Ein wunderschönes, gutes Neues Jahr 2008 wünsche ich euch allen!
Kapitel 35
Hermine lief wutentbrannt in ihre Wohnung zurück. Was war nur in ihn gefahren, dass er sich so aufführte? Sicher, sie hatte wahrhaftig nicht erwartet, dass er ihr in Gegenwart anderer Leute um den Hals fiel – aber sich so zu benehmen, war wirklich das Allerletzte! Was hätte er sich denn abgebrochen, wenn er sie höflich begrüßt und sie vielleicht sogar zum Dableiben aufgefordert hätte, da sie ja bekanntlich an der ganzen Geschichte beteiligt war….
Abgesehen davon hätte sie ja vielleicht aufgrund ihrer Intelligenz und ihres Wissens zur Lösung von weiteren Problemen beitragen können!!!
Halt, Hermine, rief sie sich selbst zur Ordnung. Snape hat dich zwar behandelt wie eine vorlaute Schulgöre, aber das ist kein Grund für dich, dich tatsächlich auch so zu benehmen. Du bist weder altklug, noch besserwisserisch, noch drängst du dich in den Vordergrund. Du bist eine verantwortungsvolle junge Frau und Mutter (noch dazu allein erziehend!) und du hast keinen Grund, dich von einem herrischen, unhöflichen und gefährlichen Mann in die Ecke stellen oder vorführen zu lassen!(Auch wenn dieser zufällig dein Geliebter und der Vater deiner Tochter ist).
„Mistkerl!", sagte Hermine laut. Nach dieser im Brustton der Überzeugung geäußerten Bewertung ließ ihr Ärger etwas nach und sie begann, die Situation ohne überschäumende Emotionen zu betrachten.
Snape war schneller als erwartet wieder gesund geworden. So weit, so gut! Hermine gestattete sich ein paar Augenblicke der Freude und der Erleichterung über diese Tatsache. Aber konnte sie tatsächlich erwarten, dass er sich schnurstracks auf den Weg machen würde, um ihr seine Dankbarkeit, garniert mit ein paar Liebesschwüren zu überbringen? Abgesehen davon, dass er vielleicht gar nicht wusste, dass es Hermines Heiltrank war, der ihm so schnell geholfen hatte, so war es doch typisch für Severus Snape, dass er sich sofort um die Dinge kümmerte, die von außerordentlicher Dringlichkeit waren.
Und das war nun einmal der Kampf gegen Voldemort! Die Tatsache, dass das Zaubereiministerium für ihn verloren war und dass der Widerstand der Bevölkerung gegen die Unterdrückung durch seine Todesser immer stärker wurde, ließ Voldemorts Wut immer größer werden und sein Bestreben, Hogwarts in seinen Besitz zu bringen, wurde zur ständig wachsenden Bedrohung für sie alle. Harry hatte diese Empfindungen Voldemorts stärker wahrgenommen als bisher.
Hermine seufzte. Auch sie musste ihre privaten Interessen beiseite schieben. Aber allzu lange wollte sie die Begegnung mit Severus nicht hinausschieben. Sie würde sich heute Nacht zu ihm hinunter schleichen und mit ihm ganz alleine seine Genesung feiern.
Hermines Vorhaben war nicht ganz so einfach umzusetzen. Sie hatte zwar Dobby und Winky als Aufpasser für Bianca dauerverpflichtet (‚Wer weiß, wann ich am Kampf gegen Voldemort teilnehmen muss und ich brauche dann sofort zuverlässige Betreuer für Bianca', hatte sie den Beiden erklärt. Beide Elfen hatten begeistert zugestimmt und ließen die Kleine seither nicht mehr aus den Augen.). Aber im Schloss waren natürlich viele Wachen unterwegs, deren Wachsamkeit Hermine nur durch ihre Kenntnis über die Geheimgänge Hogwarts aus zahlreichen nächtlichen Ausflügen mit Harry und Ron ausweichen konnte. Was sie durch diese Ausflüge noch nicht gekannt hatte, hatte Severus ihr am Ende ihres sechsten Schuljahres gezeigt.
Doch auch die Geister einschließlich Peeves waren auf Wachgang und diese konnten ja bekanntlich einfach durch die Mauern hindurchgleiten. Irgendwie schaffte sie es aber dennoch, zu Severus Wohnung in den Kerkern zu gelangen. Sie klopfte vorsichtig an die Tür, nachdem sie einen Lichtschein unter dem Türspalt wahrgenommen hatte. Sie hatte keine Stimmen durch die Tür gehört, als sie ihr Ohr gegen die Tür presste und hoffte deshalb, dass Severus allein war.
Tatsächlich öffnete er kurz nach ihrem Klopfen die Tür. Seine Gesichtszüge erstarrten, als er Hermine wahrnahm – Hermine wollte gerade etwas sagen, als er sie grob am Arm packte, ins Zimmer zog und die Tür schloss. Er packte Hermine an den Schulten und schüttelte sie. In seinen Augen war blanke Wut zu erkennen.
„Was fällt dir ein, hier nachts herumzuschleichen, Hermine?" Nach der ersten Schrecksekunde über seine unverhohlene Wut kochten auch ihre Gefühle über und der Ärger über die Szene am Vormittag wieder hoch. „Vielleicht interessiert es mich ja, wie es dir geht!", fauchte sie. „Immerhin warst du vor ein paar Tagen noch fast tot! Und vielleicht interessiert es dich, wie es deiner Tochter geht! Und mir, ganz nebenbei!"
Snapes Augen verengten sich zu Schlitzen. „Ich weiß, dass es Bianca gut geht. McGonagall hat es mir gesagt. Und von deiner Gesundheit konnte ich mich ja heute früh schon überzeugen", fügte er ätzend hinzu. „Nachdem diese Themen durch sind, würdest du bitte die Güte besitzen, dich an meine Anweisungen zu halten – das heißt, nichts über unsere Beziehung zu verraten – und zu verschwinden!"
Snape hatte Hermine mittlerweile losgelassen und sich ein paar Schritte von ihr entfernt. Sie betrachtete ihn mit wachsender Sorge. Severus wirkte außerordentlich angespannt. Natürlich war jeder wegen des bevorstehenden Kampfes angespannt, aber Hermine schien es, dass Severus unter besonderem Druck stand. Er wirkte zwar äußerlich außerordentlich beherrscht, sogar von einer eiskalten Ruhe, aber er war noch bleicher als sonst und in seinen Augen funkelte ein dunkles Feuer. Er wirkte unnahbar – wie ein steinernes Abbild von sich selbst.
Hermine wollte nicht wahrhaben, dass der Geliebte, den sie wieder gefunden hatte, sich in einen Eisblock verwandelt hatte. Sie ahnte zwar, dass es besser für sie beide wäre, wenn sie jetzt ginge, aber sie wollte nicht! Mit unsicheren Schritten ging sie auf ihn zu und sagte leise und eindringlich: "Severus! Bitte sieh mich an! Bitte nimm mich wahr! Ich habe mich so nach dir gesehnt und ich hatte solche Angst um dich! Und Bianca auch…", Ihre Stimme brach…
Doch Snape hatte sich umgedreht, weg von ihr. Er würde sie nicht ansehen. Er wollte, dass sie ging. Warum, dachte Hermine verzweifelt. Was hat ihn so verändert? Er liebt mich doch. Er hat es mir doch erst vor ganz kurzer Zeit gesagt! Das war doch keine Lüge!
Hermine ging zu Severus. Sie legte ihre Arme um seine Schultern und schmiegte ihren Kopf an seinen Rücken. „Severus", flüsterte sie. „Ich brauche dich. Ich brauche deine Nähe. Ich will dich spüren." Der letzte Satz war nur noch ein Hauch.
„Ach ja?", entgegnete er. Seine Stimme war voller Hohn, als er sich zu Hermine umdrehte und ihre Handgelenke packte. „Du willst meine Nähe? Du willst mich spüren? Das ist es also! Sag doch gleich, dass du Sex haben möchtest. Was soll das Drumherumgerede? Du hast es mal wieder nötig?!" Er zog Hermine grob an sich und bog ihre Arme auf den Rücken. „Du bekommst von mir, was du brauchst", stieß er zwischen den Zähnen hervor. Dann drückte sich sein Mund brutal auf ihre Lippen.
Hermine wollte protestieren, wollte sagen ‚Nein, so ist das nicht. Ich will es nicht so. Ich will es anders! Zärtlich! Leidenschaftlich, aber nicht so…'
Doch er ließ ihr keine Chance. Sein Kuss war fordernd, Besitz ergreifend wie seine Hände, die über ihren Körper glitten und an ihrer Kleidung zerrten. Gleichzeitig schob er sein Knie zwischen ihre Beine und sie spürte seine harte Erektion. Entsetzen ergriff Hermine. Sie wollte fliehen vor dem Mann, den sie eigentlich liebte. Sie hörte, wie der Stoff ihres Kleides zerriss und sie fühlte, wie seine Hände gierig nach ihren Brüsten griffen. Sie versuchte, sich zur Wehr zu setzen und rief verzweifelt: „Nein, Severus, bitte nicht so! Lass mich gehen."
Doch Snape schien sie nicht zu hören.
Hermine fühlte sich hochgehoben und davongetragen.
