Kapitel 28: Die Erkenntnis
Edward:
„Alice, Jasper, Edward, Emmet...wir müssen uns unterhalten. Ich muss euch was erzählen, und es ist wichtig....Bitte hört mir zu...bis zum Ende" Seine Stimme klang schwach und irgendwie bittend.
Was war denn passiert, in der Zeit, als wir nicht da waren. Was war überhaupt mit unserer Familie los? Ein wundervoller Mensch hatte uns alle in ihren Bann gezogen – jeden auf seine Art.
Jetzt war sie weg, und wir fühlten uns, als ob uns das wichtigste überhaupt weggenommen wurde. Wie hatte diese liebevolle Wesen es nur geschafft, uns alle so zu verzaubern?
Es war mir noch immer ein Rätsel. Aber ich hatte ihr mein Herz geschenkt...und ich wollte es nicht mehr zurück....nie wieder.
Wir setzten uns ihm gegenüber auf die Couch. Ich fühlte mich nicht wohl. Diese Anspannung, die im Raum lag, konnte nichts gutes verheißen.
Überrascht nahm ich wahr, dass Carlisle mehrmals schlucken musste, bevor er seine Rede anfing:
„Also es geht um Marie. Ich möchte euch mein Verhalten von gestern erklären. Ihr habt ein Recht zu erfahren, was geschehen ist. Ich bitte euch einfach nur, mir zu zuhören. Wenn ich die Zeit zurück drehen könnte, würde ich es tun. Um ihret und euret Willen."
Die folgende Pause, die kam, war unerträglich. Ich konnte mich nicht zurückhalten und fuhr ihn an: „Carlisle, erzähl und mach kein Geheimnis drauf. So schlimm kann es schon nicht sein."
Ein bisschen tat es mir leid, dass ich ihn so angefahren hatte. Aber ich hatte keine Geduld für lange Vorreden. Er sollte sagen, was los war, und dann wollte ich zurück zu Marie´s Haus. Vielleicht war sie inzwischen gekommen...es war bereits Morgen.
PIEP – PIEP hörte ich Emmet´s Handy, dann folgte meins fast zeitgleich mit dem Alice. Überrascht hoben wir alle gleichzeitig den Kopf. Jeder hatte im gleichen Moment eine SMS erhalten.
Fast zur gleichen Zeit hatten wir unsere Handys in der Hand.
Wer konnte von uns was wollen?
Ein kleiner Hoffnungsschimmer breitete sich in meinen Gedanken aus...und als ich den Absender las, machte mein Herz einen Satz. Die Freude war enorm. Egal, was drin stand, sie hatte sich auf jeden Fall gemeldet. Ich überflog den Text
Ihr Lieben, macht euch keine Sorgen, mir geht's gut. Die Zeitung schreibt die Wahrheit. Ich werde euch Rede und Antwort stehen, wenn ich zurück bin. Hab euch lieb!
Die Worte brannte sich in meinem Kopf und ergaben doch keinen Sinn.
Was sollte denn in der Zeitung stehen? Ihr ging es gut, das war erst Mal das Wichtigsten. Aber wieso wollte sie uns Rede und Antwort stehen?
Verständnislos sah ich meine Geschwister an. Auch sie konnte mit dieser Nachricht nichts anfangen.
Und dann vernahm ich die aufgeregte Stimme von Alice:
„Carlisle, fang noch nicht an zu erzählen, ich muss schnell die Zeitung besorgen." Sie war aufgesprungen und schon fast aus dem Haus, als wir die letzten Worte vernommen hatten.
Irritiert schaute Carlisle uns an, so dass ich mich gezwungen war, ihn aufzuklären: „Marie hat uns dreien eben eine SMS geschrieben, in der steht etwas davon, dass die Zeitung die Wahrheit schreibt, und sie uns Rede und Antwort steht, wenn sie zurück ist."
Als ich ihm in die Augen schaute, erschrak ich leicht. War das Qual, was ich dort sah? Er versperrte mir den Weg in seine Gedanken, schon seit ich zurück war. Ich war davon ausgegangen, dass er mich aus Taktgefühl ausschloss, aber langsam ergriff mich eine innere Unruhe, dass hier etwas nicht in Ordnung war. Selten hatte ich jemals diesen Ausdruck in Carlisle´s Augen gesehen...
Wir schwiegen uns an, in der Hoffnung, dass Alice bald wieder zurück wäre. Er wollte es uns allen zur gleichen Zeit erzählen....und wir wollten eigentlich nur wissen, was in der Zeitung stand.
Ein Rumpeln in der Tür kündigte Alice´s Rückkehr an. Welch ein Vorteil, dass man als Vampir so schnell rennen konnte.
Sie hatte die Zeitung in der Hand und schaute mich unsicher an. „Edward, ich hab noch nicht reingeschaut. Ich hab irgendwie Angst!"
Jetzt war ich derjenige, der irritiert schaute. Seit wann siegte bei ihr Unsicherheit gegenüber der Neugier?
Hier stand alles auf dem Kopf. Nichts war, wie es sein sollte.
Ich nahm ihr die Zeitung aus der Hand und legte sie auf den Tisch. Gespannt schauten neben mir fünf Köpfe auf die erste Seite. Wir fanden aber nichts, was von uns von Interesse ein könnte....und dann schlug ich die Seite um...
Man konnte es nicht übersehen, es stach einem förmlich in die Augen:
Isabella Marie Swan: Inkognito wieder in Freiheit.
Isabella Marie Swan?????? Marie?
Und dann sahen wir diese zwei Bilder...ein wunderschönes Mädchen mit langen braunen Haaren und einem umwerfenden Lächeln...und daneben.....ich wich ein Stück zurück. Das war Marie.
Marie war Isabella Marie Swan?
Meine Hände zitterten...in sekundenschnelle überflog ich den Text:
Isabella Marie Swan wurde aus dem Gefängnis entlassen. Die Tochter der landesweit bekannten Familie Swan. Ihr Vater war einer der bekanntesten Immobilienmakler, ihre Mutter die angesagteste Innenarchitektin. Sie hatte unter Drogeneinfluss das Auto ihrer Eltern gesteuert, und diese in den Tod gefahren. Mittlerweile hatte sie ihr Haftstrafe verbüßt. Nach ihrer Entlassung entschied sie sich unterzutauschen, wechselte den Wohnort und veränderte ihr Aussehen. Inkognito lebt sie heute in Alaska. Unser Informant, welcher nicht genannt werden möchte, verriet uns, wo wir sie finden können. Also freuen sie sich auf das baldige Interview. Wir werden auch versuchen, den damaligen Richter zu interviewen, denn auch diesen hat es nach Alaska verschlagen. Es wird interessant. Verfolgen Sie weiter unsere Reihe „Das reale Leben"
Mein Schreck verwandelte sich in Ungläubigkeit. Das durfte nicht wahr sein.
Das konnte nicht wahr sein.
Die Erkenntnis hatte mich wie ein Hammerschlag getroffen....und die Erinnerungen waren war.
Ich wusste, wer Isabella war.
Ich war bei zweien ihrer Verhandlungen dabei gewesen. Dieser einzige Mensch, dessen Gedanken ich nie lesen konnte....über deren Schicksal Carlisle alleine entschieden hatte.
Carlisle!
Ich sprang zurück und ging in Angriffsstellung. Ein Knurren löste sich aus meiner Brust. In meinen Augen loderte der Zorn.
Das hatte er uns erzählen wollen. Er hatte es gewusst. Er hatte sie erkannt. Ihr Geruch war hier. Es setzte sich alles wie ein Puzzle zusammen. Seine Flucht, als wir eingezogen waren, nachdem er ihren Geruch wahrgenommen hatte.
Ich hatte sie nicht wieder erkannt. Niemals hatte ich ihr Gesicht gesehen und in den Verhandlungen hatte ich noch nie geatmet.
Er zerstörte mein Leben.
Und dann gab er mir wieder seine Gedanken frei.
Er hatte erkannt, dass ich die Situation durchschaut hatte. Seine Gedanken flehten um Verzeihung. Es tat ihm leid.
Doch der Hass wuchs. Ich ballte die Hände zu Fäusten.
Der Kampf in mir tobte. Ich wollte mich auf ihn stürzen, aber ich wollte ihn auch nicht verletzen. Meiner Familie zu Liebe...
Ich funkelte ihn an und kauerte mich hin.
Aus den Augenwinkeln vernahm ich die entsetzten Gesichter meiner Familie.
Sie hatten es noch nicht verstanden.
Sie konnten es auch nicht. Dafür wussten sie zu wenig.
Edward, bitte, komm zur Vernunft. Hör ihn an hörte ich Esme´s bittende Gedanken.
Also hatte er sie schon eingeweiht....auch sie hatte verstanden, was hier geschah...
Das Knurren aus meiner Brust wurde lauter. Dieses kampfbereite Monster in mir war geweckt. Es kostete mich alle Kraft, mich jetzt nicht auf ihn zu stürzen.
Jede Sekunde, die ich ihn länger ansah, bröckelte der Wille, ihn nicht anzugreifen.
Mit einem Aufschrei drehte ich mich um...
Ich holte mehrmals tief Luft.
Er hatte sie in die Hölle geschickt. Die Schmerzen, die sie erlitten hatte... Er hätte es verhindern können.
Mit aller Wucht schlug ich gegen die Wand. Sie gab widerstandslos unter meiner Faust nach.
Ich musste hier raus....weg von hier....weg von ihm.... Ich brauchte einen klaren Kopf.
Ein letzter Blick zurück, schnitt mir ins Herz. Alice klammerte sich ängstlich an Jasper, Esme stand bei Carlisle....und Emmet. Er stand mitten im Raum. Blickte von der Zeitung zu Carlisle, wieder auf die Zeitung und dann zu mir. Auch er schien es langsam zu verstehen....oder er ahnte etwas.
Doch ich war viel zu sehr damit beschäftigt, mich selbst unter Kontrolle zu halten, als dass ich in seinen Gedanken hätte forschen können.
Zwischen den Zähnen zischte ich Carlisle zu:
„Hättest du bloß vorher was gesagt. Erzähl es ihnen...sie haben ein Recht darauf. Ich gehe...."
In meiner Wut stieß ich die Tür aus ihrer Verankerung und flüchtete in den Wald...
Irgendwann wollte ich nicht mehr rennen. Ich liess mich an den Boden sinken und vergrub mein Gesicht in meinen Händen.
Ich sollte kein Glück haben.
Wenn Marie....wenn Bella das erfuhr, würde ich sie verlieren.
Dieser Gedanke betäubte alles in mir. Der Schmerz stieg ins unermessliche. Mein Körper wurde von lautlosem Schluchzen geschüttelt.
Wieso durfte ich meiner von Gott verdammten Existenz nicht endlich glücklich werden?
Mehr gibt´s erst, wenn die Anzahl Reviews mit den Favoriteneinträge übereinstimmt....Es lesen nämlich viel mehr...und so ein kleines bißchen Anerkennung hätte ich auch gerne...oder Kritik.-...is mir eigentlich egal was...aber damit ich weiß, woran ich bin :-)
