Kapitel 36: Endlich zusammen…
Bella:
„Hast du eine Freundin?"
Ok, jetzt war es raus.
Aber das hatte ich nicht sagen wollen. Es waren aber auch vier Worte…und es hatte mich wirklich schon lange interessiert. So versuchte ich zumindest mich vor mir selber zu rechtfertigen.
Aber ich war eben doch feige.
Ich musste das erst noch mal durchdenken, wie ich ihm das am besten sagte…
Edward:
Sie sah einfach nur zur Decke und sagte nichts mehr. Wahrscheinlich war sie erschöpft.
Kurz piepste das EKG wieder schneller, und ich sah sie an, als sie mich fragte: „Hast du eine Freundin?"
Ich schüttelte verneinend den Kopf.
Waren meine Worte denn nicht bis zu ihr vorgedrungen? Ich hatte ihr gesagt, dass ich sie liebte…
Ach, sie war einfach kompliziert.
Ich schenkte ihr ein Lächeln und strich ihr sanft über die Wange.
Wir würden nochmals reden, wenn sie wieder zu Kräften gekommen war.
Aufregung war jetzt nicht gut für sie…
Bella:
„Wo sind Emmet und Alice? Ich würde sie gerne sehen…."
„Sie werden bald wieder da sein. Sie waren bis vor einer Stunde noch hier, aber zwischendrin brauchen sie mal frische Luft." Antwortete er mir.
Dann gab ich meinem Herzen einen Ruck…ich wollte ihm sagen, was ich für ihn fühlte. Aber eigentlich musste er erst noch ein paar Sachen erfahren:
„Inzwischen weißt du ja jetzt, was ich dir verheimlicht habe. Die Kurzfassung stand in der Zeitung, und ich gehe davon aus, dass du auch mit deinem Vater geredet hast. Darüber hinaus denke ich mir, dass Emmet seinen Teil ebenfalls dazu beigetragen hat, so dass du eigentlich jetzt alles weißt, oder?"
Leise bestätigte er meine Annahme. Ich schluckte….denn ich hatte Emmet auch die Sache mit Andrew verraten. Nun ja…jetzt war es so.
Ob ich sauer sein sollte, dass Emmet es erzählt hatte, wusste ich in dem Moment nicht. Aber es war ok…so musste ich es ihm nicht sagen.
„Eine Sache allerdings ist mir wichtig, und ich hoffe, du glaubst mir. Man hatte damals Drogen in meinem Blut gefunden…aber ich hatte keine genommen. An dem Abend, als ich verschwunden bin, hatte ich noch Besuch. Er heißt Leeroy. Er ist….nein, er war mal EIN Freund…Er war an diesem verhängnisvollen Abend auch auf der Party….und….." es fiel mir schwer, es auszusprechen „er hatte mir etwas in die Cola getan, damit ich willig werden würde, weil er ansonsten nicht bei mir landen konnte. Also mussten meine Eltern sterben, weil ich mit ihm nicht ins Bett wollte."
Ich machte mir Vorwürfe. Hätte ich das vorher gewusst, hätte er diese Nacht haben können….dafür würden meine Eltern aber vielleicht noch leben.
Während ich Edward erzählte, was passierte, als Lee bei mir zu Hause war, hörte ich immer wieder das unregelmäßige Piepsen des EKG´s.
Das Ding war ein Verräter… Jede Aufregung zeigte es an.
Da war aber noch etwas, was ich ihm erzählen wollte.
Ich war beinahe gestorben. Wenn man einmal in dieser Situation war, sah man viele Dinge anders. Es gab Sachen, die sollte man gleich aussprechen und nicht damit warten. Denn im nächsten Moment könnte es zu spät sein.
Hatte man einmal das Gefühl erlebt, es sei zu spät, jemandem etwas zu sagen, verschenkte man keine unnötige Zeit mehr.
Und auch ich hatte das nicht mehr vor.
„Edward, ich erzähl dir jetzt was, ok, und unterbrich mich nicht. Ich weiß nicht, ob ich sonst noch mal damit anfangen würde. Es fällt mir so schon so schwer. Ich bin doch, was das angeht, völlig unerfahren." Er lächelte mich noch immer an und nickte mir zu.
Also holte ich noch mal tief Luft und fing an zu erzählen:
„Jeden Morgen, wenn ich meine Augen öffne, denke ich schon an dich. Ich denke jede Minute an dich, und du verfolgst mich bis in meine Träume. Du bist der, der in meinem Leben fehlt, der mich ergänzt, bei dem ich mich so vollständig fühle….in dessen Armen ich glücklich sein kann. Jeden Tag hoffe ich, dass du meine Gefühle erwiderst, dass du dein Leben mit mir teilen willst. Ich brauche dich….ich brauche dich so sehr. Ich will mir gar nicht vorstellen, wie es wäre, wenn du nicht mehr bei mir wärst. Es würde mir das Herz aus dem Leib reissen, und ohne Herz kann man nicht leben. Ohne dich kann und will ich nicht leben. Edward, ich liebe dich."
Edward:
…Edward, ich liebe dich."
Sie hatte es ausgesprochen. Sie liebte mich. Das Glücksgefühl durchströmte meinen Körper…
Emmet hatte es also gewusst.
Ich strich ihr zärtlich über die Wange.
In ihren Augen verlor ich mich. So waren so tief und ununergründlich….ich hatte das Gefühl in ihr Innerstes schauen zu können.
Behutsam nahm ich ihre Hand in meine und streichelte ihre Handfläche. Es gab nichts mehr, was zwischen uns stand…
Jetzt musste sie nur wieder hier rauskommen, und dann konnten wir endlich leben.
Vorsichtig näherte ich mir ihrem Gesicht.
Ich wollte sie küssen….
Doch ich zögerte.
War sie schon so weit?
Meine Frage spiegelte sich wohl in meinen Augen wieder.
Ihr Herzschlag beschleunigte sich.
Ich sah, wie sie ihre Augen schloss und sich ihre Lippen ganz leicht öffneten.
Sie warteten auf mich.
Vorsichtig küsste ich sie…
Gerade als ich mich wieder von ihr lösen wollte, erwiderte sie den Kuss. Es war ein nicht endenwollender Kuss.
Solche Gefühle hatte ich noch nie erlebt. Ein angenehmes Ziehen in meinem Bauch trieb mich voran, den Kuss zu vertiefen.
Ich spürte, dass sie atemlos wurde und zog mich behutsam zurück.
Ihre Augen waren noch immer geschlossen….aber eine einsame Träne kullerte über die Wange.
Bella:
Ich spürte seine Lippen auf meinen. Es war ein unbeschreibliches Gefühl. Mein Herz schlug lautstark, und in meinem Bauch flogen tausend Schmetterlinge.
Als er sich von mir lösen wollte, erwiderte ich den Kuss. Er sollte noch nicht enden. Dieses wunderschöne Gefühl sollte noch nicht vorbei sein…
Ich vergass sogar das Atmen.
Als er sich von mir löste, schnappte ich keuchend nach Luft.
Was hatte er nur mit mir angestellt?
Ich war glücklich….so wirklich richtig glücklich. Das erste Mal seit vielen Monaten.
Eine einzelne Träne hatte sich den Weg über meine Wange gebahnt. Ich wollte es auch gar nicht verhindern.
Es war eine Träne der Freude…
Und leise flüsterte er mir die lang ersehnten Worte zu: „Bella, ich liebe dich!"
