A/N: Der geneigte Leser möge mir verzeihen, dass ich große Teile des 7. Bandes wörtlich übernehmen musste. Allerdings habe ich den einen oder anderen Dialog schlussendlich übersprungen oder gekürzt, da wir ja alle wissen, was letztlich passiert ist und ich versucht habe, das Geschehen aus Sicht von McGonagall zu schildern. Da ich wie üblich alleine herumwurschtele, sind etwaige Logikfehler alleinig auf meinen Mist gewachsen...
Und nein, das ist noch nicht das letzte Kapitel.
Kapitel 36 Das Ende
Minervas verzweifelter Aufschrei war der erste von vielen. Schließlich gebot Voldemort Ruhe und erzwang sie mit einem Schweigezauber, bevor er Hagrid anwies, Harrys Leiche ins Gras zu seinen Füßen zu legen.
„Seht ihr? Harry Potter ist tot! Versteht ihr jetzt, ihr Betrogenen? Er war niemals etwas andres als ein Junge, der sich darauf verließ, dass sich andere für ihn aufopferten!"
Voldemort schritt neben Harrys Leiche auf und ab, während er seine Rede schwang, bevor er rüde von Ron unterbrochen wurde:
„Er hat dich besiegt!"
Mit Rons Ausruf schien der Schweigezauber aufgehoben und Minerva wunderte sich vage, wieso das überhaupt passieren konnte, während sich um sie herum die Stimmen der Verteidiger von Hogwarts erhoben. Ein zweiter, mächtigerer Schweigezauber machte sie allerdings gleich wieder mundtot.
Voldemorts nächste, allzu genüssliche, Aussage konnte und wollte Minerva nicht glauben:
„Er wurde getötet, als er sich vom Schlossgelände davonstehlen wollte."
Anscheinend war sie nicht die Einzige, die diese so offensichtliche Lüge als Beleidigung auffasste, denn sie wurde unsanft zur Seite gedrängt und Neville stürzte an ihr vorbei und auf Voldemort zu.
Ein Knall ertönte, ein plötzlicher Lichtblitz flammte auf und Neville warf es entwaffnet zu Boden, während Voldemort Nevilles Zauberstab lachend fortwarf.
„Wen haben wir denn da?", sagte er spöttisch. „Wer hat sich hier freiwillig gemeldet, um vorzuführen, was mit denen passiert, die weiterkämpfen, während die Schlacht schon verloren ist?"
Minerva machte unwillkürlich einen Schritt vorwärts, um sich zwischen Neville und Voldemort zu werfen, wurde aber durch Septimas festen Griff daran gehindert.
„Du kannst nichts tun, Minerva", wisperte Septima ihr ins Ohr. „Du kannst ihm nicht helfen."
„Es ist Neville Longbottom, Herr! Der Junge, der den Carrows so viel Ärger gemacht hat! Der Sohn der Auroren, Ihr erinnert Euch?", erklärte Bellatrix Lestrange eifrig und Minerva hätte ihr dafür den Hals umdrehen können.
„Ah, ja, ich erinnere mich", gab Voldemort zurück und beobachtete wie alle anderen, wie Neville sich vom Boden aufrappelte und sich stolz und aufrecht hinstellte, unbewaffnet im Niemandsland zwischen Voldemort und den Verteidigern.
Aber du bist ein Reinblüter, nicht wahr, mein tapferer Junge?", fragte Voldemort weiter und Minerva hasste das Zischen in seiner Stimme.
„Und was, wenn ich einer bin?", erwiderte Neville laut und herausfordernd.
„Du beweist Kampfgeist und Mut, und du bist von edler Abstammung. Du wirst einen äußerst wertvollen Todesser abgeben. Wir brauchen Leute von deinem Schlag, Neville Longbottom", erklärte Voldemort.
„Bei euch mache ich erst mit, wenn die Hölle gefriert. Dumbledores Armee!", schrie Neville und die Menge, von Voldemorts Schweigezauber nicht zu bändigen, jubelte ihm zu.
Plötzlich hatte Minerva wieder Hoffnung, Hoffnung, dass sie auch ohne Harry noch einen Sieg davontragen konnten, Hoffnung darauf, die Freiheit zu erringen. Solange sie Leute vom Kaliber eines Neville hatten, so lange würden sie sich zur Wehr setzen können.
„Wenn das deine Entscheidung ist, Longbottom, dann kehren wir zum ursprünglichen Plan zurück", sagte Voldemort mit trügerisch sanfter Stimme. „Auf deinem Kopf soll es sein."
Er ließ den sprechenden Hut aus einem der zerbrochenen Fenster herabschweben und hielt ihn fest. Schlaff, leer und zerschlissen baumelte er von Voldemorts Hand. Voldemort schüttelte ihn abfällig, um seine nächsten Worte zu unterstreichen:
„Es wird an der Schule von Hogwarts keine Auswahl mehr geben. Es wird keine Häuser mehr geben. Das Wappen, der Schild und die Farben meines edlen Vorfahren Salazar Slytherin werden für jedermann genügen, nicht wahr, Neville Longbottom?"
Voldemort verpasste Neville einen Körperklammerfluch, damit er sich nicht rühren konnte und rammte ihm grob den sprechenden Hut auf den Kopf. Seine Todesser hielten mit ihren Zauberstäben die wartende Menge vor dem Schloss in Schach.
„Neville hier wird nun vorführen, was mit jedem geschieht, der so töricht ist, mir weiterhin Widerstand zu leisten", sagte Voldemort und ließ mit einem Wink seines Zauberstabs den Hut in Flammen aufgehen.
Neville, unfähig sich zu rühren, brannte lichterloh. Schreie gellten durch das Morgengrauen, und Minerva versuchte abermals, Septimas Hand abzuschütteln, um ihrem Schüler zur Hilfe zu eilen, als plötzlich Tumult losbrach.
Plötzlich bekamen sie Verstärkung. Grawp tauchte auf, auf der Suche nach seinem Bruder, in seinem Kielwasser die Zentauren.
Neville schüttelte mit einer raschen Bewegung den Körperklammer-Fluch ab und der brennende Hut fiel ihm vom Kopf. Im Hut materialisierte sich das Schwert von Godric Gryffindor und Neville zog es schwungvoll aus dem Hut, wirbelte herum und köpfte die gigantische Schlange, die neben Voldemort in der Luft schwebte.
Der Tumult wurde noch größer, als die Thestrale und Seidenschnabel sich am Kampf beteiligten und es ganz klar auf die Todesser abgesehen hatten.
Das Gedränge schob alle, Angreifer wie Verteidiger, wieder ins Schloss zurück, wo sofort wieder Kämpfe entbrannten.
Das Gedränge in der Eingangshalle wurde noch größer, als die Angehörigen und Freunde vieler Schüler, sowie die Ladeninhaber und Hausbesitzer von Hogsmeade die Eingangshalle stürmten und helfen wollten, das Schloss zu verteidigen und die Todesser zu besiegen.
Minerva hatte kaum Zeit, zu begreifen, dass sich ihnen hier eine echte Chance bot, als sie hörte, wie die Tür zur Küche aus den Angeln gesprengt wurde und die Hauselfen von Hogwarts sich, bewaffnet mit Tranchiermessern und Hackebeilen, angeführt von Harrys Hauself Kreacher, sich ins Getümmel stürzten und den Todesser in Füße und Schienbeine hackten und etliche damit zu Fall brachten.
Minerva wusste nicht, wie es dazu kam, aber plötzlich fand sie sich im Duell mit Voldemort wieder. Unterstützt glücklicherweise von Slughorn, den sie noch nie so wendig erlebt hatte, und Kingsley, der selbst im Kampf seine Gelassenheit nicht verlor, kämpfte sie gegen den Dunklen Lord. Minerva mobilisierte alles, was ihr noch an Kraft geblieben war, beseelt von dem Wunsch, Voldemort ein für alle mal zu erledigen und vom Erdboden zu vertilgen, doch obwohl sie zu dritt waren, schienen sie außerstande zu sein, ihm den letzten, den entscheidenden Schlag zu verpassen.
Die meisten der Verteidiger hatten sich an die Wände zurückgezogen, während sie drei sich mit Voldemort duellierten und außer ihnen vier bewegten sich noch zwei andere Personen wie im Tanz durch den Raum.
Aus den Augenwinkeln sah Minerva, wie Molly Weasley sich mit Bellatrix duellierte, hatte aber keine weitere Gelegenheit, sich nach ihr umzusehen, bis das Geschrei der Zuschauer an den Wänden und der laute Schrei von Voldemort ihr verrieten, dass Molly Bellatrix erledigt hatte.
Erzürnt über den Tod seiner treuesten Untergebenen schleuderte er Minerva, Kingsley und Slughorn von sich, als wären sie nichts weiter als lästige Insekten und während Minerva noch versuchte, wieder auf die Beine zu kommen, richtete Voldemort seinen Zauberstab auf Molly, um Bellatrix zu rächen.
Bevor irgendjemand etwas sagen oder tun konnte, rief jemand laut „Protego" und schuf einen Schildzauber zwischen Molly und Voldemort und Harry Potter zog sich seinen Tarnumhang vom Kopf. Einen Moment lang dachte Minerva, sie wäre ernstlich mit dem Kopf aufgeschlagen, als Voldemort sie von sich stieß, aber der Jubel um sie herum belehrte sie eines Besseren.
Der kurze Jubel und die Rufe „Harry! Er lebt!" erstarben allerdings so schnell wieder wie sie aufkamen, und es wurde schlagartig still, als Harry und Voldemort einander taxierend umkreisten.
„Ich will keine Hilfe von irgendjemandem", sagte Harry laut. „Es muss so sein. Ich muss es selber tun."
Und gebannt beobachtete Minerva, wie die beiden eingeschworenen Feinde sich umkreisten. Während Voldemort Harry immer wieder Beleidigungen ins Gesicht sagte, blieb Harry bemerkenswert ruhig und konterte sachlicher, als Minerva es ihm jemals zugetraut hätte.
Harry erwähnte Horkruxe und Minerva fiel es wie Schuppen von den Augen. Das war es, was Harry gesucht hatte. Das war es, womit Albus ihn beauftragt hatte!
Und Snape hatte Dumbledore auf dessen eigenen Wunsch getötet? Snape war nie ein Verräter gewesen, sondern hatte bis zu seinem Tod Dumbledores Plan verfolgt und hinter den Kulissen versucht, ihnen allen zu helfen?
Die Sonne ging auf und tauchte die beiden Gegner in ihr rot-goldenes Licht. Immer noch umkreisten sie sich, doch Minerva war sich sicher, dass es nicht mehr lange bis zur Entscheidung dauern würde. Sie sollte Recht behalten...
Noch während Voldemort den Todesfluch aussprach, entwaffnete Harry ihn und nach allem, was sie je über Zauberstäbe gehört hatte, wunderte Minerva sich nicht, dass der Fluch von Harry abprallte und auf Voldemort selbst zurückfiel, während Harry geschickt Dumbledores alten Zauberstab auffing, den Elderstab, wie sie nun alle wussten.
Voldemort kippte einfach um, steif wie ein Brett und schlug mit dumpfer Endgültigkeit am Boden auf.
Für einen Moment herrschte Stille, fassungsloses, erschrecktes Erstarren, bevor dann der Jubel losbrach und sich alle auf Harry stürzten, um ihn zu umarmen, auf die Schulter zu klopfen oder – wie in Minervas Fall - sich einfach zu vergewissern, dass er tatsächlich lebendig und anwesend war.
Minerva sah am anderen Ende der Halle Septima stehen, sie ließ Harry los und schob und drängte sich geradezu unhöflich durch die Menschenmassen, bis sie endlich vor ihr stand.
„Septima!"
„Minerva!"
Sie fielen sich endlich in die Arme, hielten einander umschlungen und Minerva kümmerte es einen feuchten Dreck, wer ihnen dabei zusehen mochte. Sie umfasste Septimas Gesicht liebevoll mit beiden Händen.
„Ich habe dich so vermisst, mein Liebstes! Du hast mir so gefehlt. Ich liebe dich so sehr", brachte Minerva hervor, bevor sie Septima lange und innig küsste.
„Jag mir bloß nie wieder einen solchen Schrecken ein!", keuchte Septima, als sich ihre Lippen endlich wieder voneinander lösten. „Dich mit Voldemort zu duellieren! Ich habe gedacht, mir bleibt das Herz stehen!"
Noch immer hielt sie Minerva in den Armen und schien nicht geneigt, sie in absehbarer Zeit wieder loszulassen.
Selbst als McGonagall veranlasste, dass man Voldemorts Leiche fortschaffen sollte und sie sich daran machte, die Haustische wieder aufzustellen, ließ Septima ihren Arm um Minervas Taille geschlungen.
Nachrichten machten die Runde: Kingsley wurde provisorisch zum Zaubereiminister ernannt, überall flohen die verbliebenen Todesser und die unschuldig inhaftierten Insassen von Azkaban wurden reihenweise freigelassen.
Irgendwann fand Minerva sich in einer etwas ruhigeren Ecke auf einer der Bänke wieder, immer noch Septimas Arm um ihre Taille geschlungen, und dankbar lehnte sie den Kopf an Septimas Schulter.
Sieg hin oder her, Triumph oder nicht, sie war einfach nur hundemüde und sehnte sich nach ihrem Bett.
Septima schien das zu merken.
„Hör mal, warum gehst du nicht und legst dich für eine Stunde hin und schläfst? Bei all dem Trubel hier fällt es doch gar nicht auf, wenn du kurz verschwindest."'
Minerva nickte dankbar. Nach allem, was hier geschehen war, konnte Hogwarts sicherlich für eine kurze Weile ohne sie auskommen, dachte sie und ließ es zu, dass Septima ihr aufhalf und sie in den Arm nahm.
„Ich werde dich jetzt ins Bett bringen, bevor wieder irgendjemand kommt und was von dir will."
In Septimas Arm gekuschelt ließ Minerva sich von ihr fortführen, sie war so müde, dass die beinahe schon im Stehen schlief. Unterwegs gab Septima Kingsley Bescheid, dass Minerva sich ein wenig hinlegen würde, dass sie aber bei ihr sei und Nachrichten für sie entgegennehmen würde.
„Das wird sicher nicht nötig sein", erwiderte Kingsley auf seine ruhige Art.
„Wir sollten eine Weile auch ohne Minerva auskommen, jetzt, wo die Gefahr gebannt ist. Ruht euch beide aus, es gibt hier nichts, das nicht auch bis morgen warten könnte."
Septima nickte ihrem neuen Minister zu und brachte dann endlich Minerva fort. Wie durch ein Wunder waren Minervas Räume nahezu unversehrt geblieben, es gab ein paar Sprünge in den Wänden und das Fenster hatte ein Loch, also nichts, was Septima nicht in kürzester Zeit reparieren konnte.
Dann zog sie die erschöpfte und reichlich ramponierte Minerva aus und steckte sie in die Badewanne. Zärtlich wusch sie den Schmutz, den Staub und das Blut von ihr ab, und kümmerte sich endlich um die klaffende Wunde auf ihrer Wange und die diversen andren Blessuren, die sie nun fand, bevor sie sie in ihren Morgenmantel hüllte und ins Bett brachte. Ihre zerrissenen besudelten Roben verbrannte sie ihm Kamin. Dann setzte sie sich zu Minerva auf die Bettkante und hielt ihre Hand, während ihre Partnerin schlief.
Minerva schlief erheblich länger, als sie es vorgehabt hatte. Als sie endlich aufwachte, hatte Septima sich inzwischen auch geduscht und sich eine frische Robe von Minerva geliehen.
„Guten Morgen, Murmeltierchen", begrüßte Septima sie liebevoll. „Hast du gut geschlafen?"
„Gut schon, aber nicht mal annähernd lang genug", erwiderte Minerva und gähnte. „Ich bin immer noch total platt. Wie spät ist es?"
„Gleich zwei", antwortete Septima und ließ sich wieder auf Minervas Bettkante nieder.
„Und wann hast du mich ins Bett gesteckt? Ich habe das gar nicht mehr alles mitgekriegt."
„Als ich dich frisch verpflastert aus der Badewanne geholt habe, war es kurz nach zehn. Du könntest dich noch einmal für ein Stündchen umdrehen, Hogwarts steht noch", schlug Septima ihr vor, doch Minerva schüttelte den Kopf.
„Nein, ich muss aufstehen. Es gibt noch so vieles zu klären und zu regeln und außerdem würde ich gerne mit Potter sprechen, bevor er sich wieder aus dem Staub macht", erklärte Minerva. „Da gibt es noch einige Sachen, die ich gerne näher erklärt haben möchte."
„Sicher, aber ich glaube, Potter wird inzwischen auch an der Matratze horchen, vorausgesetzt, er hat sich aus der Großen Halle schleichen können."
Septima sah nachdenklich auf Minerva hinab.
„Ich kann dich nicht im Bett halten, oder? Das dachte ich mir schon. Immer noch der gleiche schottische Sturkopf wie früher. Pass auf, wenn du aufstehst, du hast gestern einige Blessuren abbekommen. Ich habe sie zwar behandelt, aber ich bin eben nicht so gut wie Poppy."
„Mir ist so, als hätten wir schon einmal ein ähnliches Gespräch gehabt", sagte Minerva und lächelte kurz. Entschlossen schlug sie die Bettdecke zurück und schwang die Beine über die Bettkante. Prompt wurde ihr schwindlig.
„Nein, lass nur, das geht gleich wieder", beschwichtigte sie Septima, die wie eine Glucke um sie herumlief. „Ich bin vermutlich nur unterzuckert, ich habe gestern das Abendessen ausfallen lassen. Also nichts, was eine Tasse Tee und eine Scheibe Toast nicht richten könnten."
Diesmal vorsichtiger stemmte sie sich hoch und ging ins Bad. Als sie sich im Spiegel betrachtete, fragte sie sich ehrlich verwundert, woher die ganzen Prellungen und Schnittwunden herrühren mochten. An den Schnitt in der Wange konnte sie sich erinnern, aber die blauvioletten Verfärbungen an ihren Rippen und die zerschnitten Knie waren ihr neu.
Sie steckte den Kopf durch die Badezimmertür.
„Kannst du mir mal sagen, warum ich nach jedem Kampf so ramponiert bin, während du nicht mal eine Schürfwunde abkriegst?", fragte sie entrüstet. „Ich sehe aus wie Fallobst, und genauso fühle ich mich auch."
„Das kommt davon, weil du dich immer gleich mit dem bösen Obermacker anlegen musst, während ich nur das gemeine Fußvolk bekämpfe", erwiderte Septima abwesend, während sie versuchte, Minervas Roben auf ihre Größe zu zaubern. „Außerdem habe ich mir sagen lassen, dass du unter eine Schuttlawine begraben worden bist und beinahe den Treppenaufgang auf den Kopf bekommen hast. Mist!", fluchte sie, als der Zauber nicht wie gewünscht wirkte.
„Gib mal her." Minerva kam aus dem Bad, ein Badetuch um sich gewickelt und besah sich Septimas Problem. „Mein Zauberstab?", fragte sie kurz.
„Auf deinem Nachttisch, wo er immer liegt."
„Ah, ja." Minerva ergriff ihren Zauberstab und machte sich daran, Septimas geliehene Roben auf ihre Größe zu ändern.
„Siehst du, schon fertig. Da fragt man einfach besser den Profi."
„Schöner Profi", bemerkte Septima und gab Minerva einen leichten Klaps
auf den Po.
„Werd mal nicht frech hier", drohte Minerva ihr scherzhaft mit dem Finger.
„Nun ja, deine Flugnummer habe ich ja live und in Farbe mitbekommen, als Voldemort dich im hohen Bogen an die Wand geschmettert hat", griff Septima ihr ursprüngliches Thema wieder auf, während sie ihre frisch geänderte Robe begutachtete. „Und du fragst dich, warum du blaue Flecken hast!"
„Stimmt, das war mir irgendwie entfallen!", rief Minerva aus dem Bad. „Aber man kann ja nicht alles im Kopf halten."
Septima lachte. „Wenn das mal nicht die Untertreibung des Jahrhunderts ist! Als wenn du wirklich etwas vergessen würdest!"
„Ich vergesse mich gleich, wenn ich nicht bald etwas zwischen die Zähne bekomme", kommentierte Minerva trocken und trat gewaschen und fertig angezogen aus ihrem Badezimmer.
„Dann lass uns doch mal sehen, ob unsere Hauselfen den Küchenbetrieb schon wieder aufgenommen haben oder ob sie noch damit beschäftigt sind, Todesser zu jagen und kleinzuschnipseln", schlug Septima vor.
„Deine farbige Ausdrucksweise ist heute wieder ungemein erfrischend", stellte Minerva trocken fest, als sie gemeinsam den Weg in die Große Halle zurücklegten. Stellenweise mussten sie Umwege um eingestürzte Mauerreste machen oder über Hindernisse klettern, bis sie endlich ihr Ziel erreichten.
„Es muss verdammt viel repariert werden", stellte Minerva fest. „Hoffentlich bekommen wir das bis zum Beginn des nächsten Schuljahres alles fertig."
„Wir werden sehen", gab Septima zurück und ließ sich an einem der Tische nieder.
Das Gedränge in der Großen Halle hatte sich in den letzten Stunden um einiges verringert, die Menschen aus Hogsmeade waren nach Hause gegangen, die Thestrale und die Zentauren waren fort, vermutlich zurück im Verbotenen Wald und die meisten der Schüler und sicherlich auch einige der Lehrer hatten sich endlich aufs Ohr gelegt.
Wie Minerva hatten sich die meisten zum Schluss nur noch mit Adrenalin auf den Beinen gehalten und als die Wirkung dann nachließ, waren sie reihenweise in ihre Betten gewankt oder hatten sich alternative Schlafplätze gesucht.
Ein sanftes Schnarchen aus dem hinteren Bereich der Großen Halle weckte Septimas Aufmerksamkeit und sie stand wieder auf, um nachzusehen. Als Minerva sich ebenfalls erheben wollte, drückte Septima sie entschieden wieder auf ihren Platz zurück.
„Du bleibst sitzen und frühstückst. Das kann nur einer unserer Leute sein, da brauche ich keine Verstärkung."
Grummelnd blieb Minerva auf ihrem Platz sitzen und beobachtete, wie Septima sich ihren Weg durch die Trümmer bahnte. Erst, als sie sie leise lachen hörte, entspannte Minerva sich wieder. Die Hauselfen hatten anscheinend tatsächlich damit aufgehört, Todesser zu malträtieren, denn in Sekundenschnelle stand ein Imbiss vor Minerva auf dem Tisch und erinnerte sie daran, wie hungrig sie tatsächlich war. Sie langte herzhaft zu und merkte, wie sie sich mit jedem Bissen ein wenig besser fühlte.
Als Septima zurückkehrte, dirigierte sie eine schwebende Gestalt vor sich her, die leise Schnarchtöne von sich gab und sich bei näherem Hinsehen als Pomona Sprout entpuppte.
„Ich wollte sie nicht wecken", erklärte Septima leise. „Ich denke, ich werde sie in eine etwas angemessenere Umgebung bringen, wo sie sich ausschlafen kann. Sieht so aus, als hätte sie hier die Stellung halten wollen."
Minerva nickte und sah Septima nach, die Pomona sorgsam aus dem Raum levitierte und offenbar in einen der angrenzenden noch stehenden Räume brachte.
Als sie zurückkehrte, nahm sie neben Minerva Platz und schnappte sich geistesabwesend ein Stück Brot von Minervas Teller.
„Meinst du, die bauen Hogwarts tatsächlich wieder auf?", fragte sie und kaute auf ihrem Brot herum.
„Ich denke aber doch!", gab Minerva entschieden zurück. „Zumindest, wenn ich ein Wörtchen dabei mitzureden habe."
„Dann haben wir die Schule innerhalb von vierzehn Tagen frisch renoviert", erwiderte Septima trocken und klaute sich noch etwas mehr von Minervas Teller. „Was meinst du, wer nun Schulleiter wird?"
„Ich weiß es nicht", gab Minerva nachdenklich zurück. „Ich kann mir Hogwarts immer noch nicht so richtig ohne Albus vorstellen, selbst nach diesem Alptraumjahr nicht."
„Ich könnte mir gut vorstellen, dass du Schulleiterin wirst – wenn du es denn willst", sagte Septima und sah Minerva an. „Die Leute kennen dich, und was noch wichtiger ist, sie vertrauen dir. Du wärst eine wundervolle Schulleiterin, davon bin ich überzeugt."
„Mag sein", gab Minerva achselzuckend zurück, „aber dann nur mit einer Sekretärin. Der elende Papierkrieg reizt mich nämlich gar nicht, ich unterrichte viel lieber als mich mit den Schulräten und der Politik herumzuschlagen."
„Du könntest das als Bedingung angeben. Nach heute Nacht werden sie dir nicht viel abschlagen können", gab Septima zu bedenken und nahm sich gleich noch Minervas Tasse, um einen Schluck Tee zu nehmen.
„Jetzt reicht es aber langsam", schimpfte Minerva. „Was sind das denn hier für Sitten? Es gehört sich wirklich nicht, anderen Leuten ständig auf dem Teller herumzufummeln."
„Gib doch einfach zu, dass du das auch vermisst hast", lachte Septima.
„Gar nichts gebe ich zu", erwiderte Minerva würdevoll und beendete ihr Frühstück. „Ich werde mich jetzt darum kümmern, dass hier wieder Schwung in den Laden kommt und die Aufräumarbeiten anfangen, bevor sich noch jemand in den Trümmern verletzt." Sie stand auf. „Und außerdem will ich mit Albus' Portrait mal ein ernstes Wörtchen wechseln. Ich denke mal, er hat mir einiges zu erklären!"
„Gut, ich seh dich dann später. Ich schau mal, ob ich nicht schon die eine oder andere eingestürzte Wand geflickt bekomme."
Minerva beugte sich zu ihr hinab und küsste sie auf die Wange.
„Das mach mal. Wenn du mich suchst, ich bin im Büro des Schulleiters."
Septima schaute ihr nach, als sie hoch erhobenen Hauptes aus der Halle marschierte und lächelte. Sie wollte jetzt wirklich nicht in Albus gemalter Haut stecken!
To be continued...
