Titel: Ein Leben wie die Zukunft

Autor: Momixis

Zeit: spielt nach „Halbblutprinz"

Kapitel: 7/9

Teil: 5/9

Paare: Es kommen viele der typischen Paare vor, aber Hauptpersonen werden Harry und Draco sein… (später auch als Paar)

Warnungen: Slash, Charadeath, lange Geschichte, unterschiedlich lange Kapitel….

Inhalt: Harry und Draco sind durch die Zeit gereist und nun haben sie die Chance etwas zu verändern. Harry will diese Möglichkeit nutzen ohne die Menschen, die ihm wichtig sind in Gefahr zu bringen. Wird er es schaffen? Wird er alleine den Weg gehen können? Welche Rolle wird Draco zu Teil? Und halten die Rumtreiber und die anderen Schüler von Harry? Was denkt Dumbledore?

MIR GEHÖRT NICHTS UND ICH VERDIENE DAMIT AUCH KEIN GELD!


Danke an die Reviewer!! Und wieder bin ich in Eile... ich hoffe es gefällt Euch und ich werde mir Mühe geben, das nächste Kapitel morgen oder übermorgen on zu stellen... Viel Spaß...

-- schon wieder weg ist... und ich glaube ein Gewitter zieht auf...


Teil V

Nervenaufreibende Umbrüche

Kapitel 7

Ausgesprchene Wege

Natürlich hatte Harry keine Ahnung, warum Sandor sich ihm gegenüber so extrem merkwürdig verhielt oder dass Dumbledore bald am verzweifeln war. Harry las von den furchtbaren Anschlägen in der Muggelwelt und sprühte fast vor unterdrückter Wut, die von Tag zu Tag nur noch weiter anstieg. Einige arrogante Slytherins amüsierten sich über die toten Muggel und brachten damit Harry regelmäßig an den Rand seiner Selbstkontrolle. Viele Slytherins waren der Meinung, dass die Muggel es nicht anders verdient hätten. Sie hätten sich ja sonst wehren können. Der Schwächere verlor halt und die Stärkeren gewannen. Das dabei jemand starb: Es war halt so. Das war Krieg.

Eine andere Meinung durfte in Slytherin auch nicht laut geäußert werden, dass wusste Harry auch. Es machte die Situation für ihn aber nicht leichter. Die Schüler fühlten sich in Hogwarts in Sicherheit und doch mussten sie ihre Meinung laut äußern.

Harry blickte nur kalt die entsprechenden Schüler an, aber schwieg, es war nicht so klug sich noch mehr Feinde im eigenen Haus zu machen. Im Zweifelsfalle war die Gefahr so schon groß genug, einmal aus Versehen einen Portschlüssel zu Voldemort zu erhalten und dafür war Harry noch nicht bereit. Es gab vor dieser Begegnung noch zu viel zu tun. Und die Uhr tickte, dass war Harry sehr bewusst. Seine innere Anspannung stieg trotzdem von Bemerkung zu Bemerkung. Er konnte diese Dummheit der Schüler einfach nicht ertragen.

Lin und Sanuel schienen auch die Gefahr zu riechen, denn sie versuchten Harry immer wieder aus dem Gemeinschaftsraum heraus zubekommen, wenn die Stimmung mal wieder zu sehr Pro-Voldemort wurde.

„Komm schon Adrian… beruhig Dich!" flüsterte Lin behutsam in Harrys Ohr.

„Wieso soll ich mich beruhigen? Wie können Menschen so blind gegenüber dem Leben sein?" zischte Harry wütend. Seine Augen blitzten und Sanuel legte seinen Arm beschützend um die bebenden Schultern. Der junge Slytherin kochte vor Wut und es war ein Wunder, dass er noch nicht explodiert war. Die Augen waren so dunkel wie schon lange nicht mehr und Sanuel hatte schon den einen und anderen Stromschlag der Magie von Harry abbekommen. Zurück in den Gemeinschaftsraum konnten sie so nicht. Harry müsste sich erst wieder beruhigen.

Sie gingen leise einen breiten Gang entlang. Es war still in Hogwarts und bald begann die Ausgangssperre, aber im Moment war es zu gefährlich zurückzukehren, denn dann würde es vermutlich zu einem riesengroßen Knall kommen und Sanuel war sich nicht sicher, ob das Schloss danach noch stehen würde. So nahmen die drei Schüler den heftigen Punkteabzug von Sandor gelassen entgegen. Harry beruhigte sich ein wenig, aber Lin hatte das untrügerische Gefühl, dass die angestaute Wut in Harry nur noch weiter zum sieden gebracht wurde. Sie seufzte. Bald würde es knallen. Sehr laut knallen.

Es grenzte an ein Wunder, dass sie ohne Eskalation an diesem Abend in ihre Betten flüchten konnten. Lin schlief schlecht und Sanuel sagte ihr, dass ihr Schlaf vermutlich das Paradies gewesen war, zu dem was ‚Adrian' im Schlaf erlebt hatte. Die Augenringe und das blasse Gesicht des Sechstklässlers sagten den beiden japanischen Schülern genügend. Lin überlegte kurz, welchen Unterricht ‚Adrian' an dem heutigen Dienstag hatte, aber das besserte ihre Zuversicht nicht auf. Verwandlung, Muggelkunde, Verteidigung (Theorie), Kräuterkunde und nach dem Mittagessen eine Dopperlstunde Zauberkunst.

Verteidigungspraxis wäre vermutlich für heute besser gewesen, denn dann hätte er wenigstens etwas von seiner Wut rauslassen können, aber Theorie brachte da keine Abkühlung, auch wenn es vermutlich keine weitere Spannung entstand, dafür mochte Milerudis dieses Talent aus dem Hause Slytherin einfach zu sehr. Aber was würde in den anderen Unterrichtsstunden passieren?

Die beiden Schüler japanischer Herkunft hofften einfach, dass die Gryffindor- und Ravenclaw-Freunde ein wenig auf ‚Adrian' achteten. Dass es in einer Situation zur Explosion kam, in der kein Freund Harry zur Seite stand, hätte niemand vorhersehen können. Und selbst wenn, sie hätten die Gefahr in keiner Form abwenden können.

Harry saß in der letzten Stunde Muggelkunde vor den Weihnachtsferien. Er hatte die Ferien noch nie so herbeigesehnt wie jetzt. Er brodelte innerlich. Er hatte keine Lust auf diesen Unterricht, wo bestimmt irgendein böse Kommentar über Muggel kommen würde. Harry hatte diese Blindheit und Dummheit seiner Mitschüler so gehörig satt. Er wusste, dass Lin und Sanuel sich um ihn Sorgen machten und nur deshalb bemühte er sich ruhig zu bleiben. Bald würden Ferien sein. Bald würden die meisten Slytherins bei ihren Familien sein und endlich würde in Hogwarts en wenig Ruhe einkehren.

Gryzabel stand gerade vorne und referierte über Muggelkriege, als Harry hinter sich etwas hörte, was ihn erstarren ließ. Kalte Schauer liefen seinen Rücken hinab und er biss sich hart auf die Lippe.

„Siehst Du Narcissa, die Muggel schlachten sich sogar gegenseitig ab. Revolution nenne sie so etwas", lachte Lucius Malfoy kalt. Harry schloss die Augen und zählte langsam bis 10. Er hatte Lin versprochen nicht zu explodieren. Er hatte es versprochen…

Harry kam bis 4, dann sagte Draco in seiner besten Näselstimme: „Ist doch scheißegal, warum sie sich bekriegen, sie sind viel zu dumm, unrein und so widerlich, dass es eine Schande ist, mit ihnen in Verbindung zu stehen…"

Harry hörte nicht mehr zu, sondern drehte sich zu Draco um. Wild funkelte er den anderen Slytherin mit seinen dunklen Augen an. „Ja, es gibt dumme und unreine und auch widerliche Muggel, aber es gibt auch stinkende, dumme und überhebliche Zauberer!", zischte Harry durch zusammengebissene Zähne hindurch. Er versuchte seine Wut im Zaum zu halten. Er versuchte es wirklich.

„Was weißt Du denn schon, Jericle? Du hast doch keine Ahnung, um was es hier geht!" schnarrte Lucius kalt. Dass die Schüler im Unterricht saßen, beachtete nun keiner mehr und Gryzabel kam nicht mehr zu ihnen durch.

Harry verlor den Kampf mit seiner Wut und seinem Temperament. Er schoss von seinem Stuhl hoch, dass er scheppernd auf den Boden aufschlug. Harry beachtete es aber nicht, so wie er auch die Professorin nicht beachtete.

„Ich weiß mehr von der Muggelwelt als Du und Deine Familie. Ich kenne schlimme Muggel, aber was macht den Zauberer zum besseren Menschen?"

„Seine Magie!" antwortete Draco arrogant. Harrys Blick wanderte zu ihm und sah ihn scharf und intensiv an. „Um was geht es, wenn wehrlose Menschen durch Magie getötet werden? Um was geht es, wenn wehlose Muggel von Zauberern zum Spaß gefoltert und misshandelt werden? Um was geht es, wenn unschuldige Leben vernichtet werden?" Harrys Stimme war kalt wie Eis und seine Augen schmale Schlitze, die Draco hart und unnachgiebig fixierten.

„Komm runter, Jericle. Es geht um Macht… Wer Macht hat, braucht sich nicht zu sorgen…" sagte Dracos kühl und lehnte sich entspannt in seinem Stuhl zurück Etwas blitze in seinen Augen auf und Harrys Blick wurde noch intensiver, seine Stimme eindringlicher. Seine Wut noch deutlicher, denn Harrys Bewegungen wurden ruhiger.

„Ach wirklich? Dann sag mir doch bitte, Mosnay oder Malfoy oder ein anderer von Euch, wie viel Macht ein Zauberer haben muss, um ein kleines wehrloses 15-Monate altes Baby zu töten? Was daran ist Macht? Was daran kann Richtig sein? Was daran Gut? Was daran NICHT falsch?!" Harrys Stimme war voller Abscheu und voller Wut. Alle Anwesenden waren wie erstarrt und blickten den schwarzhaarigen Jungen einfach nur sprachlos an.

„SAG ES MIR, DRACHE!! SAG es mir!! Hör auf große Töne zu spucken, sondern DENKE nach. Eine Schule ohne Halbblüter? Dann gründet Eure eigene verdammte Schule und schickt dort Eure Squibs und Schwächlinge hin. Wir werden dann froh sein, Eure hässlichen Visagen nicht sehen zu müssen. Die Mutationen werden dafür Sorgen, dass ihr irgendwann aussterbt. Aussterbt, wegen Hässlichkeit! Aussterben wegen Unfruchtbarkeit. Aussterben wegen Dummheit!"

Harry stand vor Draco. Die Augen fixierten sich hart. Harry sah deutlich, dass die Worte nicht wirklich bis Draco vordrangen. Narcissa war dagegen merklich blass und auch Lucius runzelte die Stirn, aber Draco grinste herablassend und wollte sich von Harry abwenden, da spürte er einen unbekannten Zauber auf sich. Unbekannt, aber mächtig und beängstigend, denn er konnte nichts dagegen tun.

Alle Anwesenden keuchten erschrocken auf, als Draco sich langsam in ein kleines blondes Baby verwandelte. Die dünnen Haare standen wirr ab und die großen hellblauen Augen starrten Harry erschrocken an.

Das Baby hatte gewisse Ähnlichkeit eines Malfoys, war ca. ein Jahr alt und schrie nach der Schrecksekunde wie am Spieß. Harry achtete nicht auf Dracos Unmut, sondern drückte den Kleinen Narcissa grob in den Arm. Nun weiteten sich ihre Augen genauso, wie Dracos wenige Augenblicke zuvor.

„Stell Dir vor, es ist DEIN Baby, Narcissa. Dein Kind, Dein Fleisch und Blut und Snape will es töten!" Hart zog Harry Snape nun heran und positionierte ihn direkt vor Narcissa und dem Baby. Er hob Snapes Hand, in der er den Zauberstab zitternd hielt. Snapes Zauberstab zielte nun direkt auf Draco.

„Wie viel Macht bräuchte er um es zu schaffen? Wie viel Kraft bräuchte er, um mit einer Handbewegung und zwei Wörtern das Leben daraus entweichen zu lassen? Was daran ist Macht? Ist es wirklich Macht die den Schwächeren tötet? Stärke?"

„Spinn hier nicht rum, Jericle! Du bist kein Gryffindor!!"

„Wenn die Gryffindor nicht so denken wie Ihr, dann sind sie tausendmal besser. Sie haben vielleicht Ihre Fehler, aber sie stehen für das Richtige ein. Sie korrigieren sich und lernen aus Fehlern und stellen sich auch mal gegen ihre Freunde und Familien, wenn es ihrer Meinung nach richtig ist." Narcissa war bleich und ihre Finger zitterten leicht. Noch immer hielt sie den wütend schreienden Draco in ihrem Arm. Snape wich vor Harry zurück und Harry ließ ihn.

„Wie würdest Du Dich fühlen Narcissa, wenn Voldemort von Dir verlangt Dein Kind vor seinen Augen zu töten, nur weil er die Macht dazu hat? Was daran ist denn noch menschlich?"

„Verwandel' ihn sofort zurück!" kreischt nun eine fast ohnmächtige Gryzabel.

„Macht endlich die Augen auf" überging Harry die Anweisung der Lehrerin, wie auch alle anderen Versuche von ihr, die Situation wieder unter Kontrolle zu bringen. „Erwacht endlich und macht Euch klar in was für einer Welt IHR leben wollt. Wollte Ihr jeden Tag Angst haben, dass es Euer letzter ist. Wollt Ihr morgens aus dem Haus gehen und Eurem Kind einen Abschiedskuss geben und dabei befürchten, dass es das letzte Mal war. Wann macht Ihr Eure Augen auf und seht, dass IHR EUCH verkauft. Im Dreck vor einem Halbblut kniend um den Saum seines Umhanges zu küssen. Wo ist da EURE Ehre? Wo ist da EUER Stolz? Wo ist EURE MACHT? Seid Ihr so billige Handlanger ohne Stolz oder Wert?"

„Schweig Jericle, DU hast keine Ahnung!" spie einer der Slytherins ihn an.

Mittlerweile standen alle aufgebracht um den schwarzhaarigen Schüler herum. Keiner wollte etwas verpassen.

„JA, Cameron, ich habe keine Ahnung, warum Ihr Euch so billig verkauft! Warum Ihr diesen Schwachsinn mitmacht?! Und weißt Du was? Ich will es auch nicht wissen! Ich will nie erleben wie meine Kinder zu Mördern werden. Ich will nicht sehen, wie meine Liebe vor meinen Augen sterben muss, weil ICH einen Fehler mache. Ich will FREI sein und MEIN eigenes LEBEN leben. Nicht das eines Verrückten…"

„Adrian!"

Harry drehte sich mit blitzenden Augen zu Gryzabel um. „Du willst, dass ich ihn zurück verwandle? Wie viel Macht bräuchte ich denn dafür? Ich könnte ihn ganz einfach töten … und nach den Richtlinien Voldemorts wäre es in Ordnung… denn ich habe die Macht. Ich habe den Zauberstab. Er nicht. Er ist schwach und wehrlos. Also DARF ICH IHN töten, oder was?"

Gryzabel war unfähig etwas zu sagen und Narcissa drückte das noch immer vor Wut schreiende Baby fassungslos an sich und wollte sich wegdrehen, damit Harry nicht an Draco herankam… als ihr plötzlich übel wurde. Ja, ‚Adrian' hatte im Moment die Macht und bei der Wut, traute sie ihm sogar alles zu… denn niemand traute sich in diesem Moment Harry anzugreifen. Niemand hätte den Mut das Kind oder sie zu verteidigen. Sie war schutzlos der kalten Wut des Jungen ausgeliefert. Panisch sah sie wieder zu dem schwarzhaarigen Jungen, den sie einfach nicht verstand.

Harry rauchte vor Wut, seine Haare standen wirr ab. Er spürte wie die Magie in ihm tobte und er musste hier raus… bevor es wirklich eine Explosion gab und Menschen zu Schaden kamen. Er musste hier raus. Er brauchte Luft...

Mit einem schnellen Wink verwandelte er Draco zurück. Narcissa legte ihn erleichtert und gleichzeitig besorgt auf den Boden. Als Draco wieder in voller Größe vor ihnen stand, wollte er mit rotem Kopf auf Harry zu, aber bei dem eisigen Blick aus den grünblauen Augen wich er zurück. „Wach auf, Drache! Oder Du wirst Deine Familie an das Böse verlieren und sie wieder beim Sterben beobachten… WACHT ENDLICH ALLE AUF; bevor es zu spät ist… Bevor Euer Leben vorbei ist!"

Ein lauter Knall riss die Schüler aus der Starre in die sie alle irgendwie und irgendwann verfallen waren. Narcissa schluchzte leise auf und auch die anderen beiden Mädchen wischten ihre Tränen weg. Snape schüttelte sich leicht.

„Er hat doch keine Ahnung. Er weiß nicht wofür wir kämpfen", zischte Cameron aufgebracht und die anderen Schüler nickten zustimmend, aber wenig überzeugt. Die Aktion von Adrian hatte ihnen Angst gemacht…

„Dieses Arschloch, dieser überhebliche Bastard… dieses verlogene Halbblut…"

„Ich dachte Ihr seid Cousins?!"

„Selbst dann kann er ein stinkendes Halbblut sein…" zischte Draco wütend zurück.

Die Stimmung schwankte zwischen wütender Explosion und distanzierter Stille, wobei niemand zugeben wollte, dass einige der Aussagen von ‚Jericle' sie nachdenklich gemacht hatten…

oooooooooo

Von Unterricht konnte nun keine Rede mehr sein… und Gryzabel ließ sich erschöpft auf ihren Platz fallen. Sie hätte früher eingreifen müssen. Sie hätte etwas machen müssen. Es hätte nicht so weit gehen dürfen, dass einer ihrer Schüler wütend den Raum verlässt. Es hätte nicht passieren dürfen. Die Konsequenzen waren alles andere als harmlos.

oooooooooo

Lily runzelte die Stirn. Der Verwandlungsunterricht hatte angefangen und der Platzt neben James war noch immer leer und verlassen. Alle anderen Slytherins schienen mit ihren Gedanken woanders zu sein und waren weit weniger giftig als sonst. Sie waren alle merkwürdig still und schweigsam.

Irgendetwas musste vorgefallen sein.

Irgendetwas war passiert.

Irgendetwas hat die Slytherins tief im Inneren erschüttert, aber keiner traute sich darüber zu sprechen oder es den anderen gegenüber einzugestehen. Und irgendwie war Adrian in dieser Sache involviert. Adrian war in solchen seltsamen Situationen IMMER involviert.

Lily machte sich Sorgen um ihren Freund und auch James blickte mit nachdenklicher Mine auf den freien Stuhl neben sich. Nur schleppend verging die Verwandlungsstunde und Lily konnte es kaum erwarten, die Slytherins anzusprechen… aber sie erhielt keine Antwort.

Lilys Sorge wuchs ins Unermessliche. Vielleicht würde Adrian zum Mittag wieder da sein… ihre Hoffnung war im Moment alles, was sie hatte. Als aber Harry auch beim Essen nicht erschien lief sie mit Esmare und Sal zum Tisch der Schlangen.

„Lin, Sanuel, wo ist Adrian?" rief sie voller Sorge.

Die japanischen Schüler blickten sie an und schüttelten dann ihre Köpfe. „Keine Ahnung. Niemand will uns sagen, was passiert ist. Offensichtlich gab es in … ähm… gab es einen kleinen Zwischenfall und Adrian brauchte eine Ruhepause…" sagte Lin vorsichtig.

„Was für einen Zwischenfall?"

„Keine Ahnung… er wird spätestens zum Abendessen zurück sein…" sagte Sanuel zuversichtlich und versuchte dabei Lily etwas von den Sorgen zu nehmen. Dies missglückte zwar nicht, aber als Harry auch beim Abendessen mit seiner Abwesendheit glänzte und Kerker, Krankenflügel und Lehrer nicht wussten, wo er steckte, war Lily nicht mehr zu bremsen.

Schneller als Lin gucken konnte hatte Narcissa Black den Zauberstab an ihrer Schläfe und Lily knurrte wie eine wütende Löwin, die ihr Junges suchte. „Was ist passiert? Adrian hat bisher nie so viel Unterricht geschwänzt, also sollte mir jetzt ganz schnell jemand sagen, was vorgefallen ist."

Snapes schwarze Augen blitzen herablassend: „Warum sollten wir mit einem Schl…. Mit Dir reden?!" Das Kratzen in seinem Hals hatte ihn wieder an dieses komische Handicap erinnert, wenn einer von ihnen Schlammblut sagen wollte. Wirklich daran gewöhnt hatte er sich noch nicht.

„Weil sonst Eure liebe Freundin hier ganz schnell eine Perücke brauchen wird. Ich kenne da einen netten Anti-Haar-Zauber, der zuverlässig sechs Monate hält!" zischte Lily warnend und sie registrierte mit Genugtuung, das Narcissa zusammenzuckte und Lucius blasser wurde. „Also?"

„Oh Gott, Evans… Es gab nur einen Streit, wo Jericle der Meinung war uns sagen zu müssen, wie dumm es ist dem Dunklen Lord zu folgen…"

„Da hat er Recht…" fauchte Lily. „Wo liegt der Sinn die Muggel zu töten? Ohne die Muggel ist man nichts Besonderes mehr und die Wahrscheinlichkeit für Missbildungen durch Inzucht steigt stetig an. Was bringt Euch Euer reines Blut, wenn die Magie darin verloren geht… glaubt ihr Filch ist stolz auf sein reines Blut, auch wenn er nicht zaubern kann?"

Draco starrte Lily an. Seine Augen trafen auf die Grünen.

So grün wie Harrys.

So grün wie der Todesfluch.

Der Fluch, der in den Rücken einer blonden schönen Frau eindrang. Einer blonden Frau, die jetzt noch an seiner Seite saß. Eine Frau, die den 18. Geburtstag ihres Kindes nicht erleben würde. Weder Narcissa noch Lucius würden diesen Tag erleben. Narcissa würde mitten im Krieg sterben und Lucius würde im Endkampf sterben… um seinem Sohn wenigstens etwas Stolz mitgeben zu können. Den Stolz doch noch für die eigene Freiheit und Familie gekämpft zu haben, aber es war da schon zu spät.

Zu spät. Seine Familie war tot.

Severus sagte gerade etwas zu Lily. Es war etwas Kaltes und lange nicht so weises, wie das kurze Gespräch, welches Lucius zum endgültigen Umdenken gebracht hatte…

„…bist Du bereit Draco zu einem Mörder zu machen? Immer auf der Flucht, ohne Schulabschluss und ohne Zukunft? Immer Gefahr, dass der nächste Einsatz der letzte sein könnte? Wie kommst Du zur Meinung, dass Du das Recht hast über Tod und Leben zu entscheiden. Über das Leben von Kindern? Von Babys? Niemand erwartet von Dir, dass Du Muggel liebst oder eine heiratest, aber dadurch erhältst Du nicht das Recht ihr Leben zu nehmen. Sowenig, wie sie das Recht haben unser Leben zu nehmen. Die schwarze Magie ist verpönt, weil sie nur noch zum foltern und töten benutz wird. Reinblüter sind böse, Slytherin zu sein, ist böse.

Lucius, ich will frei sein!

Und ich will, dass Draco frei sein kann.

Einen Abschluss machen und glücklich werden. Ohne Angst um seine Familie oder seine Freunde, die jeden Moment sterben könnten…

…ich stehe auf meiner Seite, Lucius. Und leider ist heute die einzige Chance um frei zu sein, die uns bleibt. Sei ehrlich Lucius, auch Du hast die letzten 13 Jahre genossen. Genossen Deinen Sohn aufwachsen zu sehen und nicht Angst um seine Sicherheit haben zu müssen. Gesteh es Dir ein, Lucius! Nicht alles war so toll, wie wir es damals gedacht hatten. Wie wir es von unseren Eltern gelernt hatten. Das ist der Grund, warum kaum Gryffindors oder Ravenclaws in unseren Reihen sind, sie haben nämlich den Mut oder die Weisheit Fehler einzugestehen. Kämpfe für Dich und Deinen Sohn, Lucius!
Für Narcissa ist es schon zu spät…"

Draco schwirrte der Kopf, angesichts dieser Erinnerung, die ihm gerade in den Sinn kam. Hatte Harry nicht genau das Gleiche gesagt? Ging es wirklich um Macht? Wofür war Macht gut, wenn Du damit nur Leid und Schmerz freisetzt. Jeder kann Macht ausüben, aber sie Richtig und Weise einzusetzen ist ein Privileg der Klugen, der Ehrenmänner und der stolzen Menschen. Konnte Draco stolz auf seine Taten sein? War er stolz auf seine Eltern, wenn die ein unschuldiges Leben im Auftrag des dunklen Lords vernichteten? Konnte er auf so etwas wirklich und wahrhaftig stolz sein?

Es gab nur eine Antwort darauf und die trieb Draco Tränen in die blauen Augen. Er war ein Arschloch sondergleichen und nicht besser als die anderen, obwohl er es hätte besser wissen müssen. Er wusste, dass er Harry allein gelassen hatte. Er hat nicht für sein Leben gekämpft; er hatte nicht für seine Familie gekämpft, er hatte nicht für eine bessere Zukunft gekämpft; er hat nicht für das Richtige gekämpft… sondern …

einfach sein Leben gelebt…so wie er immer nur einfach gelebt hat …

… ohne nachzudenken… ohne zu kämpfen.

… ohne zu kämpfen...

… ohne zu kämpfen...

„Er hat Recht!" formten Dracos Lippen leise, noch bevor sein Verstand dies wirklich zu Ende denken konnte. Die Worte waren nicht besonders laut oder scharf. Er sagte es einfach.

Alle um ihn herum stellten aber ihre Gespräche augenblicklich ein und blickten ihn an, als ob er ihnen den Weltuntergang vorausgesagt hatte. Für einige mochte es sogar zustimmen, denn sie kannten nur die Weltanschauung ihrer Eltern und die von Dumbledore und dem Ministerium (die sie natürlich als falsch und schlecht kennen gelernt hatten). Jetzt war es die Meinung eines waschechten Slytherin.

Nach einem kurzen Moment der bedrückenden Stille, in der alle den blonden Slytherin starr anblickten, zischte Snape ein fragendes: „WAS?"

Draco begegnete den schwarzen Augen mit Gelassenheit. Er kannte die Wahrheit. Er kannte den richtigen Weg. Er kannte die Zukunft.

Snape nicht. Die anderen Schüler nicht. Die Schule nicht. Dumbledore nicht. Niemand, außer Harry und Draco.

Draco war mit einem Schwall von Erinnerungen wieder Erwachsen geworden. Er war aufgestanden und sprach nun eindringlich auf seine Freunde ein. „Adrian hat Recht! Wir müssen Muggel nicht mögen oder heiraten. Wir müssen nicht wollen, dass unsere Welt offenbart wird, dass unsere Traditionen und Gebräuche verloren gehen oder dass wir gemeinsam mit ihnen unterrichtet werden. Aber wer gibt uns das Recht Unschuldigen das Leben zu nehmen. Kinder und Babys zu töten, nur weil sie leben? Womit habe ich mehr Recht aufs Leben als die? Die Welt ist groß genug, wir müssen unsere nicht mit ihnen teilen. Ich habe Bilder von Reinblütlern gesehen, die ich nicht mal mit Drachenhandschuhen anfassen will. Ohne frisches Blut geht es nicht… oder wir sterben aus… die Magie stirbt aus…aber dann sind wir nichts besonderes mehr… Dann wird es zu spät sein."

Draco blickte sich um und sein Blick traf auf den entsetzten Ausdruck seines Vaters. „Es ist mir egal – nein, das ist es nicht, aber ich werde keine Rücksicht auf Eure Meinung nehmen können. Ich weiß, dass ich … Adrian auf seinem Weg begleiten muss. Ich muss ihn finden und mit ihm sprechen… ich werde ihn begleiten und helfen, so gut ich es vermag! Wenn Ihr das nicht versteht, dann tut es mir leid, aber ich weiß, was das Richtige für mich und meine Familie ist."

Während er gesprochen hatte, hatte er einen nach dem anderen seiner Freunde und seiner Familie ernst angesehen und ihnen mit diesem Blick die Sprache genommen. Draco wusste, dass der gesamte Slytherintisch ihn anstarrte, aber in diesem Moment gab es nichts Wichtigeres als ganz schnell mit Harry zu sprechen. Die Fronten zu klären und endlich die gestellte Aufgabe zu erfüllen. Was die genau war, wusste Draco nicht, aber er würde es erfahren, nur müsste er dafür Harry finden.

Wann hatte er das letzte Mal an Harry gedacht? Wann war aus Harry Adrian geworden und wann war aus Draco Dorian geworden? Wann hatte er seine Vergangenheit so schamlos verleugnet?

Mit schnellen Schritten verließ der blonde Junge die schweigende Halle und selbst Lily brauchte einen Moment, um zu realisieren, dass ‚Dorian' auf der Suche nach ‚Adrian' war. Schnell folgte sie ihm.

oooooooooo

Esmare blieb in der Halle, sie brauchte erst einmal eine Weile um das gerade Geschehene zu verarbeiten. Sie hatte wohl nicht mal die Hälfte verstanden, aber es kam ihr trotzdem wie ein mittelschweres Erdbeben vor, welches durch ‚Dorians' und vermutlich ‚Adrians' vorangegangenen Worte bei den Slytherins die Grundfeste erschüttert hatten. Viele wirkten ähnlich verwirrt und irritiert. Alle Schwiegen aufgrund dieses Blitzeinschlages in die Mitte des Slytherin-Zentrums.

oooooooooo

Als Lily Draco endlich eingeholt hatte, lief der gerade zielsicher zu den Slytherinräumen. „Was willst Du?" zischte er. Nur weil er jetzt zu Harry wollte, musste er ja nicht nett zu seiner Mutter sein.

„Ich will Dir bei der Suche nach Adrian helfen…"

„Nein, ich muss ihn allein sprechen!" zischte Draco kalt. Die Luft in den langen Gängen unter der Erde war eiskalt und sein Atem hinterließ Kondensstreifen, während er weiter lief. Lily folgte ihm unerschütterlich.

„Du kannst ihn ja allein sprechen, wenn wir ihn gefunden haben. Und zusammen werden wir ihn schneller finden, denn vier Augen sehen mehr als zwei. Ich WERDE Dir beim Suchen helfen, find Dich damit ab!"

Ein leises Knurren entkam Dracos Kehle, aber er stimmte zu. „Dann sei in 5 Minuten mit Mantel in der Eingangshalle." Draco betrat mit schnellen Schritten den Slytheringemeinschaftsraum und fühlte sich plötzlich total fremd. Wie konnte es nur passieren, dass er seine Vergangenheit so verdrängte. Wieso war er so blind gewesen? So taub? So dumm? So schwach?

Schnell holte er seinen Mantel aus dem Zimmer. Irgendwie hoffte er ja, dass Lily es nicht in fünf Minuten schaffen würde ihren Mantel aus dem Turm zu holen, aber als er die Eingangshalle betrat stand sie da… mit dickem Mantel und Ravenclaw Schal.

„Wieso willst Du draußen suchen? Lin hat gesagt, dass sein Mantel noch im Zimmer liegt…und wir dürfen nicht raus!"

„In Wut und Verzweiflung tut man oft Sachen ohne darüber nachzudenken…" schnarrte Draco und lief ohne zu Zögern in das kalte Winterwetter hinaus. „Das Dumbledore dies verboten hat, hat Adrian bestimmt vergessen. Ihm passiert so etwas häufiger...und dass der Verschlusszauber nicht mehr auf der Tür liegt, deutet auch sehr darauf hin."

Der Wind wehte sanft kalte Schneeflocken ihnen in die ungeschützten Gesichter. Er war sich nicht sicher, ob er Harry wirklich gegenüberstehen wollte. Aber er wusste, dass Harry womöglich etwas Dummes tun könnte, wenn er sein Ziel verlor. Es gab genug Menschen, die Harrys Unterstützung brauchten, aber was war, wenn 10 Leute ihm kalt ins Gesicht sagten, dass er für das Falsche kämpfte. Was war, wenn einer, der es besser wissen sollte, weil er beide Seiten kennen gelernt hatte, ihm auch den Rücken zukehrte und seine Arbeit als sinnlos und sein Ziel als falsch betitelte. Was war, wenn diese Worte Harry den Boden unter den Füßen weg gerissen hatten und er seine Orientierung verloren hatte. Was war, wenn Harry jetzt wirklich etwas ganz Dummes anstellte…

Draco lief mit großen Schritten zum Quidditchfeld, aber hier gab es keine Spuren auch wenn er sich sicher war, dass Harry hier gewesen war. Vermutlich war es schon Stunden her und der Wind hatte offenbar gute Arbeit geleistet, selbst wenn es Spuren gegeben hat, dann waren sie mittlerweile verweht. Bei Hagrids Hütte war auch nichts, auch drinnen nicht, wobei Lily anklopfte und hineinblickte.

Hagrid schien überrascht zu sein. „Ir sollt' nich hir sei'. Di' Nacht wird unruhig werd'n. Geht zurück ins Schloss, dort seid ihr sicher." Hagrids Tür verschloss sich und die zwei Jugendlichen schwiegen sich an.

„Habt Ihr ihn?" fragte eine etwas unsichere Stimme. Lily blickte auf und war überrascht Sirius zu sehen. Auch er war in dicken Wintermantel eingewickelt und trug einen Gryffindorschal.

„Nein, aber entweder wir finden ihn, oder er …"

„Was willst Du von ihm?"

„Nichts! Aber jemand, der sich gegen die Anhänger von Voldemort stellt, sollte unterstützt werden. Auch wenn es ein Slytherin ist. James würde auch gerne helfen, aber er muss mit Peter und Remus zur Strafarbeit bei McGonagall."

Lily vergrub ihre kalten Finger tief in den Manteltaschen. Sie wusste, dass Draco seine Suche nicht so schnell aufgeben würde und langsam glaubte sie ihm, wenn er sagte, dass der Gesuchte hier draußen war. Auch wenn sie keine Ahnung hatte, wo er noch stecken könnte.

„Wo sollen wir suchen?" fragte Sirius dumpf. Auch er hatte sein Gesicht bis zur Nase mit dem Schal verdeckt. Draco dachte nach. Wo könnte Harry sein?

„Vielleicht im Wald?" fragte Sirius zögernd. Draco zuckte nur mit den Schultern. „Vielleicht! Vielleicht auch nicht. Es kann auch sein, dass er doch schon wieder ins Schloss zurückgekehrt ist…"

„Nein, im Schloss ist er nicht..."

„Wieso bist Du Dir da so sicher, Black?" schnarrte Draco und fixierte den Gryffindor mit seinen kalten Augen.

„Geht Dich nichts an, Mosnay. Glaub mit einfach!" blaffte Sirius einfach unbeirrt zurück.

Lily zitterte und ging nun langsam auf den dunklen Wald zu. Es war immerhin Winter und die Tage waren so kurz wie nie im Jahr. Entsprechend dunkel war es schon und nur durch die Schneedecke wurde das wenige Licht ausreichend reflektiert.

Sirius zog seinen Zauberstab und sprach einen Lumos. Draco tat es ihm nach, dann traten sie hinter Hagrids Hütte in den Verbotenen Wald. Alle blickten sich vorsichtig um und erschraken zutiefst, als der Lichtkegel plötzlich einen Mann in dunklem Umhang erwischte. Lily schrie kurz auf, bis sie ihn erkannte.

„Was machst Du hier, Snape?" fluchte Sirius laut.

„Das geht Dich nicht an, Black!" zischte Snape.

Draco verdrehte die Augen. „Was glaubt Ihr wo wir sind? In einer Gruselbahn? Ich mache hier keinen Spaziergang oder spielen verstecken, sondern suche einen Fr… meinen Cousin!" Draco traute sich nicht, Harry als einen Freund zu bezeichnen. Cousin war dass neutralste und Unverfänglichste, was ihm einfiel. Was war, wenn Harry etwas zugestoßen war, oder er Hogwarts ganz verlassen hatte? Ein Gefühl sagte ihm aber eigentlich, dass Harry hier irgendwo in der Nähe war. Sie mussten ihn finden.

Die drei anderen Schüler sahen ihn schuldbewusst an. Draco wusste, warum Severus hier war. Schon oft war er losgezogen und hatte den Rumtreibern nachspioniert. Besonders bei Sirius Black lag das große Interesse und daher war es kaum verwunderlich, dass Severus dem Gryffindor gefolgt war, in der Hoffnung ihn bei einer Straftat zu erwischen. Dass Sirius nicht an der Strafarbeit beteiligt war, konnte nur bedeuten, dass er sich mal wieder da irgendwie rausretten konnte.

Irgendwie erinnerte es an Dracos eigenes Verhalten, wenn es um Harry Potter ging. Es war nur oft gar nicht möglich gewesen, dem goldenen Trio unbemerkt zu folgen, aber das hatte auch Severus mitbekommen. Sirius, James und Peter hatten ihn oft abgehängt oder direkt in die Mangel genommen. Leider hatten sie ihn auch jetzt erwischt. Severus musste wirklich noch an seinen Spionagefähigkeiten arbeiten.

„ADRIAN!" schrie Lily jetzt mit aller Kraft in den dunklen Wald hinein. Die drei Jungen zuckten erschrocken zusammen.

„Was soll das, Evans!" zischte Severus aufgebracht.

„Vielleicht antwortet er ja, wenn er weiß, dass wir hier sind!" erklärte Lily ihr Verhalten und trat – ganz gryffindorhaft – weiter in den Wald hinein. Die Jungen folgten ihr vorsichtig. Severus und Sirius wären am liebsten umgekehrt, aber jetzt wollten sie ihre Hauskameraden nicht alleine lassen und dem anderen verfeindeten Haus gegenüber eine Schwäche eingestehen.

Mit vorsichtigen und leisen Schritten gingen sie weiter in den Wald. Sie wichen dichten Büschen mit Dornen aus und zuckten erschrocken zusammen, wenn unter ihren Füßen ein Ast zerbrach. Die Stille war fast zum greifen und sie trauten sich kaum zu atmen.

„Es ist komisch…" flüsterte Sirius in die Stille hinein.

„Was ist komisch?" fragte Draco, bevor Severus etwas Beleidigendes formulieren konnte.

„Der Wald ist so still. Keine Tiere sind zu hören!"

„Es ist ja auch Nacht!" schnarrte Severus herablassend.

Aber Draco wusste, was Sirius wollte. Er erinnerte sich an seine Strafarbeit mit Harry in ihrem ersten Schuljahr. Sie waren auch bei Nacht durch den Wald gelaufen, aber es hatte überall Geräusche von Tieren gegeben. Werwölfe würden heute zwar nicht heulen, weil kein Vollmond war, aber andere Tiere müssten zu hören sein. Auch in der Dunkelheit.

„Aber Eulen, Fledermäuse, Druksopixe und andere nachaktive Tiere müssten unterwegs sein", übersetzte Lily sachlich und ohne Hohn die Situation. Vorsichtig gingen sie immer weiter. Immer wieder rief einer von ihnen nach ‚Adrian', aber keine Antwort kam.

Sie liefen mittlerweile eine Stunde durch den Wald und hatten keine Spur gefunden und keine Antwort erhalten. Die Stille wurde nur durch ihre eigenen Geräusche unterbrochen.

„Wir sollten umkehren, vielleicht ist er ja auch schon zurück!" sagte Severus leise. Wie allen anderen Schülern war auch ihm eiskalt und er hatte Angst. Ein Knacken in der Nähe ließ sie wieder einmal zusammenzucken.

„Was war das?" fragte Draco um Ruhe bemüht.

Sirius hob seinen Zauberstab und erleuchtet das Gebiet, wo das Geräusch herkam. Zwei große gelbe Augen sahen ihn an, dann kam ein klackerndes Geräusch.

„Es ist eine Riesenspinne!" sagte Sirius tonlos, als er die Gestalt erkannte.

Die Nachricht kam langsam bei den anderen Schülern an und alle schrieen vor Schreck auf.

„LAUFT!" rief Draco panisch. Er hatte von Harrys Begegnung mit diesen Riesenspinnen gehört und war nicht erpicht, als ihr Nachtmahl zu enden. Dracos Aufforderung versetzte alle in Bewegung und Severus war geistesgegenwärtig genug, um der eher kleinen Riesenspinne einen Schockzauber zu verpassen.

So schnell sie konnten liefen sie durch den Wald zurück nach Hogwarts, aber sie hörten immer wieder das klackernde Geräusch in ihrer Nähe und veränderten daher ihre Fluchtrichtung. Ein Grollen war zu hören und Draco wollte sich keine Gedanken darüber machen, von was für einem Tier dieses Geräusch stammen könnte.

Die kalte Luft biss in ihren Gesichtern und der Stoff ihrer Mäntel zerriss an den Dornenbüschen. Severus strauchelt, wurde aber von einer kräftigen Hand aus der Dunkelheit gehalten.

Alle Schüler erstarrten und blieben wie angewurzelt stehen.

Vor ihnen stand Harry. Er war blass und eine blutige Schramme zog sich über sein Gesicht. Er sah gar nicht gut aus und total erschöpft. „Warum bleibt Ihr stehen. Ihr müsst zurück ins Schloss!" sagte er mit leiser Stimme. Aber sein Blick war eindringlich.

„Nun lauft schon!" Draco wollte, wie die anderen losrennen, aber als er sah, dass Harry zurückblieb, verharrte auch er.

„Nun lauf, Dorian!" sagte Harry matt.

„Was ist mit Dir?" fragte Draco vollkommen aus der Puste.

„Ich halte sie auf und lenke sie ab."

Draco starrte ihn an „NEIN!" Wütend schnappte er sich Harrys Arm und zog ihn hinter sich her. „Das werde ich nicht zulassen!"

Draco hörte nicht auf Harrys schwache Widerworte, sondern versuchte den Büschen und umgestürzten Bäumen auszuweichen. Warum gab es hier so viele entwurzelte Bäume?

Die Antwort erhielt Draco auf dem Fuße. Aus der Erde kam ein tiefes Grollen, dann bebte es. „Es ist wirklich sehr punktuell!" rief Lily voller Panik und Faszination. Dumbledore hatte ihnen von den Beben erzählt, die voraussichtlich vor Weihnachten einsetzen würden. Sie waren sehr Ortspezifisch und traf meistens nur einen Platz von maximal 9m2. Etwas Typisches für magische Erdbeben, genauso wie, dass sie hauptsächlich in Wäldern und auf Ackergelände auftrat.

Harry blickte zu Lily und seine Augen weiteten sich panisch. Ohne das Draco etwas hätte tun können, hob Harry seinen Zauberstab und schickte Flüche in Lilys Richtung. Der eine Fluch traf das überraschte Mädchen mitten in die Brust, die anderen Blitze die drei Spinnen hinter ihr.

Lily war verschwunden. So dachten die entsetzten Jungen zuerst, bis ein wildes Zwitschern zu hören war. Ein kleiner Spatz saß im Schnee und schimpfte wild.

„FLIEG!" zischte Sirius, der zwar nicht wusste, warum Harry sie ihn einen Vogel verwandelt hatte, aber warum nicht diese Chance nutzen?!

Nach kurzen Flatterversuchen erhob sich der kleine Vogel ungeschickt in die Luft und hielt sich an einem niedrigen Zweig fest. Sie verlor das Gleichgewicht und hing einen Moment wie eine Fledermaus an dem Zweig, dann flatterte sie wieder in eine richtige Position. Noch immer schimpfte sie wie wild. Erst das leise „flieh!" von Harry ließ sie verstummen. Der Junge sah echt nicht gut aus und einen weiteren Zauber würde er vermutlich nicht heil überstehen, also beschloss Lily widerstrebend zurück zum Schloss zu fliegen und Hilfe zu holen.

Wieder grollte es in der Erde und diesmal war es noch näher. Ein Baum fiel um und nur knapp verfehlten die Zweige der mächtigen Baumkrone die fliehenden Schüler. Das schmatzende Geräusch einer zerschlagenen Spinne machte den Jungen deutlich, dass sie noch immer in höchster Gefahr schwebten. Sie liefen wieder panisch los und hofften die richtige Richtung zu haben.

Sie sprangen über schmale Risse und Steine, sie kletterten über Bäume und durch dichte Zweige. Sie verloren stetig an Kraft und ihre Schritte wurden langsamer. „Oh Merlin, wo sind wir gelandet?", stöhnte Sirius panisch.

„Flieh, Sirius!", sagte Harry leise und Sirius starrte ihn an. Harry war klar, dass Sirius in seiner Animagi-Gestalt vermutlich viel schneller und sicherer nach Hogwarts kommen würde. Bevor Sirius etwas sagen konnte. Grollte es direkt unter ihnen und der Boden zitterte. Harry ging in die Knie, er konnte sich nicht mehr auf den Beinen halten. Draco starrte ängstlich in die Nacht hinein und hoffte, dass diesmal kein Baum kippte.

Er hatte Glück.

Er atmete tief durch und blickte zum entkräfteten Gryffindor hinab. Er kniete sich neben ihn und blickte ihn besorgt an. „Ich weiß, dass es jetzt der falsche Augenblick ist, aber…"

„Flieht!" sagte Harry wieder und Draco bekam Angst, wenn er die Ernsthaftigkeit des ehemaligen Gryffindors hörte. Er hatte eigentlich das Gefühl, jetzt alles überstanden zu haben und endlich nach Hause kommen zu können. Er widersprach daher Harry mit einem Kopfschütteln. „Das Beben ist vorbei. Wir werden jetzt zurück ins Schloss gehen. Zurück nach Hause!"

Harry sah ihn mit einem verzweifelten Blick traurig an und wiederholte sein leises panisches: „flieh!"

Draco sollte sich geirrt haben!

Und es blieb keine Zeit mehr, seinen Fehler zu korrigieren. Es hatte sehr viel mehr Risse gegeben, als die wenigen, über die die Jungen gesprungen waren. Die Instabilität des Bodens und die nahen Gruben machten sich jetzt bemerkbar: der Boden verlor an Halt und gab jetzt einfach unter ihnen nach.

Nicht nur Draco schrie auf, als der Boden unter ihren Füßen in eine unbekannte Tiefe wegsackte. Ohne Reaktionsmöglichkeiten sah er, wie erst ein geschwächter Harry in die Tiefe gerissen wurde und auch er keinen Halt mehr fand. Sirius und Severus erging es nicht anders. Sie hatten sich an einen Baum festgehalten, der aber samt Wurzeln in die Tiefe gezogen wurde. Wild kullerten die Jungen den entstehenden Steilabhang hinunter und stießen sich schmerzhaft an Steinen und Ästen. Sirius verlor während des Sturzes seinen Zauberstab. Der Fall war nicht besonders lang, aber die Landung auf einem Steinplateau sehr hart. Draco blinzelte sogleich gegen den einsetzenden Schwindel an.

Als es um ihn herum ein wenig stiller wurde, rappelte er sich mühsam auf und wich in letzter Sekunde einem großen Felsbrocken aus, der über die kleine Plattform hinausschoss und mit Dracos Zauberstab in der Dunkelheit der Erde verschwand. Das erneute Beben hatte jetzt endlich nachgelassen und Draco traute sich seine Augen ganz zuöffnen und sich vorsichtig in der nachtschwarzen Dunkelheit umzusehen. Es war schwer die lähmende Panik abzuschütteln und wirklich etwas wahrzunehmen. Neben ihm lag Sirius, er blutete aus der Nase, war verdreckt und schien Schmerzen im Bauchbereich zu haben, war aber am Leben.

Ein leises Ächzen, sagte ihm, dass auch Severus lebte, auch wenn er nicht wusste, wo dieser war. Alle Zauberstäbe waren verschwunden und so hatten sie kein Licht. „Severus? Ha… Adrian!" rief Draco in die einsetzende Stille hinein. Nur das hohle Echo kam zurück. Es war unheimlich, kalt und beängstigend.

„Hier!" kam die leise Stimme von Severus aus der Dunkelheit. Draco schätzte, dass Severus links von ihm war und er krabbelte vorsichtig zur Kante der Plattform. Unter ihm sah er nur Schwärze. Eigentlich hatte er nie gedacht Höhenangst zu haben, aber bei der undurchdringlichen Dunkelheit und der nur erahnten Tiefe wurde ihm ganz anders.

Erschrocken schrie er auf, als eine Hand aus der Dunkelheit auftauchte. Draco wich zurück. „Dorian! Bei Salazar hilf mir hoch!" Draco zuckte wieder zusammen, beugte sich aber wieder über die Kante und wollte seinem Freund und Paten hoch helfen, als ihm ein Gedanke kam. „Ist Adrian bei Dir?" fragte Draco leise, um bloß kein erneutes Echo hervorzurufen.

„Keine Ahnung! Dieser Vorsprung ist extrem schmal und ich kann mein Bein nicht bewegen."

„Schitt", fluchte Sirius. Er kam stöhnend zu Draco gekrabbelt und wollte helfen. „Ist Dein Zauberstab auch weg?"

Draco ahnte, dass Severus sein Gesicht verzog. „Ja", knurrte dieser auch schon bestätigend.

„Komm, lass uns Dich hoch holen", sagte Draco matt und griff nach Severus' Hand. Auch Sirius griff zu und mit vereinten Kräften schafften sie es den Slytherin auf die stabile Plattform zu hieven. Severus stöhnte vor Schmerz auf. Sein Bein war wirklich gebrochen und vermutlich war diese Aktion nicht sehr sinnvoll gewesen, aber da unten hätten sie ihn nicht lassen können.

Draco horchte in die Stille hinein. Nichts war zu hören. Kein Wind wehte hier und nur ein leises Tropfen durchbrach die Stille. „Adrian" flüsterte Draco ängstlich in die Dunkelheit und lauschte auf eine Antwort. Ihm war kalt, aber die Kälte kam nicht nur von außen, sondern auch in seinem Innern herrschte eine Arktis. Was wäre, wenn Harry jetzt wirklich in die Tiefe gefallen wäre und tot war? Er war doch schon so geschwächt. Einen so tiefen Fall würde er vermutlich auch nicht überleben. Die wilde Magie, die magische Kinder oft vor Unfällen schützte, war in direkter Anwesendheit von Magie weniger aktiv, als auf neutralen Boden. Dies hier war kein neutraler Boden…

Plötzlich grollte es wieder. Es war etwas weiter weg, aber die Jungen hörten trotzdem das Umstürzen von Bäumen. Felsbrocken rollten geräuschvoll in die Tiefen des Abgrundes. Ein dumpfer Laut drang an Sirius' Ohr und er setzte sich vorsichtig auf.

„Wie weit ist Dein Vorsprung von der Plattform entfernt?" fragte Sirius leise. Die Stimmung war angespannt, aber in diesem Moment war die Feindseligkeit zwischen den Jungen in den Hintergrund gerückt. Es gab Wichtigeres zu tun, als sich zu streiten.

Severus grollte. „Spinn nicht rum, Black. Der ist nicht breit genug, damit dort noch wer sein könnte. Ich habe meine Umgebung abgetastet gehabt. Da war nichts!"

„Wie weit?"

„20 Zentimeter weit und ca. 50 Zentimeter tief", zischte Severus. „Ein Teil ist abgebrochen und ich konnte mich dort nur noch halten, weil dort eine dicke Wurzel zum festhalten war."

Sirius war wieder an der Kante und machte Anstalten hinunter zu klettern. „Nein!" fluchte Draco.

„Ich will doch nur nachsehen, ob Adrian dort ist!"

Sirius schwang seine Beine über die Kante und atmete tief durch. Er sah nicht, wohin er musste. Unter ihm war nur Dunkelheit. Vorsichtig tastete er mit den Füßen nach Boden, fand aber nichts. Er müsste ganz den Worten von Severus vertrauen. Keine leichte Aufgabe.

Er schloss die Augen und stieß sich dann vorsichtig ab. Dracos Hand hielt seine panisch umklammert, aber Sirius fand festen Boden unter seinen Füßen und im stehenden Zustand konnte er den Slytherin auch noch in die Augen blicken, obwohl er auf dem anderen Vorsprung stand. Vorsichtig ging er in die Knie und stellte schnell fest, dass Severus Recht hatte. Hier konnte nichts sein. Der Vorsprung war an der breitesten Stelle höchstens 50 Zentimeter breit.

„Adrian! Wo bist Du?" flüsterte er in die Stille. Er machte sich riesigen Sorgen um den Jungen. ‚Adrian Jericle' hatte eine Art, die etwas in ihm berührte. Von Anfang an. Auch ohne Vertrauen und ohne die geringste Kenntnis, hatte Sirius doch den Worten von dem Slytherin gelauscht. Sie waren nicht dumm oder überheblich gewesen. Sie hatten ein stabiles Fundament, welches für das gesamte Handeln des Slytherins maßgeblich war. Konsequent arbeitete er an seinem Ziel. Dabei wandte er sich gegen jeden, der sich menschenunwürdig verhielt, ob Freund oder Feind.

Sirius wollte diesem Jungen nicht nur helfen, weil er als Gryffindor dazu verpflichtet war, sondern weil er eine Verantwortung als Mensch hatte. Als Teil der Gesellschaft. Aber wie sollte er ihn finden? Dann kam ihm ein genialer Gedanke. Wenn als Mensch in dieser Dunkelheit nichts sehen konnte, vielleicht könnte er als Hund etwas riechen. Ohne darüber nachzudenken, ob seine Energie für die Verwandlung ausreichte oder die Verwandlung ihm schaden könnte, nahm er die Gestalt eines schwarzen Hundes an.

Die Luft war erfüllt von frischer Erde, Kälte und Blut. Die Schmerzen in seinem Bauch schob er einfach in den Hintergrund, auch wenn er als Hund dem Drang zu winseln kaum widerstehen konnte.

Den Geruch von Adrian kannte Sirius nicht wirklich und konnte ihn daher auch nicht so richtig ausmachen. Fast hatte er das Gefühl, dass James in der Nähe war, aber er wurde von Dracos Frage „Hast Du was?" unterbrochen.

Sirius verwandelte sich schnell zurück und verlor fast den Halt auf dem schmalen Erdstreifen. Einige Steine und Erdklumpen brachen ab und fielen in die Tiefe. Es dauerte einige Sekunden, bis der Aufprall zu hören war.

Sirius schüttelte es.

Aus der hockenden Position richtete er sich vorsichtig auf, damit Draco ihn sehen konnte. Dabei stieß er sich an einem dicken Stein, der aus der Steilwand ragte. „Nein!" sagte Sirius enttäuscht.

Er hielt sich dabei umständlich an dem Stein fest und betastete ihn dabei ein wenig. Er stellte fest, dass er feucht war. Es war aber kein Wasser, dass spürte Sirius. Wasser wäre schon längst gefroren. Wasser war flüssiger und nicht so schmierig.

Panik durchströmte seinen Körper mal wieder. Zaghaft tastete er sich auf diesem Steinpodest, welches höchstens 30 Zentimeter Auflagefläche hatte, vor. Er hätte schreien können, als er auf einen kalten aber weichen Widerstand stieß. Er wagte es erst gar nicht weiter zu fühlen, denn sehen konnte er nichts. Sirius versuchte auszumachen, wie der schmale Körper des Jungen dort lag. Schließlich griff er vorsichtig nach dem Arm von Harry und zog ihn zu sich herunter. Es war ein Wunder, dass der Junge auf diesem schmalen Teil liegen geblieben war. Fünf Zentimeter weiter und nichts hätte den Fall in die bodenlose Tiefe gestoppt. Sirius wusste nicht, ob er über das geringe Gewicht des Jungen dankbar sein sollte, oder besorgt.

„Ich hab ihn!" hauchte Sirius aufgeregt und hörte das erleichterte Ausatmen der Slytherins.

„Wie geht es ihm?" fragte Severus unsicher. Sirius vermutete, dass ‚Dorian' sich diese Frage nicht traute. Die Antwort könnte zu schrecklich sein.

„Ich weiß nicht, er hat wohl viel Blut verloren. Ich versuche ihn zu uns herüber zu tragen."

„Sei bloß vorsichtig!" sagte Draco panisch.

Die nächsten Minuten waren durchzogen von unheimlichen Geräuschen und Flüchen. Selbst wenn Sirius etwas gesehen hätte, wäre diese Aktion schwierig gewesen, aber so musste er sich auf sein Gespür verlassen. Es war teilweise sehr knapp und Sirius hätte mehr als einmal fast das Gleichgewicht verloren, aber er schaffte es schließlich.

Draco und Severus (so gut er es mit einem gebrochenen Bein konnte) halfen den leblosen Körper von Harry empor zu hieven. Sirius kletterte schließlich allein hoch.

Müde lehnte Sirius sich an die Wand und schloss die Augen. Ein heftiger Hustenanfall schüttelte seinen Körper. Die Schmerzen waren jetzt nicht nur im Bauchbereich, sondern auch in der Brust. Hoffentlich war dies alles nur ein schlimmer Albtraum. Es konnte doch nicht wahr sein. Es war kurz vor Weihnachten und er war nicht mit Remus, Peter oder James unterwegs. Solche Abenteuer fanden doch sonst nur mit seinen Freunden statt. Wie hatte das alles nur passieren können.

„Mir ist kalt!" sagte Severus leise mit gebrochener Stimme. Draco nickte. Er wusste, dass es niemand sehen würde, aber im Moment machte ihm die Körpertemperatur von Harry viel mehr Sorgen. Ihm war kalt, aber Harry war ein Eiszapfen. Das unregelmäßige Bewegen des Brustkorbes sagte zwar deutlich, dass Harry noch lebte, aber das getrocknete Blut in den schwarzen Haaren war kein gutes Zeichen. Draco hatte Harrys Körper an seinen herangezogen und versuchte ihn zu wärmen. Sie würden hier warten müssen, bis Hilfe kam, denn von alleine kamen sie hier nicht raus. Auf Verletzungen konnte Draco keine Rücksicht nehmen, denn das war ein Gebiet, indem er eine totale Niete war. Jetzt hätte er es gebrauchen können, aber ohne Licht und ohne Zauberstab war es unmöglich entsprechend zu handeln.

„Mir ist auch kalt", sagte Sirius in einem relativ neutralen Ton.

„Kuschelt Euch zusammen, damit ihr Euch gegenseitig wärmt", sagte Draco barsch und legte Harrys Hände unter den zerrissenen Mantel. Draco saß aufrecht an die Wand angelehnt und hielt Harry auf seinem Schoß fest umschlungen. Den warmen Wintermantel um sie beide gelegt und die Beine möglichst nah am Körper. Die Kälte griff trotzdem nach jeder einzelnen Zelle ihrer Körper und brachte sie zum zittern.

Er hörte leises Fluchen und blaffte die beiden an, dass sie still sein sollten. Sie waren hier nicht in Hogwarts und hier gab es keine Häuser. Wenn sie nicht zusammenarbeiten würden, dann würden sie vermutlich sehr schnell verlieren.

Danach herrschte Ruhe. Draco legte Harry Kopf an seine Schulter und wickelte dann den Schal um sie beide. Er spürte jetzt den schwachen Atem von Harry an seinem Hals. Eine neue Gänsehaut überzog seinen Nackenbereich. Er war Harry nie so nah gewesen und es war ein eigenartiges Gefühl, aber es war kein falsches. Sie gehörten irgendwie zusammen und mussten dies gemeinsam durchstehen. Es war ihre Aufgabe.

Dracos Augen fielen zu, flogen aber auf, als er ein leises grantiges Flüstern und fahrige Bewegungen neben sich wahrnahm. „Was ist bei Euch los?" zischte er. Er zitterte vor Kälte.

„Ich versuche nur Snape, von seinen Schmerzen abzulenken!" zischte Sirius und Draco grinste zynisch.

„Aha… warum küsst Du ihn nicht. Ich glaube, dass würde ihn von allem Ablenken und ihr hättet wieder etwas zum Streiten!" woher dieser Gedanke kam, wusste Draco nicht, aber er fand ihn sehr amüsant und unterhaltsam. Ein deutliches Zeichen, dass es auch Draco nicht gut gehen konnte.

„Du spinnst!" zischte Sirius und Severus gleichzeitig.

„Ja, vielleicht!"

Sirius rutschte noch etwas näher an Draco, damit auch sie sich etwas gegenseitig wärmen konnten, sehr viel half es nicht, dafür waren ihre Kleidung zu stark beschädigt und die Verletzungen zu Energie raubend.

Mit Entsetzen beobachtet Draco, wie sich eine weiße Flocke auf seine schwarzen Schuhe setzte. Bis jetzt hatten sie noch Glück gehabt, weil es trocken war, aber wenn der Schnee ihre Sachen durchweichte, dann sanken ihre Überlebenschancen radikal.

Wieder trat Stille ein, in der alle ihren Gedanken nachhingen. Draco wusste nicht wie viel Zeit vergangen war, aber Sirius' Stimme schreckte ihn hoch. „Snape?! Sag, dass Du nur schläfst!"

„Wenn er schläft, kann er nicht antworten"

„Nein, aber aufwachen!" zischte Sirius zurück. Er schüttelte Severus Körper leicht, aber auch dieser Slytherin hatte das Bewusstsein verloren.

„Wenn wir nicht bald Hilfe bekommen, dann können wir uns gleich in die Tiefe werfen!" zischte Sirius barsch. Er zog den ungeliebten Körper näher zu sich, um die Lebensfunktionen überwachen zu können. Severus Körper war warm und anschmiegsam. Ohne Bewusstsein und Verstand konnte man mit jedem Menschen machen was man wollte und Sirius wollte jetzt eine bequemere Sitzposition und schmiegte sich schließlich an den warmen Körper auf seinem Schoß. Hätte er nicht so eine panische Angst und wäre ihm nicht so eiskalt, dann würde er jetzt vermutlich sofort einschlafen können.

Ein leises Schniefen ertönte, aber beide noch wachen Jungen waren sich nicht sicher, von wem es kam. Beide hatten Tränen in den Augen und die Angst war in ihren Gesichtszügen deutlich abzulesen. Sie kommentierten es daher auch nicht und beobachteten eher, wie die Schneeflocken sich langsam zu einer geschlossenen Decke zusammenfanden.

Wären Todesser hier, dann hätten diese nicht nur wegen der nichtvorhandenen Zauberstäbe gute Chancen. Die jungen Zauberer waren halb erfroren und konnten sich kaum bewegen. Klare Gedanken und lebensrettende Handlungen waren einfach nicht mehr möglich.

Dracos Augen fielen erschöpft zu und sein letzter Gedanke war „Jetzt ist alles vorbei!", denn auch Sirius hatte den Kampf gegen die Erschöpfung vor einer Weile verloren. Nun könnte niemand mehr auf die leisen Rufe in den Tiefen des Waldes antworten. Draco hörte sie noch nicht, sonst hätte er vielleicht noch ein wenig durchgehalten. Die rettenden Stimmen waren einfach noch zu weit entfernt.

ooooooooooooooooooooooooooooooooooooooooooo


tbc

Und es geht bald weiter…. Wann wird man die Jugendlichen finden? Noch rechtzeitig? Welche Erkenntnisse wird dieses Ereignis mit sich bringen? -- und mir bitte nicht den Kopf abreißen wollen... knuddel