand eine Phiole mit Kater Kurierer und schluckte den Inhalt schnell hinunter. Er griff nach einer Zweiten, denn viel hilft viel.
Er seufzte erleichtert, als das Pochen in seinem Kopf abklang. Dann drehte er sich herum, um den Elf anzufahren.
"Warum bist du immer noch hier?"
Winnie blinzelte. "Winnie tut sicher gehen, dass Master zu Schulleiter gehen tut."
Severus verdrehte die Augen. "Ich gehe in einer Minute. Jetzt raus hier. Obwohl, schick einen anderen Elfen deiner statt hierher. Ich brauche ein wenig Mithilfe."
"Winnie kann Ihnen helfen, Sir! Master tut keinen anderen Elfen brauchen."
Severus merkte, wie seine Kopfschmerzen zurückkehrten. "Tu, was ich dir sagte! Schick einfach einen anderen Elfen!"
Winnie nickte ergeben und verschwand.
Severus machte sich sofort an die Arbeit und zog seine Koffer aus den Ecken. Zwei Minuten später erschien ein Hauself und verbeugte sich.
"Winnie hat Blinky gesagt, dass Master Snape Blinky brauchen tut?"
Severus schickte den Elf zu seinem Lagerraum und nannte ihm weitere Aufbewahrungsorte im Schloss, die einige seiner anderen Habseeligkeiten enthielten.
"Bring alles hierher. Und wenn auch nur eine Sache beschädigt ist…"
Blinky blickte ihn entsetzt an, ob der Andeutung. "Beschädigt? Blinky tut nie was beschädigen, Sir!"
Severus machte eine abwehrende Handbewegung und der Elf verschwand mit einem Plop.
Nun, Merlin sei Dank, von aufdringlichen Hauselfen befreit, begann Severus' Kopf auf Hochtouren zu laufen. Er würde Hogwarts wirklich verlassen; sein Zuhause der letzten zwanzig Jahre. Warum hatte er in das Hospital gehen müssen? Warum hatte er Potter nicht einfach fernbleiben können? Warum hatte Dumbledore gerade in diesem Moment auftauchen müssen?
Zwanzig Jahre den Bach runter gelaufen. Potter Senior war sein Untergang gewesen, als er Schüler war, und nun hatte Potter Junior ihn als Erwachsenen zerstört. Welch Ironie…
Doch es brachte nichts, sich darüber den Kopf zu zerbrechen. Severus lief in seinem Zimmer hin und her, richtete den Zauberstab auf verschiedenste Gegenstände und ließ sie in Boxen und Koffern verschwinden.
Plötzlich glühte ein Feuer im Kamin auf und Severus wirbelte herum, um den Störenfried anzubrüllen. Seine Tirade blieb ihm im Halse stecken, als Dumbledore aus den Flammen trat und sich in aller Ruhe die Spuren seiner Reise abklopfte.
"Willst du irgendwohin, Severus? Ich bin nicht darüber informiert, dass du in nächster Zeit verreisen wolltest."
Severus fühlte den Beginn einer peinlichen Röte in seine Wangen schießen. Das konnte nicht wahr sein.
"Ich bin von meiner Stelle zurückgetreten, Schulleiter. Ich habe Sie letzte Nacht darüber informiert."
Dumbledore nickte leicht. "Und ich sagte, dass ich dies nicht akzeptiere."
Severus verzog die Lippen. "Schulleiter, ich bin nicht mehr in der Lage zu unterrichten. Mein Urteilsvermögen ist… beeinträchtigt."
"In der Tat. Professor Lupin war so freundlich mir die Details deiner Beeinträchtigung darzulegen."
"Dazu hatte er kein Recht!!"
Dumbledore hob eine Hand, die redliche Entrüstung des anderen Zauberers damit erfolgreich zum Schweigen bringend.
"Er hat jedes Recht Bedenken zu äußern, wenn ein Kollege gefährliches und schädliches Verhalten zeigt, besonders, wenn es jemanden mit einbezieht, den er als Patensohn betrachtet."
"Dieser Köter Black war sein Pate… nicht Lupin…", zischte Severus.
Dumbledore warf ihm einen strengen Blick zu. "Ist das wirklich wichtig, Severus? Das größere Problem ist offensichtlich von größerer Bedeutung. Oder möchtest du wirklich darüber streiten und die wirklich realen Verstöße ignorieren?"
Severus senkte den Blick. Er ertrug es nicht, Dumbledore in die Augen zu sehen. "Ich habe keine Entschuldigung für mein Verhalten, Schülleiter. Bitte erlauben Sie mir mit einem Funken Würde zu gehen."
Albus seufzte. "Severus, Remus hat mir grob erzählt, was passiert ist. Ich würde es gerne von dir hören."
Severus' Kopf schnellte hoch. "Ich habe nicht die Absicht je darüber zu sprechen."
"Dann vielleicht mittels eines Denkariums?"
"Auf keinen Fall!"
"Severus, bitte. Ich versuche dir zu helfen."
"Mir bei was helfen? Meine neusten schlimmsten Erinnerungen nochmals zu erleben? Ihr Mitgefühl ist rührend, Albus."
"Wir brauchen dich, Severus. Du bist unersetzlich für mich und den Orden. Deine Arbeit…"
"Welche Arbeit? Was habe ich getan, dass so unschätzbar ist? Der wertvolle Retter, welcher nun ein kompletter Psychopath ist, ist nun in Askaban eingesperrt und Draco habe ich endgültig verloren! Ich war nicht in der Lage, irgendetwas zu verhindern! Es hat nicht mit Lily funktioniert und nun funktioniert es auch nicht mit ihrem Sohn!"
"Es gibt immer noch Hoffnung für Draco. Wir müssen ihn nur von Tom wegbekommen. Du bist der Einzige, der das tun kann."
"Um ihn dem Ministerium und Auroren zu überreichen? Haben Sie vergessen, dass er den Hufflepuff Jungen ermordet hat?"
"Er würde bessere Chancen im Ministerium haben, als bei Tom. Du weißt das, Severus."
Severus schnaubte und rieb sich den Nasenrücken. "Was wollen Sie, dass ich tue, Albus? Ich kann… offensichtlich nicht in der Nähe von Potter sein."
Dumbledore blickte Severus intensiv an. "Deine Gefühle für Harry haben die Wirkung des Dämons komplizierter gemacht… und für dich auch schwerer zu widerstehen."
Severus bezweifelte, dass diese Unterhaltung noch schlimmer werden konnte, als sie in diesem Moment war. Aber es würde noch viel schlimmer kommen.
Sein Versuch, Albus' absurde Idee, dass er Gefühle für Potter hatte, vehement abzustreiten, schaffte es nie über seine Lippen, denn alles was herauskam, war nervöses Gestotter. Kannte seine Demütigung denn keine Grenzen?
Albus hob erneut eine Hand.
"Severus, ich weiß, dass dies eine schreckliche Tortur für dich ist, wenn man deine Vergangenheit mit den Potters betrachtet, aber ich brauche dich bei Verstand. Du wirst in Harrys unmittelbarer Nähe sein müssen und wir müssen nur alle Vorkehrungen treffen, sodass seine Lockmittel dich nicht ablenken. Es gibt einen Weg, einen, von dem ich hoffe, dass du ihm nicht abgeneigt bist und verweigerst."
Severus blickte Dumbledore misstrauisch an. "Nun, da Sie es mit dieser Ansicht eingeleitet haben, bin ich mir sicher, dass ich es ablehnen werde."
Dumbledores Mund verzog sich zu einem kleinen Lächeln. "Ich habe nichts anderes erwartet, Severus."
Dieser schnaubte und verschränkte seine Arme vor der Brust. "Und wie lautet Ihre erhabene Lösung?"
Es klopfte plötzlich an der Tür und Severus versteifte sich. Er wandte sich der Tür zu, doch Dumbledore war bereits hinüber getreten, um sie zu öffnen.
"Komm herein, Remus.", sagte Albus fröhlich. "Schön, dass du gekommen bist."
Remus nickte steif und trat über die Türschwelle. Severus hob sofort abwehrend die Arme. "Was soll das? Ich kann mich nicht entsinnen, Sie herein gebeten zu haben, Lupin."
Remus fixierte Severus mit einem eisigen Blick. "Nun, deine Beobachtungsgabe muss nachgelassen haben, Severus. Es schien, als hätte mich der Schulleiter hereingebeten. Ich schätze, dein Gehirn ist vernebelter, als Dumbledore angenommen hat."
Severus blinzelte. Er konnte die Welle der Wut fühlen, die von dem anderen Mann ausging und Severus fragte sich, welches Ereignis ihn mehr verärgert hat: Sein Verhältnis zu Potter oder die Verhaftung des jungen Mannes.
Er knurrte, "Verschwinde! Ich werde dich nicht-"
Er wurde von Lupin unterbrochen, als dieser den Raum durchquerte und Severus am Kragen packte.
"Ich habe dich gewarnt, Snape! Ich habe dir gesagt, du sollst dich fernhalten, aber du hast trotzdem verharrt!"
Severus schob Remus von sich und richtete seinen Zauberstab auf dessen Gesicht. "Wenn du mich noch ein mal anfasst-"
"Gentlemen, bitte! Beruhigen Sie sich. Ich weiß, es ist eine recht schwierige Situation, aber wir müssen uns zusammenreißen."
Keiner der beiden Männer rührte sich, doch sie starrten sich gegenseitig mit unbändiger Wut an. Albus seufzte leise und ging auf sie zu. Sanft drückte er Severus' Arm hinunter und zog Remus' Hand vom Hals des Zaubertrankmeisters weg.
"Bitte. Um Harrys und Dracos Willen müssen wir zusammen arbeiten."
"Er hat es wieder getan, Dumbledore! Harry ist wehrlos gegen ihn und Snape misshandelt ihn weiterhin, als ob er nichts als ein Spielzeug wäre!"
Severus knurrte wütend. "Wehrlos? Dieser dreiste Inkubus muss ausgeschaltet werden!"
"Er ist kein Inkubus! Du weißt, dass er besessen ist, und trotzdem nutzt du seine Situation aus, um ihn zu verletzen! Du bist schlimmer, als ein hormongesteuerter Teenager!"
Severus schnaubte verächtlich. "Sicher nicht schlimmer, als deine Hormone um Vollmond herum oder hast du das vergessen?"
Remus zuckte zusammen, schürzte die Lippen und trat einen Schritt zurück. Er wandte sich zu Dumbledore, um sich zu beschweren, doch der alte Mann sah ihn nur verärgert an. Remus seufzte lautstark.
"Gut, Dumbledore. Wozu haben Sie mich hergerufen?"
Severus unterdrückte ein schnaubendes Lachen, ob Remus' Schelte und wurde mit einem ebenso wütenden Blick seines Mentors honoriert. Severus verdrehte die Augen, steckte seinen Zauberstab weg und sagte dann scharfzüngig,
"Ja, bitte erzählen Sie es uns, damit wir endlich fertig werden."
Dumbledore nickte und sagte, "Nach den Geschehnissen der letzten Nacht ist es offensichtlich, dass wir so schnell wie möglich agieren müssen, um uns umgehend mit Harrys Gefangennahme zu befassen. Die Wärter in Askaban werden nicht in der Lage sein, angemessen seiner medizinischen Situation mit ihm umzugehen. Ich möchte nicht, dass Harry oder jemand anderes verletzt oder gar getötet wird, und das wird sehr wahrscheinlich geschehen, wenn er dort bleibt. Die Dementoren haben schon unter normalen Umständen einen starken Effekt auf Harry. Ich möchte nicht einmal daran denken, was unter ihrem Einfluss mit Harry nun passieren wird."
Remus atmete hörbar aus, "Was sollen wir tun?", fragte er.
"Wir müssen ein Treffen mit den Ordensmitgliedern einberufen und unsere Handlungsmöglichkeiten abwägen. Wir werden Harry nicht einfach aus Askaban holen können. Das heißt, dass wir gegen das Ministerium arbeiten werden. Seid ihr euch beide der Konsequenzen bewusst?"
Remus nickte zögernd. "Ich bin eh schon auf der "Unerwünscht"-Liste des Ministeriums, auch ohne diesen Job. Daher bin ich auf das Schlimmste vorbereitet."
Severus nickte ebenfalls. "Ich werde nicht zulassen, dass Draco verfolgt wird. Auch wenn ich bedauere, was dem Finch-Fletchley Jungen zugestoßen ist, war Draco nicht bei Verstand. Das Ministerium wird jedoch nicht nachsichtig mit ihm sein. Ich werde alles tun, um ihn davor zu beschützen."
Dumbledore lächelte leicht und wandte sich Severus zu. "Apropos nicht bei Verstand sein, wir haben immer noch das Problem, dass der Dämon dein Urteilsvermögen vernebelt."
"Das wird länger kein Problem sein, wie ich zuvor schon sagte! Ich werde mich auf Draco konzentrieren, während ihr euch um Potter kümmert."
"Severus, es ist unmöglich zu garantieren, dass du nicht in Harrys Gegenwart sein wirst. Um genau zu sein, wird es gar nicht zu vermeiden sein. Es gibt eine Möglichkeit diese Auswirkungen einzudämmen."
"Wie?"
Dumbledore warf Remus einen Blick zu. "Professor Lupin wird in dieser Sache zu Diensten sein. Er hat seine eigene… Anziehungskraft."
Sicher konnte Dumbledore nicht vorschlagen, dass…
"Ja, Severus. Remus kann dich markieren und nun… als sein Eigen beanspruchen. Zeitlich begrenzt, schätz ich."
Dumbledore beobachtete die beiden Professoren, die den gleichen entsetzten Gesichtsausdruck aufwiesen. Wäre die Situation nicht so besorgniserregend gewesen, hätte er bei dem Anblick gegluckst. Aber er brauchte ihre Mithilfe, damit es funktionierte. Er konnte nicht zulassen, dass Severus sich weiterhin an Harry verging oder diesen komplett mied. Beides war inakzeptabel.
"Albus, das ist unmöglich. Ich kann ihn jetzt nicht markieren, der Vollmond ist vorbei. Und es dauert mehr als zwei Wochen bis zum nächsten. Wir können so lange nicht warten.", sagte Remus.
Severus zischte, "Und dann wäre da noch die Tatsache, dass ich mich weigere. Ich werde das nicht zulassen."
Dumbledore zog eine Phiole aus einer seiner Umhangstaschen. Remus starrte sie erstaunt an, denn sie war mit "Lupin, Remus J., 11 Jahre" beschriftet.
"Ist das-?"
"Ja, Remus. Es ist Blut und Speichel, dass dir während einer deiner Verwandlungen abgenommen wurde. Es wurde unter anderem dazu genutzt, um den Wolfsbanntrank zu entwickeln. Wir können es für unseren jetzigen Zweck brauchen."
Remus warf einen Blick auf Severus, welcher vor Wut sichtbar glühte. "Ich sagte, ich werde das nicht tun! Ich lasse mich nicht von diesem Tier markieren! Nein!!"
Dumbledore sah Severus über den Rand seiner Brille an. "Dann liege ich also falsch in der Annahme, dass du und Remus den jeweils anderen bereits als Eigen ansieht?"
Severus' Kiefer klappte runter und er blickte Remus mit mordlustig glitzernden Augen an. "Lupin! Wie kannst es wagen meinen Namen mit diesen Lügen zu beschmutzen!"
Remus wurde blass und er stotterte, "Ich hab so etwas nie getan, Severus! Ich-"
"Das ist genug. Niemand hat mir irgendetwas erzählt, aber es ist nicht allzu schwer gewesen, das herauszufinden. Zwischen euch beiden herrscht genug sexuelle Spannung, um der angespannten Stimmung während eines Quidditch Spiels zwischen Gryffindor und Slytherin Konkurrenz zu machen. Und ich habe euch beide im Hospital gesehen. Hand in Hand, wenn ich mich nicht irre." Er blickte sie über seine Brille hinweg mit amüsiert blitzenden Augen an.
"Wir haben nicht Händchen gehalten!", schrie Severus. "Nichts in der Art!"
Albus hob beschwichtigend eine Hand und Remus schnaubte verärgert. "Das bringt uns nicht weiter, Albus! Severus ist ein sturer Esel, der sich nur für sich interessiert. Ich weiß nicht, was ich jemals in ihm gesehen-" Er brach ab und schüttelte den Kopf.
Severus blickte sie starrsinnig an. "Schulleiter, es muss eine andere Möglichkeit geben."
"Ich befürchtete, dass es die beste und schnellste Möglichkeit ist. Die Anziehungskraft eines Werwolfs ist stark, und normalerweise wird ein beanspruchter Partner nicht von anderen Reizen angezogen. Über die Anziehungskraft von Dämonen weiß ich unglücklicherweise nicht viel, da es seit Jahrzehnten keine Dämonenaktivitäten gab. Aber trotzdem ist es der beste Plan, den wir haben."
"Und was wird nach dieser erzwungenen Bindung passieren? Bin ich dann Lupins Partner?"
"Nicht in dem Maße, da Lupin nicht in seiner Werwolfform ist. Mit dieser Blutprobe wird es möglich sein, eine zeitbegrenzte Anziehung zu erzeugen, aber keine vollständige Beanspruchung. Ich möchte euch sicher nicht in eine Partnerschaft zwingen. Das wäre euch beiden gegenüber wirklich unfair."
Severus schnaubte und Remus verdrehte die Augen. "Ich möchte sicherlich nicht dich als meinen Partner, Severus."
Severus zog eine Augenbraue hoch. "Ach wirklich? Das letzte Mal hast du etwas anderes gesagt, nicht wahr?"
Severus grinste, als sich Remus' Wangen tiefrot färbten. Dumbledore hustete und beide Männer sahen zu ihm hinüber. Der alte Mann versuchte ein Lachen zu verbergen, aber Severus ließ sich keine Sekunde lang täuschen.
"Nun Severus, wirst du es tun? Du wirst nicht für immer an Remus gebunden sein, aber dich zumindest für eine Weile stark von ihm angezogen fühlen. Aber unser Hauptziel ist es nun einmal Harrys Wirkung auf dich zu bekämpfen. Wenn das alles vorbei ist, dann muss ich darauf bestehen, dass du mit einem Psycheheiler sprichst. Was du erlebt hast, war eine Verletzung deiner Persönlichkeit, und dies hatte umfassende Auswirkungen auf deinen Umgang mit Harry. Remus war nicht der Einzige, der bemerkt hat, wie sich dein Verhalten Harry gegenüber verändert hat. Auch Madam Pomfrey ist es aufgefallen."
Severus sann darüber nach, ein unmöglich nachzuweisendes Gift zu entwickeln und es der Heilerin zu verabreichen, sobald er die Möglichkeit dazu hatte…
Seine Gedanken wurden von einer Hand unterbrochen, die sich auf seinen Arm legte. Er sah erst darauf hinab und dann in Remus' Gesicht, welches ihm nun so nahe war, dass er dunklere Flecken in dessen Iris erkennen konnte.
"Severus, ich weiß, dass du mich hasst und dass du dir eher deine Augäpfel mit einer Gabel herausbohren würdest, als das hier zu tun, aber es geht trotzdem immer noch darum Harry und Draco zu retten. Dumbledore würde uns- dich nicht darum bitten, wenn er nicht glauben würde, dass dies helfen könnte."
Remus senkte die Stimme und sprach sanft weiter, "Wenn das alles vorbei ist… Ich verspreche es… dann werde ich dich in Ruhe lassen. Ich werde… über meine Gefühle hinwegkommen und dich nicht wieder damit belästigen. Ich werde die Bindung nicht ausnutzen, auch dann nicht, wenn irgendetwas davon übrig bleibt, wenn alles vorbei ist. Mein Wort als Gryffindor."
Severus schnaubte erneut, aber er wusste, dass Remus es ehrlich meinte. Es war einer der schlechten Eigenschaften seines Hauses, dieser Edelmut… diese Ehrlichkeit. Severus wollte würgen. Wie jemand so verdammt ehrenhaft sein und trotzdem überleben konnte, war dem Hauslehrer Slytherins' schlicht ein Rätsel. Doch viel wichtiger war Draco, und Severus' Schuldgefühle nicht mehr zu tun, um ihm zu helfen. Er war kein verdammter Gryffindor! Aber er wusste, dass er es sich nie verzeihen würde, sollte Draco noch mehr Leid geschehen, als es ohnehin schon war.
"Gut."
Remus blickte überrascht und selbst Dumbledore zog erstaunt eine Augenbraue hoch, kommentierte Severus' schnelle Zustimmung jedoch nicht. Der ältere Zauberer trat vor und überreichte Remus die Phiole, welcher sie behutsam an sich nahm.
"Ich werde euch dann allein lassen.", sagte Dumbledore vergnügt und Severus dürstete danach den alten Mann in die tiefste Hölle zu hexen. Seltsamerweise sah Remus nicht viel glücklicher aus, als er selbst und Severus konnte beim besten Willen nicht verstehen, warum dies so war. Er selbst würde es genießen diese Macht über den Werwolf zu haben."
"Ich werde ein Treffen des Ordens einberufen.", rief Dumbledore noch, als er eilig den Raum verließ, "Bitte kommt später zu mir." Die Tür fiel ins Schloss und Severus gab ein genervtes Knurren von sich.
Remus schwenkte die Phiole hin und her, offensichtlich fasziniert vom Inhalt des Fläschchens.
"Oh, um Himmels Willen! Können wir dieses völlige Desaster endlich hinter uns bringen? Ich nehme an, dass ich das irgendwie einnehmen muss?"
Remus seufzte schwer. "Ja, aber… das ist kompliziert. Bei normalen "Bindungen" würde ich dich einfach beißen, während… wir Sex haben, aber danach… wärst du ein Werwolf und mein Partner. Das hier…", er schüttelte die Phiole, "ist komplett anders. Wie du siehst, bin ich nicht verwandelt und es ist nicht unsere Absicht, dich zu einem Werwolf zu machen. Ich weiß nicht einmal sicher, ob es überhaupt funktionieren wird. Was wir im Wesentlichen zu kreieren versuchen, ist ein zeitlich begrenzter Bund, ähnlich… eines… Meister und Sklave Bundes."
Remus zuckte bei dem Anblick von Severus' verzerrtem Gesicht zusammen. Das hier war nicht das, was er wollte. Ja, er war in diesen Mann verliebt und wünschte sich einen Bund zwischen ihnen, jedoch keinen, welcher erzwungen wurde und sicherlich auch nicht, weil besagter Mann auf seinen viel jüngeren Patensohn stand, welcher gerade von einem Dämon besessen ist und an einer Infektion litt, die Wahnsinn auslöste.
Nicht die besten Bedingungen um eine Beziehung einzugehen.
Severus wandte sich abrupt um und ging zu seiner Vitrine. Er nahm eine Flasche Whiskey heraus, goss sich ein Glas voll ein, trank es aus und schenkte wieder nach.
"Das zu tun ist wahrscheinlich nicht sehr weise, Severus.", bemerkte Remus leise.
Severus verdrehte die Augen und sagte, ohne sich zu dem anderen Mann umzudrehen, "Lupin, ich sagte doch ich will das hinter mich bringen. Was muss also geschehen?"
Remus ließ die Phiole nervös von einer Hand zur anderen wandern. "Ich muss das hier trinken. Es ist mein eigenes Blut und mein Speichel, und wurde mir während eines Vollmonds abgekommen, als ich ein Werwolf war. Es wird mich nicht verwandeln, aber es wird mein Blut wölfischer machen. Es wäre das Beste… wenn auch du etwas von meinen Körperflüssigkeiten zu dir nimmst."
Severus knallte das Glas auf den Tisch und wandte sich zu Remus. "Du genießt das hier, nicht wahr? Endlich bekommst du deine Bindung, nach der du mich angebettelt hast?"
Remus blickte den anderen Mann böse an. "Das hier war nicht meine Idee, Severus! Und wenn du Hilfe angenommen hättest, dann hättest du nicht das zweifelhafte Vergnügen gehabt, dich von Albus erwischen zu lassen, während du Harry misshandelt hast! Das ist deine eigene Schuld!!"
Severus stürmte auf ihn zu und blieb wenige Zentimeter vor Remus' Gesicht stehen. "Beschuldige nicht mich für die Verdorbenheit deines Patenkindes! Es ist einzig und allein seine Schuld, sich von einem Werwolf verletzen zu lassen!"
"Das ist ja nicht zu glauben! Weißt du, wie lächerlich du klingst? Einen Jungen dafür verantwortlich zu machen, angegriffen worden zu sein, als ob er darum gebeten hätte! Ich muss verrückt sein, mich mit jemandem abzugeben, der so voller Hass und so grausam ist, wie du! Ich wünschte, ich hätte dich damals in der Schule getötet, denn dann wäre nichts von all dem geschehen! James und Lily würden noch am Leben sein, Sirius hätte nie nach Askaban gehen müssen und Harry würde nicht mit deinen kranken Perversionen zu Recht kommen müssen!"
Severus' Lippen verkamen zu einer unglaublich dünnen Linie und seine Augen funkelten teuflisch. "Tja, und was sagt das über dich aus, Lupin? Dass du wirklich nur ein Tier bist? Denn Tiere haben keine Bedenken, mit wem sie anbandeln. Du liebst also einen Mann, der deine beste Freunde umgebracht hat und deinen Patensohn misshandelt?"
Irgendetwas zerbrach in Remus' Augen und er gab ein wildes Knurren von sich. Er entkorkte die Phiole, trank einen Teil des Inhalts und stürmte dann zu Severus hinüber. Ohne innezuhalten griff Remus nach dem Kinn des Mannes und schüttete den Rest der säuerlichen Flüssigkeit in dessen Mund. Severus verschluckte sich, doch Remus hielt Severus' Kopf zurück und hielt ihm die Nase zu.
Severus keuchte auf und die Flüssigkeit brannte sich ihren Weg durch seine Kehle. Er keuchte erneut auf, als er fühlte wie das Blut in seinen Venen brennend heiß wurde. Er starrte Remus an, als der Werwolf noch näher kam, seinen Kopf nochmals nach hinten hielt und dann seine Zähne in Severus' Schulter sinken ließ.
Der Zaubertrankmeister schrie schmerzerfüllt auf, als Remus' Zähne durch seine Haut brachen und Blut aus der Wunde sickerte. Severus zog zischend die Luft ein, als mehr Hitze seinen Körper durchflutete, direkt in seine Lendengegend schoss und sein Penis schmerzhaft hart wurde. Seine Augen wurden feucht, als der Schmerz durch ihn fuhr. Es fühlte sich an, als würde er von innen verbrennen.
Remus zog sich von seinem Hals zurück und blickte ihn an. Severus konnte den metallischen Geruch seines Blutes riechen, welches Remus' Mundwinkel hinab lief. Er saß, dass Remus' Augen bernsteinfarbener als üblich waren, fast so wie an Vollmonden.
"Küss mich", befahl Lupin.
Ein seltsames Gefühl durchströmte Severus. Der berauschende Geruch von Blut und Lupins Eigengeruch schienen seine Sinne zu überwältigen. Er blickte Remus finster an und Lupin knurrte,
"Jetzt!"
Lupin trat vorwärts und gab Severus einen glühend heißen Kuss. Severus keuchte erneut, als sich der Geschmack seines Blutes mit dem von Lupins Werwolfmixtur in seinem Mund vermischte. Er belegte seine Zunge und Severus entkam ein unterdrücktes Stöhnen. Bevor er wusste was er tat, erwiderte er den Kuss.
Lupin verzog das Gesicht, als Severus ihm auf die Lippe biss und Blut hervortrat. Er zog an Severus' Robe und riss die Knöpfe dabei ab. Er fühlte die harte, pulsierende Erregung des anderen Manns und drückte dagegen, sodass Severus Remus' Eigene fühlen konnte.
Severus löste schwer atmend den Kuss. Seine Hände zitterten und seine Augen blickten unfokussiert im Raum umher, ohne etwas zu sehen. Sein Herz raste und er konnte sein Blut wirklich durch seine Arme und Beine strömen fühlen. Der Schmerz war beinahe unerträglich, aber seine Lust hatte dieses Maß noch überstiegen.
Remus öffnete Severus' Hose und knurrte, "Das wird weh tun. Tut mir Leid."
Ohne Warnung wirbelte Remus den Mann herum, zog dessen und seine eigene Hose hinunter, beugte Severus nach vorne und drang in ihn ein. Trocken.
Severus schrie vor Schmerz laut auf, als Remus sich in ihm bewegte. Er verstand diese Grobheit. Eine Werwolfbindung war kein Liebemachen. Doch dieses Wissen machte es nicht weniger schmerzvoll, aber unterhalb der Qual war ein seltsames Gefühl von… Begierde, von gewollt zu werden. Eine kleine Stimme in Severus' Seele schrie: …kapituliere.
Eine Welle von Lust übermannte ihn mit der Kraft eines Riesen und Severus stöhnte intensiv auf. Sein Blut geriet in Wallung und schien zu kochen, während Severus nach Luft japste. Remus' tiefe Stöße und sein himmlischer Geruch -…himmlisch?...- schlossen ihn wie in einem Kokon ein.
Severus kniff die Augen zu und stöhnte. Dann schrie er überrascht auf; Remus hatte sich abrupt aus ihm zurückgezogen und noch mehr Schmerz schoss durch ihn. Er erhob sich und wirbelte herum, um Lupin mit offenem Mund anzustarren.
Remus packte Severus bei den Schultern und zwang ihn auf die Knie. Severus war genau auf Augenhöhe mit Lupins Männlichkeit und eine erneute Welle der Begierde überkam ihn. Er öffnete seinen Mund und Remus ließ seine Erektion hinein gleiten. Severus erstickte beinahe, saugte aber dennoch begierig…
Remus knurrte tief und animalisch, und Severus fühlte, wie sich sein Mund mit heißer Flüssigkeit fühlte. Er schluckte hart und hinter seinen Augenlidern blitzte weißes Licht auf, als der Samen seine Kehle hinab lief.
Ein Teil von ihm starb in diesem Moment.
Und wurde durch Remus' Berührung wieder belebt.
-
Lucius Malfoys Augen öffneten sich schlagartig, als die Schritte sich seiner Zelle näherten. Er runzelte die Stirn, da er den dumpfen Ton der Wärterschuhe nicht wieder erkannte, als diese auf den feuchtkalten Steinboden trafen. Es ist seltsam, was man sich alles merken konnte. Nur wenigen ausgewählten Wärtern war es genehmigt, diesen Teil von Askaban zu überwachen.
Zelltrakt D.
Insassen dieses Gefängnisteils waren die gefährlichsten. Dies war das Zuhause von Todessern, Vergewaltigern, Serienmörder und allen anderen, die vom Zauberergamot als dauerhaft unerwünscht galten. Lucius war mehr als beleidigt gewesen, mit dem Abschaum der Zaubergesellschaft auf eine Stufe gestellt worden zu sein.
"Steh auf, Malfoy!"
Lucius knurrte, als der Befehl in seiner Zelle widerhallte. Der Wärter war offensichtlich neu. Niemand hielt sich damit auf, sich so anzukündigen. Es war normalerweise genug, die Dementoren in die Zelle zu schicken, um jeden zum Aufstehen zu bewegen. Natürlich nur die, die noch aufstehen konnten.
Lucius schwang seine Beine von der Pritsche, stand auf und hielt sich an der glitschigen Wand fest, um sich selbst aufrecht zu halten. Zwei Jahre in dieser nasskalten Hölle hatten aus dem einst stolzen Malfoy ein ausgemergeltes, lebendes Skelett gemacht. Seine Essensverweigerung an den meisten Tagen hatte sein Übriges getan, aber sein verwöhnter Magen hatte den Fraß, den das Gefängnis als Nahrung bezeichnete, nicht vertragen.
Lucius schob sich die Haare aus dem Gesicht, straffte stolz die Schultern und blickte zu den Eisenstangen. Der Wärter war wirklich neu. Er hatte nicht die übliche, gräuliche Blässe, wie der Rest der Wärter, denn selbst sie waren nicht vollständig immun gegen die in den Schatten lauernden Dementoren.
Wie auf Stichwort glitten nun zwei dieser verschleierten Monster in sein Blickfeld und Lucius unterdrückte den eiskalten Schauer, der durch seine Knochen fuhr. Er grinste, als der Wärter vor ihnen zurückwich, als sie auf ihn selbst zukamen. Er schob hastig den Schlüssel in das Schloss.
Eine der dümmsten, aber doch klügsten Ideen des Ministeriums war das Verbot von Zauberstäben im Zellblock D. Die Wärter hatten sich allesamt darüber beschwert, aber der Zauberergamot war von diesem Gesetz nicht abgewichen. Es hatte zu viele hässliche Zwischenfälle mit Insassen gegeben, die einen Wärter überwältigt und dessen Zauberstab an sich genommen hatten.
"Keine schnellen Bewegungen, Malfoy!"
Nichts änderte sich an Lucius' hämischem Grinsen.
"Sie haben doch nicht etwa vor mir harmlosen, kleinen Zauberer Angst?", sprach Malfoy höhnisch. "Nicht mit Ihren mächtigen Zwillingstürmen neben dir."
Der Wärter wurde blass und schluckte schwer. Er zog die Zelltür auf und wich schleunigst wieder zurück.
"Okay, kommen Sie nun langsam raus. Es ist Zeit für Ihre Ausgangsstunde."
Lucius hob vorsichtig eine Augenbraue. "So früh am Tage? Mit was verdiene ich das denn?"
"Das geht Sie gar nix an! Jetzt raus, kapiert?"
Lucius stolzierte langsam zur Zellentür, das Grinsen auf sein Gesicht gepflastert. Er zwang das ungute Gefühl hinunter, als die Dementoren näher kamen. Sein Atem kam in kondensierten Stößen und er streckte träge seine Hände nach vorn.
Der Wärter legte ihm hastig die schweren Handschellen um und trat zurück. Die Dementoren schwebten vor ihm und warteten auf den kleinsten Fehler von Lucius' Seite. Er war nur zu froh, sie enttäuschen zu müssen.
Der Wärter stieß Lucius nach vorne und der ehemalige Slytherin zischte wütend, "Fassen Sie mich nicht an, kapiert?"
Der Wärter lachte verächtlich. "Sie müssen bereits den Verstand verloren haben, Malfoy! Das hier ist nicht Malfoy Manor, sondern Askaban, Sie abscheulicher Todesser!"
Lucius' Augen verengten sich zu Schlitzen. "Und Sie können nur von den Leben, das ich geführt habe träumen, Schlammblut. Ich kann Ihren Gestank riechen. Sie sind wahrscheinlich noch niederer… Ich wette, Sie sind nichts, als ein Squib, der um echte Zauberer herum scharwenzelt."
"Ich bin kein Squib! Ich kann die Dementoren sehen, die neben Ihnen lauern, Malfoy. Und wenn Sie nicht aufpassen, wird ein schrecklicher Unfall passieren."
Der Dementor, der Lucius am nahsten war, kam noch ein Stück auf ihn zu, als ob er erwartete, dass dieser Unfall in der nächsten halben Minute geschehen würde.
Lucius knurrte angewidert und schlang die Arme um sich, als ob seine Gefangenkleidung ein neuer, teurer Umhang wäre. Er hielt ein Zittern zurück, nur um es diesem Stück Scheiße zu zeigen.
Lucius stolzierte den Gang mit hoch erhobenem Kopf hinunter. Von den Zellen um ihn herum, war nur die Hälfte belegt, denn lediglich eine handvoll Todesser wurde bei dem Ministerium Debakel gefasst. Diejenigen, die mit Lucius zusammen festgenommen wurden, waren entweder still oder verrückt geworden. Lucius selbst war fest entschlossen, nicht so zu enden, wie Bella oder die Lestrange Brüder.
Der Korridor endete in einem geschlossenen Innenhof, dessen Decke das Wetter draußen imitierte. Das Ministerium hatte endlich bemerkt, dass es eine unmenschliche und grausame Strafe war, die Häftlinge nicht wenigstens manchmal aus ihren Zellen zu lassen. Vorfälle extremer Gewalt und geistesgestörtem Verhalten hatten die Wärter dazu gebracht, sich für die bessere Behandlung der Gefangenen einzusetzen.
Im Hof standen unzählige Sitzbänke und etliche Sträflinge in unterschiedlichen Graden von Verwirrung saßen auf diesen oder auf verzaubertem, grünem Grass. Lucius sah Rabastan in einer Ecke des Hofes hocken, seine Augen glitzerten raubtierhaft. Lucius bekam den anderen Todesser nicht oft zu Gesicht, und er war überrascht, ihn heute draußen zu sehen. Rabastans gewalttätige Ausraster machten ihn nicht gerade beliebt bei den Wärtern und auch nicht bei den anderen Gefangenen, denn Rabastan neigte dazu, jeden in seiner Nähe anzugreifen, ungeachtet ob Todesser oder nicht.
Lucius blieb unter dem Torbogen stehen und seine Augen wurden zu einer Bank ganz in der Nähe gezogen, auf der eine zierliche Gestalt saß. Ein Wärter stand daneben und sprach mit einem weiteren.
Dieser dunkle Haarschopf…
Aber was machte sie hier?
"Pansy? Pansy Parkinson?"
Das Mädchen wandte sich langsam um und Lucius' Augen weiteten sich, als er die Verlobte seines Sohnes erkannte.
"Was… was tust du hier?" Seine Augen glitten über ihre Standart Gefangenenuniform.
Pansys Augen lagen riesig in ihrem blassen Gesicht und sie sah nervös zu den schwebenden Dementoren. Sie trat näher auf Lucius zu und versuchte zu lächeln.
"Ich… hatte ein bisschen Ärger in der Schule."
Lucius zog daraufhin eine Augenbraue hoch. "Ärger, der dich nach Askaban gebracht hat? Wo ist mein Sohn?"
Pansy blickte auf die herumschwirrenden Wärter und kam noch näher. "Draco ist auf der Flucht.", flüsterte sie. "Er… er hat einen Schüler verletzt."
Lucius zog die Stirn kraus. "Erkläre."
"Draco hat ein Schlammblut getötet, weil dieser Harry Potter getötet hat."
Lucius blinzelte. Hatte sie ihm gerade erzählt, dass Harry Potter tot war und dass sein Sohn ein Schlammblut getötet hat?
"Miss Parkinson, ich finde das nicht witzig. Trotz meiner Gefangenschaft verlange ich ein Maß an Respekt-"
Pansy winkte verärgert ab und Lucius starrte sie, ob ihrer Frechheit ungläubig an.
"Schön. Glauben Sie mir nicht. Draco ist total außer Kontrolle. Er hatte was mit Potter am Laufen, nur um mich und Ihre Frau zu kränken. Potter hat ihn drogenabhängig gemacht und Draco hat seinen Verstand komplett verloren. Weasley hat versucht ihn im Gryffindor Turm zu töten. Sie ist auch hier drin. Aber ich habe Draco gerettet, denn ich bin diejenige, die ihn wirklich liebt. Er wird sich daran erinnern, wenn es zu spät ist und dann wird er ankommen und mich um Hilfe anflehen, und ich werde dann zuletzt lachen."
Eine lodernde Wut brannte in Lucius' Magen und drohte in Form von Erbrochenem aus seinem Mund zu sprudeln. Doch das wäre absolut unakzeptabel, selbst in gegebener Situation. Er war immer noch das Oberhaupt der Malfoy Familie und er hatte einen Ruf zu verlieren.
Er unterdrückte die aufkommende Galle und schaffte es ohne zu krächzen zu sprechen,
"Mein Sohn würde sich nie mit einem Mann… mit… Potter einlassen. Woher hast du diese Informationen, Pansy?"
Pansy grinste ihn widerwärtig an und Lucius beschloss prompt, dass er ihr den Zugang zu seinem Haus verweigern wird, wenn er erst einmal Askaban verlassen hat. Diese Frechheit! Ihn so anzugrinsen…
"-Briefe von Ihrer Frau bekommen? Sicherlich hat Narzissa Ihnen erzählt, was vor sich geht?" Sie zog eine Augenbraue hoch. "Oder vielleicht dachte sie, dass Sie das nicht verkraften würden…"
Lucius knurrte warnend, seine Hände griffen reflexartig nach einem Zauberstab, der nicht länger Teil seines alltäglichen Lebens war. Pansy hob beschwichtigend die Hände und blickte abermals zu den Wärtern.
"Mister Malfoy, bitte. Ich meine es nicht böse. Ich liebe Draco… immer noch, trotz allem was geschehen ist. Er hat Hogwarts direkt verlassen, nachdem dieser Junge Potter durchstochen hat. Potter fiel zu Boden und ich wusste, er war tot! Draco… er ist einfach… durchgedreht!"
Die Informationen wirbelten durch Lucius' Kopf. Es musste eine Lüge sein. Wenn Potter tot wäre, dann wären nicht einmal die Wärter in der Lage gewesen, es geheim zu halten. Es war selten, dass Lucius einen Tagespropheten zu Gesicht bekam, aber normalerweise sprachen die Wärter über die aktuellen Themen des Tages. Der Tod von Harry Potter hätte das Fundament von Askaban zum Beben gebracht, so laut wäre das Getobe gewesen, seinen Mord zu rächen.
"Bist du sicher, dass Draco einen Schüler umgebracht hat? Ein Schlammblut? Und warum würde dieses Schlammblut Potter töten, der doch deren Held ist?"
Pansy zuckte mit den Schultern. "Nun, ehrlich gesagt, habe ich das alles nicht passieren sehen. Professor Snape hat mich mit einem Fluch getroffen, nachdem ich von Weasley angegriffen wurde. Ich denke, es war ein Verwirrungszauber oder so. Derselbe, den er auch auf Potter anwandte, wenn er Sex mit ihm hatte."
Lucius blinzelte und schüttelte den Kopf. Jetzt wusste er, dass Pansy log. Es war unmöglich, dass Severus Snape Sex mit Harry Potter hätte. Der Mann hasste diesen Jungen. Und trotz Severus' Neigung zu gefährlichen Aktivitäten, so würde er niemals seine Lehrstelle riskieren, um Sex mit einem Schüler zu haben.
"Bitte, erzähle mir von meinem Sohn. Der Rest dieser… Geschichte… interessiert mich nicht. Was ist mit Draco?"
Pansys Augen verengten sich zu Schlitzen. "Ich weiß nicht genau, was passiert ist, aber mir wurde erzählt, dass der Hufflepuff Potter erstochen hat und dieser tot umgefallen ist. Und Draco ist durchgedreht, da Blaise und Theo auch gerade getötet wurden und deshalb hat Draco den Hufflepuff umgebracht und ist dann raus gerannt. Professor Snape wollte ihm nachlaufen, aber McGonagall hat ihn aufgehalten. Danach ist Dumbledore aufgetaucht und ich wurde zusammen mit der Weasley festgenommen."
"Blaise Zabini und Theodor Nott wurden ebenfalls ermordet? Von wem?"
"Nun, Theo ist auf jeden Fall tot. Blaise ist im Hospital, aber soweit ich gehört habe, liegt er im Sterben. Potter war es."
Lucius wusste nicht, was er davon halten sollte. Er konnte nicht einmal herausfiltern, was Wahrheit und was Lüge war. Dass Potter tot war, musste eine Lüge sein, genauso wie die Information, dass Draco etwas mit Potter hatte und Drogen nahm. Was zum Teufel war an dieser Schule vorgefallen, und warum hatte Narzissa ihn nicht mittels ihres Geheimcodes für Briefe davon in Kenntnis gesetzt?
"Pansy, was ist zwischen dir und Draco vorgefallen?" Vielleicht hatte Draco sie sitzengelassen und nun log sie ihn aus Rache an.
Lucius beobachtete, dass Pansys Augen aufzuwärmen schienen, als er Dracos Namen erwähnte, und dann verletzt und betrogen glitzerten; und ihre Wut spiegelten.
"Draco hat mir den Brautring der Malfoys gegeben. Wir sind jetzt verlobt, Mister Malfoy. Er hat nur versucht ein wenig Unabhängigkeit zu zeigen, da Sie hier eingesperrt sind.", sagte Pansy mit einem schwachen Lächeln, während sich Lucius' Lippen verärgert zusammenpressten.
"Draco war einfach verwirrt und alles wäre wieder gut geworden, bis Weasley alles versaut hat." Ihr Gesicht verzog sich zu einer wutverzerrten Maske. "Aber wenn ich hier rauskomme, dann werde ich alles um jeden Preis wieder richten."
"Miss Parkinson, glaubst du es ist weise, Rachepläne gegen meinen Sohn zu schmieden, während ich hier neben dir stehe? Ich versichere dir, dass dein Verhalten sehr unvernünftig ist."
Pansy blickte ihn für einen Moment nachdenklich an, dann sagte sie, "Mister Malfoy, ich liebe Ihren Sohn. Schon immer. Und ich träumte schon davon seine Frau zu werden, als ich noch ein kleines Mädchen war. Mutter hat mich auf die Pflichten einer guten Ehefrau vorbereitet. Ich werde ihn nicht gehen lassen, aber ebenso werde ich es nicht vergessen, dass er mich für ein schwules Techtelmechtel mit einem Halbblut hat sitzen lassen, auch wenn es Harry Potter war. Narzissa hat mir versichert, sie würde mir helfen und ich weiß, dass sie immer noch auf meiner Seite steht."
Lucius hätte beinahe seine Maske fallen lassen. Narzissa wusste von allem? Es war eine Sache für Pansy zu lügen, aber eine ganz andere, seine eigene Frau in diese Lügen einzubinden, was leicht zu untergraben wäre. Daher hatte Pansy entweder komplett den Verstand verloren, oder seine eigene Frau hatte Geheimnisse vor ihm. An dieser Stelle wusste er nicht, was wahrer sein könnte. Narzissa war eine Black, und diese gesamte Familie war bekannt für unzählige Geheimnisse und fehlgeleiteten Verhaltens. Narzissa wäre nicht die erste Frau, die ihren Ehemann anlügen würde.
Lucius musste dringend eine Nachricht an seine Frau schicken. Er musste herausfinden, was mit Draco war und was sonst geschehen ist. Er hatte mit Narzissa eine Art Code für ihre Briefe entwickelt, da diese von den Wärtern kontrolliert wurden. Manche Insassen erhielten nicht einmal Post, obwohl sie geschickt wurde. Der einzige Grund, dass Lucius all seine Briefe bekam, war eine wöchentliche Zahlung an einen der Wärter, der ein wenig Sympathie für die Taten des Dunklen Lords hatte.
Aber vielleicht hatte Pansy mehr Spielraum für Kommunikation.
"Miss Parkinson, in welchem Zellentrakt hat man dich untergebracht?"
"Ähm… in Trakt M."
"Ah, natürlich. Für nur leichte Verstöße gegen das Zauberergesetz. Du hast mehr Freiheiten, als der Rest von uns." Er nickte zufrieden. "Ich nehme an, die Blutsverräterin befindet sich auch dort? Weasley, hast du gesagt?"
Pansy verzog das Gesicht. "Ja, sie ist dort. Wir haben "Rehabilitationsübungen" zusammen. Wir reden über unsere "Gefühle" und lernen unsere "Wut" zu beherrschen." Pansy verdrehte die Augen.
Lucius grinste. Pansy hatte genau denselben Funken, den Narzissa gehabt hat, als er sie kennen lernte. Zu Schade, dass das Mädchen nichts von Narzissas Schönheit und Herkunft hatte, auch wenn sie reinblütig war. Er hatte zu den Hochzeitsplänen nur zugestimmt, da es zu dieser Zeit keine anderen Wahlen für Draco gab. Nun war es außer Frage, dass Draco ein Mädchen heiraten würde, dass in Askaban gewesen war. Selbst wenn es schien, dass Draco ein Mörder war und sich ohne Zweifel in einem ihrer Häuser versteckt hielt.
Es war Zeit, Pansy für seine eigenen Absichten zu benutzen.
"Miss Parkinson, darf ich dich um einen Gefallen bitten?"
Pansys Gesichtausdruck verhärtete sich, als sie Lucius anblickte. "Nur, wenn auch ich davon profitieren kann."
Lucius kräuselte die Nase. "Als ob du solch eine Forderung an deinen zukünftigen Schwiegervater stellen müsstest. Habe ich dich irgendwie beleidigt?"
Pansy sah ihn einen Moment verwundert an und kam augenblicklich näher und legte ihre Hand auf seinen Arm. Ein Wärter sah ob der plötzlichen Bewegung auf und blickte sie finster an.
"Kein Kontakt!", bellte er.
Pansy ignorierte ihn und flüsterte. "Oh… Mister Malfoy! Sie würden mich trotzdem… Dracos Frau werden lassen? Sie befürworten trotz allem unsere Hochzeit? Ich hätte nicht gedacht… oh… ja… alles was Sie möchten."
Die Stimme des Wärters war nun direkt hinter ihnen und viel zu nah für beider Geschmack.
"Ich sagte: Kein Kontakt, Malfoy! Sind Sie endlich taub und blödsinnig geworden?"
Lucius wandte seine stahlgrauen Augen dem fleischigen Gesicht des Wärters zu und lächelte spöttisch. Der Wärter fuchtelte wütend mit den Armen und Lucius erblickte einen der immer-anwesenden Dementoren auf sie zukommen, hungrig nach einem Mahl.
"Sie würden nicht so schnell eingreifen, wenn Sie nicht diese Kreatur an Ihrer Seite hätten.", zischte Lucius. "Das Blatt wird sich sehr bald wenden, mein Freund."
Die Augen des Wärters weiteten sich für einen Moment geschockt, dann verengten sie sich. "Ist das eine Drohung, Malfoy? Sie haben eine recht große Klappe für einen toten Mann."
Lucius' Lächeln erreichte seine Augen nicht. "Genauso wie Sie."
Der Wärter fluchte, trat einen Schritt vor und hob die Hand, als ob er Lucius schlagen wollte. Pansy keuchte auf und griff seinen Arm fester, während Lucius den Mann lediglich heimtückisch anstarrte.
"POTTER, STOPP!"
Lucius' Kopf wirbelte herum zum anderen Ende des Hofes, wo die Stimme herkam. Es gab einen Aufruhr am Eingang auf der anderen Seite. Vier Wärter stürmten dorthin und für etliche Sekunden sah man nur ein Gewirr aus Armen und alle riefen durcheinander.
"- um Merlins Willen, fesselt ihn!"
Etliche Wärter versuchten einen Gefangenen zu bändigen, aber sie hatten keinen Erfolg. Lucius starrte verwundert hinüber, als ein Wärter nach dem anderen durch die Luft flog und unelegant auf dem Boden aufschlug. Etliche der Gefangenen redeten aufgeregt und standen auf. Selbst Lestrange hatte sich umgedreht, um zu sehen, woher der Lärm kam.
Lucius erhaschte einen Blick auf schwarzes, verwuscheltes Haar und sein Mund klappte auf.
"Ist das… Potter?" Er drehte ruckartig den Kopf, um zu Pansy zu sehen, deren Fingernägel sich so tief in seinen Arm krallten, dass Blut hervortrat. Pansy schien absolut verängstigt.
"Oh Gott! Er ist am Leben! Aber… wie?" Pansys Augen waren vor Furcht geweitet.
Lucius hatte keine Zeit, um über ihre Reaktion auf den "toten" Klassenkameraden nachzudenken, denn in der nächsten Minute war Potter durch die geschlossene Front der Wärter gebrochen, die versucht hatten, ihn am Eintreten zu hindern.
Es gab nur eine recht kurze Liste von Leuten, die Lucius fürchtete oder respektierte. Sein Vater und Großvater waren auf beiden Listen vertreten. Auch der des Dunklen Lord, jedoch aus anderen Gründen, als seine Vorfahren. In der kurzen Zeitspanne von nur wenigen Sekunden hatte er auch Harry Potters Namen zu der Liste der gefürchteten Zauberer hinzugefügt.
Den Jungen, den er vor zwei Jahren in der Mysteriumsabteilung gesehen hatte, gab es nicht mehr. Die Person, die nun an seiner statt stand, war nichts, was er jemals zuvor gesehen hatte. Und er war sehr vertraut mit Wahnsinn und was er mit Menschen anstellte. Tom Riddles abscheuliche Verwandlung zu einem rotäugigen Monster und Bellatrix' ausgemergeltes Gesicht und irres Gegacker waren auf ewig in sein Gedächtnis gebrannt.
Die grünen Augen blitzten nun in einem Goldton und huschten umher, um jedes Detail des Hofes zu registrieren. Offensichtlich kalkulierten sie, wie viele Opfer in den nächsten Sekunden zu Boden gehen würden. Potters Haare haben immer wild abgestanden, wie die des älteren Potters, aber nun schienen sie vor Elektrizität zu knistern, jede Strähne stand weit von Potters Kopf ab.
Potter trug die Sträflingstracht, doch die Kleidung schien an seinen Körper zu schwelen. Sie hing an ihm wie schmelzendes Wachs und Lucius hätte schwören können, er sah Rauchschwaden aufsteigen. Potters Hände waren zu krallenartigen Fäusten geballt und sein Keuchen erinnerte ihn an Greyback. Hatte sich Potter in einen Werwolf verwandelt?
Der Wärter neben Lucius erwachte aus seinem Schockzustand und wich zurück. Er versuchte gar nicht erst seinen Kollegen zu helfen. Pansy war ebenfalls zurückgewichen und stand nun hinter Lucius, ihre Augen klebten an dem Wunderjungen.
In genau diesem Moment entschied Rabastan, dass es Zeit war, Potter in Askaban willkommen zu heißen:
"Potter! Du dreckiges Halbblut! Diesmal wirst du sterben!"
Er erhob sich aus seiner hockenden Position und sprang vorwärts. In seiner Hast stieß er dabei einen anderen Gefangenen aus seinem Weg. Die plötzliche Bewegung zog zwei Dementoren an, welche Lestrange nun rasch durch den Hof verfolgten. Andere Insassen begannen zu schreien und versuchten, den aufgebrachten Kreaturen auszuweichen. Potter hatte seinen Kopf neugierig dem Mann zugewandt, aber schien nicht erschrocken über den Verrückten, der, gefolgt von zwei Dementoren, auf ihn zu lief.
Die Wärter hatten sich wieder gesammelt und einige hatten verbotene Zauberstäbe aus ihren Taschen gezogen, um nun mit Flüchen gegen Lestrange und Potter vorzugehen. Lestrange schaffte es ihnen auszuweichen, er rollte einem Feuerzauber aus dem Weg und kam direkt hinter einem Wärter wieder auf die Beine. Mit diesem war es sofort vorbei.
Das Geräusch des brechenden Halsknochens des Wärters schallte durch den Hof und weitere Schreie folgten. Lestrange hatte sich den Zauberstab des Mannes geschnappt, noch bevor dieser auf dem Boden aufschlug und begann nun seine eigenen Flüche abzufeuern. Durch die Tür, die zum Hof führte, kamen plötzlich noch mehr Wärter und Dementoren. Drei Sträflinge entschieden, sich Rabastan anzuschließen und attackierten zwei weitere Wärter, um an deren Zauberstäbe zu gelangen. Der Rest der Gefangenen rannte durcheinander auf den Hofausgang und somit auf Lucius zu, welcher instinktiv Pansy mit sich zog, um sie vor dem Chaos zu schützen.
Er drückte Pansy an die Wand hinter sich, verdeckte sie mit seinen Armen und wandte sich herum, um zu sehen, was mit Lestrange passierte. Wenn er nur selbst einen Zauberstab hätte…
"Bleib hier!", zischte Lucius, als er Pansy auf den Boden drückte. "Halt den Kopf unten und sieh sie nicht an."
Er lief zu Rabastan, der mehrere Wärter zu Boden gebracht hatte, obwohl weitaus mehr durch die Tür herein kamen. Seine Gefährten hatten sich ebenfalls Zauberstäbe beschafft und Flüche wurden schludrig abgefeuert. Viele von ihnen hatten seit Jahren keinen Zauberstab mehr berührt und diese fremden Stäbe hätten genauso gut Kleinholz sein können.
Lucius hatte den Hof überquert und sah, dass Potter lässig zu Rabastan hinüber sah, welcher nun Flüche in dessen Richtung abschoss. Potter gab ein Knurren von sich, dass Lucius das Blut in den Adern gefrieren ließ. Der Schwarzhaarige hatte sich so schnell in Richtung des anderen Todessers bewegt, dass Lucius kaum glauben konnte, dass Potter die Entfernung nicht appariert war. Potter schlug beide Hände in Rabastans Bauch und das Geräusch von zerreißendem Fleisch und auflodernden, roten Flammen hallte durch den Hof. Der Mann taumelte und sein Zauberstab flog auf Lucius zu.
Dieser war so geschockt von dem Anblick Rabastans, der in Flammen aufging, dass er beinahe den Zauberstab nicht gesehen hätte. Er prallte erst gegen seine Schulter, bevor er herumwirbelte und ihn auffing. Rabastans Schreie übertönten alle anderen Geräusche und Lucius war unfähig sich zu bewegen.
"DEMENTOREN! SCHNAPPT POTTER UND MALFOY!"
Lucius wirbelte herum und knurrte die näher kommende Erscheinung an. Er hob den Zauberstab und ließ seine geschwächte Magie in das fremde Holz fließen.
"Expecto Patronum!"
Ein Funken Licht brach aus dem Stab, aber sonst passierte nichts. Lucius versuchte verzweifelt sich zu beruhigen, um den Zauber nochmals auszuführen, doch der Dementor kam immer näher und Lucius zitterte in der Kälte seines ankommenden Atems.
"Expecto Patronum!"
Der Funken war noch schwächer als zuvor und Lucius hatten keinen Ausweg mehr.
Plötzlich zog ein Luftstoß durch den Hof und Lucius beobachtete ungläubig, wie der Dementoren einfach an ihm vorbei glitt. Er stolperte beinahe, als er sich umdrehte, um zu sehen, wo dieser hinging und erhielt seinen vierten Schock an diesem Tag.
Potter stand mit ausgestreckter Hand da und jeder einzelne Dementor in der Nähe glitt zu ihm und schwebte geduldig neben dem Schwarzhaarigen, als ob er auf ein Leckerli oder eine Streicheleinheit warten würde.
Die Wärter waren genauso verwirrt, wie er selbst.
"SCHNAPPT IHN! DEMENTOREN!"
Keine der schwarzen Gestalten bewegte sich, als ob sie auf Potters Befehl warteten.
Ehrfurchtsvolles Geflüster erklang und die Wärter begannen vor dem Retter der Zaubererwelt zurückzuweichen. Potter ließ die Hand sinken und blickte seitlich auf Lestrange, welcher kaum mehr als ein zusammengesunkener, verkohlter Haufen Fleisch war. Lucius schluckte die bei dem Anblick aufkommende Galle runter.
"Beendet es."
Potters Stimme war wie Eis.
Die Dementoren kamen in Bewegung und Lestrange Schreie nahmen wieder zu, als ein zerreißendes Geräusch die Luft durchstieß. Lucius, der etliche Gräueltaten auf Todesserangriffen erlebt hatte, schloss die Augen. Selbst er konnte diesem Anblick nicht standhalten.
Er fühlte eine Bewegung direkt vor sich und er öffnete schnell die Augen. Potter stand vor ihm und starrte ihn an. Lucius zog sofort den Zauberstab und richtete ihn auf Potter. Es war ihm egal, dass seine Hand zitterte. Stark zitterte.
Potter blickte auf den Zauberstab, blinzelte einmal und strich dann mit dem Finger darüber. Der Stab zerfiel in einer Welle aus Hitze und Lucius keuchte auf. Niemand konnte das mit einem Zauberstab machen.
"Was willst du, Potter?", fragte Lucius und musste all seine Kraft zusammennehmen, um seine Stimme überheblich und verachtungsvoll klingen zu lassen. Es war eine schwierige Aufgabe. Er hatte heute Dinge gesehen, die all seinen magischen Kenntnissen trotzten. Potter konnte Dementoren kontrollieren? Wie war das möglich? Und alles was er getan hatte, hatte er ohne Zauberstab vollbracht.
Potter blickte Lucius an und dann verzogen sich seine Lippen zu einem leichten Lächeln. Er trat vor und nahm Lucius' Kopf grob zwischen beide Hände.
"Du hast mich zum Verrotten in diesem Hospital gelassen. Aber ich vergebe dir."
Lucius blinzelte verwirrt und versuchte Harrys Hände wegzustoßen.
"Nimm deine Finger von mir-"
Harry ergriff Lucius' Arm und schob den Ärmel hoch. Lucius' Mal leuchtete hellrot auf der blassen Haut, obwohl das Dunkle Mal dort bereits seit fast zwanzig Jahren eingebrannt war.
"Du hättest das nicht tun müssen. Es wäre alles gut geworden. Es kann immer noch behoben werden."
Lucius starrte ihn an.
"Bist du deshalb hier? Haben die Auroren dich gefangen?", flüsterte Harry und in seinen goldenen Augen schimmerten nun grüne Flecken.
Lucius blinzelte erneut, als es ihm endlich dämmerte. Potter dachte…
"Es wird alles wieder gut, Draco."
