Der Spiegel Nerhegeb

Der nächste Tag begann ruhig. Die Kinder schliefen noch tief und fest, während die Erwachsenen bereits frühstückten. Severus war für seine Verhältnisse spät aufgewacht, was wohl daran gelegen hatte, dass er gestern noch sehr lange nachgedacht hatte. Auch jetzt hing er seinen Gedanken nach.

„Severus? Wenn ihr möchtet, könnt ihr gerne länger als bis morgen bleiben!" Piper riss ihn aus seinen Gedanken.

Der Schwarzhaarige schüttelte den Kopf. „Ich muss leider ablehnen. Aufgaben erwarten mich bereits sehnsüchtig. Ich muss noch Tränkebrauen für die Medi-Hexe und für einen Bekannten. Außerdem habe ich dieser Tage noch anderes zu tun." Das „andere" war ihm gestern erst wieder eingefallen. Obwohl Voldemort mehr oder weniger Tod war, trafen sich die Todesser immer noch hin und wieder. Da er Dumbledore seine Dienste versprochen hatte, musste er immer noch bei diesen Treffen auftauchen um vertrauenswürdig zu bleiben. Es war nicht leicht für ihn immer wieder dort aufzukreuzen.

Den Schwestern war nicht entgangen, wie bitter er den letzten Satz sprach, doch bevor eine der Frauen etwas sagen konnte, ertönte eine völlig unerwartete Stimme hinter ihnen. „Du kannst es tun, wenn du willst. Aber du musst es nicht. Du bist Vater und ich möchte dich nicht in Gefahr wissen." Der Tränkemeister wandte sich ebenso verwundert um wie die mächtigen Drei. „Verzeihen Sie mein unerwartetes Erscheinen."

„Das macht doch nichts. Setzten Sie sich. Kaffee? Tee?" Piper erhob sich und holte eine weitere Tasse. „Tee wäre nett. Danke." Piper goss etwas von dem Kräutertee ein und reichte die Tasse an den Schulleiter. „Was treibt sie zu uns, Sir?"

Albus nahm erst einmal einen Schluck. Er sah zu Severus. „Hauptsächlich ein Gespräch mit Severus. Außerdem wollte ich mich bei Helena für die Zitronenbonbons bedanken, die sie mir zu Weihnachten geschenkt hat." Er sah sich kurz nach ihr um. Da er sie nicht entdeckte, vermutete er, dass sie noch schlief.

Der Schwarzhaarige nahm einen Schluck und blickte ins Leere. Seine Tochter hatte Albus etwas zu Weihnachten geschenkt? Interessant. Aber was war das andere, weswegen er hier war. „Und wenn er zurückkommt? Dann hast du keinen Spion mehr!", sagte er einfach so heraus und starrte weiterhin an die Wand.

„Aber dafür einen lebenden Freund. Du hast ein Kind um das du dich kümmern musst. Glaubst du, sie würde sich freuen, wenn ihre Vater eines Tages nicht mehr zurück kommt, weil er tot ist?" Dumbledore sprach das Ganze ruhig aus, aber Severus konnte spüren, dass es in ihm nicht so ruhig war.

Die Schwestern verstanden rein gar nicht, um was es ging. „Verzeihung, könnte man uns einweihen?", bat Phoebe schließlich. Albus lächelte sie an.

„Natürlich meine Liebe. Es geht um Tom Vorlost Riddle, auch bekannt als Lord Voldemort. Der Mann, der Harry Potters Eltern getötet hat und auch den Jungen töten wollte. Dabei verlor er aber seine Macht und verschwand in dieser Nacht. Aber ich befürchte, dass er wieder kommen wird. Und Severus ist bzw. war mein treuer Spion." Etwas besorgt sah er zu seinem jüngeren Kollegen. „Du wirkst heute etwas abwesend", stellte er schließlich fest.

Severus riss sich aus den Gedanken. „Verzeihung, ich habe nachgedacht. Ich werde tatsächlich meine Spionagetätigkeit ablegen. Mich widerte es sowieso an, immer wieder zu diesen Treffen zu gehen." Aber dennoch, er war sich seiner Aufgabe stets bewusst gewesen.

„Aha. Das heißt dass dieser Voldemort der Bösewicht ihrer Welt war. Mhmm, aber denken Sie wirklich, dass er zurückkommen kann? Würde er dann versuchen Harry zu töten?" Paige faszinierte es. Also gab es nicht nur Dämonen, sondern auch machthungrige Zauberstabwedler. „Aber da könnten wir doch auch helfen! Sobald es Meldung über ihn gäben würde, könnten wir eine Tinktur, oder einen Spruch entwerfen um ihn zu vernichten."

Albus grinste. Genau das hatte er erwartet. „Die mächtigen Drei besiegen Voldemort. Klingt wie der Stoff eines neuen Geschichtsbuchs. Aber ich werde darauf zurückkommen, wenn es soweit ist."

„Wenn was soweit ist?" Die Köpfe der Erwachsenen fuhren herum. Helena betrat das Esszimmer. „Guten Morgen." Das Kind gähnte, ehe sie den Schulleiter entdeckte. Sie verbeugte sich kurz. „Guten Tag, Sir." Dieser nickte ihr zu.

„Endlich wach? Ich dachte schon du seist krank. Wo sind die anderen beiden?", fragte Piper interessiert, während sie Helenas Kakao holte.

Die junge Halliwell rieb sich die Augen. „Schlafen wie Babys. Könnte ich auch einen Tee haben?" Ihre älteste Schwester hielt inne. Die Kleine wollte sonst keinen Tee, außer sie war krank.

Phoebe legte dem Mädchen die Hand auf die Stirn. „Geht es dir gut?" Ihre Schwester hatte länger als sonst geschlafen und wollte Tee. Da stimmte doch was nicht. Doch sie konnte keine Temperaturerhöhung feststellen. Was war also mit ihr los.

Helena grinste. „Was soll das? Darf man nicht mal Tee trinken? Außerdem hat Piper doch gestern Süßigkeiten Verbot ausgesprochen", fügte sie leise an. Die Schwestern lachten. Severus war erstaunt. Normalerweise setzten Kinder doch alles daran, das Strafen vergessen wurden. Daher bekam die junge Halliwell Tee vorgesetzt.

„Tu doch nicht so. Wie viel hast du wirklich gelauscht?" Paige hatte die Kleine argwöhnisch beobachtet.

„Gelauscht? Eher unfreiwillig zugehört! Ihr redet ja laut!", gab Helena schließlich zu. Triumph lag im Blick der Matthews. War ja klar. Helena lauschte einfach zu gern. „Aber ich habe nichts relevantes mitbekommen. Nur das Voldemort Harrys Eltern getötet hat. Aber das weiß ich ja schon von Hagrid." Sie nahm einen Schluck von ihrem Tee.

Severus seufzte. Dieser große Idiot konnte nie seine Klappe halten. Die junge Halliwell sah ihn besorgt an. Es kam nicht oft vor, dass man ihren Vater so laut seufzen hörte. Daher krabbelte sie auf seinen Schoß. Dumbledore besah die beiden mit einem Grinsen. „Sag mal Helena. Wie findest du deinen Vater eigentlich?"

Das Kind sah ihn nachdenklich an. „Cool. Er ist zwar streng und die totale Spaßbremse, aber ich hab ihn lieb!" Nun grinste das Mädchen wie ein Honigkuchenpferd. Verblüfft sah Severus zu seiner Tochter hinab und dann zu Albus, der immer noch grinste. Daher rollte er genervt mit den Augen.

„Dad? Wer ist eigentlich die Rothaarige auf dem Bild auf deinem Nachtkasten?", fragte das Kind beiläufig und genehmigte sich einen Schluck Tee. Helena spürte, wie ihr Vater sich versteifte. Doch woran lag das?

„Das ist Lily Evans. Sie war eine gute Freundin", erzählte er mit leiser Stimme. Fragend sah das Mädchen ihren Dad an. „Wieso war?" Severus fixierte einen Punkt an der Wand und rang mit sich. „Weil sie tot ist!" Die junge Halliwell konnte den Schmerz aus seiner Stimme hören, obwohl er ihn so gut es ging unterdrückte. Sofort umarmte sie ihn. „Oh, dass tut mir leid. Aber denk dran, auch wenn sie tot ist. Egal wo, egal wann, egal wie, du wirst sie wiedersehen!" Genau das waren die Worte, die Phoebe benutzt hatte um sie wegen Prue zu trösten. Sowohl Severus als auch Albus blickten Helena erstaunt an. Das Kind lächelte Snape an und küsste ihn auf die Wange.

Nach kurzer Zeit kamen auch Ron und Harry. Beide waren erstaunt warum Dumbledore hier war. Dieser verabschiedete sich schließlich von ihnen. „Was machen wir heute?", fragte Helena schließlich grinsend. Die beiden Jungen zuckten mit den Schultern.

„Irgendwas im Haus. Ich mag nicht raus. Mir ist nicht gut!" Harry hatte seinen Kakao auch gar nicht angerührt. Er sah blass aus, nur seine Nase war gerötet. „Ich glaube, ich leg mich wieder hin." Bevor er aufstand, legte Phoebe ihm die Hand auf die Stirn. Bei ihm war die Temperatur eindeutig höher als sonst.

„Ich werde einen von Grandmas Tees zubereiten. Die helfen bei sowas!", beschloss Piper und verschwand sogleich in der Küche. Harry sah ihr nach und nieste.

„Nein, machen Sie sich keine Umstände. Ich lege mich einfach hin und dann wird das schon wieder." Er erhob sich, doch Helena hielt ihn zurück. „Nein, du bist krank. Warts ab. Grandmas Rezepte haben schon immer geholfen!" Wieso wollte sich der Junge nicht helfen lassen.

Harry lief rot an. „Nein, macht euch keine Umstände. Bitte!" Er war es nicht gewöhnt, dass sich jemand um ihn kümmerte, immerhin hatte das bis jetzt noch niemand getan. Es war ein unglaubliches Gefühl, wenn man beachtet wurde. „Bei den Dursleys durfte ich nicht mal ins Bett, also bin ich froh, wenn ich Ruhe bekomme!" Helena zog ebenso wie Snape in diesem Moment die Braue hoch.

„Pff … diese dummen Dursleys. Die werden ja immer schlimmer, je öfter du von ihnen erzählst. Die würde ich gerne mal treffen!" Die Miene des Kindes verfinsterte sich. Im Moment sah sie so aus wie ihr Vater, was den Schwarzhaarigen irgendwie beängstigte.

Piper brachte Harry den Tee und dann brachte sie ihn ins Bett. Nun sahen sich Ron und Helena fragend an. „Und was machen wir jetzt?"

„Vielleicht die Hausaufgaben, die ihr zu erledigen habt", schlug Severus vor und leerte seinen Kaffee. Der Rotschopf zuckte zusammen, da er völlig auf den Professor vergessen hatte. Die junge Halliwell verzog jedoch das Gesicht. Es waren Ferien und sie hatte keine Lust sowas zu tun.

„Pass auf, junge Dame. Oder du wirst auch zu Hause keine Süßigkeiten mehr sehen!" Das hatte gesessen. Sofort setzte sie wieder ein Lächeln auf.

„Wir könnten ja in den alten Büchern weiter nach Flamel suchen!", dachte das Mädchen laut nach. Jetzt verzog Ron den Mund. „Wir wissen doch schon was über ihn. Das sollte reichen. Aber wir könnten Hermine davon berichten!" Helena stimmte zu und verließ mit dem Rotschopf hastig den Raum.

Severus seufzte erneut. „Warum müssen Kinder ihre Nase immer und überall hineinstecken?" Er fragte mehr sich selbst, als jemand anderen.

„Weil sie dann keine Kinder wären. Lass ihnen den Spaß, solange sie sich nicht wehtun!" Damit erhob sich Phoebe und räumte die leeren Tassen weg.

Der Brief fiel recht kurz aus. Aus Jux beamte Helena Lily her. Das Käuzchen war zunächst nicht sehr erfreut darüber. Doch nachdem die Kinder das Tier mit Eulenkeksen besänftigt hatten, war das Federvieh erfreut über die Arbeit. Sie sahen Lily noch eine Weile beim Davonfliegen zu.

Harry schlief seelenruhig auf dem Sofa. Ron saß mit Helena auf ihrem Bett. „Was machen wir jetzt? Die Idee von Snape war ja mal völlig unnötig!" Das Mädchen nickte zustimmend. Aber was sollten sie stattdessen machen? Zaubern durften sie ja nicht.

„Wir könnten fangen spielen. Oder wieder Verstecken?", schlug die junge Halliwell vor. „Oder wir brauen irgendeinen Trank. Irgendwas damit es Harry sofort besser geht!" Die Miene des Rotschopfes erhellte sich. „Aber ich weiß nicht, wie wir die nötigen Sachen auf den Dachboden bekommen. Denn ich glaube nicht, dass die Erwachsenen sich über unsere Aktivität freuen würden." Vor allem Snape nicht.

Ron grinste breit und schritt zu Harrys Tasche. Er zog den silbrigen Umhang heraus. „Er wird uns ja nicht sehen!" Die Schwarzhaarige nahm dem Jungen den Umhang ab und küsste ihn auf die Wange. „Wenn du mal denkst, dann richtig!" Der Rotschopf wurde rot.

Unter dem Umhang versteckt machte Helena sich auf in die Küche. Sie kannte die Zutaten auswendig, da Grandma und auch Piper darauf bestand, bestimmte Tränke auswendig zu lernen. Es war einiges auf dem Dachboden, aber manche Kräuter bewahrte die Älteste in der Küche auf. Außerdem brauchten sie einen kleinen Kochtopf. Vorsichtig näherte sie sich den Regalen. Ihr Vater saß immer noch am kleinen Küchentisch und las den Wochenpropheten, den ihm eine Eule gebracht hatte. Ihr Herz klopfte. Wenn er sie so erwischte, würde es was setzen, das war sicher. Gut, dass die Kräuter im unteren Regal hinter der Arbeitsstelle aufbewahrt wurden. So konnte sie das Schränkchen öffnen, ohne das er etwas sehen konnte. Erstaunt darüber, dass er sie nicht bemerkt hatte, lief sie wieder die Treppe hoch.

„Du bist echt gut!", lachte Ron, als sie auf dem Dachboden saßen. Das Buch der Schatten lag aufgeschlagen auf dem kleinen Tisch in der Mitte. Die kleine tragbare Herdplatte war bereits erhitzt und das Wasser köchelte. Helena war gerade dabei ein paar Kräuter kleinzuhacken, während der Rotschopf die Temperatur kontrollierte.

„Und das Rezept kommt echt von deiner Oma? Die muss ja unheimlich begabt gewesen sein." Der Weasley blätterte in dem Buch herum und staunte hin und wieder über einen Dämon. „Die habt ihr schon erledigt? Wieso macht ihr das?" Das Mädchen zuckte mit den Schultern. „Familientradition!"

Sie warf das letzte Häufchen Kräuter in den Topf, woraufhin eine kleine Rauchwolke aufstieg. „Und jetzt noch 15 Minuten köcheln lassen!" Sie war stolz auf sich mal wieder einen Trank gebraut zu haben.

Plötzlich räusperte sich jemand hinter ihnen. Die Farbe wich den Kindern aus ihren Gesichtern. Wieso immer er? „Helena Prudence Piper Phoebe Paige Patricia Penelope Halliwell! Ich glaube ich sehe nicht richtig! Wer hat euch erlaubt alleine einen Trank zu brauen! Dank Longbottom sollte man doch schon wissen, was passiert, wenn man den Trank nicht richtig braut!" Snape sah bedrohlich zu den am Boden sitzenden Kindern.

Helena schluckte und erhob sich. „Es tut uns leid, Sir. Aber es ist ein einfacher Anti-Erkältungstrank von Grandma! Ich kann das Rezept ja schon fast auswendig!" Trotzdem sah sie ihn schuldbewusst an. Was würde er jetzt wohl tun.

„Was, wenn du etwas Falsches hineingegeben hast? Möchtest du Mr. Potter vergiften?" Es war eine interessante Aussicht. Aber es wäre gegen sein Versprechen. Er schritt zu dem köchelnden Gebräu und sah hinein. Es sah nicht schlecht aus. „Wo ist das Rezept?", verlangte er, woraufhin Ron ihm mit zitternden Fingern das Rezept aufschlug und ihn darauf hinwies. Severus sah sich aufmerksam die Inhaltsstoffe und die Zubereitung an. Es war ein einfach bis mittel leichter Trank, der dennoch falsch gebraut großen Schaden anrichten konnte. Doch es sah so aus, als ob sie alles richtig gemacht hatten.

Ron beobachtete den Tränkemeister mit ängstlicher Miene. Würde er davor zurückschrecken ein fremdes Kind zu schlagen? Schluckend verdrängte er diesen Gedanken. „Mr. Wealsey. Sind ihre Augen stecken geblieben, oder beobachten Sie gerne Menschen?" Der Rothaarige zuckte zusammen. „Verzeihung, Sir!"

„Es sieht nicht so aus, als ob sie Potter mit dem Gebräu vergiften würden. Dennoch dulde ich es nicht, dass Erstklässler alleine einen Trank brauen! Ihr beide werdet mir jetzt einen Aufsatz über die Gefahren beim Tränkebrauen schreiben. Somit ist es euch auch nicht mehr langweilig!" Mit Genugtuung sah er die betrübten Mienen der Kinder und rauschte aus dem Raum.

„Das ätzt!", stöhnte Ron. Helena seufzte. Die beiden warteten noch die 15 Minuten köcheln ab, bevor sie den Trank in eine Flasche fühlten und verkorkten. Dann brachten sie es zu Harry und setzten sich dann wiederwillig an den Aufsatz für Snape. Es verlangte ihnen den halben Tag ab, den Aufsatz halbwegs hinzubringen. Gleich nachdem sie fertig waren, brachten sie die Pergamentrollen zu Severus, der sie durchlas.

„Nun gut, es gab schon bessere Arbeiten", er legte die Pergamente weg und sah dann seine Tochter an. „Wir müssen leider nach Hogwarts zurückkehren. Madame Promfrey hätte gerne ein paar Tränke und ich habe zu Hause nicht die nötigen Zutaten!" Die junge Halliwell verzog ein wenig die Miene. „Du wirst morgen mit Mr. Potter und Mr. Weasley gleich nach Hogwarts beamen, während ich noch einige Sachen aus dem Haus hole. Haben wir uns verstanden?" Er zog eine Braue nach oben und Helena nickte. „Ja, Sir!" Irgendwie war da noch etwas anderes, weswegen er nach Hogwarts wollte, dass konnte sie fühlen.

Spät am Abend des nächsten Tages reisten die drei Kinder ab. Harry ging es schon viel besser. Er entschuldigte sich tausendmal, als er das mit der Strafarbeit erfuhr. In Hogwarts angekommen machten sie es sich am Kamin gemütlich. Helena begann sofort mit ihren Hausaufgaben, was die Jungen nur belächelten.

„Ach komm. Es muss doch was Spannenderes geben, als dir beim Hausaufgabenmachen zu zusehen. Vielleicht könnten wir den Tarnumhang ausprobieren", schlug Ron vor. Er brannte darauf selbst einmal unter dem Umhang zu verschwinden. Harry war sofort Feuer und Flamme für den Vorschlag. Die junge Halliwell fügte sich ihrem Wunsch. Immerhin musste sie dafür sorgen, dass sie niemand erwischen konnte.

Dicht zusammengedrängt huschten die drei durch die dunklen Gänge Hogwarts. Es war spannend in der Nacht hier herum zu schleichen. Sie begegneten einmal Mrs. Norris, die sie direkt ansah. Doch sie schritten unbeirrt weiter. Immerhin waren sie unsichtbar. Lange dunkle Schatten ließen sie immer wieder zusammenzucken. Ihre Schritte führten sie in die Bibliothek. Sie wollten unbedingt mal in die Verbotene Abteilung sehen. Vorsichtig schritten sie zwischen den Regalen umher. In der Verbotenen Abteilung angekommen, nahm Harry den Umhang über ihnen ab.

„So mal schauen, warum das hier so verboten sein soll!" Der junge Weasley grinste schelmisch und zog ein Buch aus dem Fach. Sobald er es aufgeschlagen hatte, begann es markerschütternd zu schreien. Die Kinder bekamen einen Schreck. Der Rothaarige stopfte das Buch zurück ins Regal, doch es schrie weiter.

Sofort waren Filchs schlurfende Schritte zu vernehmen. Nervös warf Harry den Umhang über sich und seine Freunde. Doch der Umhang verdeckte nur die beiden Jungen. Das merkte die Gryffindor erst, als Filch um die Ecke bog. Schnell verkrümelte sie sich hinter einem Regal. „Irgendwo treibt sich ein Balg herum. Nur wo?" Er begann sofort zu suchen. Ob Harry und Ron noch da waren, wusste sie nicht. Auf jeden Fall musste sie weg. Doch sie konnte nicht beamen, man würde die Lichtfunken sofort bemerken und die Spur würde unweigerlich zu ihr führen. Daher schlich sie so leise wie möglich aus der Bibliothek.

Wie bedrohlich die dunklen Gänge Hogwarts wirkten, wenn man alleine umherstreifte. Sogar die Rüstungen wirkten wie Angreifer. Mit Gänsehaut lief Helena durch die Dunkelheit. Nun um kurz darauf scharf zu bremsen. Sie hörte die ihr wohl bekannte ölig weiche Stimme ihres Vaters. „Wo hast du den Herumtreiber bemerkt?"

„In der Bibliothek, Professor Snape! Wir werden das Balg schon finden, keine Sorge!" Filch grinste breit. Das würde ein Fest werden. Snape war noch nie nett mit Herumstreunenden herumgesprungen. Helena schluckte. Warum musste gerade immer ihr Vater immer irgendwo herumstehen?

„Der oder die können was erleben. Einfach so in die Verbotene Abteilung eindringen. Aber so viel Auswahl an Übeltätern haben wir ja nicht." Und er hoffte inständig dass nicht Helena einer davon war. Er wandte sich von dem schmierigen Hausmeister ab und schritt den Gang entlang. Eigentlich hatte er heute Abend etwas anderes vorgehabt. Das würde warten müssen. Oder? Filch konnte es doch egal sein, was er tat. Severus wandte sich um, um zu sehen, ob jemand hinter ihm war. Doch er konnte keinen entdecken. Also ging er zügig zu einem bestimmten Raum.

Was er nicht wusste war, dass Helena ihm folgte. Langsam und vorsichtig an die Wand gepresst verfolgte das Kind ihren Vater. Er sah nämlich nicht so aus, als ob er jemanden suchen würde. Der Schwarzhaarige machte kurz halt und sah sich noch einmal um, bevor er hinter einer Tür verschwand. Bevor die Tür ins Schloss fiel, schlüpfte sie hinein. Der Raum war leer bis auf einen Spiegel und auf diesen schritt Snape zu.

Schluckend und mit geschlossenen Augen trat Severus vor den Spiegel. Er atmete ein und aus um sich zu beruhigen und öffnete schließlich die Augen. Da stand sie im Spiegel. Sie trug ein weißes Kleid, welches einen tiefen Ausschnitt besaß. Ihr rotes Haar lag auf ihren Schultern. „Lily", flüsterte er. Seine Augen füllten sich mit Tränen. Gut dass er alleine war. Sein Ruf wäre dahin, sollte jemand ihn so zu Gesicht bekommen. Seine Mauern senkten sich und der Schmerz stieg wieder auf. „Es tut mir leid", flüsterte er und sah zu Boden.

Helena schluckte. Das sah nicht so aus, als ob diese Frau nur eine Freundin gewesen war. Es wirkte so, als er diese Lily geliebt hatte. Sie lehnte sich gegen die Säule, hinter die sie sich versteckt hatte. Ihr Vater wirkte so niedergeschlagen. Am liebsten würde sie ihn in den Arm nehmen. Doch das würde sie verraten und ihr eine Menge Ärger einhandeln. So blieb ihr nur die Möglichkeit hier zu stehen, seine Gefühle wahrzunehmen und ihm beim Leiden zu zusehen. War sie der Grund, warum er so kühl und unnahbar war?

Seine Hand ruhte auf dem kalten Glas. Stumme Tränen liefen aus seinen Augen und tropften von seiner Nasenspitze. Sie war wegen seines Fehlers gestorben. Severus sank zu Boden. Der Schmerz war unerträglich.

Das Bild, das sich ihr bot trieb auch ihr die Tränen in die Augen. Nie zuvor hätte sie sich Severus Snape so vorgestellt. Wer hätte das jemals getan. Immerhin war er immer fies und gemein. Das Mädchen war froh, dass sie sein Geheimnis jetzt wusste. Sie würde es für sich behalten. Plötzlich vernahm sie Schritte. Auch Snape schrak hoch und wischte sich mit seinen Ärmeln über die Augen.

„Es war klar, dass du hier bist. Dabei wollte ich es doch gerade vor dir geheim halten." Dumbledore stand in der Tür und sah ihren Vater besorgt an. „Du weißt, dass es nur eine Illusion ist, die du da siehst?" Der Schwarzhaarige nickte. Klar wusste er das. Er war ja schließlich kein Kind mehr. „Das sieht aber nicht so aus. Komm. Gehen wir ein Stück!" Wiederwillig erhob sich der Tränkemeister und verließ mit Albus den Raum. Bevor der Schulleiter aus der Tür verschwand, sah der Alte zu der Stelle an der Helena stand.

Nachdem die Männer weg waren, trat die junge Halliwell näher zum Spiegel und betrachtet seinen Rahmen. Da stand eine Inschrift: NERHEGEB Z REH NIE DREBAZ TILT NANIEDTH CIN. Was sollte das bedeuten? Sie sah näher hin und lass es mal von hinten. Ja, so ergab es sogar einen Sinn. NICHT DEIN ANTLITZ ABER DEIN HERZ BEGEHREN. Dann sah sie in den Spiegel. Sie keuchte. „Prue? Grandma? Mum?" Die Gryffindor ließ sich vor dem Spiegel nieder. Illusionen hin oder her. Ihre Schwester, Großmutter und Mutter lächelten zu ihr hinab. Sie konnte ihren Blick einfach nicht von den drei wenden. Auf ewig würde sie hier sitzen bleiben.