Disclaimer: Die handelnden Personen und die Orte an denen die Geschichte spielt, sind das geistige Eigentum von Joanne K. Rowling. Ich beabsichtige nicht, mit dieser Geschichte Geld zu verdienen, sie dient lediglich der Unterhaltung. Mir gehören nur Jane Baker, Nicole Smith, Sarah Black, Sophie Evans, Lucy Potter, Samantha Lestrange, Debbie Grant und Josh Black, sowie einige unbedeutende Nebencharaktere.
Die Rebellion des Phönixorden
Kapitel 34
In Liebe und Krieg
Sie hörte die Worte und konnte sie nicht glauben. Es war unmöglich, sie durften ihn nicht haben, nicht Charlie. Taubheit umhüllte Herz und Seele, ehe der Schmerz sie erreichen konnte, während ihr Hirn analysierte, was mit Charlie passieren würde. Folter, Verhöre, Tod. Tod, Charlie würde sterben.
Die Taubheit, bewahrte sie davor, den Schmerz zu fühlen, aber der würde später kommen, auch das war ihrem Hirn klar. Doch noch musste der Schmerz warten, während ihr Hirn begann über Optionen nach zu Sinnen.
Das Hauptziel war Voldemorts Vernichtung und für Voldemorts Vernichtung brauchten sie den Ring. Voldemort bewahrte den Ring vermutlich selbst auf, also war sie die einzige die den Ring finden und stehlen konnte. Das bedeutete, dass sie jetzt schnell sein musste. Erst der Ring, dann Charlie. Und beides um jeden Preis. Wenn sie Charlie nicht retten konnte, dann würde sie selbst sterben. Entweder durch Hand eines Todessers oder an dem Schmerz. Denn Charlie war der eine Mensch ohne den sie nicht leben konnte. Ohne den sie nicht leben wollte.
Charlie hatte Askaban bereits von innen gesehen. Und das hier war nicht Askaban, dessen war er sich sicher. Frank ist auch nicht in Askaban gestorben, erinnerte er sich. Nun, offensichtlich wurde einem eine Sonderbehandlung zu Teil, wenn man auf der Kopfgeldliste stand. Waren die anderen auch hier? Wenn Sirius oder James redeten, war der Orden geliefert. Und wo zur Hölle war der Todesser her gekommen, der ihn von hinten angegriffen hatte?
Fragen über Fragen die in seinem Kopf durcheinander wirbelten. Er hatte sich aufgesetzt und lehnte sich gegen eine Wand. Es dauerte Stunden, bis ein Schockzauber von selbst aufhörte zu wirken und es musste ein Schockzauber gewesen sein. Warum hatten sie nicht schon längst angefangen ihn zu foltern? Was weiß ich? Standorte, das Gefängnis, die Zentrale, das Krankenhaus, die Orte, an die man die Eltern der Muggelgeborenen evakuiert hatte. Das irgendwas besonderes mit Harry war, aber das wusste im Grunde jeder.
Sam. Seine Sam, die sterben würde, wenn er redete. Deren schlimmster Albtraum gerade wahr wurde. James hatte erwähnt, dass sie Norwegen für eine beschissene Idee gehalten hatte. Sie hatte gar nicht gewusst, dass er dabei sein würde. Wenn sie nicht wusste, dass er dabei gewesen war, dann wusste sie vielleicht auch nicht, dass er hier war. Er flehte, dass es so war und er flehte, dass er sterben würde, ehe sie es erfuhr, denn dann hatte sie auch keine Chance irgendetwas dummes und selbstmörderisches zu tun um ihn zu retten.
Er wünschte nur, er könnte ihr noch mal sagen, dass er sie liebte. Er dachte an das letzte Gespräch mit ihr, vor dem Fuchsbau, als er ihr gesagt hatte, dass sie vorsichtig sein sollte. Und jetzt war es doch er selbst, der sterben würde und nicht sie, obwohl er überzeugt gewesen war, dass sie in viel größerer Gefahr schwebte. Aber ihm war es auf diese Weise ohnehin lieber. Die Zeit bis sich die Tür zu seiner Zelle öffnete kam ihm wie Stunden vor. Aber wie verlässlich war das eigene Zeitgefühl, wenn man im Dunkeln saß und auf den Tod wartete, der nicht kommen würde. Nicht vor der Folter.
„Ein Weasley also," erklang die kalte Stimme von Lucius Malfoy, während Charlie geblendet von Fackellicht die Augen zusammenpresste „von euch gibt es sowieso zu viele."
„Dann töte mich doch, worauf wartest du?" fragte Charlie.
„Na na na, nicht so schnell," erwiderte Malfoy deutlich amüsiert.
Charlies Augen gewöhnten sich langsam an das Licht und er konnte ein Grinsen in Malfoys Gesicht ausmachen. Der erste Fluch war der Cruciatusfluch. Feuer fraß sich durch seine Adern, verbrannte sein Inneres. Seine Haut wurde von glühenden Klingen durchbohrt.
„Das war nur ein kleiner Vorgeschmack," zischte Malfoy, als er den Fluch viel viel später von ihm nahm.
Charlie fühlte sich benommen und bereit in Bewusstlosigkeit ab zu driften, aber das würde Malfoy nicht zu lassen, der ihn jetzt mit einem Schlenker seines Zauberstabs an die Wand pinnte.
„Weißt du Weasley, du hast doch schon um den Tod gebeten, nicht wahr? Du kannst sterben, jetzt gleich, wenn du mir nur vorher sagst, was es für mich wichtiges zu wissen gibt."
„Niemals," wisperte er.
„Crucio!"
Das Feuer schien noch heißer zu werden, wie konnte er überhaupt noch Leben, wo es ihn von innen verbrannte. Er müsste schon längst tot sein. Als Malfoy den Fluch das nächste Mal aufhob, blieb das Feuer. Vielleicht kühlte es ein wenig ab, aber es ging nicht mehr weg.
„Weißt du Weasley, du wirst den Rest deines Lebens mit unerträglichen Schmerzen verbringen, willst du den Rest deines Lebens da nicht kurz halten."
Aber nicht indem ich alles verrate an das ich glaube, dachte er, und jeden den ich Liebe. Er hätte diese Worte Malfoy gerne entgegen gespuckt, aber er wagte nicht seinen Mund zu öffnen. Wer wusste schon, was herauskommen würde, wenn er es tat.
Eigentlich hatte der Plan vorgesehen, dass Lucy nach dem Frühstück zu Severus gehen sollte, um ihm zu sagen, dass sie dringend ein Horkrux-Sucher-Treffen brauchten. Der Plan erübrigte sich allerdings, als die acht Schüler vor der großen Halle auf Sirius stießen.
„Na, da können wir uns den Umweg über Snape ja sparen," stellte Harry zufrieden fest.
„Ich finde wir können ihn auch ganz außen vor lassen," meinte Hermine, „er wollte uns schließlich nicht glauben."
Ron lachte und kniff sie in die Seite.
„Und wer war das doch gleich, der uns nicht glauben wollte, dass wir Helena Ravenclaw getroffen haben?" überlegte er und rieb sich dabei nachdenklich die Nase.
Hermine setzte gerade zu einer Antwort an, als Sirius sich zu ihnen umwandte. Sein Gesichtsausdruck sagte jedem von ihnen, dass er keine Guten Nachrichten brachte. Und das wiederum konnte nur eins bedeuten, jemand war tot. Draco spürte, wie Anspannung sich in der gesamten Gruppe breit machte. Abgesehen von ihm und Debbie hatte jeder von ihnen Familienmitglieder, die sich ständig in höchste Gefahr begaben. Gut, seine Eltern brachten sich vielleicht auch in Gefahr, aber falls sie sterben sollten, hatten sie kaum etwas besseres verdient.
„Warum ist Sirius hier?" murmelte Lucy, „sonst ist es meistens Dad..."
Er beobachtete, wie Lucy den Blick ihres Bruders suchte, der schon die ganze Zeit den Arm um Ginny geschlungen hatte.
„Wenn es um Mum oder Dad ginge, wäre Sirius nicht hier sondern würde den Todesser der es war persönlich umbringen."
Und das verstand Potter unter beruhigend?
„Vielleicht geht es nicht um einen von uns," meinte Hermine.
„Ja, wahrscheinlich," stimmte Ron ihr zu, „es ist ja immer irgendein Auror, der die Nachrichten überbringt."
Die Anspannung blieb trotzdem, während sie sich ihren Weg durch die Eingangshalle bahnten. Sie erreichten Sirius, der Hermine mit einem schnellen Kuss auf die Stirn begrüßte. Dann holte er tief Luft, „Ron, Ginny, eure Eltern wollen mit euch reden, sie warten in McGonagalls Büro auf euch."
Er beobachtete Ron, dessen Gesicht schneeweiß geworden war, der erst seine Schwester und dann seine Freundin stumm ansah. Dann nickte er Sirius kurz und abgehackt zu, ehe er sich zusammen mit Hermine und gefolgt von Ginny und Harry auf den Weg machte. Harry wisperte irgendwas in Ginnys Ohr und Draco hoffte, dass es dieses Mal tatsächlich etwas beruhigendes war. Sie alle sahen ihnen nach.
„Ich hasse das," murmelte Sirius.
Die vier verbliebenen Teenager wandten ihren Blick wieder ihm zu.
„Wer?" fragte Lucy schließlich leise.
„Charlie. Gefangen, wir glauben nicht, dass er schon tot ist."
„Wenn es Charlie ist dann... Sam wird ihn nicht einfach sterben lassen, oder?" fragte Draco.
Sirius stieß ein frustriertes Seufzen aus, „Ich hab keine Ahnung, was Sam vor hat, sie ist verschwunden und wir haben keinen blassen Schimmer wohin und was sie jetzt plant."
Das klang überhaupt nicht nach Sam, einfach untertauchen und alle anderen außen vor lassen. Sam plante, mit kalter Logik und dem großen Ziel im Auge. Er hatte sie nie anders gekannt. Aber dann wiederum war Liebe kein logisches Gefühl, oder? Und sie liebte Charlie.
„Ich muss die Zwillinge suchen," sagte Sirius und ließ die vier in der Eingangshalle stehen. Einen Moment lang herrschte betretenes Schweigen zwischen ihnen, ehe Lucy „Und was jetzt?" fragte.
„Was schon," erwiderte Neville, „wir warten bis sie wieder kommen und dann sind wir für sie da. So wie ihr für Debbie und mich da wart."
Debbie nickte, „Was anderes können wir sowieso nicht machen, aber es hilft mehr, als ihr damals wahrscheinlich gedacht habt, glaubt mir," sie lächelte schwach.
„Sollen wir vor dem Eingang zum Schulleiterbüro warten?" fragte Neville.
„Nein, lass uns erstmal zum Unterricht gehen, ich denke die Weasleys werden erst mal eine Weile unter sich bleiben wollen," sagte Debbie.
Die beiden setzten sich in Bewegung, doch Draco machte keine Anstalten ihnen zu folgen, was wiederum Lucy bewog stehen zu bleiben.
„Was ist?" fragte sie.
„Haltet mich jetzt nicht für ein totales Arschloch ohne Mitgefühl, aber wir müssen Sirius trotzdem erzählen, dass wir wissen, dass es das Diadem ist."
„Da hab ich gar nicht mehr dran gedacht," sagte Neville, „machst du das?"
Draco nickte.
„Ich warte mit dir auf ihn," bot Lucy an und er nickte ihr dankbar zu.
„Okay, also wir sehen uns dann später," verabschiedete Neville sich.
„Gut, dass du daran gedacht hast," meinte Lucy, nachdem Neville und Debbie verschwunden waren.
Sie behielten beide den Eingang zur großen Halle im Auge, aus der schließlich die blassen Zwillinge gefolgt von Sirius traten. Aus der Entfernung fiel Draco auf, wie müde er aus sah. Das war zuvor durch den düsteren Gesichtsausdruck überdeckt worden. Auch Lucy schien das aufgefallen zu sein.
„Vielleicht sollten wir doch zu Severus gehen," murmelte sie, „Sirius sieht nämlich aus als würde er umkippen, wenn er nicht demnächst ein Bett zu sehen bekommt."
Doch in diesem Moment entdeckte Sirius, dass die zwei noch immer dort standen und lief mit schnellen Schritten zu ihnen.
„Ich nehme an ihr wartet auf mich?" fragte er. Sie nickten.
„Also, was gibt's?"
„Wir wissen was der Horkrux in Hogwarts ist," erklärte Draco unverzüglich mit gesenkter Stimme.
„Was?"
„Es ist Ravenclaws Diadem."
„Ich hab schon gehört, dass ihr das glaubt, und jetzt habt ihr also einen Beweis?" fragte er.
„Harry und Neville haben gestern mit ihrer Tochter geredet, sie lebt als Geist hier im Schloss. Kurz gesagt, sie wusste, wo das Diadem ist und hat es vor fünfzig Jahren Tom Riddle gesagt," berichtete Draco mit immer noch leiser Stimme.
„Na das ist doch mal was," murmelte Sirius, „aber ich nehme nicht an, dass ihr wisst wo sich das blöde Ding befindet, oder?"
Beide schüttelten den Kopf.
„Das wäre auch zu schön gewesen," meinte Sirius, „trotzdem, gut gemacht."
„War zum Großteil Harrys, Nevilles und Rons Verdienst," meinte Lucy, „aber Draco war der einzige, der jetzt gerade noch daran denken konnte, dass ihr die Informationen trotzdem kriegen müsst."
Sirius nickte, „Danke. Ich werd die anderen informieren. Aber erstmal muss ich ins Bett, ich bin todmüde und hab seit fast zwei Tagen nicht geschlafen."
Er klopfte Draco auf die Schulter, eine fast väterliche Geste, die den Teenager mit Stolz erfüllte und konnte es sich dann offensichtlich nicht verkneifen, Lucys Haare zu zerwuscheln.
„Hey, ich bin nicht mehr fünf," maulte sie.
Er grinste leicht, „Für mich wirst du immer fünf bleiben, Prinzessin," erwiderte er.
Dann drehte er sich um und machte sich endlich auf den Weg nach Hause.
Ron war dankbar, für Hermines Hand, die warm und lebendig in seiner kalten, tauben lag. Er konnte Harrys leise gemurmelte beruhigende Worte hinter sich hören, die dieser Ginny ins Ohr flüsterte und sie davon abhalten sollten, sich bereits jetzt vollkommen in Tränen aufzulösen.
Hermine sagte nichts. Aber sie war dich neben ihm und zeigte ihm durch den leicht verstärkten Druck ihrer Hand, dass sie für ihn da war und auch immer da sein würde. Sie war auch bei ihm gewesen als Percy starb und in den Stunden danach. Sie war immer da gewesen, wenn er sie gebraucht hatte. Jetzt verlor er also noch einen Bruder. War es Bill oder Charlie?
Die roten verquollenen Augen seiner Mutter waren das erste was er sah, als er das Büro betrat. Auch sein Vater hatte geweint. Und Bill saß hinter ihnen mit steinerner Miene. Also Charlie. Er löste seine Hand wortlos aus Hermines, gab ihr mit einem Blick zu verstehen, wie dankbar er für ihre Anwesenheit war und trat dann zu seiner Mutter um sie in den Arm zu schließen.
Ginny, der jetzt endgültig Tränen in Sturzbächen über das Gesicht liefen löste sich ebenfalls von Harry und umarmte erst ihren Dad und dann Bill. Und schließlich lagen sie sich alle fünf in den armen und weinten. Sogar Bill, den Ron noch nie hatte weinen sehen. Die Zwillinge waren nur ein paar Minuten später da und sobald sie Bill sahen, wussten auch sie, dass es Charlie getroffen hatte.
Ron hätte später nicht sagen können, wie lang sie alle einander einfach in den Armen gelegen hatten. Hermine, Harry und Angelina hatten sich die ganze Zeit im Hintergrund gehalten. Aber sobald die Tränen der Weasleys soweit getrocknet waren, dass die vier jüngsten fragen konnten, was geschehen war, war Ron froh Hermine auf seinem Schoß zu haben und seinen Kopf gegen ihre Schulter lehnen zu können. Auch in ihren Augen konnte er Tränen glitzern sehen und es war gut zu wissen, dass noch andere Menschen um Charlie trauerten.
„Was ist passiert?" fragte Fred schließlich.
„Wir waren in Norwegen," begann Bill zu erzählen, „Charlie, Dora, James, Sirius und ich. Eigentlich hätte Voldemort gar nicht wissen sollen, dass wir da waren, aber irgendwie, keine Ahnung wie, hat er es wohl doch erfahren. Dora, Charlie und ich waren allein im Hotel, als die Todesser kamen, sie haben die Decke gesprengt und Charlie dadurch von mir und Dora abgeschnitten, James und Sirius sind aufgetaucht, wir haben alle bis auf einen erledigt, der abgehauen ist. Er muss die Appariersperre gelöst und dann Charlie von Hinten angegriffen haben. Er ist jetzt entweder in Askaban oder in Voldemorts Hauptquartier."
Ron hörte, wie schwer es Bill fiel, seine Stimme während des kurzen Berichts ruhig zu halten.
„Es hätte jeden von uns treffen können," wisperte er jetzt, „warum konnte ich es nicht sein?"
Ron glaubte nicht, dass er gewollt hatte, dass die anderen den letzten Teil hörten. Er hatte sich abgewandt und starrte aus dem Fenster. Sein Dad stand auf, ging zu ihm und legte den Arm um seine Schulter. Ron selbst spürte Tränen auf seinem Gesicht. Hermines Hand lag auf seiner Wange und ihr Daumen wischte die Tränen weg, immer und immer wieder. Er wusste nur zu gut, wie Bill sich jetzt fühlte. Kannte die Schuld die sein Bruder jetzt fühlte, auch wenn jeder ihm immer und immer wieder versichern würde, dass es nicht seine war. Und das war es auch nicht, aber Ron wusste auch, dass es Jahre dauern konnte, das zu verstehen.
„Gibt es gar keine Möglichkeit ihn da raus zu holen?" flüsterte George schließlich.
Arthur hatte sich inzwischen wieder von Bill abgewandt, der den Trost seines Vaters in diesem Moment offenbar nicht wollte, und schüttelte stumm den Kopf.
„Vielleicht wäre es mit enormem Aufwand möglich, dort einzudringen und Charlie raus zu holen," sagte er, „aber andere würden sterben und wir haben ohnehin keine Garantie, das Charlie überhaupt..." seine Stimme brach.
Molly schluchzte erneut laut auf. Ron meinte erneut Bills Stimme zu hören, die wisperte: „Warum konnte ich es nicht sein?"
Lucy und Draco wollten sich gerade trennen um den Weg zu ihrem jeweiligen Klassenraum einzuschlagen, als Sirius sie einholte. Er war leicht außer Atem, doch ein triumphierendes Grinsen erhellte jetzt sein Gesicht.
„Ich weiß wo es ist!"
„Was?" echoten die beiden Teenager einstimmig. Er nickte, „Kommt mit."
Sie tauschten einen Blick und beeilten sich dann seinen schnellen Schritten zu folgen. Die Gänge hatten sich merklich geleert, jetzt wo die meisten bereits in ihren Klassenräumen waren und nur noch vereinzelte sich beeilen mussten um nicht zu spät zu kommen. Eine Gruppe ehemaliger Schüler, die Hogwarts aus Sicherheitsgründen nicht verlassen hatte, warf dem Trio einen überraschten Blick zu, als sie an ihnen vorbei hetzten.
„Willst du uns vielleicht verraten, woher du auf einmal weißt, wo das Diadem ist?" fragte Lucy.
Sie musste fast rennen um mit Sirius schnellen Schritten mithalten zu können. Draco, der ihn sogar um ein paar Zentimeter überragte hatte da weniger Probleme.
„Sicher. Also, wir, das heißt dein Dad, Remus, Peter und ich, haben da mal diesen Streich gespielt."
„Häh?"
„Lass mich weiter erzählen. Wir haben zu Halloween die Büste eines Hexenmeister verzaubert und durchs Schloss fliegen lassen, hat einigen Erstklässlern einen gewaltigen Schrecken eingejagt. McGonagall fand es allerdings wenig amüsant, dass wir dieses kleine Spiel auch Nachts fortgesetzt haben und plötzlich hat McGonagall uns durch das Schloss gejagt und wir mussten uns und unseren lieben Hexenmeister verstecken. Unser Glück, dass wir am Raum der Wünsche vorbei kamen. Wir haben also einen Ort gewünscht, an dem wir etwas verstecken konnten. Offenbar waren wir nicht die ersten mit dieser brillanten Idee, denn der Raum der sich für uns öffnete, war quasi ein Labyrinth aus verbotenen Gegenständen. Wir haben einen schönen Platz für unseren Hexenmeister gesucht, direkt neben einer Feenpuppe oder so was in der Art. Und diese Puppe trug jedenfalls..."
„Ein Diadem," beendete Draco den Satz.
„Ja, genau."
Sie hatten inzwischen den siebten Stock erreicht und Sirius begann vor der Tür des Raums auf und ab zu gehen. Die Tür erschien und er zog sie schwungvoll auf. Der Anblick der sich ihnen Bot war durchaus beeindruckend und in Lucy kam das elfjährige Mädchen wieder zum Vorschein, das sehr viel für Streiche übrig hatte und soeben sein persönliches Paradies entdeckte. Draco lachte.
„Was?" fragte sie.
„Dein Gesichtsausdruck, wie ein Kind, dass man mit einem riesigen Beutel Galleonen alleine in den Honigtopf gehen lässt."
Auch Sirius grinste, „Tja, bei dir haben James, Remus und ich ganze Arbeit geleistet."
Sie streckte ihm die Zunge raus.
„Also ich weiß nicht mehr wo genau wir unseren Hexenmeister stehen gelassen haben. Fangen wir einfach an zu suchen, verlauft euch nicht. Und nimm nicht zu viel Zeug mit raus Lucy."
Sie wiederholte die Geste von zuvor und streckte ihm die Zunge raus, dann begannen sie und Draco in die eine und Sirius in die andere Richtung zu gehen. Nach einer viertel Stunde kam Lucy die Wanderung durch das Labyrinth verbotener Gegenstände weit weniger faszinierend vor, als sie beim Betreten des Raums angenommen hätte. Vieles, was hier versteckt worden war, war inzwischen alt, kaputt und völlig nutzlos.
„Die haben ihren dämlichen Hexenmeister ja echt gut versteckt," murmelte sie schlecht gelaunt.
Draco hob eine Augenbraue, „Du warst diejenige, die sich beim Anblick dieses Raums vor Freude kaum halten konnte."
„Da dachte ich auch noch, hier gäbe es was interessantes," erwiderte sie, „aber alles in allem ist es doch recht..."
„DA!" rief Draco unvermittelt. Er war stehen geblieben und deutete nun auf eine Statue, direkt neben Lucy.
„Also wenn das ihr Hexenmeister ist hätte ich vor dem auch angst gehabt," meinte sie, „siehst du wie hässlich das Ding ist."
Draco hatte indes das Diadem vom Kopf der daneben stehenden „Feenpuppe" wie Sirius es genannt hatte, genommen. Lucy fand, dass das Gebilde, welches ihrer Meinung nach weder als Fee noch als Puppe durchgehen konnte und dazu noch eine sehr schäbige Perücke trug, den Hexenmeister an Hässlichkeit noch übertraf. Draco drehte inzwischen das Diadem in den Händen und setzte es ihr dann unvermittelt auf den Kopf.
Sie starrte ihn irritiert an, „Was soll das denn?"
Er zuckte mit den Schultern, „Sirius hat dich doch vorhin Prinzessin genannt, oder? Ich dachte, dass ist der Kopfschmuck, der dir zusteht."
Er grinste schief und seine Augen funkelten amüsiert.
„Du bist ein Genie, weißt du das," meinte sie schließlich, „wenn du nicht daran gedacht hättest, Sirius trotz der schlechten Nachrichten zu sagen was wir wissen und so aufmerksam gewesen wärst, hätten wir das Ding nie gefunden."
Er schloss die Augen.
„Was...?"
„Scht, ich genieße das Gefühl der Held der Stunde zu sein."
Sie lachte, „Na dann sollte ich dich jetzt wohl wie einen Helden behandeln."
Er öffnete die Augen wieder.
„Und wie behandelst du Helden?" fragte er immer noch grinsend, „für Prinzessinnen gibt es da ja bestimmte Handlungsstandards, oder?"
„Bestimmt," erwiderte sie.
Und dann schlang sie die Arme um seinen Hals und küsste ihn. Sie hatte gar nicht geplant das zu tun. Genau genommen hatte sie geplant, das nie wieder zu tun. Dracos Lippen waren trocken und fühlten sich ein bisschen spröde und rissig an. Aber sie waren auch noch immer warm und fest. Seine Schulten fühlten sich auch anders an, sie waren natürlich höher, als sie es damals gewesen waren, weil er im Gegensatz zu ihr noch gewachsen war, aber sie waren auch fester, ebenso wie der Rest seines Körpers. Mehr der eines Mannes, als der eines Jungen. Seine Lippen öffneten sich und sie schloss die Augen in der Erwartung seine Zunge über ihre Lippen streichen zu fühlen.
„Lucy, Draco habt ihr schon was gefunden? Und wo seid ihr überhaupt?" brüllte Sirius.
Sie sprangen auseinander. Das Diadem fiel von Lucys Kopf und rollte ein paar Meter über den Boden. Sie lief ihm hinterher, froh, über die Ausrede sich von Draco weg drehen zu können.
„Wir sind hier!" rief Draco, „wir haben es, wir kommen zum Ausgang."
Keiner von ihnen sprach während sie den Raum verließen.
Bills Hände krallten sich um den Rahmen von McGonagalls Bürofenster um das Beben zu unterdrücken. Er hörte seine Eltern und Geschwister hinter sich reden.
„Vielleicht wäre es mit enormem Aufwand möglich, dort einzudringen und Charlie raus zu holen," sagte sein Vater, „aber andere würden sterben und wir haben ohnehin keine Garantie, das Charlie überhaupt..."
Aber wir habe es nie versucht, dachte Bill. Warum haben wir es nie versucht? Bis zu diesem Punkt hatte er die kalte Logik hinter diesem Vorgehen verstanden. Sowohl Askaban, als auch Voldemorts Hauptquartier waren zu gut geschützt um unbemerkt hinein zu gelangen und den oder die Gefangenen zu befreien. Selbst wenn es gelingen würde, jemanden zu befreien wäre der Preis dafür weitere Leben. Und Sam war zu wichtig um ihre Tarnung für einen einzelnen Gefangenen aufzugeben. Es gab nichts was man für die tun konnte, die einmal gefangen waren.
Aber das war Charlie, sein kleiner Bruder, dem Tage, vielleicht Wochen unbeschreiblichen Schmerzes bevorstanden. Warum konnte ich es nicht sein? Dachte er. Oder vielleicht hatte er es auch laut gesagt, er war sich nicht sicher und es war ihm auch egal. Er fühlte sich so schuldig, wenn er nicht so selbstbewusst gewesen wäre und bereits gedacht hätte, dass sie die Todesser Problemlos besiegen konnten, dann wäre vielleicht alles anders gekommen. Wenn er Charlie zuerst geschickt hätte.
Wenn... Wie konnten winzig kleine Entscheidungen den Unterschied zwischen Leben und Tod ausmachen? Sollte das nicht etwas viel Dramatischeres erfordern? Er starrte aus dem Fenster auf das Schlossgelände, dass von gleißender Morgensonne erhellt wurde. Er erinnerte sich an glücklichere Tage, als er und Charlie hier gemeinsam zur Schule gegangen waren. Quidditch gespielt hatten. Er hatte sich damals eingebildet zu wissen, was im Krieg vorging. Welchen Kampf die Zauberergemeinschaft da kämpfte und welch grausame Opfer gefordert wurden. Aber die Wahrheit war, dass er keine Ahnung gehabt hatte. Er war ein naives Kind gewesen. Aber Naivität konnte ein ziemlich guter Schutzmantel sein.
Er sah das lachende Gesicht eines dreizehn jährigen Charlies, der auf seinem Besen saß und mit einem Quaffel spielte „Du kannst mich im Quidditch nicht besiegen" rief er. „Ach und warum nicht?" fragte Bill. „Na ja, du bist ein passabler Spieler," erklärte Charlie gönnerhaft, „aber gegen den größten Quidditchspieler aller Zeiten kommst du nicht an!" „Und wo ist der größte Quidditchspieler aller Zeiten?" Charlies Quaffel brach ihm fast die Nase.
Warum ist er nicht Quidditchspieler geworden? Er konnte sich noch daran erinnern, wie Charlies Bewerbung in der Zentrale eingetroffen war und an das Gespräch, dass er mit James geführt hatte.
„Du kannst nichts dagegen machen, also, gegen die Sorgen meine ich, aber du kannst soweit dir das möglich ist auf ihn achten, zumindest solange, bis er es ohne deine Hilfe hinkriegt."
Aber das hatte er nicht getan. Er hatte nicht gut genug auf ihn aufgepasst, hatte zugelassen, dass sein kleiner Bruder von Todessern gefangen genommen wurde und jetzt unter Folter sterben würde. Versunken in Erinnerungen hatte er nicht gemerkt, dass er auf einmal alleine in McGonagalls Büro war. Nein, nicht alleine, auf dem Stuhl, auf dem er schon die ganze Zeit gesessen hatte, saß Ron und beobachtete ihn.
Bill räusperte sich, „Wo sind die anderen hin?"
„Mum und Dad sind zurück nach Hause und die anderen sind wohl irgendwo in der Schule, vermutlich im Gemeinschaftsraum."
Er stand auf und Bill folgte mit den Augen seinen Bewegungen. Ron war immer groß für sein Alter gewesen, groß und schlaksig. Aber das war einmal gewesen, er war immer noch groß, doch jetzt war seine Gestalt athletisch und seine Bewegungen fließend. Er könnte ein Auror sein, durchzuckte es Bill und dann wurde ihm klar, dass Ron im Grunde nichts anderes war, denn er hatte in den letzten Jahren das Training durchlaufen, dass er selbst erst nach der Schule angefangen hatte.
Hatte Ron bereits getötet? Fragte Bill sich und die Frage ließ einen kalten Schauer durch seinen Körper laufen. Und dann stand er neben ihm, stützte die Hände auf den Fenstersims, an den er selbst sich zuvor geklammert hatte und starrte auf das Schlossgelände. Warum war er noch hier?
„Ich will nicht noch einen Bruder verlieren," sagte Ron leise.
„Denkst du ich?" erwiderte Bill mit sehr harscher Stimme.
Was dachte Ron von ihm? Dachte er, Bill hätte seinen eigenen Hals auf Charlies Kosten gerettet? Er mochte schuldig sein, aber es war nicht seine Absicht gewesen.
„Dann sind wir uns ja einig. Und deshalb, tu mir einen gefallen: Lass mich ausreden."
Bill nickte.
„Ich will nicht noch einen Bruder verlieren," wiederholte Ron, „und deswegen sage ich dir, egal was du jetzt denkst und fühlst, es war nicht deine Schuld."
Bill öffnete reflexartig den Mund um etwas zu erwidern, doch der Ausdruck in Rons Augen ließ ihn inne halten.
„Als ich aufgewacht bin, in der Nacht in der Percy gestorben ist, dachte ich ihr alle würdet mich hassen, weil es meine Schuld war," fuhr Ron fort, „aber dann hat jeder mir gesagt, dass es nicht meine Schuld ist."
„Es war nicht..."
„Lass mich ausreden," forderte Ron, „ich war froh, dass ihr mich nicht gehasst habt. Aber das hat nicht das Gefühl von Schuld gelindert. Und es hat Jahre gedauert bis ich verstanden habe, dass ihr recht hattet. Was ich damit sagen will, ich weiß, wir können dir sagen es war nicht deine Schuld, so oft wir wollen, aber das wird für den Moment vermutlich nicht so viel an dem ändern wie du dich fühlst. Aber lass dich davon nicht auffressen. Zwei Brüder zu verlieren ist..." Ron brach ab und Bill sah Tränen in seinem Gesicht, „aber ich weiß nicht, ob wir einen dritten verkraften können."
Die Taubheit hatte Sam nicht verlassen, seit sie von Charlies Gefangennahme erfahren hatte. Sie hoffte, dass die Taubheit lange genug bleiben würde, um ihren Plan auszuführen. Sie wusste, dass Charlie die ersten paar Stunden Folter überstanden hatte ohne zu reden, weil Lucius Voldemort Bericht erstattet hatte, gerade als sie selbst eingetroffen war. Jetzt saß sie an ihrem Platz in Voldemorts Salon und lauschte dem Bericht ihres Vaters über die Entwicklung in Norwegen. Voldemort selbst war im Moment nicht einmal anwesend.
„Wissen wir, ob die Norweger auch mit den Rebellen verhandeln?" fragte Lucius.
Er überließ die Folter für eine Weile anderen um bei dem Gespräch anwesend sein zu können. Ganz offensichtlich war er in Voldemorts Gunst wieder deutlich gestiegen.
Rodolphus schüttelte den Kopf, „Wir sind uns nicht sicher, hoffen wir, dass dieser Weasley Junge bald redet."
„Und woher wusstet ihr überhaupt, dass Rebellen da waren?" fragte Sam.
„Ein paar Todesser waren ebenfalls da um das Umfeld des Ministers zu überprüfen. Und sobald sie uns berichtet hatten, dass fünf von dessen Leuten während unseres Gespräches mit ihm außer Gefecht gesetzt waren, war uns auch klar, warum dieser eine so dreist war. Potter oder Black höchst wahrscheinlich."
Aber sie hätten den Schluss auch ohne diesen Fehler von James gezogen, dachte Sam.
„Wirklich eine Schande, dass diese Idioten nur Weasley erwischt haben und nicht Potter oder Black," meinte Bellatrix, „insbesondere Potter. Es gibt so viele verschiedene Zwecke die er erfüllen könnte."
„Nun Bellatrix, wenn du dich so sehr nach Potters Anwesenheit hier sehnst, dann geh und fang ihn," erklang Voldemorts Stimme.
Die versammelten Todesser sprangen auf und knieten nieder. „Setzt euch," sagte Voldemort, „bitte Freunde."
Er schien in sehr guter Stimmung zu sein, deren Ursprung Samantha nicht klar war.
„Freilich Bellatrix, hätte Potters Festnahme der letzte Triumph sein können, den wir brauchen. Doch auch der Weasleyspross steht auf meiner Kopfgeldliste. Der Orden schrumpft stetig. Sie sind am Ende und auch wenn ich mich auf den Tag freue, an dem ich James Potter und den Rest seiner elenden Familie endlich tot sehe, sollten wir auch alle anderen Triumphe bis dahin auskosten."
Die Todesser taten murmelnd ihre Zustimmung kund.
„Nun Lucius, hattest du bereits Erfolg mit Weasley?"
„Nein mein Lord," gestand Lucius, „aber ich hatte gehofft, dass Samantha mir helfen könnte."
Ihr Kopf zuckte in seine Richtung.
„Wie kommst du darauf?" fragte sie harsch.
„Nun, du kennst ihn gut, nicht wahr?"
„Und was führt dich zu dieser Annahmen?"
„Eure gemeinsame Vergangenheit, liebe Nichte, du warst im selben Hogwartsjahr wie er, nicht wahr?"
Was weiß er? Dachte sie. Seine Augen funkelten kalt und triumphierend und das Lächeln in seinem Gesicht war so falsch, dass Sam sich fragte, wie keiner der anderen das sehen konnte.
„Oh, ich wusste nicht, dass es dieser Weasley war den ihr festgenommen habt," erwiderte sie leichthin, „es gibt so viele von ihnen, dass man leicht den Überblick verliert, nicht wahr?"
„Sicher. Aber jetzt wo du es weißt, kannst du mir vielleicht ein paar seiner Schwachpunkte verraten."
„Ich war nicht gerade mit ihm befreundet Lucius, eigentlich waren wir eher verfeindet. Wie auch immer, typischer Gryffindoridiot meiner Erinnerung nach, aber Stur und Stolz. Wird vermutlich eine Weile dauern, wenn du das ganze beschleunigen willst, fang dir noch ein Mitglied von diesem erbärmlichen Haufen, so wie ich ihn einschätze würde das Wunder wirken."
„Keine Freundin oder so was, die ich als Druckmittel benutzen könnte?"
Er weiß es, dachte sie, oder er ahnt es. Aber er kann noch immer nichts beweisen und das sollte mir genug Zeit geben. Lass es genug Zeit sein.
Sie lachte auf, „Bitte Lucius, dass ich mit ihm nach Hogwarts gegangen bin ist eine Weile her und seit dem habe ich seinen Werdegang nicht gerade intensiv verfolgt. Möglich, dass er inzwischen verheiratet ist und Kinder hat, was weiß denn ich."
„Hm... vielleicht..."
„Genug davon," unterbrach Voldemort, „ich habe Vertrauen in deine Fähigkeiten diesen Weasley zum Reden zu bringen, Lucius. Ich wünsche nicht, dass du Samantha weiterhin damit belästigst."
„Natürlich mein Lord," erwiderte Lucius.
Doch seine Augen ruhten Weiterhin auf ihr. Und selbst wenn er es weiß, dachte sie, im Moment habe ich ohnehin nicht mehr viel zu verlieren. Sie gab vor, Lucius nicht weiter zu beachten und wandte ihren Blick indes Voldemort zu, der erneut zu sprechen begann.
„Ich habe mir überlegt, dass wir das Ultimatum für die Norweger ein wenig verkürzen sollten, Rodolphus. Wir werden bereits in zwei Tagen ihre Entscheidung verlangen."
Samantha berührte diese Nachricht kaum, nicht jetzt wo sie sich so intensiv mit anderen, so viel dringlicheren Problemen beschäftigte. Dann fiel ihr Blick auf Voldemorts Hände mit den langen bleichen Fingern und sie musste sich zusammenreißen um ein überraschtes auf keuchen zu unterdrücken. An Voldemorts rechtem Ringfinger steckte der Ring.
„Kannst du mir sagen wann ich so ein eiskalter Bastard geworden bin?"
James Stimme ließ Lily aufschrecken. Sie hatte eigentlich gedacht, er sei endlich ins Bett gegangen. Sie wandte sich zu ihm um und stellte fest, dass er das wohl auch getan hatte, dafür sprach, dass er bloß ein T-Shirt und Boxershorts trug, aber offenbar hatte die Frage, die er ihr soeben gestellt hatte dafür gesorgt, dass er keinen Schlaf finden konnte. Obwohl er den sicher dringend gebraucht hatte. Er kam zu ihr und setzte sich neben ihr auf die Couch.
„Ich denke nicht, dass du ein eiskalter Bastard bist," erwiderte sie mit fester Stimme.
„Nein?"
Sie schüttelte den Kopf.
„Wieso kann ich dann Menschen sterben lassen, ohne mit der Wimper zu zucken?"
„Das tust du nicht. Im Gegenteil, du tust weitaus mehr, als mit der Wimper zu zucken."
„Ach ja? Und was genau tue ich?" fragte er, sie hörte, dass Bitterkeit sich in seine Stimme geschlichen hatte.
„Es lässt dir keine Ruhe," erwiderte Lily, „jedes Mal wenn jemand gefangen wird, fängst du von neuem an über die Möglichkeiten nach zu grübeln, die wir haben könnten, ihn oder sie da raus zu holen, obwohl du längst weißt, dass wir keine Möglichkeiten haben."
„Aber ich handle nicht, Lily. Ich grüble vielleicht, aber das rettet niemanden, oder?"
„Nein, das stimmt. Aber es beweist, dass du kein eiskalter Bastard bist. Es mag dir selbst manchmal nicht so vorkommen, aber du bist noch immer ein Mensch mit Gewissen. Du fühlst noch immer den Schmerz. Das macht dich zu so einem guten Anführer James."
Er sah sie perplex an, „Ich bin kein guter Anführer. Ich bin einfach nur der nächst Beste, der nachrücken konnte als Albus gestorben ist."
Lily schüttelte vehement den Kopf, „Nein. Du bist schon immer ein Kämpfer gewesen James. So ziemlich in jeder Hinsicht. Aber ein Kämpfer zu sein reicht nicht. Dein Herz, das selbst nach all den Jahren noch für jeden Toten blutet, dein Gewissen und deine Moralvorstellung, deine Fähigkeit zu lieben, das ist es, was aus einem Kämpfer wie dir einen guten Anführer macht. Einen guten Menschen."
Er lächelte sehr schwach, „Du glaubst das wirklich, oder?"
„Ja." Sie beugte sich vor um ihn zu küssen. „Ich hätte niemanden geheiratet der ein eiskalter Bastard ist, James," wisperte sie dann.
„Nein, hättest du nicht," stimmte er ihr leise zu, „das ist dann wohl das, was am meisten für mich spricht."
Sie küsste ihn wieder, sehr zärtlich. „Geh jetzt schlafen, James. Du siehst erschöpft aus und ich bin sicher, dass wir nicht lange auf eine Gelegenheit warten werden müssen, in der wir unsere gesamte Energie brauchen."
Er nickte, stahl einen weiteren Kuss und ließ sich dann endgültig von ihr zurück ins Bett scheuchen. Kaum fünf Minuten später kam Sirius durch den Kamin ins Wohnzimmer gerauscht. Er schien in Hochstimmung zu sein, obwohl er kaum weniger erschöpft aussah als James und zudem noch die Weasleys nach Hogwarts begleitet hatte. Der Gedanke an Charlie schmerzte auch Lily.
„Wurdest du verzaubert?" fragte sie.
„Nein, aber schau was ich gefunden habe."
Er hielt ihr zwei Hälften eines sehr angelaufenen Diadems entgegen.
„Ich fass es nicht," stieß sie hervor, „wo hast du das her?"
„Der Raum der Wünsche, Draco und Lucy haben mir erzählt, dass sie den Beweis haben, dass es dieses Diadem ist. Ich war schon auf dem Weg zurück, als ich einen Geistesblitz hatte, wir, dass heißt James, Remus, ich und Peter haben dieses Diadem nämlich schon in unserer Schulzeit im Raum der Wünsche entdeckt. Jedenfalls, um die Geschichte abzukürzen, haben Lucy und Draco es gefunden und ich habe es dann zerstört."
Er grinste breit und Lily erwiderte das Grinsen. Schließlich hatte sie schon lange gelernt, dass man jeden Lichtblick würdigen musste.
Etwa zehn Stunden später waren sowohl James als auch Sirius wieder ausgeschlafen. Die Bewohner von Godric's Hollow befanden sich alle im Wohnzimmer. Josh versuchte fröhlich kichernd Rebecca die ihn mit großen Augen anstarrte das Laufen beizubringen. Der Anblick war sehr niedlich, wurde jedoch von den anwesenden Erwachsenen kaum gewürdigt, die mehr damit beschäftigt waren, sich den Kopf über Samantha zu zerbrechen, von der sie seit fast vierundzwanzig Stunden nichts gehört hatten.
Unter normalen Umständen wäre dies nicht zu ungewöhnlich gewesen. Doch da sie nach der Nachricht über Charlies Gefangennahme ohne ein weiteres Wort verschwunden war, machten sie sich schon alle Gedanken darüber, was sie jetzt tat.
„Sie wird versuchen ihn zu retten, denke ich," meinte Sirius.
Keiner widersprach ihm. Sam liebte Charlie und mochte sie auch in der Lage gewesen sein, anderen Ordensmitgliedern, die sie sehr wohl gemocht hatte beim sterben zuzusehen oder ihren Tod zu beschleunigen, glaubte keiner von ihnen, dass ihr das bei Charlie gelingen würde.
Sie alle zuckten recht heftig zusammen, als Sam in mitten des Wohnzimmers apparierte. Ihr Gesichtsausdruck war völlig Emotionslos, ebenso wie ihre Stimme, als sie sagte: „Ich hab den Ring."
AN: Wow Leute, ich war echt überwältigt von den vielen lieben Reviews zum letzten Kapitel, vielen vielen Dank dafür. Ich hab glaube ich, allen, die bei FF . net angemeldet sind schon per PM geantwortet und gedankt, also hier noch mal ganz besonderer Dank an die anonymen Reviewer.
Ihr merkt glaub ich selbst, dass die Fäden zusammen laufen und alles ganz stark auf das Ende zugeht, das hoffentlich nach eurem Geschmack sein wird. Also, freut euch auf das nächste Kapitel mit dem viel versprechenden Titel: „Das letzte Geheimnis", das wohl wieder in zwei Wochen kommen wird.
Bis dahin hoffe ich, wieder so viele tolle Reviews zu kriegen ;)
Lg Sanny
