Kapitel 33: Wer wird brennen?

Fiona rannte wutentbrannt nach oben, dicht gefolgt von Eleonora. Während Eleonora noch verletzt und völlig überfordert mit der ganzen Situation war, verspürte Fiona nur eines. Wut, die blanke Wut. Wie konnten sie es wagen, sie wegen des Mordes an Zoe an den Pranger zu stellen? Und noch viel schlimmer, wie konnte sie glauben, dass Eleonora zu so etwas fähig war. Das Mädchen war erst 14 Jahre alt. Mit einer Fingerbewegung, ließ Fiona die Tür zu ihrem Schlafzimmer aufspringen und sah sich orientierungslos um. Sie musste ihre Wut loswerden, am liebsten hätte sie jetzt wirklich jemanden umgebracht. Steif wie eine Statue, stand sie einfach nur da und versuchte ihre zitternden Hände im Zaum zu halten. Ihr Blick war kalt und Tränen aus Wut und Hass brannten in ihren Augen.

Vorsichtig trat Eleonora in Fionas Schlafzimmer ein und schloss leise die Tür. Genau studierte das Mädchen die Frau vor sich und sie wagte kaum einen Schritt weiter zu gehen. So hatte sie Fiona noch nie zuvor gesehen und sie würde lügen, wenn sie sagen würde das Fiona ihr in diesen Moment keine Angst einjagen würde. Mit leiser und zitternder Stimme sprach sie zu Fiona.

„Fiona? Was sollen wir jetzt tun?"

Fiona deutet nur auf den Sessel und atmete tief durch „Setz dich!" sagte sie streng und schluckte ihre Wut herunter. Sie musste jetzt einen klaren Kopf behalten. Nervös lief sie in ihrem Zimmer auf und ab und versuchte sich zu sammeln.

Eleonora nahm Platz und beobachtete Fiona ohne ein Wort zu sagen. Sie selbst konnte gerade jetzt keinen klaren Gedanken fassen. Es vergingen einige Minuten und Eleonora wurde immer nervöser und sie war froh, als auch Fiona sich endlich setzt und sie das erste Mal seit sie hier waren ansah.

„Meine Mutter hält mich für eine Mörderin." sagte sie traurig und hasserfüllt zu gleich.

Fiona nahm sich eine Zigarette und beobachtete das Mädchen „Das ist unser kleinstes Problem meine Kleine! Hast du eine Ahnung wie Hexenprozesse ablaufen? Hast du eine Ahnung wie viele Hexen unschuldig aus den Scheiterhaufen verbrannt wurden? Und das nicht nur von Hexenjägern sondern auch von Hexen in den eigenen Reihen." Ihre Gedanken schweiften zurück, sie selbst hatte mit angesehen wie Mrytle Snow verbrannt wurde, für etwas das sie nicht getan hatte. Zwar hatte sie damals auch etwas nachgeholfen, aber das war nicht der Punkt. „Eine Hexe die man loswerden will, wird man auch los. Bei Fällen wie diesen, wird nicht lange nach den wirklichen Schuldigen gesucht, es werden alle möglichen Gefahrenquellen ausgemerzt. Der Schutz des Zirkels steht an oberster Stelle und wenn dieser in Gefahr gerät, wird nicht lange gefackelt." Ein freudloses Lachen entkam Fiona und sie zog an ihrer Zigarette „Was für ein passendes Wortspiel!"

Eleonora hörte Fiona aufmerksam zu und wurde immer nervöser „Aber wir haben Zoe nicht umgebracht!"

„Nein, natürlich nicht! Aber wer sind die Hexen, die deiner Mutter und diesem Walross ein Dorn im Auge sind?" Fiona stand auf und goss sich einen großen Wodka ein „Wer sitzt im Rat? Mit denen werden wir wohl bald hier rechnen müssen und bis dahin haben wir nur Zeit, den Mörder zu finden."

Eleonora spürte, wie die Panik sich in ihren Körper ausbreitete. Schon allein das Wort Scheiterhaufen ließ sie vor Angst erstarren „Im Rat? Ähm….bis vor 8 Jahren waren es Queenie und Zoe, aber sie wollten meiner Mutter helfen, die Akademie wie zu neuen Glanz zu verhelfen…."

Fiona unterbrach sie und erhob das Glas „Sehr erfolgreich wie man sieht!"

Wäre die Situation nicht so wie sie es gerade war, hätte Eleonora gelacht. Aber im Moment gab es keinerlei Freude in ihr „Im Rat sind jetzt 3 Hexen, die in die Akademie kamen nachdem meine Mutter alles Öffentlich gemacht hatte. Sie waren schon älter als die anderen Mädchen und bei weitem arroganter. Sie wurden die Ratsältesten, als ich 7 Jahre alt war und seitdem waren sie nicht oft hier. Eine von ihnen heißt Mina Harwood und sie leitet den Rat wirklich. Sie war schon immer der Typ Hexe, den ich verabscheut habe. Fast wie Tamara, ein widerlicher Schleimscheißer, der alles tun würde um meiner Mutter zu gefallen."

Fiona verdrehte die Augen „Großartig, noch ein Cordelia Groupie. Wir müssen uns jetzt ganz schnell etwas einfallen lassen. Und dann, werde ich dafür sorgen, dass dieser Zirkel wieder das bekommt was er braucht. Die Stärke einer Obersten! Zwei Oberste sind zu viel für einen Zirkel!"

Eleonora nickte zustimmend „Vielleicht wäre es möglich Zoe wieder zurück zu holen."

Fiona schüttelte den Kopf „Nein, wenn sie wirklich verbrannt und zerstückelt wurde, dann haben wir keine Chance. Selbst eine Hexe wie ich könnte das nicht. Sobald wir versuchen würden, sie zusammen zusetzten würde sie auseinander fallen."

Zerstückelt? Für einen Moment dachte Fiona an den Axtmann. Könnte er es gewesen sein? Unwahrscheinlich, jedoch wollte Fiona es überprüfen. Sie konnte jetzt nicht nachlässig werden.

„Ich werde in Zoe's Zimmer gehen und mir alles ansehen. Vielleicht ist noch etwas von der Anwesenheit des Mörders zu spüren. Zoe war nicht die beste Hexe aber ich glaube nicht, dass sie sich so einfach überwältigen lässt. Entweder, war es jemand mit viel Macht oder jemand dem sie vertraute…..jemanden, den sie ohne Bedenken an sich heran ließ."

„Oder beides! Meine Mutter ist mächtig und Zoe hatte Vertrauen zu ihr." Sagte Eleonora mehr zu sich selbst als zu Fiona. Sie sah Fiona an und sprach entschlossen weiter „Und darüber hinaus, war Zoe nicht mehr zu hundert Prozent auf der Seite meiner Mutter. Was ist wenn sie selbst ihre Feinde aus dem Weg räumt?"

Fiona sah Eleonora skeptisch an, das Mädchen hatte nicht unrecht aber etwas tief in ihr, sagte ihr das Delia es nicht war.

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Tamaras Blicke verfolgten Fiona und Eleonora, bis beide in Fionas Schlafzimmer verschwanden. Sie hatte jedes Wort mit angehört und sie konnte das Glücksgefühl nicht beschreiben, welches sie empfand als Eleonora erfuhr, dass Cordelia sie verdächtigte. Ihr Plan war vollkommen und wenn man erst Zoe's Zimmer richtig durchsuchen würde, würde alles auf Fiona hindeuten und somit gleichzeitig auf Eleonora. Wenn sie Glück hätte, würden alle beide auf den Scheiterhaufen brennen. Sie sah jetzt schon die lodernden Flammen vor sich und die schmerzverzerrten Gesichter dieser Schlampen. Kichern ließ sie sich wieder auf ihr Bett nieder und freute sich, über ihre eigene Genialität. Doch sie war nicht die einzige die sich freute. Denn Tamara wusste eines nicht. Das jemand sie gesehen hatte.