Das Eingeständnis
Mo. 15.12.1996
Er saß seit 7 Uhr in seinem Klassenzimmer und wartete. Er hatte zuvor keinen Unterricht, schaffte es nicht, zum Frühstück zu gehen, würde er SIE doch dann sehen.
Er wusste, dass sein Gemüt dies nicht aushalten würde, denn er hatte einen Entschluss gefasst. Es war egal. Alles war egal. Es war egal, was man von ihm erwartete, es war egal, was man von ihm verlangte. Dumbledore war ihm egal. Sein halbes Leben lang, hatte er getan, was man von ihm verlangte. Ein halbes Leben lang, hatte er all seine Bedürfnisse und seine Sehnsüchte bei Seite gestellt, um anderen entgegenzukommen. Das, würde mit dem heutigen Tag enden. Es war genug.
War es gefährlich? Ja. Und wie gefährlich es war! Er war ein Spion, er war unter ständiger Beobachtung von beiden Seiten – der Bösen, aber vor Allem auch der Guten. Benutzt. Und es reichte. War es verboten? Ja. Und wie verboten es war! Sie war seine Schülerin, er war ihr Beschützer, ihr Lehrer – doch er spürte Dinge für sie, von denen er sich sicher war, nie wieder so empfinden zu können.
Und sie fühlte dasselbe.
Ein Lächeln umwarb seine Lippen und er kam nicht drum rum, zu denken, wie lächerlich, wie pubertär er doch wirkte. Und es gefiel ihm. Er war sich der einen Sache sicher, die sein gesamtes Leben verändern könnte: ihrer Liebe.
Er blickte auf die Uhr. Nur noch 10 Minuten.
Das war der Moment, in dem er den Schmerz spürte, der seinen linken Arm zu zerreißen drohte. Sein Atem war schwer und er klammerte seine Arme fest um seinen Körper. Nicht jetzt, nicht jetzt…
Er rannte nach unten in die Kerker, in seine Gemächer, drückte den Kerzenständer neben einem seiner Bücherregale herunter, sodass sich das Regal umdrehte. Geöffnet wurde ein kleiner enger Korridor, der in ein dunkles Zimmer führte, dass von lediglich einer Kerze erhellt wurde. Dort in der Mitte des Raumes, glänzte seine Maske. Der silberne Gittermund, die ausdrucksleeren Augenhüllen erwarteten ihn bereits. In seinem Kopf dröhnte es. Es war, als hörte er die Schreie seiner lang verstorbenen Opfer.
„REIß DICH ZUSAMMEN!", er schrie zu sich selbst. Er wollte sich zusammenreißen, doch nicht jetzt. Nicht jetzt… All der Optimismus, war wie von Winde verweht, das Einzige was er spürte, war der nicht auszuhaltende Schmerz, der ihm die Sinne betäubte.
Dann hörte es auf.
Er müsste sich beeilen. Er durfte es nicht drauf ankommen lassen. Er versteckte die Maske unter seinem Mantel, eilte hinaus in die Korridore, hinaus ins Freie. Das Mädchen, mit dem buschigen, dunkelblonden Haar und den goldbraunen Augen, das draußen vor dem großen Eingangstor Hogwarts stand, bemerkte er nicht. Er bemerkte auch nicht, wie sie ihm wehmütig nachblickte, während er unvorsichtig seine Maske aufsetzte.
