Chapter 16.8
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Sun Yan drehte sich im Bett hin und her. Die Bilder des Nachmittags verfolgten ihn und immer und immer wieder sah er Wei Wuxians Gesicht vor seinem geistigen Auge.
Die Szene wie er auf dem Boden lag, Jiang Cheng über ihm kniete und er schamlos seine nackte Brust mit den vielen Blutergüssen präsentierte, ließen ihn nicht mehr los und verfolgten ihn wie einen Albtraum.
Er war sich sehr sicher, dass dieser Mann der behauptet Mo Xuanyu zu sein, in Wahrheit der berühmt und berüchtigte Wei Wuxian, der Yiling Patriarch war.
Warum sonst hätte Jiang Cheng so außer sich gewesen sein sollen? Und warum sonst, sind sie überhaupt in die Cloud Recessss gekommen?
Sun Yan war die ganzen letzten Jahre an Jiang Chengs Seite gewesen. Selten gingen sie getrennte Wege. Er kannte Jiang Cheng in und auswendig und er konnte sein Gemüt nur anhand eines einzelnen Blickes sofort lesen und deuten.
Doch es schien eine einzige Sache zu geben, die immer und immer wieder zwischen ihnen stand und wie eine unüberwindbare Mauer eine klare Linie zwischen sie zog.
Wei Wuxian, der gefürchtete Yiling Patriarch.
Jiang Cheng war wie besessen von ihm und es verging fast kein Tag an dem er nicht von ihm sprach. Anfänglich war sich Sun Yan sicher, dass es sich um reine Abscheu und Wut handelte. doch bald bemerkte er, dass hinter Jiang Chengs forschen Worten die er nur für ihn übrig hatte, mehr zu stecken schien, als er anfänglich vermuten lies.
Jiang Cheng und Wei Wuxian mussten in der Vergangenheit eine tiefe, brüderliche Beziehung gepflegt haben und so sehr Jiang Cheng auch tobte und auf diesen Namen spuckte, so bekam Sun Yan immer mehr das Gefühl, dass er durch diese häßliche Abscheu nur versuchte etwas anderes, sehr verletztbares zu überspielen. Nämlich sein Herz, welches die Vergangenheit nicht los lassen konnte und sich nach der Nähe und Gesellschaft Wei Wuxians sehnte.
Sun Yan liebte Jiang Cheng, als seinen Herr und Meister, als Sect Leader und als den Menschen, der er war.
Doch mit den Jahren bemerkte er ein stechenden Schmerz in seinem Herzen, welcher immer deutlicher wurde, wann immer Jiang Cheng von Wei Wuxian sprach. Erst war es nur ganz leicht und kaum spürbar,doch mit den Jahren wurde es immer stärker und quälte seine Seele.
Irgendwann ertrug er es nicht einmal mehr diesen Namen zu hören und sein Herz geriet in Aufruhr wann immer Jiang Cheng wieder anfing von ihm zu sprechen.
Warum quälte es ihn so?
Was war dieses undefinierbare, häßliche Gefühl in seiner Brust, welches mit den Jahren immer stärker wurde?
Er tat alles was in seiner Macht stand um Jiang Chengs Gunst zu erlangen. Doch egal wie sehr er sich auch bemühte, Jiang Cheng sah ihn einfach nicht. Er schien nur Augen für Wei Wuxian und für seinen Hass zu haben.
Wei Wuxian war fast wie ein Fluch geworden, der ihn verfolgte und ihm immer wieder klar vor Augen hielt, dasd es jemand anderes gab um dessen Jiang Chengs Gedanken immer wieder kreisten. Jemand der ihm mehr gegeben hatte, als er es jemals könnte.
Wei Wuxian war wie ein Mahnmal für ihn, welches ihn immer wieder daran erinnerte, was er niemals sein würde..
Er würde niemals Wei Wuxian ersetzen können und dieses Wissen schürte den Hass und die Eifersucht in ihm.
Sun Yan öffnete seine Augen und atmete einmal tief ein. Es war dunkel in seinem Zimmer und außer das Zirpen ein paar Grillen vor seinem Fenster, war nichts zu hören.
Er drehte sich auf die andere Seite und versuchte seine Gedanken auf etwas anderes zu lenken. Doch egal wie sehr er es auch versuchte, seine Gedanken kreisten nur um Wei Wuxian.
„Wenn er doch einfach weg wäre...
wenn er doch nie wieder gekommen wäre...
Jiang Cheng, gehört zu mir..."
Nuschelte er leise zu sich selbst, als er sich in seinem Bett zusammenkauerte und sich die Bettdecke weit über seinen Kopf zog.
Wei Wuxian kribbelte es in der Nase. Schnell hielt er sich die Hand vor den Mund als er seinen kleinen Nießer in der Bettdecke erstickte.
„Werde ich krank oder denkt jemand gerade an mich...?" Nuschelte er leise, als er seine Augen öffnete und sich in dem dunklen Jingshi umsah. Er lag auf der Seite in Lan Wangjis Bett, als er plötzlich seine Füße spürte, die wie zwei Eisblöcke unter der Bettdecke hervor guckten.
Schnell zog er seine Füße unter die warme Bettdecke ein und er drehte sich hastig auf die andere Seite, als ihm ein kurzer, kalter Schauer durch den Körper lief.
Sein Gesicht landete genau vor Lan Wangjis und Wei Wuxian stutzte für einen Moment, als er das porzellan gleiche Gesicht, so friedlich schlafend genau vor seinen Augen hatte.
Lan Wangji trug einen friedlichen und unbekümmerten Gesichtsausdruck. Seine langen schwarzen Wimpern wirkten wie zarte Federn und das fahle Mondlicht, welches durch das Fenster hereinschien, erhellte sein Gesicht in einem mystischem Licht. Seine schmalen Lippen wirkten ganz zart und seine kurze, abgeschnitte Haarsträhne hing ihm im Gesicht. Er sah aus, als wäre er nicht von dieser Welt und Wei Wuxian wagte es nicht ihn zu wecken und verlor er sich in diesem Anblick.
Ganz vorsichtig rutschte er noch ein Stückchen näher heran. Ihre Gesichter waren sich nun so nah, dass er Lan Wangjis Atem auf seiner Haut spüren konnte.
Mit leisem Rascheln zog er seine Hand unter der Bettdecke hervor und strich vorsichtig die kurze Haarsträhne aus dem puppengleichen Gesicht. Lan Wangjis Wimpen begannen leicht zu flattern und Wei Wuxian dachte, er hätte ihn schon geweckt und er würde jede Sekunde die Augen öffnen.
Doch Lan Wangji blieb regungslos liegen und trug weiterhin seinen friedlichen Anblick, während er schlief.
Wei Wuxian streckte vorsichtig seinen Zeigefinger aus. Er konnte es einfach nicht lassen, er musste ihn anfassen. Es war wie das Feuer, welches eine magische Anziehungskraft hatte. Er musste es dennoch berühren, auch wenn er Gefahr lief sich zu verbrennen.
Ganz vorsichtig strich er über Lan Wangjis Wimpen und dann weiter über seine Stirn.
Er ließ den Finger über die Nasenwurzel gleiten und strich dann, ganz behutsam, so als hätte er Angst jemanden zu verletzten, ein paar mal über Lan Wangjis Nase.
Lan Wangjis Wimpern begannen erneut zu flattern und über Wei Wuxians Lippen flog ein glückliches Lächeln, als ihm wieder einmal bewusst wurde, dass dies wirklich real war und das, dass Herz des Mannes, welcher vor ihm lag, ganz alleine ihm gehörte.
Wei Wuxians Blick fiel auf Lan Wangjis Lippen und er hielt den Atem an, als er noch ein Stückchen näher kam und ganz zärtlich seine Lippen auf Lan Wangjis drückte.
Er schloss für einen Moment seine Augen und verharrte noch eine Weile in dieser Postition.
Dann streckte er frech seine Zunge heraus und berührte nur mit der Spitze Lan Wangjis Lippen.
Er leckte über die Unterlippe und die Oberlippe und als Lan Wangjis Wimpern erneut zu flattern begannen, öffneten sich plötzlich zwei bernsteinfarbende Augen.
Ihrer beider Gesichter waren sich so nah, dass ihre Wimpern sich fast berührten und Lan Wangji blickte in zwei große Augen, die ihn leicht überrascht anblickten. Wei Wuxians Zungenspitze hing noch immer draußen und er rührte sich kein Stück, als Lan Wangji die Situation zu verstehen begann.
Er spürte den leicht nassen Film auf seinen Lippen, als Wei Wuxian auch schon den Mund öffnete und leise flüsterte:
„Oh, Lan Zhan, du bist wach. Was für eine Schande. Ich war gerade dabei dich im Schlaf zu vernaschen."
„..." Lan Wangji blickte ihn regungslos an und sagte kein Wort.
„Du sagst nichts? Hmmm könntest du dann deine Augen wieder schließen und einfach weiterschlafen damit ich weitermachen kann wobei ich gerade unterbrochen wurde?" Hauchte Wei Wuxian und über sein Gesicht flog ein breites Grinsen.
Endlich öffnete Lan Wangji seine Lippen und eine tiefe, ruhige Stimme brummte hervor.
„Wei Ying, es ist mitten in der Nacht. Es wird bald 5 Uhr sein."
„Wir können auch bis 5 Uhr machen, falls du meinst, dass es sich für dich danach nicht mehr lohnt noch einmal einzuschlafen." Grinste Wei Wuxian unverschämt.
Lan Wangji atmete einmal tief ein. In seinem Gesicht stand deutlich geschrieben, dass er gerade darüber nachdachte und alle Eventualitäten in seinem Kopfe durchspielte.
Wei Wuxian war mehr als amüsiert über Lan Wangjis Reaktion. Er liebte Lan Wangjis nachdenklichen Gesichtsausdruck und sein leises Schnaufen, wenn er wieder einmal im Zwiespalt zwischen seinem eigentlichen Verlangen und seiner gelehrten Anständigkeit stand.
Wei Wuxians linke Hand fummelte unter der Bettdecke herum und als seine Finger gerade Lan Wangjis Gürtel zu fassen bekamen, zuckte Lan Wangji plötzlich zusammen und mit einem kräftigen Ruck zog er an Wei Wuxian und drehte ihn auf die andere Seite um.
„Ah" Quikte Wei Wuxian vor Schock kurz auf, als er auch schon auf die andere Seite gedreht wurde und Lan Wangjis muskulöse Brust sich gegen seinen Rücken presste. Seine Haare hingen ihm wirr im Gesicht und er war noch ganz von Lan Wangjis schneller Drehung überrumpelt, als auch schon zwei kräftige Arme von hinten ihn umschlossen.
Wei Wuxian spürte Lan Wangjis Atem in seinem Nacken und eine leise Stimme flüsterte in sein Ohr.
„Schlaf."
„Schlaf?" Fragte Wei Wuxian noch einmal irritiert nach, während er sich die Haare aus dem Gesicht strich.
„Hmpf, ich gebe mir alle Mühe dich zu verführen und du denkst nur ans Schlafen." Mäckerte Wei Wuxian.
„Es ist schon spät..." Brummte es tief in Wei Wuxians Ohr.
Wei Wuxian zog eine Schmollippe so eiskalt von Lan Wangji abgewiesen worden zu sein.
„Ich kann aber nicht schlafen." Sagte er trotzig.
„Warum nicht?" Fragte Lan Wangji während er seine Nase in Wei Wuxians Haare vergrub und tief einatmete.
Wei Wuxian grinste.
„Desswegen." Mit einem mal zog er seine Beine an und streckte seine Füße nach hinten. Die zwei schlanken Füße, kalt wie aus Eis schoben sich unverschämt zwischen Lan Wangjis warme Schenkeln.
Lan Wangji zog die Luft lautstark durch seine Nase, als er einen tiefen Ton von sich gab. Seine Arme spannten sich kurz an und Wei Wuxian wurde fest an Lan Wangjis Brust gedrückt.
Wei Wuxian spürte die angenehme Wärme und er schob seine eisigen Füße noch tiefer zwischen Lan Wangjis Schenkel.
„Bis sie nicht warm sind, kann ich nicht schlafen." Flüsterte Wei Wuxian dreist.
Lan Wangjis Atmung kam kurz ins Stolpern, als seine Oberschenkel begannen auszukühlen und ein kalter Schauer durch seinen Körper strömte.
Wei Wuxians Füße waren wirklich eiskalt und sie schmiegten sich zufrieden an Lan Wangjis Schenkel und saugten ihm förmlich die Wärme aus dem Körper.
Wei Wuxian flog ein zufriedenes Grinsen über sein Gesicht, als er in Wohlbehagen die Augen schloss und sein Gesicht tiefer ins Kissen hineindrückte.
„Ah, so ist gut. Halt still und rühr dich nicht, bis sie wieder schön warm sind." Seufzte er entspannt auf.
„..." Lan Wangji.
Eine weile lagen die beiden dicht beianander, Arm in Arm und Wei Wuxian spürte Lan Wangjis angenehme Wärme, die durch seinen Körper floss.
Als er langsam spürte wie Ruhe und Wohlbehagen eintrat kam auch die Müdigkeit wieder zurück und er atmete noch ein mal tief ein, als er plötzlich eine Hand an seinem Ausschnitt spürte.
Die langen, schlanken Finger suchten sich gekonnt den Eingang in seinen Kragen und glitten unter den Stoff.
Als die aufdringliche Hand auch noch über seine Brust striff und ein paar mal seinen Nippel berührte, zuckte Wei Wuxian schließlich zusammen.
Er öffnete seine Augen und blickte leicht über die Schulter nach hinten.
„Ey, Lan Zhan. Du hast gesagt wir sollen schlafen. Jetzt sind meine Füße endlich schön warm und ich war gerade wieder dabei einzuschlafen und jetzt berührstt du mich unsittlich.
Warum schläfst du nicht?"
Lan Wangji gab ein tiefes Brummen von sich, als seine Hand plötzlich noch tiefer unter dem Stoff verschwand und über Wei Wuxians Bauch weiter nach unten abtauchte.
Er küsste an Wei Wuxians Hals entlang und flüsterte in sein Ohr.
„Ich kann nicht schlafen. Denn jetzt ist mir kalt.
Also halt still und rühr dich nicht, bis ich wieder schön warm bin."
Wei Wuxian zuckte zusammen bei diesen bekannten Worten.
Warum war es nur so, dass in seinem zweiten Leben, egal welche Karte er auch spielte, er immer gegen Lan Wangji verlor und sich stets sein eigenes Grab schaufelte?
Sun Yan blickte in den Spiegel.
Zwei dunkle Ringe unter den Augen zierten sein hübsches Gesicht. Er hatte fast die ganze Nacht nicht geschlafen und bis zum Morgengrauen verfolgte ihn Wei Wuxian in seinen Träumen.
Er rieb sich ein paar mal mit seiner flachen Hand durch das Gesicht und versuchte etwas Leben in die müde Haut zu kneten.
Auf der Kommode vor ihm lag eine feine Haarbürste mit hellen Borsten. Er hob sie an und fuhr ruppig durch seine verknoteten Haare von der unruhigen Nacht.
Geschwind band er sich seinen hohen Zopf und ließ seine Haare einmal durch seine Hand gleiten.
Mit eins, zwei Handgriffen richtete er noch einmal seinen Gürtel und seine Robe, als er halbwechs zufrieden seinen Pavillon verließ und bereit für einen neuen Tag war.
Es war später Nachmittag geworden und Sun Yan war auf dem Weg zu Jiang Cheng. Er lief einmal quer durch die Cloud Recesses und als er an einem großen Baum vorbei kam, vernahm er plötzlich ein zartes Flötenspiel.
Sun Yan stutzte und blieb stehen um zu horchen.
Die anmutigen Töne flatterten seicht durch die Lüfte und das Rascheln des Laubes gab ihm einen mystischen Klang dazu.
-Wer konnte es sein, der so geschickt und mit solch einer fröhlichen Melodie die Flöte beherrschte?- Dachte er sich, als er auch schon seine Schritte in die Richtung des Flötenspiels richtete, so als würde er magisch davon angezogen werden.
Er verschwand zwischen den Bäumen und folgte dem Klang, als er nach wenigen Schritten eine kleine Lichtung entdeckte.
Ein Wasserfiel stürzte aus der Höhe und das Wasser rauschte laut den Berg hinab. Ein großer Baum, schwer und anmutig ruhte imposant daneben und in der Mitte, auf einem großen Ast saß eine Person in schwarzer Robe.
Lässig hing er auf dem Baum, ein Bein angewinkelt und ein anderes hing locker nach unten, sodass der Fuß in der Luft leicht hin und herpendelte.
In seinen Händen lag eine Flöte und seine Lippen brachten eine wundervolle Melodie zum Vorschein, welche mit klaren Tönen die Cloud Recesses beglückte.
Sein hoher Zopf und die langen schwarzen Haare wehten seicht im Wind und seine Augen waren friedlich geschlossen, so als gäbe es nur ihn selbst auf dieser Welt und niemanden sonst.
Sun Yan stand wie versteinert, seine Augen auf den Flötenspieler gefesselt. Er war wie in einem Bann gefangen und ging einen Schritt nach hinten, als er plötzlich auf einen trockenen Ast trat und es laut knackte.
Das Flötenspiel verstummte und der Spieler öffnete seine Augen.
Seine Lippen lösten sich von der Flöte und sein Blick schweifte herüber.
„Young Master Sun Yan." Sagte eine feine und klare Stimme.
Sun Yans Augen weiteten sich, als sich seine Lippen unangenehm zusammen zogen.
„Mo Xuanyu! Oder, sollte ich eher sagen: Wei Wuxian!"
Wei Wuxians Mundwinkel bogen sich nach oben. Er drehte seine Flöte zwischen seinen Fingern ein paar mal hin und her, bis er sie wieder in seinem Gürtel verstaute.
Lässig stützte er seine Arme auf seinen Oberschenkeln ab und schaute zu Sun Yan herunter.
„Wie ihr mich nennen möchtet ist mir gleich, da ich eurer Misstrauen wohl nicht beeinflussen kann."
Sun Yan knirschte mit den Zähnen.
„ Ihr gebt es also zu, Wei Wuxian zu sein?"
Wei Wuxian zuckte mit den Schultern.
„Habe ich das gerade getan?" Fragte er mit ironischer Stimme und hüpfte vom Baum herunter.
Sun Yan schnaufte auf. Seine Augenbrauen zogen sich zusammen. Ein kräftiger Windzug kam plötzlich auf und ließ ihre Kleider und Haare im Winde aufflattern.
Es war nicht von der Hand zu weisen, sie hatten eine gewisse Ähnlichkeit wie sie dort beide voreinander standen.
Die langen, schwarzen Haare gebunden zu einem hohen Zopf und ein attraktives, jugendliches Gesicht, mit großen, klaren Augen.
Sun Yan war nur ein kleines Stück größer und seine grünen Augen stachen wie zwei Edelsteine aus seinem Antlitz hervor.
Wei Wuxian legte seine rechte Hand nachdenklich um sein Kinn.
„Nehmen wir mal an, ich wäre Wei Wuxian... Würde das für euch einen Unterschied machen? Letztes Endes ist es doch egal. Wer bin ich schon? Oder sollte ich eher sagen, wer seid ihr schon?" Fragte er überspitzt.
„Du..." Stotterte Sun Yan los. Seine Zähne knirschten unruhig, als er sich von Wei Wuxian an der Nase herumgeführt fühlte.
Er war zwar jünger als Wei Wuxian, aber er hatte seinen Stolz und nach den vielen Jahren unter Jiang Cheng, hatte er auch sein reizbares und überhebliches Gemüt übernommen.
„Passt auf was ihr sagt." Zeigte er mit ausgestrecktem Zegefinger auf Wei Wuxian.
„Sonst was?" Fragte Wei Wuxian überheblich, während er begann sich desinteressiert seine Fingernägel anzusehen.
In Sun Yang stieg die Wut auf über so viel respektlosigkeit.
Er legte seine Hand auf das Heft seines Schwerter und machte einen Schritt auf Wei Wuxian zu.
„Hoppla!" Sagte Wei Wuxian laut.
„Young Master Sun Yan, dies ist die Cloud Recesses. Kämpfe sind hier verboten. Bitte beschränkt euch auf einen verbalen Kampf ohne dabei ausfällig zu werden, soweit ihr dieser Art der Duellierung natürlich mächtig seid." Wei Wuxian überkreuzte seine Hände hinter seinem Rücken und machte ein paar leichtfüßige Schritte nach hinten.
„Ihr...ihr seid die Wurzel allen übels." Zischte Sun Yan.
Wei Wuxian weitete seine Augen und zeigte mit seinem Finger auf sich selbst.
„Ich?" Fragte er unschuldig.
„Nein, nein, nein, dass müsst ihr falsch verstanden haben. Ich bin nur ein Gast hier in der Cloud Recesses."
Wei Wuxian überkreuzte verweigernd seine Hände, um seine Aussage noch zu unterstreichen.
„Ich bin vielleicht nicht gerade der beliebteste Gast und okay ich gebe zu, der alte Lan kann mich auch nicht besonders leiden aber die Wurzel allen Übels, so würde ich das nicht nennen..."
Wei Wuxian dachte für einen Moment nach.
„Nagut, sagen wir vielleicht manchmal und es kommt gewiss darauf an über wen wir hier sprechen. Lan Qiren würde euch vielleicht Recht geben aber wenigstens Hanguang-Jun, der würde mir Recht geben...Also..
ein wenig vielleicht...
etwas...
ein bisschen?" Wei Wuxian war sich unsicher.
Sun Yans Augenbrauen begannen nervös zu zucken als ihm fast der Kragen geplatzt wäre.
„Was redet ihr für ein wirres Zeugs? Ich bin zu tiefst entteuscht das, DAS hier der gefürchete Yiling Patriarch sein soll?!"
Wei Wuxian streckte seine flache Hand nach vorne aus.
„Moment, was heißt hier entteuscht? Und was meinr ihr mit DAS da? Außerdem habe ich nie gesagt, dass ich der Yiling Patriarch sei. Also so lange könnt ihr euch die Entteuschunng noch aufsparen." Kicherte Wei Wuxian vergnügt und ein breites Grinsen flog über sein Gesicht.
Sun Yan starrte ihn fassungslos an.
Er nuschelte zu sich selbst:
„Und das ist der Wei Wuxian, über den ich die ganze Zeit von euch Geschichten gehört habe?"
Wei Wuxian stutzte.
„Habt ihr euch etwa vorgestellt der Yiling Patriarch sei ein feuerspuckendes Monster? Wir haben alle unsere Ecken und Kanten. Woher nehmen die Leute nur immer diese wilden Fantasien?
Und wer hat euch überhaupt die ganze Zeit Geschichten erzählt? Seid ihr euch sicher, dass diese Person glaubwürdig ist?" Wei Wuxian fuchtelte verneinent mit seiner Hand hin und her.
Sun Yan konnte schließlich nicht mehr an sich halten. Ein paar Adern traten an seiner Stirn vor Aufregung hervor und sein Gesicht bekam eine gesündere Hautfarbe.
„Was wisst ihr denn schon?" Donnerte er los.
„Ihr wart tot. Ganze 13 Jahre. Ich war es, der die ganzen Jahre an Jiang Chengs Seite war, nicht ihr. Ich habe ihn leiden sehen und ich war es, der zu ihm stand!
Ich habe mit ihm in den Jahren den Yunmeng Jiang Clan wieder aufgebaut und ich war seine rechte Hand, auf die er sich verlassen konnte, nicht ihr!
Tag und Nacht habe ich geschuftet und mein bestmöglichstes gegeben. Nur nie, nie war es gut genug und so sehr ich mich auch bemühte, redete er immer nur von EUCH.
Ihr seid wie ein Fluch, wie die Pest, ihr seid wie Gift. Ihr habt so tiefe Wunden bei den Menschen hinterlassen, dass man sich über Jahrzente totschuften könnte und dennoch reden immer alle nur von euch.
Ich hasse euch! Ich verbscheue euch! Wärt ihr doch nur nie dagewesen, wärt ihr doch nur wieder gekommen, dann würde Jiang Cheng mich vielleicht eines Tages endlich sehen!" Sun Yans Stimme war immer lauter geworden und der Zorn, die Wunt und all die negativen Emotionen strömten in seinem Herzen auf und machten sich Luft.
Wei Wuxian zuckte zusammen, als er mit seiner Spielerei bemerkte, dass er hier wohl einen ziemlich wunden Punkt getroffen hatte.
Sun Yan machte ein paar große Schritte auf Wei Wuxian zu und seine Hand zitterte an dem Heft seines Schwertes, bereit es jede Sekunde zu ziehen.
Wei Wuxian wich ihm aus und ging ein paar Schritte rückwärts, als er plötzlich mit seinem Rücken gegen den Baum stieß und unsanft in seiner Bewegung gebremst wurde.
„Verschwindet einfach. Verschwindet einfach nur aus meinem Sichtfeld und treten nie, nie wieder unter Jiang Chengs Augen!" Schrie Sun Yan los, als er plötzlich sein Schwert aus seiner Scheide befreite und die gleißende Klinge die Luft zerteilte.
Wei Wuxians Augen weiteten sich, als die Klinge mit einem heftigen Hieb genau neben seinem Kopf in den Baum reinschlug.
- Meine Güte, er hat wirklich das Temperament von Jiang Cheng. Warum rammt eigentlich ständig irgendjemand sein Schwert neben meinen Kopf irgendwo rein?- Dachte sich Wei Wuxian, als er in dieser Sekunde auch schon ein bekanntes Geräusch vernahm.
Durch die Bäume sauste plötzlich ein helles, blaues Licht und wie ein Blitz kam plötzliche ein Schwert auf die Lichtung geflogen und rammte sich genau zwischen Sun Yan und Wei Wuxian in die Erde. Die helle Klinge umgab ein mystisches, blaues Licht und die starke spirituelle Energie war deutlich zu spüren. Es war Bichen.
Sun Yan erschrak und sprang mit einem großen Sprung nach hinten. Sein Schwert wurde zurück gelassen und steckte noch immer regungslos im Baum.
Wei Wuxian duckte sich schnell.
„Huch, da ist er ja schon. Das ging aber flott.." Nuschelte Wei Wuxian als er auch schon wie ein Schatten schnell hinter dem Baum abtauchte.
„Wer?" Fragte Sun Yan erschrocken, als er auch schon eine starke Präsens spürte, die hinter ihm die Lichtung betrat.
Sun Yan drehte sich hektisch um, als er eine Person ganz in weiß gekleidet sah.
Der Wind bließ durch die Kleider, das lange schwarze Haar tanzte im Wind und die Enden eines weißen Kopfbandes mit kleinen Wolken, flatterte wild umher.
Eine eiserne, kühle Miene in einem attraktivem Gesicht starrte Sun Yan an und sein Blick drang tief in ihn hinein.
Obwohl das Gesicht der Person keine Emotionen zeigte, spürte Sun Yan einen eisigen Schauer, der ihm den Rücken hinab lief.
„...HanGuang-Jun...! Sagte er leise als, er sich schnell verneigte und Lan Wangji respektvoll begrüßte.
Er biss sich auf die Backenähne, als er den Zorn Gottes erwartete, der nun auf ihn hereinfallen würde.
„Hm" Nickte Lan Wangji ihm ruhig zu und erwiderte damit seine Begrüßung.
Doch Lan Wangji hatte keine Zeit für Sun Yan. Sein Blick fiel zu dem großen Baum und er schien jemanden zu suchen, der eben noch dort gestanden hatte.
Bichen löste sich wieder aus der Erde und flog zurück zu seinem Meister und verschwand geräuschlos wieder in seiner Schwertscheide.
Sun Yan wagte es kaum etwas zu sagen, als er zu Lan Wangji herüber blinzelte.
„Ich...ähm...also...es ist nicht so wie es aussieht...wir..." Versuchte er sich zu erklären.
Doch über Lan Wangjis Lippen kam nur ein ruhiges Wort.
„Wir?"
Sun Yan stutzte. Er drehte sich schnell um und bemerkte nun auch, dass Wei Wuxian schon lange verschwunden war. Irritiert drehte er sich ein paar mal um, doch außer sein Schwert, welches noch immer im Baum steckte, war keine Spur einer zweiten Person oder eines Konfliktes zu sehen.
Lan Wangji blickte ebenfalls sprachlos ins Dickicht und verharrte für einen Moment in seiner stillen Ruhe. Dann schüttelte er langsam den Kopf und drehte sich um.
Als er sich abwendete und an Sun Yan kommentarlos vorbeischritt, versuchte dieser erneut sich noch einmal zu erklären.
„Verzeiht HanGuang-Jun. Es ist nicht so, dass ich die Regeln des Gusu Lan Clans nicht gelesen hätte."
Er verneigte sich noch einmal tief. Er wusste, dass Lan Wangji sie gesehen haben musste und was noch viel schlimmer war, er hatte gesehen wie er das Schwert genau neben Wei Wuxians Kopf in den Baum gerammt hatte.
Da Lan Wangji für die Bestrafungen im Gusu Lan Clan verantwortlich war, ahnte er böses. Was ihn aber noch viel mehr Unbehagen bereitete war nicht die Angst vor einer Bestrafung durch die Hand des Gusu Lan Clans, sondern das Jiang Cheng von dieser Sache erfuhr.
Sein Blick war nach unten gerichtete und er suchte nach den richtigen Worten, als er sich über seine eigene Dummheit ärgerte.
- Wie konnte ich mich nur so provozieren lassen? Oder eher, wie konnte ich nur so schlecht meine Emotionen im Griff haben?- Fragte er sich selbst in Gedanken.
Er holte einmal tief Luft.
„HangGuang-Jun, verzeiht. Es wird nicht wieder vorkommen. Es war ein Ausrutscher, ein Versehen. Verzeiht das ich zu schwach war meine Emotionen unter Kontrolle zu haben. Ich nehme jede Bestrafung auf mich die für mein Handeln angemessen ist nur...nur...bitte, sagt Jiang Cheng nichts davon." Seine Stimme war zaghaft und vorsichtig und er verneigte sich noch einmal tief in Ehrfurcht vor Lan Wangji.
Lan Wangji blieb stehen und drehte seine Seite noch einmal zu Sun Yan.
Einen Moment blickte er still zu ihm herüber, während er sich noch immer tief vor ihm verbeugte. Dann öffnete er langsam seine Lippen. Seine Stimme war tief und ruhig.
„Ich kann nicht Recht sprechen über die Situation, da ich nur einen Bruchteil davon mitbekommen habe.
Das Kämpfen im Gusu Lan Clan ist aber verboten!"
Sun Yans Augen weiteten sich.
- Lies HanGuang Jun etwa Gnade über ihn walten?-
„Habt vielen Dank, es wird nie wieder vorkommen!" Antwortete er schnell.
„Hm" Bestätigte Lan Wangji mit einem tiefen Brummen.
„Aber... Mo Xuanyu, ihm werdet ihr euch nie wieder nähern..."
Lan Wangji warf Sun Yan einen scharfen Blick zu und in seinen Augen funkelte etwas beängstigendes.
Sun Yans Augen weiteten sich.
„Natürlich!" Antwortete er und er verneigte sich noch einmal tief, als Lan Wangji die Lichtung wieder verließ.
Noch einen kurzen Augenblick blieb er dort regungslos stehen und schaute ihm nach, wie die weiße Robe spielerisch im Winde wehte und einem großen, kräftigen Rücken mit Leichtigkeit folgte.
Ein amüsiertes Lächeln, lag auf Wei Wuxians Lippen, als er seine Kleider abklopfte und leise wie eine Katze, im tiefen Dickicht verschwand.
