Kapitel XXVIII

„Weißt du", sagte Luke und betrachtete den Holocube genauer, „das hier sieht verdammt nach Tatooine aus."

Leia lachte.

„Wie ironisch wäre das denn? Darth Vader ist auf dem Planeten aufgewachsen, auf dem es so gut wie nie dunkel wird."

„Hey, bei uns wird es dunkel!", widersprach Luke.

Leia sah ihn schräg an.

„Durchschnittlich fünf oder sechs Stunden täglich", beendete er seinen Satz murmelnd.

Sie schenkte ihm ein gewinnendes Lächeln und sah sich die Briefe wieder an.

„Schau mal, das sind Liebesbriefe."

„Denkst du, sie sind von Mutter?"

„Wer weiß? Sie sind nicht mit Namen unterschrieben."

„Lies mal einen vor."

Lieber Anakin, ich liebe dich. Ich kann es kaum erwarten, dich heute Abend zu sehen. Mit all meiner Liebe, dein Engel."

„Das ist nicht gerade lang."

„Und es ist beinahe so, als wären sie zusammen – oder sich zumindest ziemlich nahe. Mindestens auf dem selben Planeten."

„Dann sind das hier nur kleine Liebesnachrichten... Durch das Schreiben haben sie ihre Gefühle ausgedrückt, wenn sie getrennt waren."

„Das hat sie durch den Tag gebracht oder so", stimmte sie zu. „Es gibt für jeden Tag einen Brief, in den letzten zwei Wochen vor dem Fall der Republik." Sie hielt inne. „Ist hier sonst noch was?"

Luke zog ein paar Lagen Stoff aus einer weiteren Kiste. „Jedi-Roben?"

Leia kniff die Augen zusammen. „Pechschwarze Jedi-Roben."

Lederne Jedi-Roben", fügte Luke mit einem schmutzigen Grinsen hinzu.

Leia sah ihm ins Gesicht und seufzte. „Jungs."

„Hey!"

Leia spähte in die Kiste, in der der Holocube und die Briefe gewesen waren. „Da drin ist nicht mehr."

Luke machte noch eine Schachtel auf. „Akten. Sollen wir sie ansehen?"

Leia bückte sich, um sich eine Akte zu nehmen, als eine Stimme fragte: „Was glaubt ihr eigentlich, was ihr da macht?"


Han saß auf dem Boden der unter Druck stehenden Trainingshalle und sah Vaders Auseinandersetzung mit Mara Jade zu. Die Reaktion der Hand auf Vaders Erscheinen war ein unvergesslicher Anblick gewesen. Ihre Augen hatten die Größe von Monden angenommen, und Han wusste genau, dass es schwer für sie war, ihren Unterkiefer an Ort und Stelle zu halten. Erst als Vaders Lichtschwert auf ihren Kopf zuhielt, fing sie sich wieder und konnte mit dem Training beginnen.

Er hatte Vader immer gerne beim Kämpfen zugesehen, aber ohne die Rüstung, die ihn schwerfällig machte, war er wirklich ein unvergesslicher Anblick. Und wenn Hans begrenztes Wissen über Lichtschwertduelle etwas wert war, dann hatte Jade ihn unterschätzt.

Anstelle der geraden, schwungvollen, harten Schläge, für die der Mann im Anzug berühmt war, hatte der Mann ohne Anzug eine Reihe von Finten entwickelt, und seine Beinarbeit war auch besser. Brutale Stärke nutzte er zwar auch, aber sie spielte eine weniger wichtige Rolle bei dem, was beinahe wie ein Tanz aussah. Han war wie verzaubert, auch wenn er ein paar Mal eilig aus dem Weg hechten musste.

Kurz fragte er sich, wo die Zwillinge – schon verrückt, wie schnell er das akzeptiert hatte –, untergebracht waren. Vader hatte Jade darüber informiert, dass sie morgen anfangen würden, sie auszubilden. Da er sich an das feurige Temperament der Prinzessin erinnerte, stellte Han sich zwangsläufig die Frage, wie diese Ausbildung funktionieren sollte. Von den Vieren war Luke der Einzige, der die Bedeutung des Wortes Ruhe überhaupt kannte.


„Jessa!", Leia sank vor Erleichterung auf den Boden. „Oh, der Macht sei Dank!"

Die Dienerin lachte freudlos.

„Raus. Bevor Lord Vader das Training mit diesem Jade-Mädchen beendet und auf diesem Weg zurückkommt. Er würde Sie beide töten. Und mich."

„Warum ist das ganze Zeug hier?", fragte Luke, als die Dienerin sie rausscheuchte und sich abmühte, die Tür möglichst leise wieder zu schließen. „Und was ist das?"

„Das sind Lord Vaders persönliche Sachen", sagte sie mit leiser, heimlichtuerisch klingender Stimme. „Von der Zeit, bevor er Lord Vader wurde. Er hat angeordnet, alles wegzuwerfen, zu verbrennen, was auch immer – aber eine der sentimentaleren Dienerinnen hat das nicht fertig gebracht, also hat sie es in diesem Zimmer versteckt. Es war sowieso nichts drin."

Sie atmete tief durch. „Aber was auch immer er sonst zu sein scheint, was auch immer er sonst ist – Lord Vader ist ein neugieriger Mann. Ihm ist die Tür aufgefallen, die er nie benutzte und die auch andere nie benutzten, und weil er nicht wusste, was dahinter war... er hat es sich angesehen und... na ja..."

„Er hat es herausgefunden", sagte Luke und bekam ein flaues Gefühl im Magen.

Jessa nickte mit einem Stirnrunzeln auf dem hübschen Gesicht.

„Er war wütend. Er hat die Dienerin getötet, die alles versteckt hatte, und hat allen verboten, da rein zu gehen, aber er hat uns nie wieder befohlen, die Sachen loszuwerden. Also liegt es einfach da rum und setzt Staub an." Sie schüttelte den Kopf. „Alles, was ich Ihnen sagen kann, ist, dass Sie hoffen sollten, dass er das hier niemals herausfindet. Sie sind vielleicht seine Kinder, aber auch das wird Sie nicht schützen, wenn er nur wütend genug ist."

Sie drehte sich um und rauschte den Flur entlang. Luke und Leia sahen sich besorgt an, dann rannte Leia hinter ihrer Dienerin her. „Jessa, warten Sie!"

Das Dienstmädchen drehte sich ungeduldig um. „Ja?"

„Da ist dieser Mann... ein großer, blasser, kahler Mann in schwarz. Wer ist er?"

„Fragen Sie ihn selbst."

„Was, wenn ich ihn nie wieder sehe?"

„Das werden Sie", sagte die Dienerin und wandte ihnen wieder den Rücken zu. „Glauben Sie mir, das werden Sie."


„JUHU!", heulte Han, als er und Corry in einem Paar von Vaders modifizierten TIE-Jägern über die Oberfläche von Vjun rasten. „Kann man einen Mann hassen, der so ein Schiff entwirft?"

„Kann man nicht!", stimmte Corry ihm zu. „Gesegnet sei Lord Vader!"

„Solo!", blaffte eine Stimme über das Kom.

„Wenn man vom Teufel spricht", murmelte Han. Er drückte auf das Antwortsymbol. „Ja, Mylord?"

„Kommen Sie sofort zurück."

„Jetzt reg dich nicht gleich so auf", murmelte Han lautlos, fühlte sich aber gleich darauf schuldig. Vader erlaubte ihm, dieses fantastische Schiff zu fliegen – da sollte er wohl lieber dankbar sein und kommen, wenn er gerufen wurde. „Verstanden. Wir kommen heim."

Er wechselte auf die Frequenz, die er mit Corry teilte. „Notfall. Tschuldigung, Kleiner. Die Pflicht ruft."


„Ich denke, wir sollten zurück gehen", verkündete Leia später in der Nacht.

„Was?", fragte Luke, der von seinen Gedanken hochschrak.

„Ich denke, wir sollten zurück in den Raum gehen, den wir heute gefunden haben", wiederholte sie.

Luke sah sie an, als wären ihr plötzlich Flügel gewachsen. „Hast du nicht gehört, was deine Dienerin gesagt hat?"

Sie stieß den Atem aus.

„Ja, ich hab's gehört, Mami Luke... aber bist du nicht auch ein bisschen neugierig? Vader wird's nie herausfinden, wenn wir vorsichtig sind."

„Vader wird es herausfinden", beharrte Luke.

„Vader ist nicht allwissend", konterte Leia.

Ein geistesabwesender Ausdruck trat in Lukes Augen.

„Du wärst überrascht... Leia!", schrie er dem Rücken seiner Schwester zu. „Warte auf mich!"


Leia sah sich im Korridor um, ehe sie in den Raum glitt, mit Luke auf den Fersen. Sie schlossen die Tür hinter sich.

„Wir haben's geschafft, Luke!", wisperte sie triumphierend.

„Leia...", sagte Luke mit erstickter Stimme.

„Was?", erwiderte sie und drehte sich um...

... und stand Jix, Solo und ihrem mysteriösen Mann gegenüber.

Allerdings waren die Augen des Mannes nicht länger blau.

Sie glühten in einem wütenden, widerwärtigen Gelb.