Disclaimer: Das Harry-Potter-Universum ist geistiges Eigentum von J.K.Rowling. Mit dieser Geschichte wird kein Geld verdient. Das Stück „Leonce und Lena", die Handlung, der Inhalt, Personen, Handlungsorte, Ideen, Worte, usw usf gehört Georg Büchner.
Kapitel 36 – Kleine Schwester
„Jetzt geh erstmal schlafen. Und morgen sieht die Welt schon ganz anders aus!". Wie oft hatte Ginny diesen Satz schon gehört, von ihrer Mutter, von Tanten, Omas, Verwandten, Freunden? Und sie hatten Recht gehabt. Irgendwie war es ihr am Abend vorher viel leichter erschienen, ihre selbst auferlegte Aufgabe: es ihren Freunden zu sagen. Die Sache mit Blaise und ihr, also, die Beziehung. Oh bei Merlin, sie wollte sich gar nicht vorstellen, wie Ron reagieren würde! Und Hermine? Und Harry? Harry… sicherlich, einerseits wusste sie, dass er nichts mehr von ihr wollte. Er war halt ein guter Freund, ein wenig wie ein großer Bruder. Andererseits… was, wenn er es ihr trotzdem irgendwie übel nehmen würde?
‚Schluss jetzt!', schüttelte sie die Gedanken aus ihrem Kopf, ‚ich werde die Reaktionen noch früh genug mitbekommen. Es lohnt sich nicht, sich schon vorher aufzuregen.'
Denn wie war das? Vorfreude ist die schönste Freude. Also ist doch auch Vorangst – die schlimmste Angst? Irgendwie logisch.
Trotz dieser Überlegungen war Ginny beim Frühstück nervös. Wollte sie es den anderen wirklich sagen? Und, warum heute? Es ginge doch auch noch morgen… übermorgen… nächste Woche… nächstes Jahr!
„Guten Morgen!". Fröhlich setzte sich Hermine neben Ginny an den Tisch. Diese hätte fast einen Herzkasper bekommen, so schnell, wie sie aus ihren Gedanken gerissen wurde.
„Guten Morgen, Mine…"
„Ist etwas?". Die Ältere sah sie neugierig an. „Du scheinst so nachdenklich?"
„Was? Äh, nein." …Und dann merkte Ginny, dass sie darauf nun wirklich keine Lust mehr hatte. Ständig ihre Freunde anzulügen. Es war so unaufrichtig, geradezu falsch. Sie holte tief Luft und korrigierte ihre Antwort dann: „Doch, es ist schon etwas. Also, nichts Schlimmes… denke ich. Nun ja… hast Du Zeit, nachher mit zu einem Spaziergang hinaus zu kommen?" So, der Anfang war gemacht. Gespannt wartete Ginny auf die Antwort Hermines. Diese war zwar sehr erstaunt, sagte jedoch:
„Gut, ok. Jetzt gleich, nach dem Frühstück?"
Ginny nickte. Je eher es vorbei war, desto besser. Wer weiß, ob sie nicht sonst der Mut wieder verließ.
Die beiden Mädchen schlenderten über die Ländereien. Hermine plauderte über Belangloses. Ginny merkte, dass ihre Freundin neugierig war, sie aber nicht drängen wollte. Sie selbst hatte noch nicht viel zum Gespräch beigetragen, sondern überlegte die ganze Zeit, wie sie anfangen konnte.
Beim See angekommen, setzte sich Hermine auf den alten, umgefallenen Baumstamm. Ach, wie oft hatten sie nun schon hier gesessen? Mit Hermine, traurig über die Gleichgültigkeit Rons, mit ebendiesen, drucksend über seine Gefühle redend, mit Harry, Colin… auch mit Blaise war sie schon hier gewesen. Ein Spaziergang im Herbst – wie lange her das schien! Es war Zufall gewesen, dass sie sich getroffen hatten. Ihre Gefühle zueinander waren längst nicht so klar wie jetzt, ja, der Slytherin war kalt gewesen… wie viel besser sie ihn nun verstand. Eine Maske, dazu seine Art von Humor, und die Angst, ob er sich anderen anvertrauen kann, einfach die Angst, verletzt zu werden, dazu die Versicherung an sich selbst, dass er niemanden brauchte…
Das war der junge Mann, in den sie verliebt war. Mit Haut und Haaren, wie es so schön hieß. Ihre Freunde würden das verstehen. Mussten es verstehen. Sie setzte sich neben Hermine auf den Baumstamm, sah auf den See hinaus – und begann zu erzählen.
„Hermine… vielleicht ist es dir aufgefallen, dass ich in letzter Zeit…" Irgendwie war es doch schwerer, zu erzählen. Ihr fielen jetzt schon keine Worte mehr ein.
„Dass Du in letzter Zeit manchmal komisch bist, häufig verschwindest und unter Stimmungsschwankungen leidest?", kam Hermine ihr zu Hilfe.
„Äh, ja. Genau.", erwiderte die Rothaarige perplex.
„Schau nicht so verwundert. Ich kenne dich jetzt seit 6 Jahren, meinst du, du kannst alles vor mir verbergen?"
„Eigentlich nicht.", grinste Ginny. „Also, der Grund dafür ist… ziemlich verzwickt. Ich hätte es euch vielleicht schon früher sagen sollen, aber ich hatte Angst und…"
„Du bist aber nicht schwanger, oder?"
Vollkommen verdattert sah das Mädchen ihre ältere Freundin an: „Was??"
„Hätte ja sein können. In der Muggelwelt passiert das erstaunlich oft, dass Minderjährige schwanger werden. Und deine Stimmungsschwankungen, dazu das häufige Fehlen, dieses Rumgedruckse, und wenn ich an unser Gespräch im Herbst denke: da hattest du einen Unbekannten erwähnt, der dir nicht mehr aus dem Kopf geht."
„Das ist… also, nein, ich kann dich beruhigen, ich bin nicht schwanger."
Plötzlich löste sich die Anspannung in Ginny, sie musste einfach anfangen zu lachen. „Hermine, was hat Ron nur mit dir gemacht?"
Ihre Gegenüber wurde etwas rot, fing sich jedoch bald wieder: „Direkt war ich schon immer. Und dass ich gerne Thesen aufstelle und überprüfe, weißt du auch." Sie grinste jetzt leicht verlegen. Ginny währenddessen versuchte, ihr Lachen unter Kontrolle zu bekommen.
„Schon ok, Mine." Kurze Zeit saßen sie schweigend da. Dann begann Hermine von neuem:
„Also, was ist denn dann los? Offensichtlich liegt dir etwas auf dem Herzen."
Gut, also, ein neuer Versuch. „Wie soll ich nur anfangen? Es… nun, du hast ja schon diesen Unbekannten vom Herbst erwähnt. Ich… also, ich habe mich in ihn verliebt."
Hermine nickte, bekräftigte so das Mädchen, fortzufahren. Die Neugier stand ihr auf die Stirn geschrieben, aber sie wollte ihre Freundin wohl nicht schon wieder unterbrechen. Die Jüngere erklärte also weiter:
„Er… also, du kennst ihn wahrscheinlich. Na ja, wobei, sicherlich nicht kennen, aber du hast ihn schon mal gesehen, oder mit ihm gesprochen, jedenfalls weißt du von seiner Existenz…" Irgendwie verhedderte sie sich grad. Egal, weiter. „Er ist in deinem Jahrgang. Und er ist wirklich nett, also, er kann nett sein, zu mir ist er es jedenfalls, und übrigens ist er wirklich süß, und… ja…"
„Wer ist es denn?"
Sie senkte den Kop. Jetzt konnte sie es nicht weiter herauszögern. Wollte sie das wirklich? Konnte sie es ihrer Freundin sagen?
Aber sie vertraute ihr. Es war richtig. Hoffentlich…
„Blaise Zabini."
Jetzt war es raus. Sie traute sich kaum, Hermine anzusehen.
„Aber… das ist doch dieser Slytherin?" Sie klang geschockt. Ginny biss sich auf die Lippe und nickte langsam.
„Ein Slytherin? Ginny, ist das etwa dein Ernst? Wie kommst du denn auf solche Ideen? Ich meine, gut, er sieht nicht schlecht aus… aber trotzdem!" Hermines Stimme war immer lauter geworden. Sie sah sie jetzt leicht entsetzt an.
„Kennst du ihn denn?", schlüpften die Worte plötzlich über die Lippen der Rothaarigen. „Was weißt du von ihm, außer dass er ein Slytherin ist?"
„Er ist arrogant.", kam es sofort wie aus der Pistole geschossen, „ziemlich intelligent, aber sehr arrogant. Und er hängt mit Malfoy rum, diesem Frettchen."
„Ja, mit wem soll er denn sonst Kontakt haben, wenn alle Vorurteile haben, bloß weil er Slytherin ist? Da bleiben doch nicht mehr viele übrig!" Ginny wurde jetzt etwas wütend.
„Und diese Arroganz… er überspielt vieles, weißt du? Er kann ganz anders sein…"
„Er kann.", erwiderte Hermine, Skepsis schwang in ihrer Stimme mit.
„Ja, genau. Zu mir ist er es jedenfalls."
„Und wie er andere behandelt, das interessiert dich nicht?"
Kurz fehlten Ginny die Worte. Dann brach es aus ihr heraus: „Und wie behandelt ihr ihn denn? Hast du jemals mit ihm gesprochen? Oder hast du einfach die vielen, kleinkarierten Vorurteile gegenüber Slytherins auf ihn übertragen? Wart ihr denn je sonderlich nett zu ihm? Und dann wunderst du dich, dass er… zu euch so ist, wie er ist? Er kann anders sein – aber man muss ihm auch die Chance dazu geben. Ja, gute Güte, es ist ein Slytherin. Na und? Ich bin eine Gryffindor. Wir sind vorlaut, heißt es häufig. Auch keine gute Eigenschaft. Hat dich das je gestört, bei Ron? Du liebst ihn doch nicht, weil er ein Gryffindor ist, oder weil er rote Haare hat, oder weil sein linker kleiner Zeh total krumm ist! Er kann auch ein ziemlicher Idiot sein, aber zu dir ist er nett. Warum nicht Seamus, Dean oder Neville? Warum Ron? Es gibt nicht nur die Häuserzugehörigkeit. Man kann Menschen nicht einfach in Schubladen stecken."
Sie hatte sich ganz schön in Rage geredet. Jetzt war sie ruhig, musste Luft holen, sich beruhigen. Ein schneller Blick auf Hermine bestätigte ihr, dass sie diese ziemlich verwirrt hatte. Kurz tat es ihr Leid. Aber sie hatte nur die Wahrheit gesagt. Eigentlich war diese auch nicht schmerzhaft oder so. Nein, es war etwas, worüber man einfach zu selten nachdachte. Oder?
Es blieb still. Irgendwann hielt Ginny diese Ruhe nicht mehr aus, sie wurde nervös. Es war wie die Ruhe vor dem Sturm. Schließlich fragte sie: „Was denkst du?"
Nach kurzem Schweigen antwortete die junge Frau: „Ich… ich weiß es nicht. Es bringt mich etwas durcheinander, weißt du? Also, du hast Recht mit dem, was du gesagt hast. Und eigentlich, irgendwie, möchte ich ja nur, dass du glücklich bist. Aber warum gerade ein Slytherin?"
In Hermines Augen sah sie etwas von der alten Trauer – dem Schmerz darüber, Schlammblut genannt zu werden, als minderwertig deklariert zu werden.
„Sie sind nicht alle gleich.", erklärte Ginny sanft.
„Ich weiß das. Dennoch… es ist seltsam, weißt du? Gib mir Zeit, mich daran zu gewöhnen. Es ist deine Entscheidung, du musst damit glücklich werden. Ich wünschte, du hättest dir jemand, na ja, netteren gesucht."
„Er ist nett.", unterbrach Ginny.
„Ja, sicher, aber… Du weißt, wie ich das meine."
Sie nickte. „Vielleicht. Aber ich habe mich in ihn verliebt. Ich bereue das nicht." Kurz flackerte die Szene im Café in Hogsmead an ihr vorbei, doch sie verdrängte es schnell wieder. Das tat ihm wohl ebenso Leid, wie ihr. „Du kennst ihn nicht, Hermine. Bitte, glaube mir: er ist kein zweiter Draco Malfoy."
Schließlich nickte Hermine langsam. „Es ist deine Entscheidung.", wiederholte sie. „Du musst damit glücklich werden." Sie drehte sich zu ihrer jüngeren Freundin um: „Aber wenn etwas ist… Du kannst immer zu mir kommen. Erwarte nicht, dass ich ihn in Schutz nehme oder so etwas – aber wenn du mal einen Ratschlag unter Frauen brauchst, oder dich über diesen Mistkerl ausheulen willst zum Beispiel – wir können über alles reden." Leicht schief lächelte Hermine sie an. Ginny nickte, zaghaft zurücklächelnd.
„Wann willst du es Ron sagen?", fragte Hermine nach einer Weile des Schweigens, während beide in ihre Gedanken versunken auf den See hinaus starrten.
„Woher weißt du, dass ich es ihm noch nicht gesagt habe?"
„Ganz einfach: Hogwarts steht noch und die Slytherins leben auch noch."
„Was? Oh… hey, so schlimm wird es schon nicht werden…hoffe ich."
Aber so ganz sicher war sie sich da auch nicht... „Ich denke, ich sage es ihm heute Nachmittag. Dann habe ich es hinter mir."
„Du musst es ihm nicht sagen."
„Aber ich möchte nicht weiter mit einer Lüge leben. Er ist mein Bruder und gleichzeitig einer meiner besten Freunde. Ich möchte, dass er es weiß."
Irgendwie ist es leichter, zuversichtlich zu sein, wenn das Ereignis, vor dem man sich fürchtet, noch weiter in der Zukunft liegt. Jetzt, im Gemeinschaftsraum, auf dem Weg zu Ron, um ihn zu bitten, mit raus zu kommen… da war ihr schon mulmig zumute.
Gut, da saß er. In eine Runde Zaubererschach mit Harry vertieft. Wieso ließ dieser sich nur immer wieder dazu überreden? Ron gewann sowieso. Aber immerhin hatte er danach meist gute Laune.
Sie setzte sich zu den beiden und schaute eine Weile zu. Es dauerte nicht lange, dann hatte Ron Harry Schachmatt gesetzt.
„Willst du auch mal eine Runde spielen, Ginns?", fragte ihr großer Bruder sie. Sie schüttelte den Kopf, sagte stattdessen:
„Willst du einen Spaziergang mit mir machen?". Dann fiel ihr Harry ein, und kurz entschlossen setzte sie hinzu: „Kommst du auch mit, Harry?"
Die beiden sahen sie zwar erstaunt an, nickten dann aber und gingen mit.
„Die Bäume werden langsam richtig grün.", bemerkte Harry, als sie auf den Ländereien waren.
„Ja…die Farbe der Hoffnung.", setzte Ginny hinzu.
„Und die dieser schmierigen Slytherins", konterte Ron. ‚Na super, das wird wirklich einfach werden!'
Irgendwie würde dies das schwerste Gespräch werden. Sie redeten eine Zeit lang über Quidditch, ein Thema, das sich nie erschöpfte oder langweilig wurde. Aber wie konnte sie hier ihre ‚Beichte' unterbringen? Schließlich platzte sie einfach heraus:
„Jungs, ich muss euch etwas sagen."
Die Blicke der beiden richteten sich auf sie und sie spürte, wie sie etwas rot wurde.
„Das klingt, wie als wolltest du uns etwas beichten?", fragte Ron.
„Also… ja, so in etwa…"
„Du musst nicht so rumdrucksen", ermunterte Ron sie, „wir haben auch schon eine Menge Unsinn gemacht, nicht, Harry? Und so lange du uns nicht gerade sagst, dass du… weiß nicht, zum Beispiel etwas mit einem Slytherin angefangen hast, kann uns nichts erschüttern." Er grinste seine Schwester an, anscheinend überzeugt davon, einen guten Witz gemacht zu haben und damit die Situation entspannt zu haben.
Nun, das war offensichtlich falsch. Vollkommen perplex, unfähig, ein Wort zu sagen, starrte Ginny die beiden jungen Männer vor sich an.
Das Grinsen aus Rons Gesicht wich langsam. „Ginny?"
„Ich… äh… ja, also…" ‚Top! Das klappt ja wunderbar!'
„Ginny?", fragte Ron wieder, zunehmend verzweifelter.
„Nun…"
„Du hast nicht wirklich was mit einem von diesen schleimigen, gierigen… Die sind falsch! Unfreundlich, allesamt schwarze Magier! Ginny! Sag mir, dass du nichts mit einem Slytherin hast! Das war doch nur ein Scherz!" Er wurde von Wort zu Wort lauter, proportional dazu wechselte seine Gesichtsfarbe von kalkweiß zu blutrot.
„Ron, ich…"
Ihr Bruder packte sie jetzt an den Schultern, schüttelte sie leicht. „Red mit mir! Sag, dass das nicht wahr ist."
Jetzt platzte bei Ginny der Geduldsfaden. „Es reicht! Ich will nicht lügen. Ja, Ron, ich habe etwas mit einem Slytherin! Ich habe zu einem eine Beziehung angefangen." Tränen traten ihr in die Augen. „Mit einem dieser schmierigen, schleimigen, gierigen… genau mit so einem."
Sie war auch immer laut geworden, jetzt riss sie sich von ihrem großen Bruder los, wollte wegrennen. Sie schluchzte. Er musste immer so übertreiben. Was sollte das? Er wusste doch gar nichts…
Sie kam nicht weit. Sie wurde festgehalten, jemand packte sie am Arm, zog sie zurück. Tränen verschleierten ihren Blick, die dachte, es wäre Ron, wollte ihn schlagen, ihn zwingen, sie loszulassen… aber da wurde sie in eine Umarmung gezogen, ihr Gesicht landete an einer Schulter, sie wurde von zwei starken Armen festgehalten, konnte nicht mehr weglaufen. Wollte es auch bald nicht mehr. Harry strich ihr über den Rücken, versuchte, sie zu beruhigen. Sie roch seinen Duft, vertraut, freundlich.
Sie schluchzte weiter. Wie von weiter Ferne hörte sie Ron immer noch toben, hörte, wie er Slytherins aufs Übelste beschimpfte: „Mit einem arroganten, überheblichen… das kann nicht ihr Ernst sein! Ein Todesserkind…"
Es reichte. Wütend drehte sie sich aus Harrys Umarmung, sah ihrem Bruder in die Augen. „Er ist kein Todesserkind! Nicht alle Slytherins sind böse, was ist denn das für eine beschränkte Sichtweise! Was soll das überhaupt, du weißt noch nicht mal, wer es ist, und schon machst du so ein Theater?"
„Hast du vergessen, was die Slytherins uns angetan haben, in den letzten Jahren?"
„Ja, frühere Slytherins. Es waren auch Hufflepuffs, Ravenclaws, sogar Gryffindors dabei. Na und? Nicht jeder Slytherin ist gleich böse."
„Ach nein? Was hat er mit dir angestellt? Gehirnwäsche?"
„Ron, das ist solcher Unsinn", fauchte Ginny, „Blaise hat mich nicht verhext."
„Blaise? Dieser… Zabini? Du gehst mit Zabini aus? Dieser arrogante, eingebildete…"
„Hör auf, ihn zu beleidigen!" Ginny reichte es jetzt endgültig. Ron jedoch war noch nicht fertig.
„Ihn beleidigen? Diesen… er hat sich an dir vergriffen! Das ist strafbar, garantiert… er kann doch nicht einfach, mit meiner Schwester, Mum würde ihn umbringen, der soll seine dreckigen Finger von dir…"
„Ronald Bilius Weasley!" Schreiend unterbrach sie die Wortkaskade ihres Bruders. „Würdest du mir vielleicht einfach mal zuhören?"
„Was… Harry, sag doch auch einmal etwas!"
Wütend drehte Ginny sich um. Wenn der jetzt auch noch anfangen würde… doch er sah sie nur mit unergründlichen Augen an und erklärte dann: „Ich würde gerne hören, was sie dazu sagt. Sie ist erwachsen."
Ein wenig Erleichterung durchströmte Ginny. Wenigstens Harry wurde nicht sofort auf sie wütend. Ron stellte sich nun neben ihn, verschränkte die Arme und spuckte aus: „Na schön. Dann erzähl. Aber ich glaube kaum, dass…"
„Lass sie reden, Ron.", unterbrach Harry ihn. Dieser grummelte noch etwas, war dann aber ruhig. Offensichtlich bereitete er im Kopf gerade die nächste Standpauke vor. Nun gut, immerhin würde sie Harry erklären können, was los war.
„Blaise ist auch in der Theatergruppe. Wir haben zusammen an dem Stück gearbeitet. Er ist ziemlich nett, weißt du? Er ist gar kein typischer Slytherin…"
An dieser Stelle schnaubte Ron. Ginny ließ sich nicht beirren. Jetzt hatte sie angefangen zu reden, jetzt würde sie das auch zu Ende bringen.
„Ihr kennt ihn doch gar nicht! Zu mir jedenfalls ist er total lieb…"
Ron nuschelte etwas wie: „Der will dich doch nur rumkriegen.", wurde aber sofort wieder von Ginny unterbrochen:
„Das glaube ich nicht! Und jetzt sag nicht, dass ich naiv bin. Ron, ich bin nicht mehr das kleine Mädchen, das ich mal war. Ich bin volljährig, falls du dich daran erinnerst? Blaise ist nicht so, wie du denkst. Wie kannst du einfach so über jemanden urteilen? Dieses Schubladendenken… es ist furchtbar! Ich verstehe Dumbledore allmählich, die Idee für dieses Fest: dass sich die Häuser untereinander besser verstehen…"
„Aber er kann das doch nicht SO gemeint haben!"
„Warum nicht, verdammt? Es ist ja nicht so, dass du sofort mit Malfoy in den Urlaub fahren musst oder so, aber könntest du bitte akzeptieren, dass ich die Entscheidung, die Freundschaft eines Slytherins anzunehmen, für mich getroffen habe?"
„Aber… nein! Harry, sag doch auch mal etwas!" Ron war wieder tiefrot im Gesicht geworden.
„Nun…", begann dieser bedächtig. Ginny sah ihn verzweifelt an. Wenn Harry auch noch gegen sie war… „Ich weiß nicht, was ich darüber denken soll.", gab er schließlich zu, „Aber ich denke, dass wir Blaise Zabini einfach nicht kennen. Wir können also nicht über ihn urteilen…"
„Aber Harry, es ist ein Slytherin!"
„Na und?"
„Die… die sind böse!"
„Das ist ein Vorurteil. Wir haben alle Vorurteile, klar. Aber häufig sind die eher hinderlich als nützlich. Von mir denken alle, ich sei der ach-so-tolle Bezwinger Voldemorts, deshalb sei ich stark, mutig, jederzeit zu Heldentaten bereit, und ich liebe den Ruhm. Stimmt das etwa? Nein, längst nicht immer."
Ron wollte aufbegehren, doch sein Freund schnitt ihm das Wort ab. „Ich kenne deine Meinung, Ron. Du bist ein Gryffindor, nicht wahr? Als solcher fühlst du dich mutig. Mut heißt aber manchmal nicht nur, die eigene Meinung hitzköpfig zu vertreten – sondern einzusehen, dass diese Meinung vielleicht nicht immer stimmt. Den Mut zu haben, eine Einstellung zu ändern – den vermisse ich manchmal bei den Gryffindors. Am Ende sind wir alle gleich – oder? Und ist es nicht das, was du den Slytherin vorwirfst? Das, was du selbst praktizierst? Du wirfst ihnen vor, sie wären ungerecht gegenüber Muggelgeborenen, nur aufgrund ihrer Geburt. Du bist ungerecht gegenüber Slytherins – nur aufgrund ihrer Häuserzugehörigkeit. Ist das richtig?"
Stille.
Ron sah vollkommen perplex aus. Er starrte Harry an. Es war offensichtlich, dass der Kampf gegen Voldemort ihn verändert hatte, ja. Es hatte ihn wohl dazu gebracht, über vieles nachzudenken…
Ginny ging die wenigen Schritte auf Harry zu. Die leise Trauer, die ihn nicht mehr verlassen wollte, hatte sich wieder in seine Augen gestohlen. Sie umarmte ihn.
„Danke."
Natürlich hatte sich Ron noch nicht damit abgefunden, dass sie etwas mit einem Slytherin hatte. Gut, es war von Vorteil, dass es nicht gerade das Frettchen war – aber dennoch. Beim Essen sah er äußerst säuerlich aus, wenn „dieser Zabini" (er weigerte sich, ihn „Blaise" zu nennen) vorbei ging. Harry schien noch am wenigsten Probleme damit zu haben. Nein, er war nicht vor Freude in die Luft gesprungen – aber er akzeptierte Ginnys Entscheidung ohne lange Diskussionen: „Du weißt, was du machst. Und wenn es das ist, was du möchtest… ich hoffe, du wirst glücklich.", das hatte er ihr noch am selben Abend gesagt. Hermine gab keinen weiteren Kommentar ab. Nur Ron, ja… er konnte sich die ein oder andere Spitze nicht verkneifen. Wer konnte es ihm verdenken? Seine geliebte Schwester – und der Feind. Wenn das keine Weltuntergangssituation war. Zum Glück hielt er sich relativ weit zurück. Harrys Worte hatten ihn nachdenklich gemacht. Außerdem war ihm Ginny zu wichtig, als dass er sich endgültig mit ihr zerstreiten wollte. Damit war auch niemanden geholfen – dann wäre sie womöglich allein in den Armen des Feindes, mit niemandem, der sie unterstützte. Und wer wusste schon, was dieser Zabini noch vorhatte? Nein, es war schon ganz gut, wenn er noch ein Auge über sie hatte.
Und für den verirrten Spruch in Verwandlungen am Montag konnte er wirklich nichts, wie er beim Mittagessen erklärte. Ehrlich. Er hatte die Lippen von Zabini nicht treffen wollen. Es war Zufall gewesen, dass diese sich in Schnecken verwandelt hatten. Konnte doch mal passieren, oder? Alles Zufall.
Außer ihren vier besten Freunden, Colin, Harry, Hermine und Ron, wusste niemand von ihrer Beziehung zu dem Slytherin. Wozu auch? Sie war glücklich, dass diese vier Bescheid wussten. Jemand anderem würde sie es nicht sagen – entweder, diese bekamen es so mit, oder halt nicht. Sie war noch nie jemand gewesen, die mit ihren Beziehungen hausieren gegangen war. Wieso sollte sie gerade jetzt damit anfangen?
Am Dienstag traf Ginny Blaise zwischen zwei Stunden im Gang. Es war eine Art Geheimgang, nicht viele Schüler benutzten diesen Weg, so waren sie allein. Sie war auf dem Weg zu Zaubertränke, er kam gerade aus dem Kerker. Offensichtlich hatte Madame Pomfrey ihn wieder von Rons „Unfall" geheilt. Er sah aus wie immer. ‚Genauso sexy wie immer…', schoss es ihr durch den Kopf.
Sie ging die letzten Schritte auf ihn zu, auch er kam näher. Sie schlang ihre Arme um seinen Nacken, er zog sie an sich und sie versanken in einem Kuss.
Nach einer Weile lösten sie sich wieder und sie blickte ihm ins Gesicht, sie hielten sich aber weiterhin umarmt.
„Hi.", grinste sie.
„Hi", antwortete er und hauchte ihr noch einen Kuss auf der Stirn, der sie leicht rot werden ließ.
„Ich habe am Sonntag mit Ron, Harry und Hermine geredet.", platzte sie heraus. Er hob eine Augenbraue.
„Ich weiß. Weasl… Ronald ist zwar nicht sonderlich treffsicher, aber so weit wie gestern in Verwandlungen hat er noch nie daneben gezielt."
„Bist du sauer deswegen?"
„Hmm… nein, nicht wirklich. Du kannst nichts für sein Temperament, oder? Und sie mussten es irgendwann erfahren. Es ist wohl gut, dass du es ihnen gesagt hast… wie gesagt, es war deine Entscheidung, das goldene Trio sind deine Freunde, nicht meine. Es war dir wichtig. Ich kann damit leben."
Kurz stockte er, dann fuhr er fort: „Jedenfalls so lange er dir nicht verbietet, mich weiterhin zu sehen."
Mit den letzten Worten war er immer leiser geworden, murmelte sie schließlich in ihr Ohr. Sein Atem streifte ihre Wange, sie schloss die Augen. Doch schnell hatte sie die Realität wieder.
„Ich muss zu Zaubertränke…"
„So, musst du das?". Blaise grinste sie an, dieses slytherin-hafte Grinsen, das eindeutig besagte: ‚Da kommt noch was!'.
Sie stand schon vorher nah an der Wand, jetzt drückte er sie sanft dagegen. Sie stand mit dem Rücken zur Wand, er vor ihr, je einen Arm rechts und links von ihr. Er kam ihr wieder näher, sein Mund näherte sich ihrem Ohr, gleichzeitig spürte sie, wie er sich leicht gegen sie lehnte.
„Und was ist, wenn ich dich nicht gehen lassen möchte?", flüsterte er ihr ins Ohr. Dann küsste er ihren Nacken, ihren Hals, näherte sich ihrem Mund. Als sich ihre Lippen schließlich trafen, spürte sie, wie er sein Bein gegen ihren Unterleib drückte. Ihr entfuhr ein Keuchen. Sie spürte, wie Blaise in den Kuss hinein grinste. Dann löste er sich von ihr, sah ihr in die Augen… und grinste:
„Ich dachte, du wolltest zu Zaubertränke?"
Dann löste er sich vollständig von ihr, trat zurück. Ginny zitterte leicht – das konnte er doch nicht so einfach machen! Erst das… und dann einfach weg? Dieser… Slytherin!
„Viel Spaß!" Er beugte sich noch kurz runter, gab ihr einen schnellen Kuss, hörte ihr verdutztes „Äh, ja, viel Spaß dir auch, bis dann.", drehte sich um und ging.
Herrje, der wurde in letzter Zeit irgendwie zu frech… das musste aufhören… oder…?
Am Freitag war wieder Probe. Der dritte und abschließende Akt war fast fertig – heute sollte die letzte Szene geprobt werden. Hierzu würden wieder sehr viele Schüler mitspielen: es gab mehrere Statistenrollen, denn bei der Hochzeit von Leonce und Lena war das Volk anwesend. Dieses wurde nun dargestellt von einigen Schülern, welche in dieser Szene keine Sprechrolle hatten.
So war es ziemlich voll, als Ginny um 8 Uhr in der Großen Halle ankam. Auch Tonks war erstaunlich früh dort gewesen. Die Halle war aufgeschlossen, die Bühne stand bereit.
Neugierig sah Ginny sich um. Dieselben Personen wie bei der letzten Probe waren anwesend, dazu ein weiterer Gryffindor. Er ging in die fünfte Klasse, soweit Ginny wusste. Sein Name war Samuel oder so ähnlich, er wurde Sam gerufen.
Sie sah Justin und Hannah und ging zu ihnen hinüber.
„Hi!". Sie grinste die beiden Hufflepuffs an. Diese lächelten zurück.
„Hallo. Na, wie war deine Woche?"
„Och, soweit ganz gut, und bei euch?"
„Auch…"
Viel Zeit für Smalltalk blieb nicht. Tonks rief sie auf die Bühne: sie wollten anfangen.
In diesem Moment kam Blaise durch die Tür. Einen Schritt hinter ihm lief Diamante. Sie sah aus, als ob sie etwas schmollte. Offensichtlich hatte sie keine Lust, hier zu sein.
‚Ob Blaise sie wohl von ihrem Malfoy-Schatz weggeholt hat?', fragte sich Ginny innerlich.
Da nun auch die letzten Schauspieler aufgetaucht waren, konnten sie anfangen. Diamante stellte sich zu den anderen Statisten, Justin, Hannah, Blaise, Ginny, Greg, Carl und auch Sam stellten sich auf die Hauptbühne. Tonks erklärte den genauen Aufbau:
„Ginny und Blaise, ihr werdet ja als Leonce und Lena heiraten, ihr stellt euch also vor den Hofprediger Carl, am besten leicht seitlich, sodass wir euch beide sehen können. Carl, du als Präsident stellst dich neben Lena, da dies ja deine Tochter ist – also, jedenfalls ein Mädchen, dass deine Tochter darstellen soll… du weißt ja noch nicht, dass Lena tatsächlich zurück gekommen ist. Ebenso bei Greg: du gehst neben Blaise, der dein Sohn ist, wenngleich du das nicht weißt, weil er sich ja hinter einer Maske versteckt… klar soweit? Setzt ihr bitte eure Masken auf, Ginny, Blaise, Hannah, Justin?"
Die 6 nickten. Tonks erklärte weiter:
„So, in der Mitte zwischen Prediger und dem Paar, die ja seitlich stehen, ist jetzt noch etwas frei. Dort stellen sich Justin als Valerio und Hannah als Gouvernante hin, etwas im Hintergrund, sodass man euch zwar sieht, ihr aber nicht im Vordergrund des Geschehens seid. Das Publikum steht wieder auf der Seitenbühne. Ihr seht der Hochzeit zu. Diemante, du als Rosetta, als ehemalige Geliebte von Leonce, kannst darauf ruhig etwas neidisch sein, etwas traurig. Der Rest des Volkes bejubelt die Hochzeit. Ok, fangt an!"
Sam räusperte sich und trat vor.
Sofort unterbrach Valerio ihn: „Fang an! Lass deine vermaledeiten Gesichter und fang an! Wohlauf!"
So unterbrach er den Hofprediger immer wieder. Das ganze war ziemlich vergnüglich, und von den Statisten hörte man leises Kichern. Dann setzte König Peter dem ganzen ein Ende und der Hofprediger begann seinen Haupttext:
„Geruhen Eure Hoheit, Prinz Leonce vom Reiche Popo", hierbei sah er Blaise an, der den Blick zu Ginny wandte, „Und geruhen Eure Hoheit, Prinzessin Lena vom Reiche Pipi", nun wand sich auch Ginny Blaise zu. Sie sahen sich in die Augen, während der Hofprediger fortfuhr, „und geruhen Eure Hoheiten gegenseitig, sich beiderseitig einander haben zu wollen", an dieser Stelle ergriff Blaise ihre Hand, „so sprechen sie ein lautes und vernehmliches Ja."
Sie lächelte ihn an. Auch seine Mundwinkel hoben sich, er lächelte zurück. Dann sprachen beide wie aus einem Munde: „Ja."
„Stopp!", unterbrach an dieser Stelle Tonks die Szene. „Das war schon ziemlich gut gespielt, aber… könntet ihr euch vielleicht an dieser Stelle küssen?"
„Was?", kam von Blaise die irritierte Frage.
„Na ja, einen Kuss geben.", sagte Tonks. „Ihr habt gerade geheiratet – da ist das doch normal, oder?"
Aus den Reihen der Schüler kam ein leises „Pah!". Ginny meinte, Diamantes Stimme erkannt zu haben…
Oh bei Merlin. Was verlangte Tonks da von ihnen? Mitten auf der Bühne, vor so vielen anderen Schülern? Wobei… gut, bei der Aufführung würden sie es sowieso machen müssen, wegen der Hügelszene. Aber noch einmal? Zudem… würden die anderen nicht merken, dass dieser Kuss nicht nur gespielt war?
„Ok.", sagt in diesem Moment Blaise. Ginny fuhr herum und starrte ihn an. „Das klappt schon.", sagte er. Sie bemerkte, dass er es eher zu sich selbst als zu ihr sagte – er hatte also auch Bedenken. Aber für das Stück wäre es wirklich gut… nun gut. Auch sie nickte Tonks zu.
Die Szene begann erneut. Wieder kamen sie an die Stelle, an welcher beide „Ja" sagten. Noch zögerte Ginny, auch Blaise machte zunächst keine Anstalten, sich ihr zu nähern. Sam sagte: „So sage ich Amen." Nun war es wirklich Zeit… sie sollten sich küssen… ihr Gesicht näherte sich seinem. Beide hielten die Augen geöffnet. Grün mit braunen Sprenkeln… fast berührten sich ihre Nasen bereits, da schlossen sie ihre Augen schließlich, kurz darauf berührten sich ihre Lippen. Der Kuss war flüchtig, beide waren sich der Anwesenheit der Anderen viel zu sehr bewusst, um die Kontrolle zu verlieren.
Als sie auseinander gingen, setzte Justin mit seinem Text ein: „Gut gemacht, kurz und bündig; so wären denn das Männlein und Fräulein erschaffen, und alle Tiere des Paradieses stehen um sie."
Daraufhin nahm Blaise, wie es die Bühnenanweisung erforderte, seine Maske ab.
Sofort erhob sich unter dem Volk ein wildes Gemurmel: „Der Prinz! Der Prinz!"
König Peter war der lauteste: „Der Prinz! Mein Sohn! Ich bin verloren, ich bin betrogen! Wer ist die Person? Ich lasse alles für ungültig erklären!"
Daraufhin nahm Hannah Ginny die Maske ab und erklärte: „Die Prinzessin!"
Ginny und Blaise sahen sich an. Leonce und Lena begriffen, dass sie diejenigen waren, welche einander versprochen gewesen waren. Und sie hatten sich ineinander verliebt. Ein famoses Verwechslungsspiel mit gutem Ausgang.
Justin erklärte, lachend: „Ich muss lachen, ich muss lachen. Eure Hoheiten sind wahrhaftig durch den Zufall einander zugefallen; ich hoffe, Sie werden dem Zufall zu Gefallen – Gefallen aneinander finden."
Das Stück endete damit, dass König Peter die Regierungsgeschäfte seinem Sohn und seiner neuen Frau übergab, um in Ruhe denken zu können. Das Stück endete, wie es begann: Leonce und Valerio hatten famose, unumsetzbare Pläne für den Staat, einen Ort ohne Arbeit. Sie wollten weiter dem Müßiggang frönen.
Am Ende der Szene stand Tonks auf und klatschte in die Hände. „Sehr gut!" Dann erklärte sie kleinere Fehler und die Szene wurde noch einmal wiederholt. Nun war sie zufrieden, die Schüler konnten ins Bett gehen.
Am Samstagnachmittag trafen sich Ginny und Blaise im Raum der Wünsche. Sie lagen auf einem großen, breiten Sofa und sprachen über die letzte, abschließende Szene des Stückes.
„Wieso lässt er es so abrupt enden?", fragte sich Ginny.
„Nun, das Stück zeigt Gesellschaftskritik. Diese wird auch Ende noch mal deutlich. Auch wenn keine wirkliche Moral deutlich wird, denn am Ende ist fast alles wie zu Beginn…"
„Als Valerio diesen utopischen Staat entwirft? Ein Ort ohne Arbeit... was für eine Realitätsflucht!"
„Genau. Und dennoch das, was sich viele Menschen wünschen."
Sie waren eine Weile schweigsam. Dann begann Ginny erneut: „Ich würde nicht in einem Staat ohne Arbeit leben wollen. Wie langweilig! Was macht man denn da den ganzen Tag?"
Blaise lachte leise. „Das dachte ich mir auch schon. Aber mir würde im Moment so einiges einfallen…"
Er rollte sich auf sie, strich ihr die Haare aus dem Gesicht und küsste sie. Schnell vertieften sie diesen Kuss. Als Ginny merkte, dass er mit der Hand unter ihren Pullover fuhr, zog auch sie an seinem T-Shirt. Sie wollte wieder seine Haut auf ihrer spüren. Schnell hatte sie es ihm ausgezogen und einfach auf den Boden neben sich fallen lassen. Blaise unterbrach den Kuss und grinste sie an: „Das ist aber nicht sonderlich ordentlich."
„Na und?". Sie grinste zurück, schob ihn von sich und rollte sich nun selbst auf ihn. Sie küssten sich wieder, Blaise zog ihren Pullover hoch. Kurz unterbrachen sie den Kuss, damit er ihn ihr ganz ausziehen konnte. Als der Pulli nun neben dem T-Shirt auf dem Boden landete, lachte Ginny leicht. „Ach, wer ist hier nun unordentlich?"
Es war wunderschön, seinen nackten Bauch an ihrem zu spüren, während sie wieder in einem innigen Kuss versanken. Sie waren viel zu lang getrennt gewesen.
Seine eine Hand ruhte auf ihrem Po, die andere strich ihr über den Rücken. Dann ging sie zum Verschluss des BHs… und schon war dieser auf.
„Wo hast du das eigentlich gelernt?", fragte Ginny, den Kuss unterbrechend.
„Was?", fragte Blaise unschuldig, wollte sie wieder zu sich ziehen. Doch sie grinste ihn an und sagte: „Das mit-einer-Hand-den-BH-aufmachen."
„Wieso interessiert dich das?", fragte Blaise belustigt. „Ist das jetzt die Wer-war-vor-mir-Frage?"
„Keine Ahnung… ich habe noch niemanden getroffen, der das so schnell konnte…" Sie wurde sofort rot, als er eine Augenbraue leicht hob. „Das heißt nicht, dass es schon sonderlich viele Kerle gab, die mir den BH aufgemacht haben, aber…" ‚Aber…? Aber…?' Sie wurde noch röter. Dann sagte sie einfach: „Aber du hast ja sicher auch nicht gerade wie im Zölibat gelebt!"
Das entlockte Blaise wieder ein Grinsen. „Nein, habe ich nicht. Aber dieses spezielle Können… nun, kein Wunder, dass du noch niemanden getroffen hast, der das so schnell auch kann. Du hattest ja noch nichts mit einem Slytherin… hoffe ich jedenfalls."
Er hatte sich wieder über sie gelegt. „Was hat das damit zu tun?", fragte sie.
„Nun ja…". Kurz sah er so aus, als wolle er es nicht erzählen. Doch auf Ginnys neugierigen Blick hin sprach er weiter: „Draco wollte das mal lernen, in der 4. Klasse. Also hat er Pansy gefragt…"
„Was?"
„Na ja… Sie hat uns dann ein Kissen und einen ihrer BHs in den Schlafsaal gebracht, den BH um das Kissen gebunden… und uns das Kissen abwechseln in den Arm gedrückt, damit wir üben konnten, den BH aufzumachen."
Ginny konnte nicht anders. Sie musste lachen. Sie kringelte sich geradezu vor Lachen. „Ihr habt… ihr habt… mit einem Kissen? Wieso denn das?"
Bildete sie sich das ein, oder zeigte sich ein Schimmer von rot auf den Wangen von Blaise: „Draco wollte das halt lernen… und wie das nun mal so ist, wir anderen Jungs haben mitgemacht. Außerdem war es wirklich lustig." Er grinste jetzt auch. „Goyle kann es bis heute nicht wirklich, genauso wenig wie Nott, aber Drac und ich waren ziemlich gut. Er kann das inzwischen sogar durch den Umhang durch. Das war in einer Zaubertränkestunde einmal sehr lustig. Er beugte sich vor zu Pansy und… - natürlich bemerkte Professor Snape, dass Pansy irgendwelche komischen Verrenkungen machte, aber sie bekam ihren BH dennoch nicht zu. Trotzdem, die Gesichter der beiden – genial." Er musste jetzt noch bei der Erinnerung daran grinsen. Auch Ginny lachte. Wow, die Slytherins waren ja doch ganz normale Menschen! Auch wenn ihr Pansy fast etwas Leid tat. Das ganze musste furchtbar peinlich gewesen sein. Wo sie es denn Jungs sogar noch beigebracht hatte!
Sie redeten noch eine ganze Weile und es stellte sich heraus, dass dies längst nicht der einzige Unsinn gewesen war, denn die Slytherins gemacht hatten. Auch Ginny plauderte aus dem Nähkästchen und erzählte von einigen Geschichten aus dem Gryffindor-Turm. Eigentlich waren sich diese 2 Häuser gar nicht so unähnlich: Teenager sind Teenager.
„Du…", meinte Ginny nach einer Weile. Sie lag halb auf ihm, den Kopf an seiner Schulter. Er antwortete: „Ja?"
„Wegen… also wegen der Sache mit dem BH… ich habe nicht wirklich gedacht, dass du das schon an sehr vielen Frauen geübt hast." Gut, dass er nicht sah, wie sie rot wurde. Aber sie hatte das noch sagen müssen – sie wollte nicht, dass er dachte, sie würde schlecht über ihn denken.
„Ich weiß. Mein Ruf als heiß begehrter Frauenschwarm ist ja noch nicht zum Gryffindor-Turm vorgedrungen."
Ruckartig erhob Ginny den Kopf und blickte ihm ins Gesicht. Er grinste einfach. „Nur ein Scherz…"
Sie legte sich wieder hin. Nach einer Weile meinte Blaise: „Ich denke auch nicht, dass dich schon sonderlich viele Jungs… so gesehen haben."
„Nein…"
Eine Weile war wieder Stille. Dann durchbrach Blaise das. „Ach, ich hasse solche Gespräche. Egal, was vorher war. Jetzt sind jedenfalls wir zwei zusammen." Er zog sie hoch und küsste sie. „Und das finde ich schön so." Wieder versanken sie in einem Kuss.
„Wenngleich, es würde sicherlich nicht auffallen, wenn in Verwandlung auch mal ein Spruch von mir ausrutscht und Thomas trifft… oder Potter…"
„Blaise?"
„Ja?"
„Du bist unmöglich."
„Ich weiß."
Sie grinsten sich an. Dann mussten beide lachen. Blaise zog sie fest in seinen Arm, vergrub sein Gesicht in ihren Haaren, sie küsste seinen Hals… und war einfach glücklich. Noch mehr, als sie seinen Atem an ihrem Ohr spürte und kurz darauf einige gemurmelte Worte:
„Ich habe dich so lieb, meine Ginny."
Anmerkungen:
Ohgott, meine Kapitel explodieren. Von 5 Stichpunkten, die ich mir für dieses Kapitel vorgenommen habe, habe ich 3 ½ geschafft. Im nächsten Kapitel wird es einen ziemlichen Zeitsprung geben.
Wie findet ihr die Anekdote mit dem BH? Ich hab's einfach mal mit reingenommen – um zu zeigen, dass Slytherins auch Menschen sind, und manchmal genauso albern wie alle anderen Teenager. Ich weiß nicht so recht, ob es reinpasst…wie gefällt euch das Kapitel allgemein?
Danke für die Reviews an: andrea06 (und Danke für das Beta-Lesen!!), maire, LunaNigra, Rebecca Slytherin, Moanah, Virginia-GinnyWeasley, craZy-canDyfloSs, natsucat und Yuna200! alle durchknuddel und total froi
