Kapitel 35 Drei Jahre später
Wenn das Leben ein Traum ist. So fürchte dich vor dem Erwachen!
Unbekannt
Snape entließ die Abschlußklasse Leistungskurs Zaubertränke, bestehend aus Gryffindor und Slytherin, aus seinen Kerkern, in einer Wochen wären Abschlußprüfungen und dann hatte er wenigstens diesen Schwung an "alten" Schülern aus seinem Leben. Durch die dünnen Sohlen seiner Schuhe spürte er wie die Schüler langsam aus dem Gang vor seiner Tür verschwanden. Ruhe, für einige Zeit. Müde ließ er sich auf einen der Schülerstühle fallen und gestattete seinem erschöpften Geist etwas Ruhe. Wenigstens würde diese Klasse richtig vorbereitet sein auf die Abschlußprüfungen, die letzten zwei Jahre waren schlichtweg eine Katastrophe gewesen! Es war wirklich an der Zeit gewesen, dass Dotterblume gegangen war, nicht nur dass er teilweise etwas komplett falsches unterrichtet hatte wenn es um schwierige Tränke ging, nein, er hatte vergessen, den Schülern der Leistungsklassen ganze Kapitel zu unterrichten! Nur dank seiner nun manchmal schon etwas ungewöhnlichen Unterrichtsmethoden war es zu verdanken, dass die letzten zwei Leistungskurse es durch die Abschlußprüfungen mit halbwegs anständigen Noten geschafft hatten. Snape schloß seine Augen und seine Welt verschwand in Dunkelheit und Stille. Eine Stille, die er nun schon seit über drei Jahren kannte. In diesen drei Jahren hatte kein Schüler sein Geheimnis entdeckt, keiner war auch nur ansatzweise dahinter gekommen, dass ihr Zaubertranklehrer so gut wie taub war.
Nur eins hatten die Schüler sehr schnell erfahren, er war nicht Professor Dotterblume. Er wurde nie laut in seinem Unterricht, ein Flüstern genügte um vollkommene Stille zu erzeugen und wenn er etwas lauter wurde, nur etwas, zogen die meisten Schüler schon den Kopf ein. Er zog den anderen Häusern Punkte ab und gab seinem ehemaligen Haus Slytherin Punkte für kleine Erfolgserlebnisse. Die Slytherin-Schüler hatten es am Schwersten, gerade nach den Jahren der Dunkelheit, Schüler hatten Verwandte gehabt, die Todesser gewesen waren oder als solche verdächtigt wurden. Keiner traute ihnen über den Weg, und auch wenn die anderen Lehrer immer beteuerten, sie seien gerecht zu allen Häusern, so herrschte doch eine gewissen Antisymphatie für die Slytherin. Snape bemerkte dies und beschloß, diese Schüler etwas in ihren Selbstbewußtsein zu fördern und bald war Zaubertränke das beliebteste Fach des Slytherin-Hauses. Hier hatten sie etwas, wo sie wenigstens etwas Erfolg erzielten und zu Hause zeigen konnten.
Ein leichtes Zittern ging durch den Boden, jemand näherte sich dem Kerker, eindeutig ein Schüler. Die Schritte waren leicht und schnell. Snape öffnete die Augen, sah sich im Raum um. Natürlich, Bill Weasley hatte sein Buch vergessen. Warum er Zaubertränke genommen hat war Severus ein Rätsel. Der Junge war absolut unbegabt. Doch was er nicht an Talent hatte, gleichte er mit Fleiß aus. Warum war er überhaupt ein Gryffindor? So wie er schuftete wäre Hufflepuff viel besser für ihn gewesen. Snape stand auf, strafte die Schultern und ging zu seinem Pult als hinter ihm die Tür aufging. Sofort drehte er sich um, Bill Weasley konnte wirklich nicht seine Abstammung leugnen, rote Haare, Sommersprossen und immer ein Lächeln auf den Lippen. Mit einem entschuldigenden Murmeln griff er nach dem vergessenen Buch und verschwand auch schon wieder aus dem Kerker. Hier wollte keiner lange bleiben oder kam freiwillig hier herunter. Außer Hagrid! Der Wildhüter von Hogwarts schlich sich manchmal hier her, um seinen ungewöhnlichen Freund zu besuchen. Snape sah auf seinen Stundenplan, er hatte jetzt drei Stunden frei und alle Schüler waren noch im Unterricht. Er würde Hagrid einen Besuch abstatten, keiner würde ihn sehen wie er zu dem Halbriesen ging. Es gab nur eine Person, in deren Gegenwart Snape sich vollkommen entspannen konnte, und das war der Wildhüter.
Während er die Kerkertür schloß, dachte er bedauernd daran, dass er, seit er Lehrer geworden war, Hagrid nicht mehr so oft besuchen konnte. Es tat ihm leid, denn sein Freund hatte sich so viel Mühe mit ihm gegeben. Einmal hatte er es bei einem Mitternachtstee in Hagrids Hütte angesprochen, zu seiner Überraschung hatte der Wildhüter Verständnis gezeigt.
"He das ist nun mal so wenn man Lehrer ist! Und ich seh dich ja fast jeden Tag. Glaub es mir oder nicht! Das ist mir genug! So weiß ich wenigstens, dass ich dich nicht suchen muss und dass es dir gut geht!" hatte damals Hagrid gesagt.
Snape schüttelte den Kopf, was hätte er dagegen schon sagen können? Gerade kam er am Ende der Kerkertreppe an, die im Erdgeschoß endete, als er Filch, den Hausmeister sah, der auf ihn zukam. "Professor! Professor! Man erwartet Sie im Lehrerzimmer!"
Kurz nickte er Filch zu, doch kein Hagrid. Zielsicher machte er sich auf den Weg in das Lehrerzimmer, unterwegs wichen ihm einige Schüler aus oder warfen ihm ängstliche Blicke zu, bis auf die Slytherin-Schüler, die ihn höflich grüßten. Mit Schwung öffnete er die Tür zum Lehrerzimmer, Türen mit Schwung zu öffnen, oder gar sie hinter sich zuzuwerfen, darin war er richtig gut geworden, und so betrat er das Lehrerzimmer. Sofort stürmte McGonagall auf ihn zu und sah ihn auffordernd an.
"Sie haben den Gryffindor 30 Punkte abgezogen! Und wegen was? Wegen einem KLEINEN Missgeschick!" sagte sie und sah sehr wütend aus.
Die wenigen anderen Lehrer im Raum, die auch gerade Pause hatten, beachteten den Streit gar nicht. Seit Snape Lehrer war, hatte er immer Ärger mit einem Hauslehrer gehabt wegen seiner Punkteverteilung im Unterricht, bis auf Professor Perinson, dem Lehrer für alte Runen und Slytherin-Hauslehrer. Perinson hatte sich seit Snape im Amt war kein einziges Mal mit ihm unterhalten, dafür hatte er auch kein Streitgespräch mit ihm angefangen. McGonagall war Gryffindor-Hauslehrerin, eine wahre Gryffindor Löwin, die auch wie eine Löwin um ihre Schüler kämpfte. Dies alles prallte an Snape ab und er hatte eine Methode ihr zu zeigen, dass er sich reichlich wenig um die verlorenen Punkte des Gryffindor-Hauses kümmerte.
Es war kaum eine halbe Minute vergangen da senkte Snape einfach den Kopf und starrte auf den Fußboden. Ein nicht Wissender hätte es als eine Geste der Niederlage verstanden, da stand ein junger Lehrer und ließ sich von einer älteren Kollegin gerade zur Schnecke machen. Aber die Anwesenden wußten was es bedeutete, Snape "hörte" nicht zu. Was er nicht sehen konnte, konnte auch nicht verstehen. McGonagall wurde nur noch wütender, doch rührte sie ihn nicht an, zwang ihn nicht sie anzusehen. Statt dessen gab sie nach einigen Minuten auf und verließ frustriert das Lehrerzimmer. Snape sah wieder auf, würdigte die Anwesenden keines Blickes und verschwand auch aus dem Lehrerzimmer.
Diese Woche war es Gryffindor, dachte er sarkastisch, dann müßte nächste Woche die Hauslehrerin von Hufflepuff zu ihm kommen.
Er stockte, nein nächste Woche waren Prüfungen, für dieses Jahr hatte er es geschafft. Kein Ärger mehr mit Lehrern.
Er spürte das Läuten der großen Schulglocken, immer noch zwei Schulstunden Zeit, ein Kurzbesuch würde immer noch gehen. Mit einem dünnen Lächeln auf dem Gesicht machte er sich auf zur Hütte des Wildhüters.
