Tee bei Lucius & Narcissa - Teil 1
Harry stand vor jenen offenen Tor, vor dem er bereits vor knapp achtzehn Jahren gestanden war. Damals war er mit Ron und Hermine gefangen genommen worden und den Todessern rund um Bellatrix vorgeführt worden. Noch heute hallten die schrecklichen Schreie von Hermine in seinen Ohren wider, Schreie die ihm oft in den ersten Nächten nach dem Kriegsende in seinen Träumen heimgesucht hatten. Doch nicht so heute, denn heute war er es, der sich unter anderem für die Einhaltung diverser Gesetze und Vorschriften verantwortlich zeichnete. Er hatte die Eltern von Draco schon jahrelang nicht mehr persönlich gesehen, selbst bei den gerichtlichen Auseinandersetzungen, die unweigerlich nach dem Krieg geführt worden waren, hatte er sich immer einen Aufeinandertreffen entziehen können.
Aus diversen Gerüchten wusste er dass sich Lucius und Narcissa Malfoy nahezu vollkommen aus der Öffentlichkeit zurückgezogen hatten. Die ersten Jahre hatten sie abseits der britischen Insel im Ausland verbracht ehe sie aufgrund von Dracos Hochzeit mit Astoria Greengrass zurückgekehrt waren. Obwohl es genug Anzeichen von außen gab dass sich diese Familie nichts anders als Ruhe wünschte, war er zu feige gewesen um sich selbst anzukündigen. Stattdessen hatte er eine Eule geschickt, mit der Bitte um einen Termin bezüglich einer Aufarbeitung alter Todesserakten.
Überraschenderweise war umgehend eine positive Antwort inklusive einer Einladung zum Tee zurückgekommen. Mit klopfenden Herzen durchschritt er nun das offene Tor und bewegte sich zwischen den hohen Bäumen hindurch.
Er atmete einige Male tief durch als er bei der großen schweren gusseisernen, doppelseitigen Tür angekommen war, ehe er fest anklopfte. Wenige Minuten später wurde die Türe zögerlich geöffnet und Narcissa Malfoy erschien höchstpersönlich. „Mister Potter?" erkannte sie ihm, sichtlich und auch hörbar überrascht von seinem Erscheinen. „Ja Mrs. Malfoy, ich bin es." „Was tun Sie hier, wir erwarten…" „Besuch, ich weiß. Ich komme im Auftrag des Ministeriums." Narcissa ließ ihren Blick senken und trat zur Seite, damit er ihr Haus betreten konnte. Während die Frau, die Dracos Mutter war und die er in Hermines Erinnerungen als junge Schülerin gesehen hatte hinter ihm die schwere Tür verschloss blickte sich Harry interessiert um. Die große Eingangshalle sah noch immer so aus, wie damals bei seiner Gefangennahme. „Es hat sich hier unten nicht sonderlich viel verändert seit ihren letzten Besuch." hörte er ihre leise, aber kraftvolle Stimme sagen. „Ich denke nicht gerne daran zurück." „Das ist für mich nachvollziehbar. Ihre Freundin Hermine sieht das sicherlich ähnlich wie sie." Die Überraschung bezüglich ihrer Erwähnung seiner Freundin, ließ Harry umdrehen und sah sie erstaunt an. Er konnte nun deutlich eine gewisse Zuneigung in ihren Gesichtszügen erkennen. Konnte es möglich sein, dass Narcissa nach all den Jahren Hermine noch immer freundschaftlich gesinnt war? Nun ja, er würde dies zweifelsohne bald herausfinden.
„Ich denke schon. Wissen Sie, wir sprechen eigentlich nie über diesen bestimmten Tag hier und die Taten, die Bellatrix ihr damals angetan hat." „Kennen Sie den Grund weshalb meine Schwester sich so aggressiv gegenüber ihrer Freundin verhalten hat?" begann sie während sie an ihm vorbei bewegte und den großen Treppenaufgang langsam hinaufging. Rasch folgte ihr Harry nach während er ihr erwiderte: „Ich nehme an es war wegen der Horcruxe. Das Schwert in ihrem Verließ in Gringotts sowie der Becher." „Ja, das war einer der Hauptgründe gewesen." Er horchte auf und war unbewusst stehen geblieben. Narcissa bemerkte dies, sodass sie oben am Zwischengestoß, zwischen den beiden Treppenaufgängen stehen geblieben war und sich zum ihm umgedreht hatte. „Einer? Gab es etwa noch einen anderen Grund?" „Ja Mister Potter, den hat es in der Tat tatsächlich gegeben." erklärte sie mit ernster Stimme während ihr Gesicht steinhart blieb. „Hätten Sie mir die Güte ihn mir zu verraten?" „Noch nicht, zuerst werden Sie mit meinen Mann sprechen. Er erwartet uns im Salon zum Tee."
Nickend folgte er der Herrin des Hauses die mittlerweile wieder ihren Weg fortgesetzt hatte. Je weiter er nach oben kam und damit in die Nähe jenes Raumes, wo Hermine damals gefoltert worden war, stieg Nervosität in ihm auf.
Bemüht nicht auf den Raum zu achten, mit den er all diese Erinnerungen an damals verband, folgte er Narcissa in einen der Nebenräumlichkeiten hinein, die sich als Salon herausstellten. In der Mitte stand ein ovalförmiger kleiner Tisch, der jedoch für bis zu sechs Leuten Platz gab. Am oberen Ende saß nun eine männliche Person, dessen Gesicht hinter der aktuellen Ausgabe des Tagespropheten verborgen war. „Lucius, ich habe unseren Besuch mitgebracht." kündigte Narcissa kühl sein Erscheinen an, bevor sie zur Seite ging und ihm damit ermöglichte ebenfalls den Salon zu betreten. „Mister Potter, welch Überraschung Sie in unseren Hallen begrüßten zu dürfen." hörte er Lucius sprechen während sein Blick zu dem Vater von Draco wanderte.
Er besaß genauso wie vor achtzehn Jahren noch immer langes blondes Haar, auch wenn vereinzelt weiße Strähnen dazwischen zu erkennen waren. „Mister Malfoy, vielen Dank für die Einladung." sagte er zögerlich während Narcissa damenhaft hinter ihm die Türe schloss und ihm dann einen Platz unmittelbar neben Lucius anbot. „Wenn das Ministerium Informationen bezüglich meiner alten Todesserkollegen benötigt, werden Sie bei uns immer offene Türen finden Mister Potter." Überrascht von dieser Aussage ließ sich Harry auf dem angebotenen Platz nieder und nickte Narcissa dankbar zu als sie ihm eine volle Tasse mit dampfenden Tee überreichte. „Vielen Dank Mrs. Malfoy."
„Nun denn Mister Potter, weswegen sind Sie hier. Um welchen ehemaligen Todesser geht es dieses Mal? Auch wenn ich gestehen muss, das der letzte Besuch des Ministeriums diesbezüglich bereits etliche Jahre her ist." Harry nippte vorsichtig an seinem Heißgetränk bevor er die Tasse vor sich auf den dazugehörigen Unterteller abstellte, atmete er tief durch ehe er sich zu Lucius wandte und sagte: „Severus Snape." Äußerst aufmerksam stellte Harry fest, dass der Körper von Narcissa von einen heftigen Schauer durchgerüttelt wurde. Fragend wanderte sein Blick zu Lucius, der sich nervös eine Strähne aus dem Gesicht strich. „Wieso gerade Severus? Severus ist seit Jahren tot." „Ich weiß, aber dennoch habe ich bezüglich seiner Person einige Fragen an Sie." „Welcher Art von Fragen wären für das Ministerium noch relevant? Ich habe alles was ich wusste schon damals bei den Prozessen offen dargelegt. Sie können es in den Unterlagen sicherlich nachlesen, da es teilweise sogar unter dem Einfluss von Veritaserum geschah." Harry nickte wissend, denn er hatte in der Tat letzte Nacht die Protokolle von jenen Prozesstagen durchgearbeitet wo Lucius anwesend gewesen war. Er wusste, dass er nicht umhin kam zumindest teilweise die Wahrheit dem Paar offen zu legen. „Ich will ehrlich mit Ihnen beiden sein." „Ist ja mal ganz was Neues." murmelte Lucius und bekam einen mahnenden Gesichtsausdruck von Narcissa als Antwort.
„Bitte fahren Sie fort Mister Potter." korrigierte sich der Mann vor ihm sogleich. „Der Stiefbruder meines Patensohnes hatte einen Unfall, er wurde von einen schweren Sectumsepra getroffen und ich musste in seinen Geist eindringen. Ich war äußerst überrascht gewesen, als ich eine Erinnerung von Severus Snape und einer junge Version meiner Freundin Hermine gefunden habe. Haben Sie vielleicht eine Erklärung hierfür?" Zufrieden konnte Harry nun beobachten wie Narcissas Augen sich weiteten und sie unsicher zu Lucius blickte. Dieser rutschte plötzlich unruhig auf seinen Stuhl umher, bevor er sich streckte und seine Sitzhaltung veränderte.
„Wieso kommen Sie ausgerechnet zu uns? Vielleicht sollten Sie besser Severus deswegen fragen." „Das habe ich auch schon getan." „Was hat er gesagt?" schoss es nun aus dem Munde der Frau ihm gegenüber. „Narcissa!" ermahnte Lucius sie. Interessant, dachte sich Harry und lehnte sich ein wenig in seinen Stuhl zurück. Das äußerst merkwürdige Verhalten der Beiden ließ darauf schließen, dass sie etwas wussten, beziehungsweise etwas in dieser Angelegenheit verbargen. Er beschloss zunächst den Disput zwischen den Ehepaar zu ignorieren indem er antwortete: „Er hat mich hierher geschickt. Er sagte ich würde einen Teil meiner Antworten hier erhalten." „Einen Teil?" Nun war es Lucius der ihm diese Frage stellte während Narcissa sich erhob und begann in Richtung Kamin zu wandern. Mit einen Seitenblick auf ihre wandelnde Gestalt wandte sich Harry wieder Lucius zu. „Bezüglich Jeremiah."
Augenblicklich weiteten sich die Augen von Lucius und sein Gesicht erstarrte. Verwirrt sah er zu Narcissa, deren Augen sich direkt in seine Eigenen bohrten. „Woher wissen Sie von ihm?" „Ich habe es in dieser versteckten Erinnerung gesehen, ich habe gesehen wie Snape Ihnen Lucius das Kind anvertraut hat. Ich will wissen was danach geschehen ist? Was ist aus Jeremiah geworden?" Harry beobachtete wie Lucius´ Blick zu seiner Ehefrau glitt, die sich nun von ihnen beiden abwandte und in das Feuer des Kamins blickte. „Woher wollen Sie wissen, dass wir wissen was aus ihm geworden ist?" wollte Narcissa von ihm wissen. „Weil Snape dies gesagt hat." Während ihrer ganzen Unterhaltung ließ er keinen von den Beiden aus den Augen.
„Also können Sie mir weiterhelfen, wissen Sie wo sich Jeremiah befindet?" wiederholte Harry seine Bitte, dieses Mal eindringlicher als zuvor. „Ja, das können wir."
