Der Racheengel
Kapitel 27
Es gefiel ihr nicht wirklich hier zu sein. Zumindest nicht jetzt.
Er lächelte,…oder zumindest glaubte sie, dass er lächelte. Sie direkt schon anlächelte. Das war ihr sehr unangenehm, äußerst unangenehm. Aber jetzt nicht zu ändern.
„Es freut mich, dass Ihr meine Einladung angenommen habt, Kenobi." Ihm fiel auf, dass er nicht wusste, wie er sie anreden sollte. Er hoffte, nähme sie an, sie bald mit ihrem Vornamen anreden zu dürfen,…zu können. Dass ihm der Name ‚Kimea' gefiel, war dem Sith in ihm ein Dorn im Auge. Er verstand sowieso nicht, was er da gerade tat,…geschweige denn, warum er es tat.
Nur eines wusste er. Dass es für ihn von immensem Vorteil sein würde, wenn diese junge Frau, eine Jedi, mehr oder weniger auf seiner Seite stünde. Und wenn sie nur für ihn arbeitete! Das war ihm schon genug.
Er bat sie mit einer einladenden Geste, doch am Tisch Platz zu nehmen. Kimea nickte freundlich und setzte sich auf den ihr zugedachten Platz. Ein Servicedroide tauchte auf, bot erst ihr, dann ihm Wein an. Kimea wählte, ihr wurde eingegossen. Er schloss sich ihrem Geschmack an.
„Habt Ihr über mein Angebot nachgedacht?"
Oh, er fiel mit der Tür ins Haus? Warum hatte sie das verwartet? Weil sie ihn wohl schon recht gut kannte. Oder ihn zumindest einzuschätzen wusste. Oder zumindest glaubte, ihn richtig einschätzen zu können.
„Ja, habe ich."
„Und?"
„Oh, Ihr habt doch sicher mit Pestage gesprochen, nicht wahr?"
„Das habe ich."
Erste Zweifel. Lehnte sie etwa doch ab? Pestage sagte ja, dass Kenobi unsicher schien, fast schon ablehnen wollte. Hatte er etwa Recht?
„Also, was fragt Ihr mich dann noch?"
„Ich hoffte, Ihr nähmet dennoch an."
„Noch habe ich nicht abgesagt."
Er seufzte: „Ich nehme an, Ihr habt auch bei Meister Yoda gelernt?"
„Woraus schließt Ihr das?"
„Nun, diese Wortspiele: Ich sage etwas, aber ich sage nichts aus. Und wenn ich etwas aussage, dann verschlüssele ich es, oder rede drum herum, in Rätseln…"
„Wenn ich ihn das nächste Mal sehe, werde ich ihm berichten, dass Ihr einen gewissen Einfluss seinerseits auf mich feststellen konnte. Wird ihm in gewisser Weise gefallen, schätze ich."
„Ist übermäßiger Stolz nicht…?"
„Wer sprach von Stolz? Ich sagte lediglich: Es würde ihm gefallen. Yoda wäre amüsiert darüber."
Sie aßen gemeinsam. Die Konversation war ein geschicktes Hin und Her von Fragen und Gegenfragen. Kaum Antworten.
Palpatines Unsicherheit wurde von Minute zu Minute größer. Es sah tatsächlich so aus, als ob Kimea Kenobi nicht gerade daran interessiert schien, den ihr angebotenen Job anzunehmen. Aber sie hielt ihn hin…
Das war grausam.
Er sah sich förmlich schon dabei, noch weitaus härtere Geschütze aufzufahren, um um ihre Zusage zu buhlen. Es konnte doch nicht so dermaßen schwer sein, ihr diesen Job schmackhaft zu machen? Andere würden dieses Angebot mit Kusshand und auf den Knien rutschen im Staub annehmen. Demütig. Dankbar.
Sie nicht.
Später, sie wollte gehen, hatte er fast schon aufgegeben. Immer mal wieder, in Nebensätzen, hatte er versucht, ihr sein Angebot näher zu bringen, doch die junge Frau hatte diese Hinweise stets überhört. Wahrscheinlich sogar absichtlich gehört.
Er war gescheitert.
Er war selten bisher in seinem Leben gescheitert. Und jetzt das hier…ein nichtiges Erlebnis, nichts Besonderes, nichts Tiefgreifendes. Dennoch hatte er versagt.
Er war an ihr gescheitert. Sie war weitaus willensstärker als er. Und stolz. Sehr stolz.
Dann aber: „Wo muss ich unterschreiben?"
Es war kein Sieg, es war keine Niederlage. Er wusste nicht, was es war. Es war ihm auch egal. Aber sie hatte tatsächlich sein Angebot angenommen. Letzten endlich…
Sie hatte unterschrieben, der Vertrag trat sofort in Kraft. Sie würde schon morgen früh offiziell eingeführt werden in den Kreis seiner Berater und Ordonanzen. Wahrscheinlich würde sie wesentlich vom Kleiderkodex abweichen, aber das störte ihn nicht wirklich…und seine anderen Berater wahrscheinlich auch nur minder oder gar nicht. Auf jeden Fall würde nur nun ein frischer Wind wehen auf dem Korridor der Beraterbüros.
Ob sie sich verstehen würden…? Nun, normalerweise kuschten seine Berater vor ihm, Kimea würde es nicht tun. Aus Prinzip! So gern er sich auch mit Jasagern umgab, er wusste, dass eine andere Meinung stets kreativ in seinen Entscheidungsprozess mit einwirkte. Folglich waren seine Entscheidungen und Order in den letzten Jahren, Jahrzehnten recht einseitig gewesen. Besonders wenn es um Lösungen etwaiger Fragen ging. Man redete ihm immer nur nach dem Mund.
Diese Sorge müsste er sich bei Kimea nicht machen…da war er sich absolut sicher. Mal abgesehen davon, dass sich die Tatsache von Kimea Kenobis Beraterschaft sehr positiv in den Medien auswirken würde.
Sie war jung und eine Frau. Noch dazu eine Jedi!
Nächster Tag, Senatsgebäude
Sie hatte beschlossen, nicht so ad hoc umzuziehen, sondern das Ganze am Wochenende durchzuziehen. Ein paar Freunde würden ihr sicher dabei helfen. Dann hatte sie es auch nicht mehr ganz so weit bis zu ‚Arbeit'. Schließlich war das Senatsgebäude am Palast angegliedert, manche behaupteten sogar, es sei im Palast mit integriert. Was nun als ‚Anbau' bezeichnet werden sollte, Palast oder Senatsgebäude, daran schieden sich ebenso die Geister.
Noch gestern Abend hatte sie Lonor Bescheid gegeben, dass sie jetzt unterschrieben habe. Er hatte ihr viel Glück gewünscht, nur gelacht und hoffte auf gute Zusammenarbeit. Daran zweifelte Kimea keine Sekunde lang.
Sie hatte sich etwas…Konservativeres aus ihrem Kleiderschrank geangelt. Ein langes, bedeckendes Kleid…sie wollte nicht sofort überall anecken, dazu passende, unbequeme Schuhe, etwas dezenten Schmuck. Somit fiel sie zwar unter seinen Beratern auf, aber nicht unbedingt unangenehm. Einige hohe Militärs und andere ‚Persönlichkeiten' würden ganz schön große Augen machen, wenn sie plötzlich bei den anderen Beratern stand.
Ihr Lichtschwert fand wieder seinen Platz in der Halterung unter ihrem Kleid.
Hm,……………………………
Sie würde sich etwas anderes einfallen müssen. Der Griff scheuerte, es war verdammt unbequem. Besonders das gehen und sitzen,…somit eigentlich alles.
Pünktlich fand sie her und stellte fest, dass sie bereits erwartet worden war. Zwei Leibgardisten brachten sie hinauf auf den Beraterkorridor und dann in den kleinen Audienzraum. Doch blieben sie dort nicht etwa, nein, sie geleiteten sie hindurch, durch die Tür an der anderen Seite des Raumes. Die Tür, durch die Palpatine stets gekommen und verschwunden war, wenn sie Lonor assistiert hatte. Durch die Tür hindurch gelangte man auf einen weiteren Korridor, der wesentlich dunkler und schmaler geschnitten war, aber nicht weniger erhaben wirkte, als auch die anderen Korridore des Palastes. Von hier aus gingen nur wenigen Türen ab. Ganz am Ende, links gehalten, lag sein Arbeitszimmer. Rechts das Ratszimmer des Hohen Zirkels,…einem Gremium, dem sie nun auch angehörte.
Sie betrat den Raum.
„Ah, da ist sie ja!", hörte sie seine Stimme, erfreut…freundlich, wie zu anderen sprach.
Sein Büro war spartanisch eingerichtet, aber sehr in rot gehalten. Seiner Lieblingsfarbe…aber das war ja gemeinhin bekannt. Selbst sein Büro als Oberster Kanzler war schlicht und rot eingerichtet gewesen. Hatte ihr Obi-Wan erzählt…und Yoda...und Rahn?
Nein,…
Rahn hatte Palpatine zwar gekannt, ihn aber nie kennen gelernt, dafür war er wahrscheinlich noch zu jung gewesen…und zu unbedeutend in Palpatines Augen…und in den Augen des Hohen Rates der Jedi. Wahrscheinlich sein Glück.
Der Imperator stand, im Kreise seiner Berater. Eine kleine vermummte Gestalt.
Eine Leiche unter Mumien, kam es ihr in den Sinn. Sie würde den Altersdurchschnitt erheblich senken…
