Drabble 29
Ihm war zum schreien zumute – und das, obwohl er wusste, dass dies eigentlich nur eine hysterische Mädcheneigenschaft war.
Diese blöde Hasenzahn machte seinen Montag noch so viel schlimmer, als er gedacht hatte. Nicht nur, dass er immer noch ein bisschen heiser war, weil er am Samstagabend zu tief in die Bierflasche geschaut hatte, nein, er durfte seiner kranken Klassenkameradin auch noch die Hausaufgaben vorbei bringen. War er in der zweiten Klasse, oder was?
Krank. Ha, das er nicht lachte.
Es war die erste Party im elften Schuljahr zu der seltsamerweise sogar Margarethe Haase gekommen war. Denn neben den jährlichen Schulveranstaltungen hielt sich der Hasenzahn zumeist aus dem glamourösen Partyleben eines durchschnittlichen Teenager heraus.
Weshalb es ihn auch nicht sonderlich wunderte, dass sie gegen zehn Uhr schon die Party verließ und sehr ungesund aussah.
Dass sie aber den Montag nicht zur Schule kam, nur weil sie den Alkohol augenscheinlich nicht vertrug, machte sie noch zu einem viel größeren Langweiler. Und einer Lachnummer.
Denn der ganze Jahrgang ließ sich in der Pause darüber aus, dass ausgerechnet Frau „ich bin nie krank, weil ich doch viel lernen will, damit ich später eine gute Ärztin werde" von ein wenig Wodka so ausknockt wurde.
Aber bei weiterem nachdenken musste Marc tatsächlich feststellen, dass die Trottel-ine nie krank war und vom Unterricht fernblieb. Er kannte sie nun schon sieben Jahre seit der dritten Klasse und er konnte sich nicht erinnern, dass der Hasenzahn jemals gefehlt, geschweige geschwänzt hatte. Eher im Gegenteil: Auch mit der dicksten Erkältung war sie aufgewartet und hatte sich nie beschwert. Und sie hatte nicht wie viele andere Mitschülerinnen vier Wochen lang ihre Tage, um dem Sport entkommen zu können, obwohl das wohl ihr mit Abstand schlechtestes Schulfach war.
Dass sie also wegen so ein bisschen Alkohol so ein Theater machte, zeigte mal wieder, in was für einer Idealwelt Miss Musterkind lebte.
Ihr Saubermann-Image, was ihn eh schon ankotzte, außer acht gelassen, war er noch viel wütender darüber, dass er den Nachmittag damit vollbringen würde ihr das Deutschprojekt nahezulegen. Denn ausgerechnet heute verkündete seine (eh verhasste) Deutsch- und Klassenlehrerin, dass mit den Leiden des jungen Werther eine neue Buchanalyse die nächsten Wochen über den Lehrplan ausfüllen würde, und sie nicht will, dass „ihre beste Schülerin" hinterherhinkte.
Aber anstatt, dass irgendjemandem mitzugeben der in ihrer unmittelbaren Nähe wohnte, drückte die alte Schabracke Marc diese Angelegenheit aufs Auge: „Dein Sozialverhalten wird auf dem Zeugnis einen Aufschub gebrauchen können!"
In seiner Phantasie hatte er den Papierordner mit Aufgaben zum Buch seiner Lehrerin vor sie Füße geworfen und ihr auf die feinen Pumps gespuckt. In der Realität grollte er unhöflich und nickte.
In der Pause hatte er versucht die beste Freundin des Hasenzahns dazu zu überreden, ihr die Aufgaben zu bringen. Diese jedoch weigerte sich strickt mit der fadenscheinigen Aussage, sie hätte keine Zeit.
Dabei wusste Marc genau, wo der Ha(a)se langlief: Sie versuchte für ihre Freundin ein Treffen mit Marc zu arrangieren.
Wie intrigant Mädchen doch sein konnten!
A/N:
to be continued ;)
lg
manney
