Kapitel 29:

Am Samstagvormittag standen sechs Personen in der kühlen Morgensonne auf der Wiese neben dem Verbotenen Wald und schwangen mehr oder weniger motiviert ihre Golfschläger durch die Luft. Ron hatte seinen Schläger beim ersten Versuch so kräftig geschwungen, dass er ihm aus der Hand geflogen und Ginny auf den Fuß gefallen war.

„Du Blödmann, pass doch auf!"

Aber viel wohler als ihrem Bruder war Ginny bei dieser Sache auch nicht zumute. Hermine, Harry und Nellie kannten Golf aus dem Fernsehen (was auch immer das schon wieder sein sollte) und stellten sich um vieles geschickter an als die Weasley-Geschwister. Nellie zeigte Harry gerade noch mal, wie er den Schläger halten sollte und Ginny spürte, wie ihr die Zornesröte ins Gesicht stieg. Sie mochte Nellie, ja, aber sie brauchte doch nicht so nah bei Harry zu stehen! Hermine übte mit Ron und Warthrow stand breit grinsend daneben, beobachtete die Teenager und jonglierte dabei mit ein paar Golfbällen.

„Seid ihr endlich so weit?", fragte er nach einer Weile, als alle es schließlich schafften, imaginäre Bälle über die Wiese zu schlagen, ohne dabei Kopfverletzungen zu riskieren. „Wir spielen folgendermaßen," begann er zu erklären. „Ich lege verschiedene Ziele auf dem Gelände fest, die mit den Bällen möglichst exakt getroffen werden müssen. Wer am Ende die wenigsten Schläge gebraucht hat, gewinnt einen kleinen Preis."

Und so legten sie los.

Es war von Vorteil, dass Zauberer anwesend waren, denn nicht nur, dass etliche Bälle bereits in den ersten Minuten auf Nimmerwiedersehen in Wald oder See verschwanden, nein, es ging auch nicht nur eine Fensterscheibe zu Bruch. Warthrow beeilte sich in letzterem Falle immer wieder, den Schaden sofort zu beheben.

Das erste Ziel waren die Gewächshäuser und Nellie stellte fest, dass ihr Minigolf-Training mit Rosie und Lisa wohl doch von einem gewissen Erfolg gekrönt gewesen sein musste, denn sie brauchte nur fünf Schläge, um den anvisierten Blumentopf zu treffen. Emil war mit drei Schlägen am besten, Ginny wurde nach dem zehnten Schlag spürbar schlechter gelaunt. Als nächstes war ein Trog vor Hagrids Hütte das Ziel und nach ein paar anderen Zielscheiben bildete schließlich ein hohler Baumstamm am Rande des Verbotenen Waldes den Abschluss. Hagrid, von bestimmt einem Duzend gegen seine Hüttenwand trommelnden Bällen heraus gescheucht, sah dem Schauspiel eine Weile amüsiert zu, bevor er es selber einmal versuchte und seinen Ball so weit abschlug, dass auch ein Aufrufezauber ihn nicht mehr zurückholen konnte. Daraufhin übergab er Hermine ihren Schläger wieder etwas kleinlaut und begann in seinem Gemüsegarten Unkraut zu rupfen.

Polly, die den fliegenden und rollenden Bällen am Anfang noch fröhlich hinterher gesprungen war, hatte sich von der Gruppe verabschiedet, als ein Ball von Harry ihr schmerzhaft über den Schwanz gerollt war. Das Frettchen hatte sich mit einem bösen Fauchen beschwert und sich dann beleidigt auf einen Baum zurückgezogen.

Nach einiger Übung holten Harry und Ginny immer weiter auf und Ginny vertrieb Nellie schließlich von ihrem zweiten Platz. Gegen Warthrow hatte jedoch keiner der Teenager eine Chance.

„Nun, beim nächsten Mal werde ich um einiges besser aufpassen müssen," grinste der, als sie zum Mittagessen zurück ins Schloss gingen. „Und ich denke, ein Butterbier haben wir uns alle verdient. Wie wäre es heute Abend im Raum der Wünsche?"

Hermine stutzte. Sie war noch nie mit einem Lehrer in den Raum gegangen, geschweige denn, dass sie mit einem Lehrer eine private Verabredung eingegangen wäre. Dementsprechend verwirrt sah sie aus. Die anderen schienen sich darüber jedoch keine größeren Gedanken zu machen und stimmten gut gelaunt zu.

Das Wochenende hatten sie sich wirklich alle redlich verdient. Nachdem die erste Woche schon mit viel Arbeit begonnen hatte, waren sie mehr als dankbar für ein paar Stunden wohligem Nichtstun. Doch nicht nur Hermine saß ihnen mit den Hausaufgaben, die noch erledigt werden wollten und den baldigen ersten Prüfungen im Nacken, auch ihr Gewissen machte ihnen Beine, da dieses letzte Schuljahr für sie das wichtigste sein würde.

Besonders Ginny brauchte niemand an ihre Arbeit zu erinnern. Ihre ZAG-Prüfungen würden in der nächsten Woche beginnen und wenn sie nicht gerade über Büchern und Notizen brütete konnte man sie höchstens mal eine kleine Weile an Harrys Schulter dösen sehen. Beim Golf hatte sie auch nur unter der Bedingung teilgenommen, dass die anderen sie dafür den restlichen Tag nicht mehr ansprechen würden. Was sie selber allerdings nur sehr schwer einhalten konnte.

Der Abend im Raum der Wünsche war dann auch ohne Ginny sehr vergnüglich, obwohl Harry sich im Stillen wünschte, sie wäre auch da. Die Jungs hatten noch versucht, sie zum Mitkommen zu überreden, doch hatte Hermine sie mit grimmigem Gesichtsausdruck und ein paar Stößen mit den Ellenbogen aus Ginnys Reichweite verjagt.

Nellie hatte Emil darum gebeten, den Raum in eine Shisha-Bar zu verwandeln, wo die Fünf den Abend rauchend und Butterbier trinkend verbrachten.

Der Sonntag war dann auch für Nellie wieder mit Arbeit verbunden. Nicht nur, dass sie einen Stapel Hausaufgaben zur Muggelkunde korrigieren sollte, hatte Emil ihr auch noch eine Gedichts-Interpretation aufgegeben und für Mathe waren auch noch ein paar Aufgaben unerledigt geblieben. Da alle anderen ebenfalls mit ihren Schularbeiten beschäftigt waren, setzte Nellie sich zu ihnen in den Gemeinschaftsraum der Gryffindors. Wirklich schneller erledigten sich die Aufgaben dort zwar nicht (Hermine hatte sich irgendwann genervt in eine andere Ecke des Raumes gesetzt, weil die Freunde ihr zu viel tuschelten), aber es war schöner, in Gesellschaft zu arbeiten.

Polly veranstaltete derweil mit Pig ihre übliche Verfolgungsjagd, was Hermine zusätzlich verärgerte.

Am Abend verabschiedete Harry sich für ein paar Stunden von seinen Freunden. Er hatte beschlossen, endlich diesen Schwarzmagier aufzusuchen und weigerte sich rigoros, irgendjemanden mitzunehmen. Hermine und Ginny waren außer sich, dass er sich schon wieder so in Gefahr bringen wollte, aber Harry blieb stur, einigte sich jedoch darauf, seinen Tarnumhang zu benutzen (was er ohnehin getan hätte, aber manchmal musste man die Mädchen einfach beruhigen).

Als Harry eingewilligt hatte, nach Hogwarts zurückzukehren, hatte er mit Moody abgemacht, dass der Kamin im Gryffindor-Gemeinschaftsraum für ihn offen bleiben sollte. Zumindest zum Grimmauldplatz, damit er seiner Suche weiterhin nachgehen konnte. Moody hatte sich zunächst geweigert, darauf einzugehen, solange Harry nicht genauer erklärte, wofür er die Schule verlassen wollte. Erst nachdem Harry versprochen hatte, dass er nach Möglichkeit keinen Unterricht versäumte und darauf beharrt hatte, dass diese Ausflüge zur Vernichtung Voldemorts beitragen würden, ließ Moody sich knurrend darauf ein. Harry vermutete, dass auch Lupin noch ein gutes Wort für ihn eingelegt hatte.

So machte Harry sich also am Sonntagabend auf dem Weg, nach dem Medaillon zu suchen. Er ging von einem schwierigen Verhandlungspartner aus und hatte sich mit Nellies Hilfe ein wenig Veritaserum aus Slughorns Vorräten besorgt. Er hatte Nellie nie gefragt, wie sie es geschafft hatte, es zu bekommen, da es eigentlich für Schüler nicht zugänglich war und sicher auch nicht unbeschränkt für Lehrer. Aber er wollte sich diesmal nicht alleine auf seinen Garrire-Zauber verlassen müssen

Weit nach Mitternacht kehrte er schließlich erschöpft in den Gemeinschaftsraum zurück und fand nur noch Ginny vor, die über ihren Verwandlungs-Aufzeichnungen eingeschlafen war. Mit einem leichten Kuss weckte er sie auf.

„Du solltest doch nicht warten," flüsterte er und setzte sich neben sie.

„Hab ich doch gar nicht," verteidigte Ginny sich und rieb sich die Augen. „Aber wenn du jetzt grad da bist, wie lief es?"

„Er hat es auch nicht mehr," antwortete Harry und ließ frustriert den Kopf hängen. „Das war echt ein hartes Stück Arbeit. Der Typ wollte mir gar nichts sagen, ich glaube, er hätte mich am liebsten geschockt und direkt an Voldemort weitergereicht, er erwähnte so was in der Richtung."

Ginny japste und schlug sich eine Hand vor den Mund.

„Keine Sorge, ich kann auf mich aufpassen," meinte Harry schnell. „Und zum Reden hab ich ihn auch noch gebracht." Ein wenig Stolz schwang jetzt in seiner Stimme mit. „Er hat das Medaillon verhext und seiner Schwiegermutter geschenkt, sie ist eine Muggel. Wie bescheuert können Leute eigentlich sein? Was genau mit ihr passieren sollte, konnte ich nicht mehr aus ihm raus kriegen, aber sie liegt jetzt im Sankt Mungos."

Harry verzog das Gesicht. Wieder war er dem Rätsel keinen Schritt näher gekommen, sondern hatte nur wieder eines mehr vorgesetzt bekommen. Er war wirklich müde und die Flüche, die der Schwarzmagier ihm auf den Hals gehetzt hatte, hatten ihn zusätzlich erschöpft. Den meisten davon hatte er ganz gut ausweichen oder sie abblocken können, aber den tiefen Schnitt an der Schulter verbarg er lieber vor Ginny. Er würde Madam Pomfrey wecken gehen, sobald Ginny in ihren Schlafsaal gegangen wäre.

„Na, dann werden wir da halt als nächstes hingehen," meinte sie gerade und setzte sich aufrecht hin. Sie sah Harry an, als wollte sie keine Widerrede dulden.

Harry, den seine Schulter zunehmend schmerzte, lächelte sie nur an.

„Sicher," meinte er, „das machen wir als nächstes. Aber jetzt geh ins Bett. Ich muss noch meine Tasche für morgen zusammenpacken."

Damit gab er Ginny einen zärtlichen Kuss auf die Lippen. Doch anstatt aufzustehen, schlang sie ihre Arme um seinen Hals, zog ihn näher zu sich heran und küsste ihn so innig, dass Harry seine Schulter völlig vergaß.

Es dauerte eine Weile, bevor die Beiden sich schließlich trennten und Harry die Schulkrankenschwester aufsuchen konnte.

Am Mittwochnachmittag, als Nellie gerade von ihrem Unterricht kam und auf dem Weg zur Großen Halle war, platzte sie mitten in eine Auseinandersetzung zwischen zwei Häusern hinein. Als sie sah, um welche Häuser es sich handelte, wunderte sie nichts mehr, mal wieder waren es Schüler von Slytherin und Gryffindor, die sich mit geballten Fäusten gegenüberstanden. Doch als sie sah, welche Schüler in diese Auseinandersetzung verwickelt waren, stockte ihr einen Moment lang der Atem. Es waren Harry, Hermine und Ron, die in der Mitte der Schülerschar standen. Harry und Ron hatten beide ihre Zauberstäbe gezogen und sie auf drei Slytherin-Jungen gerichtet, die nicht weniger angriffslustig vor ihnen standen. Hermine hatte alle Hände voll damit zu tun, die Jungen weg zu zerren, doch mit wenig Erfolg. Ron war knallrot im Gesicht und schrie den größeren der Slytherin-Jungs an.

„Das nimmst du sofort zurück, du kleines Stück Drachenmist!"

Nellie erkannte jetzt auch die Slytherin-Jungen. Der eine war in ihrer Muggelkunde-Klasse, er hatte das Schuljahr wiederholen müssen. Marcus Flint war sein Name. Die anderen beiden kannte sie nicht. Sie hatten die bullige Gestalt von Boxern und spielten provozierend mit ihren Muskeln.

„Was soll das denn hier?", rief Nellie dann und trat auf die Menge zu. Sie war schließlich Lehrerin an dieser Schule, zumindest in den Augen der Schüler. Und als solche musste sie hier wohl einschreiten.

Harry, Ron und Hermine sahen sie mit großen Augen an. Harry schüttelte den Kopf, um ihr zu zeigen, dass sie sich heraus halten sollte. Hermine kam sofort auf Nellie zu und sagte für alle vernehmbar:

„Es ist alles in Ordnung, Miss Carols," die letzten Worte betonte sie besonders und sah dabei Flint und die anderen beiden Jungs wütend an.

Die schienen allerdings ganz anderer Meinung zu sein, als dass alles in Ordnung wäre.

„Ach, wen haben wir denn hier?", meinte Flint lässig und trat näher an Nellie heran, die keinen Zentimeter zurück wich. „Die Assi vom hübschen Warthrow. Stimmt es eigentlich, dass Sie eine Squib sind? Keiner hat Sie bisher zaubern sehen."

Die beiden Boxer lachten blökend auf, auch die anderen Slytherins, die herum standen, brachen in Gelächter aus.

„Halt die Klappe, Flint," sagte Harry und zerrte Flint von Nellie weg.

Doch der stieß Harry nur zur Seite und sah Nellie weiter provokativ an. Die ließ sich nicht einschüchtern. Sie erinnerte sich an eine Situation an ihrer alten Schule, als einige der Schulrowdys einen neuen Lehrer ähnlich angemacht hatten.

„Nun, Mister Flint," begann Nellie in ruhigem Ton, fixierte den Jungen dabei aber mit festem Blick. „Es macht nicht immer unbedingt einen guten Zauberer aus, mit ungeschickten Zaubersprüchen um sich zu feuern, das dürften Sie mir doch persönlich bestätigen, nicht wahr?"

Flint funkelte Nellie jetzt wütend an, denn er wusste, worauf sie anspielte. Er hatte in der letzten Stunde bei ihr versucht, einen DVD-Player mit Magie zum laufen zu bringen. Der einzige Erfolg dabei war gewesen, dass das Gerät einen Schluckauf bekommen hatte.

Nellie war mit seiner Reaktion zufrieden und fuhr deshalb fort:

„Und Sie sollten besser darauf achten, wie Sie mit mir sprechen, sonst sehe ich mich noch gezwungen, Ihnen Nachsitzen aufzubrummen."

Jetzt wurde Flint rot vor Wut und Nellie sah mit Befriedigung, wie er nach Worten rang. In diesem Moment bemerkte sie Emil, der verborgen hinter einer Ecke stand und die Szene beobachtete. Ihre Blicke begegneten sich einen Moment und Emil zwinkerte ihr zu, nickte dann auffordernd und zückte demonstrativ seinen Zauberstab, dabei zog er spielerisch die Augenbrauen hoch. Nellie verstand.

„Und nur weil ich gerade so ausgesprochen gute Laune habe und weiteren dummen Vorurteilen zuvorkommen möchte, hier eine kleine Demonstration."

Dabei zog sie ihren Zauberstab aus der Hosentasche. Die Slytherins wichen sofort einen Schritt zurück. Harry schüttelte heftig den Kopf und Hermine riss die Augen auf. Ron schien zu überlegen, wie er darauf reagieren sollte. Nellie hätte am liebsten laut gelacht, aber gleichzeitig war sie plötzlich schrecklich nervös. Sie hatte eine solche Situation eigentlich verhindern wollen. Der Zauberstab in ihrer Hand fühlte sich warm an, ungewohnt, aber sie wusste genau, wie sie vorgehen musste. Sie hatte mit den Zwillingen oft genug für einen solchen Fall geübt.

Expelliarmus!", rief sie und schwenkte den Stab, wie sie es trainiert hatte.

Im ersten Moment kamen, so wie es auch geplant gewesen war, nur Funken aus der Stabspitze, doch im nächsten Augenblick flogen Flint und seinen Boxern die Zauberstäbe aus den Händen und segelten in alle Himmelsrichtungen davon. Flint machte große Augen und jagte dann seinem Stab hinterher, die Boxer im Gefolge. Nur wenige Augenblicke später hatte sich die Schüler-Meute schwatzend verteilt und nur Harry, Ron, Hermine und Nellie blieben zurück.

Die Drei starrten Nellie mit offenen Mündern an. Die genoss die Aufmerksamkeit, bevor sie schließlich in schallendes Gelächter ausbrach und Emil aus seiner Ecke hervorwinkte.

„Meine Güte, Nellie, du hast uns echt einen ganz schönen Schrecken eingejagt," keuchte Ron, als er den Trick durchschaut hatte und klopfte dem Muggel-Mädchen anerkennend auf die Schulter. Harry grinste nur.

„Na, dann hat es ja funktioniert," strahlte Nellie und drehte sich zu Emil um, um sich bei ihm zu bedanken. Bevor sie noch genauer darüber nachgedacht hatte, hatte sie ihn auch schon umarmt. Doch ließ sie ihn sofort wieder los, als hätte sie sich verbrannt und grinste verlegen. Emil lachte nur.

„Das sollten wir aber nicht zur Gewohnheit werden lassen. Ich kann mir besseres vorstellen, als dich Tag und Nacht zu beschatten, nur um zu sehen, ob du mal wieder Ärger suchst. Na, kommt schon Freunde, ich hab Hunger."

Damit reichte er Nellie mit einer galanten Verbeugung seinen Arm, den die kichernd annahm und sich in die Große Halle geleiten ließ. Ron versuchte eine ebenso galante Verbeugung vor Hermine, schaffte aber mehr einen artigen Diener und brachte sie damit zum lachen. Harry konnte über dieses Verhalten nur den Kopf schütteln und folgte den Paaren dann grinsend.

Die restliche Woche verlief für die Freunde in einem Wechsel aus gelangweilter Ruhe und noch langweiligeren Schularbeiten. Nur ein Artikel im Tagespropheten sorgte am Freitagmorgen für Aufruhr. Darin wurde von neuen Todesfällen berichtet. Voldemort hatte ein Muggel-Waisenhaus angegriffen und 20 Kinder und Erzieher getötet.

Nicht nur am Gryffindor-Tisch wurde diese Nachricht mit Entsetzen aufgenommen, auch am Lehrertisch wurde lauter wie gewöhnlich gesprochen.

Obwohl Nellie am eigenen Leibe erfahren hatte, wie grausam Voldemort sein konnte, hätte sie doch nicht für möglich gehalten, dass es so viele unschuldige Menschen treffen könnte. Und das ohne triftigen Grund. Beziehungsweise war der einzige Grund der, dass es diesem Mistkerl Spaß machte, Muggel zu quälen und weil er vielleicht hoffte, dass die Zaubererwelt ihm dadurch Harry ausliefern würde.

Nellie war nicht die einzige, die an diesem Morgen den Jungen mit der Stirnnarbe beobachtete.

Trotz der gedämpften Stimmung nahmen die Schüler die Bekanntgabe des ersten Hogsmeade-Ausflug am nächsten Tag mit Freudenrufen zur Kenntnis.

Moody hatte beschlossen, diese Ausflüge sehr kurzfristig anzusetzen, um möglichen Anschlägen voraus zu kommen und war der Meinung, dass dieses Wochenende gut dafür geeignet wäre. Die nachgeholten ZAG-Prüfungen waren abgeschlossen (Ginny war am Montag ein Nervenbündel gewesen, am Mittwoch hatte sie das erste schwächliche Lächeln der Woche zustande gebracht und am Freitag das erste Mal wieder am Frühstück teilgenommen) und ein wenig Ablenkung konnte nach diesen schlechten Nachrichten den Schülern nur gut tun. Außerdem waren ausreichend Auroren im Einsatz, um für die nötige Sicherheit zu sorgen.

So kam es, dass die Fünf Freunde am Samstag, gleich nach dem Frühstück, gemeinsam durch das Schlossportal schritten und Ginny zuhörten, die ausgelassen von ihren Prüfungen erzählte.

„Bei diesem Verjüngungstrank dachte ich echt, dass ich es nicht schaffe, aber am Ende hatte er doch die richtige Farbe."

Als sie fast in Hogsmeade angekommen waren und Ginny ihren Bericht immer noch nicht abgeschlossen hatte, beschloss Harry, dem endlich ein Ende zu setzen. Ron verzog schon genervt das Gesicht und blieb immer weiter zurück. Nellie schien mit irgendwelchen ganz anderen Gedanken beschäftigt zu sein. Nur Hermine schien sich nichts Schöneres vorstellen zu können, als jede einzelne Prüfungsfrage mit Ginny durchzukauen. Harry, der es auch nicht besonders leiden konnte, in seiner Freizeit über die Schule zu sprechen, legte schließlich einen Arm um Ginnys Schulter, zog sie nah zu sich und gab ihr einen Kuss auf die Wange. Das reichte schon aus, um sie auf andere Gedanken zu bringen.

„Was wollt ihr denn in Hogsmeade machen?", fragte Harry dann und schafft es damit endgültig, das Thema ZAG's abzuhaken.

Die letzten Meter plauderten die Freunde fröhlich über ihre Ausflugspläne und schlenderten durch die Gassen des Zaubererdorfes.

Nellie hatte das alles bisher nur im Dunkeln gesehen und staunte nicht schlecht. Es sah tatsächlich aus, wie aus einem Märchenbuch ausgeschnitten. Polly schien sich ebenfalls unsicher zu sein, ob das alles wirklich war, denn sie verließ Nellies Schulter die ganze Zeit kein einziges Mal.

Als erstes betraten die Fünf Zonks. Nellie betrachtete die Scherzartikel hier sehr kritisch, fand aber doch ein paar, die sie von den Zwillingen noch nicht kannte.

Noch bevor die Freunde jedoch ihre Einkäufe an der Kasse bezahlen konnten, gab es draußen auf der Straße einen lauten Knall und die Fenster des Ladens explodierten. Harry zog Ginny und Nellie auf den Boden, dann warf er einen Blick nach draußen. Das Gebäude gegenüber stand in Flammen, überall liefen Schüler und Dorfbewohner panisch umher und dann sah er, was ihm schier das Herz still stehen ließ. Eine ganze Meute schwarzer Gestalten kam die Straße hinunter gelaufen.

Todesser.