So, hier kommt das neue Kapitel. Der Dank geht an die erlesene Auswahl von Reviewern.
Tini, Pencil: Die Ausrede kommt jetzt.
tttt: gut, dass es dir noch gefällt. Ich hoffe das bleibt auch so...;-)

Ich bin bei diesem Kapitel mehr als skeptisch, war ich nicht am Rechner, habe ich immer gedacht, ich muss es auf jeden Fall ändern, hatte schon eine zweite Version im Kopf.
Doch wenn ich es gelesen habe, wollte ich es doch eher so belassen.
Macht euch selbst ein Bild.


Kapitel 36

Felicita besuchte an diesem Tag keine Vorlesung, dazu war sie viel zu müde.
Nachdem sie ihr Zimmer betreten hatte, kannte sie nur noch einen Weg. Den, der direkt in ihr Bett führte. Sie erwachte erst wieder, als die Nachmittagssonne auf ihr Gesicht schien.
Morgen würde sie ihre letzte Prüfung schreiben, dann wäre das Semester vorbei und eine Pause von 3 Monaten stand ihr bevor. Diese Aussicht war herrlich.
Die nächsten zwei Stunden verbrachte sie damit, ihre Kräuterkundeaufzeichnungen ein letztes Mal durchzusehen, um sechs hatte sie dann das Gefühl, ausreichend vorbereitet zu sein. Und um sechs kreisten ihre Gedanken nur noch um eine Frage.
Sollte sie zu Professor Snape gehen?

Sie wollte wissen, wie es ihm ging, doch die Furcht ihm gegenüber zutreten, nach allem was in der letzten Nacht geschehen war, hielt sie davon ab, sofort los zu laufen.
Was wenn er sich wieder von ihr distanzierte? Das würde sie kaum aushalten, doch sie empfand es als sehr wahrscheinlich, dass genau das eintreten würde. Wahrscheinlich hatte sie mit der körperlichen Annäherung eine Grenze überschritten, der sie lieber gar nicht erst hätte nahe kommen sollen.
Dennoch, sie wollte ihn sehen, wenigstens ein paar Minuten in seiner Nähe verbringen, auch wenn er sie dann fortschicken sollte. Denn in ihr hatte diese Annäherung genau das Gegenteil bewirkt. Sie musste zu ihm.

Außerdem wollte sie wissen, was genau letzte Nacht geschehen war.

Eine Stunde später klopfte sie an seine Bürotür. Das Herz schlug ihr bis zum Hals. Er sah sie überrascht an, nachdem er die Tür geöffnet hatte.

„Schon wieder Sie?"

Er klang tatsächlich gereizt, beinahe hätte sie der mühevoll aufgebrachte Mut verlassen.

„Ich wollte wissen, wie es Ihnen geht..."

Er unterbrach sie.

„Gut wie Sie sehen... Ich habe allerdings sehr viel zu tun. Es wäre mir angenehm, wenn Sie erst - wie geplant - Montag wieder vorbei kommen würden."

Er schien um einen freundlichen Tonfall bemüht, doch die unterschwellige Aggressivität war dennoch deutlich zu vernehmen.
Es war genauso, wie sie es vermutet hatte. Das Herz wurde ihr schwer.

Sie nickte stumm - zu einer anderen Antwort war sie nicht in der Lage - und wollte sich schon umdrehen, als er offensichtlich seine Meinung änderte.

„Ach verdammt, denn kommen Sie eben rein."

Sagte er in einem Tonfall, der eigentlich das Gegenteil signalisierte.
Damit gab er die Tür frei und deutete in Richtung des Wohnzimmers.

„Also, was wollen Sie wirklich hier?"

Fragte er, als sie beide Platz genommen hatten.
Sie sah ihn verwirrt an.

„Ich wollte wissen wie es Ihnen geht..."

„Gut, das wissen Sie jetzt bereits, sind aber trotzdem noch hier. Was noch?"

Als sie nicht schnell genug antwortete, hakte er nach.

„Wie ich Ihnen eben schon sagte, habe ich nicht viel Zeit, was noch?"

Er wirkte auf eine merkwürdige Art unruhig, so sehr wie sie es bisher nur einmal erlebt hatte. Damals, als er ihr erzählt hatte, dass er der Mörder ihrer Mutter war.
Sämtliche Alarmglocken schrillten in ihr auf.

„Was ist letzte Nacht geschehen?"

Fragte sie nun direkt.

„Ich denke, Sie sind Zeuge des Gesprächs gewesen?"

Gab er zynisch zurück.

„Ich habe nicht viel gesehen, nur gerade genug, um mir Sorgen zu machen.
Was ist passiert?"

Er nickte und kniff die Lippen zusammen. Abfällig sagte er

"Natürlich, nur einen Teil… Andernfalls wären Sie mit Sicherheit nicht her gekommen, weder heute, noch letzte Nacht."

Sie setzte sich gerade in ihrem Sessel auf, doch ehe sie etwas zu erfragen brauchte, atmete er noch einmal tief durch, bevor er eine scheinbar gut zurecht gelegte Ansprache hinunter ratterte.

„Der dunkle Lord hat mich gestern mitten in der Nacht zu sich gerufen. Wir waren allein.

Er war der Meinung, er hätte genug Geduld mit mir gehabt und wolle nun endlich wissen, was ich ihm vorenthalte. Als ich mich weigerte, hatte er mich mit einem Cruciatus belegt, wieder und wieder. Irgendwann hielt ich es nicht mehr aus und dachte, es wäre an der Zeit, ihn glaubhaft zu belügen. Er hat mir geglaubt, ich konnte gehen. Das war alles."

Er hatte sehr beherrscht gesprochen, fast so, als würden ihn die Ereignisse nicht selbst betreffen.

„Was haben Sie ihm erzählt?"

Er seufzte auf.

„Woher wusste ich nur, dass Sie mich das fragen würden?"

Sie zuckte mit den Schultern und fragte irritiert

„Vielleicht, weil es mich betrifft...?"

Severus unterbrach sie.

„Und weil Sie neugierig sind."

Sie ging gar nicht auf diese Bemerkung ein.

„Was haben Sie ihm gesagt?"

Er schüttelte den Kopf, während er leise antwortete.

„Das wollen Sie gar nicht wissen..."

Diesmal unterbrach sie ihn.

„Doch das will ich, sonst würde ich wohl kaum danach fragen."

Was konnte denn schon so schlimm sein, das er es ihr nicht sagen wollte? Sie beide waren mehr oder weniger heil aus der Sache herausgekommen, wo lag denn das Problem?
Er zögerte noch ein paar Sekunden. Felicita ließ im die Zeit.

„Ich habe Sie gestern zu meiner... Geliebten erklärt."

Bei diesen Worten sah er sie fest an. Ein leichtes Rot umspielte nun ihre Wangen.
Doch sie wollte sich nicht aus der Ruhe bringen lassen und fragte im ruhigen Ton weiter.

„Und er hat es Ihnen geglaubt, ohne weiter in Ihren Erinnerungen danach zu suchen?"

Auch diesmal zögerte er wieder mit seiner Antwort. Als er sprach, ließ er sie nicht aus den Augen.

„Nein, das hat er nicht."

Felicita hielt den Atem an.

„Doch ich war durchaus in der Lage ihm... entsprechende Bilder zu liefern."

Sie schloss kurz die Augen und schluckte angespannt. Als sie ihn wieder ansah, kroch die Röte ihren Hals und ihre Wangen hinauf.
Er schien genau darauf gewartet zu haben. Er klang fahrig und unruhig, als er wieder zu sprechen begann.

„Sie wollten es hören, Miss McDermod.
Ich kann verstehen, wenn Sie jetzt lieber Abstand wünschen. Ich könnte sogar ihren Ekel nachvollziehen...

Ich rechne damit."

Er stand auf .

"Sie wissen ja, wo die Tür ist."

Die letzten Worte hatte er schon aus dem Flur heraus gesprochen. Kurz darauf knallte die Tür seines Privatlabors laut ins Schloss.

Felicita blieb vollkommen starr in seinem Wohnzimmer zurück. Sie brauchte einige Minuten um zu verstehen, was er ihr eigentlich gerade gesagt hatte.
Voldemort dachte nun, sie war seine Geliebte, Severus Snape hatte ihn Bilder sehen lassen, die das bewiesen. Er hatte sich vorgestellt... Sex mit ihr zu haben.
Gut, dass war vielleicht ein wenig peinlich, aber kein Grund so aus der Haut zu fahren. Es hatte beiden damit vielleicht das Leben gerettet, warum sollte sie sich ekeln, wenn er in einer solchen Situation diese Lüge erfand und solche Bilder herauf beschwor?
Sie tat einen tiefen Atemzug, als sie es tatsächlich begriff.
Er hatte sie nicht in diesem Moment herauf beschworen, es waren Erinnerungen an solche Gedanken gewesen, die er Voldemort hatte sehen lassen.
Er hatte sich vorgestellt, Sex mit ihr zu haben? Irgendwann, nachdem sie hier war, oder... während sie hier war.
Eine unglaubliche Hitze stieg in ihr auf, ihr Gesicht schien zu glühen.
Und jetzt dachte er, sie würde ihn dafür verachten. Weil er in dieser Form an sie gedacht hatte.
Was sollte sie jetzt machen? Sie konnte schlecht zu ihm gehen und sagen, dass sie nicht angewidert war.
Warum eigentlich nicht? Warum ging sie nicht zu ihm, um genau das zu sagen? War es nicht ihr Wunsch gewesen, dass er ihre Gefühle erwiderte?
Von Gefühlen war allerdings keine Rede gewesen und mit Sicherheit waren sie nicht notwendig, um sich solche Szenen vorzustellen. Was, wenn er nicht annähernd für sie empfand, wie sie für ihn?
Damit würde sie schlecht umgehen können, zumal sie selbst noch nie einen solchen Gedanken gehegt hatte, bisher war in ihr nur der Wunsch gewesen, dass er... zärtlich zu ihr war.

Sie saß in seinem Wohnzimmer und es war wohl der Moment, in dem es zu erkennen galt, was sie denn tatsächlich empfand.

War es nur eine Schwärmerei, ein Verrennen in das Gefühl von Verbundenheit?

Oder war es mehr? Könnte sie sich tatsächlich vorstellen, mit diesem Mann eine Beziehung zu führen, mit allen Konsequenzen? Wollte sie es? Würde sie mit ihm schlafen wollen?
Felicita war mit ihren inzwischen 19 Jahren noch Jungfrau, in der prüden Magiergesellschaft war das vollkommen üblich. Aber sie hatte sich bisher auch noch nie ernsthaft Gedanken über Sex gemacht. Es galt in den meisten Familien tatsächlich die Devise "kein Sex vor der Ehe". Ins wanken geriet diese Idee natürlich auch bei vielen, wenn sie ihre erste wirkliche Beziehung führten. Aber um wen hätte sie sich bisher solche Gedanken machen sollen? Von Andrew hatte sie sich noch nicht einmal küssen lassen wollen und Severus Snape war ihr bisher nicht als Mann erschienen, der tatsächlich ein Interesse an ihr haben könnte, zumindest mit angenommener Sicherheit nicht auf solche Art.

Nun, darin hatte sie sich wohl geirrt. Und mit jedem Moment, dem sie sich dessen bewusster wurde, schien ein Gefühl in ihr zu wachsen. Sie war verliebt. Sie liebte ihn. Und ja, Sex würde zu einer Beziehung dazu gehören und ganz gewiss schreckte sie dieser Gedanke nicht ab. Im Gegenteil. Die Tatsache, dass er sie mit solchen Augen sah, ließen sie wie von selbst in Richtung seines Labors gehen.

Als Felicita vor der verschlossenen Tür stand, kämpfte sie erneut mit sich. Er würde sie mit Sicherheit anschreien, sie hinaus werfen. Es wäre gelogen, wenn sie behauptete, sie würde sich nicht vor seinem Zorn fürchten.

Sie überraschte sich selbst, als ihre Hand die Klinke leise herunter drückte.
Er stand mit dem Rücken zur Tür an einer der Arbeitsflächen und schien sie noch nicht bemerkt zu haben.

Sie ging in seine Richtung.

„Was wollen Sie denn noch hier."

Zischte er, ohne sie anzublicken.

„Ich brauche keinen Abstand."

Das drückte nicht wirklich aus, was sie empfand.
Er schüttelte den Kopf.

„Warum? Wollen Sie die mutige Heldin spielen, die trotz allem was sie gehört hat noch zu dem Perversen in den Kerker geht...

Das ist doch Ihre Meinung von mir, nicht wahr? Ich brauche Ihren Großmut nicht, im Gegenteil. Er wäre unerträglich."

Er hatte scheinbar alle Kälte in diese Worte gelegt, zu der er fähig war.
Sie schüttelte den Kopf, obwohl sie wusste, dass er es sowieso nicht sah. Unfähig zu sprechen, ließ sie sich seine von unendlich großer Selbstverachtung geprägten Worte immer wieder durch den Kopf gehen.

Er stieß sich plötzlich von dem Holztisch ab und kam mit schnell Schritten auf sie zu.
Grob packte er sie an den Schultern und drückte sie in Richtung der Tür.

„Gehen Sie jetzt. Sofort!"

Schrie er sie an.
Tränen stiegen in ihr auf, sie hatte ihm so viel sagen wollen, doch die Worte wollten einfach nicht über ihre Lippen kommen.

„Wagen Sie es nicht, auch noch loszuheulen."

Was den Worten nach eine Drohung sein sollte, war keine. Seine Stimme war mitleidig.

Diese Tatsache, diese offensichtliche Regung, die eben keine blanke Wut war, ließ sie sprechen

„Ich empfinde keinen Ekel."

Er lockerte den Druck auf ihre Schultern ein wenig.

„Sie wissen doch gar nicht, was Sie da von sich geben.
Haben Sie denn nicht verstanden was ich gesagt habe? Ich stellte mir vor Sex mit Ihnen zu haben..."

Sie nickte.

„Ich weiß..."

„Nein... Nicht nur da, bei ihm..."

Wieder nickte sie.

„Ich weiß..."

Er ließ sie los und wandte sich mit einem zweifelnden Blick von ihr ab.

„Was wollen Sie denn dann noch hier?"

Sie schluckte schwer.

In ihr schien eine Schallplatte zu laufen, die sie nur immer wieder die selben Worte sprechen ließ.

„Ich empfinde keinen Ekel..."

Flüsterte sie nochmals verzweifelt.
Severus sah sie nicht an, schüttelte stumm den Kopf.
Wieder musste sie mit sich selbst kämpfen. Immer wieder zuckten ihre Beine kurz, um zu ihm zu gehen, doch die Angst vor seinen Reaktion ließen sie doch mitten im Raum verharren. Es waren Minuten vergangen, als er sie erneut anschrie.

„Gehen Sie!"

Sie ging. Zu ihm.
Als er sich zu ihr drehte, lehnte sie sich einfach nach vorn. Ihr Gesicht ruhte an seiner Schulter, während ihre Arme ihn umfingen.


Na, was meint ihr? Seit wirklich hart und kritisch, es lässt sich alles im Nachhinein ändern...;-)
Gerade meine vier Stammreviewer möchte ich bitten, wenn es scheiße war, sagt es mir ganz ehrlich, euch will ich wirklich nicht verlieren;-)
Ich bin wirklich unruhig, ich habe keinen blassen, wie es euch gefällt.
Bitte sagt mir schnell bescheid.