Anmerkung: Ich hab mich diesmal nicht an Mainewriters Wörteranzahl gehalten. Ich fand, das wäre Blödsinn, da sie sich sowieso nicht an die 100-Wörter Marke hält. Alle sind aus Anregungen (oder eben Aufträgen ) von Fans entstanden.
Auftrag, bitterkalt
Lazy L Farm
Quanah, Texas
„Verdammt, ich hasse es, krank zu sein." Jack nahm sein Taschentuch und putzte sich erneut die Nase. Seine Augen hatten rote Ränder und waren geschwollen.
„Soll ich dir was holen, vielleicht eine Tasse Tee?", fragte Ennis.
„Nein, setz dich hier zu mir und leiste mir Gesellschaft.", erwiderte Jack und klopfte auf den Couchplatz neben sich.
Ennis nahm Jack fest in die Arme und legte ihm eine Decke um die Beine. „Komm her, Babe.", sagte er sanft und spürte, dass Jack sich an seinen Körper schmiegte wie eine Katze.
„Ich friere verdammt und werde einfach nich warm."
Ennis fühlte, dass Jack zitterte und rieb seine Arme, um ihn mit seiner eigenen Körperwärme zu wärmen. Dann sagte er plötzlich: „Tut mir Leid, Jack, sorry wegen allem."
„Sorry wofür?", murmelte Jack, der einen Kopf an Ennis' Brust gelegt hatte.
„Dafür, dass ich dich all die Jahre zum Campen überredet hab in der verdammten Kälte. Da hast du auch immer so gezittert und dir wurde nich warm."
„Du musst dich nicht entschuldigen, En. Das ist lange her."
„Ja, aber wenn du eine Erkältung bekommen hättest, hätten dir alle Muskeln wehgetan. Ich hab's immer gehasst, wie ramponiert du vom Rodeo warst, bis wir hier in Quanah waren. Und ich hab dich auch noch dazu gezwungen auf dem Boden bei Schnee und Regen zu liegen… was war ich bloß für ein Idiot."
„Das ist alles Vergangenheit, En. Mach dir keine Gedanken. Jetzt bist du hier und hältst mich warm."
„Ich weiß nicht, ob ich genug Wärme in mir hab, um die kalten Tage von damals wettzumachen."
„Das hast du, Babe, glaub mir. Ich fühle es schon."
„Tust du?"
„Tue ich."
„Ich liebe dich, Jack."
„Ich weiß."
(280 Wörter)
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Auftrag, Narzissen
Riverton, Wyoming
April, 1975
Ennis reichte Alma die Blumen und das grüne Papier fiel von ihnen ab. „Hier, ich hab da was für dich.", sagte er fast grunzend.
Sie besah sich die zehn Narzissen, die mit einem grünen Band zusammen gehalten wurden. „Wofür sind die?"
„Ich fand sie schön und dachte, du würdest sie mögen."
„Du hast mir noch nie Blumen geschenkt, Ennis, was hast du dir dabei gedacht?"
„Sie haben sie im Supermarkt verkauft… für einen guten Zweck. Die Pfadfinderinnen glaube ich."
Alma nahm ein Glas aus dem Regal und füllte es mit Wasser, ehe sie sich wieder an Ennis wandte. „Wir können uns kaum das Essen auf dem Tisch leisten und du wirst Geld für Narzissen aus dem Fenster? Was hast du dir nur dabei gedacht, Ennis?"
„Ach verdammt! Ich hab nur versucht, was Nettes zu tun.", sagte er und stürmte zur Tür hinaus. Als die Tür hinter ihm zugefallen war, zündete er sich eine Zigarette an.
„Scheiße, einfach nur was Nettes für dich, Alma.", dachte er, dann aber hielt er inne. „Nein, nicht Alma. Es bist du, Jack. Die Blumen erinnern mich an dich und an den Berg und an den Frühling und die gelben Kolumbinen, die überall auf dem Fels wachsen und auch am Berghang…"
Er stieg die Treppe hinab und warf sich in den Truck, dann hielt er inne und sein Kopf fiel auf das Lenkrad. „Warum zur Hölle kann ich nie was richtig machen… bei keinem?", fragte er sich selbst.
(242 Wörter)
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Auftrag, Zeitung oder Magazin
Lazy L Farm
Quanah, Texas
Irgendwann am späten Abend, meistens wenn Jack schon ins Bett gegangen war, nahm Ennis eines von Hals alten „physischen" Heften. Er fand die Bilder nicht wirklich erotisch, aber sie stellten eine Verbindung zu Hal dar, er dachte an ihn, saß im selben Wohnzimmer und schaute dieselben Bilder an, die Hal vor vielen Jahren angesehen hatte.
Ennis nahm eines aus dem Schrank und bemerkte das Darum, Oktober 1960. Eine Zeichnung von Tom aus Finnland war auf dem Cover. Er hatte Toms Typ schon erkannt… ein hübscher Mann mit frisiertem Haar, breiten Schultern, festem Hintern. „Das ist wohl sexy.", dachte Ennis, wirklich überzeugt war er aber nicht.
Er blätterte die Seite um und sah das Bild eines Mannes, der sich auf einem Motorrad räkelte. Dann fiel ihm ein Blatt Papier auf, das eng gefaltet in die Rille gesteckt war. Ennis zog es verwirrt heraus. Es war ein Brief, der mit einem Bleistift geschrieben war.
17. Oktober 1963
Lieber Hal,
Heute reise ich ab. Letzte Nacht haben wir uns verabschiedet und das heißt wohl, dass wir uns nie wieder sehen und ich nächsten Sommer nicht wieder kommen werde. Ich glaube nicht, dass wir telefonieren werden, wir müssen einen klaren Schlussstrich ziehen.
Aber ich will dir was sagen und ich leg es hier hin, weil ich weiß, dass du das Bild magst. Hoffentlich siehst du es. Wahrscheinlich nicht innerhalb der nächsten Wochen oder Monate aber das macht nichts. Jetzt hab ich wohl alle Zeit der Welt.
Ich liebe dich, Hal, ich werde dich immer lieben, das weiß ich, bis an mein Lebensende. Ich breche mir selbst das Herz, weil ich nicht den Mut aufbringe, mit dir zu leben. Es tut mir Leid, Hal. Du bist ein besserer Mann als ich. Du verdienst besseres als mich. Ich hoffe du findest den Richtigen.
Mein Herz gehört dir,
Pete
Ennis faltete das Blatt wieder und legte es in die Zeitschrift zurück. „Da werde ich nie mehr reinschauen.", dachte er, während er nach oben zu seinem schlafenden Lover ging.
(331 Wörter)
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Auftrag, Lebensmittelladen oder Shopping-Center
Childress, Texas
Herbst 1966
Jack trotte Lureen hinterher, als sie ihren Einkaufswagen den Gang hinab schob. Er hasste es, einkaufen zu gehen aber vermutete, dass er das als frisch gebackener Ehemann wohl tun musste. Außerdem war sie im sechsten Monat schwanger und es war wahrscheinlich eine gute Idee, wenn er ihr half, die Pakete zu heben und zu tragen.
„Welche Marmeladensorte magst du, Jack? Erdbeere oder Himbeere?"
Er zuckte die Achseln. "Ist beides gut, Schatz. Ich erkenne nich mal den Unterschied, ich will nur was Süßes auf meinem Toast."
„Erdnussbutter? Skippy oder Jif?"
"Was stimmt denn nicht mit dieser Marke?", fragte er und hob ein IGA Gas hoch. „Die hat meine Mama immer gekauft. Wir konnten uns das teure Zeug nich leisten."
„Ach, Jack!", sagte sie und warf ihm einen wütenden Blick zu. „Es gibt einen großen Unterschied zwischen dem da und den richtigen Marken! Mein Mama hat NUR Skippy gekauft, deswegen mach ich das auch."
Sie gingen weiter den Gang hinab, dann stoppte Lureen, um eine Dose Bush Bohnen in den Wagen zu legen.
„Nein, nicht die… kauf lieber die.", sagte Jack und gab ihr stattdessen eine Dose Bettermost Bohnen.
„Nein, die nicht! Ich hasse Bettermost! Sie sind immer so matschig und süß."
„Aber es sind meine Liebsten."
Lureen verzog das Gesicht. „Sie sind billig und ekelhaft, Jack. Wir können uns richtige Bohnen leisten. Meine Mama hat immer die von Bush gekauft."
Jack hob die Schultern. „Gut, wie auch immer."
(241 Wörter)
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Auftrag, Holzofen, Handschuhe oder Fäustlinge
Don Wroes Hütte
November 1970
Ennis legte ein weiteres Holzscheit auf den Ofen, als Jack in die Hütte kam. Sein Atem bildete Wölkchen. „Verdammt, Ennis, hier drin sind es ja mindestens 40 Grad! Was machst du denn da?" Er steckte seine Handschuhe in die Tasche und nahm den Mantel ab.
„Das war mein Plan.", grinste Ennis.
„Was war dein Plan?"
„Ich hab eine Hütte mit Bett und Ofen besorgt. Da fehlte mir in diesem Bild nur noch ein nackter Jack. Wenn es hier drin heiß genug ist, krieg ich auch das."
Jack lachte. „Ein nackter Jack? Was wenn ich schüchtern bin und hier nicht nackt rumsitzen will?"
„Du wirst nicht sitzen, Jack.", sagte Ennis zwinkernd.
„Nun, ich denke ich weiß, was meine Schüchternheit kuriert."
„Und was?"
„Ein nackter Ennis. Komm her, Cowboy.", sagte Jack und winkte mit dem Finger.
(134 Wörter)
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Auftrag, Dach
„Nun, ich danke, Morgen früh packen wir und dann fahre ich nach Lightning Flat.", sagte Jack und stocherte mit einem Stock in der Asche des Lagerfeuers herum. „Mein Daddy sagt, dass der letzte Sturm einige Dachziegel runtergeweht hat. Ich werde ihm ein paar Tage lang bei der Reparatur helfen."
„Ich wünschte, ich könnte mit dir gehen.", sagte Ennis leise. „Zusammen wären wir im Nullkommanix fertig."
Jack sah ihn an und eine Milliarde Antworten schossen ihm durch den Kopf.
„Ja, es wäre schön, wenn du mir hilfst… und mal meine Leute kennen lernst. Vielleicht wird dann die Beziehung endlich ernsthaft."
„Wenn du sowas sagst, Ennis, streust du nur Salz in die Wunde. Du weißt gar nich, wie weh das tut."
„Wahrscheinlich bist du besser mit Hammer und Nägeln als ich, Ennis. Du bräuchtest wohl nur halb soviel Zeit wie ich."
„Was hält dich auf? Steig in den Truck und los geht's."
Aber alles, was Jack sagte, war: "Du hast deine Mädchen, Ennis, und deinen Job. Du weißt, dass du dir nicht länger frei nehmen kannst."
Ennis nickte. „Ja. Das stimmt."
(179 Wörter)
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Auftrag, Kerzen und Toaster
Lazy L Farm
Quanah, Texas
Jack war in der Küche und drückte gerade den Schalter am Toaster herunter, als Ennis hereinkam. „Was machst du da?", fragte er.
„Ich mach mir einen Mitternachtsimbiss aus Toast und Erdnussbutter.", sagte Jack. Er spähte in den Toaster und wartete darauf, dass er fertig war, aber als dies soweit war, kamen keine Toasts heraus. „Ach verdammt.", meckerte er. „Schon wieder hängen geblieben. Wir müssen einen neuen Toaster kaufen, Ennis, das Ding hier ist am Arsch." Er griff zur Schublade und holte ein Messer heraus, womit er dann im Toaster herumstocherte, um das Brot heraus zu bekommen.
„Jack, lass das! Steck da kein Messer rein…!" Aber ehe die Worte aus Ennis' Mund gekommen waren, sprühten Funken und plötzlich waren alle Räume des Erdgeschosses in Dunkelheit gehüllt.
„Ach scheiße! Ich hab die Sicherungen rausgehauen."
Ennis wühlte in einer Schublade und holte eine Taschenlampe heraus. Er klickte auf den Schalter und… nichts passierte. „Verdammt, Jack, was ist denn mit der Taschenlampe? Warum sind die Batterien leer?"
„Keine Ahnung. Hier, ich nehm diese Kerze." Und nach einem Strich mit dem Streichholz erhellte ein kleiner Lichtkreis den Raum.
„Gib mir die, ich tausche die Sicherungen aus." Ennis ging die Kellertreppe hinab.
Jack wartete, aber die Lichter blieben aus. Er hörte Gefluche, dann erschien Ennis wieder an der Treppe. „Wir haben nicht die richtige Sicherung!", rief er. „Was ist das nur für ein Haus? Keine Batterien, keine Sicherungen?"
„Beruhig dich, Babe.", sagte Jack und nahm ihm die Kerze aus der Hand. „Wir gehen Morgen in die Stadt und holen das ganze Zeug… und den neuen Toaster. Lass uns jetzt ins Bett gehen."
„Ins Bett?"
„Ja, für das, was wir da tun, brauchen wir kein Licht."
„Wolltest du nicht einen Snack?"
„Ich hab keinen Hunger mehr.", sagte Jack zwinkernd.
(292 Wörter)
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Auftrag, Brille (Sonnenbrille)
Quanah Rexall Drogerie
Quanah, Texas
Ennis stand an dem Stand mit den Sonnenbrillen und drehte ihn langsam herum, während er wartete, bis Jack die Fotos geholt hatte, die sie zum Entwickeln weggebracht hatten. Er zog eine Sonnenbrille an, besah sich selbst im Spiegel und schüttelte den Kopf.
„Ich mag die.", sagte Jack und wies auf eine andere, als er neben Ennis trat.
„Ich kauf keine Sonnebrillen. Ich hab noch nie eine angezogen. Warum nicht?"
„Du trägst einen Hut, Ennis."
„Häh?"
„Einen Hut.", sagte Jack und zeigte auf den, den Ennis in der Hand hielt. „Der wirft Schatten auf deine Augen."
Ennis sah langsam von den Sonnenbrillen auf seinen Hut und schließlich zu Jack. „Ach ja richtig.", sagte er.
(113 Wörter)
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Auftrag, Fajita, Freund
Ennis saß auf den Stufen seines Wohnwagens und rauchte eine Zigarette, als er Curts braunen Camaro die Straße hinab kommen sah. Er blinzelte und sah Junior am Lenkrad. Er ging hinüber, als sie in den Hof fuhr.
„Daddy, du brauchst wirklich ein Telefon.", sagte sie und stieg aus.
„Wie wär's mit Hallo?", fragte Ennis, beugte sich zu ihr und küsste sie auf die Wange.
„Ja, sicher, hallo Daddy.", sagte sie, küsste ihn ebenfalls und umarmte ihn. „Ich bin hier, um zu fragen, ob du heute Abend mit mir und Curt Mexikanisch Essen gehen willst. Da gibt es ein neues Restaurant in der Stadt, das echt gute Fajitas hat."
„Ach, danke Schatz, aber ich mag nicht gerne Mexikanisches Essen."
Junior sah verwirrt aus. „Wie meinst du das, Daddy? Du hast immer Mexikanisches Essen gegessen, sowas wie Tacos und so..."
Ennis zuckte die Achseln. „Weiß nich… ich, ich... vertrag's nich so gut in letzter Zeit. Ich mag einfach nicht, dass es… so schlechte Erinnerungen wachruft. Was meinst du, gehen wir stattdessen zu Knife und Fork?"
„Ach, das hab ich so satt und Curt liebt Mexikanisch."
„Nun, dann geht lieber ohne mich, Schatz. Ich hab sowieso noch was zu tun und du willst bestimmt nicht, dass ich eure schöne Zeit versaue." Er öffnete die Autotür und half Junior wieder auf den Fahrersitz. „Danke für die Einladung. Danke, dass du an mich denkst."
"Klar.", sagte Junior nickend. "Und, Daddy, du brauchst wirklich ein Telefon."
(240 Wörter)
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Auftrag, exquisit
Oktober 1963
Ennis und Alma saßen auf dem Vordersitz seines Wagens, Ennis' Arm hing locker um Almas Schulter. Sie wandte den Kopf und lächelte ihrem zukünftigen Ehemann zu. „Weißt du, Ennis, ich dachte, da wir ja in drei Wochen heiraten, könnten wir vielleicht in den Juwelierladen gehen und Ringe kaufen."
Ennis sah sie an. „Ich hab nich viel Geld… Aguirre hat mich um einen Monatslohn betrogen. Ich kann mir nichts Teures leisten."
„Ich brauch keine Diamanten, Ennis. Nur einen einfachen Goldring, um zu zeigen, dass wir verheiratet sind."
Ennis wandte den Kopf und sah Alma nüchtern an. „Du willst das wirklich durchziehen?"
„Natürlich, ich liebe dich."
Ennis nickte, aber er antwortete nicht.
Oktober 1965
Lureen beugte sich über die Glasvitrine und wies auf einen großen, geschliffenen Diamantring. „Oh, sie mal, Jack, der da!", rief sie aus. „Der ist ja exquisit!"
„Und kostet wahrscheinlich ein Vermögen. Ich habe nicht soviel Geld.", sagte Jack und sah den Ring abschätzig an, als der Juwelier ihn herausnahm.
„Ach, mach dir darüber keine Gedanken. Daddy kann uns was leihen… zur Hölle, wahrscheinlich kauft er uns das Ding sogar, wenn du mich fragst." Sie sah den Juwelier an. „Was haben sie denn so an Herrenringen? Irgendetwas mit einem Diamanten."
"Einen Diamantring für mich?", stotterte Jack. „Das ist nicht richtig, ich will was Glattes und Einfaches. Zur Hölle, ich weiß gar nicht, ob ich überhaupt einen Ring tragen will."
„Natürlich trägst du einen Ring und er wird einen Diamanten haben. Schließlich heiraten wir."
Jack nickte, aber er antwortete nicht.
(252 Wörter)
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Auftrag, Schnürsenkel
Riverton, Wyoming
Ennis sah seinen Töchtern zu, die mit ihren Puppen spielten, während der Fernseher im Hintergrund plärrte. Das Telefon in der Küche klingelte und er schälte sich aus dem Sofa, um dran zu gehen. „Hallo?", sagte er mehr fragend als grüßend.
„Ennis, hier ist Jack."
„Jack!"
„Ja, Jack. Ich bin im Siesta, kannst du herkommen?"
"Was zur Hölle...?"
"Ich bin auf dem Weg nach Lightning Flat, meine Mama ist krank, ich muss sie besuchen. Aber ich dachte, ich könnte ein paar Stunden Pause machen…" Er hielt inne, dann sagte er mit leiser Stimme: „Ich brauche dich, Kumpel."
„Gib mir zwanzig Minuten."
„Ich bin in Zimmer elf, dasselbe wie letztes Mal."
Ennis warf den Hörer auf die Gabel und rannte ins Wohnzimmer. „Hört mal, Mädels.", sagte er. „Das war mein Boss. Die jungen Kühe kalben, ich muss arbeiten."
Er holte Jennys kleine Sneakers und presste sie auf ihre Füße. Schnell band er die Schnürsenkel zu. Er konnte nicht aufhören zu grinsen, als er an Jack dachte, der am Stadtrand in einem Motel auf ihn wartete. „Junior, wo sind deine Schuhe, komm schon, wir müssen los."
„Aber Daddy, Mama ist arbeiten. Du musst auf uns aufpassen."
„Ich bring euch in den Laden rüber. Eurer Mama wird schon was einfallen. Ich muss los!" Er packte seine Töchter, jede unter einem Arm und rannte zur Tür hinaus, Puppen und der Fernseher waren vergessen, die Lüge mit der Arbeit hing in der Luft. Jack war alles, was zählte.
(242 Wörter)
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Auftrag, Kardinal
14. Februar 2007
Lazy L Farm
Quanah, Texas
„Morgen, Cowboy."
Ennis wandte sich vom Fenster ab, als er Jacks Stimme vernahm. „Dir auch Morgen. Fröhlichen Valentinstag."
"Valentinstag? Ach, scheiße, den hab ich vergessen."
„Also hast du mir keine Karte besorgt?"
„Ich hab gar nichts besorgt. Tut mir Leid. Ich vermute, dass du mir was besorgt hast…" Jack hielt inne.
"Wo wir davon reden.", erwiderte Ennis und winkte Jack mit dem Finger zu sich. „Komm her."
Er wies aus dem Fenster auf das Vogelhaus, welches an den Ästen einer großen Eiche in ihrem Vorgarten hing. Ein hellroter Kardinal hüpfte auf dem Boden herum und pickte die dort verteilten Körner auf.
„Ein Kardial!", sagte Jack. „Wie zur Hölle kommt denn ein Kardinal nach Quanah, Texas?"
"Weiß nich. Er ist letzte Woche aufgetaucht und ich hab Sonnenblumenkerne gekauft, um ihn hier zu halten. Sieh mal.", fügte er hinzu. „Da ist seine Partnerin." Er wies auf einen braunen Vogel mit einer orangen Brust, der auf dem Rand saß. „Das Männchen hat sie zuerst essen lassen und sie bewacht, jetzt passt sie auf ihn auf."
Sie beobachteten eine Weile schweigend die Vögel, dann grinste Jack. „Weißt du noch, diese Fanfiktion, die ich gelesen hab…?", sagte er.
„Welche, die lange?" Jack nickte. "Liest du immer noch daran?"
„Hin und wieder. Eigentlich warte ich nur auf die Sexszenen."
Ennis lachte. "Ja, das tust du. Also was ist damit?"
"Naja, in dieser Geschichte, hat sie es auch so geschrieben, dass du Vögel beobachtest."
„Hm. Naja, da hatte sie wohl Recht."
„Sie hat viel Richtiges über dich geschrieben, Ennis."
Ennis musterte Jack eine Weile. „Ich sag dir was…"
„Was?"
„Ich beobachte lieber hier mit dir in Quanah Vögel, als mit jemand anderem in Laramie."
Jack lachte. „Das darfst du nochmal sagen. Fröhlichen Valentinstag, Babe. Danke für den Vogel."
(291 Wörter)
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Auftrag, ein schwerer Woll-Sweater
Don Wroes Hütte
Mai 1976
Ennis stellte die Teller vom Mittagessen in die Spüle. Er wollte sie später abwaschen, wenn sie etwas Wasser auf dem Ofen heiß gemacht hatten.
„Ich glaub, ich mach ein Nickerchen.", sagte Jack. „Ich bin immer noch müde."
„Klar.", erwiderte Ennis nickend und sah zu, wie Jack zum Bett hinüber ging. Er versuchte, ihn nicht anzustarren, als er seine Hose und das Shirt auszog und sich ins Bett legte, wo er sich zudeckte. Er trug noch immer sein T-Shirt und Boxer Shorts. „Ich sollte bei dir sein.", dachte er bei sich, noch immer verwirrt über Jacks Stimmung und Verschwiegenheit.
Innerhalb von Minuten hörte er ein leises Schnarchen und wusste, dass Jack schlief. Ennis, der tagsüber selten schlief, bemerkte, wie rastlos und nervös er war… er musste etwas tun. Er wühlte in dem Wandschrank herum und nahm Angelausrüstung hinaus, wobei er leise über die Ironie lachte. „Neun Jahre lang sind wir auf Angelausflügen gewesen und ich hab nie eigene Ausrüstung mitgebracht. Jetzt gehe ich also Fischen."
Er trat auf die Veranda und bemerkte, dass eine steife Brise aufgekommen war. Deshalb ging er ins Haus zurück, um sich eine Jacke zu holen, dann aber blieb er stehen. Jacks Rucksack lag offen auf dem Boden. Ennis griff leise hinein, schob die gefalteten Klamotten hin und hier, bis er fand, was er gesucht hatte… einen schweren Woll-Sweater in dunkelblau. Jack hatte den auf verschiedenen Angelausflügen dabei gehabt und Ennis hatte ihn immer bewundert… die dunkle Wolle, die zu Jacks blauen Augen passte und auch zu dem schimmernden Blau des Himmels. Eine Kombination, der Ennis nicht widerstehen konnte.
Er zog den Sweater über den Kopf und roch Jacks vertrauten Geruch nach Tabak und einem Hauch von Mottenkugeln. „Ich hoffe, das macht dir nichts aus, Kumpel.", wisperte er leise. „Ich leih mir den heute Nachmittag mal aus."
Er nahm die Angel und ging zur Tür hinaus.
(309 Wörter)
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Auftrag, blauer Himmel
April 1974
Ennis nahm den Sattel und legte ihn auf Banshees Rücken, zurrte die Riemen fest und richtete die Steigbügel. „Komm her, du fauler Hund.", rief er Jack zu, der den Kopf aus dem Zelt streckte.
„Was?", fragte Jack verschlafen und rieb sich die Augen.
„Komm raus und sattle Sioux auf. Ich mach nicht die ganze Arbeit allein."
Jack raffte sich auf und schloss seine Hose, während er zu den Pferden hinüber ging. „Warum gehen wir so früh reiten? Wir könnten im Zelt bleiben, noch etwas vögeln und dann später ausreiten."
Ennis schüttelte den Kopf. „Du warst schon immer der Faulere von uns beiden, Jack.", sagte er grinsend. „Ich bin schon seit Stunden wach und hab dir beim Schlafen zugesehen. Es ist ein herrlicher Frühlingsmorgen, lass uns ins die Berge gehen, einen schönen Ritt machen… dann…", fügte er zwinkernd hinzu, „können wir wieder zum Ficken zurück kommen."
„Ich bin faul und du ein Workaholic."
„Worka-was?"
„Workaholic… wie Alkoholic – Alkoholiker, nur dass du immer arbeiten willst."
„Hm.", schnaubte Ennis. „Das ist mein Urlaub, ich will mich amüsieren. Es ist keine Arbeit, mit dir zusammen zu sein."
„Keine Arbeit?"
„Natürlich nicht. Es ist diese Sache…" Er hielt inne und seine Stimme blieb ihm im Hals stecken. Er sah auf den Sattel hinab und hoffte, dass Jack die Tränen nicht sehen konnte, die ihm in die Augenwinkel stiegen. „Es ist diese Sache, die mich von Tag zu Tag bringt, die mich am Atmen hält und mich davon abhält, den Kopf zu verlieren.", sagte er sanft.
Jack trat näher an Ennis und fuhr mit seinem Handrücken an dessen Wange entlang. „Bei mir ist es auch so, Cowboy.", erwiderte er mit gleichfalls sanfter Stimme. Dann richtete er sich auf und trat zurück, seine Stimme wurde wieder normal. „Ich hol den Sattel von Sioux. Wir verschwenden nur Zeit."
Ennis grinste Jack zu und wischte mit der Hand über seine Augen. „Ich hab was ins Auge bekommen.", sagte er mit unschuldiger Stimme.
„Sicher.", sagte Jack. „Lass uns reiten gehen."
(332 Wörter)
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Auftrag, Peinlichkeit
Anmerkung von Mainewriter: Ich habe das „vermisste Hochzeitsbild" von Ennis und Alma auf entdeckt und das hat mich zu zwei zusammenhängenden Drabbles inspiriert.
Riverton, Wyoming
15. Juli 1976
Alma zog die Kommodenschublade auf und seufzte in sich hinein. Sie hatte fast alles im Apartment eingepackt, die Kisten waren in Monroes Bungalow gebracht worden. Nur noch ihre Kleidung und ihre persönlichen Dinge waren übrig. Ihre Hand strich über die abgetragene Unterwäsche und sie dachte, dass sie sich ein paar neue Sachen für die Hochzeit und die Flitterwochen kaufen könnte. Monroe sagte ihr immer wieder, dass sie sich keine Sorgen um Geld machen sollte, nun war es anders. Aber alte Angewohnheiten verlernt man nicht so schnell und sie kannte es nicht anders, als arm zu sein, man gab kein Geld für Spitzenunterwäsche aus.
Als sie in die Schublade griff, ertasteten ihre Finger einen hölzernen Rahmen und unter ihren Slips und BHs zog sie ihr Hochzeitsfoto heraus. Sie seufzte wieder und dachte, dass sie es jetzt wohl loswerden müsse. Ein peinliches Bild wie dieses sollte nicht herum liegen, wenn sie ihr neues Leben mit ihrem neuen Mann begann.
Sie drehte das Bild in den Händen und bemerkte wieder einmal, wie grimmig Ennis darauf aussah. „Ich sehe entschlossen aus.", dachte sie. „Er sieht aus, als wolle sein Blick töten."
Eine Träne fiel auf das Glas und sie wischte sie mit dem Finger weg. „Ach, Ennis, warum konnten wir es nicht hinkriegen? Ich hab dich so geliebt…" Eine weitere Träne rann ihre Wange hinab und sie wischte sie fort. „Hast du mich je geliebt?", murmelte sie. „Oder immer schon Jack? War immer er es, dem dein Herz gehörte?"
Mit einem erneuten Seufzer nahm sie das Bild aus dem Rahmen, dann ging sie in die Küche und legte es in die Spüle. Sie nahm ein Streichholz aus der Schachtel von der Fensterbank, zündete es an und berührte die Ecke des Fotos. Dann sah sie zu wie die Flammen sie beide verschlangen, erst Ennis, dann Alma. „Das war's. Jetzt ist Monroe mein Leben."
Sie warf den billigen Holzrahmen in den Müll, dann ging sie in das Schlafzimmer zurück, um zu Ende zu packen.
(328 Wörter)
15. Juli 1976
Quanah, Texas
Ennis öffnete die Schublade, um ein sauberes T-Shirt heraus zu nehmen, dann hielt er inne und nahm einen Stapel Schnappschüsse, die oben auf der Kommode lagen. Dies waren die Bilder, die sie gemacht hatten, als sie mit dem Streichen fertig waren: eine Reihe an Bildern vom Haus, um sie Hal zu zeigen, Ennis in Shorts, ein grinsender Jack. Ganz unten im Stapel waren ein paar von ihnen beiden, die Tom Lawrence gemacht hatte – stehend, sitzend, Ennis, der seinen Arm um Jacks Schulter gelegt hatte.
Ennis nahm eines der Bilder von sich alleine und sah es genau an. Er erkannte, dass er sich nur selten auf einem Foto gesehen hatte. Er musterte es und versuchte, es objektiv zu betrachten, ganz so, als wäre es nicht er selbst, sondern ein anderer Mann. Er besah sich die langen Beine, das fröhliche Lächeln, das blonde Haar. Das Bild war zu klein, um die Augen zu erkennen, aber Ennis hob den Kopf und sah in den Spiegel, er betrachtete seine braunen Augen und dachte an Almas braune Augen, die so anders waren als Jacks.
Seine Gedanken wanderten zu der Erinnerung an sein Hochzeitsbild, das während seiner Ehe im Wohnzimmer gehangen hatte. „Ich hab das Foto gehasst.", dachte er. „Es sah aus, als würde ich zu meiner Hinrichtung gehen." Er fragte sich, was damit wohl geschehen war... es war nach der Scheidung von der Wand verschwunden. Es interessierte ihn nicht wirklich… er wollte es nie wieder sehen.
Ennis blätterte durch die restlichen Bilder und verweilte bei einem von ihm und Jack auf den Treppen. Er sah das offene Lächeln, das sie einander schenkten, sein Arm lag um Jack. „Das ist ein passenderes Hochzeitfoto.", dachte er und schob es in den Rahmen des Spiegels.
(287 Wörter)
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Auftrag, Nest
Lazy
L Farm
Quanah Texas
August 1986
Jenny lehnte über den Zaun und rieb die weiche Haut an Twisters Nüstern. „Ich werd dich vermissen, großer Junge.", sagte sie sanft.
"Und er wird dich auch vermissen.", sagte Jack, der hinter sie trat.
„Oh!", sagte sie erschrocken. "Onkel Jack! Ich hab dich gar nicht kommen hören."
Er wies auf das Haus. „Der Truck ist beladen, Schatz, und du musst los, wenn du rechtzeitig zum Flughafen kommen willst."
Sie nickte. „Ich weiß… ich kann nicht fassen, dass ich weggehe... ein Teil von mir, will nicht abreisen."
"Das verstehe ich, aber es ist Zeit, Liebes… Zeit, dass der kleine Vogel das Nest verlässt."
„Onkel Jack, weißt du, dass ihr mir das Leben gerettet habt? Du und Daddy. Ohne euch weiß ich nicht, wo ich heute wäre."
"Nun, dein Daddy hat mein Leben gerettet, also ist es wohl nur richtig, dass ich ihm den Gefallen zurückgebe."
„War das wirklich ernst gemeint?"
„Es war absolut ernst gemeint. Ich hatte eine Pistole und einen Plan. Es war dein Daddy, der… naja, du kennst die Story."
Jenny spürte, dass ihr die Tränen in die Augen traten. „Ach, Onkel Jack... der Gedanke, dass du nicht in meinem Leben wärst..."
Jack beugte sich nach vorne und wischte sanft mit dem Finger die Tränen von ihrer Wange. „Nun, ich bin in deinem Leben und geh auch nich weg… selbst wenn du ganz weit weg in Massachusetts auf dem College bist. Du kannst einfach das Telefon nehmen, wann auch immer du reden willst."
Sie legte ihre Hand in seine und wandte sich zum Haus um. „Danke, Onkel Jack. Das bedeutet mehr für mich, als du weißt." Sie raffte sich auf und schenkte ihm ein schwaches Lächeln. „Und ich denke, wir sollten jetzt gehen."
„Das tun wir, denn du musst dein Flugzeug kriegen. Lass uns gehen, kleiner Vogel."(298 Wörter)
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Auftrag, Gebet
Lazy L
Farm
Quanah, Texas
Jack drehte sich auf die Seite und stützte sich auf seinen Ellenbogen. „Ennis, glaubst du an Gott?"
Ennis sah ihn an. „Ja, und du?"
Jack nickte. "Tue ich. Weißt du, wir gehen nie in die Kirche."
„Ich kann die Kirche nicht ausstehen. Diese Masse mit ihren Kerzen und dem Weihrauch? Ich muss mir auch nicht jede Woche eine Predigt halten lassen, die mir sagt, dass es unnatürlich ist, dich zu lieben."
„Meine Mama ging immer in die Kirche."
„Meine auch. Und Alma. Ich ging eine Weile hin, dann aber nich mehr."
„Wann?"
Ennis schenkte Jack ein schwaches Lächeln. „Nachdem ich dich '67 getroffen habe. Ich hab erkannt, dass es irgendwie… wie ist das Wort... für zwei Gesichter?"
„Heuchlerisch ist?"
„Ja, das. Außerdem hab ich gemerkt, dass ich keinen Vermittler brauche, um mit dem Big Boss zu reden."
Jack lachte leicht. „Du sprichst mit Gott?"
"Jeden Tag, jeden Tag danke ich ihm durch ein Gebet dafür, dass du ein Teil meines Lebens bist. Und durch ein weiteres bitte ich ihn, dich zu beschützen."
„Also beschützen du und Gott mich?", fragte Jack grinsend. „Ich hab nichts damit zu tun?"
„Naja, vielleicht ein bisschen, zum Beispiel wenn du dich anschnallst oder so. Aber meistens sind es Gott und ich, ja."
Jack rollte sich auf den Rücken und sah an die Decke. „Schön zu wissen, dass du so um mein Wohl besorgt bist und auch Gott mit einbeziehst."
Ennis lehnte sich zu ihm und fuhr mit dem Finger an Jacks Kiefer entlang. Er lächelte ihm zu und zwinkerte. „Irgendwer muss es ja machen, da kann ich das auch übernehmen."
(264 Wörter)
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Auftrag, Mandarine oder Orange
November
1975
Pine Creek
Jack hob die Kiste mit Mandarinen von der Ladefläche seines Trucks. „Ich hab uns was Besonderes besorgt, Kumpel.", sagte er zu Ennis. „In ein paar Wochen ist Thanksgiving, da gibt es diese teuren Clementinen im Laden. Die kommen aus Spanien."
„Ich hab sie schon gesehen, aber noch nie gekauft, zu teuer.", sagte Ennis und sah mit großen Augen auf das Obst.
Jack zuckte die Achseln. „Du lässt ja nicht zu, dass ich dir ein Geschenk kaufe, das du behalten kannst, da dachte ich, dass ein Geschenk das Beste wäre, das wir essen können, während wir hier sind."
„Hör auf davon, Jack, ich weiß, du denkst da an die Pistole, die du mit gekauft hast."
Jack winkte ab. „Mach dir keine Sorgen, das ist vorbei, ich hab sie verkauft und das Geld dafür gekriegt. Jetzt hab ich diese Mandarinen…guck dir mal den Namen an „mein Schatz Clementinen". Da musste ich an dich denken, denn so denke ich von dir."
„Als Clementine?"
Jack lachte, dann wurde seine Stimme ernst. „Nein, als meinen Schatz."
Ennis sah ihn verletzt an. „Zur Hölle, Jack, versuchst du den Trip zu ruinieren? Du erinnerst mich an das Geschenk, an die Namen, die du mir nicht geben kannst…"
„Vielleicht kann ich sie nicht sagen, aber ich kann sie denken… das hab ich gesagt."
„Jack, bitte…", sagte Ennis mit trauriger Stimme.
Jack richtete seine Augen auf die Kiste in seiner Hand. „Ich dachte, ich könnte es schaffen, könnte es unterdrücken, aber das geht nicht, ich liebe ihn zu sehr…" Er nahm eine der hellorangen Früchte aus der Kiste und reichte sie Ennis. „Hier, Cowboy. Sie schmecken wirklich gut, ein bisschen nach Sommer-Sonnenschein an einem kalten Wintertag."
Ennis nahm die Frucht mit einem gemurmelten Danke, dann sah er Jack in die Augen und Jack sah alles, was er wissen musste.
(300 Wörter)
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Auftrag, Kreditkarte
Lazy
L Farm
Quanah, Texas
November 1976
Jack öffnete den Umschlag mit einem Messer. Er nahm einen Stapel Papier heraus, dann nahm er die Plastikkarte ab, die mit Kleber auf der Rückseite befestigt war. „Hier, Cowboy.", sagte er und reichte die Karte Ennis. „Deine eigene MasterCharge."
Ennis fuhr mit den Fingern über die eingestanzten Buchstaben und Zahlen auf der Karte, sah sich genau die übereinander liegenden orangen und gelben Kreise auf der Vorderseite an. „Ich hatte noch nie eine Kreditkarte.", sagte er leise.
"Das hab ich vermutet. Du hattest auch noch nie ein Konto, ehe du herkamst."
„Ich bin nicht sicher, ob ich eine Kreditkarte brauche.", sagte Ennis und hielt sie eine Armlänge von sich weg, als wäre sie ein giftiges Insekt. „Was ist falsch an Bargeld?"
„Nichts, damit kannst du ja immer noch zahlen. Aber weißt du, manchmal, wenn man nicht genug Geld in der Brieftasche hat oder für ein Hotelzimmer bezahlen muss, ist es schön, wenn man eine Kreditkarte hat. Außerdem brauchst du eine, um ein Auto zu mieten."
„Und warum sollte ich mir ein Auto mieten? Wir haben draußen zwei perfekte Trucks."
„Einen perfekten Truck. Deiner ist eine Rostlaube, wenn du mich fragst."
"Mach meinen Truck nicht herunter."
„Ich sag ja nur. Jetzt unterschreib die Karte auf der Rückseite und steck sie in die Brieftasche."
Ennis musterte die Karte misstrauisch, auch noch, als er unterschrieb und sie wegsteckte. „Ich will nicht in Schulden geraten."
„Ennis!", sagte Jack entnervt. „Die Karte bringt dich nicht in Schulden. Nur, wenn du sie unvernünftig benutzt... und wo es sich jetzt ja nicht so anhört, als würdest du sie benutzen, glaube ich nicht, dass du in Schulden geraten wirst, oder?"
„Wenn ich sie nicht benutze, wofür brauche ich sie dann?"
„Weil du vielleicht mal ein Auto leihen musst."
„Und warum sollte ich das müssen?"
„Weil dein Truck liegen bleiben könnte."
„Du würdest mich nicht abholen?"
„Nur, wenn du lieb fragst."
„Bitte bitte?", fragte Ennis zwinkernd.
Jack grinste, dann zog er Ennis an sich und packte ihn an der Gürtelschnalle. „Du weißt, ich kann nie nein zu dir sagen, Cowboy.", sagte er und beugte sich nach vorne, um ihn zu küssen. „Na gut, ich würde dich abholen."
(357 Wörter)
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Auftrag, Flugzeug und Ticket
Dallas-Fort
Worth International Airport
April 2004
Ennis trat von einem Fuß auf den anderen, während die Schlange vor dem Sicherheitscheck vorwärts drängte. Er hielt sein Ticket und den Boarding Pass in der Hand, genau wie seinen Pass.
„Den Pass kannst du einstecken.", sagte Jack. „Den wollen sie nich mehr sehen."
„Ich verstehe nicht, warum wir nich einfach fahren konnten.", sagte Ennis. „Das ist fürchterlich."
„Es ist eine furchtbar lange Fahrt nach Massachusetts, besonders wo wir doch nur für ein verlängertes Wochenende reisen. Fliegen ist sinnvoll und auf der Hochzeit bist du ausgeruht."
Ennis grunzte.
Als sie den Check erreichten, zog Jack seine Stiefel aus. „Was machst du da?", fragte Ennis.
„Du musst deine Stiefel ausziehen, los.", erwiderte Jack, während er seine in eine Kiste stellte.
„Aber meine Socken haben Löcher, glaube ich!"
„Das wird keiner merken, keinen interessiert es, zieh sie einfach aus."
„Das ist ja fürchterlich!"
„Ennis…", warnte Jack und lächelte dem uniformierten Sicherheitsbeamten zu. „Wir reisen nicht oft und sind nicht an diese Prozedur gewöhnt."
Der Beamte nickte und grinste Ennis breit zu. „Sir, könnten sie bitte Ihre Taschen leeren… Münzen, Schlüssel, nehmen sie Ihre Uhr ab…"
„Ich trage keine Uhr.", murrte Ennis. „Muss ich meinen Ring abnehmen?", fragte er und hielt die Hand hoch.
„Nein, Sir, das dürfte kein Problem sein. Aber Ihren Hut und Ihre Jacke müssen sie ablegen."
Ein zweiter, grinsender Sicherheitsbeamter winkte Ennis durch den Scanner und zwinkerte ihm zu, als er über die Gummimatte trat. „Herr Jesus, Jack!", wisperte Ennis, als er seine Stiefel aus der grauen Box zurückbekam. „Er hat mir verdammt nochmal zugezwinkert"
"Was soll ich sagen, du siehst gut aus."
„Ich bin alt genug, um sein Vater zu sein!"
„Vielleicht steht er auf ältere und erfahrenere Männer…"
„Oh,
Mann, in Gottes Namen!", sagte Ennis und steckte seine Brieftasche
in die Jeanstasche zurück. „Warum konnten wir nich einfach
fahren?"
(302 Wörter)
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Auftrag, Tannenzapfen
Camp
Nokomis
Bear Island, New Hampshire
31. Juli 2006
Lieber Großvater, lieber Opa,
Liebe Grüße aus dem Camp! Ich hab eine schöne Zeit hier, aber ich vermisse euch und die Lazy L. Danke nochmal für den schönen Besuch, ich hatte viel Spaß.
Hier im Camp gibt es eine Tradition, sie nennt sich Tannenzapfen-Zeremonie. Während des Tages musst du durch das Camp gehen und so viele Tannenzapfen sammeln, wie du Sommer hier warst. Für mich ist es das fünfte Jahr. Dann, Freitagnacht am Campfeuer, steht jeder auf und wirft seine Tannenzapfen ins Feuer. Sie fangen an mit denen, die einen haben, dann die mit zwei und so weiter. Der Direktor war schon immer hier, also wirft er 56 hinein!"
Ich hab drüber nachgedacht und hätte es schon gefunden, wenn es auch auf eurer Party eine Tannenzapfen-Zeremonie gegeben hätte… 30 Tannenzapfen für euch, 16 für Mom und Dad. Aber dann ist mir eingefallen, dass es in Texas gar keine Tannenzapfen gibt!
Naja, es war schön, an euch zu denken und ich kann es nicht erwarten, euch wieder zu sehen.
In Liebe,
Chrissie
(171 Wörter)
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Auftrag, braune Augen
Die Stelle
im Fluss zum Nacktbaden
Lazy L Ranch
Quanah, Texas
10. Juli
1976
„Du hast braune Augen…"
„Ich weiß, dass ich braune Augen hab. Glaubst du, du sagst mir da was, was ich nich weiß?"
„Ich rede nur so gerne über dich."
„Du redest die letzten zwei Monate über mich… sagst mir, dass ich schöne Augen, schöne Füße, schöne Hände, eine schöne Brust habe…"
„Beschwerst du dich?"
„Ich beschwere mich nicht, ich sag nur. Noch nie hab ich soviel überschwängliches Gerede gehört. Du bist wie ein neuer Mensch, Jack Mistkerl Twist."
„Naja, du aber auch, gottverdammter Ennis Del Mar… du sagst mir jede Minute, dass du mich liebst.
„Beschwerst du dich?"
„Ich beschwere mich nicht."
(102 Wörter)
