Kapitel 35
Draco uns Blaise standen immer noch in Dracos Zimmer und
stritten sich. Keiner der beiden hatte bis jetzt bemerkt, dass Harry
den Raum verlassen und die Tür versiegelt hatte.
"Wie genau
kommst du auf die schwachsinnige Idee, ich könnte es nicht
bemerken, wenn du auf einmal weg bist?", wollte Draco gerade
wissen.
"Ach komm schon. Seit einiger Zeit hast du doch sowieso
nur noch Augen für Harry."
"Du weißt genau, was er
durch gemacht hat, und dass er jetzt Unterstützung braucht, um
sich endlich ein vernünftiges Leben aufbauen zu können."
"Ja,
nur hab ich dadurch in deinem Leben wohl keinen Platz mehr.",
meinte Blaise, drehte sich um und wollte die Tür, die auf
wundersame Weise geschlossen war, öffnen. Nur leider ließ
sie sich nicht öffnen.
"Scheiße."
"Was?"
"Die
Tür ist verschlossen."
"Ja, klar.", meinte der Blonde
sarkastisch und ging ebenfalls zur Tür. Doch leider konnte auch
er sie nicht öffnen.
"Siehst du?", meinte Blaise
nur.
"Was soll das?."
Ein blauer Schriftzug erschien auf
der weißen Tür.
/So lange der Grund nicht ersichtlich
geklärt, so lange bleibt der Zutritt verwährt./
"Was
soll das heißen? Welcher Grund?", meinte Draco.
"Frag
doch die Tür, vielleicht antwortet sie wieder."
/Ein
Geheimnis zu lange im Herzen verborgen, verschließt die Tür
zum erwarteten Morgen.
Kein Laut dringt mehr aus diesen Räumen,
bis zur Erfüllung der Herzens Träumen./
"Hast du ne
Ahnung, was das zu bedeuteten hat?", wollte der Blonde wissen, der
die Schrift skeptisch betrachtete.
"Nö, alles was ich weiß,
ist, dass wir hier nicht rauskommen."
"Von wegen. Wir sind
Zauberer, und wenn das nicht klappt, teleportier ich uns raus.",
meinte Draco und zog seinen Zauberstab. Blaise tat es ihm seufzend
gleich.
Eine halbe Stunde, mehrere missglückter Zauber und
einige Teleportations-, so wie Apparationsversuche später saßen
beide mit griesgrämiger Miene auf dem Sofa in Dracos Zimmer uns
schwiegen sich an.
Beide hingen ihren Gedanken nach.
Laut dem,
was auf der Tür stand, müssten sie über ihre Gefühle
zueinander reden, bevor sie hier raus kamen. Allerdings wollte keiner
den Anfang machen. Noch immer hatten sie Angst davor, die
Freundschaft und das Vertrauen des anderen zu verlieren.
Um punkt
sieben erschien auf dem Couchtisch ein Tablett mit zwei Tellern voll
Essen und jeweils zwei Flaschen mit trinken.
'Zumindest lassen
sie uns nicht verhungern.', dachte Draco brummig, ehe er sich einen
Teller nahm und anfing zu essen. Blaise tat es ihm gleich.
In
der Zwischenzeit hatte Tom sich wieder beruhigt und die restlichen
Hausbewohner zusammengetrommelt, um ihnen zu erzählen, was sich
zwischen Draco, Blaise und Harry ereignet hatte.
"Aber warum
wollte Blaise dann auf einmal weg?", fragte seine Mutter
verwirrt.
"Wahrscheinlich weil er es nicht ertragen konnte, mit
ansehen zu müssen, wie Draco so liebevoll mit Harry umgeht.",
vermutete Lucius.
"Du bist nicht sauer, weil Draco sich in einen
Jungen verliebt hat?", wollte Severus wissen. "Immerhin ist er
dein einziger Sohn."
"Severus, du weißt doch, dass
Lucius und ich nicht aus Liebe geheiratet haben. Wir haben in der
Zeit unserer Ehe eine sehr gute Freundschaft aufgebaut, ja, aber wir
lieben uns nicht. Deshalb haben wir beide, schon vor Jahren,
beschlossen, dass Draco sich seinen Partner selbst aussuchen darf.
Uns ist egal, ob Junge oder Mädchen, wir wollen nur, dass er
glücklich wird."
"Vor allem, würde es jetzt sowieso
nichts mehr bringen, sich aufzuregen.", meinte Lucius.
"Wie
meinst du das?", wollte Pansy wissen.
"Er ist ein Veela. Sein
Herz wird immer Blaise gehören und sollten sie sich jemals
verlieren, würde er es nicht überleben.", seufzte
Lucius.
Der Blick des älteren Malfoys wurde für ein paar
Sekunden traurig. "Ich wünschte, ich hätte damals so
einen guten Freund gehabt, wie Draco.", meinte er dann und lächelte
Harry an.
"Ihr seid nicht böse mit mir?", fragte dieser
ängstlich. Er hatte sich bei Tom eingekuschelt, der ihn sicher
festhielt.
"Nein, Harry. Wir sind nicht böse. Bleibt nur zu
hoffen, dass die beiden das ganze innerhalb der nächsten Wochen
geregelt kriegen. Sonst verpassen sie den Schulbeginn."
Der
restliche Tag verging recht schnell. Während Harry nicht von
Toms Seite wich, und Pansy bei Harry bleiben wollte, hatten die
anderen Hausbewohner ihre vorherigen Tätigkeiten wieder
aufgenommen.
Bei Blaise und Draco hingegen herrschte noch immer
eisiges Schweigen.
Beide hatten sich mit je einem Buch, das aus
Dracos Schulsachen stammte, auf die Couch zurückgezogen. Der
eine ans rechte, der andere ans linke Ende.
Das Abendessen,
welches wieder auf dem Couchtisch erschien, wurde ebenfalls
schweigend eingenommen.
Erst gegen neun Uhr, brach Blaise das
Schweigen.
"Ähm Draco. Wo soll ich schlafen? Ich meine, du
hast nur ein Bett."
"Das muss dann eben für uns beide
reichen. Groß genug ist es ja.", meinte Draco ruhig.
Innerlich tobte aber ein Kampf. Einerseits hoffte er, dass er keine
Dummheiten machen würde, andererseits wünschte er sich,
dass Blaise heute Nacht etwas anderes mit ihm vorhatte, als zu
schlafen.
Blaise ging es genauso.
Gegen zwölf gingen dann
beide ins Bett. Draco lag so nah wie möglich an der Wand, Blaise
so nah wie möglich an der Kante des Bettes. Der junge Vampir
hoffte nur, das er sich nicht am nächsten Morgen auf dem Boden
wieder finden würde.
Nachdem die Lichter gelöscht waren,
leuchtete nur noch die blaue Schrift an der Tür und tauchte das
Zimmer in ein geheimnisvolles Licht.
Lange Zeit lagen beide noch
wach, sich trotz des Abstandes zwischen ihnen, der Nähe des
anderen bewusst. Doch gegen vier Uhr morgen übermannte beide
doch der Schlaf.
