Kapitel 34

Das Gegenwärtige

Robin saß am Krankenbett seines Sohnes und hatte jegliches Gefühl von Zeit verloren. Er wusste nicht mehr genau, wann die Minuten sich in Stunden verwandelt hatten und diese zu Tagen wurden. Tagen, an denen sich Rolands Zustand nicht verändert hatte. Besucher kamen und gingen, doch der Junge blieb teilnahmslos. Regina hatte Roland nur ein einziges Mal besucht. Sie war mit Henry erschienen. Der Junge wollte seinen Freund besuchen und seine Mutter hatte seine Anwesenheit genutzt, um Robin die negativen Ergebnisse ihrer Suche mitzuteilen. Es war, als wenn dieses Wesen, das seinem Sohn die Seele geraubt hatte, nicht existent wäre. So sehr er sich auch wünschte, dieses Monster zu erwischen, so konnte er sich kaum aus diesem Zimmer entfernen. Für ihn war es, als würde alles was jemals den Weg in sein Herz gefunden hatte, vor seinen Augen zerrinnen. Oft las Robin ihm vor, weil er glaubte, dass Roland, wo immer sein Verstand auch im Moment verweilte, ihn doch verstehen konnte; dass der Junge verstand, nur nicht reagieren konnte. Auch jetzt saß er in dem Stuhl und las aus einem alten Kinderbuch, das er als eines von Henrys Geschenken erkannte, als ein Klopfen seine Konzentration störte. Er schaute zur Tür und erwartete Ruth, obwohl er es mittlerweile besser wissen musste, doch als er Baileys Gestalt erkannte, schaffte er ein müdes Lächeln.

„Hey.", machte sie liebevoll und zog sich einen Stuhl ans Bett, um ihren alten Körper darauf zu setzen. Ihre Hand ging an Rolands und streichelte sie zärtlich, während sie sprach:
„Hi Schätzchen, ich bin wieder da und wie versprochen, hab ich dir heute dein altes Lieblingsbuch mitgebracht. Ich hab es in der Bibliothek gefunden." Sie zog ein Buch aus ihrer Tasche und platzierte es auf ihren Schoß.
„Wenn dein Dad endlich mal nach Hause fährt und schläft, werd ich dir daraus vorlesen."

Robins Mundwinkel verzogen sich haucheben nach oben, als er Baileys Versuch bemerkte, ihn endlich für ein paar Stunden aus dem Krankenhaus zu bekommen.

„Du darfst auch gerne lesen, wenn ich dabei bin", sagte er gähnend und strich sich mit der Hand durch das Haar.

Bailey öffnete ihren Mund, um etwas zu sagen, zögerte jedoch einen Moment und fragte schließlich:

„Wie geht es ihm heute?"

Robin zuckte mit seinen Achseln.

„Dem Umständen entsprechend, denke ich. Es ist wenigstens nicht schlimmer geworden."

Noch schlimmer wäre der Tod ... ja ... aber was ist das da jetzt?

Er vernahm Baileys geräuschvollen Atemzug und legte seine Hand auf ihren Unterarm. „Er lebt, Bailey und wir werden wissen, wer das war und wie wir es wieder rückgängig machen, okay?"

Die alte Frau legte ihre Hand auf die seine und nickte.
„Genau, wir geben die Hoffnung nicht auf. Gibt es denn Neuigkeiten?"

Robin schüttelte seinen Kopf und brauchte nichts weiter sagen, da die Alte weiter redete.

„Ich hab gehört, dass du Johns Angebot ausgeschlagen hast, hier Wache zu halten. Ich weiß, dass du Roland nicht allein lassen willst, aber du musst auch ein bisschen ruhen, mein Junge."

Robin lauschte ihrer mütterlichen Sorge, ehe er erwiderte:

„Ich kann ihn nicht nochmal allein lassen. Er wollte die ganze Zeit nicht bei Ruth bleiben und ich hab ihn dort gelassen." Die Selbstvorwürfe, die ihn quälten, standen ihm ins Gesicht geschrieben, so dass Bailey ihren schmächtigen Körper zur Seite bewegte und gegen Robin lehnte.
„Es ist nicht deine Schuld." Die Nähe und die damit verbundene Wärme erreichte einen Teil in seinem Innern, der sich so sehr nach dieser Art der Geborgenheit sehnte. Robins Augen verwässerten sich, als er die Gedanken, die ihn seit Ruths Erscheinen quälten, endlich jemandem offenbarte.
„Eigentlich sollte meine Verlobte hier sitzen. Ich sollte ihr so sehr vertrauen, dass ich sie hier mit meinen Sohn allein lassen kann, damit ich dieses Monster finden und jagen kann, aber weißt du was sie getan hat?"

Bailey schüttelte kurz den Kopf und wartete darauf, dass er fortfuhr.
„Sie hat mir eine Szene gemacht, weil ich Regina um Hilfe gebeten habe. Eine Szene, weil ich nach jedem Strohhalm greife, kannst du dir das vorstellen? Sie hatte nur daran gedacht, dass ich mit Regina rede, aber dass es hier um das Leben meines Sohnes geht, daran hat sie nicht einen Gedanken verschwendet. Ruth war einmal hier. Ein einziges Mal und wollte mir nur den Kleinen bringen." Robin verstummte, als müsste er die nächsten Worte sorgfältig abwägen, als suchte er nach Worten, die ihn nicht zwangen seine Rechtschaffenheit zu verwerfen. Bailey begann seine Hand zu kneten und suchte den Blick in sein Gesicht.

„Ich versteh das nicht Bailey. Wie kann sie meinen Ring tragen? Wie kann sie mir einen Sohn geschenkt haben, wenn alles was ich fühle, wenn ich an sie denke, nur Wut ist?" Er legte seine Stirn an ihre Schulter und sprach weiter.

„Du weißt was mir dieser Ring bedeutet. Ihn an ihrem Finger zu sehen, fühlt sich so falsch an. Alles fühlt sich so falsch an, seit ich hier erwacht bin."

Schweigen stieg zwischen den beiden auf und hüllte den Raum in eine angenehme Stille. Er verlangte nicht danach, dass die alte Wirtin eine Antwort für ihn hatte. Es auszusprechen, was so lange in seinen Gedanken kreiste, war Hilfe genug, doch da ergriff Bailey das Wort.

„Ich liebe dich, wie den Sohn, den ich nie hatte, mein Junge. Das weißt du. Und wenn ich eine Antwort darauf hätte, würde ich sie dir sofort geben, aber die habe ich nicht. Das Einzige, das ich dir geben kann, das ist Bestätigung. Alles fühlt sich falsch an-" Plötzlich löste sie ihre Hand von der seinen und legte sie an seine Wange, um ihn zu streicheln. Sie schluckte einmal und redete dann weiter.
„-außer dein Lächeln in den letzten Wochen."

Robin wusste schlagartig wovon die alte Frau sprach. Sie kannte ihn besser, als er sich selbst. Er war dankbar dafür, dass sie die Wahrheit aussprach, ohne sie zu benennen, ohne ihr den Namen zu geben, der ihn bei Tag und Nacht verfolgte. Er schloss seine Augen und lehnte sich in ihre Berührung.

„Ich weiß, aber der Kleine...und der Ring."

„Hab ich dir gar nichts beigebracht?", erklang ihre Stimme fast schon forsch.
„Immer erst ein Problem nach dem anderen. Jetzt kümmern wir uns erst Mal um Roland, damit unser Junge bald wieder gesund ist und dann sehen wir weiter."

Ihre Lippen fanden ihr Ziel an seiner Stirn und lösten sich nach einigen Augenblicken wieder, um in sein Gesicht zu blicken. Robins Blick verlor sich in einer Unendlichkeit, die er selbst nicht zu greifen bekam.

Sie kam zu mir an dem Tag, weil sie uns eine echte Chance geben wollte...und dann...

Bailey schenkte dem einstigen Räuber ein gutmütiges Lächeln, ehe Strenge sich in ihrer Stimme widerspiegelte.
„Und du, Robert Locksley, wirst jetzt diesen Raum verlassen, dir was Anständiges zu Essen gönnen, ich glaub bei Granny ist heute Braten im Angebot und dann gehst du nach Hause und schläfst und ich werde hier bleiben und meinem kleinen Schätzchen Gesellschaft leisten."

„Bailey, das-", versuchte Robin ihr Angebot abzuwehren, doch Bailey gab nicht nach.

„Ich dulde keinerlei Widerrede, oder vertraust du mir nicht?"

Mit diesen Worten konnte der aschblonde Mann nicht anders, als einzulenken. Er nickte ergeben, legte das Buch, das er die ganze Zeit in seinen Händen gehalten hatte, auf den bewegbaren Beistelltisch und erhob sich.
„Du bist unmöglich, das weißt du?"

„Oh ja, anders kann man dich auch nicht im Zaum halten, mein Junge." Robin schaffte ein ehrliches, wenn auch nicht sehr ausgeprägtes Lächeln und beugte sich zu Roland. Er hauchte ihm einen Kuss auf die Stirn und verabschiedete sich von ihm.

„Bailey bleibt bei dir, also sei schön brav, mein kleiner Sauhund."

Danach wandte er sich der alten Frau zu, beugte sich auch zu ihr hinunter und drückte ihrem weißen Schopf einen Kuss auf."
„Danke Bailey."

„Immer wieder gern. Und jetzt verschwinde! Mein Schätzchen und ich wollen heute noch ein paar Kapitel schaffen." Sie hob das Buch von ihrem Schoß und machte eine Husch Husch Bewegung, woraufhin Robin endlich das Krankenzimmer verließ.


Das Verlorene

Regina hob ihren Blick und schaute direkt in Silas Gesicht. Flammen warfen Schatten auf dieses, wanden sich über die Pockennarben, wie Schlangen in einer Grube. Seine Augen funkelten im Schein des Feuers, doch keinerlei Wärme war in ihnen beheimatet. Augenblicklich beschleunigte sich Reginas Atmung, als sie beobachtete, wie der Mann seinen Gürtel öffnete. Klauen der Angst packten nach ihren Innereien und zerquetschten sie. Wie von der Tarantel gestochen rutschte sie über den Boden zurück. Ihre zusammengebundenen Hände, schützend vor sich. Adrenalin strömte durch ihre Adern und vertrieb für den Moment jegliches Gefühl der Schmerzen, die ihren Körper quälten. Ihre Augen bewegten sich unruhig in ihren Höhlen, suchten nach einem Ausweg, einem Weg zur Flucht, doch ihr Verstand arbeitete nicht mit. Das dreckige Lachen der beiden anderen Männer drang in ihr Ohr und lösten eine Emotionsgewalt in ihr aus, welche sie kaum ertragen konnte. Wie ein verletztes Tier schlitterte sie mit ihren Füßen über den Boden und wirbelte Staub auf. Ihr Herz raste, schlug wie die Trommel eines Henkers.

Nein nein nein nein nein nein nein

Es schrie in ihrem Kopf. Silas ging gemächlich immer einen Schritt weiter auf sie zu. Der Gürtel war bereits geöffnet und seine schwieligen dicken Finger öffneten die Knöpfe seiner Hose. Auf seinen dünnen Lippen lag ein verzerrtes Grinsen, ein Nachweis seiner Verachtung ihr gegenüber. Schwerfällig drehte sie sich auf den Bauch und betete zu allen höheren Mächten, dass der Mann nicht plötzlich auf sie sprang, denn dann wäre sie verloren, doch sie musste es auf die Knie schaffen, damit sie sich endlich erheben und fliehen konnte. Sie spürte seinen gierigen Blick, seinen lauten Atem, der aus seinen Lippen floss. Auch seine beiden Kumpanen hatten sich mittlerweile erhoben und labten sich an ihrem Entsetzen. Endlich hatte sie es auf die Knie geschafft und versuchte sich gerade aufzustellen, doch da riss ihr Kopf unter stechenden Schmerzen zurück.
„Ouuch ..."

Silas hielt ihr Haar in seinen Fingern und zog so fest daran, dass ihr Rücken durchbog. Reginas Hände klammerten sich an seinen Handgelenken, um den Druck von ihrer Kopfhaut zu nehmen, doch sein Griff war unerschütterlich. Ohne großen Kraftaufwand drehte er sie und schaute ihr ins Gesicht.
„Wo willst du hin, Schätzchen? Wir wollen doch nicht abhauen, ohne zu bezahlen."

Seine Stimme klang wie gestoßenes Eis und ließ Regina frösteln. Sie kannte den Ausdruck in seinen Augen; kannte die Niedertracht, die hinter dem Sturmgrau waberte.
„Nein ... bitte ...", flehte sie weinerlich und verteufelte die Schwachheit ihrer Stimme. Als Antwort bekam sie eine Ohrfeige.
„Ich sagte dir, du sollst endlich deine Klappe halten!"

Die Wucht ließ ihren Kopf zurückschnellen, doch Silas hielt noch immer ihr Haar fest,so dass der Schmerz sich verdoppelte. Für einen Moment verdrängte die Pein, die Furcht . Sie ballte ihre Hand zur Faust und schlug auf den großen Mann ein. Blindlinks versuchte sie sein Gesicht zu treffen, doch es misslang ihr, bis sie einen ordentlichen Schlag in seinen Magen landete. Sofort ließ er von ihr und fluchte laut. Die Wut, die sie bereits in seinen Augen erkennen konnte, stieg zu einer wilden Raserei an. Bevor sie losrennen konnte, machte er einen großen Satz und drängte sie zu Boden. Regina wand sich unter seinem Gewicht. Ihre Finger fanden ihr Ziel in seinem Gesicht. Sie versenkte ihre Nägel in seine Haut und kratzte, während sie versucht ihr Knie anzuwinkeln und irgendwo in seinem Körper zu versenken, damit er endlich von ihr abließ. Wieder konnte sie seine Faust in ihrem Gesicht spüren, sein eigenes Knie in ihrem Magen. Seine Hände fassten ihren Hals und drückten zu; schnürte ihr die Luft zu, ehe er sich etwas von ihr löste und sie wie einen nassen Sack einfach umdrehte. Regina schrie und bewegte ihren Körper, als sei sie ein wildgewordener Stier, der versuchte seinen Reiter abzuwerfen, doch da krallte er sich über ihre Kopfhaut in ihr Haar und zog ihren Kopf soweit zurück, dass sie kaum noch Luft bekam.
„Widerspenstige Stute …"

Tränen rannen über ihre Wangen, als seine andere Hand ihr Kleid bereits hoch raffte. Furcht erfüllte ihr ganzes Denken und als sie merkte, dass er wieder etwas von ihr lassen musste, um seine Hose runter zuziehen, bäumte sie sich abermals auf, um ihrem Schicksal zu entfliehen. Regina schluchzte auf und versuchte auf allen Vieren von ihm weg zu krabbeln, sein plötzliches Auflachen jedoch ließ sie schlussendlich verstehen. Sie hatte keine Chance, das Spiel hier gehörte bereits zu der Demütigung, die er ihr zukommen lassen wollte. Silas erhob sich. Seine Hose in den Kniekehlen und seine Männlichkeit bereits gehärtet.

„Genug gespielt, haltet sie fest!"

„NEEEEIIIIIIN!"

Regina war noch auf allen Vieren, als die beiden anderen zu ihr stürzten und sie auf den Rücken drängten. Einer von ihnen zog an ihren verbundenen Händen und streckte ihre Arme schmerzvoll über ihren Kopf, um sie festzuhalten. Ein letztes Mal versuchte sie dieser Falle zu entgehen und strampelte mit ihren Beinen, doch Silas schlug abermals zu.
„Jetzt reicht es Schätzchen!"

Der Geschmack von Blut füllte ihren Mund, die Schmerzen kehrten zurück in ihr Bewusstsein und auch wenn sie sich wünschte, nicht wie ein erbärmliches Häufchen Elend zu weinen, vermochte sie nicht den Tränenfluss zu stoppen. Um sie herum wurde alles leise. Wie durch Watte, drangen die Stimmen der Männer, ihr Lachen und ihre höhnenden Worte, in ihr Ohr. Die Welt, gerade noch in ihrer Panik beschleunigt und gehetzt, hielt in ihrem Lauf inne. Wie in Trance nahm sie wahr, wie Silas die Schnüre ihres Kleides aufzerrte. Die Gier in seinem Blick bereitete ihr Übelkeit, doch Regina konnte sich nicht mehr wehren. Es brachte ihr nichts mehr, sich zur Wehr zu setzen, sie brauchte jetzt nur noch stillhalten, damit es schnell vorüber war. So hatte sie es gelernt. Hatte es bei ihrer Mutter gelernt, wenn diese sie bestrafte, wenn sie ihr mit dem unsichtbaren Griff der Magie die Luft raubte und ihren Körper einschnürte. Hatte es in den Jahren ihrer Ehe gelernt, wenn der König sich nahm, was ihm gehörte. Gegenwehr würde nur noch mehr Schmerzen verursachen, das Unausweichliche nur weiter verzögern. Sie zog ihre blutige Nase hoch, schloss ihre Augen und versuchte sich weit wegzudenken und als sie das Unausweichliche erwartete, löste ein plötzlicher Schrei sie aus ihrer Starre.
„AAARRRGGG! WAS ZUM TEUFEL?!"


Das Gegenwärtige

Regina legte den Weg von ihrem Auto zum Diner in schnellem Schritt zurück. Normalerweise mied sie diesen Ort, doch seit Roland im Krankenhaus lag, lief sie nicht mehr Gefahr, Robin dort zu begegnen. Den Anblick des Hilfssheriffs war sie nicht gewachsen. Sein gebrochener Blick und der damit verbundene Schmerz, der selbst viel zu lebendig in ihrer Brust schlug, war zu viel für die einstige Königin. Umso erleichterter war sie, dass sie ihm aus dem Weg gehen konnte, ohne ihre gewohnten Orte weiter zu meiden.

Das Bimmeln der Türglocke erklang, als Regina die Tür aufstieß und das Restaurant betrat. Der übliche Lärm des gut gefüllten Lokals drangen in ihr Ohr, doch ein bestimmtes Geräusch kristallisierte sich glasklar aus dem Wirrwarr von Stimmen und Gesprächen heraus und stach direkt in ihr Herz. Das Weinen eines Babys legte sich wie eine Hand um ihre Eingeweide und drückte erbarmungslos zu. Ihre Augen begannen den Raum abzusuchen, als etwas Vertrautes in dem Schreien mitklang. Kaum konnte sie den Urheber des Lärms ausmachen konnte, wollte sie so schnell flüchten, wie es nur ging. Doch Regina bezwang sich, straffte ihre Schulter und schritt zum Tresen, um sich einen Kaffee zum Mitnehmen und einige Donuts für Henry zu bestellen. Mit aller Macht versuchte sie den kleinen Jungen in der Wippe zu ignorieren, der auf dem Tresen stand. In der Suche nach dem Aufpasser des Kindes, huschte ihr Blick durch den Raum, doch niemand fand sich.
Der großgewachsene, schlaksige Junge hinter dem Tresen, kümmerte sich um ihre Bestellung, während sein rothaariger Kollege auf das Baby einredete, doch der Säugling ließ sich nicht beruhigen. Das Gebrüll zerrte weiter an Reginas Nerven, traf dort einen ganz Bestimmten und als sie sich genervt nochmal nach jemanden umschaute, kapitulierte sie. Mit einem beherzten Griff packte sie nach der Wippe und zog diese samt des Kindes in ihr Sichtfeld.
„Hey, mein Spätzchen.",sagte sie so zärtlich, wie ihre es Stimme erlaubte. Kaum betrachtete sie das verweinte Gesicht des Namenlosen, da bemerkte sie, wie sehr sie ihn vermisst hatte. Ein Teil von ihr, rief sie zur Ordnung, dass sie den Jungen in Ruhe lassen, ihre Bestellung nehmen und verschwinden sollte, doch die verweinten Augen, veranlassten sie zu bleiben.

„Wo sind seine Eltern?", fragte sie den Rothaarigen, der sichtlich überfordert mit der Aufsicht des Säuglings war.
„Ruth ist kurz in den Supermarkt, ich sollte nur kurz nach ihm schauen, aber der schreit schon die ganze Zeit. Granny ist schon drauf und dran, die beiden rauszuschmeißen."

Während Regina der Erklärung lauschte, begann sie die Finger des Babys zu streicheln, damit er sich beruhigte. Für einen winzigen Augenblick schien es zu Säugling suchte ihren Blick und begann wie wild zu strampeln, ehe seine Mundwinkel sich wieder gen Boden verzogen und er herzergreifend zu schluchzen begann. Dicke Tränen quollen aus seinen dunklen Augen, während Regina im Hintergrund, Grannys genervtes Geplapper vernehmen konnte.

„Er vertreibt mir noch die Gäste, wenn sie nicht gleich auftaucht, vergesse ich mich."
Regina ignorierte das Gemecker und nahm den Namenlosen kurzer Hand aus der Wippe. Vorsichtig hielt sie ihn unter seinen Achseln und lenkte seine Aufmerksamkeit auf sich.
„Alles gut.", wisperte sie zärtlich und nahm ihn nun ganz in ihren Arm. Ihre Hand legte sich auf seinen Rücken und streichelte ihn dort liebevoll, während er sein Gesicht in ihre Halsbeuge versenkte. Sie konnte spüren, wie die Tränen versiegten und das Schreien verstummte, bis der Junge unter ihren Streicheleinheiten, tief durchatmete und einen Seufzer ausstieß. Für den Augenblick zahlloser Herzschläge schien die Welt still zu stehen. Regina wiegte sich mit dem Baby, ihre Wange lag sanft an seiner Schläfe, streichelte seine weiche Babyhaut, während das Umfeld um sie herum verblasste. Ein wohliger Frieden legte sich auf ihre rastlose Seele, streichelte die frischen Wunden und ließ die alten Narben verblassen.

Wieso fehlst du mir nur so sehr ...

Dachte sie und schluckte schwer bei dieser Erkenntnis. Um sie herum ging das Leben weiter. Neue Gäste betraten den Diner, bekannte Gesichter, die vom Bimmeln der Türglocke angekündigt wurden, doch Regina war in ihrer eigenen Welt gefangen. Nichts schien durch diesen Riss in Raum und Zeit hindurch zu kommen, als dieser friedvolle Moment der Barmherzigkeit, jäh durchbrochen wurde.

„FINGER WEG VON DEM KIND!" Ruths Stimme peitschte durch Reginas Ohren und zog sie zurück ins Hier und Jetzt. Perplex starrte sie auf die andere Frau, die sie wütend angiftete und ihr das Baby aus den Armen riss. Augenblicklich waren alle Augenpaare auf die beiden Frauen gerichtet. Hinter der Theke konnte Regina den Klang des Ladens einer Armbrust vernehmen und sie rollte mit den Augen, doch im nächsten Moment, überwältigte sie das Gefühl von Wut, als der Junge in Ruth Armen zu schreien begann.

„Ich hab ihn nur beruhigt.", begann Regina sich zu erklären und bereute es schon im nächsten Moment. Sie brauchte vor niemanden Rechenschaft ablegen, erst recht nicht, als dieser Jemand sie weiter hysterisch anschrie.
„DU HAST NICHTS BEI DEM JUNGEN VERLOREN, ALTE HEXE!"

Reginas Augen verdunkelten sich, während es in ihrem Magen zu brodeln begann. Ihre Gesichtszüge verhärteten sich, als sie zurück zischte.

„Dann lass dein schreiendes Kind nicht in der Obhut eines andere Kindes. Kümmere dich anständig-"

„ICH LASS MIR KEINE ERZIEHUNGSTIPPS VON DER BÖSEN KÖNIGIN GEBEN!"

Fiel Ruth Regina ins Wort und gerade als diese ihr antworten wollte, erklang eine andere, vertraute Stimme schneidend durch den Raum.
„ES REICHT RUTH!"

Beide Frauen drehten ihre Köpfe in die Richtung aus der die Stimme kam und schauten direkt auf Robins Gestalt, die neben Emma in der Tür stand.

Der Hilfssheriff konnte nicht fassen in welche Szenerie er geraten war. Er war übermüdet und auf dem Weg, Baileys Order nachzukommen. Er wollte sich was zu essen gönnen und dann nach Hause, um die Zeit, in der er seinen Sohn in guten Händen wusste, zu schlafen. Doch anstatt der Ruhe, nach der sein Verstand und sein Körper gleichermaßen verlangten, fand er sich in einer Katastrophe wieder. Sein Blick wechselte zwischen Ruth und Regina hin und her. Er konnte die Wut in beiden Gesichtern sehen und spürte seinen eigenen Zorn, heiß durch seine Venen rauschen. Mit wenigen Schritten war er bei den beiden Frauen und nahm Ruth das schreiende Baby weg. Er hatte genug gesehen und gehört für heute. Mit seinem Sohn auf dem Arm wandte er sich ab, um das Lokal zu verlassen, da schrie Ruth ihm hinterher.

„NATÜRLICH BIN ICH JETZT WIEDER DIE BÖSE! ABER SIE HAT MIR DEN JUNGEN WEGGENOMMEN!" Robin hielt in seinem Gang inne und schloss die Augen, um tief durchzuatmen. Alles in ihm schrie endlich zu gehen, doch er konnte es nicht. Irgendetwas in seinem Innern regte sich, als Ruth Regina beschuldigte. Der Drang ihre Ehre zu verteidigen.

„Jetzt und hier hab ich weder Lust und Zeit für dein Gejammer, Ruth." Mit diesen Worten drehte er sich zu seiner Verlobten und fuhr fort:
„Ich bin müde. Mein Sohn liegt im Krankenhaus und alles was ich von dir verlange ist, dass du dich anständig um deinen Sohn kümmerst. Ist das zu viel verlangt?" Seine Stimme zeugte von der Müdigkeit und der Erschöpfung die Körper und Geist befallen hatte.

„Es ist mir egal, dass du müde bist. Ich will die böse Königin nicht in der Nähe der Kinder haben, oder in deiner. Tut mir Leid, dass ich nicht so verblendet bin wie du, Robin. Wer sagt mir, dass sie das Ganze nicht Roland angetan hat? Hast du mal daran gedacht? Sie scheint dich regelrecht verhext zu haben."

Robins Atmung beschleunigte sich, als er den Vorwürfen seiner Verlobten lauschte. Seine freie Hand ballte sich zur Faust, als er sich abermals in einem falschen Film versetzt fühlte. Er erhob seine Stimme, als er ihr antwortete:
„Deine Eifersucht macht mich verrückt und damit ist die Diskussion für mich jetzt beendet. Komm nach Haus, wenn du dich beruhigt und wieder klar im Kopf bist!"

Robin machte Anstalten endlich den Diner zu verlassen, doch Ruth gab sich noch nicht geschlagen
„Natürlich bin ich eifersüchtig, oder glaubst du ich weiß nicht, dass du dir dieses Flittchen ins Bett geholt hast! JEDER WEISS ES! Aber was verlangt man von so einer-"

Der Ton in Ruth Stimme war von Verachtung und Spott durchtränkt und ließ den zornigen Brand in Robins Innern weiter schwelen. Sein Blick schnellte zu Regina und augenblicklich überkam ihn Mitleid. Der Blick in ihr Gesicht, in die Maske die er nur zu gut kannte, die sie aufsetzte um sich zu schützen, zeigte ihm wie sehr sie verletzt war. Der Anblick schnitt in seine Eingeweide und beschworen den Drang herauf, sie weiter zu beschützen.

Reginas Atmung ging bewusst, als sie der Szene der beiden beiwohnte. Robins Auftauchen hatte sie einen Moment gelähmt, doch Ruths Worte vertrieben die Lähmung. In ihrer Hand begann es zu kribbeln, als sie den Impuls bekämpfte einen Feuerball zu beschwören und dieser Frau auf den Hals zu jagen, doch dann erloschen alle Impulse in ihr und zurück blieb ein Gefühl der Schmach, als die Gäste des Diners ihr diese gewissen Blicke schenkten. Abscheu und Widerwillen. Unwillkürlich war sie wieder jung und verletzlich wie eine Blume im Winter. Sie schluckte schwer, um den Knoten in ihrem Hals zu lösen, doch sie konnte es nicht. All ihre Schutzmauern fuhren hoch, eine Maske der Arroganz legte sich auf ihre Gesichtszüge und versteckt den Treffer, den Ruth gelandet hatte. Sie schämte sich, als sie Getuschel vernehmen konnte, doch sie ließ sich diese Scham nicht ansehen. Langsam drehte sie sich von Robin, dem Baby und Ruth weg und beschritt den Weg zum Ausgang. Wenige Meter, die ihr wie eine Ewigkeit vorkamen. Weitere Stimmen sickerten, zäh wie Sirup, in ihre Ohren, ihren Verstand.

„Hast du das gewusst?" Sie erkannte die Stimme des Rothaarigen und wünschte sich, den Diner längst hinter sich gelassen zu haben, bevor sie noch mehr vernehmen konnte.

„Natürlich, sie war erträglicher, als er ihr noch das Bett gewärmt hat.", flüsterte Granny dem Jungen zu und vollbrachte nur einen weiteren Stich, in Reginas Rücken.
Regina öffnete die Tür und verließ erhobenen Hauptes den Diner. Draußen angekommen, beschleunigte sie ihre Schritte und verschränkte ihre Arme vor der Brust, bis ein Ruf sie für einen Moment stoppte.
„REGINA, WARTE!"

Die Schwarzhaarige atmete tief durch und lief ohne eine Antworte zu geben weiter, dicht gefolgt von Emma, die hinter ihr her eilte.


Das Verlorene

Der kleine Trupp um Robin folgte der Straße gen Norden, als ein Schrei die Luft erfüllte.

GIN!

Augenblicklich beschleunigte sich Robins Herzschlagund als er den Urheber dieses Lautes erkannte, krampfte sein Magen bis zur Übelkeit. Seine Augen verdunkelten sich, während eine rastlose Wut ihn überfiel. Noch während er Reginas Schrei zu Pferd folgte, schnappte er sich mit zittrigen Händen den Bogen und zog einen Pfeil aus dem Köcher. Sein Atem kam schwer und geräuschvoll über seine Lippen. Die beiden anderen Männer hatte der einstige Räuber vollkommen ausgeblendet. Seine Gedanken drehte sich nur noch um das Finden seiner Frau. Ihm war, als würde er ihre Angst riechen können, ihre eigene Furcht durch seinen Verstand rasen fühlen. Robin musste sich zwingen Pfeil und Bogen still zu halten, doch der Zorn peitschte wild durch seinen Körper und ließen ihn erzittern. Er bog von der Straße ab und preschte durch die Bäume. Von weitem sah er den flackernden Schein eines Feuers. Seine Augen hefteten sich auf die Szenerie. Schlagartig intensivierte sich die Emotionsgewalt in seinem Innern. Hass loderte in dem Blau seiner Augen und funkelte gespenstig in der Dunkelheit. Das Bild vor ihm brannte sich in seine Netzhaut und kaum dass sein Verstand dem Auge hinterherkam, explodierte es in seinem Kopf. Mit zu viel Wucht zog er den Pfeil samt Sehne zurück und ließ das gefährliche Geschoss los, ohne sein angestrebtes Ziel zu treffen. Den Nacken dieses Widerling, der sich mit heruntergezogener Hose über seine Frau gebeugt hatte. Der Pfeil landete in der Schulter und tat dort seine Wirkung. Der Mann schrie auf und ließ von Regina ab, um zu schauen was geschehen war. Auch seine Begleiter ließen die einstige Königin los und griffen nach ihren Messern und Dolchen. Robin gab seinem Hengst die Sporen, galoppierte in das kleine Lager und stürzte sich von seinem Pferd direkt auf den Mann. In seiner Wut packte er ihn am Kragen und zog ihn weg von seiner Frau. Noch während er ihn mit sich schleifte, landete seine Faust immer wieder hart in seinem narbigen Gesicht. Robin bekam nicht mit, wie David und Little John dazustießen und sich die beiden anderen Männer schnappten. Sein ganzer Fokus lag auf dem Mann, den er vor seinem innerem Auge noch immer über seine Frau gebeugt sah. Wieder traf seine Faust sein Gesicht, doch dieses Mal setzte Silas zum Gegenschlag an. Seine eigene Faust landete hart gegen seine Nase und sein Knie fand sein Ziel in seinem Magen. Robin ächzte auf, doch der Zorn in ihm trieb das Adrenalin weiter an. Mit aller Kraft warf er sich gegen den großen Mann, dessen Rücken vom Pfeil noch blutete bis sie beide auf dem Boden landeten. Robin fand Halt auf Silas Oberkörper und hielt ihn mit seinem Gewicht auf den Boden gedrückt, während er seine Fäuste abwechselnd in seinem Gesicht versenkte. Sein Wahn begann zu bröckeln, als er Reginas Schluchzen vernahm. Seine zitternden Hände ließen für einen Moment von dem Mann. Robin drehte seinen Kopf in Reginas Richtung und fühlte wie der Boden unter ihm nachgab. Tränen schossen in seine Augen, als er im spärlichen Licht des Feuers Reginas geschundenes Gesicht sehen konnte. Zitternd saß sie dort, wo die Männer von ihr gelassen hatten und presste ihre Arme vor ihrem halb entblößten Oberkörper. Robins Gedanken verdunkelten sich weiter. Eine Wut, die er noch nie zuvor verspürt hatte, traf ihn so hart, dass er glaubte, er müsste taumeln, wenn er nicht bereits sitzen würde. Sein Blick betastete weiterhin die aufgelöste Gestalt seiner Verlobten und blieb an ihrem Rockteil hängen. Plötzlich ließ er seine Schultern hängen und unterdrückte ein Aufschluchzen, als er die Frage stellte vor der er sich fürchtete.
„Bin ...bin ich ... zu spät?"

Regina sog die Nachtluft hastig in ihre schmerzenden Lungen, als gäbe es hier draußen im Wald nicht mehr genügend Sauerstoff. Erleichterung vermischte sich mit Schmerz, als die Männer sich um sie herum prügelten und sie von ihr gelassen hatten. Tränen rannen über ihr Gesicht, für die sie sich schämte, doch sie hatte keine Kraft ihnen Einhalt zu gebieten. Irgendwo in ihrem Innern nagte eine uralte Angst, dass es noch nicht vorbei war. Dass Silas, in seiner Brutalität Robin umbringen könnte, doch sie beobachtete die beiden Männer mit Argusaugen, in der Hoffnung, dass es jetzt endlich vorbei wäre. Dass sie endlich in Sicherheit war. Robins Stimme drang in ihr Gehör und zusammen mit seinem Anblick, brach es ihr das Herz. Der Selbsthass war in jeder Facette seines Auges zu erkennen. Wut, die sie an ihm noch nie gesehen hatte. Gerne hätte sie ihm richtig geantwortet, hätte ihm gerne gesagt, dass er nicht zu spät gekommen war, dass er ihr eine menge Leid erspart hatte, mit seinem Pfeil, doch sie schaffte es nicht ihrer Stimme einen Klang zu verleihen, also schüttelte sie nur ihren Kopf. Doch kaum hatte sie ihm auf diese Art geantwortet, da zuckte sie zusammen. Hastig rutschte sie über den Boden zurück bis sie einen Baumstamm in ihrem Rücken spüren konnte. Regina zog die Knie an und versuchte sich klein zu machen, als sie mitansehen musste, wie ihr Verlobter den Verstand verlor.

Immer wieder schlug er auf Silas ein, obwohl dieser kaum noch bei Bewusstsein war. Dabei schrie er wie von Sinnen.
„NIEMAND...NIEMAND...HÖRST DU...NIEMAND VERSUCHT MEINE FRAU ZU SCHÄNDEN UND ÜBERLEBT DAS, UM DAS HERUMZUERZÄHLEN...!"?

Little John und David hatten kaum Mühe die Kumpanen Silas zu überwältigen, immerhin lag der Moment der Überraschung auf ihrer Seite. Beide Männer waren bereits an Händen und Hals gefesselt, doch als Robin nicht von dem Anführer ließ, gab John die Männer in Davids Hand.
„Robin, hör auf!", versuchte er es in einem vernünftigen Ton, doch sein Kumpel nahm ihn nicht wahr. Mit wenigen Schritten hatte er zu ihm aufgeschlossen. Sein Blick fiel auf Regina und für einen Moment überlegte er, Robin walten zu lassen und sich erst um die Frau zu kümmern, doch ein weitere Blick auf Robin und er konnte nicht zulassen, dass noch mehr Menschen hier unglücklich wurden. Er wandte sich dem aschblonden Mann zu und zog ihn an den Schultern von Silas runter.
„ES REICHT ROBIN!"

Robin versuchte sich loszureißen, doch Johns Griff war erbarmungslos.

„Du bringst ihn noch um, verdammt nochmal!" John hatte den Satz noch nicht beendet, da erschrak er sich vor dem Funkeln in Robins Augen. Ihm war, als wenn er es schon mal gesehen hätte, aber nicht in dem Blau seiner Augen, sondern in dem Dunklen seiner Gefährtin.

„NATÜRLICHH BRING ICH IHN UM. WAS GLAUBST DU, DASS ICH IHN DAMIT DURCHKOMMEN LASS?!"

Endlich schaffte es Robin sich zu befreien und sofort stürzte er sich wieder auf Silas, doch dieses Mal stürzte John hinterher und schnappte seinen Kumpel. Als dieser sich weiter wehrte, holte der Hüne aus und schlug ihm mitten ins Gesicht.
„VERDAMMT KOMM RUNTER. ER WIRD SEINE STRAFE BEKOMMEN."

Robin schaute seinen alten Freund hasserfüllt an und hielt sich die blutende Nase.

„VON MIR.", er stürmte auf John zu, doch der große Mann wich aus und schnappte sich Robin von hinten. Seine starken Arme umschlangen ihn und hielten ihn fest, während er direkt in sein Ohr sprach.
„Wenn du ihn tötest, zerstörst du, was wir im Sherwood Forest aufgebaut haben. Er bekommt seine Verhandlung und wahrscheinlich wird er auch hängen, aber du wirst hier keine Selbstjustiz üben, weil es deine Frau erwischt hast. Du weißt genau, dass viele auf so was warten."?

Robin versuchte sich aus dem Klammergriff zu winden, doch es half alles nicht. Sein Kumpel war größer und stärker.
„Du hast leicht reden. Stell dir vor das wäre Emma.", führte Robin verzweifelt an und konnte spüren wie John mit einem Ruck den Griff um seinen Brustkorb verfestigte.
„Dann würde ich darauf hoffen, dass mein bester Freund mich vor eine Dummheit bewahrt. Spar dir deine Kraft und kümmer dich um deine Frau!"

Damit hatte Little John Robins Gegenwehr gebrochen. Tränen füllten wieder seine Augen, als der Rausch des Wahnsinns nachließ und er allmählich ins Geschehen zurückfand. Mit offenem Mund schaute er um sich, sah den Mann blutend auf dem Boden und seine Gefährtin verängstigt gegen einen Baum kauernd. Er nickte, als Zeichen dafür, dass John ihn loslassen konnte und eilte zu Regina. Seine Hände zitterten, als er sich neben ihr niederließ und ihr die Hand hinhielt. Für einen Moment zögerte sie und brach ihm damit das Herz, doch im nächsten schmiss sie sich in seine Arme und klammerte sich an ihm fest. Robin konnte nichts sagen. Er wusste, dass jedes Wort unangebracht war, wusste dass er ihr jetzt nur Halt geben konnte und so schlang er seine Arme vorsichtig um sie und wiegte ihren vor Schluchzern zuckenden Körper. Tränen füllten seine Augen, gleichwie Sorge sein Herz. Hilflos schaute er zu David und John, dich sich um die Gefangenen kümmerten, als Reginas Griff weicher wurde und ihr Weinen verstummte. Sorgenvoll löste er sie von sich und erschrak, als er ihr lebloses Gewicht trug. Ihre Augen waren geschlossen und ihr Atem ging schwer. Schnell griff Robin nach seinem Dolch und schnitt die Fesseln an ihren Handgelenken durch. Dann erhob er sich mit der bewusstlosen Frau und wandte sich an seine Begleiter.
„Sie braucht einen Heiler. Wir sind vorhin an ein Dorf vorbei gekommen."

John ging bereits auf Robin zu und nahm Regina aus seinem Arm, damit Robin sich auf sein Pferd setzten konnte. Danach hievte er sie hoch, bis Robin sie sachte vor sich positionieren und weiter im Arm halten konnte.

„Wir machen uns mit denen hier auf nach Hause. Keine Lust, wenn die uns hier noch türmen gehen."

Robin nickte, verabschiedete sich von seiner Gesellschaft und ritt so schnell er mit seiner bewusstlosen Gefährtin konnte, zur Straße zurück, um das Dorf zu erreichen.