39. Allein – oder auch nicht II

Kilindi wartete jetzt schon über eine Woche, aber sie hörte nichts von Maul. Es war zwar schön auf Mon Cala, die Kinder hatten viel Spaß, die neuen Unterwasserwelten zu erkunden. Seit die Jedi hier aufgeräumt und den rechtmäßigen König eingesetzt hatten, war dieser Planet ein einigermaßen sicherer Ort, wo man keinerlei Separatisten oder andere Störenfriede vermuten würde. Die Mon Calamari und die Quarren, die beiden Hauptvölker des Planeten, kamen seit dem Eingreifen der Jedi wieder gut miteinander aus und waren den Neuankömmlingen, die als Nautolaner ebenfalls eine tiefe Meeresverbundenheit hatten, gegenüber sehr gastfreudlich. Also konnten Kilindi und ihre Kinder hier wie ganz normale Urlauber wohnen. Aber die Ungewissheit über die Lage auf Mandalore machte ihr Sorgen. Sie hörte, daß Maul, ohne eine Spur zu hinterlassen, verschwunden war, daß man den von einem Lichtschwert durchbohrten Leichnam seines Bruders im Thronsaal gefunden hatte. Es gab einen Bürgerkrieg zwischen Maul-treuen Soldaten und Rebellen, die eine Regierung wie die der getöteten Herzogin Satine forderten. Almec fungierte allerdings weiterhin als Premierminister, aber wie lange noch? Kilindi war traurig, daß Maul Satine getötet hatte, hatte ihre Regentschaft ihr doch eine sichere Zuflucht gewährt, aber sie sagte sich, daß es für ihren Liebsten bestimmt einen guten Grund gegeben hatte, dies zu tun. Sie hatte gerade einmal fünf Monate mit Maul verbracht, seitdem sie ihn wiedergefunden hatte. Sie waren gerade dabei gewesen, ein halbwegs normales Familienleben aufzubauen, als Maul sie weggeschickt hatte. Mit gutem Grund, wie sich nun zeigte. Und als sie die Ansprache von Kanzler Palpatine zu den Ereignissen im Holo-Net hörte, wo dieser seine Freude darüber äußerte, daß diese Geißel der Galaxis endlich von Mandalore verschwunden war und niemals wiederkehren würde, da wusste sie, daß Maul von seinem alten Meister eingeholt worden war und daß ihm höchstwahrscheinlich ein grausames Schicksal bevorstand. Und sie kannte niemanden, mit dem sie darüber hätte reden können.

Ahsoka Tano wusste nicht, was sie von der Tatsache halten sollte, daß der von einem oder zwei Lichtschwertern durchbohrte Körper Savages im Thronsaal gefunden wurde, aber nicht der seines Bruders. Hatte Savage Opress etwa gegen seinen Bruder rebelliert und war von diesem getötet worden, wie einige Zeitungen mutmaßten? Ahsoka konnte sich das nicht vorstellen. Aber sie bemerkte den Hohn in der Stimme von Kanzler Palpatine, dessen Ansprache galaxisweit über das Holo-Net zu hören war. „Dieser Darth Maul wird für niemanden mehr eine Bedrohung sein", tönte der Kanzler der Republik derart selbstsicher, daß Ahsoka ahnte, daß er etwas mit dem Verschwinden Mauls zu tun hatte. Sie hatte gemerkt, mit welcher Ehrfurcht, Betonung auf Furcht, Maul auf Tatooine von seinem Meister gesprochen hatte. Mit einem Mal tat ihr Mauls Bruder leid. Er war sicherlich im Bemühen gefallen, seinen Bruder zu schützen. Dann hörte sie die Nachricht vom Tod Satines. Obi-Wan Kenobi erklärte in aller Ruhe im Holo-Net, wie er mit ansehen musste, wie Darth Maul seine, Kenobis, langjährige Freundin mit seinem schwarzen Lichtschwert tötete. Kurz bevor er selbst verschwand. Und mit einem Male wurde Ahsoka klar, daß dieser Mann, mit dem sie sich eine Nacht lang geliebt hatte, eben doch ein finsterer Sith-Lord war, auch wenn er hellere Kleidung trug als seine Vorgänger. Ahsokas große blaue Augen füllten sich mit Tränen. Satine war eine Freundin für sie gewesen. Sie hatte ihr Mandalore gezeigt und ihre Güte und Weisheit hatten Ahsoka damals tief beeindruckt. Diesen gemeinen Mord würde sie Maul nie verzeihen. Sie ärgerte sich, daß er sie so schnell auf Tatooine verlassen hatte, nur um ein paar Stunden später auf Mandalore der Herzogin Satine sein schwarzes Lichtschwert ins Herz zu rammen. Was ergab das denn für einen Sinn? Dafür hatte ihn sein Planet wirklich nicht gebraucht, wie er behauptet hatte. Ahsoka fühlte sich betrogen. Sie hätte ihn nach dieser Nacht gerne noch etwas bei sich gehabt.

Sie bereute plötzlich umso mehr, Darth Maul nicht während ihres Besuches in Mandalore nach Satine gefragt zu haben. Und auch nicht auf Tatooine. Dann hätte sie es sich eben mit ihm verscherzt. Na und? Aber hätte er dann auch ihre Freunde freigelassen? Ahsoka wusste es nicht. Sie fühlte allerdings Genugtuung darüber, daß es dem Premierminister Almec nach diesem Interview Obi-Wans nun nicht mehr möglich sein würde, Lügen über den Tod Satines zu verbreiten. Sie hatte noch den Artikel im Kopf, wo stand, daß Almec, kurz nachdem ihn Maul zum Premierminister gemacht hatte, vom Balkon des Palastes aus dem versammelten Volk erklärt hatte, daß Herzogin Satine es war, die Pre Vizsla ermordet hatte, um einen Widersacher loszuwerden. Und das es Pre Vizslas letzter Wunsch gewesen sei, daß er, Almec, wieder Mandalores Premierminister werden solle. Ahsoka wusste bereits damals, daß das eine Lüge war. Und nicht erst, seit Maul ihr damals auf Mandalore die wahre Geschichte darüber erzählt hatte. Was den Tod Savages anging, gab es jedoch keinerlei Angaben. Auch keine Geschichte von Almec. Wer könnte ihn getötet haben? Satine, weil er sie auf seinen Schultern in den Palast verschleppt hatte? Lächerlich - die einzige Waffe, die Herzogin Satine stets bei sich führte, war eine Mini-Deaktivator-Pistole – ein Spielzeug im Vergleich zu Savages Doppellichtschwert. Wer blieb noch? Bo Katan? Kanzler Palpatine? Wer würde der nächste sein, der im Verlaufe dieses Konfliktes ermordet werden würde? Und wo war Darth Maul? Ob er überhaupt noch am Leben war? In Gefangenschaft? Auf der Flucht? Langsam stieg das Grauen in Ahsoka hoch. Sie hatte Angst davor, Satines Mörder zu begegnen. Aber sie wusste auch nicht, wem sie draußen noch trauen konnte. Maul hatte schon recht, zu viele Leute hatten es auf ihren Kopf abgesehen. Und wenn sie jetzt fliehen würde, ohne eine Nachricht zu hinterlassen, würde sich Maul in diese Reihe einreihen. Sie hatte es ihm hoch angerechnet, daß er ihre eher ins Blaue hinein gemachte Vermutung bestätigt hatte, wer sein Meister war. Sie wusste, daß Sith so etwas unter keinen Umständen enthüllen durften, schon gar nicht gegenüber einer ehemaligen Jedi wie sie, die offensichtlich nicht der Dunklen Seite angehörte. Ahsoka hatte auch nie das Gefühl gehabt, daß Maul vorhatte, sie zur Dunklen Seite der Macht zu bekehren. Er schien sie zu lieben, so wie sie war. Was, wenn es für ihn wirklich einen Grund gegeben hatte, Satine zu töten? Sollte sie nicht lieber abwarten und Maul fragen, wenn er wieder zurückkehren würde? Nein, davor hatte sie zuviel Angst. Er würde ihr vielleicht die Wahrheit sagen, die ihr nicht gefallen würde und ihr drohen, den Mund zu halten. Und dann wäre sie nie mehr dieselbe Ahsoka, die sie zu sein gewohnt war. Und ganz bestimmt nicht die, in die sich Maul damals verliebt hatte. Sie kam sich jetzt tatsächlich vor wie eine Gefangene in einem goldenen Käfig. Ihr Meister Anakin Skywalker hatte recht gehabt. Sie musste ihre Gefühle erforschen. Irgendetwas stimmte nicht. Aber was, wenn diese Gefühle viel zu verworren waren, als daß sie sie jetzt hätte erforschen können. Sie entschied sich, nach Kamino zu fliegen, um hier eine Weile bei Ventress zu bleiben und zu sehen, wie es ihr ging.

Ventress war ziemlich guter Dinge, als Asoka bei ihr aufkreuzte. Vier Tage, nachdem sie auf Kamino gelandet war, hatte sie plötzlich einen heftigen Stich in der Brust gespürt. Sie war sofort zu ihrem Frauenarzt gegangen, weil sie Angst um ihr vielleicht gezeugtes Kind hatte. Sie konnte noch nicht einmal sagen, ob der Stich rechts oder links gewesen war, aber sehr scharf sei er gewesen. Der Arzt tat ihre Beschwerden als irrelevant ab. Ständig würden bei ihm Schwangere oder Möchtegernschwangere mit solchen eingebildeten Wehwehchen vorbeischauen. Jetzt vermutete Ventress, daß sie eine Erschütterung der Macht verspürt hatte. Sie wusste nur nicht, weshalb. Der Stich blieb der allerdings einzige. Und sie hätte nicht gedacht, daß es so schnell gehen würde, vom Samen Darth Mauls schwanger zu werden. Bereits nach drei Wochen hielt sie einen positiven Schwangerschaftstest in den Händen. In der Zeit danach genoß sie das Regenwetter von Kamino, welches ihr Einsamkeit und Ruhe genug bescherte, um unbehelligt von den Klonkriegen über den weiteren Verlauf ihres Lebens nachzudenken.

Und um sich auf die Geburt des/r neuen galaktischen Superhelden/In vorzubereiten. Sie würde das Kind nach der Geburt Savage unterschieben. Vom Zeitpunkt des Beginns ihrer Schwangerschaft würde ihr Besuch bei ihm sehr gut in ihr Konstrukt passen. Daß das Kind in Wirklichkeit von Darth Maul war, brauchte vorerst keiner zu wissen. Das würde ihr eh niemand abnehmen und Maul wäre sicherlich verärgert ob ihres Samenraubes. Savage hingegen hatte sich damals in der Nachtbrudersiedlung so intensiv um seinen Bruder Feral gesorgt, daß ihm während ihrer Auswahltests nichts passierte; er würde sich bestimmt über den Nachwuchs freuen und ein guter Vater sein. Sie hatte gespürt, wie verliebt Savage noch in sie war, nach all den Gemeinheiten und Abwesenheiten, die sie ihm zugemutet hatte. Und auf Mandalore würde es dem Kind an nichts fehlen, sie könnte dort irgendeinen Leibwächter- oder anderen Sicherheitsjob annehmen und mehr mit Savage zusammensein. Maul würde ihr die fehlgeschlagene Mission im Jedi-Tempel bestimmt auch verzeihen angesichts des herzigen Nachwuchses, den sie seinem Bruder bescheren würde. Und Mutter Talzin würde stolz auf sie sein. Dessen war sich Ventress gewiß.

Vor allem, wenn sie erst einmal alle Geheimnisse des Holocrons entschlüsselt hätte, das wieder einmal vor ihr stand. Freedon Nadd, ein früherer Jedi, der vor mehreren tausend Jahren zu einem Sith wurde genau wie Ventress, stand als holographischer Miniatur-Torwächter in der Luft schwebend vor Ventress, um ihr zum x-ten Mal zu sagen, daß sie nicht autorisiert sei. Ventress verzog missmutig ihren geschwungenen Mund. Zu Anfang hatte sie dieses Spielchen interessant gefunden. Freedon Nadd hatte ihr erklärt, was Orbalisken-Käfer waren. Daß diese Riesenkäfer sich für immer am Körper ihres Wirts festklammern, ihn alsbald vollständig bedecken würden, daß sie ihn aussaugten und ihm im Gegenzug wertvolle Energie der Dunklen Seite schenkten. Daß der Wirt infolge des Befalls vorzeitig altern würde. Ventress hatte weder die Absicht, auf den Mond zu reisen, wo diese Käfer zu finden waren, noch, sich von ihnen befallen zu lassen, um für den Rest ihres Lebens entstellt zu werden wie dieser masketragende Sith vor ihr. Auch die Aussicht, daß sie durch solcherart bio-organische Rüstung auch für Lichtschwerter unverwundbar sein würde, vermochte Asajj Ventress nicht von den Vorzügen einer Orbaliskenpanzerung zu überzeugen. Sie verzog angewidert das Gesicht.

Wenn Savage es irgendwann wirklich wagen würde, in so einem ekligen Aufzug vor ihr zu erscheinen, dann würde sie ihn nicht mehr anrühren, geschweige denn, sich von ihm berühren lassen. Was Ventress an dieser Orbaliskengeschichte am meisten nervte, war die Tatsache, daß es ihr unmöglich war, sie zu umgehen, um zu den Informationen zu gelangen, die sie wirklich interessierten. Jedesmal, wenn sie sich vor dem Holocron niedergelassen und es mit Hilfe der Macht derart geöffnet hatte, daß der Torwächter erschien, fing er erneut mit seinem Sermon über die Orbalisken an und sie fand keinen Weg, ihn zu stoppen oder umzuleiten. Sie hätte dem Holo-Sith am liebsten einen Machtwürgegriff verpasst, aber sie wusste, daß dies ihren virtuellen Lehrmeister nur noch mehr in dessen Ansicht bestärken würde, daß sie unwürdig sei, das Geheimnis der Machtblitze zu erfahren.

Endlich war es wieder einmal soweit. „Sie haben das Menü ‚Machtblitze' gewählt. Möchten Sie blaue, rote oder violette Machtblitze erzeugen? Bitte sagen sie die gewünschte Farbe an oder halten Sie eine Farbkarte in meine Sichtweite", hörte Ventress zum wiederholten Male die Instruktionen des Torwächters. „Violett", sagte sie. Violett war ihre Lieblingsfarbe. Ventress stellte es sich cool vor, wenn sie ihr violettes langes Kleid mit dem großen Rückenausschnitt tragen würde und dazu violette Machtblitze auf ihren Gegner würde regnen lassen. Damit würde sie Count Dooku bestimmt ungemein beeindrucken. Er würde verzückt sein von ihrer eleganten anmutigen farblich perfekt abgestimmten Erscheinung. Zum allerletzten Mal! „Sie sind nicht autorisiert, das Wissen um violette Machtblitze zu erhalten! Bitte wählen sie ein anderes Menü!", beschied sie der Torwächter negativ. Auch ihre zweite und dritte Farbwahl wurde derart negativ beschieden. Am liebsten hätte sie das Holocron jetzt gegen die Wand geschmettert. Dooku würde jetzt einen launigen Witz machen, wüsste er von ihren Bemühungen. Und ihr das Holocron wegnehmen. Vielleicht würde ihr später Darth Maul helfen, das zu erfahren, was sie interessierte. Vielleicht sogar Savage. Da hörte sie es an der Tür klingeln. Sie packte das Holocron weg, ging zur Tür und öffnete sie, nachdem sie sich vergewissert hatte, daß keinerlei Gefahr im Anzug war. Wie schön, daß jetzt ihre Freundin da war, um sie von diesen tristen Lernversuchen zu befreien.

„Ich hatte einen tollen Auftrag in Mos Eisley. Hier sind 25 000 Credits, dein Anteil.", sagte Ahsoka feierlich. Ventress' große blaue Augen weiteten sich. „Aber das hast du ganz alleine an Land gezogen. Das wäre wirklich nicht nötig gewesen" „Fifty-fifty – wie abgemacht. Ohne dich hätte ich die Bar nicht gefunden – und den Auftrag auch nicht", erwiderte Ahsoka fröhlich. „Was hast du eigentlich für die vielen Credits gemacht?", wollte Ventress wissen. „Ich habe Ersatzteile für Kampfdroiden an den Mann gebracht", versetzte Ahsoka. „War das eine ganze Raumschiffladung? Oder was waren das für Kampfdroiden? Oder an welchen Mann hast du sie gebracht?" „Sonderanfertigungen", sagte Ahsoka geheimnisvoll um fortzufahren: „Und hier hast du dein rotes Lichtschwert zurück. Ich habe nämlich jetzt diese da. War auch in der Bezahlung mit drin."

„Sag mal, hast du für General Grievous gearbeitet und er hat für dich seine Lichtschwertsammlung geplündert? Wer bezahlt denn sonst einen Kurier mit Lichtschwertern? Nun ja, wenn du lieb zu ihm warst und ihm weismachen konntest, daß du auf Cyborgs mit Dauerhusten und Metallbeinen stehst, dann hat er sie dir bestimmt mit Freuden gegeben. Aaahahahahaaa!" Ventress war so sehr damit beschäftigt, über ihren eigenen Witz zu lachen, daß sie nicht merkte, daß die Miene ihrer Partnerin bei dem Wort „Metallbeinen" zu einer Maske versteinerte. Dann erkannte sie eines der Lichtschwerter. „Das hier ist von Meister Grohto", erklärte Ventress. „Der wurde, soviel ich weiß, damals von Darth Maul getötet. Du hast die Lichtschwerter von Darth Maul, stimmts? Und er braucht bestimmt Ersatzteile für seine Kampfdroiden. Whow! Dann bist du die erste Ex-Jedi, die sich nach ihrem Weggang aus dem Jedi-Tempel neue Lichtschwerter besorgt. Alle Achtung. Das war sicherlich die romantischste Übergabe von Ersatzteilen für Kampfdroiden in der ganzen Galaxis. Du bist wirklich Darth Mauls Lieblingspadawan, hab ich recht?" Ahsoka wusste nicht, was sie sagen sollte. Sie entschied sich, das Thema zu wechseln. „Hörst Du eigentlich Nachrichten?", fragte sie Ventress. „Hmm, eigentlich nicht. Ich lese gerade Schwangerschaftsbücher und überlege, einen Geburtsvorbereitungskurs zu besuchen." Ahsoka war baff. „Bist du deshalb hierhergeflogen?" „Hier sucht einen niemand und ich kann in Ruhe mein Kind austragen", sagte Ventress vergnügt. „Darf ich fragen, von wem…" „Nein, das soll eine Überraschung sein. Der Vater weiß noch nichts", blockte Ventress verschwörerisch lächelnd ab.

„Maul ist vorgestern verschwunden und sein Bruder Savage wurde im Thronsaal in Sundari getötet aufgefunden", platzte es aus Ahsoka heraus. „Es herrscht Bürgerkrieg auf Mandalore. Maul hat mir kurz vorher noch die Lichtschwerter vorbeigebracht, weil er sich schuldig fühlte, daß ich so viele Probleme hatte, nachdem er mich auf Mandalore zu sich in den Palast entführt hatte." „Oh, dann mag dich Maul sehr, den solltest du dir unbedingt warm halten. Ist ein toller Kerl", flötete Ventress, um gleich darauf überrascht nachzusetzen: „Sagtest du eben, Savage ist tot?" „Von einem Lichtschwert getötet. Oder mit zweien. Es gibt zwei Einstichstellen. Niemand weiß, wer es war." Ventress schaute betroffen nach unten und faltete die Hände vor ihrem noch flachen straffen Bauch. „Du mochtest ihn?", fragte Ahsoka. „Nun, wir haben uns ziemlich gezofft in letzter Zeit. Aber ich glaube, das gehört…e bei uns einfach dazu", meinte Ventress. „Ist er der Vater?", fragte Ahsoka neugierig. „Nun, ich glaube nicht", sagte Ventress etwas verunsichert. „Du glaubst nicht? Was bist du denn für ein böses Mädchen?". Sie musste lachen. Ventress lachte nicht. Sie hatte gerade gespürt, daß sie sich damals, als sie im Hinterzimmer des Thronsaales in Savages Armen gelegen und dort vor lauter Ruhe und Frieden fast eingeschlafen wäre, sich in diesen Mann verliebt hatte. Und jetzt war wieder jemand weg, an den sie ihr Herz gehängt hatte. Dann fiel ihr ein, daß sie zwar akustisch gehört hatte, daß ihr der Arzt bei ihrer Ankunft in der Klinik gesagt hatte, daß es höchste Zeit für eine Befruchtung sei, aber sie hatte damals überhaupt nicht daran gedacht, daß während dieser Zeitspanne ihrer Fruchtbarkeit bereits jemand anderes zum Zuge gekommen sein könnte, mit dem sie ursprünglich eigentlich nur ein bisschen Vergnügen hatte haben wollen. Sie würde also nach der Geburt einen Vaterschaftstest machen lassen müssen, um sich nicht zu blamieren, wollte sie Maul irgendwann wirklich darüber in Kenntnis setzen, daß er Nachwuchs bekommen hatte. Oder sein toter Bruder. Das würde schwierig werden.

„Was glaubst du, wer Savage getötet haben könnte?", fragte Ventress ihre Freundin. „Keine Ahnung, ich kenne nur uns beide, die regelmäßig mit zwei Lichtschwertern kämpfen. Obi-Wan kämpft nur in Notfällen mit zwei Lichtschwertern, aber er hatte am fraglichen Tag auf Mandalore nur eins mit. Und Maul hat ihm bestimmt keins geliehen. Er hätte das bestimmt auch im Jedi-Tempel gemeldet, hätte er das wirklich geschafft. Und Darth Maul war es ganz bestimmt nicht." „Wo warst du denn eigentlich, als der Mord passierte?", fragte Ventress. „Soll das ein Witz sein? Ich wäre gegen den Riesenkerl doch nie angekommen. Aber nett, daß du mich für so fähig hältst", sagte Ahsoka ironisch, um sogleich weiter zu sinnieren: „Ich glaube nicht, daß es ein Jedi war. Es war dieser verborgene dritte Sith. Mauls und später Dookus Meister." Ventress sah sie wie vom Donner gerührt an. Daran hatte sie noch gar nicht gedacht. Sie hatte Darth Sidious noch nie leibhaftig gesehen. Nur mehr oder weniger verwaschene Holo-Bilder von ihm auf Schloß Serenno. Und sie hatte noch viel weniger Ahnung davon, mit was oder mit wie vielen Lichtschwertern dieser Sith-Lord kämpfen konnte. Wie wenig sie doch von den Sith wusste. Ahsoka sah, daß Ventress in Gedanken war. „Du warst doch Dookus Attentäterin, du kennst ihn, hab ich recht? Wer ist es?" Nur für einen Augenblick sah sie Angst in Ventress' Augen. Dann hatte sich ihre Freundin wieder unter Kontrolle. Es war also genau, wie Maul ihr gesagt hatte. Dieser dritte verborgene Sith war noch viel schlimmer und furchterregender als alle anderen. Wenn selbst Ventress sich nicht traute, ihrer Freundin gegenüber seinen wahren Namen zu offenbaren. „Nun, solange du mir nicht sagst, wo du am fraglichen Tag warst und wer das bezeugen kann, erfährst du von mir gar nichts", entgegnete Ventress geheimnisvoll und herausfordernd. Ahsoka schwieg einen Moment. „Vielleicht sage ich es dir irgendwann später. Jetzt ist nicht der richtige Zeitpunkt. Aber glaub mir, ich verstehe dich", beendete Ahsoka das Thema.

Ahsoka hatte nicht das Gefühl, mit Ventress jetzt darüber reden zu können, was sie für Maul empfand oder sich Rat darüber zu holen, was sie wegen der von diesem getöteten Herzogin Satine tun sollte. Aber sie hatte das Gefühl, daß ihre neue Freundin jetzt gut eine Ablenkung gebrauchen konnte. „Hast du auch gehört, daß Darth Maul vor zwei Tagen die Herzogin Satine getötet hat, nur einen halben Tag, bevor Savage getötet wurde?" „Das war abzusehen", erwiderte Ventress kalt. „Entweder hätte Maul sie getötet oder irgendjemand anders. So eine Pazifistin ist doch geradezu eine Einladung zum Töten." „Sie war meine Freundin", gab Ahsoka zornig ob dieser kaltschnäuzigen Antwort zurück. „Ich weiß schon warum du dich so aufregst", piekte Ventress weiter. „Du hast ein schlechtes Gewissen, weil du ihn liebst, obwohl er deine Freundin umgebracht hat." „Ich liebe ihn überhaupt nicht", sagte Ahsoka trotzig. „Lügnerin! Tja, meine Liebe", dozierte Ventress, „dann und wann im Leben muß man sich entscheiden: Entweder man entscheidet sich für die starken Lebenden, die einen schützen können und nützlich sind, oder man trauert der Vergangenheit hinterher, die man sowieso nicht mehr ändern kann." „Du machst es dir einfach, du kanntest Satine überhaupt nicht so wie ich", sagte Ahsoka verärgert.

„Nein, tu ich nicht", sagte Ventress hart. „Aber hinter mir sind eine Menge Leute her genauso wie hinter dir. Und an deiner Stelle wäre ich froh, wenn ich so einen mächtigen Gönner hätte wie Maul. Aber mach nur, frag ihn, warum er Satine umgebracht hat und sag ihm, daß du deswegen sauer auf ihn bist. Wenn es überhaupt noch die Gelegenheit dazu gibt. Was glaubst du wohl, wird passieren? Meinst du, Maul entschuldigt sich bei dir und ordnet ein Staatsbegräbnis für Satine an inklusive Trauerfeier? Wir müssen alle sehen, wie wir in diesen harten Zeiten über die Runden kommen, ohne einen Blasterschuß in die Brust oder ein Lichtschwert in den Rücken gestoßen zu bekommen. Ich an deiner Stelle würde ihn nicht danach fragen, wenn dir dein Leben lieb ist. Und wenn du ihn wirklich magst, wie er dich zu mögen scheint, dann solltest du dir ganz fest vorstellen, daß es einen guten Grund gab, die Herzogin zu töten. Und ihn möglichst nicht damit behelligen. Sonst wirst du deines Lebens nicht mehr froh." „Einen guten Grund?", entrüstete sich Ahsoka. „Herzogin Satine hat niemandem etwas zuleide getan. Sie hat niemanden provoziert, es sei denn, mit ihrer bloßen Präsenz!" „Sie hat den Kampf verloren, mehr Grund braucht es nicht", entgegnete Ventress höhnisch. „Weißt du, Maul hat schon viele Leute getötet, die ihm im Weg standen. Er hat dir ihre Lichtschwerter gegeben, Süße. Er wird auch dich töten, wenn er sich deiner Loyalität nicht mehr sicher sein kann bei so einem irrationalen Verhalten, wie du jetzt zeigst. Oder du haust ab, wenn du ihn nicht mehr deswegen ertragen kannst. Und dann wird er mir in den Ohren liegen, wo du bist und dann bekomme ich deinetwegen Ärger. Willst du das?"

Ahsoka merkte, daß sie gegen Ventress nicht ankam. Sie war offenbar genauso gefangen und zerrissen von den Ereignissen wie sie selbst. Es gab offensichtlich keinen dritten Weg, um sich aus den Ereignissen des Krieges herauszuhalten. Wenn das selbst Darth Maul nicht geschafft hatte als Herrscher eines Planeten, im Bemühen um Neutralität, wie sollte dann sie, Ahsoka Tano, derart aufrecht durch die Galaxis schreiten, nur ihrem Gewissen verpflichtet, dabei ohne Rücksicht auf andere, deren Unterstützung sie bedurfte. Sie musste plötzlich an die Worte ihrer Freundin Barriss Offee denken, die die Gewalt angeprangert hatte, die vom Jedi-Orden ausging. War diese Gewalt wirklich unausweichlich? Hatte die Dunkle Seite sie, Ahsoka Tano, bereits fest im Griff? Und wann hatte das angefangen? Mit ihrem Trip nach Mandalore? Oder mit ihrer ersten bewaffneten Mission, als sie jemanden getötet hatte? Sie wusste, daß Maul sich diese Fragen nie stellen würde, war er doch stets der Dunklen Seite zugehörig gewesen. Auch wenn er dann und wann gegen bestimmte Regeln der Sith verstieß, wenn es zu seinem Vorteil oder Vergnügen war, so wie er es auch zu Ahsokas Vorteil getan hatte. Aber sie war sich nicht sicher, ob das wirklich Vorteile waren, die sie von Mauls Zuwendung ihr gegenüber hatte. Aber noch weniger sicher war sie sich über mögliche Alternativen dazu. Sie wurde sehr still und entschloß sich, noch ein paar Tage im regnerischen Kamino zu bleiben, sich zu zerstreuen, nachzudenken und abzuwarten.

Die Lage auf Mandalore war nach Mauls Verschwinden ziemlich unübersichtlich. Darth Maul war, obgleich ursprünglich ein Ausländer, seit seinem Amtsantritt als neuer Herrscher auf Mandalore ziemlich populär gewesen. Die erwarteten Unruhen nach der Machtergreifung Darth Mauls waren ausgeblieben. Im Gegenteil: Darth Maul ließ die Polizei und das Militär aufstocken und schaffte so viele neue Verdienstmöglichkeiten und vielen Mandalorianern schmeichelte es obendrein, daß sie wieder an alte militärische Ideale anknüpfen und sich wieder als etwas Besonderes fühlen durften. Dank der von Maul eingeführten drakonischen Strafen für Verbrechen sank die Kriminalitätsrate auf Mandalore um ca. 70%. Und die Schwarze Sonne, die Pykes und Hutts waren von Maul angewiesen worden, sich auf ganz bestimmte Geschäftsfelder zu beschränken und die Bevölkerung so wenig wie möglich zu behelligen. Gleichzeitig wies Maul Almec an, viel in die Kunst und Sport zu investieren, so daß auf Mandalore jetzt mehr Musikkonzerte und Mega-Shows mit den besten Künstlern und Sportwettkämpfe mit den besten Kämpfern der Galaxis stattfanden. Ein anderer Kassenmagnet, der die Mandalorianer in vielerlei Hinsicht erfreute. Der Tourismus boomte. Viele Reiseveranstalter warben damit, daß Mauls Mandalore ein einzigartiges Reiseziel sei. Wo gab es so etwas schon, daß ein Sith-Lord ganz offen einen Planeten regierte? Es wurden Death-Watch-Trainings-Camps für abenteuerlustige Touristen angeboten.

Dabei betonte Premierminister Almec auf Geheiß Darth Mauls immer wieder die Neutralität von Mandalore im Kampf zwischen der Republik und den Separatisten. So wurde Mandalore zu einem sicheren Hafen für die, die sich zwischen den Fronten zerrieben fühlten und ihre Schäfchen ins Trockene bringen wollten. Eine weitere Geldquelle für den Planeten und die ihm zugehörigen Systeme. Und so kam es, daß sich Darth Maul und seinem nach außen hin neutralen mandalorianischen Universum immer mehr Planeten anschlossen. Es hatten sich auf Mandalore Darth Maul-Fanclubs gebildet und vereinzelt auch Fanclubs für seinen Bruder Savage Opress, obwohl oder gerade weil dieser öffentlich nicht so in Erscheinung trat und deshalb als im wahrsten Sinne des Wortes großes Mysterium galt. Darth Maul hatte schnell die Landessprache gelernt und war viel mit den Kommandanten der Death Watch unterwegs, und konnte sich so einen guten Überblick über sein Reich verschaffen.

Die Death Watch verehrte ihren starken und intelligenten neuen Anführer und bald dachte niemand mehr wehmütig an Pre Vizsla zurück. Mauls dominante, dabei lässige und souveräne Art kam gut beim Volk an und sein exotisches Aussehen erwies sich in dieser Kombination eher als Pluspunkt denn als Hindernis. Er war ein wahrer Mandalorianer geworden. Davon profitierte in der Schule auch sein Sohn Orvix, der am Anfang in der Schule als Außenseiter galt und angefeindet worden war, gab es doch damals so gut wie keine Ausländer auf Mandalore. Aber er konnte sich schnell Respekt verschaffen, da seine Mutter ihm viele Kampfkniffe beigebracht hatte. Und die Schüler in seiner Schulklasse waren mit den Kadetten auf Orsis nicht zu vergleichen, was deren Kampffertigkeiten anging. Aber mehr als zweimal musste Mauls Sohn seine Fähigkeiten nicht unter Beweis stellen. Ziemlich bald merkten alle in der Klasse und später in der ganzen Schule, daß mit Orvix nicht zu spaßen war. Er hatte nun seine Ruhe und fand bald viele Freunde. Auch um seine Schwester Daleena zu schützen, die von den Mädchen der Schule geschnitten und wegen ihrer gelben Augen und ihrer roten Haut gelegentlich geärgert wurde.

Auch nachdem er verschwunden war, galt Darth Maul noch immer als Herrscher von Mandalore. Niemand traute sich, öffentlich sein Verschwinden oder seinen möglichen Tod dazu zu nutzen, Mauls Position als Herrscher Mandalores für sich zu beanspruchen. Dabei kam es Maul zugute, daß er sich nie als Herrscher von Mandalore titulieren ließ, sondern in den Zeitungen und im Holo-Net lediglich als Lord Maul, Anführer der Death Watch firmierte. Das wurde ihm als Bescheidenheit ausgelegt und trug noch mehr zu seiner Beliebtheit bei. Solange Maul Mandalore regiert hatte, fragten viele Leute nicht länger nach dem Verbleib von Herzogin Satine, während andere sie heimlich vermissten. Als Maul dann auf einmal verschwunden war, brach dieser Gegensatz offen hervor. Die Nachteulen von Bo-Katan lieferten sich offen Kämpfe mit Maul-treuen Death-Watch-Kämpfern. Premierminister Almec versuchte, so gut es ging, Waffenruhen und temporäre Einigungen zwischen den verfeindeten Parteien zu erzielen. Und dann musste Almec sich noch um ein anderes spezielles Phänomen der Herrschaft Darth Mauls kümmern: Vier der weiblichen Death-Watch-Mitglieder, die in Savages Korps Dienst getan und ihn nach Dienstschluß regelmäßig in seinem Hauptquartier besucht hatten, zeigten fast zur gleichen Zeit in der Verwaltung der Death-Watch ihre Schwangerschaft an und gaben als Vater Savage Opress an. Zeit, den Premierminister zu kontaktieren, der sofort einen Fond einrichtete, um die später alleinerziehenden Mütter und ihre Kinder angemessen unterstützen zu können.