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Das Ende von 'Burden' bedeutet zugleich das Ende einer weiteren Story. Der Nachteil davon, wenn man an so vielen Storys zugleich tippt, ist, dass man immer befürchtet, sie nicht alle fertigstellen zu können. Insgesamt ist es somit eine kleine Erleichterung, wenn man das letzte Kapitel freigeben kann. Trotzdem fühlt es sich eigenartig an, dieses Pairing sich selbst zu überlassen...
Bitte lasst mich wissen, was ihr denkt.
houseghost
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Burden of impurity
Kapitel 36
Aufbauen
Der Geruch von frischem Kaffee, der sich im Haus ausgebreitet hatte, war so genüsslich, dass Hermine sich für einen Moment daran erinnert fühlte, wie es damals gewesen war, als ihre Eltern für sie Frühstück gemacht hatten. Obwohl ihr schnell bewusst wurde, dass dem nie wieder so sein würde, hatte sie doch endlich einen Grund gefunden, der ihr half, damit umzugehen, dass nun alles anders war. Und das war bei der Vielzahl an Erlebnissen, die sich im vergangenen Jahr ereignet hatten, keine Selbstverständlichkeit.
Seit geraumer Zeit gehörte es für Hermine zum Alltag, mit den traumatischen Erlebnissen umzugehen, mit denen sich der Krieg in ihr Leben eingeschlichen hatte. Umso irritierender war es gewesen, als sie erfahren musste, dass Severus Recht behalten sollte: er war in der Tat ein unruhiger Bettgenosse.
Während der ersten gemeinsamen Nächte schreckte er mehrmals schweißgebadet im Schlaf hoch und versetzte damit auch Hermine in Alarmbereitschaft. Aufgrund der ungewohnten Situation, sich mit jemandem das Bett zu teilen, stand er sogar kurz davor, mitsamt seinem Kissen und der Bettdecke aufs Sofa auszuwandern, doch Hermine ließ nicht locker und so brachte sie ihn am Ende doch dazu, bei ihr zu bleiben.
Jetzt, wenige Tage vor Schulbeginn, schien kaum noch etwas an die Hürden zu erinnern, die zwischen ihnen lagen. Und so schlug sie verschlafen die Augen auf und blinzelte in die Strahlen der warmen Sommersonne, die durchs geöffnete Fenster fielen. Das Nächste, was sie in dieser friedfertigen Umgebung vor sich sah, war das Gesicht ihres Professors.
„Wurde ja auch langsam Zeit", murmelte Snape mit deutlichem Sarkasmus durch seine eng aufeinander gepressten Kiefer hervor.
Hermine grinste schelmisch zu ihm hinauf, wie er da so neben ihr im Bett saß, die Arme vor der nackten Brust verschränkt hatte, und sie wie üblich mit einer hochgezogenen Augenbraue betrachtete.
„Guten Morgen, Severus."
Er schnaubte leise. „Es ist schon fast Mittag. Aber lass dich davon nicht stören."
„Keine Sorge, werd ich nicht ... Wie lange bist du schon wach?"
„Seit etwa zwei Stunden."
„Wirklich? Das ist ein Rekord für dich, oder?"
Er nickte. „Mein Leben lang war ich daran gewöhnt, früh aufzustehen. Aber ich gebe zu, dass es durchaus Vorteile hat, etwas länger im Bett zu bleiben. Noch dazu, wenn man es mit dir teilt."
Auf Hermines Gesicht breitete sich ein Lächeln aus. „Da gebe ich dir Recht."
„Gut. Doch so langsam sollten wir wirklich aufstehen. Du wolltest heute endlich deine Schulsachen besorgen. Nächste Woche ist es soweit."
„Das können wir auch später noch machen."
„Sicher. Doch wer hätte gedacht, dass das ausgerechnet von dir kommt?"
Sie zuckte mit den Schultern. „Ich gebe mein Bestes. Es ist anstrengend, ständig die Nase vorn zu haben, weißt du?"
Er rollte mit den Augen. „Ob sich damit eine Verbesserung einstellt, ist fraglich."
„Ach, mach dir deswegen keine Gedanken. Wenn wir erst in Hogwarts sind, werde ich meine neuen Prinzipien über den Haufen werfen und die alten wieder hervorkramen. Dann kannst du dich immer noch beklagen."
Snape schüttelte ungläubig den Kopf und entgegnete nichts mehr dazu.
Hermine hingegen streckte sich genüsslich nach allen Seiten. „Und?", fragte sie neugierig, als könne sie es kaum erwarten, aus seinem Munde etwas Aufregendes über die Welt außerhalb des Schlafzimmers zu erfahren. „Was hast du in der Zwischenzeit so gemacht?"
Er nahm die Hände hoch und schob sie durch die langen Strähnen. „Ich dachte schon, du fragst nie."
„Das klingt ganz so, als hättest du bereits jede Menge angestellt."
Leicht säuerlich zischte er sie an. „Willst du es jetzt hören oder nicht?"
Sie stützte sich auf den Ellenbogen und bette ihren Kopf auf seinen Schoß. Dann lugte sie in unschuldiger Manier zu ihm hinauf.
„Du kennst mich. Ich liebe es, dir zuzuhören."
Versöhnlich runzelte er die Stirn. „Hätte ich das von Anfang an gewusst, wäre mir so einiges erspart geblieben."
Hermine klopfte ihm zur Beruhigung mit der flachen Hand auf die Brust. „Wie gesagt, ich arbeite daran, mein Temperament unter Kontrolle zu behalten. Außerdem warte ich immer noch darauf, dass du mir gewisse Dinge von selbst erzählst. Du weißt ja, jeder Tag, den wir gemeinsam beginnen und beenden, ist eine Herausforderung für uns, Severus. Und wenn wir nicht wollen, dass alles wieder in einer Katastrophe endet, ist es unumgänglich, dass wir uns einander öffnen."
Snape funkelte sie an und legte ihr seinen Zeigefinger auf die Lippen. „Bevor du die Sache vertiefen willst, solltest du dir bewusst machen, dass auch ich daran arbeite."
„Gut. Also?"
Seine Mundwinkel spielten. „Zuerst habe ich den Tagespropheten von vorne bis hinten durchgeackert."
Hermine biss sich auf die Lippe. „Haben sie dich erwähnt?"
„Zweimal."
„Dann ist es besser als in den vergangenen Wochen, oder?"
„Wohl kaum. Sie haben anscheinend Gefallen daran gefunden, sich über mich auszulassen. Das Entsetzen darüber, dass ich nicht eingesperrt wurde, ist groß."
„Oh. Aber ich dachte ..."
„Ich weiß, was du dachtest", fiel er ihr ernst ins Wort. „Nur leider muss ich dich enttäuschen. Sie haben mich nicht nur erwähnt, sie haben mir sogar zwei ganze Artikel gewidmet. Einen auf Seite drei. In dem anderen ging es um einen Aufruf, der die Bevölkerung dazu anregen soll, Hinweise über meinen Verbleib beim Ministerium abzugeben. Offensichtlich ist es noch immer wild darauf, mich zu einer Stellungnahme zu bewegen. Doch den Gefallen werde ich ihnen nicht tun. Jedenfalls nicht, bis ich wieder in Hogwarts bin. Und das betreffend habe ich Vertrauen in Minerva, dass sie jedem Reporter den Zugang zur Schule verweigert, so gut es ihr möglich ist."
„Das ist grauenhaft, Severus."
Er zuckte wie beiläufig mit den Schultern. „Es ist ein Wunder, dass sie kein Kopfgeld auf mich ausgesetzt haben."
„Wieso sollten sie das tun? Du bist nicht angeklagt. Es ist lediglich die Meinung einzelner Leute, die ..."
„Noch nicht, Hermine. Aber wenn das so weitergeht, schwöre ich, dass ich die Reporter kaltmachen werde. Dann haben sie einen neuen Grund, mich fertigzumachen."
Hermine konnte nicht anders als ihren Kopf darüber schütteln. „Das wirst du schön bleiben lassen. Hier bist du in Sicherheit, Severus. Niemand würde auf die Idee kommen, dich hier zu suchen."
„Hoffen wir, dass es dabei bleibt", knurrte er kühl.
Sie seufzte nachdenklich. „Weißt du, bei all den zusätzlichen Schutzzaubern, die du auf das Haus gelegt hast, denke ich nicht, dass sie eine Chance haben, dich hier zu finden. Mir war es ebenso unmöglich, dich und dein Haus zu finden. Aber wie dem auch sei, ich kann verstehen, wie du dich fühlst. Als ich mich nämlich nach dem Ende des Krieges hier eingerichtet habe, haben einige Reporter versucht, ein Interview mit mir zu bekommen."
„Umso wichtiger ist es, dass du die Sicherheit des Hauses ernst nimmst, Hermine. Mit den üblichen Zaubern ist es nicht getan."
„Das weiß ich. Deine Sprüche sind einfach nicht zu knacken. Trotzdem tut es mir leid, dass sie dich nicht in Frieden lassen."
„Du kannst nichts dafür."
„Das ändert nichts daran, wie ich darüber denke."
Er presste die Kiefer aufeinander und starrte abwesend in die Ferne. Hermine spürte sofort, dass er ein schlechtes Gewissen bekam, das Thema zur Sprache gebracht zu haben.
„Ich hätte nicht damit anfangen sollen", murmelte er leise. „Es wird uns nicht weiterbringen, wenn wir uns darüber den Kopf zerbrechen."
„Nein, Severus. Genau darum geht es. Wir waren lange voneinander getrennt. Und jeder von uns hat schreckliche Erfahrungen durchgemacht. Aber wenn wir zusammenleben wollen, müssen wir wieder damit anfangen, uns gegenseitig zu öffnen."
„Ich kann nur hoffen, dass sie den Ärger nicht irgendwann auf deinem Rücken austragen, wenn sie herausfinden, was wir miteinander teilen."
Beschwichtigend streichelte sie mit der Hand über seinen Arm. „Bis dahin haben wir noch jede Menge Zeit. Außerdem bin ich sehr wohl in der Lage, auf mich zu achten."
Er sah sie mit funkelnden Augen an. „Davon bin ich überzeugt."
Hermine lächelte zufrieden zu ihm hoch. Dass er auf ihre Fähigkeiten vertraute, war ein gutes Zeichen. „Was ist noch passiert, heute Morgen?"
Er räusperte sich. „Nachdem ich die Zeitung durch hatte, habe ich Potter davon abgehalten, seinen Kopf durch den Kamin zu stecken ..."
Plötzlich war sie hellwach und setzte sich auf. „Harry war hier? Ist alles in Ordnung bei ihm und Ron? Wie geht's den Weasleys?"
Snape zog abwertend seine Brauen zusammen und drückte sie nach unten, bis sie den Widerstand aufgab und wieder auf ihm lag. „Deine Fürsorglichkeit den beiden gegenüber kennt keine Grenzen, nicht wahr? Selbst jetzt, wo der Krieg vorbei ist, müsst ihr ständig zusammenhängen."
„Das ist nicht wahr", entgegnete sie schmollend. Dann besann sie sich und räusperte sich. „Jetzt sag schon, was wollte er?"
„Wie bereits erwähnt, hat er versucht, durch den Kamin zu kommen. Doch in Anbetracht der Umstände, dass ich nackt war, habe ich ihm davon abgeraten."
Hermine war sich nicht sicher, was sie davon halten sollte und warf ihm einen unmissverständlichen Blick zu. „Ich hoffe, du warst nett zu ihm, Severus."
„Sicher doch … nachdem er eingesehen hat, dass es nicht unbedingt von Vorteil für ihn gewesen wäre, mich ohne Klamotten vorzufinden, meinte er, dass er später nochmal wiederkommt."
„Hmm. Dann ist es wohl am besten, wenn ich mich selbst bei ihm melde. Vermutlich hast du ihn vergrault."
Er lachte auf. „Das denke ich kaum. Seit er weiß, dass ich hier bei dir bin, nutzt er jede Gelegenheit, um nach dem Rechten zu sehen."
Hermine zuckte wie beiläufig mit den Schultern. „Er macht sich eben Sorgen um mich, Severus."
„Ha! Denkst du, das wüsste ich nicht?", stieß er wenig begeistert aus. „Sein Vertrauen in mich scheint ja wirklich riesig zu sein ..."
Fragend blinzelte sie ihn an. „Kannst du ihm das verübeln? Nach allem, was ihr erlebt habt, ist es ein Wunder, dass er sich überhaupt damit abgefunden hat, dass wir zusammen sind."
Snape legte mit einem ernsten Ausdruck auf dem Gesicht den Kopf schief. „Übrigens, ich habe unter Einsatz meines Lebens Frühstück gemacht, falls du das vergessen hast ..."
Hermine gähnte ausgiebig vor sich hin, als wäre diese Nachricht nicht halb so interessant wie die Tatsache, dass ihr bester Freund sie besuchen wollte. „Ja, schon gut. Ich finde es schön, dass du Gefallen an der Küche gefunden hast."
Enttäuscht rollte er mit den Augen. „Hätte ich geahnt, dass du solches Interesse daran hast, mir zuzuhören, hätte ich lieber gleich den Mund gehalten."
Sie streckte sich und drückte ihm entschuldigend einen Kuss auf den Bauch. „War nicht so gemeint, Severus. Und? Was ist passiert? Hat dich diesmal der Geschirrspüler angefallen?"
„Nicht ganz. Aber ich habe es geschafft, den Toaster in Brand zu setzen."
Sie schluckte mit großen Augen. „Wie das?"
„Wenn ich das wüsste, würde ich es dir kaum erzählen. Keine Sorge, ich habe den Gestank eingedämmt. Aber sei vorsichtig, wenn du in seine Nähe kommst … vermutlich ist es am besten, wenn wir einen neuen besorgen."
Hermine biss sich auf die Lippe, um ihr Grinsen zu unterdrücken. Seit er sich mehr oder weniger damit abgefunden hatte, mit ihr zusammen in ihrem Elternhaus zu wohnen, war viel geschehen. Am Anfang hatte er, wann immer möglich, einen Bogen um alle technischen Geräte gemacht, deren Existenz er in den vergangenen Jahrzehnten übergangen hatte. Das ging einige Tage gut, bis es Hermine zu bunt geworden war und sie darauf bestanden hatte, dass sie nicht ewig neben ihm stehen und ihm dabei zusehen wollte, wie er sich damit auseinandersetzte.
Ungeduldig hatte sie ihm die Gebrauchsanweisungen unter die Nase gehalten und ihn seinem Schicksal überlassen. Doch das Ergebnis seiner Untersuchungen war in Bezug auf die neue Einrichtung nicht gerade zufriedenstellend gewesen. Seither nutzte Hermine jede sich ihr bietende Gelegenheit, ihn damit aufzuziehen, ganz so, wie er es in der Vergangenheit auch mit ihr gemacht hatte.
„Man merkt eindeutig, dass du ein Todesser warst", sagte sie stichelnd. „Du musst mit etwas mehr Gefühl an die Sache herangehen, Severus, denn wenn du so weitermachst, müssen wir uns eine weitere Einkommensquelle suchen. Es sei denn, du fragst McGonagall nach einer saftigen Gehaltserhöhung."
Er reckte steif das Kinn in die Höhe, ohne sie eines weiteren Blickes zu würdigen. „Dazu wird es nicht kommen, Hermine. Außerdem habe ich dir gesagt, dass ich keine Ahnung habe, wie man einen Kühlschrank repariert. Aber du wolltest ja nicht auf mich hören."
„Ich habe ihn auch nicht kaputtgemacht." Ein unliebsames Schnauben entfuhr ihm und Hermine räusperte sich. „Ist ja schon gut. Woher hätte ich denn wissen sollen, dass du zwei derart linke Hände hast, wenn es um banale Haushaltsgeräte geht? Jahrelang hast du uns im Unterricht vorgehalten, wie wir den Rührstab halten sollen, damit die Bewegung aus dem Handgelenk stimmt. Und jetzt kommt das?"
Snape sah sie an und seine Augen bohrten sich tief und durchdringend in ihre. „Warts ab, bis wir wieder in Hogwarts sind. Dann werden wir ja sehen, wer zuletzt lacht."
Hermine gluckste beschwingt los. Früher hätte sie sich aufgrund seines Ausdrucks Sorgen gemacht. Jetzt war das anders. Sie wusste, wie er es meinte, obwohl es eine Weile gedauert hatte, bis sie dahintergekommen war, wie sie ihn nehmen musste.
„Meinetwegen", warf sie achselzuckend ein. „Es ist einfach zu schade, dass ich nicht an Zaubertränke teilnehmen darf. Bestimmt wäre es interessant, zu erfahren, wer von uns zuerst bei McGonagall antanzen muss, weil er aufgrund der Ablenkung was in die Luft gejagt hat."
Er zog die Brauen zusammen. „Bestimmt."
Ohne weiter darauf einzugehen, schob er sie zur Seite, drückte sie sanft und bestimmend zugleich auf das Bett nieder und rollte sich dann auf sie.
Hermine ahnte bereits, dass es weitaus mehr in ihm arbeitete, als er auf den ersten Blick zu erkennen gab. Es war ein Zeichen dafür, wie wichtig sie ihm war, dass er sich Gedanken darüber machte, was die Zukunft für sie bereithielt.
Vor lauter Aufregung über die plötzliche Veränderung seines Verhaltens pochte ihr Herz schneller, als sie in seine schwarzen Augen sah, die von den langen Strähnen verhangen waren und verbergen wollten, was in ihm vorging. Doch trotz seiner Bemühungen, sich zurückzuhalten, wusste sie, dass er förmlich darauf brannte, ihre Herausforderung anzunehmen. Zu sehr hatte sie sich mit ihm auseinandergesetzt, als dass ihr das entgehen konnte. Und so dauerte es auch gar nicht lange, bis sich etwas Verzerrtes über sein Gesicht legte, als würde ihn der Gedanke, ihren weiteren Weg zu beeinflussen, schmerzen.
Sichtlich angestrengt presste er die dünnen Lippen eng aufeinander und sagte: „Du weißt, wie gern ich das erleben würde. Ich würde es dir wirklich gönnen, dass du deinen Abschluss in diesem Fach machst, Hermine. Aber wir dürfen es nicht riskieren."
Zutiefst ergriffen von seiner Ehrlichkeit nickte sie. „Ich weiß, Severus."
Er sah sie eindringlich an, dann senkte er den Kopf, sodass er mit seiner Nase die ihre berührte. „Ich kann nicht zulassen, dass uns das in die Quere kommt. Es sei denn, du möchtest, dass ich nicht nach Hogwarts zurückkehre."
Überrumpelt schüttelte sie den Kopf. „Das kommt gar nicht infrage, Severus. Ich brauche dich bei mir. Außerdem, Hogwarts wäre ohne dich nicht dasselbe."
Schwer atmend betrachtete er ihr Gesicht. „Es wäre ein Wunder, wenn wir dieses Jahr überstehen."
Hermine schlang die Arme um seinen Hals und küsste sanft mit ihren Lippen seinen Mund. „Es ist eine weitere Herausforderung für uns. Genauso wie alles andere auch."
Er schluckte. „Ich denke, ich werde das hier vermissen, wenn wir in der Schule sind."
Sie vergrub ihre Finger in seinen Haaren und blickte ihn an.
„Das werde ich auch vermissen."
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Das Gefühl, das Hermine hatte, als sie Hand in Hand durch eines der Nachbardörfer schlenderten, bescherte ihr ein wohliges Schaudern. Es war ein weiteres Zeichen dafür, wie viel zwischen ihnen geschehen war, dass er sich dazu überwand, sich so unbeschwert mit ihr in der Öffentlichkeit zu bewegen.
Vielleicht, so dachte sie verträumt, waren das die Vorteile davon, wenn man sich immerzu mit seinen Büchern zurückgezogen hatte, dass sie nun in der Muggelwelt niemand kannte. Severus jedenfalls wirkte zu ihrer Überraschung gut gelaunt und entspannt. Es schien ihn nicht einmal weiter zu kümmern, als sich ein älteres Ehepaar im Vorbeigehen nach dem ungleichen Duo die Hälse verrenkte, was durchaus für Getuschel sorgen konnte, denn immerhin stellte er in seiner schwarzen Montur, die er wie gewöhnlich auch trug, in einer Gegend wie dieser eine aufsehenerregende Erscheinung dar.
Mit einem süffisanten Grinsen auf den dünnen Lippen blieb er stehen, drehte sich nach den Fremden um und legte dabei demonstrativ den Arm um die Taille seiner jungen Begleiterin.
Hermine drückte sich aufreizend an ihn und grinste in seine Schulter hinein. „Du solltest unser Glück nicht herausfordern", flüsterte sie ihm leise zu, nachdem sie ihren Weg fortsetzten.
„Hmm, ich bin mir sicher, die beiden würden vor Neid erblassen, wenn sie wüssten, was wir letzte Nacht getan haben."
„Mit Sicherheit. Sie sah nicht gerade sehr befriedigt aus." Ein böses Grinsen zierte nun auch ihr Gesicht, das Snape mit einer hochgezogener Augenbraue begrüßte. „Weißt du, irgendwie hat sie mich sogar an McGonagall erinnert."
Erstaunt legte er den Kopf schief. „Dir ist schon bewusst, dass ich rein theoretisch deine unreinen Gedanken melden müsste, Hermine. Das klang eben ziemlich respektlos deiner Schulleiterin gegenüber."
Sie zuckte gelassen mit den Schultern. „Du bist nicht mehr länger mein Lehrer, Severus. Eigentlich kann es allen egal sein, was ich mit dir treibe, solange die Schule noch nicht angefangen hat."
„Wie du gerade erst bemerkt hast, sollten wir unser Glück nicht herausfordern."
„Keine Sorge, das werde ich nicht. Aber McGonagall verdient es nicht anders. Sie ist einfach zu festgefahren, was das anbelangt. Die Unterhaltung, die ich mit ihr führen musste, war alles andere als vergnüglich."
„Es hätte schlimmer kommen können. Streng genommen hätte sie einem von uns die Zusage, nach Hogwarts zurückzukehren, verweigern können."
„Auch wieder wahr."
„Siehst du? Wir sollten ihr dankbar sein, dass sie so viele Augen zudrückt, obwohl sie angedroht hat, das nicht zu tun, seit sie die ganze Wahrheit mit uns kennt."
„Okay, du hast gewonnen. Ich werde mich bemühen, meine Gedanken in Zukunft rein zu halten."
„In Bezug auf die Belegschaft solltest du das tun, Hermine. Vor allem, was glaubst du, wie ich mich gefühlt habe? Immerhin habe ich die Vorarbeit geleistet."
„Das weiß ich. Und je länger ich darüber nachdenke, umso mehr erleichtert es mich, dass du das für mich getan hast. McGonagall weiß, was sie an dir hat. Dessen bin ich mir sicher."
„Sie tut es, weil sie ein schlechtes Gewissen hat."
„Wieso?"
Er seufzte. „Nachdem sie mich aus dem Schloss gejagt hat, wäre ich beinahe gestorben. Warum auch immer, es hat sie mitgenommen."
„Sag das nicht, Severus. Doch was hatte das mit ihr zu tun?"
„Keine Ahnung. Aber mach ihr das erst einmal klar. Sie kann mindestens ebenso stur sein, wie du oder Albus."
„Ach ja?", fragte sie herausfordernd. „Und was ist mit dir?"
„Ich bin dabei, mich zu bessern, sonst wäre ich jetzt nicht bei dir."
Hermine schüttelte ausgelassen ihre Lockenpracht. Und so setzten sie gemeinsam ihren Weg fort.
Nach einer Weile erreichten sie den Laden, den sie im Kopf gehabt hatte, als sie vorgeschlagen hatte, etwas mit ihm zusammen zu unternehmen. Aufgeregt zerrte sie ihn zum Schaufenster und lugte ins Innere.
„Hier hat meine Mutter damals mit mir meine ersten Schulsachen gekauft."
Er nickte. „Dann lass uns mal sehen, ob wir was Passendes für dich finden, meine Kleine."
Sie puffte ihn spielerisch mit dem Ellenbogen in die Rippen. „Noch so einen Satz und du schläfst auf dem Sofa."
Snape verzog die Mundwinkel zu einem schiefen Grinsen und zog sie zur Tür.
Das Ergebnis des Ausflugs konnte sich durchaus sehen lassen. Nach einigem Hin und Her hatte Hermine sich unter anderem für einen wunderschönen in Leder gebundenen Terminplaner und zwei neue Federkiele in den Farben rot und grün entschieden – ganz ihrer ungewöhnlichen Gryffindor-Slytherin-Liaison entsprechend. Severus hatte im Gegenzug die Tinte für sie ausgewählt, damit er sichergehen konnte, dass keine Magie im Spiel war.
Auf dem Weg nach Hause hakte sie sich bei ihm unter und lehnte ihren Kopf an seine Schulter.
„Danke, Severus. Für alles."
Schlagartig hielt er inne und drückte sie an sich. Dann nahm er ihr Kinn zwischen seine Finger und brachte sie dazu, ihn anzusehen.
„Du musst das nicht tun, Hermine."
„Ich weiß. Aber mir war danach. Hätte ich gewusst, dass du im Besitz von Muggelgeld bist, hätte ich dich nicht gefragt, ob du mitkommst."
„Das weiß ich. Aber du solltest dich daran gewöhnen, dass ich das in die Hand nehme."
„Wieso, Severus?"
„Weil ich in deinem Haus lebe. Da ist es das Mindeste, dass ich zukünftig die Rechnungen begleiche."
Hermine biss sich auf die Lippe. „Wenn das eine Anspielung auf das sein soll, was ich heute Morgen über unsere Finanzen erwähnt habe, lass mich dir sagen, dass ich es nicht so gemeint habe. Meine Eltern haben gut für mich vorgesorgt, Severus."
„Das hat damit nichts zu tun, Hermine. Sie würden bestimmt nicht wollen, dass ich in ihrem Haus lebe und dir obendrein noch auf der Tasche liege."
„Aber das tust du nicht ..."
„Nein. Du hast Recht. Denn ich werde nicht zulassen, dass es soweit kommt. Und jetzt ist Schluss mit der Diskussion. In Ordnung?"
Sie schnaubte leise auf. „Lass uns nach Hause gehen, Severus. Ich habe genug von unserem Ausflug."
Er rollte mit den Augen. „Du bist unausstehlich, weißt du das?"
Bevor sie überhaupt dagegen protestieren konnte, beugte er sich zu ihr hinab und küsste sie.
Hermine fühlte sich, als würden hunderte von Schmetterlingen in ihrem Magen aufsteigen. Doch dann, genauso abrupt, wie er begonnen hatte, löste er sich wieder von ihr los.
„Nebenbei, wenn jemand Grund zum Kneifen hätte, dann bin ich das. Streng genommen kann ich das alles hier nicht verantworten, weil es dein ganzes Leben beeinflusst."
Hermine schüttelte sanft den Kopf, als sie den durchdringenden Blick seiner schwarzen Augen auf sich ruhen spürte. „Unsinn."
Er stieß ein leises Schnauben aus und strich abwesend mit seiner Hand über ihr Haar. Dann drückte er sie an sich. „Lass uns gehen."
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Nachdem sie direkt ins Wohnzimmer appariert waren, wartete Hermine eng an seine Brust geschmiegt, bis das schummrige Gefühl verschwunden war.
Snape legte den Kopf schief und sah auf sie hinunter. „Du bist ganz schön anhänglich, obwohl du so wütend auf mich bist."
„Wirklich?", fragte sie schnippisch.
„Ja. Jedes Mal, wenn ich mit dir appariere, klammerst du dich hemmungslos an mich."
Hermine hatte genug davon, sich damit auseinanderzusetzen, schließlich wollte sie die gemeinsame Zeit mit ihm nicht mit Streiten verbringen.
„Das liegt alleine an dir, Severus", sagte sie aufrichtig. „Das Apparieren mit dir ist nur halb so schlimm wie mit jemand anderem. Außerdem bin ich nicht wütend. Ich bin mir nur nicht sicher, was ich davon halten soll, wenn du so stur bist."
Er rollte mit den Augen. „Fang nicht wieder damit an."
Kurz entschlossen griff sie sich eine Handvoll seiner Knöpfe, um ihn zu sich zu ziehen und das Thema zu wechseln, bevor er damit fortfahren konnte, weiter mit ihr darüber zu diskutieren, wer denn nun im Recht war. „Also", flüsterte sie leise in sein Ohr, „was werden wir jetzt mit dem Rest des Tages anstellen?"
Er drehte den Kopf zur Seite und warf ihr einen skeptischen Blick zu, als wüsste er genau, worauf sie hinaus wollte. „Ich nehme an, du tust das nur, um mich abzulenken, richtig?"
Sie zuckte gleichgültig mit den Schultern. „Schon möglich."
Noch bevor er antworten konnte, ließ sie ihre Hand seinen Körper hinab gleiten, bis zwischen seine Beine.
Snape stieß ein scharfes Zischen aus, als sie die Finger zielgerichtet um seine Männlichkeit schlang. „Das ist unfair, Hermine."
„Und wenn schon. Ich bin jedenfalls froh, dass wir wieder zuhause sind."
Ohne weiter auf seinen abschätzigen Ausdruck zu achten, schob sie ihn in Richtung Sofa und drückte ihn darauf nieder. Einen Augenblick lang sah es so aus, als würde er dem plötzlichen Frieden nicht trauen, doch dann ließ er sie gewähren und so hockte sie sich auf ihn und begann ohne Umschweife damit, seinen Unterleib aus seinen Sachen zu befreien.
„Du solltest anfangen, etwas Praktischeres zu tragen, solange wir unter uns sind. All diese Schichten und Knöpfe ... das macht mich fast wahnsinnig."
Er funkelte sie mit hochgezogener Braue an. „Ich dachte, du magst die Knöpfe. Jedenfalls hattest du nichts dagegen, dich daran festzuklammern."
Hermine drückte ihm einen flüchtigen Kuss auf die Lippen, der deutlich besagte, dass sie nicht länger um den heißen Brei reden und endlich zur Sache kommen wollte. „Natürlich tue ich das. Aber noch viel mehr mag ich, was dahinter liegt."
Ungeduldig griff sie in seine Hose und holte sein hartes Glied heraus.
Snape stöhnte auf, als er seine Männlichkeit in ihrer Hand wiederfand. „Gott, Hermine ..."
Sie schauderte wohlig. Das Gefühl, ihn so zu erleben und zu hören, versetzte ihren ganzen Körper in Wallung und so leckte sie sich unbewusst mit der Zunge über die Lippen. Im nächsten Moment fühlte sie, wie er seine Hände auf ihre Arme legte und sie zu sich zog, bis sich ihre Gesichter ganz nahe waren und sie seinen heißen Atem auf ihrer Haut spüren konnte.
„Du lässt mir keine Zeit, mich zu erholen, nicht wahr?"
Sie grinste verschlagen. „Nein, tue ich nicht."
Snape lehnte den Kopf weit zurück, als würde er zögern, doch Hermine wusste, dass er insgeheim nur darauf wartete, von ihr herausgefordert zu werden, so wie es schon immer zwischen ihnen gewesen war. Ermutigt versenkte sie eine ihrer Hände in seinen langen Strähnen und küsste ihn auf den Mund, während sie mit der anderen seinen Schaft streichelte, wobei sie ihm ein tiefes Grollen entlockte. Durch seine Reaktion angestachelt, stimulierte sie ihn immer weiter, bis er plötzlich das Becken nach oben schob und ihr unmissverständlich klar wurde, dass sein Höhepunkt nicht mehr fern war.
„Wir können das hier nicht tun", raspelte er mit rauer Stimme, die Augen wie in Trance halb geschlossen.
Hermine aber hörte nicht auf, seinen Penis zu streicheln. Aufreizend saugte sie an seiner Unterlippe. „Wenn du dir Sorgen wegen des Sofas machst, das ist mir gleich."
Er brachte ein unterdrücktes Lachen hervor. „Wenn du jetzt nicht aufhörst ..."
Ohne weiter auf seine Warnung zu achten, ließ sie ihren Daumen über seine pulsierende Spitze kreisen und beobachtete aus den Augenwinkeln, wie er sich in ihrer Hand wand. „Ich werde bestimmt nicht aufhören, dich in den Wahnsinn zu treiben, Severus. Nicht jetzt. Außerdem sollst du dich gehenlassen. Niemand außer uns ist hier."
In dem Bewusstsein, dass ihre Wörter härter klangen, als ursprünglich beabsichtigt, drückte sie kurzerhand ihre Lippen auf seine. „Lass dich treiben, Severus. Für mich."
Seine Antwort war unmissverständlich. Erneut drang eine Vielzahl wohliger Laute aus seiner Kehle hervor, die ihr offenbarten, wie sehr er es genoss, von ihr gereizt zu werden.
Voller Erwartung blickte sie auf seinen geschwollenen Penis, als er sich plötzlich mit einem lauten Stöhnen ergoss.
Gefangen von seinen Regungen spürte Hermine jeden einzelnen seiner Stöße in ihrer Hand, bis er mit geschlossenen Augen und schwer atmend halb unter ihr, halb neben ihr liegend zur Ruhe kam.
Von ihren eigenen Gefühlen überwältigt, kuschelte sie sich an ihn und rieb ihre Nase an seiner Wange.
„Hättest du je gedacht, dass es so einfach sein könnte, zusammenzuleben?"
Er öffnete angestrengt ein Auge und linste sie an. „Nein. Aber ich muss zugeben, dass es mir gefällt."
„Das dachte ich mir. Also bereust du es nicht?"
Er umfasste zärtlich mit seiner Hand ihr Gesicht. „Nein."
Hermine drückte sich innig an ihn und lehnte ihren Kopf an seine Schläfe. Kurz darauf dösten beide ein.
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„Was willst du heute Abend essen?"
Snape zuckte mit den Achseln. „Ist mir egal", antwortete er in einem tiefen Brummen, ohne die Zeitung aus der Hand zu legen.
„Hmm, das ist wirklich sehr hilfreich, Severus. Ich schätze mal, es steht was Interessantes über dich drin, sonst würdest du nicht so reagieren ..."
Er faltete mit einem verschlagenen Lächeln den Tagespropheten zusammen und warf ihn vor sich auf den Sofatisch. Im nächsten Moment umfasste er ihre Hüfte und zog sie kurzerhand zu sich auf den Schoß.
„Also?", fragte sie mit vorgetäuschtem Ernst, während sie die Arme um seinen Nacken legte und ihm einen Kuss auf die Nase drückte.
Snape atmete langanhaltend ein. „Wir könnten auch ausgehen", bemerkte er überraschend.
Irritiert blinzelt Hermine ihn an. „Hast du was an meinen Kochkünsten auszusetzen?"
Er räusperte sich verhalten. „Ich will damit nur andeuten, dass du dich beklagt hast, dass wir nichts zusammen unternehmen. Und da dachte ich, es bietet sich an."
„Ja, warum nicht. Die letzten Tage waren ein voller Erfolg. Ich hätte nicht gedacht, dass du dich so gut bei deinen Versuchen machen würdest, dich unters Muggelvolk zu mischen."
„Das hängt nur damit zusammen, dass mich hier niemand kennt."
Hermine lächelte zufrieden in sich hinein. „Also gut, lass uns ausgehen. Dich in einem Restaurant zu sehen, wäre die Krönung des Ganzen."
Er schnaubte. „Tu mir einen Gefallen und erzähl es nicht überall herum."
Sie lachte auf und schob ihm seine Strähnen aus dem Gesicht. „Keine Sorge. Wir wollen doch nicht, dass dein Ruf Schaden nimmt."
„In der Tat. Magst du Pasta?"
„Ich liebe alles, was auch nur im Entferntesten damit zu tun hat."
„Gut. Ich kenne da so einen Italiener, in den ich vor Urzeiten mal von Lucius geschleift wurde. Es war der Beste, den ich je besucht habe."
Sie runzelte verunsichert die Stirn. Schon alleine die Tatsache, dass er vorgab, sich mit so banalen Dingen wie italienischem Essen auszukennen, gab ihr zu bedenken, wie viel sie noch voneinander lernen mussten. Ganz besonders, da er nie den Eindruck auf sie gemacht hatte, ein besonders guter Esser zu sein, so lustlos wie er in Hogwarts immer auf seinem Teller herumgestochert hatte. Doch dass er im gleichen Atemzug ausgerechnet den Namen seines Todesser-Kollegen erwähnen musste, ließ deutliche Zweifel an dem Unterfangen aufkommen.
„Lucius?", fragte sie vorsichtig, um seine gute Laune nicht zu zerstören. „Das klingt ganz so, als würde es dort ein Vermögen kosten."
„Es ist lediglich ein gutes Restaurant, Hermine. Nicht mehr und auch nicht weniger."
„Aha. Und wie steht's dort mit Zauberern? Ich dachte, wir wollten vorsichtig sein."
„Das werden wir. Ich kann dir versichern, dass das Restaurant zu einhundert Prozent von Muggeln geführt wird. Kein Zauberer würde auf die Idee kommen, es aufzusuchen."
Sie blinzelte ungläubig. „Tatsächlich? Und wie ist dann Lucius auf den Geschmack von italienischem Essen gekommen?"
„Die besten Köche sind nun mal muggelstämmig, Hermine. So etwas findest du in unserer Welt trotz aller Magie nicht."
„Aber ich dachte, na ja, Lucius ..."
Snape schüttelte abwehrend den Kopf. „Er liebt nun mal gutes Essen. Und niemand hat je davon erfahren. Nicht mal Narcissa."
„Kein Wunder, bei der Verräterin von Schwester!"
Er räusperte sich. „Ich kann deine Bedenken verstehen. Aber wie du selbst gesehen hast, sind sowohl Lucius, als auch Draco hin und wieder sehr verunsichert ..."
„Allerdings!", fiel sie ihm ins Wort. „Ich weiß immer noch nicht, was ich von alldem halten soll, was wegen Draco passiert ist. Du hast den Schwur seinetwegen geleistet, Severus."
„Dafür hat er dicht gehalten, als es darum ging, Potter zu identifizieren, oder etwa nicht?"
Hermine rümpfte ohne ein weiteres Wort die Nase.
„Wie dem auch sei, sollen wir es versuchen?"
Nachdenklich klemmte sie ihre Lippe zwischen die Zähne und nickte. „In Ordnung. Ich will mir nur noch schnell was anderes anziehen."
Er schmunzelte. „Wie du willst."
Plötzlich war sie Feuer und Flamme davon, mit ihm auszugehen. Draco hin oder her, irgendwie wurde sie das Gefühl nicht los, dass damals alles seinetwegen mit ihr und Severus angefangen hatte. Und so sprang sie vom Sofa und rannte nach oben ins Schlafzimmer.
Dort angekommen riss sie die Schranktür auf und suchte nach einem Kleid, das sie zwar vor dem Ausbruch des Krieges mal mit Ginny gekauft aber nie getragen hatte. Eigentlich hatte sie vorgehabt, es am Ende der siebten Jahresstufe auf der Abschlussfeier einzuweihen, doch daraus war nichts geworden.
Mit Wehmut nahm sie es heraus und hielt es vor dem Spiegel an sich. Wie einige andere persönliche Dinge auch, hatte es nur knapp den Angriff der Todesser überstanden und war ihr mit dem Rest nach Hogwarts gebracht worden, ganz so, wie Severus es damals nach dem Tod ihrer Eltern veranlasst hatte.
Seither hatte sie weder die Zeit, noch einen passenden Grund gehabt, es auszuführen. Jetzt, da sich endlich alles zum Besseren zu wenden schien, wollte sie nicht länger damit warten, es zu tragen, und so schlüpfte sie hinein.
Mit Tränen in den Augen betrachtete sie ihre zierliche Figur, die noch immer mühelos hineinpasste; mal abgesehen davon, dass sie durch die Strapazen und die seelische Belastung der vergangenen Monate etwas an Gewicht verloren hatte. Der elegante schwarze Stoff legte sich fließend um ihren Körper, als wäre er extra für sie zugeschnitten worden. An einigen Stellen hatte das Kleid transparente Einsätze, ohne dabei zu freizügig zu wirken. Rundum: es war perfekt.
Nachdem sie sich mit einem wehmütigen Gedanken an ihre Eltern, die ihr darin wohl voller Stolz zum Abschluss gratuliert hätten, vom Spiegel losgelöst und ihre Haare gebändigt hatte, stieg sie in dazu passenden Schuhen die Treppe hinab, die sie ins Wohnzimmer führte.
„Fertig", murmelte sie etwas verunsichert und mit zwischen die Zähne geklemmter Lippe.
Snape, der geduldig auf sie gewartet hatte, sprang auf die Beine und starrte sie an. Sichtlich überrumpelt von ihrem Anblick schluckte er.
„Du – du siehst umwerfend aus, Hermine."
Sie senkte beschämt den Blick. „Danke. Eigentlich wollte ich es zu meinem Abschluss anziehen ..."
Zielstrebig setzte er sich in Bewegung und schwebte auf sie zu. Dann umfasste er mit seinen Händen ihr Gesicht und blickte ihr tief in die Augen. „Das kannst du immer noch tun", hörte sie ihn mit rauer Stimme sagen.
Hermine lächelte zaghaft. „Vielleicht. Aber heute Abend trage ich es allein für dich."
Er beugte sich zu ihr hinab und drückte ihr einen sanften Kuss auf die Lippen. „Jeder, der dich darin sieht, wird neidisch sein."
„Dann lassen wir sie, Severus. Ich bin so froh, dass du bei mir bist, dass es nicht besser sein könnte."
Er legte ernst die Stirn in Falten. „Nicht einmal dann, wenn dir die Ambitionen junger Männer zufliegen?"
Sie schüttelte den Kopf. „Nein. Ich habe alles, was ich mir erhofft habe. Ich habe dich."
„Das ist nicht gerade viel, Hermine", murmelte er mit Zurückhaltung.
Entschieden legte sie ihm ihren Zeigefinger auf den Mund. „Davon möchte ich ab sofort nichts mehr hören."
Snape legte den Kopf zur Seite, sodass ihm einige schwarze Haare vor die Augen fielen. „Wie du wünschst."
Hermine streckte die Hand nach ihm aus und schob seine Strähnen fort, um ihn besser betrachten zu können. Doch sie hatte keine Zweifel, als sie ihn so vor sich sah.
„Ja, Severus."
Sichtlich befreit setzte sie ein Lächeln auf. Seine allseits berüchtigte Fassade war wie fast immer in ihrer Gegenwart verschwunden und der wahre Mann dahinter zum Vorschein gekommen.
„Weißt du was?", setzte sie verträumt nach. „Ich könnte mich durchaus an dieses Leben gewöhnen."
Seine Augen blitzten auf. „Es wird schwer werden, die Finger von dir zu lassen, wenn wir wieder in Hogwarts sind."
Sie nickte und legte ihre Arme um seinen Hals. „Das ist mir gleich. Wir haben uns, Severus."
Snape lehnte seinen Kopf an ihre Stirn und atmete durch. Die Zeiten, zu denen er von Dunkelheit umgeben war, hatten sich dem Ende zugeneigt, obwohl noch einiges vor ihnen lag. Vielleicht auch gerade deswegen. Als er ihr jedenfalls in diesem Moment in die Augen sah, konnte er erkennen, dass es für beide von ihnen aufwärts ging.
