Kapitel XXXIII

Als Vader am nächsten Morgen in Polors Labor trat, hinkte er. In seinem schmerzenden Bein hatte sich im Laufe der Nacht ein Transplantat verdreht, aber weil Vader sich in so tiefer Meditation befunden hatte, hatte er es nicht rechtzeitig gemerkt, um es zu verhindern. Jetzt hatte er solche Schmerzen, dass er nicht einmal einen seiner berüchtigten Wutanfälle zustande brachte.

Polor sah zu ihm auf, als er eintrat. Er betrachtete ihn für eine halbe Sekunde, dann preschte er an seine Seite, um sein Gewicht zu stützen, als er ihn zu einem Stuhl führte.

„Was glauben Sie eigentlich, was Sie da tun?", fauchte der Arzt. „Sie sollten sich nicht bewegen! Sie hätten mich sofort anrufen sollen! Ich mache auch Hausbesuche, wissen Sie!"

„Tschuldigung", sagte Vader schwach.

„Das reicht noch nicht mal ansatzweise", knurrte Polor. Er beugte sich über Vaders Bein, um es zu untersuchen. „Sie müssen die Konstitution eines Banthas haben, Mylord. Die meisten Männer würden in Ihrer Situation heulen wie ein kleines Mädchen."

Vaders Lippen zuckten, doch er war weise genug, um den Mund zu halten, als Polor seine Untersuchung abschloss.

Schließlich setzte Polor sich mit einem Seufzen auf die Fersen zurück und sah zu Vader hoch.

„Sie müssen operiert werden", sagte er direkt.

„Das sagen Sie schon seit Jahren", entgegnete Vader. „Und wir verschieben es seit Jahren. Sicher..."

„Dieses Mal meine ich es ernst", unterbrach Polor ihn grimmig. „Ich werde schon operieren müssen, um das Bein nur auszustrecken. Die Prothese hat sich in den Muskel im organischen Teil Ihres Oberschenkels gebohrt, und wenn Sie darauf bestehen, weiterhin so rum zu laufen, dann wird alles nur noch schlimmer und Ihnen noch mehr Schmerzen bereiten, als es das ohnehin schon tut."

Vader runzelte die Stirn und versuchte, sich eine andere Lösung einfallen zu lassen. Der Gedanke an die Zeit, die eine Operation und die Erholung danach brauchen würden, gefiel ihm nicht.

„Wie ist das geschehen? Letzte Nacht war es nur wund, wie so oft. Wie konnte das so schnell passieren?"

„Jedes Mal, wenn ich das Bein nach so einer Episode neu angepasst habe, habe ich mehr nervloses, synthetisches Fleisch an Ihr Bein gefügt und die Prothese mit Metallstreben verstärkt. Jetzt ist aber der Rest des Originalmetalls verwittert und hat nur meine Flicken zurückgelassen, um Ihr Gewicht zu tragen – die sind aber nicht stark genug dafür, haben sich verbogen und sowohl Ihren Muskel als auch das synthetische Fleisch abgerissen, als das passiert ist. Ich hätte wissen müssen, dass das passieren würde. Allerdings dachte ich auch, dass ich Sie dazu überreden könnte, die Prothesen ersetzen zu lassen, ehe es soweit kommt."

„Sagen Sie mir gerade, dass ich all meine Glieder ersetzen lassen muss?", fragte Vader. Es könnte noch viel schlimmer kommen, als er angenommen hatte.

„Zumindest Ihre Beine und den linken Arm", sagte Polor ihm offen. „Ihr rechter ist aus reinem Durastahl und scheint die Zeit ganz gut zu überstehen. Es sind die anderen, um die ich mir Sorgen mache."

Vader rutschte unruhig unter Polors flehendem Blick herum. Die Glieder ersetzen zu lassen, wäre wundervoll, eine Erlösung von der ständigen Folter von Körper und Seele, die die minderwertigen Legierungen ihm antaten, aber andererseits verlangte solch ein Unterfangen Zeit, Geld, Geduld und Geheimhaltung. Wenn Sidious herausfand, dass Vader das hier machen ließ, würde er es als Beleidigung seiner Großzügigkeit betrachten, die er Vader damals hatte zukommen lassen, als er ihn wieder zusammengetackert hatte.

„Lord Vader", unterbrach Polors leise Stimme seine Gedanken. „Nur weil der Imperator den Gebrauch von Praktiken verboten hat, die Sie wieder vollständig heilen würden, heißt das nicht, dass ich Ihre Lebensbedingungen nicht verbessern kann. Bitte lassen Sie mich das tun."

Vader seufzte.

„Also gut. Wäre morgen zu früh, um damit anzufangen?"

Polor lächelte glücklich.

„Morgen ist perfekt."


Leia spürte, dass Han sich ihr näherte, und richtete ihre Aufmerksamkeit auf einen unsichtbaren Fleck auf der Anrichte.

„Hi, Leia", sagte der Pilot leise. Ihre Reaktion bei ihrem letzten Treffen verwirrte ihn immer noch.

„Hast du nicht was Anderes zu tun?", fragte sie ziemlich schneidend und nahm dabei nicht den Blick von ihren Händen, die mit einem Lappen an dem unsichtbaren Fleck herumscheuerten.

„Nein", erwiderte Han direkt.

Sie klatschte den Lappen auf die Anrichte und wirbelte herum.

„Was für ein Spiel spielst du, Solo?", zischte sie. „Versuchst du, die Lorbeeren dafür zu bekommen, dass du Vaders Tochter geküsst hast?"

„Nein!", schoss er betroffen zurück. „Ist es Eurer Durchlaucht noch nie in den Sinn gekommen, dass ich einfach deine Gesellschaft genieße?"

„Oh, so nennst du das also? Meine Gesellschaft genießen?"

Han kniff die Augen zusammen.

„Ich weiß wirklich nicht, was ich getan habe, um das zu verdienen."

Leia biss sich auf die Lippe. Ihre Wut auf ihn erlosch plötzlich. Sie wusste auch nicht so genau, was er eigentlich getan hatte.

„Es tut mir Leid", sagte sie leise nach einem Moment der Stille. „Ich bin nur... ich bin im Augenblick nicht wirklich selbstsicher."

Sie drehte sich wieder um und hob den Lappen auf, dann sah sie auf ihre Handfläche und wechselte die Hand.

Han fing ihre jetzt freie Hand mit seiner eigenen ein.

„Leia", flüsterte er heiser in ihr Ohr. „Was ist mit deiner Hand passiert?"

Sie konnte nicht besonders gut denken, wenn er ihr so nahe war. Ihre Umgebung schmolz dahin, bis nur noch sie beide da waren. Leia ordnete ihre Gedanken unter größter Anstrengung, während sie von Han abrückte. Dann nahm sie seine Hand – seine große, starke, trockene Hand. Ihr Magen machte einen Purzelbaum.

„Komm mit", sagte sie, führte ihn aus dem Zimmer und hoffte, dass sie das nicht bereuen würde. „Ich werd's dir zeigen."


Sie führte ihn zu ihrer Zelle im Hochsicherheitstrakt herunter. Als sie drinnen waren, ließ sie seine Hand los. Er hatte das seltsame Gefühl, etwas verloren zu haben.

„Das", sagte sie und legte ihm vorsichtig ein kleines Glasstück auf die Handfläche, „ist es, woran ich mich geschnitten habe."

Er hielt die Scherbe ins Licht. Zwei strahlend blaue Augen funkelten ihn vergnügt an.

„Wer ist das?", fragte er neugierig. „Luke?"

Sie schüttelte den Kopf und sah zu Boden.

„Nein. Das ist mein Vater."

Vader?" Er sah sich das Glasstück noch einmal an. Da war überhaupt kein Anzeichen für den Sith-Lord, den er kannte. „Bist du sicher?"

Vielleicht hat er ja mehr Herz, als du ihm zutraust. Plötzlich fiel ihm wieder ein, was Chewie ihm vor einem Monat gesagt hatte.

„Ja", flüsterte sie. Sie grinste sardonisch auf ihre verletzte Hand herunter und sah dabei aus, als müsste sie sich die Tränen verbeißen. „Das ist nur eine weitere Art, auf die er mich verletzt."

Han wusste nicht, wie es passierte. Im einen Augenblick war er noch zwei Meter von ihr weg gewesen und hatte das Stück des Holocubes zwischen zwei Fingern gehalten, und im nächsten lag es auf dem Boden und Leia in seinen Armen. Ihre Lippen verschlossen seine für den süßesten Kuss, den er je erlebt hatte.


Darth Vader schritt durch die leere Empfangshalle hoch zum Thron und auf die zusammengesunkene Person zu, die darauf saß. Vor dem Podium kniete er nieder und beugte den Kopf.

Meister."

Lord Vader." Sidious stand auf. „Ich spüre, dass Ihr unzufrieden seid, mein Schüler."

Meister, ich habe gerade eine beunruhigende Nachricht erhalten", erwiderte Vader.

Sidious sah ihn auf eine boshafte Weise amüsiert an. „Und was, bitteschön, ist das?"

Ich habe erfahren, dass die Technologie, um mich von dieser bedrückenden Maschine zu befreien, verfügbar ist, und dass Ihr diese Technologie verboten habt, Meister", informierte Vader den anderen Sith, wobei der Zorn in seiner Stimme sogar durch die Maske erkennbar war. „Kamino und Polis Massa und..."

Ja, ja, ich kenne die Einrichtungen, die diese Möglichkeiten einst hatten, Lord Vader", fauchte Sidious. „Und ich habe sie aus guten Gründen verboten. Wollt Ihr sie hören?"

Ja." Vaders Antwort war ebenso scharf.

Wenn ich Euch erlauben würde, Euch mit Hilfe dieser Technologien wiederherstellen zu lassen, Vader, würde zahllose andere entstellte imperiale Bürger die gleiche Behandlung fordern und würden darauf bestehen, dass das Imperium für die Kosten aufkommt, da die meisten Verletzungen im Krieg entstanden sind, oder auf eine andere Art, für die die Regierung verantwortlich ist. Wir haben schlicht nicht die finanziellen Mittel, um ein so großes Projekt zu finanzieren."

Dann ändert die Verfassung", zischte Vader. „Sorgt dafür, dass alle Individuen selbst für ihre Verletzungen verantwortlich sind."

Ach, das würde mehr Schwierigkeiten machen, als es die Sache wert wäre", sagte Sidious seidig. „Außerdem seid Ihr ein tolles Vorbild für die... die gesundheitlich weniger Glück haben." Sein Lächeln war richtiggehend sadistisch. Er setzte sich wieder hin. „Diese Unterhaltung ist beendet. Ihr könnt gehen, Lord Vader."

Vader erinnerte sich nur allzu gut an diese Unterhaltung. Wenn der andere Sith ihn nicht abgewürgt hätte, hätte Vader ihm die Löcher in seiner Begründung, ihm die notwendige Operation zu verweigern, gezeigt – Löcher, die so groß waren, dass Vader die Executor hätte hindurchmanövrieren können! Aber der Imperator war unerbittlich in seiner Ablehnung gewesen, und im Laufe der Jahre waren Vaders Zorn und Verbitterung über den Vorfall verflogen. Jetzt kehrten sie mit voller Macht zurück.

Er hat überhaupt kein Recht...

Sein Übertragungszentrum piepste, als eine Nachricht ankam. Es war ein besonderer Ton, der ihn warnte, wer der Anrufer war. Vader riss seine Schilde hoch, damit der Imperator nicht den Zorn spürte, der von ihm ausging, bevor er auf die Übertragungsplatte trat und niederkniete. Er drückte auf den ANNEHMEN-Knopf und wartete darauf, dass Sidious' Abbild sichtbar wurde.

„Lord Vader." In der Stimme des Imperators schwang ein sorgfältig gelangweilter Ton. „Wie läuft das Training Eurer Kinder?"

„Gut, Meister", log Vader aalglatt.

„Gut. Ich werde ungeduldig, Lord Vader. Eure Präsenz wird in der Galaxis benötigt, und ich vermisse den jugendlichen Idealismus meiner Hand. Ich wünsche, dass Ihr in einem Monat nach Coruscant zurückkehrt. Eure Kinder sollen mir vorgestellt werden und ich werde über ihr Schicksal entscheiden. Ich erwarte, dass Ihr pünktlich seid."

Die Übertragung endete, bevor Vader den Mund aufmachen konnte, um einen Streit vom Zaun zu brechen.