Es hat wohl seine Zeit gedauert, aber gut Ding will Weile haben ;) Ich schäme mich ja schrecklich, dass es so lange gedauert hat, aber ich habe einfach viel zu viel Arbeit um die Ohren, um momentan zu schreiben. Ich sage nur eines: Wir nähern uns unaufhaltsam dem Finale. Alles was in den nächsten Kapiteln geschehen wird hat nur ein Ziel: die Zahnräder in Gang zu setzen, um unsere Helden dem unaufhaltbaren Schicksal, das ihnen blüht, näher zu bringen!

Jedes Review überredet mich meine seltene Freizeit mit Schreiben von Kapitel 36 zuzubringen, also seid fleißig! Und eins verspreche ich: Kapitel 36 wird sich lohnen!

Außerdem solltet ihr außer nach Kapitel 36 auch nach einer Geschichte namens "Krieg und Wahrheit" Ausschau halten. Es wird eine kleine Sammlung von Oneshots, die Hintergründe zu dieser Geschichte liefern, und Dinge die sozusagen Backstage geschehen und auch manche Szenen, die bereits geschrieben sind und die ich wieder herausgenommen habe, um dieses Rating nicht auf M anheben zu müssen.

Besonders zu Kapitel 36 wird es eine solche Nebengeschichte geben, die das Rating M wahrlich verdient. Hust...

Viel Spaß mit dem neuen Kapitel!



Kapitel 35

Draco sah sich nochmals gewissenhaft um, bevor er sich vorsichtig räusperte. Erleichterung durchströmte ihn, als er hörte, wie der kehlige Laut über seine Lippen kam.

Er hatte am gestrigen Tag, nachdem er schmerzgepeinigt mit wackligen Gliedern aus seiner Ohnmacht erwacht war, nicht mehr gewagt, seine wiedergewonnene Stimme zu testen. Sein natürliches Misstrauen hatte ihn davor gewarnt, dass sein Vater ihn und sein Verhalten vielleicht überwachen lassen würde.

Doch jetzt war es früher Morgen. Die Sonne war noch nicht aufgegangen und ganz Malfoy Manor lag scheinheilig friedlich und harmlos in den weißen Nebelschwaden des Morgengrauens.

Er räusperte sich erneut und befeuchtete seine spröden Lippen, bevor seine Gedanken das erste Wort formulierten, das seinen Mund nach Wochen verlassen würde. Er lächelte ein wenig schief, als er sich der Ironie dieses Momentes bewusst wurde.

Sein erstes Wort nach Wochen und dann fiel ihm ausgerechnet dieser Name ein:

„Potter." krächzte der blonde Zauberer und wurde direkt danach von einem Hustenanfall geschüttelt. Draco grinste einerseits erleichtert seine Stimme zu hören, doch in seinen Augen glitzerte auch Spott. Potter musste, obwohl er Dracos Leben verschont hatte, wohl oder übel damit klarkommen, dass sein Name sich bestens eignete, aus dem rabenähnlichen Gekrächze wieder seine alte melodische Stimme zu formen. Es klang so abscheulich, dass es eine wahre Freude war.

„Weasley!" setzte er mit derselben kratzigen Stimme hinterher und versuchte seinem Tonfall wieder den gehässigen, abfälligen Klang zu geben, der ihr meist anhaftete. Draco musste gestehen, dass ihm das bei dem Gedanken an den dümmlichen Rotschopf nicht schwer fallen sollte, doch irgendwie schaffte er es nicht, dieselbe Gehässigkeit wie früher hineinzulegen.

Immer wieder probierte er die beiden Namen aus, testete die Feinheiten seiner Stimme und gab ihnen mit diebischer Freude alle boshaften Spitznamen, die er in den letzten Wochen nicht hatte aussprechen können, wenn auch mit mangelnder Bissigkeit, bis er merkte, dass seine Stimmbänder langsam die alte Geschmeidigkeit zurückerlangten. Doch erst als er sich sicher war, dass seine Stimme ihren samtigen tiefen Farbton wieder hatte, sprach er zögerlich den einen Namen aus, der ihn in den vergangenen Wochen selbst im Traum nie losgelassen hatte.

„Hermine." flüsterte er und war überrascht wie anders seine Stimme auf einmal klang. Warm, ohne einen zynischen Unterton, zärtlich. Ein Klang, den er von seiner Stimme niemals erwartet hatte. Draco legte seine Stirn in Falten und fuhr sich nachdenklich mit beiden Händen durch die Haare. Was immer Hermine mit ihm getan hatte, es hatte ihn verändert, so sehr verändert, dass er sogar seine eigene Stimme nicht mehr erkannte.

Er öffnete seinen Mund, um es noch einmal zu testen, als er eine Bewegung hinter sich bemerkte. Draco fuhr auf dem Absatz herum, um in die grauen Augen seines Vaters zu starren, die ihn kalt musterten. Draco hielt dem Blick stand und versuchte festzustellen, ob Lucius Malfoy etwas von Dracos wiedergekehrter Stimme mitbekommen hatte. Doch Lucius ließ keine Gefühlsregung erkennen, sondern nickte nur nach einer Weile seinem Sohn zu.

„Wie ich sehe, bist Du schon sehr früh wach. Das ist gut, mein Sohn. Da Du die letzten Wochen ja mehr oder weniger ans Bett gefesselt gewesen zu sein scheinst…" Draco erkannte den Spott in den Augen seines Vaters. „… halte ich es für eine gute Idee, so schnell wie möglich Dein Training wieder beginnen zu lassen, um diese Versäumnisse aufzuholen. Ich kann Dich nicht gebrauchen, wenn Du wie ein verweichlichter Schwächling kämpfst."

Draco ließ sich auf die absichtliche Provokation seines Vaters keine Reaktion anmerken. Würde er auch nur einen Moment unaufmerksam sein, hätte er damit sein Todesurteil unterschrieben. Lucius Malfoy rückte die diamantbesetzte Schnalle seines Umhangs zurecht und wandte sich zum Gehen.

„Ich habe noch einen Termin. Fenrir erwartet Dich in einer Viertelstunde."

Fenrir Greyback. Dracos Körper straffte sich. Ihm war sehr wohl bewusst, dass Fenrir ihn für die Niederlage in der Nacht zuvor zahlen lassen würde. Und ihm war klar, dass sein Vater das ebenso wusste. Es war eine Warnung.

Lucius Malfoy hatte beschlossen, Draco seine Macht zu zeigen.

Der junge Mann ballte seine Fäuste und dehnte seinen Nacken erst nach links und dann nach rechts und rollte seinen Kopf einmal von einer Schulter zur anderen und wieder zurück. Es war erst einen Tag nach Vollmond und Greyback würde noch im Besitz einiger seiner wölfischen Kräfte sein. Draco würde in seinen Fängen nichts weiter sein als ein Spielball, aber der junge Malfoy wollte zumindest versuchen, es gar nicht so weit kommen zu lassen. Seinen Vorteil konnte er bei diesem ‚Training' nur in seiner Geschicklichkeit suchen.

Betont gelassen verließ Draco seine Räumlichkeiten und schritt die große Freitreppe von Malfoy Manor hinunter, die mit tiefdunklem grünem Samt ausgelegt war. Steinerne Schlangen wanden und züngelten sich um marmorne Pfeiler, die das goldverzierte Geländer trugen. Unmerklich zog Draco seine Augenbrauen nach oben, als er die verschwenderische und gleichzeitig abstoßende Pracht betrachtete. Die Slytherin-Gesinnung und der Reichtum seiner Familie schrien ihm förmlich aus jeder Verzierung der Wände und Möbel entgegen.

Er beschleunigte ein wenig seine Schritte, um möglichst zügig an dem Salon seines Vaters vorbeizukommen, als er aus eben diesem eine weinerliche Stimme hörte, die er nicht kannte. Neugierig blieb er stehen und trat auf Zehenspitzen einige Schritte näher, bis das Gemurmel zu einer verständlichen Sprache wurde.

„… nicht meine Schuld, Mister Malfoy!" jammerte der unbekannte Mann. Draco hörte seinen Vater die Cognackaraffe entstöpseln und ein leises, kaltes Lachen.

„Mein lieber Herr Minister. Sie hatten den einfachen Auftrag Potter und seine Auroren so weit weg zu schicken, dass sie in unser kleines Vorhaben nicht eingreifen können. War es nicht ein wenig ungeschickt ihn ausgerechnet auf die Fährte desjenigen anzusetzen, von dem Sie sie fernhalten sollten?"

„Jemand muss ihn informiert haben! Der Plan war sicher!" empörte sich der Mann, den sein Vater als Minister ansprach.

Der Minister hatte gemeinsame Pläne mit den Todessern? Draco runzelte die Stirn. Diese Information hatte man ihm anscheinend vorenthalten. Gebannt lauschte er dem weiteren Gespräch.

„Ich bin erstaunt McMalloy, dass sie bei Ihrer mangelnden Weitsicht immer noch das Amt des Zaubereiministers bekleiden. Sie sollten Potter nicht unterschätzen, er hat diese unangenehme Eigenschaft, zur falschen Zeit am falschen Ort zu sein."

„Hören Sie, Malfoy. So war das ganze nicht abgesprochen! Sie haben bei diesem Kampf einen meiner Auroren angegriffen. Das darf nicht passieren, das ist schlechte Publicity!"

„Sie meinen das kleine Schlammblut, nehme ich an?"

Der Minister schwieg und schien zu nicken, denn Dracos Vater fuhr fort.

„Nun, ich würde es als Kolleteralschaden betrachten."

„Verdammt, Malfoy! Ich kann es mir nich leisten, negative Schlagzeilen zu produzieren. Es gibt schon genug, die an meinem Stuhlbein sägen, da brauch ich ihnen nicht noch das Sägeblatt förmlich überreichen!"

Lucius lachte auf.

„Dann sorgen Soe in Zukunft dafür, dass Sie sich an Ihre Abmachungen halten, Minister. Oder möchten Sie, dass publik wird, dass der Zaubereiminister persönlich mit mir im Bund ist? Das wäre sicher auch nicht gut für ihre Karriere."

„Wollen Sie mir drohen, Malfoy?" brauste Minister McMalloy auf. Die Stimme von Dracos Vater war eiskalt als er antwortete.

„Ja, Minister, das haben Sie richtig verstanden. Ich drohe Ihnen und glauben Sie mir, ich tue generell was ich ankündige, also tun Sie, was von Ihnen verlangt wird, und Sie werden noch eine glorreiche Zukunft als Minister vor sich haben, wenn die Todesser endlich die Anführer der Zaubereigesellschaft sind und kein Schlammblut mehr die Blutlinien der wahren Zauberer verunreinigen kann."

„Sie sind wahnsinnig, Malfoy." murmelte der Minister.

„Und Sie sind machtgierig, McMalloy, und verraten die armselige Gesellschaft der Zauberer an die Todesser. Und das sogar noch wider ihr eigenes Gewissen. Ich dagegen habe eine Vision. Welche ist die größere Sünde, werter Herr Minister?"

Wieder murmelte McMalloy etwas, allerdings für Draco unverständlich. Sein Vater lachte nur.

„Mein lieber McMalloy, sie fluchen wie ein Gossenjunge. Ich würde es bevorzugen, wenn Sie in diesem Haus etwas mehr Stil zeigen würden. Und außerdem…" Lucius Malfoys Stimme wurde eisig. „…nennen Sie mich in Zukunft Lord Malfoy. Denn ich bin der neue Dunkle Lord!"

Es gab einen stumpfen Schlag und Draco wusste, dass sein Vater den Minister mit einem Zauber auf die Knie gezwungen hatte. Ein Zauber den Lord Voldemort nicht hatte anwenden müssen, vor ihm war jeder aus Angst freiwillig zu Boden gesunken. Auf Dracos Lippen lag ein grausames Lächeln. Lucius Malfoy mochte sich für den neuen Dunklen Lord halten, aber in Wahrheit war er noch weit davon entfernt. Als Malfoy senior wieder zu sprechen begann, machte Dracos Herz einen entsetzten Sprung.

„Was das Schicksal dieses einen bestimmten Schlammbluts angeht, müssen Sie sich um Ihre Karriere momentan keine Sorgen machen, Minister. Ich bin derzeit nicht an Miss Grangers Kopf interessiert. Ich brauche Sie lebend… aus familiären Gründen. Ich würde über Ihren letzten Fehltritt hinwegsehen, McMalloy, wenn Sie demnächst ein Treffen arrangieren könnten. Sie können gehen."

Der Minister gab keine Antwort und Draco hörte nur das kurze „Plopp" mit dem McMalloy aus Malfoy Manor wegapparierte. Draco war auf der einen Seite erleichtert, auf der anderen Seite nun mehr als besorgt.

Sein Plan vorzutäuschen, dass Hermine ihn mit einem Silentio totalis belegt hatte, war ein klügerer Schachzug gewesen, als er anfangs geahnt hatte. Sein Vater wollte nicht ihren Tod, um ihm die Sprache wiederzugeben.

Ein Umstand, der nach Hermines Eingreifen in den Kampf der Werwölfe, nicht zu verachten war. Greyback würde mit Sicherheit Rache nehmen wollen. Andererseits war der Anführer der Todesser nun darauf aus, Hermine einzufangen. Und das mit der vollen Unterstützung des Ministers persönlich. Draco fuhr sich durch die Haare.

An eine schnelle Flucht aus Malfoy Manor, wie er es ursprünglich geplant hatte, war nun nicht mehr zu denken. Wollte er herausfinden, in welche Falle man Hermine locken wollte, um ihrer habhaft zu werden, hatte er hier die einzige Möglichkeit, die Pläne seines Vaters zu durchkreuzen, und Hermine rechtzeitig zu warnen.

Draco Malfoy blieb keine andere Wahl, als weiter den gläubigen und stummen Todesser zu spielen. Ein gefährliches Spiel mit ungewissem Ausgang. Seine Hoffnung Hermine so schnell wie möglich wiederzusehen schwanden. Aber wenn er dadurch den einzigen Menschen, den er je geliebt hatte und lieben würde, retten konnte, dann war dies der richtige Weg und er würde ihn ohne zu zögern gehen, selbst wenn es ihn das Leben kosten würde. Seine Existenz war für die Welt eher eine Belastung als ein Gewinn, aber was wäre die Welt ohne Hermine Granger?

Ein plötzlicher Schmerz zuckte durch seinen rechten Arm, als er brutal auf den Rücken gedreht wurde. Fauliger Atem kroch in Dracos Nase und eine grausame Stimme grunzte in sein Ohr.

„Draco, Draco. Wie unaufmerksam."

Der junge Zauberer ließ sich auf die Knie fallen und wand sich unter seinem Angreifer hindurch. Schweigend starrte er in die blutunterlaufenen Augen von Fenrir Greyback, der ihn zähnefletschend musterte.

„Was beschäftigt wohl einen trainierten Todesser- denn das bist Du ja, nich wahr? - so sehr, dass er sich ohne Verteidigung überwältigen lässt?"

Greybacks Blick war eiskalt berechnend.

„Oder sollte ich besser fragen: Wer?"

Draco wich dem Starren des Werwolfes nicht aus. Er zuckte nicht einmal mit der Wimper. Mit einer schnellen Drehung entwand er seinen Arm Greybacks schraubstockartigem Griff und nutzte den Schwung, um sich von seinen Knien wieder aufzurichten.

Mit schnellen Schritten durchmaß Draco Malfoy die dämmrige Eingangshalle und trat in den tageshellen Hof. Er wusste, dass die Augen von Werwölfen nach Vollmond mehrere Tage sehr helligkeitsempfindlich waren. Der junge Todesser hoffte, diesen Vorteil sich zunutze machen zu können.

Fenrir Greyback hatte anderes als eine simple Trainingsstunde im Kopf, das war Draco klar. Die Augen des Mannes hatten vor Rachlust geradezu geglänzt und Draco verspürte wenig Lust, sich dieser Rache für die vorletzte Nacht auszusetzen. Seine Glieder schmerzten noch zu sehr von dem Cruciatus-Fluch, als dass er auf neue Qualen aus war.

Zufrieden bemerkte Draco, wie Greyback blinzelte und die Augen verärgert zusammenkniff, als er ins Tageslicht trat.

„Vielleicht blendet mich die Sonne, Draco. Aber meine anderen Sinne sind ebenfalls noch geschärft. Ich kann Dich hören Draco. Dein Atem verrät Dich."

Der Werwolf hob die Nase in die Luft und blähte seine Nasenflügel.

„Und ich kann Dich riechen! Ich kann Dich riechen… und diese kleine Schlammblut-Schlampe. Ihr ekelerregender Geruch haftet an Dir! Und es ist kein Angstschweiß, den ich rieche. Es ist ihre Erregung, ihre Hingabe, ihre lächerliche Liebe die Dir anhaftet!"

Draco erstarrte mitten in seiner vorsichtigen Rückwärtsbewegungen, mit der er erhofft hatte, einen größeren Abstand zwischen sich und dieses menschgewordene Raubtier zu bringen. Greyback konnte Hermine riechen? Das war nicht gut. Das brachte ihn und seine Pläne in Gefahr. Dem hellblonden Zauberer blieb keine Zeit, um sich eine Lösung für diese erschreckende Erkenntnis auszudenken. Der Werwolf hatte seine Witterung in der Tat aufgenommen und war mit einer übermenschlichen Geschwindigkeit auf Draco zugerast und hatte ihm seine mächtige Pranke um seine Gurgel gedrückt. Der Schwung riss ihn um und er knallte mit dem Hinterkopf hart auf eine der Statuen, die im Hof vor Malfoy Manor standen. Einen kurzen Moment wurde es schwarz vor seinen Augen und kleine bunte Blitze flirrten vor seinen zuckenden Lidern. Draco biss die Zähne zusammen, um den Schmerzensaufschrei zu unterdrücken. Fast war er dankbar, dass sich Greybacks Finger unnachgiebig und brutal um seinen Kiefer spannten und ihn ebenfalls daran hinderten, auch nur einen Ton von sich zu geben.

Draco Malfoys Blick klärte sich langsam wieder aber ließ einen pochenden Schmerz an seinem Hinterkopf zurück. Eine warme klebrige Substanz lief seine Schläfe hinunter und er wusste, dass es dunkelrotes, frisches Blut war, das sich seinen Weg durch seine Haare bahnte. Angewidert beobachtete er wie Greyback lüstern die Luft einsog und sich weiter über Draco beugte. Ein seltsames Glitzern trat in die kleinen, gemeinen Augen des Werwolfs unter denen dicke Tränensäcke hingen und der junge Todesser wusste, dass der Geruch von frischem Blut, den Werwolf selbst in seiner menschlichen Gestalt in einen gefährlichen Rausch versetzte. Greybacks Gesicht war nun so nah, dass Draco die unrasierten Bartstoppel, die weit geöffneten Poren und die gerissenen Adern unter der Haut des Werwolfs erkannte. Ein bestialischer Gestank kam ihm aus Greybacks weit geöffneten Mund entgegen und raubte Draco die letzte Luft, die er durch seine zugepresste Kehle bekam. Ein großer Tropfen gelblichen Geifers sammelte sich im Mundwinkel des Mannes, der mit seinem irren Blick und den gefletschten Zähnen mit einem Menschen keine Ähnlichkeit mehr hatte. Mit Ekel sah Draco wie der Speichel sich von Greybacks Lippe löste und unaufhaltsam auf ihn tropfte und eine stinkende Spur auf seiner Wange hinterließ.

Mit einem gierigen Grollen drückte der Werwolf Dracos Kinn nach oben und legte damit den blutverschmierten Hals frei. Der junge Mann verkrampfte sich, aber versuchte sich zusammenzureißen und seine Kräfte zu sammeln, als er spürte wie Greyback mit seiner Zunge genüsslich das Blut ableckte. Draco wusste von Greybacks Blutbesessenheit, die er auch außerhalb seiner wölfischen Gestalt leidenschaftlich ausübte. Draco Malfoy wartete auf den Moment als er spürte, dass Fenrir sein Gewicht verlagerte und seinen Kiefer hungrig weit öffnete, um besser zubeißen zu können und gleichzeitig seinen stählernen Griff um Dracos Kiefer etwas lockerte. Draco spannte seinen ganzen Körper und als er spürte, wie Greybacks Zähne seine Haut berührten, riss er sein Knie mit aller Gewalt nach oben, mitten hinein in die Weichteile des Werwolfs. Fenrir ließ Draco augenblicklich los und kippte mit einem wölfischen Wimmern zur Seite.

Draco schob den Körper des Mannes, der sich seine Mitte hielt, gänzlich zur Seite und sprang auf seine Füße. Doch noch in dem Augenblick, als er sich drehte und von Greyback Abstand gewinnen wollte, packte ihn eine starke Hand an seinem linken Knöchel und unterbrach Dracos schnellen Schritt mitten in der Luft. Der plötzliche Stopp seiner Bewegung riss Draco noch in derselben Sekunde wieder zu Boden. Spitze Steinchen bohrten sich in seine Wange und das Blut begann nun in sein eines Auge zu fließen, was seine Sicht ärgerlicherweise stark behinderte, je mehr er versuchte den roten Schleier auf seiner Pupille wegzublinzeln.

Ein Tritt in die Magengrube ließ Draco trieb ihm jede Luft aus seiner Lunge und schon zum zweiten Mal in diesem Kampf wurde ihm schwarz vor Augen. Nur mit Mühe konnte er seinen Mageninhalt die Speiseröhre zurückzwingen. Niemals würde er sich die Blöße geben, sich vor Greyback zu übergeben! Kalter Schweiß stand ihm auf der Stirn, als Fenrir ihn mit einer Hand am Kragen packte und ihn vom Boden hochzerrte und mit pendelnden Füßen vor sich hielt, als würde Draco nichts wiegen. Die übermenschlichen Kräfte des Werwolfs waren immer noch nicht abgeklungen. Die zweite Hand Greybacks hatte sich zur Faust geballt und traf Draco Malfoy mitten im Gesicht. Das laute Knirschen unterrichtete den jungen Mann davon, dass sein Nasenbein gebrochen war. Ein triumphales Grinsen lag auf Greybacks Gesicht, als er sich nach vorne beugte und in Dracos Ohr flüsterte.

„Mich kannst Du nicht täuschen, Verräter! Vielleicht kannst Du Deinen Vater täuschen. Aber mich nicht! Ich werde Dich beobachten, Draco. Und irgendwann wirst Du einen Fehler machen. Und dann wird Dein Vater mir den Befehl erteilen Dich zu töten. Ich werde es mit dem größten Vergnügen machen!"

„Fenrir!" rief Lucius Malfoys aus einiger Entfernung. Seine Stimme hatte einen amüsierten Unterton. „Aber, aber… Du solltest es nicht übertreiben mit dem Training. Wir haben heute abend ein Todessertreffen. Ich hatte vor, die Rückkehr meines Sohnes in einem halbwegs präsentablen Zustand zu feiern."

Lucius Malfoy zog seinen Zauberstab und murmelte gelangweilt ein paar Worte. Draco spürte wie sich seine Nase richtete und die Schwellungen im Gesicht abklangen. Sein Vater betrachtete ihn kritisch.

„Das sollte reichen. Lass ihn los, Fenrir. Und Du Draco solltest dafür Sorgen, dass man heute abend nicht mehr erkennt, was für einen schlechten Kampf Du soeben geboten hast."

Fast hätte Draco genickt, doch gerade noch konnte er sich von dieser verräterischen Geste abhalten. Mit einem siegesgewissen Lächeln setzte Greyback Draco ab und raunte einen letzten Satz in sein Ohr.

„Und bis zu diesem Tag werde ich Dir das Leben zur Hölle machen!"


Fortsetzung folgt

Im nächsten Kapitel werden wir ein Wiedersehen erleben, auf das wir uns alle freuen ;)

P.S. Ist Greyback nicht widerlich? Ich hab ihn mir mit so viel Fantasie beim Schreiben vorgestellt, dass mir eine Gänsehaut über den Rücken dabei gelaufen ist!