35. I see fire

Das ungute Gefühl, das Draco beschlichen hatte, ließ ihn auch nicht los, als sie gemeinsam in Runcom ankamen. Wieder einmal war es viel zu still und viel zu dunkel. Natürlich hatte er nicht erwartet, dass sie sich ihnen mit hell erleuchteten Fackeln und lautem Singsang auf sich aufmerksam machen würden.

Er selbst wusste nur zu genau, wie vorsichtig und behutsam sie mit wertvoller Ware wie diese umgingen. Trotzdem war es für einen ganzen Konvoi aus Magiern nahezu unmöglich, komplett unentdeckt zu bleiben. Außer, sie setzten auf wenige starke Leute. Doch das war nicht unbedingt Voldemorts Stil. Vor allem dann nicht, wenn es darum ging, etwas Kostbares wie Grangers Eltern eventuell auf halbem Wege zu verlieren.

Nein, er würde riskieren entdeckt zu werden und würde auf viele Leute anstatt auf Unauffälligkeit und Mobilität setzen. Das wusste Draco so genau, weil Voldemort ihn bei entsprechenden Entscheidungen immer wieder abgewiesen hatte. Er hörte nicht zu und Taktik gehörte nicht zu den Dingen, auf die er bevorzugt setzte. Er mochte es theatralisch. Er griff nicht gerne aus dem Hinterhalt an, denn das empfand er als feige und es ließ seine Opfer zu lange im Unwissen darüber, was passierte.

Außer, es handelte sich um Ausnahmefälle, verstand sich. Extreme Ausnahmefälle, in denen er nichts zu verlieren, aber zu gewinnen hatte. Denn der Fuchs fing die Gans bekanntlich nicht, wenn er sich lautem Gebrüll von vorn auf sie stürzte.

"Das ist eine Falle", hörte er sich selbst sagen.

Seine Stimme klang ungewöhnlich fremd. Potter musterte ihn und auch Weasley sahen ihn mit großen Augen an. Etwas Ungläubiges lag ihn ihnen. Er trat zwei Schritte zurück, umfasste Granger am Handgelenk ohne es zu wirklich zu registrieren und zog sie mit sich zurück. Den Zauberstab gezückt drehte er sich einmal um die eigene Achse, zog sie mit sich.

"Malfoy?", fragte sie schrill und riss sich von ihm los, "wo sind meine Eltern?", brüllte sie dann an Zabini gewandt, der sie schuldbewusst ansah.

"Ich habe es geahnt. Doch abzuwarten war keine Option", flüsterte er.

Und gerade so als hätten sie darauf gewartet, erschienen sie aus dem Hinterhalt. Einer nach dem anderen manifestierten sie sich um sie herum, kreisten sie ein.

"Verräter", brüllte der Lockenschopf und schleuderte einen Zauber gegen Zabini, der vollkommen überrumpelt zu Boden ging.

Ganz offensichtlich, da er sich auf die Umstehenden und nicht auf ihn und die Rebellen konzentriert hatte. Etwas, das für Zabini sprach. Doch darüber konnte er sich später Gedanken machen. Später, wenn sie diese Sache unbeschadet überstehen sollten.

Er schleuderte einen Schockzauber in die Menge, jagte ein paar weitere Zauber hinterher, als tatsächlich ein brauchbarer Lichtblitz durch die Luft schoss und einen Todesser zu Boden riss. Dieser prallte erfreulicherweise gegen einen weiteren, der direkt hinter ihm erschienen war.

Jedoch schienen für einen Getroffenen drei weitere zu erscheinen.

"Exaresce", zischte Weasley schräg hinter ihm und er war für zwei Sekunden etwas irritiert, als der Lichtblitz Potter traf – und diesen an ein unbekanntes Ziel auf der Welt schleuderte.

"Sie dürfen ihn nicht bekommen", keuchte der Rotschopf, als sie seinen Blick bemerkte, und schloss zu ihm auf. Gemeinsam mit Granger bildeten sie Rücken an Rücken einen Kreis aus drei Leuten.

Lichtblitze schossen durch die Luft. Sie tauchten die Nacht in die verschiedensten Farben. Er spürte, wie ihn ein Schockzauber mittig der Brust traf und er wurde gegen die Frauen gestoßen, die sich hinter ihm befanden. Sie fingen ihn ab, gerieten dadurch aber ins Taumeln.

Ein weiter Stoß ging durch ihren Kreis. Offensichtlich wurde Weasley getroffen, die von hinten gegen ihn taumelte.

Sie spielten mit ihnen. Kitzelten sie abwechselnd mit ihren Zaubern. Es war offensichtlich. Sie gaben sich nicht einmal die Mühe, sie zu überwältigen.

Denn wäre dies gewollt, würden sie es in wenigen Sekunden tun.

Der Kreis der schwarzen Gestalten hatte sich binnen Sekunden nahezu lückenlos um sie geschlossen. Sie hatten Zeit und zwei starke Männer verloren, weil die Frauen erst einmal Zabini unschädlich und Potter außer Reichweite gebracht hatten.

Letzteres war mehr als nur clever gewesen. Ersteres stumpfsinnig, aber das Granger bei dieser Mission mehr risikoreich als nützlich sein würde, war von Anfang an klar gewesen.

Zabini rappelte sich langsam vom Boden auf, doch ein weiterer Zauber riss ihn erneut von den Beinen.

Dieses Mal kam er aus den schwarzen Reihen, die sie mehr und mehr umzingelten. Sie versuchten sie mit verschiedenen Zaubern zurückzuhalten, doch natürlich war es sinnlos. Drei gegen 20... vielleicht auch 30.

Und er wusste nicht einmal, ob es nach wie vor mehr und mehr wurden.

Voldemort ging auf Nummer sicher...

... und Dracos Zauberstab versagte gerade, als er einen Todesser davon abhalten wollte, Granger zu entwaffnen, seinen Dienst.

Das rotbraune Holz flog durch die Luft. Kurz danach folgte das nutzlose Holz in seiner Hand dem ihren. Ginevra blieb als Einzige bewaffnet zurück. Schlug tapfer Zauber um Zauber zurück, während sie sie lachend und mit Bannzaubern davon abhielten zu verschwinden und sich einen Spaß daraus machten, Weasley mit verschiedenen Zaubern, die sie auf sie schleuderten und die sie abwehren musste, aus der Puste zu bringen.

Ein Zauber traf Weasley an der Schulter. Sie ging zwischen ihm und Granger fast zu Boden.

"Gib auf", hörte er Granger flüstern, "Harry ist entkommen."

"Schluss mit den Spielchen", hörte er Rosier über die Meute hinweg brüllen.

Dann traf ihn ein Silenciozauber... kurz, bevor zwei weitere hellblaue Lichtblitze die Nacht erleuchteten, die ganz offensichtlich für Granger und Weasley bestimmt gewesen waren.

Draco sog schneidend die Luft ein, ballte die Hände zu Fäusten. Sie waren in eine klägliche und elende Falle getappt. Vollkommen unvorbereitet. In der Unterzahl. Und genau das hatten sie gewusst. Oder auch: Sie hatten damit gerechnet.

Sie hatten ihnen eine simple aber perfekte Falle gestellt. So wie sie es damals mit Potter und Black gemacht hatten. Und wieder einmal hatte es funktioniert.

Er hätte es besser wissen müssen.

"Ob sie meine Eltern wirklich haben?", hörte er Granger hinter ihm brüchig flüstern.

"Ich weiß es nicht. Aber sie werden es dich sicher gleich wissen lassen", gab er zurück und fügte dann hinzu, „sie werden dich und Weasley nutzen, um an Potter zu gelangen. Sie werden euch nicht einfach töten. Nutzt dieses-"

„Nein", fiel sie ihm ins Wort, „wir werden nicht ohne dich gehen."

„Dafür ist nicht die richtige Zeit", gab er leise zurück.

Er spürte, dass sie versuchte seine Hand zu greifen, doch das ließ er nicht zu. Sie würden es gegen sie nutzen. Gegen sie beide.

"Es tut mir le-", setzte sie an, doch sie stockte, als einer der Todesser den schwarzen Kreis verließ und zu ihnen aufschloss.

"Potters Hure und Potters kleine Freundin. Welch wunderbaren Fang wir heute gemacht haben. Ich bin erfreut", sagte Rosier und musterte sie, "aber auch überrascht", setzte er schneidend an, als er Draco erblickte, "bringt die Frauen fort. Einer ist entkommen. Sicherlich werden sie gleich mit Verstärkung zurückkommen."

Sofort lösten sich einige der Gestalten aus dem Kreis und zerrten Weasley und Granger auseinander und von ihm.

Rosier trat näher an ihn heran, musterte ihn. "Ich wusste, dass wir mehr als einen Verräter in unseren Reihen haben. Auf dich hätte ich jedoch nicht getippt."

"Lucius? Ist Lucius hier oder hat er sich wieder zu Hause oder in irgendeiner schäbigen Taverne verkrochen?", rief er in die Menge.

In der Meute blieb es still. Allerdings wunderte es Draco nicht sonderlich. Es stand seinem Vater gut, dass dieser bei Missionen wie dieser nicht anwesend war.

Das war er in den vergangenen Jahren selten gewesen.

Der Blonde lachte heiser. "Du hattest niemals ein gutes Gespür für Verräter und solche, die dem dunklen Lord bis in den Tod folgen."

Er deutete auf Rosiers Neffen Constantin hin, der sie alle beinahe umgebracht hatte. Vor rund drei Jahren und durch eine nahezu perfekte Falle wie diese hier. Rosier hatte beinahe bis zum bitteren Ende für die Unschuld seines Neffen plädiert. Winters hatte er hingegen niemals respektiert. Wahrscheinlich lag es aber daran, dass es dem Alten nicht gefiel, von einer Frau angeführt zu werden. Einer jungen Frau noch dazu.

Der Alte schwieg. Sah ihm in die Augen – und wich etwas zurück.

Draco lachte schallend. "Du siehst es erst jetzt?", fragte er spöttisch, "du wirst alt."

"Und du wirst sterben, Blutverräter", zischte der alte Magier, "und der Name deiner Familie stirbt mit dir."

Zabini richtete sich erneut hustend auf, was Rosier einen Moment vom Slytherin ablenkte.

"Kümmert euch um ihn. Bringt ihn fort", dann sah er Draco erneut an. Purer Abscheu lag in seinen dunklen Augen, "und den hier auch."

-v-

Sie zerrten Ginny und sie grob über die Wiese und apparierten mit ihnen zu einem kleinen schäbigen Portschlüssel, der sie zu einer uralten Burg brachte, die sie versuchte einzuordnen. Doch sie schaffte es nicht. In ihrem Kopf war es einfach nicht still genug.

Die Gedanken wirbelten nur so umher.

"Meine Eltern?", fragte sie an einen hässlichen Mann mit verdrecktem Gesicht gewandt, der gehässig lachend mit ihrem Zauberstab vor ihrer Nase herumfuchtelte, "geht es ihnen gut?"

Doch er antwortete nicht. Faselte stattdessen irgendein belangloses Zeug, indem er sie auf die unnütze und ihr bekannte Tatsache hin, dass sie heute Nacht sterben würde und dass sie ein elendes Schlammblut war.

Sie stießen sie gemeinsam mit Ginny in ein dunkles Verlies und verschlossen die schwere Holztür vor ihnen. Die eisernen Scharniere ächzten unter der schweren Last. Das Mondlicht strahlte das massive Holz beinahe liebevoll an – es war die einzige Lichtquelle, die sich ihnen bot.

"Wie geht es meinen Eltern?", schrie sie gegen das Holz.

Jemand schlug von der anderen Seite dagegen und brüllte: "Halts Maul, Schlammblut!"

Mione wich von der Tür zurück.

"Sie haben geblufft", sagte Ginny, "deine Eltern sind nicht hier. Da bin ich sicher." Sie stand mit dem Rücken zum Lockenschopf und mit dem Gesicht zum Fenster. Sie konnte sie beruhigend lächeln hören.

"Es tut mir leid", flüsterte sie.

Ginny wandte sich zu ihr um, schüttelte den Kopf und schlang schließlich die Arme um sie. "Wir alle hätten dasselbe getan, ginge es um unsere Eltern. Wir hätten nur bedachter reagieren müssen. Hätten auf Verstärkung warten müssen", flüsterte sie.

Hermione nickte.

Dennoch fühlte sie sich schuldig. Immerhin war sie es gewesen, die sie alle zur Eile angetrieben hatte. Oder nicht?

Sie seufzte, schloss die Augen und atmete tief durch.

"Das schaffen wir jetzt auch noch." Ginnys Stimme klang rau und am liebsten hätte sie der Jüngeren gesagt, dass alles gut wird.

Dass man sie retten und befreien würde, stand jedoch außer Frage. Sie hatten sie an einen unbekannten Ort gebracht. Selbst wenn Harry bereits jetzt auf der Suche war, was er ganz sicher war, würde es Stunden dauern, um ihren Weg zurückverfolgen zu können.

"Sie werden uns nicht beide töten. Vielleicht sogar keine von uns. Sie werden wenigstens eine als Druckmittel benutzen", sagte sie.

Wiederholte Malfoys Worte, aber auch die Worte, die sie unzählige Male besprochen hatten.- Wenn sie Szenarien wie dieses durchgegangen waren. Doch es fiel ihr schwer sich darauf zu konzentrieren, was sie jetzt tun sollten.

Ihr Blick fiel auf die Tür... und sie verdrängte jeden Gedanken daran, was gerade dort draußen passierte. Mione atmete tief ein, was ihr einen schneidenden Laut entlockte. Irgendetwas in ihr schien zerrissen zu sein. Ihr Atem zitterte und ihre Sicht begann zu verschwimmen.

'Panik', schoss es ihr durch den Kopf. Sie bekam Panik... und das nicht einmal, weil sie sie und Ginny gerade in ihrer Gewalt hatten.

Sie musste sich beruhigen.

Ginny nickte, riss sie wieder aus den Gedanken. "Ich weiß. Und genau das macht mir am meisten Angst. Wir müssen sie dazu bringen, uns zu töten."

Hermione nickte. Das war ein guter Plan.

Ein Plan, der sie davon abbrachte ständig daran zu denken, dass sie auch Malfoy in ihren Händen hatten. Und ihn würden sie ganz sicher töten. Wenn es nicht schon vor Ort in Runcom geschehen war. Malfoy war ein Infizierter. Er war in ihren Augen wertlos.

Wenn er Glück hatte, war er bereits tot.

Wenn er Pech hatte, was nicht ganz unwahrscheinlich war, würden sie ihn erst einmal zum dunklen Lord bringen. Doch ganz sicher wartete auch dort der Tod.

Wieder überkam das Gefühl von Panik sie. Und es fiel ihr so entsetzlich schwer, sich selbst unter Kontrolle zu bringen. Sie raufte sich die Haare, atmete tief durch. Einmal. Zweimal.

„Mione?", fragte Ginny hörbar besorgt.

Sie öffnete die Augen, ließ die Hände leblos neben ihren Körper fallen. "Ich hätte ehrlicher sein sollen", wisperte sie und Ginny blickte sie durch die Dunkelheit hinweg fragend an, "ich hätte mich nicht selbst belügen sollen. Mir lief von Anfang an die Zeit davon. Dabei hatte ich nichts zu verlieren, was ich nicht eh verlieren würde."

Ginevra lachte heiser. Ihre Stimme zitterte. "Du verwirrst mich, Hermione Granger. Haben sie dir, ohne dass ich es mitbekommen habe, einen Irrsinnzauber auf den Hals gehetzt?"

Nun lachten beide Frauen. Mit Tränen in den Augen. Da war sie: die Hysterie, die kurz vor dem Ende kam. Sie spürte sie nicht zum ersten Mal. Doch dieses Mal schien sie stärker als sonst, vorhanden zu sein.

Das Knarren der Tür riss die beiden Frauen aus ihren Gesprächen und Gedanken.

"Na, ihr Süßen? Habt ihr Spaß?"

Der Hässliche mit dem verdreckten Gesicht trat in das Verlies und zündete mittels Zauberstabswink die Fackeln an, die an den Wänden hingen. Ginny und Mione blinzelten ein paar Sekunden mit den Augen, da sie sich an die plötzliche Helligkeit gewöhnen mussten.

Als dies der Fall war und sie ihr Gegenüber erneut musterte, erkannte sie ihn. Unter all diesem Dreck. Er hatte sich kein bisschen verändert.

"Flint", sagte sie, "wie geht es meinen Eltern?"

Er grinste sie dreckig an. "Was bekomme ich für eine Antwort?" Er schnalzte mit der Zunge und musterte sie lüstern. Und plötzlich hörte sie Malfoys Stimme. "Du solltest dir etwas Vernünftiges anziehen." Sie schien einige Mal wieder und wieder durch ihren Kopf zu spuken.

Und sie wusste nicht, was gerade schlimmer war. Flints Blicke, die ihren Körper durch den hauchzarten Stoff ihrer Schlafanzughose oder des weit ausgeschnittenen Shirts jeden Zentimeter ihres Körpers zu scannen schienen. Oder Malfoys Stimme, die ihre Sinne zu benebeln schien.

"Was ist mit Malfoy?", hörte sie sich selbst wie aus weiter Ferne fragen.

Flint blickte irritiert auf, leckte sich langsam über die aufgesprungenen Lippen. Dann stahl sich ein Grinsen in sein Gesicht. "Sie werden ihn verbrennen. Im Hof. Aber erst, wenn der dunkle Lord ihn gesehen hat und seine Eltern anwesend sind. Sie sollen es sich ansehen."

Der Todesser trat näher an ihn heran. Musterte sie erneut. "Willst du auch zusehen?"

Hermione kämpfte mit sich selbst, zwang sich zur Klarheit. Es war sehr unwahrscheinlich, dass sie ihre Eltern tatsächlich gefasst hatten. Und sie, Ginny und Malfoy lebten noch. Noch!

Sie hatten also keine Zeit, um auf ein Wunder zu hoffen. Auf einen strahlenden Prinzen, der sie retten würde.

Und Ginny, die ihr über Flints Schulter hinweg einen vielsagenden Blick zuwarf, dachte eindeutig dasselbe.

Mione strich sich so lasziv wie nur irgendwie möglich ein paar Strähnen über die Schulter. Legte einen großen Teil ihrer nackten Haut frei. Sofort musterte Flint sie. Nur um Sekunden später seine Finger hauchzart über ihre leicht gebräunte Haut streichen zu lassen und den Träger beiseitezuschieben. Er rutschte über die Schulter hinweg und legte ihre linke Brust frei.

Sie begann zu zittern. Eine Gänsehaut überzog erst die Stelle, an der er sie mit seiner rauen und schmutzigen Hand gestreift hatte – und dann überzog sie ihren gesamten Körper. Allerdings schien ihm das zu gefallen. Das sagte jedenfalls das Grinsen, dass sein verdrecktes Gesicht zierte, als er sie erneut zu berühren versuchte.

Sie zwang sich dazu, ruhig zu bleiben. Als er näher an sie herantrat, hielt sie ihn an der Schulter zurück.

"Darf ich noch einmal meinen Zauberstab sehen?", fragte sie süßlich.

Er lachte dreckig. "Vergiss es. Der ist sicher in meinen Roben."

"Das habe ich mir gedacht", gab sie zurück...

... "und die brennen bekanntlich so schön", wisperte Ginny, die direkt mit einer der Fackeln hinter Flint stand.

Der drehte sich um, aber es war schon zu spät. Mit einem teuflischen Grinsen, das sie ihrer besten Freundin nicht einmal im Traum zugetraut hätte, setzte sie Flints Roben in Brand. Hermione sprang beiseite, nicht aber ohne sich ein paar Haarsträhnen anzusenken.

Denn der Stoff ging tatsächlich, wie es sich oft bei Feuerzaubern gezeigt hatte, binnen Sekunden lichterloh in Flammen auf. Einige Todesser hatten diese daher magisch vor Feuer geschützt. Sie würde etwas darauf verwetten, dass Malfoy einer von ihnen war. Doch Flint war ein Idiot. Und sie hatte gehofft, dass er nachlässig war.

Kreischend entledigte Flint sich so schnell er konnte seiner Roben. Dabei entwischten Rufe wie "ihr elenden Fotzen!" und "ich werde euch umbringen!", seine Kehle.

Doch Ginny beendete das Elend schnell, indem sie ihm die Fackel direkt an der Brust ausdrückte, als er den brennenden Umhang endlich losgeworden war. Von Letztem waren mittlerweile nur noch einige brennende Fetzen und Asche übrig. Die Flammen fraßen sich erbarmungslos durch die Fasern.

Flint schrie so laut und so schmerzerfüllt, dass Mione eine Sekunde hysterisch lachen musste. Dadurch konnte sie aber auch den Schmerz unterdrücken, der sie heimsuchte, als sie die Robenfetzen soweit es ging zertrampelte – um das unversehrte Holzstück aus diesen zu befreien.

Glücklicherweise hatten sie ihre Zauberstäbe ebenfalls vor langer Zeit magisch vor Feuer geschützt.

"Ist meiner auch dort?", rief ihr Ginny über Flints Schreie hinweg zu.

Der Todesser versuchte, seine brennende Weste mit den Händen zu löschen.

"Ja", schrie Mione zurück, als sie auch Ginevras Zauberstab in zwischen den Fetzen und der Asche entdeckte.

Sie stürmte an Flint vorbei, drückte Ginevra deren Zauberstab in die Hand und öffnete die Tür mittels Zauberspruch. Ginny schockte den vollkommen überraschten Todesser, der dahinter scheinbar die Tür bewacht hatte.

Als Flint sah, was passierte, stürmte er schreiend, und mit extremen Brandwunden auf Brust sowie im Gesicht und an den Händen, auf sie und auf die Tür zu. Doch Mione war schneller. Sie schmiss sich so heftig gegen das schwere Holz, dass es tatsächlich zukippte – und irgendetwas in ihrem rechten Bein überdehnte.

Doch das Adrenalin, das durch ihren Körper schoss, übertönte den Schmerz.

Als die Tür sich geschlossen hatte, wurde es wieder ganz still. Ginny verschloss die Tür magisch. Dann wichen sie beide schwer atmend zurück.

"Dieser Spinner hat einen Schweigezauber auf den Raum gelegt. Damit niemand hört, was er mit uns anstellt", sagte sie mit erstickter Stimme.

Einen Moment lehnten sie sich beide fassungslos lachend gegen die kühle Steinwand, die sich gegenüber ihrer Verliestür befand. Doch als sie zu Atem und wieder zu Verstand gekommen waren, wurden sie ruhig.

"Wir müssen diesen Hof finden", sagte Mione schließlich.

Ginevra sah sie an, "da wimmelt es sicher nur so von Todessern."

Mione holte tief Luft, nickte schwach. Sie sollten fliehen. Das hatte er gesagt... wenn auch nur indirekt. Sie wandte sich um, blickte ans Ende des Ganges. Dort oder hinter der nächsten Ecke konnte dieser Hof sein. Ihre Hände zitterten, also ballte sie sie zu Fäusten.

"Ach Merlin, scheiß drauf", wisperte der Rotschopf, „dieser kleine Schleimbeutel ist einer von uns. Und er wird uns den Arsch aufreißen, wenn wir ihn rechtzeitig finden und ihn befreien. Was sehr unwahrscheinlich ist."

Als sie sich an ihr vorbeischob, sah sie Mione merkwürdig an. Offensichtlich erwartete sie keine Antwort – auch wenn die ehemalige Gryffindor nicht einmal im Traum daran dachte, zu widersprechen. Ginny machte sich direkt auf den Weg. Auf leisen Sohlen und mit kleinen, vorsichtigen Schritten. Denn hinter jeder Ecke konnte ein weiterer Tumult von Todessern lauern.

Mione folgte ihr. Ebenso bedacht. Ebenso leise. Doch es kostete sie ungemein viel Überwindung, nicht einfach wie eine hysterische Furie die Gänge entlang zu rennen. Allerdings hielt sie der Gedanke daran, wohin die Hysterie sie heute bereits gedacht hatte, davon ab.

-v-

Zabini spuckte eine weitere Ladung Blut, verlor aber weder seine Würde noch seine Fassung. Sie quälten ihn seit Minuten, die sich wie Stunden anfühlten. Belustigten sich daran, wenn seine Knochen brachen und wenn ihm doch ein kurzes, leises Wimmern entwischte.

Doch natürlich töteten sie ihn nicht. Sie versuchten, ihn nur zu brechen.

Alles andere war dem dunklen Lord vorbehalten.

Und auf diesen warteten sie. Sie, die Meute, die sich um sie herum versammelt hatte. Hier und da konnte er bekannte Gesichter sehen. Meistens fehlten ihm die Namen zu diesen Gesichtern. Aber er versuchte sich einfach nur auf Zabini zu konzentrieren.

Versuchte ihm als Einziger hier so etwas wie Stärke und Solidarität zu vermitteln. Denn ansonsten gab es nur Hohn und Spott oder Mitleid. Draco wusste, dass er beides nicht wollen würde, wäre er in Zabinis Position – was er sehr bald sein würde.

Es hatte es aufgegeben, über sinnlose Fluchtversuche zu nachzudenken. Natürlich hatte er sich in den Minuten auf dem Weg hierher und nachdem sie angekommen waren den Kopf darüber zermürbt, wie er das Blatt wenden und die Frauen befreien konnte.

Doch er kannte diesen Ort und seine Sicherheitsmaßnahmen. Leider war es eine Ewigkeit her, dass man ihn hierher gebracht hatte. Und so hatte er es versäumt, Potter über diesen Ort zu informieren. Potter, auf dem jetzt all seine Hoffnung lag.

Für Granger und Weasley, nicht für sich selbst.

Doch es würde Stunden oder Tage dauern, bis sie diesen Ort fanden. Selbst er wusste nicht genau, wo sich diese vermaledeite Burg befand. Denn alle Treffpunkte waren selbst den Todessern nur durch Portschlüssel zugängig. Keiner der Todesser wusste, wo sich welcher Ort wirklich befand.

Der Blonde atmete tief durch, blickte in den Himmel. Sah etwas, was an die Nordlichter erinnerte...

… sie waren scheinbar hoch im Norden. Finnland. Island.

Vielleicht. Vielleicht lag er aber auch komplett falsch.

Draco kämpfte gegen das Gefühl der Hilflosigkeit an, das sich wieder in ihm breitzumachen drohte. Es resultierte aber nicht daraus, dass er wie ein Kaninchen in der Falle saß. Er hatte schon lange mit dem Gedanken abgeschlossen, dass er früher oder später sterben würde.

Noch lange bevor man ihn infiziert hatte.

Jedoch hatte er in all den Todesszenarien, die er sich ausgemalt hatte, niemals ein anderes Leben von ihm abgehangen.

Zabini keuchte und holte Draco zurück ins Hier und Jetzt. Ihre Blicke trafen sich, als ein weiterer Zauber den Dunkelhaarigen schüttelte. Der Spion zuckte ein paar Sekunden lang unkontrolliert über den verdreckten Steinboden. Als er wieder zur Ruhe kam, floss etwas Speichel aus seinem Mund und seine Augen waren mit Wasser und Blut gefüllt.

Er sah ihn an. Mühte sich ein schiefes Grinsen ab. Draco grinste zurück, nickte.

Erwiderte das 'wir sehen und im nächsten Leben', das ihm Blaise zuzuwerfen schien.

Dann folgte der nächste Zauber und die Menge teilte sich. Der Blonde brauchte einen Moment, um zu realisieren, was geschehen war. Warum sie plötzlich aufhörten, belustigt zu brüllen oder Zabini mit verschiedenen Flüchen über den Boden kriechen zu lassen.

Überraschenderweise war es erst der Blick seiner Mutter, den er auffing. Ein merkwürdiges Kribbeln durchfuhr ihn, das taub in seinen Knien endete. Sie hatte Tränen in den Augen und sie wirkte müde. Sehr müde.

Sie sah ihn kurz an, dann blickte sie zu Boden.

Sein Vater stand neben ihr. Doch er wich seinem Blick aus. Da war nicht einmal der leiseste Versuch ihn anzusehen. Doch es scherte Draco nicht.

"Draco, mein lieber Draco", durchschnitt Voldemorts schrille und kalte Stimme die Stille, die sich vor wenigen Sekunden über den gesamten Hof gelegt zu haben schien.

Der Slytherin und Voldemorts ehemaliger Hauptmann sah den dunklen Lord direkt und fest an. Lächelte süßlich. Er hatte keine direkte Angst. Allerdings würde er lügen, wenn er behaupten würde, es ließe ihn kalt. Er wusste was kommen würde. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.

"Sprich mit mir", sagte Voldemort erneut und als er ihn fast erreicht hatte.

Draco zögerte. "Mir fehlen die Worte", sagte er dann ehrlich, "belanglose Worte wie ein lapidares Hallo scheinen mir ebenso unpassend, wie euch als mein Lord anzureden."

Voldemort lachte und trat näher an ihn heran. Er legte seine kalten Finger unter Dracos Kinn und zwang ihn dazu, ihm in die Augen zu sehen.

"Eine Schande. Ich muss zugeben, ich wollte es nicht glauben, als ich es hörte. Eine Schande", flüsterte er, schien etwas tiefer zu blicken. Erst, als er zischend abließ wurde Draco bewusst, dass er versucht hatte, sich einen Einblick in seinen Kopf zu verschaffen. Erfolglos. Er hätte beinahe erleichtert und schallend gelacht.

Das schallende Lachen konnte er vermeiden, nicht aber ein breites Grinsen, das sein Gesicht zierte. Ein kleines bisschen Euphorie durchfuhr seinen Körper und dann rollte doch ein kurzes Lachen über seine Lippen.

Der dunkle Lord tat es mit einem emotionslosen Blick ab.

Hier war es also: Das letzte Geschenk, das sein neues Ich ihm machte. Er war schwach, aber bereits stark genug, um seine Gedanken für jeden Einzelnen hier auf ewig zu verschließen. Seine Magie versiegte, aber auch der Einfluss, denn diese auf ihn hatte.

Was bedeutete, dass auch der Imperio nutzlos wäre. Denn auch wenn sie nicht viel über die Lamia wussten, so wussten sie doch, dass nur physische Zaubersprüche wie Feuer, Stoß- und Schleuderzauber und Ähnliches ihnen etwas anhaben konnte. Jegliche psychische oder auch rein magische Magie war bei einem Lamia meist nahezu bis gänzlich wirkungslos.

Das bedeutete aber meistens auch, dass man einen Lamia nur durch das Feuer und nicht etwa durch den Todesfluch töten konnte. Ein schnelles Ende war ihm also nicht vergönnt. Es war jedoch nicht so, dass er das erwartet hätte.

„Eine Schande, dass du nicht eher zu mir gekommen bist", flüsterte er schneidend an und ließ dann von ihm ab. „Wärst du zu mir gekommen-", begann Voldemort und ging einige Schritte vor ihm auf und ab. De Blonde wurde mittels Armklammer und von zwei Todessern in Position gehalten.

"Hättet Ihr mir alle Gedanken geraubt und mich dann getötet", fiel ihm Draco ins Wort. Dann fügte er leise hinzu, „jetzt bleibt euch nur noch der Triumph, mich zu töten."

Der dunkle Lord lachte, sah ihn aus kalten Augen an. "Unterbreche mich nicht", zischte er und hetzte ihm einen Stoßzauber auf den Hals, der ihm spürbar etwas in der Schulter brach.

Der Blonde stöhnte auf, weil ihn der Druck kurz in die Knie zwang. Doch der Schmerz hielt sich in Grenzen. Er musste lachen. Ein Knacken, als der Knochen zurück in Position sprang. Er schnappte kurz nach Luft. Dann blieb ein taubes Gefühl zurück.

Wenn der dunkle Lord denn wollte, würde das eine lange Nacht werden. Auch wenn ihm natürlich bewusst war, dass sein Körper die Folter nicht ewig durchstehen würde. Irgendwann ging selbst einem ausgewachsenen Lamia die Kraft aus – auch wenn dies angeblich erst nach Wochen passierte.

Doch das spielte keine Rolle. Das hier war die Sachgasse, in der seine Sackgasse endete. Es würde das alles auf kurz oder lang beenden. Würde es verkürzen.

Draco hob den Kopf, richtete sich wieder auf und sah sein Gegenüber herausfordernd an. Denn jeder Moment, den man an ihm verschwendete, bedeutete Zeit. Zeit, die er Granger und Weasley verschaffen konnte. Und Potter, der ganz sicher gerade alles daran setzte, diesen Ort zu finden.

Das war zwar das Letzte, aber auch das Mindeste, was er tun konnte.

"Ich hätte dir wenigstens die Chance gegeben, einen Erben zu zeugen", sagte er an seine Eltern gewandt, "wenn du dazu noch in der Lage bist", spottete er.

Die Meute lachte amüsiert.

"Ich weiß es nicht", sagte er, "aber ich bin bereits jetzt schneller und ausdauernder als jeder Einzelne von euch", gab er so überheblich wie möglich zurück.

Es war nicht einmal gelogen.

„Und an wem konntest du das erproben, mein Lieber?", zischte der dunkle Lord belustigt, „an einem Muggel? Einem Muggelfreund?" Er musterte den Blonden eindringlich kam einen Schritt näher, „an der jungen Weasley vielleicht? Oder doch an Potters kleinem Schlammblut?"

Draco zwang sich zur Ruhe. Zur Emotionslosigkeit. Dies konnte die letzte Schwachstelle sein, die er zu bieten hatte. Er mochte die Folter nur gedämpft verspüren und ihm mochten der Imperio- und Legilimenszauber nichts anhaben.

Allerdings sah das bei den Frauen, die sie scheinbar ebenfalls hierher gebracht hatten anders aus. Er verdrängte den Gedanken daran wie den Gedanken, dass sich Granger hier sehr schnell stöhnend und schreiend vor ihm im Staub befinden konnte, wenn er jetzt nicht achtsam und bedacht war.

Wenn sie Glück hatte allein und vom Cruciatusfluch geschüttelt. Wenn sie Pech hatte mit dem Werwolf oder einem anderen Todesser über sich.

Also zwang sich Draco dazu, so angewidert wie möglich zu lachen. "Ich bin ein verzweifelter Mann", sagte er abfällig. So abfällig, dass er es sich selbst glauben würde. Doch er war auch ein geübter Mann darin, glaubhafte Lügen zu erzählen. "Aber bei Weitem nicht so verzweifelt", fügte er zischend hinzu und so leise, dass es nur Voldemort hören konnte.

"Was hat er gesagt?", hörte er Holoway einen jungen Todesser neben sich fragen.

Voldemort musterte ihn schweigend. Draco zwang sich, seinen Blick zu erwidern. Spielte sogar kurz und lächerlicherweise mit dem Gedanken, seine neue Fähigkeit bei seinem ehemaligen Meister anzutesten.

Selbstverständlich wusste er, dass es sehr wahrscheinlich nicht funktionieren würde. Der dunkle Lord war zu stark und selbst die mächtigsten Legilimenszauber konnten ihm nichts anhaben. Und selbst wenn es funktionierte, würde es nichts ändern. Sie würden ihn entlarven und würden ihn dennoch töten.

Und mit ihm sicherlich auch seine Eltern, weil er es gewagt hatte, den dunklen Lord zu erniedrigen.

"Es ist wahrlich eine Schande, junger Malfoy", flüsterte Voldemort und wandte sich ab, "ich habe genug gesehen."

Auf Zabinis Höhe blieb er kurz stehen. "Tötet ihn und werft ihm Nagini vor."

Dann sah er Draco an. "Dieses wertlose Stück Fleisch werdet ihr verbrennen", sagte er dann an seine Eltern gewandt.

Die Miene seiner Mutter verlor für ein paar Sekunden jegliche Festigkeit und Fassung. Sein Vater murmelte leise, "jawohl, mein Lord."

Damit verschwand Voldemort aus seiner Sichtweite. Vielleicht auch komplett von diesem Ort. Das wäre sehr passend, da der dunkle Lord nur dann bei einer Hinrichtung anwesend war, wenn es sich um jemand Besonderen handelte. Jemanden, der wenigstens noch einen Funken Ehre besaß. Dass er verschwand, war also eine zusätzliche Bestrafung. Für ihn, aber ganz sicher noch mehr für seine Eltern.

Vielleicht blieb er aber auch, um sich Weasley und Granger anzunehmen. Der Gedanke behagte ihm nicht. Doch er wollte sich diesem Gedanken ebenso wenig ergeben, wie er ein weiteres Mal über einen nutzlosen Fluchtversuch nachdenken wollte.

Sie zerrten Draco zu einem Scheiterhaufen, wie er ihn aus den Gesichtsbüchern kannte. Seine Eltern folgten ihm mit zögerlichen Schritten. Aus den Augenwinkeln sah er einen grünen Lichtblitz aufleuchten.

'Zabini', schoss es ihm durch den Kopf. Doch als er sich so weit es ihm möglich war zu ihm umdrehte, sah er bereits, wie sie ihn an den Beinen vom Hof zerrten. Leblos...

"Beweg dich gefällst", zischte einer der Todesser, als sie ihn gemeinsam auf das unebene Stroh und Holzgemisch stießen.

"Ich denke, du bist so viel besser als wir", lachte ein anderer, als der Blonde das Gleichgewicht verlor und ins Straucheln geriet. Der Untergrund auf diesem elenden Haufen war alles andere als leicht zu betreten.

Doch Draco ließ es sich nichts anmerken. Betete aber zu Merlin, dass er nicht fallen und mit dem Gesicht voran im Stroh landen würde. Denn aufgrund der Armklammer würde er es sicherlich nicht alleine wieder auf die Beine schaffen.

"Das bin ich auch", sagte er süffisant und ließ sich mit dem Rücken gegen den Holzpfeiler in der Mitte des Haufens fallen.

Er suchte den Blick seiner Mutter, die seinen kurz streifte und dann doch in Tränen ausbrach. Einer der Todesser drückte seinem Vater eine Fackel in die Hand, die dieser zwar widerwillig, aber schließlich doch annahm.

"Lucius", hörte er seine Mutter mit großen Augen wimmern.

Sein Vater sah sie an, mit diesem Blick der 'welche Wahl haben wir?', bedeutete.

Draco blickte hinauf in den Himmel. Er sah das Stroh Feuer fangen. Spürte die Hitze, als der Haufen in Flammen aufging. Doch das Feuer schien sich langsamer auszubreiten, als er es erwartet hatte. Anscheinend sorgte ein Zauber dafür, dass es länger dauerte... dass er länger leiden musste.

Als er hinabsah, sah er seinen Vater mit verzweifelter Miene zurückweichen. Er ließ die Fackel in seiner Hand fallen. Starrte beinahe leblos in die Flammen.

Dann durchschnitt ein Fauchen den Tumult... und Schreie. Seine Mutter wirbelte herum. Konnte gerade eben noch einem Wesen ausweichen, das sich kreischend wie eine Hyäne auf einen Todesser stürzte.

Es folgten Weitere und Weitere. Das Kreischen wurde schier unerträglich. Doch das wurden auch die Flammen, die sich durch den dünnen Stoff seiner Hose unaufhaltsam in seine Beine fraßen. Seine Mutter versuchte die Flammen zu löschen – doch es war erfolglos.

Ein Bannspruch schützte den Scheiterhaufen. Blockierte alle Versuche diesen zu löschen.

Seine Mutter starrte benommen auf ihren Zauberstab. Dann ließ sie ihn sinken, umfasste den Zaum ihres Rocken und machte sich daran, in die Flammen zu steigen.

"Nein!", brüllte er, "Nein!"

Narcissa wich zurück, sah ihn verzweifelt an. Er schüttelte den Kopf.

Sie würde es nicht schaffen in die Flammen zu steigen und den Zauber zu brechen, der ihn an diesen Pfeiler band, bevor sie beiden starben. Sicherlich hätte man auch dafür gesorgt.

Eines der Wesen sprang von der Vormauer kreischend in die Flammen, offenbar um ihn anzugreifen. Doch als es ins Feuer sprang, schien der Zauber dieses zu verstärken und als es die Hitze spürte begann es zu schreien und sprang in den Hof. Dort angekommen warf es sich regelrecht einem Cousin von Nott an den Hals.

Dieser sah sein Glück gar nicht erst kommen und taumelte zurück. Noch bevor er auf dem Boden aufschlug, erlischte das Leben in seinen Augen.

"Verschwindet", brüllte Draco seinen Eltern zu. Überrascht stellte er jedoch fest, dass da nur noch seine Mutter vor dem Flammen stand und wahllos Feuerzauber auf die Wesen schickte.

Etwas sprang erneut zu ihm in die Flammen. Auch sie schrie, doch die Flammen hielten sie nicht ab.

"Du Narr", brüllte sie und suchte scheinbar nach seinen Fesseln, "du elender Narr."

"Sie sind magisch", schrie er der Lamia, die ihn noch vor einigen Tagen mit dem Gesicht in den Schlamm gepresst hatte, zu.

Sie sie ihn an. Schien zu verstehen.

Dann sprang sie hoch, kletterte den Mast hinauf. Sofort folgten ihr einige der Wesen, was diesen zum Schwanken brachte. Das Holz ächzte, brach und plötzlich fiel Draco zurück. Mitten in die Flammen, die sich in seinen Rücken fraßen.

Doch der Schmerz hielt nicht lange an, denn der Mast wurde Stück für Stück aus den Flammen gezogen.

"Bleib zurück, Magierin", hörte er seinen Schatten rufen, doch seine Mutter erschien dennoch über ihn, löste mühselig aber schließlich doch erfolgreich die magischen Fesseln, die ihn an Ort und Stelle hielten.

Er richtete sich auf. Die Wesen umkreisten sie fauchend und zischend, doch etwas schien sie zurückzuhalten.

"Wir müssen verschwinden. Ich kann sie nicht länger davon abhalten uns anzugreifen", sagte die junge Frau mit den grünen Augen, als sie ihm gemeinsam mit seiner Mutter auf die Beine half. Draco stöhnte vor Schmerz.

Wagte einen kurzen Blick nach unten... und bereute es fast wieder. Dort waren mehr Fleisch und Knochen zu sehen, als er es erwartet hatte.

Die Lamia begutachtete seine Wunden ebenfalls. "Sie sind tief", zischte sie, "doch du wirst es schaffen. Wenn dich das Virus nicht umbringt."

"Verschwinde", sagte er an seine Mutter gewandt, die ihm zögerlich ein paar angekohlte Strähnen aus dem Gesicht strich.

Narcissa musterte ihn verständnislos.

"Was willst du tun?", fragte er, "dich Potter und seiner Bande anschließen? Verschwinde, so wie es Vater getan hat. Ihr findet einen Weg, euch aus dieser Sache herauszureden. Sie sind alle tot oder werden es bald sein. Und wenn nicht, dann flieht. Ihr habt nichts mehr zu verlieren."

Sie sah ihn an. Rührte sich jedoch nicht.

"Zwing sie dazu. Zwing sie zu vergessen und zu gehen", sagte er an die Lamia gewandt, die ihn stützte.

Seine Mutter atmete tief durch. Doch dann nickte sie und verschwand in der Dunkelheit. Irgendetwas in ihrer Miene sagte ihm, dass sie es sehr widerwillig tat.

"Wir sollten gehen", knirschte die Frau an seiner Seite hörbar mit den Zähnen und zog ihn weiter.

Er spürte, wie sein Körper sich tatsächlich Schritt für Schritt regenerierte. Es war ein schier fantastisches Gefühl. Es hatte etwas Unbesiegbares. Grenzte jedoch auch an Größenwahn.

Der Gedanke ließ ihn heiser lachen.

Als sie den Scheiterhaufen passierten und sich durch den immer kleiner werdenden Tumult aus blutenden und schreienden Todessern und kreischenden Bestien kämpften, blickte der Blonde noch einmal auf die Flammen, die hätten sein Grab sein sollen. Sie schossen mittlerweile meterweit in die Höhe.

Und einer der Todesser schleuderte eines der Wesen mittels Schleuderzauber in die Flammen. Es kreischte, schaffte es aber sich wieder aus dem Feuer zu retten. Sofort stürzte es sich auf den Mann, verbiss sich mitten in seinem Gesicht und riss ihn schreiend zu Boden.

"Wir werden dich an einen Ort bringen, an dem du sicher bist", sagte die Frau.

"Wir werden Granger und Weasley suchen", entgegnete er und machte sich von ihrer Umklammerung los. Er fühlte sich wieder stark genug, um zu stehen.

Er wühlte in seinen ausgebrannten Hosentaschen, auf der Suche nach seinem Zauberstab – bis ihm wieder einfiel, dass diesen Rosier auf dem Feld an sich genommen hatte.

"Verdammt", fluchte er leise.

Die Lamia funkelte ihn aus giftgrünen Augen an. "Du bist ein Narr, Magier."

Er lachte. "Das sagtest du bereits. Und ich bin närrisch genug, um zu bleiben. Notfalls auch allein."

Sie knurrte, setzte sich dann aber in Bewegung, "hier lang", rief sie ihm über die Schulter hinweg zu.

Draco hatte Mühe, ihr zu folgen. Denn ihre Bewegungen waren ungemein leichtfüßig und flüssig. Sie wich Todessern wie Vitias gekonnt aus, schubste den einen oder das andere hier und da gewitzt gegeneinander, was stets in einem Kampf und in einem Blutbad endete.

Doch dann warf sie ein Lichtblitz zu Boden. Sie schrie, fing sich aber schnell wieder. Eindeutig zu schnell für den jungen Todesser, der sie mit einem Schockzauber zu Boden geworfen hatte.

Er lachte immer noch gehässig, als sie wieder auf die Beine sprang, ihn am Hals packte und gegen eine der Steinwände presste.

"Ihr zwei werdet sterben", brachte er würgend unter ihrem Griff hervor.

"Nicht heute", wisperte sie und da lag der bekannte Singsang in ihrer weichen Stimme.

Draco schloss langsam zu ihr auf, warf immer wieder einen prüfenden Blick nach hinten.

Nun lachte der Todesser nicht mehr.

"Töte sie", hauchte sie, "töte sie alle."

Der Blonde sah sie an. Sah, wie sie den Mann wieder auf die Beine stellte.

Er sah sie mit glasigen Augen an und verschwand. Schleuderte zwei Todessern, die offensichtlich dabei waren sie anzugreifen, zwei Todesflüche entgegen.

-v-

Ginny schoss vor ihr her und schleuderte wahllos verschiedenste Flüche durch die Gänge, während sie sich durch den immer wilder werdenden Tumult aus Todessern und Undogs nach oben kämpften.

Hier stimmte etwas nicht. Doch irgendwas an den Umständen schien Mione unglaublich zu beruhigen.

Denn die Massen, die ihnen entgegenkamen, schienen meistens eher panisch als kampflustig zu sein. Einer war ihnen mit glasigen Augen entgegen getaumelt, hatte ihnen seinen blutenden Armstumpf gezeigt und ihnen mitgeteilt, dass sie sich darin verbissen hatte und der Spreng-Zauber, der ihren Kopf weggesprengt hatte, auch seinen Arm abgerissen hatte.

Sie stürmten um die nächste Ecke, den Zauberstab gezückt als der Gestank von verbranntem Fleisch das erste Mal ihre Nase kitzelte. Etwas drehte sich in ihr um und sie wusste nicht, ob es ihr Magen oder ihr Herz war.

Jedoch blieb Ginny plötzlich stehen und sie stieß hart von hinten gegen sie. Vielleicht war es das, was ihr Innerstes wieder gerade rückte. Vielleicht war es aber auch Malfoy, der ihnen gegenüberstand.

"Malfoy", entwischte es ihr, als sie auf ihn zu stürmte.

Ganz offensichtlich war es der Plan ihres verrückten Körpers, wie in alle diesen kitschigen Filmen, die sie ab und an sah, um sich auf andere Gedanken zu bringen, in seine Arme zu stürzen. Vielleicht würde sie ihn sogar stürmisch küssen.

"Granger", entgegnete er und sie war sich nicht ganz sicher, ob er erfreut, überrascht oder was auch immer sonst war, als er sie sah.

Das spielte aber auch keine Rolle, denn sie rutschte auf etwas Glitschigem aus, stolperte und stürzte halb gegen die Wand und halb auf die Knie. Als sie sich umdrehte, sah sie, dass es eine abgetrennte Hand war. Mione verzog angewidert das Gesicht.

"Urgh", entwischte es ihr.

Als sie sich wieder umdrehte, stand er direkt vor ihr und half ihr wieder auf die Beine.

"Du lebst", hauchte sie und streichelte kurz und flüchtig über seinen nackten Oberarm. Der Stoff war zerfetzt. Fast sein ganzer Rücken schien frei zu liegen. Ebenso zerfetzt war der Stoff seiner Hosen, der bis zu den Knien nahezu komplett verschwunden war.

Außerdem war er barfuß. Seine Beine wirkten rosig. Die Haut wirkte merkwürdig dünn. Zudem konnte sie an manchen Stellen das rohe Fleisch sehen. Sie atmete schneidend aus.

"Ja", gab er überflüssigerweise zurück.

Sie machte sich wieder von ihm los, musterte ihn. Seine Augen waren entsetzlich blass. Nur die Korona stach hervor – durch die Blässe stärker als jemals zuvor. Und seine Haut zierte ein Dutzend grauer Adern. Selbst seine Lippen hatten einen gräulichen Schimmer.

"Ihm geht das Blut aus. Wir müssen ihn zurückbringen, bevor er ohnmächtig wird."

Mione sah überrascht auf. In das Gesicht einer jungen Frau. Mit blassen grünen Augen. Optisch nicht älter als 25. Tatsächlich war sie aber sicherlich sehr viel älter als das.

Auch ihre Haut war bedenklich blass und mit kleinen grauen Adern übersät. Und auch ihre Kleidung schien zu großen Teilen zerfressen zu sein.

'Das Feuer', schoss es ihr durch den Kopf, als sie die Lamia musterte.

"Außerdem wird diesen Biestern da oben bald das Futter ausgehen. Sie sind abgerichtet, tun was ich ihnen sage. Aber wenn sie hungrig sind und nichts mehr da ist, was ich ihnen zum Fressen vorwerfe, dann fressen sie sogar mich."

So als wollte man ihre Worte unterstreichen, drang aus dem vermuteten Hof zu ihrer linken ein unmenschlicher Schrei zu ihnen durch.

"Verstanden. Wir sollten verschwinden", meldete sich Ginny zu Wort.

"Wo ist Zabini?", fragte Mione an den Blonden gewandt, als sie der Lamia durch die Gänge folgten.

So wie es aussah, schien diese zu wissen, wo es langging. Jedenfalls hoffte sie es.

"Tot", sagte Malfoy.

Sie seufzte.

Doch ihr blieb nicht viel Zeit, denn die Lamia beschleunigte ihre Schritte, warf ihnen ein "sie kommen", über die Schulter hinweg zu und das Kreischen, welches sich hinter ihnen durch die Gänge grub, ließ sie schneller laufen.

"Sind sie alle tot?", hörte sie Ginny rufen, die direkt hinter der Frau war.

"Vermutlich", gab diese zurück, stieß mit Leichtigkeit eine Tür auf, die schwer genug für drei ausgewachsene Männer zu sein schien. Und hinter dieser wartete endlich die ersehnte Freiheit.

Doch ein Schockzauber traf sie im Rücken, warf sie zu Boden. Malfoy kam neben ihr ebenfalls ins Taumeln, da sie gegen ihn fiel. Ginny wirbelte herum, warf einen Zauber zurück. Doch der Magier, der sich in ihrem Rücken befand, schleuderte einen weiteren Zauber zurück, dem die Weasley gerade eben ausweichen konnte. Jedoch traf er die Lamia, die lichterloh in Flammen aufging.

"Feuer", hauchte Malfoy und war augenblicklich auf den Beinen. Doch Ginny war schneller und löschte die Frau mittels Wasserzauber – jedenfalls so lange, bis auch sie ein Schockzauber traf.

"Habt ihr wirklich gedacht, ihr könntet so einfach fliehen?", fragte Rosier spöttisch grinsend und trat an ihnen vorbei. Als er Malfoy erreicht hatte, der sich nur wenige Meter neben der schwer verletzten Lamia befand, richtete er seinen Zauberstab lachend auf dessen Brust, "eine wirklich beeindruckende Einlage. Das muss ich euch allen lassen. Ihr habt einen mächtigen Verbündeten gefunden."

Dabei musterte er die Lamia, die zitternd im Gras lag. Mione richtete sich langsam auf, versuchte die Lage einzuschätzen. Sie konnte nicht viel sehen, doch die Haut und das Fleisch der jungen Frau schien zu großen Teilen verbrannt zu sein.

Ihr eigentlich so schönes Gesicht bestand aus einer einigen, blutigen und verkohlten Farce und nur noch wenige Strähnen ihres langen und dunklen Haares umspielten ihren nackten und entsetzlich verbrannten Körper.

Sie versuchte sich aufzurichten, fauchte ihn mit fast weißen Augen an. Da war nur noch ein minimaler grüner Schimmer in ihren Iriden.

'Umso blasser ihre Augen, umso schwächer sind sie', erinnerte sie sich an Sparks Worte.

Rosier setzte zu einem weiteren Zauber an. Einer, der die Frau ganz sicher töten würde.

"Glaubst ihr nicht, dass sie der dunkle Lord gerne lebend haben würde. Wo ihresgleichen doch so viele der seinen auf dem Gewissen hat?", fragte sie.

Der Todesser wandte sich langsam zu ihm um, musterte sie abfällig. "Wer hat dir erlaubt zu sprechen, Schlammblut?"

"Sie hat recht", sagte nun auch Malfoy, "ich bin nicht der Einzige. Sie haben auch Winters infiziert, wie du vielleicht weißt", er drehte sich zu dem Älteren um, der jedoch skeptisch dreinschaute, "vorausgesetzt, du bist wichtig genug", fügte er sichtlich und hörbar belustigt und herausfordernd hinzu.

"Natürlich weiß ich das", zischte der Todesser und blickte zweifelnd auf die Lamia hinab, die nur wenige Zentimeter vor ihm im Gras lag.

"Sie braucht Blut, oder sie wird sterben", sagte Malfoy.

Der Todesser lachte. "Veralbere mich nicht, Malfoy. So schnell sterben sie nicht."

Der Blonde nickte, schien einen Blick mit der Lamia zu tauschen. Mione warf Ginny einen Blick zu, die langsam auf die Frau zu kroch.

"Goldrichtig, Rosier. Allerdings hat sie mich aus dem flammenden Inferno da drin befreit und es mit einem Dutzend Undogs und Todessern aufgenommen. Sie war bereits sehr geschwächt, bevor du sie mit deinem hitzigen Sprüchlein getroffen hast."

Rosier starrte sichtlich unschlüssig vom einen zum anderen. Es war offensichtlich, wie sehr es gerade in seinem Kopf arbeitete. "Ich habe immer noch dich."

Der Blonde zuckte mit den Schultern. "Ich kann seine Fragen nicht beantworten. Das wusste er auch, sonst hätte er mich da drin sicherlich nicht zum Tode verurteilt", er sah die Lamia lange an und antwortete dem Todesser ohne ihn anzusehen, "er wird sich vor Begeisterung einnässen, wenn du sie tötest und mich stolz präsentierst."

Der Todesser atmete schneidend aus. "Dann gebt ihr gefälligst Blut", fluchte er lautstark und sah Malfoy herausfordernd an.

"Er ist infiziert", sagte Ginny und richtete sich auf, "ich werde es tun."

Rosier nickte zufrieden, blickte zwischen dem Rotschopf, die der Lamia ihren Unterarm hinhielt, in welchen das Wesen sofort seine Fänge vergrub, und dem Lockenschopf und Malfoy hin und her.

"Ich bin mir allerdings nicht sicher, ob ich dich noch brauche", sagte der Alte schließlich an den Blonden gewandt, "immerhin hat er dich bereits zum Tode verurteilt."

Mione zuckte etwas zusammen, Malfoy schien aber ruhig zu bleiben.

"Ja, das ist richtig", sagte er, "vielleicht bist du doch cleverer als erwartet."

Rosier grinste breit und hob den Zauberstab.

"Aber nicht clever genug", zischte Ginny, heute zum zweiten Mal aus dem Hinterhalt.

Er schaffte er gerade eben noch sich nach ihr und der Lamia umzudrehen, die nach wenigen Schlücken bereits wieder von Ginnys Arm abließ und ihm fauchend auf die Brust sprang. Mit unmenschlichen Bewegungen kletterte sie ihm auf den Rücken und umschlang ihn mit Armen und Beinen wie eine Spinne. Seine Versuche sie abzuschütteln waren erfolglos.

Rosier brüllte, schrie und schickte einen verzweifelten Zauber über seine rechte und linke Schulter hinweg. Jedoch erfolglos. Die Frau grub ihm die Finger ihrer rechten Hand tief in die Brust, so als wäre diese aus Butter. Ihre Linke vergrub sie in seinen grau-melierten Haaren und zog seinen Kopf zur Seite. Er schrie erneut, als sie ihre Fänge in seinen Hals bohrte.

Er taumelte zurück, brüllte und jagte einen weiteren Zauber durch die Luft.

Dann brach er zusammen, begrub die zierliche Frau unter sich, die ihn aber mit wenigen Bewegungen nach unten gedreht hatte. Für ein paar weitere Schlücke kauerte sie auf seinem Rücken und hatte ihr Gesicht tief in seinem Nacken vergraben, während ihr das lange Haar büschelweise wieder nachwuchs.

Das Grass verdunkelte sich durch das Blut, das aus seiner aufgerissenen Halsschlagader sprudelte. Und Mione Herz begann ein wenig schneller zu schlagen, als die Frau sich langsam und sichtlich wackelig aufrichtete.

Splitternackt, doch nach wie vor war da deutlich mehr rohes Fleisch als Haut zu sehen – auch wenn sie sich durch das frische Blut sichtlich zu heilen schien.

Ein entsetzliches Kreischen ertönte aus dem Inneren der Burg. Der Wind schwächte es ab, trug es aber bis zu ihnen.

„Sie kommen", hauchte die Lamia kaum hörbar, „wir müssen gehen. Sofort." Sie taumelte herum, stieg über Rosiers Kadaver, der nach wie vor auf dem Boden das letzte bisschen Blut verlor und somit ausblutete. Dabei geriet sie stark ins Taumeln, sodass Ginny sie abfangen musste.

Rosiers linke Hand zuckte noch ein paar Mal, bevor auch sie still wurde.

"Wir müssen sie hier wegbringen. Beide", flüsterte Ginny und machte sich daran, die zierliche Frau zu stützen, was überraschenderweise schwerer zu sein schien, als es aussah.

"Wartet", sagte Malfoy, als er rüber zu Rosier trat. Eine Sekunde dachte sie, er würde sich ebenfalls ein paar letzte Schlücke gönnen. Doch er beugte sich zu diesem runter und begann dessen Taschen zu durchsuchen, "er hat meinen Zauberstab."

Dann richtete er sich wieder auf, verstaute seinen Zauberstab fahrig im Bund seiner zerfetzten Hose und trat rüber zu Ginevra, die ihn skeptisch ansah. "Gib sie mir", sagte er dann, "sie lässt sich hängen wie ein nasser Sack."

"Dir geht das Blut aus", gab Ginny schroff zurück.

Der Blonde rollte genervt mit den Augen und wich zurück.

"Sie hat recht", sagte sie an den Slytherin gewandt, dessen Augen noch blasser als zuvor wirkten, "du brauchst Blut. Du bist schwach."

Er runzelte die Stirn, sagte aber nichts, als sie zum nächsten Portschlüssel apparierten.


Vorschau:

"Ich fühle mich jetzt schon wie ein verdammter Undog", knurrte er.

Sie entschloss sich, diese elende Spitze zu ignorieren. Dennoch ließ es sie einen Moment in jeder Bewegung stocken: oder eher der Gedanke daran, dass er einmal eines dieser Wesen werden konnte.

Mione sah ihn an. Schweigend. Doch er verstand eindeutig auch wortlos, was sie ihm sagen wollte. Er rollte mit den Augen und wandte den Blick ab.


Ich weiß, ich bin dieses Mal recht spät dran. Das tut mir wirklich leid. Aber ich war in den letzten Tagen beruflich sehr ausgelastet und kam einfach nicht dazu, das Chapter zu überarbeiten und zu posten. Das wollte ich am vergangenen Wochenende nachholen – allerdings war ich nicht Zuhause und habe das Dokument blöderweise daheim vergessen. Shit happens and when it happns, it happens twice... Aber, wie gesagt: Es tut mir leid.

Vielen, vielen Dank für die lieben Reviews, Favos und und und. Hat es euch gefallen oder auch nicht? Lasst es mich wissen. :) *auf Review-Button zeig".

Reviewtime:

die-na: Jaja, der arme Ron. Lach Aber er wird es überstehen... denke ich jedenfalls. ;)

nibin: … so lange es eine angenehme und nebenwirkungsfreie Droge ist... ;) Und ja. Die Blaise Frage dürfte sich geklärt haben. Bis bald. :)