AN: Für dieses Kapitel braucht ihr etwas mehr Fantasie als eh schon ;) :D Und ihr wisst ja, dass ich Manches nicht so genau nehme, einfach um mehr Spass aus der Sache raus zu holen und die Story witziger zu machen. Der Ausflug zu dem Baseballspiel entpuppt sich als eine ganz-schlechte-Idee für Edward!

Disclaimer: Die Twilight Saga und ihre Charaktere gehören Stephenie Meyer und nicht mir!


Edwards PoV

Das Safeco Field ist das Baseballstadion in Seattle. Es ist die Heimstätte der Seattle Mariners, einem Major-League Baseballteam.

Der Namensgeber des Stadions, die Safeco, ist ein Versicherungsunternehmen mit Sitz in Seattle. Das Stadion hat ein Fassungsvermögen von 46.621 Zuschauern (ausschließlich Sitzplätze) und ein bewegliches Dach.

Die Gesamtbaukosten betrugen bis zur Eröffnung 517,6 Mio. US-Dollar, damit war Safeco Field zu diesem Zeitpunkt das teuerste Baseballstadion der Welt. Eröffnet wurde es nach zwei Jahren Bauzeit am 15. Juli 1999 mit dem Spiel der Mariners gegen die San Diego Padres.

Safeco Field dient dem Team als Nachfolger für den Kingdome, einem Hallenstadion, das bis zum Jahr 2000 direkt nördlich an das neue Stadion angrenzte.

Wie kann man nur ein Baseballstadion nach einem Versicherungsunternehmen benennen?

Ich schüttelte den Kopf, während ich aus dem Pappbecher trank und das Feld beobachtete. Ich verschwendete keinen Gedanken daran, wie ich mich aus dem Haus geschlichen hatte, nachdem Dad verschwunden war und dann Jasper und Emmett auf der Strasse angehalten hatte.

Zunächst hatten sie sich geweigert mich mit zu nehmen, aber nach meiner penetranten Bettelei war es Emmett dann doch zu dumm geworden und er hatte mich einsteigen lassen.

Mein Blick glitt nach links. Jazz hatte kein Wort mit mir gewechselt, seit wir das Stadion betreten hatten. Er sass auf der anderen Seite von Emmett und hielt sich den Kiefer. Ich hatte versucht mich zu entschuldigen, aber mein Bruder wollte nichts hören. Ich schlürfte weiter an meiner eiskalten Cola, die ich dann noch halb voll vor meinen Sitz stellte.

„Ich geh pinkeln," teilte ich meinen Geschwistern mit, ohne dafür irgendwelche Beachtung zu bekommen.

Aber es war mir egal …

Leichtfüßig stand ich von dem harten und blauen Plastiksitz auf und quetschte mich an den anderen Männern und Frauen in unserer Sitzreihe vorbei, bis ich auf der Treppe war. Kurz warf ich einen Blick zurück, nur um zu sehen, dass sich der Werfer bereit machte und dann den weißen Baseball nach vorn donnerte. Ich wandte mich ab, lief die Stufen hinauf und verschwand in den Katakomben.

Schnell lief ich durch das massive Gebäude des Stadions und erreichte dann die Herren Toiletten.

Spitze!Ich glaube fast die Hälfte der Zuschauer hatte die gleiche Idee gehabt wie ich! Nämlich vor dem ersten Schlag noch schnell pinkeln zu gehen.

Die Warteschlange, die sich vor den Toiletten gebildet hatte, war einige Meter lang und verschwand hinter einer Ecke. Ich rollte mit den Augen, wurde dann unsanft von einem Fan der anderen Mannschaft zur Seite gedrängt. Frustriert schüttelte ich den Kopf und machte mich dann auf den Weg nach draußen ins Freie.

Ich ging an den in Schwarz gekleideten Securities vorbei und durch eine kleine Hintertür, die auf einen Hof mündete.

Meine Augen suchten schnell die Umgebung ab, dann hatte ich die Dixieklos entdeckt, die am Ende aufgebaut waren. Ganze zehn Stück waren aufgereiht und es stank jetzt schon erbärmlich. Links und rechts daneben war ein Stück Betonwand, die auch schon mal bessere Tage gesehen hatte.

Auf der rechten Seite war noch ein großes Stück Maschendrahtzaun. Ich ging auf die Kabinen zu und öffnete die erste. Ich verzog das Gesicht bei dem widerlichen Gestank, der mir entgegen wehte. Meine feine Nase wäre am Liebsten abgefallen oder aus meinem Gesicht gesprungen, doch es musste ja sein.

Als ich ein paar Minuten später die Tür öffnete und hinaus trat, blieb ich abrupt stehen und starrte auf mein Gegenüber, was mühselig eine Zigarette aus der Packung fischte.

Ich machte einen Schritt vorwärts und ließ dann die häßliche Plastiktür ins Schloss fallen. Er sah auf und runzelte vor Überraschung die Stirn.

„Cullen?!"

„Marcus," fragte ich zurück und stolzierte vorwärts.

Ich zog den Schal etwas fester um meinen Hals, so als ob ich Angst haben würde, er könnte mich beißen und ging lässig an ihm vorbei. Mein alter Kumpel hatte es inzwischen geschafft eine Kippe aus der hell braunen Packung zu ziehen und steckte sie in den Mund, während er sich zu mir umdrehte.

„Du hast nicht zurück gerufen," grummelte er mit Kippe im Mund und ich sah die kleine Flamme des Zippo Feuerzeuges auflodern. Er zündete sie an und stopfte das glänzende Zippo wieder in die schwarze Tasche der Lederjacke zurück. „Du hast nie zurück gerufen … Mit Freunden macht man so was nicht, Edward!"

Ich rollte genervt mit den Augen, als ich mich dann ganz zu ihm umdrehte.

Jetzt war er es der mit dem Rücken zu den fünf Metern entfernten Toilletten stand.

Gefangen!

In die Ecke gedrängt!

So wie ich vor ein paar Sekunden ...

„Ja und," fragte ich mit hoch gezogener Augenbraue und machte den zweiten Versuch die Türklinke zu erreichen und einfach weg zu gehen, so wie mein Vater es mir beigebracht hatte.

Aber der kleine Mistkerl mit den schwarzen Haaren ließ mich nicht!

„Edward," rief er zornig und kam einen Schritt auf mich zu. Die eine Hand hielt die Zigarette, mit der andern griff er in die Tasche der abgewetzten Jeans. Als ich seine Gedanken las, erstarrte ich. Nein, das hatte er ganz sicher nicht vor, oder? So blöde war selbst Marcus nicht!

„Du gehst jetzt nicht weg! ICH REDE MIT DIR!"

Meine Wut überkam mich. Ich wirbelte herum und wollte auf ihn zu gehen, als ich hinter mir die Stahlfür hörte.


Den dunkelen Schatten, der an mir vorbei zischte und auf Marcus zu, war schneller an meinen Sinnesorganen, als sein Geruch. Ich riss die Augen auf, als er Marcus packte und ihn mit sich riss – von mir weg und zu den Toiletten hinüber.

Marcus Füße wurden über den Boden gerissen und hingen in der Luft. Mein Widersacher brachte keinen Ton heraus - zu schockiert von dem Angriff auf ihn!

Als nächstes hörte ich wie der Junge gegen die blaue Tür geknallt wurde. Es donnerte laut und ich zuckte zusammen. Meine Augen huschten zu der Betontür hinüber, auf der Suche nach Zeugen, doch wir hatten Glück.

Eine Sekunde später starrte ich wieder auf Marcus, der zappelnd wie ein Fisch auf dem Trockenen von einem äußerst wütenden Vampir gegen die blaue Plastiktür gedrückt wurde. Seine Füße hatten keinen Bodenkontakt mehr ...

Er hatte die Augen so weit aufgerissen, dass sie fast aus den Höhlen kullerten. Erst jetzt konnte ich genau die Umrisse meines Vaters erkennen. Sein schwarzer Mantel wehte leicht im Wind, der von der enorm schnellen Bewegung erzeugt worden war. Vorsichtig trat ich ein paar Schritte nach vorn, bis ich Marcus leise und panische Stimme hören konnte.

„D-Dr. Cul-len," stammelte er überrascht und fixierte das Gesicht meines Vaters.

Als Antwort bekam er ein leises, aber äußerst wütendes Knurren zu hören. Mir wurde heiß und ich schluckte. Wenn Dad sich so in der Öffentlichkeit zeigte, war das ganz und gar nicht gut!

Carlisle zischte. „Marcus? Was habe ich dir vor ein paar Wochen gesagt? In Bezug auf dich und meinen Sohn? Weißt du es noch?"

„Ich … w-weiß nicht m-mehr ..."

Natürlich wusste er das noch und mein Vater wusste, dass er es wusste!

Das wütende Knurren war nicht zu überhören und ich war mir sicher, dass Marcus in dieser Sekunde die goldenen Vampiraugen betrachtete, die einem das Fürchten lehrte.

„Doch du weisst es," fauchte er und ich konnte sehen wie sich Marcus schwarzes Haar leicht nach hinten bewegte.

Dass mein Vater äußerst wütend war, war eine Untertreibung!

Marcus hatte sich mit mir angelegt und Carlisle sah Rot!

Plötzlich sah ich wie Marcus rechte Hand sich langsam wieder zu der Jackentasche bewegte. Ich las seine Gedanken und schnellte nach vorn, um meinen Vater vor dem Messer zu schützen. Doch Carlisle hatte die kleine Bewegung irgendwie erahnt oder gespürt, denn er packte blitzeschnell mit der linken Hand das Handgelenk von Marcus und drückte es an die kalte Tür. Es knallte und Marcus verzog vor Schmerz das Gesicht.

„AAAHHH …!"

Innerlich grinste ich gehässig. Ja, verdammt! Ich war schadenfroh …

Ich bewegte mich noch einen Meter nach vorn, doch hörte dann meinen Vater in meinem Kopf.

Geh zurück, bitte!

Ich war etwas perplex und sah von ihm zu Marcus, den mein Vater jetzt langsam wieder auf seine Füße hinunter ließ. Er lockerte seinen stählernen Griff um Marcus Hals nicht und zog die Hand mit dem Messer aus der Tasche. Das Metall blitzte im Schein des Mondes.

Eine Sekunde später ruckte sein Kopf herum und ein Knurren entwich seiner Kehle. Dieser wütende Vampirlaut war nicht an Marcus gerichtet, sondern an mich – seinen aufmüpfigen 17-jährigen Sohn, der die Abreibung seines Lebens bekommen würde. Das war sicher!

Ich schluckte. Okaaaay …

Gefügig stolperte ich wieder nach hinten und aus seiner Reichweite. Gut, das Ganze war relativ. Auch wenn ich eine Meile weit weg sein würde, könnte er mich im Nu erreichen und mir den Hintern versohlen, wenn er den Wunsch dazu hätte.

Carlisle hielt das Messer vor Marcus Gesicht. Die Augen blitzten, während er das Messer vorn an der Klingenspitze mit zwei Fingern nahm und kurz nach rechts sah auf die andere Mauer. In einer einzigen flüssigen Bewegung schleuderte er die Waffe nach vorn und versenkte sie in dem Stein. Auch Marcus war der Bewegung gefolgt und riss die Augen auf. Die Klinge steckte vier Meter über dem Boden, bis zum Heft in einem der robusten Steine.

Dads Aufmerksamkeit galt wieder Marcus, der immer noch die Wand anstarrte. „Bekomme ich eine Antwort, Marcus?"

„D-d-dass," begann er jetzt äußerst redselig. Seine Stimem war brüchig. „Ich … ich sollte mich von ihm fern halten, Sir."

Sir? Wow, Dad hat mit dieser Aktion wirklich Eindruck gemacht …

Er nickte. „Sehr richtig! Also zum aller letzten Mal, Marcus: Lass deine Finger von meiner Familie und von meinem Sohn! Wenn ich mitbekomme, dass du ihn noch einmal schief ansiehst, werde ich dich anzeigen! Haben wir uns verstanden?"

Oder fressen?

Heftiges Nicken. Carlisle ließ ihn los und ich spürte, dass sich seine Augen verwandelten. Er hob mahnend einen Finger. „Und falls du dir jetzt gerade überlegst, das hier jemandem zu erzählen, rate ich dir dringend davon ab! Es wird dir niemand glauben! Also vergiss es ganz schnell, okay?"

„O-okay ..."

Mein Vampirvater trat einen Schritt nach hinten und wies dann mit dem Kopf auf die Stahltür.

„Geh nach Hause, Marcus!"

Marcus ging zur Seite und rannte dann auf die Tür zu, die er auf riss und verschwand im Inneren des Stadions.


Ich bewegte meine Augen wieder zu meinem Vater hinüber, der tief seufzte und sich dann mit beiden Händen durch das blonde Haar strich. Er war wütend und er versuchte sich zu beherrschen.

Langsam ging er auf die rechte Wand zu und blieb davor stehen. Er stützte sich mit der Hand ab, die er flach dagegen drückte und senkte den Blick gen Boden. Ich hatte ihn enttäuscht. Wieder mal! Doch was noch viel schlimmer war als das, war die Tatsache, dass mein Dad heute sein zweites Gesicht gezeigt hatte. Vor einem Menschen!

Ich schluckte und spürte Tränen in meinen Augen. Zitternd fing ich an zu weinen, alles was sich in den letzten Tagen in mir angestaut hatte, brach heraus. Ich versteckte meine Augen hinter meinen Handflächen und versuchte mir ein zu reden, dass ich mit einer Standpauke davon kommen würde, doch das war unmöglich. Ich schämte mich so sehr für mein Verhalten.

Plötzlich hörte ich Schritte über den Boden hallen und dann wurde ich von zwei Händen sanft nach vorn gezogen. Heulend vergrub ich mein Gesicht in der Schulter und dem Hals meines Dads, der mir durch die Haare streichelte und uns sanft hin- und herschaukelte. Meine Arme fielen schlapp zur Seite und Carlisle drückte mich noch näher zu sich.

Sch … beruhig dich.

Er war immer noch aufgebracht, doch ich fühlte auch seine ganze Liebe zu mir.

Seine Hand, die eben noch mein Haar gekrault hatte, glitt meinen Rücken hinunter und er wieder hinauf. Ich weinte immer noch - unfähig irgend etwas zu sagen oder gar ihm in die Augen zu blicken.

Nach endlosen Minuten in denen ich in seinen Armen lag und mich bei ihm ausgeheult hatte, nahm er mich an den Schultern und drückte mich von sich weg. Ich fixierte seinen schwarzen Pullover und seine Brust, doch wurde dann von zwei starken Fingern gezwungen ihm doch ins Gesicht zu sehen.

Eine kleine Erinnerung daran, wer hier das Sagen hatte!

„Hat er dir weh getan," fragte er sanft und ich schüttelte langsam den Kopf.

„N-nein," antwortete ich mit krächzender Stimme.

Er seufzte. „Wir werden jetzt nach Hause fahren," befahl er und drehte mich einmal herum zur Tür.

Und ich möchte Privatsphäre! Hast du verstanden?

Dad öffnete und hob eine Augenbraue, als ich nicht sofort antwortete. Ich schluckte und verlor wieder ein paar Tränen.

„Ja, Sir."

Seine Hand lag auf meinem Rücken und er schob mich durch die Katakomben des Stadions in Richtung Ausgang. Die Rufe und Sprechchöre der Fans waren hier drin mehr als deutlich zu hören.

Wir gingen nicht in auf die Tribüne, wo meine Geschwister standen und gröhlten, um ihnen Bescheid zu geben. Wahrscheinlich hatte er das schon vorher gemacht. Mein Vater nickte kurz freundlich den Sicherheitsbeamten zu, die an der gläsernen Eingangstür standen und schob mich dann nach draußen in die kalte Nachtluft.

Als wir auf dem Parkplatz waren, der direkt vor dem Stadion war, ließ ich mich einen Meter zurück fallen, um mich auf einen Song zu konzentrieren, den ich in Gedanken vor mich hin summte. Carlisle wollte Privatsphäre und ich akzeptierte das ohne Einwände zu haben.

Meine Augen schweiften über den Asphaltbelag des Platzes, als ich einen Fuß vor den anderen setzte. Ich konnte das Piepen der Zentralverriegelung hören, die deaktiviert wurde. Nervös schlendete ich zwischen den anderen Autos hindurch, bis ich vor dem glänzenden Mercedes stand, der unter einem der Bäume geparkt war.

Ich hörte wie er die Tür öffnete und schniefte. Meine Tränen waren immer noch nicht verebbt. Ich fühlte seinen Blick auf mir, gab mir dann einen Ruck und umrundete das Fahrzeug, noch bevor er etwas sagen oder mich holen konnte. Als ich auf dem Sitz sass, zog ich die Tür zu und öffnete das Fenster. Carlisle stieg auf dem Fahrersitz ein, schnallte sich an und stieß rückwärts aus der Parkbucht hinaus.

Gemächlich umrundete er die anderen Autos und hielt dann auf den Ausgang des Safeco Field Stadion und die Strasse zu, ohne ein Wort mit mir zu wechseln. Über die Lautsprecher konnte ich den Stadionsprecher hören, der das Spiel kommentierte und unsere Seattle Mariners anfeuerte.

Wir hatten vier Punkte geholt und einzig und allein die Second Base hatte uns den Arsch gerettet!

Tbc ...


AN2: Ich liebe es ja, wenn Carlisle sein Vampirgesicht zeigt :D Bis(s) zum nächsten Kapitel! Eure Vanessa