Sorely Engraved

Kapitel 29

Sie fuhren tief unter die Erde hinein. Von Zeit zu Zeit änderte der Kobold die Richtung des Waggons und dieser sprang mitsamt seiner Ladung auf ein anderes Gleis über. Hermine drehte sich der Magen um. Es war ein beklemmendes Gefühl, ungebremst einer Fahrt ins Nirgendwo entgegenzublicken. Minuten strichen dahin, so dass sie sich langsam fragte, wie sie je den Weg zurückfinden sollten oder ob sie das Tageslicht überhaupt wiedersehen würde. Nein, nicht jetzt, ermahnte sie sich im Stillen. Sie durfte nicht an das Schlimmste denken und musste stattdessen versuchen, sich mit der rasenden Geschwindigkeit und dem unangenehmen Pfeifen des Fahrtwinds anzufreunden, der ihr um die blanken Ohren flatterte.

Harry, der vor ihr saß, hatte seinen Umhang abgenommen. Geradezu lässig hielt er den Zauberstab in der Hand, mit dem er den Kobold dirigierte. Dem leidenschaftlichen Quidditch-Spieler machte es offenbar nichts aus, von einem schwarzen Loch auf das nächste zuzurasen, bis das Licht der Laternen sich endlich wieder an einem festen Widerstand brach.

Nachdem sie ein gutes Stück Weg zurückgelegt hatten, näherten sie sich einer markanten Felsformation, die sich inmitten einer großen Höhle vor ihnen auftat. Harry brachte den Kobold dazu, den Wagen anzuhalten, sie verloren an Geschwindigkeit und kamen quietschend zum Stehen.

"Das ist die Stelle, vor der Bill mich gewarnt hat", brüllte Harry nach hinten durch.

Tatsächlich war es aufgrund eines in der Nähe rauschenden Wasserstroms so laut geworden, dass er kaum noch zu verstehen war.

"Wenn wir hier durchfahren, passieren wir einen magischen Wasserfall, der alle Zauber und Verkleidungen fortspült."

Hermine biss sich auf die Lippe. Sie wusste, dass sie nicht nach unten sehen sollte, wenn sie keine Panik bekommen wollte.

Ron ließ sich von der luftigen Höhe jedoch nicht abschrecken, in der die Schienen angebracht waren. Mutig lehnte er sich zur Seite und beugte sich über den Rand des Waggons nach unten.

"Wie sollen wir hier aussteigen?", rief er Harry zu.

"Gar nicht. Wir sollten sitzenbleiben und versuchen, ihn nach unten schweben zu lassen."

Als hätte sie geahnt, dass es darauf hinauslaufen würde, musste Hermine mit trockenem Mund schlucken.

Harry wandte sich ihr zu und legte beruhigend seine Hand auf ihre Schulter.

"Ich weiß, dass du das kannst, Hermine", sagte er zuversichtlich.

Sie nickte und hob den Zauberstab. Mit zittrigem Arm richtete sie ihn auf den Waggon und murmelte den Schwebezauber. Es gab ein gewaltiges Holpern und das Gefährt erhob sich in die Luft. Sich sanft um die eigene Achse drehend sank es in die nachtschwarze Tiefe nieder.

"Links halten, geradeaus, ein wenig nach rechts", ratterte der Kobold wie eine Maschine runter, ehe er die Richtungsangabe wieder änderte.

"Ich seh was", sagte Harry und deutete mit ausgestrecktem Arm geradewegs nach unten. "Da vorn … ein paar Fackeln. Da unten muss es sein! Nein! Das ist … ein Drache!"

Das hätte er besser nicht sagen sollen. Der Wagen kam ins Trudeln und sackte ein Stück nach unten ab. Hermine stieß einen Schrei aus. Ihre Hände waren so schwitzig, dass sie alle Mühe hatte, den Zauberstab zu kontrollieren. Zu allem Überfluss konnte sie jetzt auch noch das Fauchen und das Knurren des Drachen hören.

"Nimm die Klirrer, Ron", dröhnte Harry. "Mach ordentlich Krach damit, das wird ihn davon abhalten, sich auf uns zu stürzen!"

"Schon gut! Halt ja unseren Freund fest, Mann", entgegnete Ron an Harry gewandt. "Wir brauchen ihn noch für den Rückweg."

Ein markerschütterndes Rasseln setzte ein. Hermine blieb stumm. Sie war so konzentriert darauf, den Waggon nicht abstürzen zu lassen, dass sie gar nicht auf die Stimmen der anderen achtete, die ihr ständig um die Ohren flogen. Nicht einmal das leise Brüllen des Drachen nahm sie noch wahr, der sich langsam in eine dunkle Ecke verzog.

Der Kobold indes wies ihr weiter die Richtung, auf die sie blind reagierte: "Rechts entlang, geradeaus ..."

Schließlich schaffte sie es, den Waggon von einem dumpfen Aufprall gefolgt auf die Erde zu setzen und alle stiegen aus.

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Sie konnten ihr Glück kaum fassen. Gemeinsam standen sie auf festem Boden, ein paar Meter hinter ihnen halbkreisförmig angelegt ein gutes Dutzend Verliese, deren dicke Türen protzig aus dem grob gehauenen Stein der unterirdischen Höhle hervorragten.

„Welches ist es?", fragte Ron instinktiv, doch der Kobold, dirigiert von Harry, setzte bereits seinen Weg fort und führte sie an einer Schlucht vorbei, die vermuten ließ, dass es unter ihnen noch weitere Verliese gab.

Erst am hintersten Eingang machten sie Halt. Der Kobold zückte einen langen schmalen Schlüssel und steckte ihn in eine kaum ersichtliche Öffnung am unteren Ende der Tür. Harry wusste, dass sie nur ins Innere gelangen konnten, wenn sie in Begleitung eines Kobolds waren, der die Befugnis hatte, ein Verlies wie das der Lestranges zu betreten. Gebannt hielten alle drei zum wiederholten Male an diesem Tag den Atem an und beobachteten den Kobold dabei, wie er seine langfingrige Hand auf die Tür drückte. Wie durch Zauberei wurde sie unsichtbar, so dass sie ohne Schwierigkeiten eintreten konnten.

Überwältigt von dem sich ihr darbietenden Anblick besah sich Hermine das Innere der mächtigen Schatzkammer, die sie nicht einmal in ihren kühnsten Träumen vor Augen gehabt hatte: In sämtliche Richtungen türmten sich bergeweise Münzen aus Gold, Schmuck, Juwelen und alle nur erdenklichen Kostbarkeiten, die im Leben der Zauberer eine Rolle spielten.

„Das ist ziemlich schräg, oder?", sagte Ron baff.

„Allerdings", murmelte Harry ungläubig, obwohl er selbst ein gut gefülltes Verlies in Gringotts besaß. „Wo glaubt ihr, stammt das Zeug her?"

„Geklaut, geraubt, gestohlen", entgegnete Hermine in nüchternem Tonfall. Schnell räusperte sie sich. „Wir sollten uns beeilen. Je eher wir hier wegkommen, desto besser."

Nachdem sie festgestellt hatten, dass es eine Reihe fieser Zauber gab, die den Horkrux davor bewahren sollten, gestohlen zu werden, schaffte Harry es endlich, ihn zu bergen. Fest umklammert reichte er den kleinen goldenen Becher Hermine, die ihn wegsteckte.

„Nichts wie raus hier!", sagte Harry zittrig und Hermine fühlte sich bestätigt, dass es sich um den echten Horkrux handeln musste.

Draußen angelangt blieb Hermine keine Zeit, darüber nachzudenken, was geschehen war. Sie hatten es tatsächlich geschafft! Jetzt zählte nur noch, so schnell wie möglich von hier zu verschwinden, ehe es jemandem gelingen konnte, ihnen den Horkrux abzunehmen, den sie sich so mühsam aus dem Verlies erkämpft hatten.

Verbissen versuchte sie, sich auf den Heimweg zu konzentrieren, um nicht daran zu denken, wie sehr sie das Fliegen hasste, während sie in ihrer Handtasche nach zwei Besenstielen kramte.

„Das muss reichen", sagte sie unwirsch, als Ron sie mit einem vorwurfsvollen Blick bedachte. „Am besten, du gehst sofort unter deinen Umhang, Harry ..."

„Das ist dein Plan?", hakte Ron nach. „Du hebst dir das Beste immer zum Schluss auf, was?"

Sie zuckte mit den Schultern.

„Wenn wir es damit nicht bis an die Oberfläche schaffen, sind wir geliefert."

Davon, dass sie eine Heidenangst hatte, auf den Besen zu steigen, erwähnte sie natürlich nichts.

Ron schnappte sich einen Besen und kletterte hinauf. Hermine schwang sich hinter ihn und klammerte sich an seiner Hüfte fest. Den anderen Besen bestieg Harry, den Kobold vor sich, damit er ihn stets im Blick haben konnte. Sie stießen sich kräftig vom Boden ab und sausten davon. Sie stiegen höher und höher, wurden immer schneller, bis sie das Tempo erreicht hatten, das sie gerade noch dazu befähigte, die Besen nicht versehentlich irgendwo dagegen zu steuern.

Hermine schlotterten, teils aus Furcht, teils aufgrund eisiger Kälte, die Knie. Sie verabscheute das Fliegen auf Besen zutiefst. So fest sie konnte, krallte sie sich an Ron, die Augen verbissen zusammengekniffen und stets darauf bedacht, ja nicht nach unten zu sehen.

Einige Minuten später konnten sie spüren, dass sie sich der Oberfläche näherten.

„Was machen wir, wenn wir den Ausgang erreichen?", stieß Ron verunsichert aus.

„Halt einfach drauf zu", rief Hermine zurück.

„Du bist verrückt, weißt du das?"

Und wie sie das wusste. Dennoch hielt es sie nicht davon ab, das peruanische Instant-Finsternispulver und die Bluffknaller aus ihrer Tasche hervorzukramen, die, wie sie hoffte, ein ordentliches Ablenkungsmanöver veranstalten würden, wenn sie mit ihren Besen aus der Höhle geschossen kamen.

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„Abgefahren", sagte Ron. „Total abgefahren."

Hermine lächelte mit geröteten Wangen.

„Das sagst du jetzt schon zum hundertsten Mal."

„Ist doch egal! Hast du ihre Gesichter gesehen?"

Sie nickte.

„Ich hoffe wirklich, dass sie uns nicht erkannt haben."

„Nie im Leben. Du warst echt klasse!"

Hermine biss sich auf die Lippe.

„Meint ihr, der Vergessenszauber hat gewirkt? Was, wenn ich was falsch gemacht habe und uns der Kobold verrät?"

„Das wird er nicht", sagte Harry beruhigend und reichte ihr eine Tasse Tee, die Hermine dankend entgegennahm.

Noch immer bebte sie am ganzen Leib, wenn sie daran dachte, was alles hätte schiefgehen können. Sie hatten unwahrscheinliches Glück gehabt, so glimpflich davongekommen zu sein. Aber auch in Harrys Augen spiegelte sich die Besorgnis wider. Um wirklich sicherzugehen, dass niemand einen Einbruch in Gringotts vermutete, mussten sie auf die nächste Ausgabe des Abendpropheten warten. Außerdem hatten sie nichts, womit sie den Horkrux zerstören konnten.

Hermine lehnte sich zurück und schloss die Augen. Die Küche im Grimmauldplatz hatte etwas Beschauliches an sich, wenn man an die Kostbarkeiten dachte, die in den Tiefen der Zaubererbank lagerten. Keiner der drei wagte wirklich, sich auszumalen, woher die Lestranges ihr Gold hatten. Das meiste jedoch dürfte von denjenigen stammen, die sie im Laufe der Jahre ausgeraubt oder bestohlen hatten. Es war eine traurige Vorstellung, zumal bestimmt viele wehrlose Muggel betroffen waren.

"Euch ist doch klar, dass es sofort einen riesigen Wirbel geben wird, wenn sie feststellt, dass sich eine Kopie in dem Verlies befindet", murmelte sie leise vor sich hin.

Harry und Ron warfen sich verhaltene Blicke zu. Darüber wollte keiner von ihnen so richtig nachdenken, obwohl es sich nicht vermieden ließ.

"Ich meine, ich würde mich wirklich freuen, ihr auf die Nase zu binden, dass wir sie ausgetrickst haben. Aber der Zeitpunkt, Ihr-wisst-schon-wen darüber zu informieren, dass wir hinter seinen Horkruxen her sind, ist denkbar ungünstig."

"Ich glaube nicht, dass sie weiß, was sie da an sich genommen hat", bemerkte Harry tonlos. Natürlich hatte auch er sich schon ausführlich den Kopf darüber zerbrochen, dass Bellatrix genauso unwissend wie Umbridge oder Lucius sein musste. "Dumbledore war immer der Meinung, dass Voldemort es niemandem anvertraut hat."

"Ja", sagte Ron grimmig, "sie ist gerade gut genug für ihn, für seine Zwecke benutzt zu werden. Doch das scheint sie nicht einmal zu stören. Sie liegt ihm zu Füßen und betet ihn an."

Nur wenige Stunden später lag Hermine in ihrem Zimmer im Bett und träumte unruhig von Horkruxen und Kobolden, von Unmengen Gold und wütenden Drachen.

Schweißgebadet wachte sie auf. Ein Blick auf den Wecker verriet, dass es vier Uhr morgens war.

Gedankenverloren drehte sie an ihrem Ring, nahm ihn ab und schrieb eine ausführliche Nachricht an Severus, in der es vor allem darum ging, wie sehr sie ihn vermisste und dass sie ihn so bald wie möglich wiedersehen wollte. Ihr war egal, wie albern es klingen musste. Im Zuge der ganzen Aufregung war ihr wieder einmal bewusst geworden, dass die gemeinsamen Stunden mit ihm keine Selbstverständlichkeit waren. Ganz zum Schluss fügte sie an: "Übrigens, wir haben ihn."

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Hermine hatte Tränen in den Augen, als sie nach vorne stürzte und die Arme um seinen Hals warf.

"Du hättest dabei sein sollen", schluchzte sie leise. "Es war so dumm, das zu tun. Wir hatten keine Ahnung, was wir da eigentlich taten ..."

Er brachte sie auf Abstand und küsste sie auf die Stirn.

"Dieser alte Narr", murmelte er sanft grummelnd. "Was hat er sich nur dabei gedacht?"

"Wenn sie uns erwischt hätten! Ich darf gar nicht daran denken, Severus ..."

Erneut drangen Tränen in ihre Augen und liefen über ihre Wangen. Snape wischte sie mit dem Daumen fort. Er wusste, dass sie viel zu jung war, um das durchmachen zu müssen. Es beeinflusste sie mehr, als sie zugeben wollte. Er hatte sie in allen nur erdenklichen Lebenssituationen erlebt. Aber das, wozu sie sich gezwungen sah, tun zu müssen, um Potter beizustehen, brachte sie an die Grenzen ihrer Machbarkeit. Sie wollte für ihren Freund da sein, wollte helfen. Zugleich wurde sie von der grausamen Angst heimgesucht, zu versagen.

„Ich habe versucht, mit ihm zu reden", sagte er ruhig. „Aber er wollte es nicht hören. Ich habe ihm gesagt, dass es blanker Wahnsinn ist, euch da hineinzuschicken. Ich habe getan, was ich konnte, um ihm die Augen zu öffnen. Aber er wollte nicht auf mich hören."

Hermine sah auf und blinzelte ihn an.

„Was, wenn es meine Schuld ist? Was, wenn ich durch mein Eingreifen alles gefährdet habe, so wie er es befürchtet hat?"

„Unsinn", knurrte er zynisch. „Er hätte auf jemanden vom Orden setzen sollen, anstatt den Jungen da reinzubringen."

„Aber wenn es stimmt, Severus, wenn Harry der Einzige ist, der es beenden kann?"

„Potter ist genau zu dem geworden, was Albus aus ihm machen wollte. Er hat ihm eine Aufgabe hinterlassen, die unmöglich zu vollenden ist. Seit jeher hat er versucht, seinen Einfluss geltend zu machen und ihn auszuweiten, damit der Junge ihm blind vertraut. Das haben wir nun davon."

Hermine zeigte sich zutiefst betroffen und schockiert. Sie hatte nicht erwartet, dass er die Absichten Dumbledores derart verurteilen würde.

„Denkst du denn, es wäre leichter, wenn Lupin an Harrys Stelle getreten und alles über die Horkruxe erfahren hätte? Keiner von uns kann sagen, was ihm bevorsteht."

„Natürlich nicht."

„Was dann, Severus?"

„Ich mag es nicht, wenn du mittendrin steckst", sagte er unerwartet. „Du solltest nicht da draußen sein und – du solltest in Sicherheit sein."

Sie war nicht auch nur ansatzweise darauf vorbereitet gewesen, dass er ihr das so direkt sagen würde, denn für gewöhnlich hielt er sich mit solchen Äußerungen zurück.

Zaghaft versenkte sie ihre Finger in seinen Haaren und zog ihn zu sich hinab.

„Ich mache mir keine Sorgen um mich, Severus", sagte sie leise. „Ich mache mir Sorgen um euch alle."

Ihre Lippen drifteten auseinander und sie küsste ihn. Es war ein Kuss voller Sehnsucht und Hingabe, ein langer, längst überfälliger Kuss.

Atemlos brachen sie auseinander. Snape hob sie auf die Arme und trug sie nach oben ins Schlafzimmer. Dort angekommen legte er sie auf das Bett.

Hermine lächelte zu ihm empor.

„Darauf habe ich die ganze Zeit gewartet."

Er schüttelte den Kopf. Er wollte, dass sie endlich mit dem Reden aufhörte, um die Schuldgefühle in seinem Inneren zu unterdrücken, die sich jedes Mal in ihm auftaten, sobald er sie fortgehen ließ. Er wollte sie nackt vor sich sehen und mit ihr schlafen, damit der Schmerz all der Fehler, die er gemacht hatte, aufhörte, ihn zu quälen.

Plötzlich lag er auf ihr, küsste sie und schälte ihr die Sachen vom Leib. Er wusste, dass er eigenhändig Dumbledores Portrait von der Wand reißen und wenn nötig verfluchen und zerstückeln würde, wenn er jetzt nicht das bekam, wonach er sich die vergangenen Tage gesehnt hatte. Er wollte sie spüren, seine junge Frau, das widerspenstige Mädchen, das er geheiratet hatte, nur damit er sie endlich zum Schweigen bringen konnte.

Irgendwie schaffte er es, sie auszuziehen und sich obendrein. Dann lag er auf ihr und ihre Brüste rieben sich an seiner Haut. Er mochte das Gefühl weit mehr, als er sich eingestehen konnte. Es war wie eine Erlösung, sie unversehrt zu spüren. Doch die Schuld, dass sie diese jungen Menschen in einen Krieg mit aussichtslosem Ende schickten, blieb.

Wieder küsste er sie, liebkoste jeden einzelnen Zentimeter ihres Körpers, bäumte sich auf, spreizte ihre willigen Beine und schob sich in sie hinein.

Ein leises Stöhnen erfüllte den Raum. Sie bewegten sich und er konnte ihre Hände auf seinem bebenden Rücken fühlen, die ihn an sie pressten.

„Bitte", wisperte sie mit rauer Stimme, „sag mir, was du denkst."

Aber er konnte nicht denken. Er wusste nicht, wo er anfangen sollte.

Sie wirkte so zerbrechlich, als er sie ansah. Zugleich wusste er, dass sie unendlich stark sein konnte, wenn er ihr das Gefühl gab, nicht alleine zu sein. Sie waren sich in gewisser Weise ähnlich, obwohl sie im Grunde genommen so verschieden waren.

Vielleicht, so dachte er, hatten sie beide Angst davor, dass eines Tages genau die Befürchtungen wahr werden würden, die sie angesprochen hatte. Dass sie sich trennten, um sich nie wieder zu sehen, weil einer von ihnen gefangen genommen werden oder auffliegen würde. Alles in ihrer Welt war so sonderbar. Sie hatten sich und auch wieder nicht. Warum hatte er überhaupt zugelassen, dass sie derart von ihm Besitz ergreifen konnte? Warum hatte er es nicht unterbunden?

Er unterdrückte ein Grollen. Zum ersten Mal in seinem Leben wusste er, wie es war, jemanden wirklich zu haben. Ihm war, als würde er vor Angst vergehen, sobald sich der Gedanke auftat, diesen Menschen zu verlieren.