Hallo liebe treue Leserschaft :)

Erstmal muss ich euch alle knutschen und euch ein gutes, neues Jahr wünschen, auch wenn schon Ende Februar ist!

Ich hör einfach mal auf, mich für die ewige Verzögerung zu entschuldigen - ich schreib momentan noch an drei anderen Sachen und dann gibts da ja auch noch ein Studium, das mal irgendwann gemacht werden will :D Aber es geht stetig voran... und zum Dank für die Geduld gibts heute mal ein bisschen Action :)) Diesmal allerdings nicht besonders viel Snanger-Interaktion ;)

Yusuria: Danke für deine ellenlangen Reviews - ich liebe sie :D Die Haare sind einfach von x-beliebigen Muggeln, deshalb würden sie im Ministerium auf jeden Fall nicht erkannt ;)

Buffy66: Besser spät als nie wünsche ich dir auch noch eine schöne Adventszeit und eine tolle Weihnachtszeit nachträglich (Ich hoffe, sie waren schön? :D) und natürlich ein supergutes, neues Jahr! Die Gallaghan wird auf offiziellem Weg alle gemacht - Sevi hat da noch was ganz anderes im Sinn ;) Aber ich verrat mal nicht zu viel... nur so viel: Er ist böse. Und ich liebe ihn dafür :D Daddy hin, Daddy her - in ihm steckt immer noch ein Severus Snape. Und ein Severus Snape beschützt, was er liebt ;) (Auch wenn er das nie so sagen würde)

Also weiter geht's!

36. Rache

Hermine merkte mit Entsetzen, wie die Rückverwandlung begann, während sie durch die Lobby stürmten und dadurch unangenehm viel Aufmerksamkeit auf sich zogen.

Sie sah noch, wie Severus Elena packte und sie in eine Lücke manövrierte, bevor sie aus ihrer Sicht verschwanden, und kombinierte rasch, dass er sie mit einem Ignorierzauber relativ unsichtbar gemacht hatte. Länger dachte sie nicht mehr nach - die Rückwandlung wurde schlimmer und bevor man erkannte, dass sie Vielsafttrank genommen hatte, aktivierte sie ihren Portschlüssel.

Glücklicherweise befand sie sich unmittelbar bei den Apparationspunkten, sodass ihr plötzliches Verschwinden nicht zu sehr auffallen würde.

In einem letzten Versuch, sich vor neugierigen Blicken zu schützen, warf sie ihre Kapuze über und hatte so die Arme vor dem Gesicht, als sie merkte, dass ihre Gesichtszüge sich veränderten.

Dann spürte sie das vertraute Reißen hinter ihrem Bauchnabel und ergab sich der Rückverwandlung.


Sie hatte kaum Zeit sich zu besinnen. Eine glücklicherweise höchst vertraute Stimme kreischte „Mom!" und im nächsten Moment hing ihr ihre Merlin sei Dank wieder normalgroße Tochter am Hals und riss sie in eine ungestüme Umarmung.

Erleichtert erwiderte sie die Umarmung.

„Hermine." Severus tauchte neben ihnen auf und nickte ihr zu und sie lächelte ihn erleichtert an.

„Ihr habt es geschafft."

Seine Augenbraue schoss in die Höhe. „Augenscheinlich. Fünf Punkte für Gryffindor für die bahnbrechende Entdeckung einer Offensichtlichkeit."

„Zu schade, dass wir uns noch nicht auf dem Schulgelände befinden." Sie lachte und Elena, die sich wieder von ihr gelöst hatte, hüpfte aufgedreht auf und ab, während Severus Hermine einen spöttischen Blick zu warf.

„Das musst du später nochmal sagen, Da!"

Severus warf ihr einen irritierten Blick zu. „Was ist ein ‚Da'? Und bitte hör mit dem Gehopse auf!"

„Ein ‚Da' ist ein Dad, Da!" Elena hörte folgsam auf zu hüpfen, doch die Aufregung durchströmte sie noch immer und so wippte sie unruhig von einem Bein auf das andere.

Verwirrt rieb ihr ‚Da' sich die Stirn. „Was genau gefällt dir an meinem Vornamen oder ‚Dad' nicht?"

Hermine wollte sich kugeln vor Lachen ob seiner Hilflosigkeit im Angesicht der Anwandlungen einer überdrehten Zwölfjährigen. Sie hatte ihn gewarnt.

„Ich muss alles durchprobieren! Wie findest du ‚Pa'?"

Als Severus kaum sichtbar schauderte, musste Hermine doch lachen.

„Ich glaube nicht, dass ‚Pa' angemessen ist, Elena. Ich fände es schön, wenn du bei ‚Severus' und ‚Dad' bleibst. Vor allem, wenn andere dabei sind. Und jetzt gehen wir zurück ins Schloss, sonst verpasst du das Abendessen."

„Darf ich dabei sein, wenn ihr die Gallaghan bei Prof Dumbledore anschwärzt?"

„Prof Dumbledore hat mit der Sache nichts zu tun. Ich werde eine Nachricht an Dennis Creevey schreiben. Das ist kein Spaß, Elena, sondern eine ernste Angelegenheit."

„Und es heißt Mrs Gallaghan", fügte Severus hinzu, erleichtert, dass Hermine das Zepter wieder übernommen hatte.

Elena zog einen Flunsch. Ganz offensichtlich war der Ausflug vorbei… und der Spaß auch. Um sich den Nachmittag nicht völlig zu ruinieren, widersprach sie nicht und ließ sich zum Schloss treiben.

„Elena", rief ihre Mutter sie zurück, bevor sie sich am Kerker trennten. „Es ist, hoffe ich, selbstverständlich, dass unser kleiner Ausflug ein Geheimnis bleibt? Auch gegenüber Lilly und James!"

„Jaaa, Mom." Offensichtlich war es nicht so selbstverständlich gewesen, denn Elena sah ein wenig enttäuscht aus.

Hermine verkniff sich ein Lächeln und warf ihrer Tochter stattdessen noch einen warnenden Blick zu, bevor sie sich endgültig trennten.

Auf dem Weg zum Kerker trafen sie einige wenige Slytherins, die jedoch entweder nur stumm, mit eingezogenen Köpfen an ihnen vorbei eilten oder kurz höflich grüßten.

Beide Reaktionen waren für Severus aus zweierlei Gründen eine Genugtuung. Erstens hatte er seinem Haus direkt nach dem Vorfall mit dem Zeitungsartikel eine deutliche Ansage gemacht und seit dem hatte es zumindest in seiner Gegenwart nicht einen Mucks über ihn und Hermine gegeben. Was die Schüler hinter seinem Rücken flüsterten, konnte er nicht beeinflussen, aber es war ihm ohnehin gleich.

Zweitens erleichterte es ihn ungemein, dass er seine Schüler offenbar so gut im Griff hatte, obwohl ihm diese Vatersache mit Elena noch schwer fiel. Er hatte deutlich gemerkt, wie Hermine sich in Gegenwart der Schüler verspannt hatte und auch ihr leises Erstaunen bemerkt, als die beißenden Kommentare, die sie von den Slytherins aus ihrer eigenen Schulzeit gewohnt war, wegblieben.

In seiner Wohnung angekommen setzte Hermine umgehend ein Schreiben auf, in dem sie Dennis darüber informierte, dass ein anonymer Tipp ihnen Mrs Gallaghan als Verantwortliche für den Vorfall mit der Zeitung genannt hatte, und verlangte, dass er der Sache nachging, notfalls mit Veritaserum.

Die restliche Zeit bis zum Abendessen verbrachten sie mit einer Übungsrunde mit dem Irrwicht und Severus war so weit zufrieden mit ihrem Fortschritt. Übers Wochenende würde er den Irrwicht nicht stumm lassen, sodass Hermine den Ernstfall üben konnte, aber er war zuversichtlich, dass sie die Verhandlungen ohne weiteren Schaden überstehen würde.


Am nächsten Tag kam ein dicker Umschlag von Dennis Creevey, der sich in blumigsten, ausschweifendsten Worten für den Vorfall entschuldigte, ihnen die neuen Dokumente mitschickte, in denen Severus Snape nun als Elena Granger-Snapes Vater eingetragen war, und langatmig erklärte, dass er den Hinweis ernst nahm und die Sache verfolgte und sie auf dem Laufenden halten würde.

Das war so weit der Effekt, den Hermine sich erhofft hatte und mit den neuen Dokumenten in der Hand fühlte sie sich etwas weniger gestresst, wenn sie an die kommende Verhandlung am Dienstag dachte. Egal was Lestrange sagte, sie hatte nun etwas gegen ihn in der Hand, was niemand anzweifeln konnte. Das Ergebnis des Tests war reproduzierbar. Elenas Haare würden die Wahrheit niemals verraten.

Sie brachte eine Kopie der neuen Geburtsurkunde ihrer Tochter selbst zu Albus und er beglückwünschte sie warmherzig zu dem Erfolg und ließ Elena ebenfalls rufen, damit sie die Neuigkeiten begutachten konnte.

Hermine beobachtete voller Rührung, wie ihre Tochter beim Anblick ihrer neuen Geburtsurkunde, in der sie nun ihren richtigen und den neuen Nachnamen führte, in helles Begeisterungsquietschen ausbrach. Ihr Blick traf den des Schulleiters und sie teilten einen Moment stiller Freude und auch gewissen Erstaunens: Wer hätte gedacht, dass sich eines Tages einer von Severus Snapes Schülern freuen würde, seinen Nachnamen zu tragen.

Und für einen kurzen Moment erlaubte Hermine sich den Gedanken, dass Hermine Snape auch nicht schlecht klang… doch sie wischte den Gedanken rasch beiseite. Es gab wirklich wichtigeres zu tun.

Elena bat um eine Kopie der Geburtsurkunde und mit einem kleinen Lächeln duplizierte Hermine das Schriftstück für sie, bevor Albus es wegsortierte.

Das Pergament fest an die Brust gedrückt rannte Elena davon, um es Lilly und James zu zeigen und Albus und Hermine blieben zurück, für einen Moment jeder versunken in seine eigenen Gedanken.

Schließlich war es Albus, der wieder geschäftig wurde und sanft, aber ernst über seine Halbmondbrille schaute.

„Wie laufen eure Vorbereitungen für Dienstag?"

Einen Augenblick schloss Hermine die Augen, bevor sie sie wieder öffnete und ein wenig angestrengt lächelte. „Sie laufen gut. Wir üben mit einem Irrwicht und es wird besser."

Albus lächelte verständnisvoll. „Das ist gut. Das ist sehr gut, Hermine. Drei Verhandlungen und du kannst mit der Sache abschließen."

Sie nickte mit einem falschen Lächeln. Der Schulleiter meinte es gut, aber er verkannte die Situation, trotz all der Jahre, in denen er ihre Probleme quasi live miterlebt hatte. Hermine war sich nicht sicher, ob sie mit „der Sache" jemals ganz abschließen können würde. Natürlich, es wurde leichter und seit dem Elena und auch sie selbst in Sicherheit waren, war es einfacher, nur noch selten darüber nachzudenken… aber die Geschehnisse waren nie ganz weg.

Während sie in Gedanken versunken war, hatte Albus sich zurück gelehnt und die Fingerspitzen aneinander gelegt.

„Was sind deine Pläne für dein Leben nach den Verhandlungen?"

Sie schrak ein wenig auf und verkniff sich eine Grimasse. Die Frage, über die sie nicht nachdenken wollte. Ein Leben nach den Verhandlungen schien momentan noch ungreifbar und unendlich weit weg… und vor allem schien es momentan noch ein Leben ohne Severus Snape zu sein und Hermine mochte sich noch nicht in die Abgründe dieser Überlegung und ihrer Konsequenzen stürzen.

„Ich habe noch nicht weiter darüber nachgedacht… es gab bisher so viel zu tun, was dringender war."

Albus zog eine weiße, buschige Augenbraue hoch, nickte jedoch. Natürlich nahm er ihr das nicht ab. Er kannte nur zwei Menschen, die genauso weit voraus planten und so viele Alternativpläne auf der Hinterhand hatten wie Hermine Granger… und das waren Severus Snape und er selber.

„Dann werden wir später noch einmal darüber sprechen. Ich hätte da ein paar Vorschläge." Er zwinkerte Hermine zu und sie nickte, wieder ehrlicher lächelnd.

„Hast du heute noch Pläne?", erkundigte er sich dann. „Minerva sagte beim Frühstück, dass sie dich heute für einen Hexenabend beschlagnahmen will."

Hermine lachte und schüttelte den Kopf. „Da hab ich nichts einzuwenden."

„Ich bin mir sicher, sie wird sich darüber freuen."


Severus hatte andere Pläne. Nachdem Hermine ihm den Brief von dem Creevey Jungen gezeigt hatte und er sich für einen stillen, verstohlenen Moment in ihrer leisen Freude gesonnt hatte, war ihm klar, dass er tun musste, was er tun musste. Und zwar schnell. Die Presse schlief nicht.

Insofern kam es ihm mehr als gelegen, dass Hermine ihm verkündete, dass Minerva McGonagall sie abends zu einem Weiberabend eingeladen hatte. Ihre scherzhafte Frage, ob er mitkommen wolle, hatte er mit einem Blick abgrundtiefer Verachtung gekontert und nur mit seiner besten Snape-Stimme geschnarrt: „Nur über meinen kalten, toten Körper, Granger."

Ihr darauf folgendes, helles Lachen war wie Wasser in der Wüste.

Und so lauerte er nur in seinem Labor darauf, dass der Tag vorbei war. Sogar die tägliche Projektstunde mit Elena, die irgendwie keiner von ihnen beenden wollte, obwohl die Gefahr nun gebannt war, verbrachte er nur mit halber Aufmerksamkeit. Das Mädchen war exzellent in der Lage alleine zu arbeiten und nachdem sie gemerkt hatte, dass er nicht ganz bei der Sache war, hatte sie dankenswerterweise auch ihr Geschnatter über ihren neuen Namen und all die Aufregung eingestellt und ihn stattdessen nur zwischendurch neugierig betrachtet, während er sich ausmalte, was er der unsäglichen Katrina Crane alles antun wollte.

Ihr Räuspern riss ihn irgendwann aus seinen Gedanken. Verdammt. Seine Spionagereflexe verließen ihn.

Als er aufsah, gewahrte er, dass der geforderte Wachstumstrank sauber abgefüllt und verkorkt auf ihrem Tisch stand und ihre Arbeitsutensilien bereits alle weggeräumt waren.

„Ich bin fertig", erklärte sie überflüssigerweise und er zog die Augenbrauen hoch.

„Augenscheinlich." Er trat in einer flüssigen Bewegung zu ihr und beäugte den Trank, schwenkte ihn leicht und wedelte sich den Geruch zu. „Exzellent."

Sie begann zu strahlen, als er ihr einen anerkennenden Blick zu warf, der für das geschulte Auge schon fast in einem Lächeln mündete.

„Wir werden die Projektstunden für die nächsten drei Wochen nicht mehr stattfinden lassen, Elena."

Das saß. Elenas Strahlen erlosch, als hätte jemand eine Kerze ausgeblasen.

„Warum? Magst du mich jetzt nicht mehr?"

Er unterdrückte ein Stöhnen, als er sah, dass ihr tatsächlich Tränen in die Augen geschossen waren. Wann genau war er zur Lieblingsfreizeitbeschäftigung einer Erstklässlerin geworden?

„Mache ich den Eindruck als würde ich jemanden, den ich nicht mag, zu meiner Tochter erklären lassen, Elena Granger-Snape?"

Sie zuckte die Schultern, sah aber doch etwas beruhigter drein, vor allem, als er sie bei ihrem neuen Namen rief. Er seufzte und lehnte sich mit verschränkten Armen an sein Pult.

„Nächste Woche wird Rabastan Lestrange der Prozess gemacht. Die Woche darauf Walden Macnair. Und in der dritten Woche Anthony Travers. Zu jedem dieser Termine werden deine Mutter und ich als Hauptzeugen auftauchen müssen. Das wird sehr anstrengend und sehr belastend für deine Mutter. Und vielleicht irre ich mich – wobei wir beide wissen, dass das eher unwahrscheinlich ist – aber ich denke, deine Mutter braucht in den nächsten Wochen mehr Aufmerksamkeit als du."

Elenas Unterlippe begann zu beben und Severus wollte weglaufen. Warum konnte man mit Kindern nicht vernünftig reden?!

„Werden sie ihr wehtun?!"

Aha. Sie machte sich also Sorgen um ihre Mutter. Damit konnte er besser umgehen als mit ihren Verlustängsten.

Er schüttelte knapp den Kopf. „Das können sie nicht mehr. Nichtsdestotrotz werden es anstrengende Wochen für sie. Abgesehen davon hast du bald Prüfungen. Es wird nicht schaden, wenn du die freie Zeit zum Lernen benutzt. Immerhin bist du jetzt auch ganz offiziell die Tochter von zwei der größten Alleswisser, die Hogwarts in den letzten 100 Jahren beherbergen durfte."

Sie nickte. „Ich hab schon einen Lernplan gemacht. Mom hat mir mal gezeigt, wie das geht."

„Zweifellos hat sie das." Er grinste halb spöttisch, halb anerkennend. „Und ich bin mir sicher, dass du deine Sache gut machen wirst."

Zu seiner unendlichen Erleichterung waren die Tränen verschwunden und sie sah entschlossen aus, alles in ihrer Macht stehende zu tun, um ihrer Mutter nicht noch mehr Probleme zu machen, als sie ohnehin schon hatte.

„Darf ich zwischendurch mal vorbei kommen?"

„Wenn Prof McGonagall es erlaubt… und wenn ich es erlaube."

Elena nickte pflichtschuldig.

Damit entließ er das Mädchen, schloss den Klassenraum ab und wandte sich in Richtung des Haupttors, ohne vorher noch einmal in seinen Räumlichkeiten vorbei zu sehen. Es gab einiges zu tun.


Er ließ das Schulgelände mit langen Schritten hinter sich, ohne die herumlungernden Schüler zu beachten, die in gewohnter Faulheit das Wochenende begrüßten. Nicht, dass sie sich anders verhielten als den Rest der Woche, aber man könnte meinen, dass sie zumindest so kurz vor Ende des Jahres um ihre Prüfungen besorgt wären. Immerhin war es Februar.

Hinter der Schulgrenze apparierte er zielstrebig.

Das Haus, vor dem er sich wieder manifestierte, lag in einer Zauberersiedlung etwas außerhalb von London. Es gab nur vier andere sichtbare Häuser hier und aus seinen Recherchen wusste Severus, dass Katerina Crane ihr Haus nicht versteckte. Nicht, dass ihn so eine Lappalie aufgehalten hätte.

Aber nein, die Klatschreporterin hatte mit dem ihrer Zunft angemessenen Hochmut wohl entschieden, dass sie trotz ihrer zahlreichen Lügenmärchen und Skandalenthüllungen keinen Schutz nötig hatte, weshalb ihr Haus ohne weiteres sichtbar war. Es gab einen kaum nennenswerten Alarmierzauber sowie einen simplen Ignorierzauber, die ihn kaum mehr als einen Fingerschnips kosteten. Katerina Crane war zweifellos nicht in Angst vor dem dunklen Lord und seinen Gefolgsleuten groß geworden, denn sonst wäre ihr Haus besser geschützt. Nein, Severus tippte auf eine Sympathisantenfamilie, vielleicht sogar niedere Gefolgsleute – eine Familie, die auch im schlimmsten Toben des Krieges vor 12, 15 Jahren keine Angst gehabt haben musste.

Das erleichterte ihm die Sache natürlich ungemein.

Er neutralisierte die Zauber nicht komplett, sondern schaltete sie nur so lange stumm, um sich Zutritt zu dem Haus verschaffen zu können, um keine vielleicht versteckten Alarmsysteme zu triggern.

Drinnen überprüfte er alles noch einmal auf verborgene Abwehrzauber, doch Katerina Crane war tatsächlich so ungeschützt, wie er vermutet hatte.

Nun, nach heute würde sie aus diesem Fehler lernen.

Laut seiner Recherche kam sie jeden Tag zwischen fünf und sieben nach Hause – es war jetzt kurz vor sechs, die Chancen standen also gut, dass er nicht mehr lange warten musste.

Um seine Zeit sinnvoll zu nutzen, machte er sich ein schnelles Bild von dem kleinen Häuschen – im Erdgeschoss befanden sich ein Wohnzimmer mit offener Küche, ein kleines Bad ohne Fenster und ein Arbeitszimmer, in der ersten Etage nur ein weiteres Bad und zwei Schlafzimmer, von denen eines eindeutig als Gästezimmer genutzt wurde.

Grimmig begab er sich ins Arbeitszimmer und begann systematisch, den schweren Schreibtisch und die Ordner in dem einen vorhandenen Bücherregal zu durchsuchen, nachdem er alle Räume auf etwaige Spionagegegenstände, die ihn verraten könnten, überprüft hatte.

Die Suche erwies sich schließlich als einfacher als gedacht – einer der Ordner trug die Aufschrift „GT u.A.w.m.i.i.V.s.". Er konnte sich nur mühsam ein Schnauben verkneifen, als er den Ordner aufschlug und ihn ein Deckblatt mit alten Fotos von Potter, Weasley und Hermine anlachte. Darunter war auch der Ordnertitel aufgedröselt: „Goldenes Trio und alles, was mit ihnen in Verbindung steht".

Jeder der drei hatte einen eigenen Reiter, wobei naturgemäß jener von Potter am dicksten war, doch auch über Hermine hatte die Frau sich offenbar vor allem in den letzten Tagen eingehend informiert und alles über sie herausgesucht, was sie finden konnte. Die Informationen über Hermine gingen von alten Zeitungsartikeln von Rita Kimmkorn über Schulzeugnisse, gewonnene Auszeichnungen, Abschlüsse und Diplome (auch schon unter dem neuen Namen Mina Parker) über die geklauten Informationen aus dem Vaterschaftsantrag bis hin zu Ausschnitten aus Muggelzeitungen, in denen über den Tod ihrer Eltern berichtet wurde. Vor ihm ausgebreitet lag das Leben von Hermine Granger und jede Seite widerte ihn in ihrem Voyeurismus an, auch wenn er Katerina Crane eines widerwillig zugestehen musste: Die Frau machte ihre Hausaufgaben. Gründlich.

Am Ende des Reiters fand er seitenweise Fotos. Zu seiner Erleichterung waren es noch nur Fotos von der jungen Hermine – aus Jahrbüchern, aus Nachrichten, von Papparazzi – doch Severus machte sich keine Illusionen – spätestens nach Dienstag würde es genug Fotos von der aktuellen Hermine geben, um die Wand in seinem Klassenzimmer damit zu pflastern.

Ein Geräusch ließ ihn aufmerksam werden – jemand kam den Kiesweg zum Haus hoch.

Rasch stellte er den Ordner wieder an seinen Platz ins Regal und sprach einen raschen Ignorierzauber über sich selbst, bevor er sich in dem Sessel in der Ecke des Büros platzierte.

Jetzt musste er nur noch warten.

Miss Crane ließ sich Zeit. Sie flanierte zunächst ins Badezimmer und dann in die Küche, wo sie sich offensichtlich Tee kochte.

Nach einer gefühlten Ewigkeit hörte Severus sie wieder rumoren und leise vor sich hinsummen. So langsam packte ihn die Ungeduld, doch bevor er den offenen Angriff startete, wartete er lieber noch, wohin es sie als nächstes verschlug.

Und er hatte Glück.

Den neusten Hit der Shrieking Shrews auf den Lippen kam sie ins Arbeitszimmer geschwebt – trotz der schweren Aktentasche auf ihrer Schulter mit höchstbeschwingtem Schritt und sich des Eindringlings völlig unbewusst.

Mit einem lauten Rumms ließ sie die schwere Tasche auf den Schreibtisch fallen und sich in den Chefsessel dahinter.

Dann ging alles ganz schnell.

Ein Flick seines Zauberstabs ließ die Tür mit einem gewaltigen Knall ins Schloss fallen und mit einem schrillen Aufschrei fuhr Katerina Crane aus dem tiefen Stuhl hoch, nur um im nächsten Augenblick mit einem ebenso lauten Schrei wieder in ihn hinein zu fallen, als Severus Snape wie der Teufel persönlich in voller Größe und mit Todesserblick vor ihrem Schreibtisch erschien.

Sein brennender Blick bohrte sich in ihren schreckerfüllten und obgleich sie eben noch geschrien hatte, saß der Schock ihr nun offensichtlich so sehr in den Gliedern, dass sie ihn und den auf sich gerichteten Zauberstab nur mit aufgerissenen Augen und aufgerissenem Mund anstarren konnte.

„Ich will kein Wort von ihnen hören", zischte Severus sie an. „Sie werden nicht schreien, sie werden nicht reden, sie werden nicht atmen. Wenn ich sie etwas frage, werden sie nicken oder den Kopf schütteln. Sollten sie sich nicht an diese Regeln halten, werde ich ihnen wehtun. Haben sie das verstanden, Miss Crane?"

Starr vor Angst nickte die Reporterin und ihre wässrig-blauen, leicht vorstehenden Augen schienen sich noch weiter vorzuwölben, als sie sich mit Tränen füllten.

Er nickte scharf. „Gut. Ich nehme an, ich habe ihre volle Aufmerksamkeit?"

Diesmal beeilte sie sich, sehr eifrig zu nicken und auch er nickte erneut, diesmal mit grimmiger Genugtuung. Er konnte es noch.

„Sehr gut, Miss Crane." Sein höhnisches Lob schickte ihr einen sichtbaren Angstschauer über den Rücken und sie drückte sich etwas tiefer in den Schreibtischstuhl. „Ihre Artikel der letzten Tage haben mir sehr missfallen, Miss Crane." Ein Wink seines Zauberstabes entlockte ihr einen stimmlosen Angstlaut, der sich in stille Erleichterung auflöste, als nur ihr „GT" Ordner vor ihr auf dem Tisch landete. „Miss Granger steht, wie sie ja schon so treffend festgestellt haben, unter meinem ganz persönlichen Schutz, ebenso wie meine Tochter." Es war seltsam vor jemand fremden über „seine Tochter" zu reden, doch Jahre als Spion hatten ihn gelehrt, auch ungewohnte Dinge so flüssig herunter zu rattern, dass auch dem besten Lügendetektor nichts auffallen konnte. „Ich mache es ganz kurz, damit sie es auch verstehen: Ich werde von ihnen keinen weiteren reißerischen Klatschartikel über meine Familie dulden. Ich werde ihr nettes kleines Informationsbündel hier mitnehmen und sie werden kein neues anfertigen. Sie werden sowohl Miss Granger als auch Miss Granger-Snape in Frieden lassen, insbesondere während und nach den bevorstehenden Verhandlungen. Sie werden keinen anderen Reporter bei einer Arbeit, die uns betrifft, unterstützen. Es wäre mir ein ganz besonderes Vergnügen, ihnen einen unbrechenbaren Schwur abzuverlangen, aber in Ermangelung einer dritten Person wähle ich die klassische Alternative: Wenn sie gegen eine meiner Forderungen verstoßen, wird es ihnen leidtun, Miss Crane." Er beugte sich weiter über den Tisch und die zitternde Frau versuchte, sich tiefer in ihren Stuhl zu drücken. „Sie werden nie wissen, wann und was ihnen oder jemandem, der ihnen nahesteht, passiert. Der arme alte Onkel Wilbur wäre sicherlich außer sich, wenn er einen ähnlichen Besuch bekäme, denken sie nicht? Ich bin mir nicht sicher, ob sein krankes Herz das überstehen würde."

Die blasse Haut der Frau ähnelte nun mehr der eines Inferius, was Severus äußerst zufrieden machte. Die Drohung war offensichtlich angekommen.

Er lächelte. Und es war kein freundliches Lächeln. „Es muss ja niemandem etwas geschehen, Miss Crane. Das liegt ganz alleine bei ihnen. Sagen sie ihrem Chefredakteur einfach, dass der Fall ihnen zu delikat ist."

Etwas blitzte in ihren Augen auf und Severus' Lächeln wurde breiter.

„Ich sollte sie vielleicht noch darauf hinweisen, dass es sinnlos ist, zu versuchen, etwas gegen mich in die Wege zu leiten, Miss Crane. Wenn sie die Fakten über mich durchgehen, die sie sicherlich in einem dieser schönen Ordner gelagert haben, werden sie das erkennen. Sollte ihnen der Sinn doch danach stehen, es zu versuchen, ist die Reaktion dieselbe, wie auf einen erneuten Zeitungsartikel…"

Das Aufblitzen war erloschen und Katerina Crane sackte in ihrem Stuhl in sich zusammen.

„Es wäre besser, wenn sie uns einfach vergessen, Miss Crane." Er fing noch einmal ihren Blick mit seinem ein und legte ein finsteres Versprechen hinein, damit sie zumindest seine nächsten Worte niemals vergaß: „Denn ich vergesse niemals."

Evil Badass Snape voraus! (ich muss ihn öfter rauslassen, er macht mich kribbelig :D)