AN: Huhu ihr Lieben! Ich habs gestern leider doch nicht mehr geschafft, das Kapitel fertig zu schreiben, aber sei es drum :) Jetzt gehts weiter mit Rick und Sully auf ihrem persönlichen Highway to Hell ...
Disclaimer: Die TV Serie CSI NY gehört den Produzenten Bruckheimer / Zuiker!
Außerdem gibt es hier wieder Rick und Sully von den Black Knights!
Zum Kapitel:
Die langweilige Fahrt und die Hitze, die sich im Wagen ausbreitet, machen Sully sehr zu schaffen und er lässt seiner Frustration freien Lauf - ganz zum Mißfallen von Rick! Dessen Geduld hat nämlich auch irgendwann mal ein Ende ...
Irgendwo in Pennsylvania ...
Die Sonne knallte auf das pechschwarze Dach des Sportwagens und erhitzte das Metall von Minute zu Minute mehr. Gegen neun Uhr vormittags waren die beiden Offiziere der Black Knights wieder auf einem anderen Highway unterwegs. Sie hatten sich in der Raststätte ein Frühstück gegönnt - inklusive starkem Kaffee und belegtem Brötchen und waren dann ohne weitere Zwischenfälle abgefahren.
Jetzt sass Rick wieder hinter dem Lenkrad, was er mit der linken Hand sanft festhielt und trank an einer kalten Flasche Wasser, während er die nicht enden wollende, graue Strasse vor sich im Auge behielt. Aus den Lautsprecherboxen der Musikanlage strömte seit ein paar Minuten Radiomusik und nicht mehr Highway to Hell von Sullys selbstgebrannter CD! Rick war froh über ein bißchen Mainstream - schnörkellos - und ohne die harten Bässe und Gitarrenriffs, die ihm den letzten Nerv geraubt hatten!
Der Mann setzte die Plastikflasche Wasser kurz ab, starrte konzentriert nach vorn und trank dann einen weiteren kleinen Schluck um den Brand los zu werden. Vorsichtig klemmte er die Flasche zwischen seine Beine, griff mit Rechts nach vorn und nahm den blauen Deckel aus einem größeren Fach über dem Radio und schraubte ihn wieder auf die Flasche. Rick setzte den Blinker, warf kurz einen prüfenden Blick über seine Schulter und sauste dann auf die Nebenspur um zu überholen.
Nachdem er sich in den starken Verkehr auf der anderen Spur eingefädelt hatte, nahm er die Flasche mit zwei Fingern hoch und reichte sie Sully, der sie wortlos wieder zurück in den Fußraum warf. Das Wasser rollte ein paar Mal hin und her und blieb dann vor Sullys grauem Turnschuh liegen.
Rick sah ihn an. "Könntest du sie bitte aufheben und irgendwo reinstellen, Sully?"
Mit einem lauten Seufzer beugte sich der Junge nach unten, packte die Flasche am Hals und stopfte sie neben sich in die Halterung der Mittelkonsole zurück, wo Rick sie vor ein paar Sekunden rausgefischt hatte.
"Vielen Dank," gab der Colonel leise zurück und musterte seinen Ziehsohn.
Er konnte sehen und spüren, dass Sully genervt war!
Die lange Fahrt macht ihm bestimmt zu schaffen ... Oder er hat immer noch den Mustangfahrer im Kopf?
Rick sah wieder durch die Windschutzscheibe seines schwarzen Trans-Am hindurch und trat dann sanft auf die Bremse. Die vielen Wagen vor ihnen fuhren plötzlich langsamer. Rick rollte mit den Augen, als er den aufkommenden Stau entdeckte. Er trat die Bremse etwas mehr durch und warf einen Blick auf die anderen Spuren, doch auch dort war der Verkehr zum Erliegen gekommen. Rick seufzte und trommelte dann leicht mit den Fingern auf dem Lenkrad herum.
Neben ihm verschränkte Sully lustlos seine Arme vor der Brust, drückte sich etwas mehr in den beigen Sitz und streckte die langen Beine aus.
"Toll! Jetzt stecken wir auch noch in diesem beschissenen Stau fest," knurrte der Junge wütend.
Rick legte den rechten Arm auf die Mittelkonsole und drückte zwei Knöpfe. Fast lautlos öffneten sich die beiden Seitenfenster ein kleines Stück und ließen frische Luft in den überhitzten Innenraum. Der Radiosprecher meldete sich nach den Nachrichten und teilte die aktuellen Verkehrsnachrichten mit.
" ... Freitag Morgen unzählige Verkehrsunfälle auf verschiedenen Highways ... Auf dem Highway 62, der durch Pennsylvania nach New York verläuft sind ebenfalls viele Staus zu vermelden ... Räumung und Bergung des LKWs und seiner Ladung ist noch nicht abzusehen. ... Bitte haben sie Geduld! Wir informieren sie über die Räumungsarbeiten und wann die Strecke wieder frei passierbar ist ... Und jetzt geht es weiter mit Musik von Our Lady Peace ..."
"Super," sagte der Colonel mit zusammengebissenen Zähnen und fuhr sich mit der freien Hand durch das Haar. "Und das sagst du mir erst jetzt?!"
Im Schneckentempo kroch der Pontiac weiter hinter den restlichen Fahrzeugen her und Sully wurde immer genervter.
"Mir ist warm ..."
"Da kann ich leider auch nichts machen, Sully," versuchte Rick ihn zu beruhigen. "Trink bitte was, okay? Ich will nicht, dass dir plötzlich schlecht wird und ich hier irgendwelche lebensrettenden Maßnahmen einleiten muss!"
Donavan griff nach der Wasserflasche, zog sie aus der Halterung und öffnete sie. Er trank einen großen Schluck, setzte die Flasche wieder ab und Rick trat wieder auf die Bremse um den Wagen dann endgültig zum Stehen zu bringen. Der gelbe Wagen vor ihm rollte auch nicht mehr und irgendwo hinter Rick hupte Jemand wie wild, doch bringen würde das nichts! Gegen einen Unfall konnte man ja nichts machen oder?
Der Colonel warf kurz einen Blick auf die Digitaluhr im Armaturenbrett, rechnete nach und zog dann sein Handy von der Mittelkonsole. "Ich ruf mal eben Stephen an und sag Bescheid, dass wir wahrscheinlich etwas später da sind ..."
Sully schwieg, wischte sich mit den Händen durch das Gesicht und schnallte sich dann kurz ab, um seinen Kapuzenpullover auszuziehen. Er knüllte ihn zusammen, legte ihn in den Fußraum und zog den Sicherheitsgurt wieder fest. Dann nahm Ricks Erster wieder seine Zeitschrift aus der Türhalterung, schlug sie auf und begann wieder zu lesen.
Rick klappte mit dem Daumen das silberne Samsung auf, drückte drei Tasten und das Mobiltelefon wählte automatisch den Festnetzanschluss der Connors in Woodside.
Während Rick das Telefon an sein Ohr hielt und wartete, setzte er den Schuh vom Gas und ließ sein Fenster noch ein weiteres Stück herunter, um mehr Luft in den Wagen zu lassen. Das Hupen hinter ihm wurde lauter und nervender!
Ein paar Sekunden dauerte es, dann nahm sein Bruder in Queens endlich ab. "Connors?"
Rick öffnete den Mund und lächelte. "He, kleiner Bruder!"
"Rick," grüßte Stephen ihn fröhlich. "Jetzt sag mir nicht, ihr seid schon da!"
Ja, schön wärs ... "Nein, nicht ganz," gab der Colonel zurück und seufzte leise. "Wir stehen auf dem Highway 62 leider im Stau, Stephen! ... Da war irgendwo weiter vorne ein Unfall mit einem LKW und die räumen jetzt alles auf. Es kann noch etwas dauern ..."
"Gibt es Verletzte? ... Ist die Polizei schon da?!"
"Stephen? Ich hab keine Ahnung," antwortete Macintosh etwas genervt und reckte sich ein Stück zur Seite, um vielleicht irgendwas erkennen zu können, was vor ihm passierte. Doch wirklich sehen konnte er nichts. Autos! Das war alles! "Wir sind noch zu weit entfernt. Ich seh nichts!"
"Okay! Also seid ihr jetzt schon in Pennsylvania oder?"
Rick nickte. "Genau! Wir sind noch nicht in New York! ... Ich schätze mal, dass wir spätestens gegen Mittag bei euch sind! Wenn nicht noch was dazwischen kommt!"
"Rick?"
"Hm," fragte Macintosh und trommelte leicht mit den Fingern auf dem Lenkrad herum, während er weiter nach draußen auf die Autoschlange sah, die sich gebildet hatte.
"Macht ihr auch genug Pausen," fragte der New Yorker Arzt. "Es ist ziemlich warm!"
Rick seufzte leise. "Ja, Stevie ich weiss, dass es warm ist und gerade im Auto ist es richtig heiss! Aber wir haben alles unter Kontrolle!" Rick warf einen Blick aus dem Seitenfenster. Auch auf der Nebenspur ging es nicht weiter ... "Wir stehen ja gerade. Also kann man sagen, dass wir Pause machen!"
"Rick, ich meine das ernst, in Ordnung? ... Mach bitte genügend Pausen! Es ist völlig egal, wann ihr hier bei uns ankommt, okay? Und tri-"
"STEPHEN," fauchte Rick jetzt wütend. Er konnte es wirklich nicht leiden, wenn Jemand versuchte ihm Vorhaltungen zu machen oder Befehle zu erteilen! Schon gar nicht, wenn sein Bruder dieser Jemand war! Doch Paul war noch viel schlimmer ...
"Schrei mich gefälligst nicht an, Rick," sagte Stephen wütend. "Ich möchte dir nur einen gut gemeinten Rat geben, mehr nicht!"
Der Colonel rollte mit den Augen. Er spürte den Schweiss, der ihm den Rücken hinunterlief und sich unter dem T-Shirt und auf seiner Haut sammelte. Langsam wurde es wirklich sehr warm!
"Entschuldige," gab Rick zurück und zupfte etwas an seinem Pullover herum. Wenn er gleich mit Stephen Schluss gemacht hatte, würde er ihn schnell ausziehen.
"Mir ist warm," sagte Sully plötzlich neben ihm. Der Junge hob frustriert die Hände und ließ sie wieder in seinen Schoß fallen. "Hätte ich vorher gewusst, dass wir nur hier rumkriechen und nicht vorwärts kommen - bei dieser Wärme - da-" Sully stoppte plötzlich in seinem Wahn, griff nach links und schlug mit voller Wucht auf die Hupe in der Mitte des Lenkrads. "Verdammt! Fahr endlich!"
Sofort hatte er Ricks Aufmerksamkeit! Der Leiter der Spezialeinheit sah überrascht und erschrocken zu Sully hinüber, wechselte das Handy in die linke Hand und packte mit Rechts blitzschnell zu. Als er Sully am Kragen des T-Shirts zu sich zog, sprach er mit seinem Bruder. "Stephen? Warte mal ganz kurz bitte!"
Rick legte das Handy auf seinem Bein ab, hielt es aber noch fest, während er Sully wütend in die Augen sah.
"Was soll das?! Hatte ich dir nicht vorher gesagt, du sollst mir nicht ins Lenkrad greifen, Sully?"
Donavan schluckte schwer und wandte seinen Blick nicht von Rick ab. "W-wir stehen do-"
"Hör auf," fauchte Rick sauer und sah kurz nach vorn, ob sie weiter fahren konnte, doch der Rest der Blechlawine stand immer noch auf dem Highway. Seine Augen bohrten sich wieder in Sulllys Gesicht. "Es macht keinen Unterschied ob wir gerade fahren oder stehen, so wie jetzt, du greifst mir nicht noch einmal ins Lenkrad und benimmst dich ab jetzt, Sully! Kein Gehupe, keine kindischen Grimassen zu anderen Verkehrsteilnehmern! Keine Auseinandersetzungen mehr! Es ist völlig egal ob wir auf der Base sind oder aber hier draußen, an meinen Regeln hat sich nichts geändert, mein Kleiner! Du tust was ich dir sage und wann ich es sage! Ansonsten gibt es Ärger!"
Sully öffnete den Mund, doch Rick ließ den Stoff des T-Shirts los und hob warnend einen Finger. "Ich bin noch nicht fertig!"
Sullys Mund klappte wieder zu, als er sah wie sauer sein Vorgesetzter im Moment war. Rick fuhr unbeirrt fort. "Also ... Ich muss mich hier wirklich konzentrieren damit wir heil ankommen! Gib mir nur noch den kleinsten Anlass und ich fahre die nächste Abfahrt raus, suche uns einen schönen Platz, wo wir ... ungestört sind und dann bekommst du die Abreibung, nach der du die ganze Zeit schon bettelst! Das ist ein Versprechen! Hast du mich verstanden?"
Der 20-Jährige seufzte kaum hörbar.
Super! Jetzt hab ich ihn sauer gemacht ...
"Lieutenant?!"
Sully nickte schnell. "Ja, Sir. Ist klar!"
"Sehr gut," erwiderte Rick und wandte seinen Blick dann wieder nach vorne um auf den Verkehr zu achten. Es ging immer noch nicht wirklich zügig voran. Er fuhr ein paar Zentimeter vor, dann stoppte er auch schon wieder den Wagen.
"Rick? ... RICK!?"
Oh verdammt ... Ich habe Stephen total vergessen ...
Der Colonel hatte seinen Bruder am Handy völlig vergessen. Schnell griff er mit der rechten Hand das Handy auf seinem Bein und meldete sich. "Stephen? Entschuldige bitte ... Mein Kleiner hat Probleme gemacht ..."
Sully schwieg trotzig neben ihm, stützte sich mit dem Ellbogen an das Fenster und legte den Kopf auf die Hand, während er weiter nach draußen starrte.
Rick fuhr fort. "Ich melde mich noch mal sobald wir in Queens sind, in Ordnung?"
"Ja, mach das," sagte Connors dann vewirrt. Nachfragen was genau gerade mit Sully los war, wollte er dann doch nicht! "Ich freu mich auf dich!"
"Ich mich auch, Steve! Bis später und viele Grüße an Mac!"
"Bye!"
Rick lächelte leicht. "Bye!"
Er nahm das Telefon weg, drückte eine Taste und ließ die Klappe zuschnappen. Rick positionierte das Handy wieder in der Mittelkonsole und atmete tief durch.
Sie fuhren ein kleines Stückchen weiter und hielten dann wieder an. Rick ließ das Lenkrad los und schnallte sich ab.
Während er sich den schwarzen Pullover vom Körper und über den Kopf zog, behielt Sully den Verkehr im Auge. Rick faltete den Pulli einmal und warf ihn dann hinter sich auf die beige Rückbank, wo auch der Rucksack lag. Er schloss den Sicherheitsgurt, legte die Hände wieder an das Lenkrad und tippte dann vorsichtig das Gaspedal an, als der Vordermann endlich wieder los fuhr. Der schwarze Pontiac Trans-Am Firebird rollte ein paar Zentimeter über die Strasse. Langsam, aber er bewegte sich.
Ganz langsam bewegte sich die Blechlawine weiter auf New York zu und der Stau löste sich auf. Der Trans-Am rauschte jetzt mit etwas mehr als 60 MpH über den grauen Asphalt, was für einen Highway immer noch äußerst langsam war, aber immerhin waren sie in Bewegung!
Sully hatte die letzten Meilen im Stau weiter herumgequängelt, sich über alle möglichen Dinge aufgeregt, wie das heiße Wetter, die andern Autofahrer und die mager belegten Sandwiches, die James und seine Küchencrew ihnen für die lange Fahrt zurecht gemacht hatte. Auch wenn ihm diese Nörgeleien, die sein Erster mittlerweile alle paar Minuten von sich gab, nervten hatte Rick es geschafft das Meiste davon zu ignorieren und sich nicht provozieren zu lassen.
Donavan wischte sich mit der Hand durch das Gesicht und stöhnte wieder. "Hätten wir uns nicht Pauls Jeep leihen können?! Dann könnten wir jetzt offen fahren und es wär nicht so warm ..."
"In dieser Schrottkarre," fragte Rick und warf Sully kurz einen Blick zu.
"Warum nicht?"
"Der ist doch viel zu langsam, Sully," erinnerte Rick ihn an Pauls baufälligen, fahrbaren Untersatz und seufzte. "Mit dieser Krücke wären wir jetzt immer noch in Virginia unterwegs oder hätten schon den ersten Platten!"
"Nur weil du nen Sportwagen fährst, heisst das doch nicht, dass alle anderen Autos Schrott sind, Rick!"
Rick drehte seinen Kopf zu Sully, während er ein bißchen mehr Gas gab. "Das sag ich doch gar nicht! Ich frage mich nur immer wieder wie Paul es hinkriegt, diese Karre über den TÜV zu bringen. Das ist alles!"
"Ich sag ihm nächste Woche, dass du so mies über sein Auto denkst!"
Rick grinste leicht und sah wieder durch die Windschutzscheibe hindurch auf den Vordermann. "Das weiss er schon!"
"Und der hat dir noch keine übergezogen deswegen," feixte Sully weiter und erntete einen bösen Blick von Rick.
Das belanglose Gespräch wurde jeh unterbrochen, als von hinten ein roter Sportwagen angeheizt kam, der sich direkt hinter Rick und Sully setzte. Sully sah in den Seitenspiegel und musterte das Fahrzeug interessiert. Ein Ferrari! Zwei blonde Typen, etwas älter als er selbst, sassen in schwarzen Sitzen und hupten wie wild um vorbei gelassen zu werden.
Rick sah jetzt auch in den Rückspiegel und konzentrierte sich dann wieder auf die Strasse. Auf den Nebenspuren war eigentlich genug Platz, dass der rote Flitzer ungestört vorbeiziehen konnte ...
Gehupe! Und dann auch noch mit Licht! Rick versuchte ruhig zu bleiben, doch Sully sah immer wieder angespannt hinter sich und hatte bereits Feuer in den Augen.
Er sah wieder gerade aus. "Was wollen die denn? Hier ist doch genug Platz! ... Arschlöcher!"
"Sully," warnte Rick ihn leise aber bestimmt. "Beruhig dich und mäßige deinen Ton! Die ziehen gleich vorbei und dann sind sie weg, okay?"
"Das glaubst auch nur du ..."
"Bitte?"
"Nichts," erwiderte Sully und sah dann wieder nach hinten, als der rote Ferrari endlich zum Überholen ansetzte.
Sully wusste genau, dass diese Kerle nicht einfach nur überholen wollten. Die waren auf Ärger aus! Ein kleines Rennen vermutlich - völlig egal ob sie sich gerade auf dem Highway befanden oder in der Stadt! Das andere Fahrzeug schoss ohne zu blinken auf die rechte Spur und hielt dann neben dem Trans-Am konstante Geschwindigkeit.
Sully starrte hasserfüllt zu ihnen hinüber und auch Rick sah kurz in das andere Auto. Ja, sie wollten provozieren, das war Rick jetzt mehr als klar!
"Die wollen ein Rennen," sagte Sully leise. "Und die gehen mir auf die Ei-"
"HE," warnte der Colonel ihn jetzt laut. "Lass dich bitte nicht provozieren, okay? Wir werden kein Rennen fahren ..."
"Der Arsch am Steuer glotzt mich aber die ganze Zeit an!"
Rick packte das Lenkrad etwas fester und gab ein bißchen mehr Gas, doch der Ferrari hielt die Geschwindigkeit bei und zog mit.
Was soll denn dieser Mist, Jungs ...
Macintosh überlegte kurz, was er machen konnte, damit sie diesem Provokateur entkommen konnte. Der Ferrari hatte vor sich so viel Platz, dass er locker überholen und voraus fahren konnte. Doch eigentlich wollte Rick auf der Mittelspur bleiben und sich nicht vertreiben lassen.
Sully hockte angespannt neben ihm und beobachtete immer wieder das Nachbarauto und seine Insassen, die jetzt den ganzen nachkommenden Verkehr aufhielten und den Rest der Autos zwangen links an Rick vorbei zu ziehen.
"JA, DU MICH AUCH," fauchte Sully plötzlich laut und Rick sah genau im richtigen Moment hin, als Sully dem Ferrarifahrer wütend und aufgebracht den Mittelfinger zeigte.
"HE! HÖR SOFORT AUF DAMIT!"
Etwas erschrocken, dass Rick die unschöne Geste gesehen hatte, zog Sully den Finger wieder ein und setzte sich gerade in den Sitz, so als ob nichts geschehen wäre. Dann endlich brauste der rote Sportwagen weiter und ließ den Trans-Am auf der Nachbarspur hinter sich.
In Sully hatte sich jetzt so viel Wut angestaut, dass er kurzerhand das Seitenfenster hinunter gleiten ließ und seine Faust aus dem fahrenden Wagen streckte. Als dann der aussagekräftige Mittelfinger wieder zum Vorschein kam, hatte Rick endgültig genug von den Eskapaden seines Führungsoffiziers!
"Du willst also wirklich Stress mit mir? Den kannst du haben! ... Hand. Rein!"
Sully zog wie in Trance seine Rechte wieder in das Innere des Wagens um dem Befehl nachzukommen und Rick setzte den Blinker. Nur ein paar Sekunden dauerte es, bis Sully die kleine Bewegung realisiert hatte. Er riss überrascht die grünen Augen auf, als ihm klar wurde, dass Rick jetzt wirklich Ernst machte.
"E-es ... es tut mir leid, ich-"
"Leider zu spät," knurrte der amerikanische Colonel wütend und legte einen Arm hinter Sullys Kopfstütze. Angespannt warf er einen Blick hinter sich, ob auf der rechten Spur andere Fahrzeuge angerauscht kamen und raste dann über die eine Spur hinüber, um bei der nächsten Gelegenheit abzufahren.
Donavan klappte die Zeitung zu und schluckte nervös. "Die Typen haben voll genervt, Rick!"
Der schwarze Wagen, der sich die letzte Stunde ziemlich aufgeheizt hatte, raste an eine Ausfahrt heran und Rick bog ab. Er fuhr in die weite Kurve, kam an dem Schild der Raststätte vorbei und fuhr über den mit vielen Bäumen bepflanzten Parkplatz bis zu einer freien Parklücke.
Der Trans-Am wurde eingeparkt und der Motor erstarb. Sully sah nervös nach links zu Rick hinüber, der sich mit dem Hinterkopf gegen die Stütze gelehnt hatte und etwas angespannt wirkte. Irgendwie konnte Sully sich denken, was sein Colonel gerade für ein Problem hatte. Das Dumme war nur, dass er daran Schuld war!
Während Rick seine rechte Hand auf seinen Bauch presste und versuchte tief durch zu atmen und die Schmerzen so einigermaßen in Schach zu halten, drehte sein Ziehsohn sich ganz zu ihm um.
Sully hasste es Rick so leiden zu sehen. "Tief durchatmen, Rick ..."
"Das versuch ich ja ... ah," antwortete der Mann gefasst und zuckte dann zusammen, als sich ein Krampf meldete, der durch seinen Bauch und Magen zog. Er machte massierende Bewegungen mit den Fingern auf dem dünnen Stoff des T-Shirts und öffnete mit der linken Hand dann den Sicherheitsgurt. Er ließ ihn zurück schnellen und atmete tief aus dem Mund aus.
Sully beobachtete ihn immer noch skeptisch. Natürlich war dies nicht das erste Mal, dass Rick Krämpfe hatte, aber Sully machte sich jedes Mal ziemliche Sorgen um ihn. Wären sie jetzt in West Virginia auf der Base, würde Paul sich um Rick kümmern und der Colonel würde sich - nach ein paar kleineren Diskussionen - fügen und sich schonen. Doch leider war General Westen jetzt nicht hier, um seinen besten Freund die Leviten zu lesen ...
Rick bewegte sich neben ihm. "Gib mir mal das Wasser!"
"Sollen wir nicht eine Pause machen, Rick," fragte sein First-Lieutenant vorsichtig. Er wusste, dass Rick jetzt in diesem Zustand äußerst gereizt war, also musste Sully behutsam mit ihm umgehen. Der Junge schluckte und seutzte dann leise. "Ich ... ich meine Paul wird das überhaupt nicht toll finden, wenn er wüsste, dass du jetzt ... ehm ... du weisst was ich meine! Komm schon! Versuch ein bißchen zu schlafen. Bitte!"
Das Flehen in Sullys Stimme war nicht zu überhören. Rick drehte seinen Kopf zu ihm und streckte seine rechte Hand aus. "Ich will das Wasser, Sully!"
Seufzen. Das Augenrollen konnte der Junge gerade noch so vermeiden, als er neben sich in die Tür griff und die nächste Flasche Wasser hoch nahm und sie seinem Boss reichte. "Bitte."
"Vielen Dank!"
Der Mann atmete tief durch, nahm die Hand von seinem Magen und schraubte die Plastikflasche auf. Er trank einen großen Schluck, dann noch einen zweiten und spürte, dass die Kühle und Frische des Wassers gut tat. Rick setzte das Wasser wieder ab und schraubte den blauen Deckel wieder auf.
"Paul ist nicht hier! Und Paul wird davon auch nie etwas erfahren. Ist das klar? ... Steig aus, Sully," befahl er seinem Offizier dann leise und zog den Schlüssel von der Zündung, den er dann in die Faust nahm, in der er auch die Flasche hielt und dann mit der anderen Hand nach dem Türgriff tastete.
Sully überlegte kurz, ob er noch etwas sagen sollte, entschied sich aber dann doch dagegen. Rick war schon so angespannt und reizbar, dass es jetzt wirklich nicht gut wäre, seine Nerven noch weiter zu strapazieren. Außerdem wollte Sully ja auch irgendwann in Queens und bei Dr. Connors ankommen - in einem Stück, wenn es ginge!
"Sully!"
Die scharfe Stimme ließ Sully auf seinem Sitz zusammen zucken. Schnell schnallte der Junge sich ab und öffnete dann die schwarze Beifahrertür. Er streckte einen grauen Turnschuh aus dem Wagen und stieg aus. Bevor er die Tür zufallen ließ, warf er noch mal einen nervösen Blick auf Rick, der noch einmal tief atmete und dann ebenfalls ausstieg.
Die Türen fielen zu. Rick schloss ab und ging einmal um den Wagen herum, während er die Schlüssel in seine Hosentasche schob.
Sully sah ihn an. "W-willst du nicht dein Handy mitnehmen, falls was ist?"
Macintosh schnaubte und warf Sully dann die Schlüssel zu. "Gute Idee, ja! Das könnte nämlich etwas dauern ..."
Sully fing die Schlüssel mit einer Hand auf, während Rick ganz langsam von dem Fahrzeug weg ging, auf das Backsteinhaus zusteuerte und daran vorbei lief. Donavan sah ihm wehleidig nach.
"Oh, Mann," seufzte er so leise, dass Rick ihn nicht hören konnte und öffnete dann wieder die Beifahrertür. Schnell beugte er sich hinein, nahm das Handy aus der Mittelkonsole heraus und schloss den Sportwagen wieder ab.
Als Sully sich dann neben Rick einordnete, der einen geeigneten und ruhigen Platz auskundschaftete, wo sie von niemanden gestört wurden, fasste der Colonel sich wieder an den Magen und schluckte schwer. Sie liefen ein paar Schritte und kamen an die erste Ecke des Hauses.
Donavan rollte mit den Augen. "Sir?"
Sie umrundeten die Ecke und sahen einige grüne Bäume, Büsche und einen grauen Wassertank für die Tankstelle. Rick spazierte über den kleinen erdigen Weg und kümmerte sich gar nicht um Sully, der jetzt etwas penetranter wurde.
"Sir!"
Der Colonel wirbelte herum und funkelte seinen Ziehsohn finster an. "WAS?!"
"Es tut mir wirklich leid, okay? ... Du ... du musst das nicht tun, Rick! Ich habs verstanden."
Ein bißchen werden wir noch unterwegs sein und er wird ganz sicher keine Pause einlegen, nur weil mir der Hintern brennt ... Ich bin so was von blöde!
"Nein, ich denke das hast du noch nicht," meinte Rick kopfschüttelnd und warf einen Blick nach links. Dort war eine Niesche, die von nirgendwo her eingesehen konnte. Perfekt ... Er trat auf den Betonboden und über eine Pfütze hinweg, ging bis an die Mauer und drehte sich dann zu Sully um, als er fort fuhr. "Was hatte ich dir vor einer Stunde im Auto gesagt, sollst du nicht tun, Sully?"
Rick konzentrierte sich jetzt ganz auf seinen First-Lieutenant und versuchte seine Bauchschmerzen zu ignorieren.
Und so blieb ihm auch nicht verborgen, dass Sully, der noch ganze zwei Meter von ihm entfernt war, leise seufzte und wieder genervt mit den Augen rollte.
Fassungslos starrte Rick ihn an. "So ... und dafür gibt es gleich fünf mit dem Gürtel, mein Junge! Ich hoffe, dass ist diese kleine, respektlose Geste wert, denn ich hab die Schnauze gestrichen voll!"
Sully sagte nichts, sondern starrte seinen Ziehvater einfach nur an, der jetzt die Wasserflasche auf den Boden stellte, sich kurz um sah und eine kleine, schmutzige Bank entdeckte, die an der Mauer stand. Er nahm die Holzbank locker mit einer Hand hoch, atmete tief durch und stellte sie zwischen sich und die Pfütze, so dass er den Ausgang der Niesche im Blick hatte.
Dann hob Rick den Zeigefinger und lockte Sully zu sich. "Komm ..."
Sully trat zwei Schritte rückwärts, warf noch mal einen prüfenden Blick zu allen Seiten, ob sie wirklich ungestört waren und ging dann nach vorn an der Pfütze vorbei und positionierte sich an Ricks rechter Seite.
Rick starrte ihn an. "Beantworte meine Frage, Sully!"
Er schluckte. "Aber die haben uns doch provoziert un-"
"Verdammt noch mal," fauchte Macintosh laut und spürte dann wieder ein Ziehen in der Magengegend. Sehr lange würde er das nicht mehr ohne sein Tilidin aushalten können ... Er stöhnte leise und widmete sich dann wieder seinem Ziehsohn. "Antworte. Mir. Jetzt. Bitte!"
"I-ich soll keine anderen Verkehrsteilnehmer provozieren oder anderweitig Ärger machen, sonst ..."
"Ja, sonst," fragte der schwarzhaarige Mann, während er die rechte Hand auf seinen Bauch drückte. "Sonst was?"
Donavan biss sich nervös auf die Lippen. "Sonst gibt es Konsequenzen."
"Mhm," machte Rick und nickte. Vorsichtig nahm er seine flache Hand wieder weg. "Sehr richtig."
"Es tut mir leid."
"Das hast du schon mal gesagt," gab der Colonel zurück, stellte seinen linken Schuh auf die Holzbank und wartete. Die Bank wackelte leicht unter seinem Gewicht. Der Boden war leider auch nicht ganz gerade und flach. Rick sah hinunter, stellte den rechten Fuß ein Stück nach hinten und hielt das Gleichgewicht, bevor er wieder Sully an sah. "Ich hatte dich gewarnt und du hast diese Warnung vollkommen ignoriert! Und Sully, du warst dir über die Konsequenzen sehr wohl im Klaren, korrekt?"
Sully schluckte und nickte dann zustimmend. Ja, Rick hatte ihn gewarnt - mehrmals! "Ja ... Sir!"
Der Colonel zog scharf die Luft ein, als er wieder einen Krampf spürte und fasste sich an den Bauch. "Na los mach!"
Still fasste Sully an die silberglänzenden Knöpfe der Jeans und öffnete den ersten. Der zweite, dritte und vierte folgten zügig und Rick putzte noch mal seine Hände an der Hose ab, während sein Ziehsohn die Jeans über die Hüften drückte und dann einen Schritt näher an Ricks Bein trat. Macintosh öffnete seinen schwarzen Ledergürtel an der Schnalle, zog ihn durch die Schlaufen der Jeans und faltete ihn einmal in der Mitte, bevor er ihn fest in die linke Hand nahm und dann Sully über sein erhobenes Bein half.
In seinen Gedanken verfluchte er Sully jetzt schon, der dieser normalen Autofahrt mal wieder seinen ganz persönlichen Stempel aufgedrückt und Rick zu diesem außerplanmäßigen Stopp gezwungen hatte ...
Als Sully über seinem Bein lag, fasste Rick in den Gummibund der grauen Shorts und zog einmal. Die Unterhose landete an seinen Knien. Sully verkrampfte sich sofort bei dieser all zu bekannten Position! Frustriert über sein dämliches Verhalten, was er die gesamte Fahrt über gezeigt hatte, schloss er seine Augen und spürte dann wie Rick seine linke Hand mit dem Gürtel auf seinem Rücken ablegte und dort etwas Druck ausübte.
Nur ein paar Sekunden später, krachte Ricks rechte Hand fest auf seine nackte Hinterseite. Sully zischte laut auf, verhielt sich aber ansonsten still.
NY ... Queens ... Woodside:
Gegen viertel vor eins am Mittag hatte Stephen seinen BMW auf dem Bürgersteig vor seinem weißen Haus geparkt und das Garagentor geöffnet. So lange sein großer Bruder mit dem teuren Pontiac hier war, sollte Rick die sichere Garage bekommen! Das machten sie schon immer so.
Stephen war gerade im Keller und stellte einen weiteren Kasten Wasser auf den kalten Boden des Vorratsraumes. Er war mit Mac gerade vom Getränkelieferanten zurück gekommen und hatten Wasser, Cola, Bier und diverse Säfte eingekauft. Gestern hatten sie den Champagner, Sekt und Wein geholt und alles im Keller oder aber Kühlschrank gelagert. Mac hatte zwar noch überlegt, ob sie sich die Getränke auch liefern lassen sollten, aber das hätte noch mal mehr gekostet und da der Polizist ja den großen Cadillac besaß, waren sie eben schnell zum Getränkehandel gefahren.
Gestern hatten sie beide Häuser auf Hochglanz gebracht und den Garten aufgeräumt, Rasen gemäht, die Lampen angebracht und auch schon mal den großen, weißen Pavillon aufgebaut. Die Smokings hingen schon verpackt in Stephens Kleiderschrank und der Cateringservice würde Morgen Mittag vorbei kommen und das Essen und natürlich die wunderschöne Hochzeitstorte liefern. Die weißen Tische, Stühle, Bänke und die vielen Blumen würden auch Morgen Vormittag von einem speziellen Hochzeitsservice angeliefert und auch aufgebaut werden.
Stephen sah auf, als er die laute Stimme von Mac aus dem Erdgeschoss hörte.
"Stephen?!"
Er wischte sich die nassen Hände an der blauen Jeans ab und stützte sich dann auf den Kasten. Er sah zur Tür. "Ja, Schatz?"
"Ich habe gerade den nächsten Kasten reingeholt und da hab ich am Anfang der Strasse so eine schwarze, flache Kiste auf vier Rädern gesehen, die auf uns zugerast kommt ... Könnte das vielleicht-"
Connors grinste breit und machte sich sofort auf den Weg nach oben, um seinen Bruder begrüßen zu können. Er hechtete die Steintreppe hinauf, schlug die Kellertür zu und traf sich mit Mac in der offenen Eingangstür seines Hauses.
Mac grinste, nahm Stephen in die starken Arme und drückte seinem Verlobten einen Kuss auf den Mund. "Jetzt lernen wir endlich Sully kennen, was?"
"Ja, darauf bin ich schon die ganze Zeit gespannt."
Ein Wagen kam angefahren.
Stephen löste sich von seinem Verlobten und trat über die Türschwelle nach draußen auf die Holzveranda, die auch bereits mit ein paar Blumen und Lampen gestylt war. Der Pontiac fuhr langsam an das Haus heran und Mac und Stephen schlenderten die paar Stufen hinunter und gingen über die gemähte Wiese zur Garage hinüber, während Rick den Wagen davor abstellte.
Der Motor erstarb und Rick schnallte sich ab. Er öffnete seine Tür, lächelte und stieg aus dem Wagen, um seinem Bruder dann in die Arme zu fallen.
Stephen grinste breit. "Hey!"
Rick schlang seine Arme um ihn und sie klopften sich leicht auf den Rücken, bevor sie sich wieder los ließen.
Stephen legte die Hände auf Ricks Arme und sah ihm in die Augen. Irgendetwas stimmte nicht ...
"Wie war die Fahrt, Rick? ... Du siehst ziemlich fertig aus und du schwitzt sehr stark."
Der Colonel seufzte. "Vielen Dank für die schnelle und ausführliche Diagnose, Dr. Connors!" Er warf einen Blick auf Mac, der sich bis jetzt etwas im Hintergrund gehalten hatte, um das Wiedersehen der beiden Brüder nicht zu zerstören. "Darf ich mich jetzt deinem zukünftigen Mann widmen?"
Stephen zuckte die Schultern. "Zukünftiger Mann ... Klingt gut oder? Ja, du darfst!"
Während sich Mac und Rick in den Arm nahmen und begrüßten, warf Stephen einen prüfenden Blick in das Innere des Trans-Am und sah Sully an, der still auf dem Sitz sass und nur hier und da etwas herumrutschte. Er legte eine Hand auf das heiße Autodach und wandte sich an seinen Bruder.
"Rick?"
Macintosh drehte sich um. "Ja?"
"Lässt du ihn mal aussteigen oder soll er das ganze Wochenende in deinem Auto wohnen...?"
Rick seufzte leise. "Sully? Aussteigen!"
Sofort ließ der Junge den Sicherheitsgurt nach hinten schnellen, stieß die Tür auf und sprang aus dem Wagen. Drei Augenpaare beobachteten ihn, während Sully sich mit den Fingern an die Pobacken fasste und versuchte den harten Stoff der Jeans etwas zu lockern. Sehr viel Erleichterung brachte das allerdings nicht!
Rick betrachtete ihn. "Komm her und sag Hallo!"
"Komme," gab der Führungsoffizier zurück und spazierte langsam um die Schnauze des Wagens herum und blieb neben Rick stehen, der ihm eine Hand auf die Schulter legte und ihn sanft drückte.
Rick sah zuerst Stephen an und stellte ihn Sully vor. "Das ist mein Bruder, Stephen und der da, der so aussieht als hätte er schon ein paar Leute abgeknallt, ist seine besser Hälfte, Detective Mac Taylor!" Dann klopfte er Sully noch mal auf die Schulter. "Das ist mein First-Lieutenant, Sully Donavan!"
Sully grinste und hielt Stephen die Hand hin. "Hallo!"
"He, Sully," grüßte Stephen ihn und drückte seine Hand. "Sag einfach Stephen, okay?"
Auch Mac bot ihm das Du an und sie schüttelten sich noch mal die Hände. Donavan musterte den Cop endringlich und skeptisch. "Sorry, ich hab mit Polizisten keine sehr guten Erinnerungen, Mac! Aber ich versuch einen Neuanfang."
Mac nickte. "Kein Problem, Sully! Ich hoffe, es gefällt dir hier und ihr könnt ein bißchen abschalten."
"Oh ja, das hoff ich auch," erwiderte jetzt Rick leise und zischte dann laut auf, als er wieder einen Krampf spürte, der sich durch seinen Magen schob. Schnell drehte er sich von der kleinen Gruppe weg und legte eine Hand auf die Stelle.
Stephen hatte die Bewegung natürlich sofort gesehen und trat zu ihm. Seine Stimme war leise und besorgt. "Rick? Was ist?"
Der Colonel atmete durch den Mund und sah dann seinen Bruder wieder an. "Wir hatten ... einen kleinen Disput auf der Fahrt, das ist alles! Mach dir keine Sorgen, okay?"
"Keine Sorgen machen," wiederholte Stephen etwas sauer und schüttelte den Kopf. "Du kommst hier an und hast Krämpfe! Was so viel bedeutet wie Du bist Auto gefahren, obwohl es dir nicht gut geht und dann sagst du mir Ich soll mir keine Sorgen machen?"
Macintosh räusperte sich und versuchte möglichst gerade zu stehen was ihm auch ziemlich gut gelang. Er warf seinem kleinen Bruder einen Blick zu. "Lass uns den Wagen ausräumen und dann rein gehen, Stephen! Okay? Ich bin echt müde und muss eine Runde schlafen und ich glaube Sully wird das auch ganz gut tun ..."
"Okay," sagte Mac und klatschte in die Hände. Er wollte die etwas angespannte Stimmung auflockern und ging zum Kofferraum. "Kommt alles rein?"
"Ja," sagte Sully und nahm Ricks Rucksack, den Pullover, seine Jacke und den Müll, den er noch auf den letzten paar Meilen fabriziert hatte, aus dem beigen Innenraum des Autos. Mac nahm die eingepackten Armeeuniformen heraus und den Säbel von Rick in die andere Hand und trug alles ins Haus und das erste Obergeschoss. Sully folgte ihm mit seiner Reisetasche und dem Rucksack. Auch jetzt wurde er von Stephen und seinem Ziehvater beobachtet. Das Gehen fiel ihm sichtlich schwer.
Während die anderen den Wagen ausräumten, war Rick bis an den Bürgersteig spaziert und betrachtete die schöne Gegend in der sein Bruder lebte. Das letzte Mal war er vor zwei Monaten hier gewesen und hatte an diesem Tag auch Mac kennen gelernt. Er hatte den Cop des CSI Labors sofort in sein Herz geschlossen und war sich sicher, dass Stephen mit ihm glücklich werden würde.
Kurz fuhr er sich mit der linken Hand durch das schwarze Haar, während er seine wachen Augen durch die Nachbarschaft wandern ließ. Irgendwelche Veränderungen konnte der Colonel nicht erkennen.
"Es ist alles noch so wie vor zwei Monaten, Rick," sagte Stephen dicht neben ihm. "Sogar Fred ist noch da ..."
Der Colonel lächelte gequält, als sein Bauch ihm wieder zu schaffen machte. "Fred ... Kommt der Morgen eigentlich auch?"
"Natürlich! Mit Gattin sogar! Ich kann ja schlecht die Franklins und die Coopers einladen und Stacey und Fred nicht, oder?"
"Stimmt ja," gab Rick zurück. "Aber dein Garten ist ja groß genug ... ich muss eh sehen, dass ich Sully unter Kontrolle halte, der ist ziemlich labil im Moment wegen ... Django."
"Das tut mir wirklich sehr leid, Rick," beteuerte der New Yorker Arzt seine Bestürzung leise. "Also sprechen wir das Thema am Besten gar nicht erst an, oder ...?
Kopfschütteln seitens des Colonels. "Nein, besser nicht, Steve! Er ist nur schwer unter Kontrolle zu halten und ich hab keine Ahnung, was er als nächstes tun wird, wenn er sich eingeengt oder angegriffen fühlt. Oder einfach kein Bock mehr hat ..."
Connors räusperte sich leise. "Also ist er ein wenig wie eine tickende Zeitbombe ja?"
Leider nickte Rick sofort. "Leider kann man es genau so sagen, ja! Wie gesagt, die Fahrt war ziemlich anstrengend, weil er ein paar Mal ausgerastet ist. Ihm war langweilig und er hat sich von anderen Autofahrern provozieren lassen. Ich konnte noch verhindern, dass er zuschlägt, aber viel hat wirklich nicht gefehlt." Er fuhr sich mit der Hand durch das dichte, schwarze Haar und sah wieder seinen Bruder an. Kurz überlegte er. "Ehm, ich musste ihm vorhin auf der letzten Raststätte vor New York ein paar verpassen, weil er es echt drauf angelegt hat und ... ehm hättest du was dagegen, wenn ich ... ihm gleich mal dein Schrankinventar zeige, Stephen?"
"Zur Abschreckung," fragte sein kleiner Bruder und Rick nickte traurig. "Natürlich. Ich hoffen natürlich, dass du da nicht dran musst, solange du hier bist, aber ... wenn du willst, können wir auch eine formelle Schlüsselübergabe machen, wenn du meinst, dass das abschreckender sein könnte, Rick!"
"Sehr gute Idee, ja," bemerkte der Colonel und atmete tief ein. "Ich würde mich freuen, wenn das was bringen würde. Du hast noch nen Zweitschlüssel?"
Stephen sah wieder nach vorn und über die Jefferson hinweg.
"Ja, den kannst du gerne haben und Sully vor die Nase halten ..." Jetzt trat Stephen direkt vor seinen großen Bruder und musterte ihn eingehend. "Wie schlimm ist es denn jetzt gerade mit den Schmerzen? Auf einer Skala von 1-10?"
"Du führst dich schon so auf wie Paul, Stevie ... Aprospos den muss ich noch anrufen und ihm sagen, dass ich heil bei dir angekommen bin." Rick seufzte und hielt sich wieder die Hand auf den Magen.
"Heil ist gut, ja," gab Connors zurück. "Nur weil du Sturkopf niemanden mit deiner Karre fahren lassen willst. ... Wir hätten euch doch irgendwo geholt, Rick!"
"Und hätten uns dann irgendwo in der Mitte getroffen oder was?! ... Jetzt hör auf dich so aufzuspielen," versuchte Macintosh ihn zu beruhigen. "Es tut mir ja leid, okay? Also kein Wort zu Paul, falls du ihn mal sprechen solltest, Stevie! Alles klar? Das ist mein voller Ernst! Der wird total ausflippen deswegen ..."
Stephen schüttelte den Kopf. "Ja, das ist auch sein gutes Recht, meinst du nicht?! ... Als dein bester Freund und Hausarzt! Der reißt dir den Kopf ab und verspeist dich zum Frühstück, wenn er das hört!"
Rick seufzte kaum hörbar. Das klang jetzt zwar ziemlich theatralisch, aber leider hatte Stephen mit dieser Aussage absolut Recht! Paul würde ihn ohne mit der Wimper zu zucken eine heftige Standpauke halten, wenn er davon Wind bekommen würde. Der Chefarzt des Kings View Hospital in West Virginia konnte es nämlich auf den Tod nicht leiden, wenn sein bester Freund mit seiner Gesundheit so herumspielte und seine ärztlichen Anweisungen ignorierte! Leider hatte Rick das schon sehr oft durch einen Anschiss alla Paul Westen zu spüren bekommen und war dann eingeknickt!
Stephen legte den Kopf schief, als er sah, dass Rick nachdachte. "Rick? Sag mir ne Zahl, bitte."
"So zwischen 6 und 7 würd ich sagen. Ich muss mich gleich hinlegen und ne Runde schlafen. Ich denke dann gehts schon wieder! Sully hat mich heute wirklich den letzten Nerv gekostet!"
Stephen drehte sich auf dem Absatz um. Sully trug gerade Ricks Reisetasche in das Haus. "Na komm! Dein Auto ist leer wie ich sehe ... Lass uns rein gehen bevor Fred durch sein Küchenfenster guckt und uns sieht, Brüderchen!"
"Brüderchen," wiederholte der Colonel bissig und verdrehte die Augen.
Er folgte Stephen zurück zum Haus und fuhr dann zunächst sein kleines und schwarzes Heiligtum in die Garage, die sein Bruder extra für ihn frei gemacht hatte. Stephen schloss das Tor. Anschließend gingen sie über den grünen Rasen in das kühle Haus.
Tbc ...
AN2: Ich hoffe, es hat euch genau so gut gefallen, wie mir! Ja und da haben wir's dann endlich :) Die beiden Brüder treffen das erste Mal aufeinander! Sully hat sich hier wieder sehr schön von vielen Dingen und Personen provozieren lassen ... Rick muss natürlich sein Versprechen, was er ihm vorher gegeben hatte, auch einhalten. Das kennen wir ja vom Colonel nicht anders! Nur leider hat Rick jetzt auch wieder ein Problem, was ihm noch etwas zu schaffen machen wird und Stephen hoffentlich schnell wieder in den Griff bekommt (ihr wisst ja wie ich das liebe!) Mal sehen wie es jetzt weiter läuft! Danke fürs Lesen und eure tollen Reviews! Eure Vanessa
