Meiner super Betaleserin Ida danke ich ganz herzlich fürs Korrigieren!
Allen, die mir freundlicherweise ein Review geschrieben haben, ganz grosses Dankeschön!
Tinschchen: Merci vielmals fürs Reviewen, freut mich, dass es dir gefallen hat. Ja, der Apfel fällt eben nicht weit vom Baum ;-D
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„Könntest du das nochmals singen, Laura?" fragte der Schulleiter geduldig und interessiert. Laura hatte versucht, die Worte einfach so aufzusagen, das war ihr aber schwer gefallen, da sie immer wieder den Faden verloren hatte.
Die anderen Schüler waren alle abgereist, nur Harry und Laura waren noch hier. Harry war im Moment bei seiner Eule Hedwig, die dann die erste Woche bei Laura verbringen würde. Weder Ron noch Hermine waren in diesen Ferien zu Hause. Laura hatte sich so sehr gefreut für Ron, der das erste Mal in die Ferien verreisen würde, nach Ägypten. Hermine war in Frankreich und Emma war zu Hause, da ihre Eltern beide arbeiteten. Aber sie würde sowieso den ganzen Tag Liebesbriefe schreiben.
Laura sang die Strophe nochmals. Sie hatte dieses Lied gewählt, da es eine etwas traurige Melodie hatte und sie dachte, dass das zu einer solchen Geschichte passen würde. Es konnte aber auch sein, dass diese Übung hier für die Katz war, falls doch nichts hinter den Liedern steckte.
Albus Dumbledore konzentrierte sich auf die fremd klingenden Worte, die nicht immer korrekt ausgesprochen wurden von Laura, was das Ganze noch schwieriger machte.
„Es ist von einem dunklen Geist die Rede, der aus einer düsteren, oder... rauhen Hülle und einem blutenden Herz besteht. Dieser Geist befiehlt, das Reh, das zu wilde Reh, zu löschen. Ja... ich denke, dass ein Reh gemeint ist," meinte der ältere Mann nachdenklich. „Sing weiter Laura," bat er und Laura sang die erste Strophe leise vor sich hin, um den Anschluss zu finden und sang dann die zweite Strophe lauter.
„Ich will das Reh nicht löschen, nicht beschädigen, heißt es weiter. Sonst würde auch aus ihm ein Geist aus düsterer Hülle und blutendem Herzen werden."
Laura sang wieder weiter, bei einem Wort war sie sich nicht ganz sicher, aber der Schulleiter konnte es trotzdem in ungefähr übersetzen. „Das Reh trägt ein Junges im Innern und auch das Junge sollte mit dem giftigen Wasser gelöscht werden. Den nächsten Satz verstehe ich nicht ganz, aber ich denke, es bedeutet ungefähr, dass jemand das nicht will. Es will dem bösen Geist nicht gehorchen. Ist das Lied hier zu Ende?" fragte er Laura freundlich.
Diese schüttelte den Kopf und atmete tief ein und aus. Sie musste kurz überlegen und sang dann einen nächsten Teil, den sie aber ausversehen mit einer der vorderen Strophen mischte.
Sie sang nochmals von der dritten Strophe her und konnte sich dann erinnern.
Dumbledore sah Laura an und übersetzte, was er noch verstand aus dem letzten Teil des Liedes. „Ich werde das giftige Wasser vernichten, denn das Reh und sein Kind sollen leben."
Laura sah fragend zu ihrem Vater, der sehr gerade in seinem Stuhl saß. „Geist, Reh?" fragte mit gekräuselter Nase. „Denkst du, das ist das richtige Lied?"
Ihr Dad nickte. „Ja, das denke ich," antwortete er und sah zum Schulleiter. „Vielen Dank, Albus, dass Sie sich die Zeit genommen haben."
Damit stand er auf und Dumbledore nickte ihm lächelnd zu. „Freut mich, wenn ich helfen konnte," antwortete er und erhob sich auch.
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Laura und Harry spielten und planschten ausgelassen im Bach, denn es war ein sehr warmer Tag. Und – es war der erste Ferientag!
Im Schatten einer hohen, alten Tanne saßen Amélie und Severus an einem runden Tischchen und tranken kühlen Pfefferminztee. Sie sahen den Kindern aus der Ferne zu und Severus erzählte, von dem Elfenlied und dessen Übersetzung.
Remus hatte versucht, heute doch noch frei nehmen zu können, aber es war nicht möglich gewesen, da das Personal knapp gewesen war. Aber vielleicht, wenn nicht allzuviel los war im StMungos würde er am Abend etwas früher gehen können und dann würde er auch noch kommen, um Harry zu den Dursleys zu bringen.
„Dann hat Milly also doch einen Weg gefunden, dir eine Antwort zu geben," sagte Amélie nachdenklich. „Zwar ist die Geschichte etwas umschrieben, aber ich bin mir auch sicher, dass es um Rachel und Edna geht."
Snape hatte selbst etwas Mühe gehabt, wirklich glauben zu können, dass seine Vorfahrin so skrupellos hatte sein können. Wahrscheinlich war sie doch nicht mehr ganz bei Sinnen gewesen. Und vermutlich hatte ihre Psyche einen ziemlichen Knacks erlitten durch das Unglück mit Margarida.
Hätte Laura nicht diese Träume gehabt, hätte nie jemand von Rachels Machenschaften erfahren. Aber wie Laura erzählt hatte, hatte Edna ihrer Mutter verziehen und ihm selbst brachte es nichts, sich mit diesem unangenehmen Teil seiner Familiengeschichte zu plagen. Er wollte aber noch den anderen Gang suchen, den es vermutlich geben musste.
Dann würde er die Vergangenheit ruhen lassen und er würde herausfinden, wo Edna begraben lag, damit er mit Laura auch bei dieser Vorfahrin eine Blume aufs Grab pflanzen könnte. Das würde Laura gefallen!
„Ja. Ich frage mich nur, wie es Mimmy geschafft hatte, sich einem direkten Befehl der Meisterin zu widersetzen. Aber auch Hauselfen werden so ihre Methoden und Tricks haben, es sind ja intelligente Wesen," meinte Snape und trank von seinem Tee. Amélie nickte. Da hatte sich die Elfe wohl schon etwas einfallen lassen.
„Hey!" schrie Amélie plötzlich und drehte sich schnell um. Laura hatte sie von hinten umarmt und einen nasskalten, lauten Kuss auf die Wange gedrückt. Sie war patschnass vom Bach. Sofort stand die junge Frau auf und rannte der nun flüchtenden, lachenden Laura hinterher.
Snape lächelte und sah dann den ebenfalls ganz nassen Harry an, der die Szene lachend beobachtete.
Wie der Junge so mit dem nassen Haar dastand und vor sich hin strahlte, erinnerte er ihn an Lily. Er wusste nicht wieso.
Aber er wusste, dass dieses Kind eine schwere Last zu tragen hatte. Irgendwann. Und er würde dafür sorgen, dass er sie nicht alleine tragen musste. Und dass er stark sein würde.
Mit einem 'Platsch' landete Laura im Wasser und Amélie lachte laut, bis Laura aus dem Bach raus gewatet war und wiederum der jungen Frau hinterher raste.
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Harry war es etwas mulmig zu Mute. Er konnte sich vorstellen, dass sein Onkel und seine Tante ziemlich wenig erfreut sein würden, über den Besuch eines Zauberers. Aber wahrscheinlich würde Snape schnell wieder verschwinden und er würde sich in seinem Zimmer verkriechen können.
Natürlich würde er die ganze Zeit Unkraut jäten müssen, aber das störte ihn nicht, außer wenn es total heiß war. Nur diese Blicke, mit denen sie ihn immer betrachteten und wie sie ihn immer absichtlich ignorierten oder über ihn sprachen, als wäre er nicht da, darauf freute er sich nicht. Aber er würde es wohl überleben! Seltsam, dass es nun so schlimm war, zu den Dursleys zurück zu kehren, wenn es doch nur für eine Woche war. Schließlich hatte er Jahre dort verbracht!
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Mit großen Schritten ging Snape durch die Straßen in Richtung Lingusterweg. Harry musste sich ziemlich beeilen, um Schritt halten zu können.
Schade nur, dass Remus nicht hier war, dachten sowohl Harry als auch Severus.
Snape sah sich die säuberlich rausgeputzten Gärten links und rechts an. Auch hatte er bemerkt, wie niedergeschlagen Harry vor der Abreise gewesen war und er sah seinen unbehaglichen Gesichtsausdruck. Es war offensichtlich, von Harrys Art zu gehen, dass es den Jungen nicht zum Lingusterweg zog.
Als sie eben um die Ecke bogen, sahen sie Remus vor dem Haus Nr. 4 stehen. Mit einem breiten Grinsen auf dem Gesicht kam er ihnen entgegen und Harry war sehr glücklich, dass er sich kurz von dem Mann verabschieden konnte, bevor er vom Dursleyhaus verschluckt würde für eine ganze, lange Woche.
„Hab es doch noch geschafft!" lächelte Remus und Harry umarmte ihn kurz und sah zu ihm auf.
Sie begrüßten sich und Remus fragte Snape, ob er den Jungen alleine zu der Familie bringen solle.
Snape sah zum Haus, bei welchem sich gerade der Vorhang bewegt hatte und schüttelte leicht den Kopf. „Nein, Remus. Wenn ich schon mal hier bin, dann möchte ich doch gerne mal Lilys Schwester und ihrem... Ehemann einen kleinen Besuch abstatten." Ein seltsam schadenfrohes Lächeln umspielte seine Lippen und Remus legte Harry die Hand auf die Schulter, während sie die letzten Schritte zum Haus gingen.
Harry sah zu Remus auf, der ihm daraufhin mit der Hand über den Kopf strich. „Es sind nur sieben Tage," versuchte er den Jungen zu trösten. Harry nickte tapfer, straffte sie Schultern etwas und klingelte dann an der Tür. Er hatte nur eine kleine Tasche mit den wichtigsten Kleidern für eine Woche dabei.
Harry zog seine Unterlippe zwischen seine Zähne, als lange Zeit nicht geöffnet wurde. Auch Snape wunderte sich darüber, denn er wusste, dass Petunia sie schon gesehen hatte.
Harry sah zu Remus hinauf, der leicht die Schultern zuckte. Snape streckte den Arm aus und klingelte mehrmals hintereinander.
Endlich hörte man Getrampel von innen und die Tür wurde aufgerissen. Ein rosaroter, runder Junge stand in der Tür und Snape musterte den plumpen Dudley, der ihn etwas an Goyle erinnerte. Seine kleinen Schweinsäuglein musterten die drei Leute und blieben dann bei Harry hängen.
„Hi!" sagte Harry leise und auch ein wenig verlegen.
„Mum! Dad!" rief Dudley laut und schon erschien neben dem Baby Hippo ein wirkliches Walross von einem Mann. Sein schwabbeliges Doppelkinn wackelte bei jedem watschelnden Schritt, den Dursley senior machte und die runden Wangen färbten sich noch röter als ein Granatapfel, als er die drei Personen ansah.
Harry würdigte er keines Blickes und Snape fragte kühl: "Müssen wir hier vor der Tür stehen bleiben, Dursley, oder besitzen Sie ein winziges bisschen Anstand und bitten uns hinein?"
„Verschwinden Sie hier!" sagte dieser mit nun hochrotem Kopf. "Reicht es nicht, dass uns der Bengel eine Woche lang auf der Pelle sitzt?" Nun sah er abschätzig zu Harry, der etwas näher zu Remus rückte. „Komm rein!" sagte er , als sei Harry ein schleimiger Wurm, den er in seinem Hause dulden musste.
Harry trat ein, aber nur, weil Snape und Remus es auch taten. „Harry, zeig mir doch mal dein Zimmer," schlug Remus sofort vor, worauf Harry ihn fragend ansah. Da gab es wohl nicht viel zu zeigen, dachte er. Bestimmt war es wieder vollgestopft von Dudleys Dingen, für die er keine Verwendung mehr hatte. Er würde sich glücklich schätzen können, wenn er auf dem Bett Platz finden würde. Wahrscheinlich würde er erst umräumen müssen.
Ein bisschen schämte er sich, Remus zu zeigen, wie er hier lebte. Er hatte keine Ahnung, wieso ihm das peinlich war, aber wahrscheinlich, weil er sich so klein und wertlos vorkam dabei. Genauso, wie er sich hier immer gefühlt hatte.
Mit einem Seitenblick zu seinem Onkel, der sich schützend vor Dudley gestellt hatte, führte er Remus die Treppe hinauf.
„Wir unterhalten uns im Wohnzimmer, Dursley!" sagte Snape bestimmt.
Nun plusterte sich der schwergewichtige Mann auf wie ein Truthahn und empörte sich: "Verlassen Sie dieses Haus, aber sofort, sonst...!"
Snape trat einen Schritt auf Vernon zu und sah mit tödlichem Blick auf ihn herab. „Ja, was sonst, Dursley?" fragte er gefährlich leise. Der Mann verstummte und versuchte vergeblich, nicht eingeschüchtert zu wirken.
„Duddy!" quickte nun eine Frauenstimme und Snapes Blick wechselte sofort zu der hageren Frau, die in der Wohnzimmertür stand.
„Petunia!" sagte Snape und trat einen Schritt auf sie zu. „Du kannst dich gleich mit unterhalten."
Dursleys Schnurrbart zitterte aufgeregt und er richtete sich wieder gerade auf, nun, da der große, dunkle Mann nicht mehr so nahe über ihn gerichtet stand.
„Petunia, kennst du den?" fragte er verwirrt. Die Frau musterte den Mann vor sich einen Moment, sah dabei auch etwas verängstigt aus, dann schien der Groschen zu fallen.
„Du!" sagte sie anklagend. „Du bist der, der meine Schwester mit diesem... diesem Magieschwachsinn angesteckt hat!"
„Magie ist nicht ansteckend, Petunia," antwortete Snape kühl.
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Steif saßen Petunia und Vernon auf dem Sofa im Wohnzimmer und Snape hatte sich in einen Armsessel den Leuten gegenüber gesetzt. „Der Junge soll raus!" sagte Snape knapp und sah erst Vernon an, dann, als dieser nicht sofort reagierte, wandte er sich an Dudley, der verängstigt, aber trotzdem neugierig hinter dem Sofa rumlungerte.
„Raus!" befahl Snape kurz und Dudley sprang beinahe in die Luft. Dann sah er hilfesuchend zu seinen Eltern. Er schien es nicht gewohnt zu sein, einer Anordnung zu gehorchen.
Snape gab dem Jungen einen durchdringenden Blick , der nun eingeschüchtert näher zu seiner Mutter trat und Petunia säuselte: "Duddykins, geh bitte kurz aus dem Raum, danach bekommst du ein extragroßes Eis." Es gelang ihr nicht wirklich, den verkrampften, ängstlichen Ton in ihrer Stimme zu überspielen.
„Ich will kein Eis, ich hatte eben eins," protestierte der fette Junge automatisch und in dem Moment zwickte ihn etwas gehörig in den Hintern, sodass er einen Satz in die Luft machte. Mit einem erschrockenen Schrei rannte er, so schnell ihn seine überlasteten Füße trugen aus dem Raum. Das Erlebnis mit dem Schweineschwänzchen hatte er natürlich nicht vergessen.
„Wagen Sie es nicht, meinem Jungen Leid anzutun!" entrüstete sich nun Vernon, der sich trotz des Respekts und der Angst, die er vor dem Zauberer hatte, schlecht zurückhalten konnte.
Snape wandte ihm den Blick zu. Einen vernichtenden Blick, der Vernon einen Schauer über den Rücken jagte.
„Du hast es gewagt, einem anderen Jungen zehn Jahre lang Leid anzutun. Also sag mir nicht, was ich tun soll."
Er machte eine lange Pause und fixierte Vernon dabei mit seinen dunklen Augen. Dann sprach er ernst weiter und der stark übergewichtige Mann wurde etwas blasser um die Nase. "Du hörst mir jetzt gut zu, Dursley, und auch du, Petunia. Ich werde Harry in genau einer Woche wieder hier abholen und ich werde wissen, wie ihr euch ihm gegenüber verhalten habt."
Stotternd begann nun Vernon zu sprechen, diesmal in viel freundlicherem Ton. „Verstehen Sie, Sir, dieser Be... Junge wurde uns auferlegt. Obwohl wir uns um unseren eigenen Sohn kümmern mussten, haben wir uns dem Jungen angenommen und ihm von unseren Speisen gegeben, ihm Kleider gegeben und... ein Dach über dem Kopf. Glauben Sie mir, dieser Junge war eine Belastung und er hat uns sehr viele Nerven gekostet."
Das glaubte Snape sogar sofort! Harry hatte nicht nur die Dursleys einige Nerven gekostet!
Doch er antwortete scharf: „Sei still, Dursley! Ich weiß genau, wie ihr den Jungen behandelt habt und wie sehr ihr euren eigenen, verzogenen Bengel bevorzugt habt, also erzähl mir nicht wie gütig ihr wart. Für die Speisen und Kleider bekommt ihr monatlich einen stattlichen Betrag, den ihr aber anscheinend nie für Harry ausgegeben habt."
Snape sah ziemlich gefährlich aus und Petunia sagte kein Wort und wurde immer kleiner, indem sie sich immer mehr in die Kissen des Sofas hinein drückte.
„Leider habe ich nicht schon vorher gewusst, wie ihr euren eigenen Neffen behandelt, denn glaubt mir, ich hätte euch längst einen Besuch abgestattet!"
Dass das wirklich der Fall gewesen wäre, bezweifelte Snape zwar, aber das mussten die beiden ja nicht wissen.
Bevor er Harry persönlich gekannt hatte, war er überzeugt gewesen, dass der Junge mindestens ebenso eitel und eingebildet war wie sein Vater und sowieso hatte er sich nicht für das Wohlergehen des berühmten Jungen-der-lebt interessiert.
Vernon blinzelte unsicher und wusste nicht recht, ob er darauf etwas erwidern sollte. „Der Junge hat uns oft in Verlegenheit gebracht, mit seiner Abartigkeit!" versuchte er sich zu rechtfertigen, aber Snape sprach schon weiter.
„Sei gewarnt, Dursley und benimm dich! Solltest du vorhaben, dem Jungen das Leben schwer zu machen, könnte dein Leben in Zukunft etwas umständlicher werden. Denn ich werde sehr unzufrieden sein, wenn Harry sich beschweren muss und deine Ähnlichkeit zu einem Walross wird noch frappanter sein, als sie ohnehin schon ist."
Mit diesen Worten stand er auf. Petunia und Vernon waren in die Kissen des Sofas zurück gewichen und sahen ziemlich blass aus.
„Mum!" hörten sie Dudley von oben her schreien und Petunia zuckte erschrocken zusammen.
Noch einen mahnenden Blick gab Snape den beiden Leuten, die sich die letzten Jahre so schäbig um Lilys Sohn gekümmert hatten und verließ dann ohne weiteres Wort den Raum. Wenn es nach ihm gegangen wäre, hätte dieser verwöhnte Balg, der im oberen Stockwerk rumschrie eine ordentliche Abreibung verdient. Und die unvernünftigen Eltern ebenfalls.
Petunia, der die Schweinchenschwanzgeschichte ihres Sohnes auch noch in sehr lebhafter Erinnerung war, stand nun auch zögernd auf und wollte nachsehen, was ihren Duddykins wohl so aufregte, oder ob er gar in Gefahr war.
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„Das ist dein Zimmer?" fragte Remus etwas ungläubig, als er den kleinen, vollgestopften Raum betreten hatte, in dem ein altes Bett, ein Kleiderschrank und ein Holzschreibtisch stand. Außerdem lagen diverse kaputte Apparate und kleinere Geräte herum, die scheinbar unachtsam hier hinein geworfen worden waren.
Niemand schien sich die Mühe gemacht zu haben, das Zimmer etwas her zu richten für Harry. Remus fiel auch auf, dass keine Dinge hier zu sein schienen, die Harry gehörten.
Harry nickte und sah sich etwas hilflos in dem Zimmer um. „Besser, als der Schrank ist es jedenfalls," sagte er, bevor ihm bewusst wurde, dass er Remus nie erzählt hatte, dass er in einem Schrank unter der Treppe hatte schlafen müssen während seiner ersten Lebensjahre.
Schnell versuchte er, mit etwas anderem von seiner rausgerutschten Aussage abzulenken. Nur fiel ihm absolut nichts ein, was er sagen könnte. Denn es war nichts hier, über das er etwas hätte sagen können.
„Ehmm... das Bett quietscht etwas... aber sonst ist es okay," nuschelte er und legte seine Tasche aufs Bett, das noch nicht einmal bezogen worden war.
„Welcher Schrank?" wollte Remus sofort ernst wissen. Er sah den Schrank an, der im Zimmer stand und dessen Tür offen stand.
Harry blinzelte. „Eh... die Tür ist kaputt. Sollte sie längst mal reparieren..."
Remus setzte sich zu Harry aufs Bett. Es war ja wohl nicht die Sache eines Kindes, einen kaputten Schrank zu reparieren!
„Dieser Plunder gehört wohl nicht dir," vermutete er und Harry schüttelte den Kopf.
„Nein, das ist Dudleys Schrott. Die hatten wohl keine Zeit, das Zeug zu entsorgen," sagte er schulterzuckend.
Remus sah die kaputten Dinge kopfschüttelnd an. Wie konnte man nur soviel Gerümpel aufbewahren. Harrys Zimmer glich einer Abstellkammer, einem Schrotthaufen.
Remus öffnete die Tür und ließ einen kaputten Apparat nach dem andern in den Gang hinaus gleiten.
Harry wusste nicht, ob er lachen sollte, oder ob er Remus bitten sollte, das besser nicht zu tun. Remus würde ja nachher gehen und er müsste alles alleine ausbaden. Onkel Vernon würde außer sich sein vor Wut!
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Als Remus mit Harry wieder die Treppe hinunter stieg, kam Dudley gerade aus dem Wohnzimmer und schloss wütend die Tür.
Eben wollte er etwas zu Harry sagen, als er Remus entdeckte, der hinter Harry die Treppe hinunter kam. Mit roten Ohren ging er an den beiden Zauberern vorbei und eilte, für seine Verhältnisse schnell an den beiden vorbei und stampfte geräuschvoll die Treppe hinauf.
Remus fragte sich, was Severus wohl genau besprach, mit den Leuten. Er wusste, dass er Lilys Schwester als Kind gekannt hatte.
„Mum!" schrie Dudley, als er oben war.
Die Wohnzimmertür ging auf und Snape erschien mit blankem Gesichtsausdruck. Hinter ihm Petunia, die besorgt umherblickte.
„Duddy!" rief sie sofort. Sie ging rasch, mit soviel Abstand wie möglich, an den Zauberern vorbei, zu ihrem Sohn.
Snape ging auf Remus und Harry zu. „Wir verabschieden uns draußen," schlug Remus vor und Snape nickte.
Harry blickte zu Remus auf und war sehr froh, dass er sich nicht vor seinen Verwandten verabschieden musste.
Oben schien Dudley einen gröberen Wutausbruch zu erleiden. „Der schmeißt einfach meine Sachen raus! Mum, ich will, dass der wieder in seinem Schrank schläft!" forderte er lautstark.
Snape juckte es in der Hand und er hätte dem Jungen gerne einen unangenehmen Fluch aufgehalst. So ein verzogener Bengel, dachte er.
Remus aber war stehen geblieben und war hellhörig geworden. „Was für ein Schrank?" fragte er zum zweitenmal innerhalb weniger Minuten und sah erst Harry an, dann Vernon, der mit wutverzerrtem Gesicht im Türrahmen zum Wohnzimmer stand.
„Welcher Schrank?" fragte Remus nochmals, diesmal lauter und deutlicher und Snape fragte sich, was Remus damit meinte. Was Dudley mit 'im Schrank schlafen' meinte, wusste er nicht. Der meinte doch nicht etwa Harry?
Vernon fummelte nervös an seiner Krawatte herum und Harry hatte die Augen gesenkt. Zögernd zeigte er dann auf den Schrank unter der Treppe, einige Meter hinter ihnen.
Sofort ging Remus zurück und öffnete ohne zu zögern den Schrank. 'Harry' stand auf der Innenseite der Tür in sehr kindlicher Schrift. Einige Zeichnungen waren daneben gekritzelt.
Remus sah Vernon fragend und wütend an. „Sag, dass das nicht wahr ist, Dursley!" sagte er in untypisch tödlicher Stimme.
Seine sonst so freundlichen Augen blickten beängstigend auf den dicken Mann hinunter. Snape trat rasch näher, blickte in den kleinen, dunklen Raum hinein und leuchtete mit dem Zauberstab. Mehrere Zeichnungen verzierten die düstere, ungemütliche Besenkammer. Klar stammten einige davon von einem kleinen Kind, während andere präziser gezeichnet waren.
Er konnte es nicht fassen und bei Remus schien das auch der Fall zu sein, denn er hatte zu Snapes Erstaunen den Zauberstab auf eines der vielen Doppelkinns von Vernon gerichtet. Dieser sah nun jämmerlich verängstigt aus und er jammerte: " Sie... Sie müssen verstehen... wir hatten nicht genügend Platz... und wir hatten ja Dudley..."
„Sei still!" sagte Remus leise und gefährlich. „Dein Sohn braucht zwei Zimmer, während Harry in einem Schrank lebt? Du bist sowas von widerwärtig!" spie er abschätzig und genau so sah er ihn an.
Snape und Harry blieb beinahe der Mund offen stehen. Beide hatten Remus noch nie auch nur annähernd so erlebt.
„Für einmal kannst du froh sein, dass dein Neffe hier ist, Dursley. Denn glaube mir, wäre er es nicht, würdest du jetzt ziemlich alt aussehen!"
Sein Zauberstab war immer noch auf den fetten Hals gerichtet und seine Augen sahen viel dunkler und unheimlicher aus, als sonst. Vernons Kinn schwabbelte, als der Mann stotternd zu reden begann.
„Ich... rufe die Polizei, wenn sie dieses Ding nicht weg nehmen!" drohte er und Harry hätte beinahe lachen müssen.
„So so," sagte Remus amüsiert, obwohl ihm nicht so zumute war. „Na, was willst du denen denn erzählen? Dass dich zwei Zauberer mit den Zauberstäben bedrohen und dir Schweinsöhrchen anhexen wollen? Nein, Dursley, du bist noch naiver, als ich gedacht habe!"
Remus machte eine Pause. „Du wirst Harrys Zimmer tiptop einrichten. Ein anderes Bett hinein stellen, ein neues, das du gefälligst sauber beziehst. Einen anständigen, neuen Schrank und einen richtigen, neuen Schreibtisch, auf dem er genügend Platz hat. Dann gehst du mit ihm einkaufen und er sucht sich drei verschiedene Dinge aus, die er haben möchte. Egal, was für welche. Du hast Zeit, bis morgen Abend. Ich werde hier vorbei schauen und wenn nicht alles so ist, wie ich aufgetragen habe, dann Dursley, lernst du mich kennen und du wirst erleben, zu was ich fähig bin."
Damit drehte sich Remus um und führte Harry an der Schulter zur Tür. Vernon sagte kein Wort und sah den Zauberern einfach nur nach.
Remus drehte sich noch einmal um. „Und... krümme Harry ein einziges Haar und du wirst es nicht überleben."
Selbst Harry nahm ihm das ab, so ernst und selbstsicher hatte Remus gesprochen. Harry war so stolz, obwohl er sich vorhin geschämt hatte, wegen des Schranks. Eigentlich hatte er nicht gewollt, dass das jemand wusste. Jedenfalls niemand Erwachsenes. Aber nun war er glücklich, dass Remus sich so für ihn einsetzte.
Er wusste genau, dass sich Onkel Vernon daran halten würde, denn er hatte eine riesen Angst vor der Magie.
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Harry lag auf seinem Bett, das immer noch keine Bettwäsche trug. Es war ihm egal. Er hätte auch gar kein anderes Bett gebraucht, denn sein Inneres war so rundum glücklich und er hatte beinahe das Gefühl als leuchte er von innen heraus. Remus so gesehen zu haben, seinetwegen! Das war schon etwas ganz Besonderes.
Dass sich Remus derart aufregen würde, wegen des Schranks unter der Treppe, hätte er nicht gedacht. Für ihn war es normal gewesen, von klein an. Und Harry wusste, dass es viele Menschen auf dieser Welt gab, die viel elender leben mussten. Er hatte ja nie wirklich leiden müssen.
Klar war er manchmal hungrig gewesen und klar war ihm manchmal schlecht gewesen, weil er gar nichts im Magen gehabt hatte. Manchmal hatte er sich deswegen nicht konzentrieren können in der Schule. Aber dann hatte er immer an die Kinder in anderen Ländern gedacht, die auf der Müllhalde nach ein paar verfaulten Krümeln suchten.
Manchmal hatte er aber auch an Dudley gedacht, der essen konnte, soviel er wollte. Manchmal hatte er sich nicht zurückhalten können, die Ungerechtigkeit mit Worten auszudrücken, bis er gelernt hatte, dass das nur Nachteile hatte für ihn. Dass immer er an allem Schuld sein musste, hatte er mit der Zeit auch einfach geschluckt oder die Ohren auf Durchzug gestellt.
Er hörte, wie Onkel Vernon unten tobte vor Wut und Petunia Vorwürfe machte. Dudley spielte im Zimmer nebenan lautstarke Computerspiele und grölte hin und wieder triumphierend.
Harry überlegte, was er sich aussuchen würde, wenn Vernon wirklich mit ihm einkaufen ging. Irgendwie war das für ihn ein Ding der Unmöglichkeit. Viele Male war Harry dabei gewesen, wenn Dudley sich Dinge hatte aussuchen dürfen. Dann hatte sein Onkel ihm immer prüfende Blicke gegeben und scheinbar darauf gewartet, dass Harry protestieren würde und auch etwas wollte. Doch diesen Gefallen hatte er ihm nicht gemacht.
Er hatte immer besonders gleichgültig geguckt. Aber diesmal war er an der Reihe und Onkel Vernon würde das gar nicht gefallen.
Harry dachte, dass er etwas ganz Teures aussuchen würde, damit es so richtig weh tat. Viele Ideen hatte er schon durchgespielt, aber alle wieder über Bord geworfen. Nein, wenn er schon etwas haben könnte, was ihm die Zeit hier verkürzen und angenehmer gestalten würde, dann würde er sich gut überlegen, was er wollte.
Klar war für Harry jetzt, dass er eine große Farbschachtel wollte, mit ganz vielen verschiedenen Farben. Dann könnte er wenigstens malen, da verging die Zeit immer schnell. Und er wusste, dass auch Laura gerne malte, da könnten sie sich nächste Woche in diesem Bereich ausleben.
Einen Fernseher vielleicht, dachte Harry. Aber, das würde wohl Remus nicht sehr gefallen, er hatte sich nicht so positiv geäußert, dazu, konnte sich Harry erinnern. Aber gegen einen Radio würde Remus nichts haben und das könnte er leicht mitnehmen. Ja, das war eine gute Idee. Noch etwas Drittes... genau, ein Fahrrad. Immer hatte er von einem Fahrrad geträumt. Besonders, wenn Dudley wieder ein neues bekommen hatte und er selbst vergebens gehofft hatte, das Alte abzubekommen.
Natürlich war das nicht dasselbe wie fliegen, aber es war bestimmt herrlich Fahrrad zu fahren. Ob er das überhaupt konnte?
Harry grinste, als er zur Decke starrte. Er griff in seine Hosentasche, wo es leise knisterte. Sein Grinsen wurde noch breiter und er zog ein paar Bonbons heraus. Weasley Bonbons. Da die Zwillinge wieder einmal ein Versuchskaninchen brauchten, hatte er großzügigerweise seinen Cousin zur Verfügung gestellt. Dem würde er die Sachen schon füttern und dann konnte er die Reaktion beobachten und den Jungen dann Bericht erstatten.
Das würde lustig werden und Dudley war so verfressen, dass er garantiert anbeißen würde. Dudley hatte ihn all die Jahre so gerne und häufig geplagt, dass er sich auf die kleine Racheaktion sehr freute.
TBC...Review?
