„Bist du fertig Beyond?!", rief mir L vom Wohnzimmer aus zu.
Ich stand gerade im Bad und versuchte die Kontaktlinsen einzusetzen. Leider wollte es nicht ganz so gut klappen, wie beim ersten Mal, was wohl daran lag, dass es gleich ernst werden würde.
Nach einer gefühlten Ewigkeit hatte ich es endlich geschafft, strich mir das weiße Hemd gerade und schlurfte auf den Flur Richtung Wohnzimmer, wo mich L, in seiner bekannten Sitzhaltung, auch schon erwartete.
„Du brauchst ja fast länger als eine Frau", stichelte L und grinste mir frech entgegen, während er nach einer Banane auf dem Tisch griff.
„Sehr witzig. Es soll doch alles perfekt aussehen oder?"
„Du siehst immer perfekt aus…"
„L…", gab ich erschöpft zurück.
„Mach dich locker Beyond… das wird schon.", antwortete er und biss von der Banane ab.
„Also gut… was soll ich jetzt besorgen für dein geheimnisvolles Vorhaben?", fragte ich und setzte mich noch einmal auf die Couch.
L griff in seine Hosentasche und streckte mir einen kleinen weißen Zettel entgegen. Irritiert runzelte ich die Stirn, nahm den Zettel entgegen und las das Aufgeschriebene durch.
Was zur Hölle?! Ich las mir den Zettel noch einmal durch und hob ungläubig eine Augenbraue nach oben.
„Beyond, schau nicht so… die Dinge sind unerlässlich, damit wir beide zusammen nach draußen können.", nuschelte L.
„Eine blonde, langhaarige Perücke?!", stieß ich unbewusst aus.
Die gesamte Liste brachte mich dermaßen aus der Fassung, dass ich nicht wusste, ob ich nun lachen oder ihm einfach eine klatschen sollte.
„Ein… Lippenstift?!", fragte ich mindestens genauso laut und starrte L nun entgeistert an.
Dieser hatte gerade nichts Besseres zu tun, als gemütlich den letzten Rest der Banane zu verspeisen, die Schale ordentlich auf den Tisch zu legen und mir anschließend unberührt und mit gelassener Miene entgegen zu blicken.
„Wie gesagt, alles Dinge, die wir brauche um gemeinsam vor die Tür zu können."
Ich schnaufte, ließ den Zettel auf meine Beine sinken und legte meinen Kopf in den Nacken.
„L, denkst du ich weiß nicht was du vorhast? Ich bin nicht blöd mein Freund… wer soll das bitte alles tragen? Ich hoffe du sagst jetzt nicht "Du"…", doch anstatt irgendeine Antwort zu bekommen schenkte er mir ein breites Grinsen.
„Nein, vergiss es! Ich werde definitiv keine blonde, langhaarige Perücke, Lippenstift und…", ich schaute noch einmal auf den Zettel…
„…und ein langes Kleid tragen…", ich warf ihm einen ernsten, vernichtenden Blick zu, der ihm sagte, dass es hier nichts mehr zu diskutieren gab.
„Aber…"
„Nichts aber L… vergiss es… wirklich!", unterbrach ich ihn.
Ich sah aus dem Augenwinkel, dass sein Grinsen verschwand und er niedergeschlagen auf den Boden blickte. Erneut hob ich den Zettel vor mein Gesicht und überflog die Worte.
„Hier steht noch etwas von einer braunen, kurzen Perücke, einer lässigen Cargohose und Kapuzensweatshirt.", ich drehte mich erneut zu L und legte meinen Arm um seine Schulter.
„Du willst doch mit mir ausgehen oder?", fragte ich ihn mit einem Grinsen und sah ein Nicken.
„Gut, dann würdest du doch bestimmt auch einiges dafür tun oder?"
Innerlich lachte ich, doch ich musste mich zusammen reißen, ein zweites Nicken bestätigte meine Vermutung.
„Perfekt, dann spiel du doch die Frau, würde auch besser passen…", ein leises Kichern schummelte sich nun doch über meine Lippen.
Erschrocken blickte mir L entgegen und schüttelte kaum merklich seinen Kopf.
„Das…ist… nicht…dein…Ernst… Beyond?"
Ich konnte nun endgültig mein Lachen nicht zurückhalten, hielt mir meinen Bauch und ließ mich in die Couch zurückfallen.
„Na gut… ich mach es…"
Moment, hatte ich es gerade richtig verstanden?
„Was?", fragte ich ungläubig.
„Ich mach es…", flüsterte L kaum hörbar und blickte beschämt auf seine Füße.
Ich hörte abrupt auf zu Lachen, setzte mich wieder ordentlich hin und sah ihn mit großen Augen an.
„Wirklich?"
„Ja…", gab L kleinlaut zurück. Ich umarmte ihn liebevoll und drückte ihm einen Kuss auf die Wange. Wer hätte das gedacht, dass er so weit gehen würde, nur um mit mir etwas Zeit zu verbringen? Ich kann es nicht oft genug hinterfragen, aber wie hatte ich nur so jemanden verdient?
„Ist schon gut… wir können uns ja abwechseln…", versuchte L nun doch noch einen Kompromiss zu finden doch ich ließ ihn los und winkte nur ab.
„Du bist gemein Beyond", sagte er und machte einen Schmollmund.
Kurz griff ich in die Schüssel, schnappte mir einen Lolly und stand von der Couch auf.
„Immer wieder gern", gab ich frech zurück, schlenderte zur Tür und wollte gerade diese öffnen, als L von hinten rief:
„Die hier brauchst du."
Ich drehte mich um und sah auch schon eine kleine Kreditkarte auf mich zufliegen, die ich elegant schnappte und in meiner Hose verstaute.
„Danke!", gab ich zurück, drehte mich erneut zur Tür und öffnete diese, als ein lautes Räuspern mich bei meinem Vorhaben unterbrach.
„Was ist denn jetzt noch L?", fragte ich leicht genervt.
„Du kannst ruhig deine Schuhe für draußen anziehen…"
„Ach? Da läuft der Herr nicht barfuß herum?", fragte ich frech, ging wieder kurz ins Haus zurück, schlüpfte in meine schwarze Sneakers und trat zum zweiten Mal ins Freie.
„Und flirte nicht mit anderen Männern, Schatz", rief mir L, mit einer besonderen Betonung auf dem letzten Wort, entgegen, als ich gerade die Tür hinter mir schloss.
„Dieser…", ich verkniff mir das Wort, lächelte und lachte in mich hinein. Dies war wohl eine kleine Strafe für meinen Lachflash vorhin. Was soll's: Wer zuletzt lacht, lacht am besten.
