36. Kapitel: Meine Schuld
(Aus Edwards Sicht)

Ich stand vor dem Empfangstresen und füllte schon das tausendste Protokoll für heute aus. "Dr. Cullen, die Patientin heißt Lilly", korrigierte mich Bertha, meine Assistentin und riss mich somit aus meinen Gedanken. Ich konnte mich einfach nicht konzentrieren! Meine Gedanken waren bei Bella und ich fühlte mich so mies dafür, dass ich sie an ihrem Geburtstag alleine gelassen hatte. Wie sehr ich es mir doch wünschte, bei ihr zu sein und sie in meine Arme zu nehmen. In ihre wunderschönen Augen zu sehen und zu flüstern, dass ich sie liebte.

In einem Krankenhaus zu arbeiten ist stressig. Aber wenn man sein Job liebt und sich dafür arrangieren möchte Menschenleben zu retten, ist es keine Last sondern eine Freude. Jeden Tag, wenn ich sehe wie Ärzte oder Krankenschwestern durch das Gebäude rennen um rechtzeitig bei den Patientin zu sein, frage ich mich, ob den Menschen überhaupt bewusst ist, was für eine schwere Arbeit wir Ärzte eigentlich machen.

Louisiana, eine Krankenschwester aus der Unfallstation kam außer Atem an den Tresen, an dem ich mich ebenfalls befand und sagte: "Ich brauche die Papiere von Bella Cullen schnell!" Von Bella Cullen?! Meine Bella war im Krankenhaus?! "Bella Cullen?", fragte ich und merkte dabei selber, wie meine Stimme abbrach. Louisiana schien mich bis dahin nicht bemerkt zu haben, doch als sie mich sah verschlug es ihr regelrecht den Atem. "Dr. Cullen", begann sie uns sah sich dabei auf die Hände. "Ihre Frau hatte einen schweren Unfall. Sie hat viel Blut verloren und..." Mehr musste ich nicht hören. Sofort rannte ich zu der Unfallstation und versuchte meine Frau zu finden. Adrenalin floss durch meine Adern, während mir tausend Gedanken durch den Kopf gingen. Was, wenn ihr etwas schlimmes zugestoßen war? Was, wenn sie in Lebensgefahr schwebte? Nein! Ich könnte ohne Bella nicht leben!

"Ich suche Bella Cullen", sagte ich zu einer der Krankenschwestern. Sie nickte und zeigte auf ein Zimmer, indem viel los zu sein schien. Sofort lief ich in die gezeigte Richtung und erstarrte an der Türschwelle. So, hatte ich Bella noch nie gesehen. Ich hätte es mir auch nicht gewünscht aber es war, als würde ich jeden Moment zusammenbrechen. Eine Atemmaske lag auf ihren perfekten Lippen und ihre wunderschönen Augen waren geschlossen. Susan Cliff, ihre Frauenärztin schien irgendetwas an ihrem Bauch abzutasten. Oh Gott, das Baby! Das Baby, hatte ich ganz vergessen! Was, wenn dem Baby irgendetwas zugestoßen war? Das würden wir nicht verkraften können!

"Bella", flüsterte ich, während ich mich ihrem reglosen Körper näherte. Das erste, was ich sah war Blut. An ihrem Bauch, an ihrer Stirn, an ihren Händen...einfach überall! "Bella", wiederholte ich, als sich meine Augen mit Tränen füllten und ich ihre Hand in meine nahm. "Edward, keine Sorge Bella wird es gut gehen. Aber ich muss dich jetzt bitten raus zu gehen", hörte ich Susan aus der Ecke sagen. Ich rührte mich nicht. ich konnte es nicht! "Edward, bitte!", wiederholte sie. Danach kamen zwei Schwestern zu mir und begleiteten mich zur Tür. Meine Beine spürte ich schon seit langem nicht mehr!

"Mom", sagte ich unter Tränen, als ich hörte wie sie das Telefon abnahm. "Edward? Was ist passiert?" Ich atmete tief ein, bevor ich sagte: "Bella hatte einen Unfall. Da war überall Blut und ich weiß nicht was ich machen soll!". "Okay Baby, ganz ruhig. ich komme sofort". Ohne zu antworten legte ich auf und vergrub mein Gesicht wieder in meinen Händen.

"Edward!", schrie Esme, während sie im Laufschritt auf mich zu kam. Hinter ihr bemerkte ich noch Rosalie und Emmett. "Mom", sagte ich, als sie mich in ihre Arme nahm und ich an ihrer Schulter weinte. "Was ist passiert?", fragte sie, als wir uns alle hinsetzten. "Ich weiß es nicht. Sie war allein Zuhause und ist wahrscheinlich hingefallen". "Hast du sie gesehen?", hörte ich meinen Bruder fragen. Das Bild von Bellas regungslosem Körper erschien vor meinen Augen, während ich nach Luft schnappte. Es war als würde mir jemand die kehle zuschnüren.

20 Minuten, 40 Minuten, 50 Minuten, 1 Stunde...Nichts. Keiner sagte uns etwas und es war einfach nicht zum aushalten! Ich konnte weder sitzen noch stehen!

Die Tür wurde geöffnet und Susan trat hinaus. Sofort gingen wir auf sie zu, wobei sie leicht lächelte und erklärte: "Bella geht es gut. Sie hat zwar viel Blut verloren aber mit einer Transfusion haben wir das wieder in den Griff bekommen. Wir werden sie allerdings noch einige Tage beobachten müssen". Erleichtert atmete ich auf, während Esme mich tröstend in ihre Arme nahm. "Und wie geht's dem Baby?", fragte ich, als ich mich an das viele Blut an Bellas Unterleib erinnerte. Susans Gesichtsausdruck verfinsterte sich ein wenig, als sie antwortete: "Das war eine ziemlich kritische Sache. Wenn wir nicht sofort gehandelt hätte, hätten wir das Baby vielleicht verloren. Aber zum Glück geht's eurer Tochter gut. Die Herzschläge sind wider Stabil, allerdings werden wir sie ebenfalls einige Tage beobachten". Ihnen ging es gut! Meinen beiden Mädels ging es gut! "Kann ich sie sehen?" Susan nickte einmal und das war alles was ich brauchte, bevor ich zu meiner Frau rannte.

Wenn es einen Engel auf Erden gab, dann war das Bella. Wie konnte ein Mensch nur so rein sein? So zerbrechlich aber gleichzeitig auch so stark! Wenn sie sich etwas vornahm, war sie bereit dafür zu sterben! Und das war genau das, was ich so sehr an ihr liebte. Ihre braunen Haare waren über das ganze Kissen verteilt, während ihre wunderschönen Augen immer noch geschlossen waren. Eine Infusionsnadel steckte in ihrer zierlichen Hand, der sich auf ihrem runden Bauch befand. Leise setzte ich mich auf die Bettkante und streichelte sanft durch ihre Haare.

"Edward?", sagte sie heiser, während sie langsam ihre schokoladenbraunen Augen öffnete. "Ich bin hier Bella", flüsterte ich und küsste ihren Handrücken. "Das Baby", sagte sie plötzlich panisch. "Alles Okay Bella. Dem Baby geht's gut, keine Sorge". "Edward, es tut mir leid", hörte ich sie sagen, als ihr eine einzige Träne über die Wange rollte. "Shh du musst dich für nichts entschuldigen Bella. Das war meine Schuld. Ich hätte dich nicht alleine lassen dürfen. Ich...". "Ich war nicht allein", unterbrach sie mich. "Charlie war bei mir". Ich war überrascht, denn ich hätte nicht gedacht, dass Charlie wirklich zu Bella fahren würde. "Wir haben uns gestritten. Und dann hat er mich..." Sie verstummte. "Er hat dich was Bella?". "Er hat mich geschlagen". Er hatte WAS? Erst dann bemerkte ich die angeschwollene Stelle an Bellas Wange und das blaue Fleck unter ihrer Augenbraue. Wie konnte Charlie seine eigene Tochter schlagen? "Bella, es tut mir so leid", flüsterte ich, als ich mich neben ihr aufs Bett quetschte und sie in meine Arme nahm. Hätte ich doch bloß das Haus nicht verlassen! "Ich liebe dich", hauchte ich, bevor ich ihren Haaransatz küsste.

Das einzige, was jetzt zählte war Bellas Gesundheit. An alles andere würden wir uns später kümmern.


Danke fürs Lesen :) Ich freueeeee mich riesssiiiggg über Reviews :)

Fortsetzung folgt...