Lufia wurde von Eclaire Riddle kreiert, die sich an diesem Kapitel als Co-Autorin beteiligt hat. Gebetat wie immer von Lory und Stephi.
Kapitel 36
Lufia
Gerade, als sich die Männer in den Keller begeben wollten, materialisierte Fawkes auf Harrys Schulter. "Harry, komm mit mir, wir müssen etwas erledigen", forderte der Phönix Harry telepathisch auf. "Soll jemand mitkommen oder machen wir das alleine?", fragte Harry. "Wir werden niemanden brauchen, mein Freund. Tarne dich bitte, niemand muss Harry Potter in dir erkennen".
Harry verwandelte sich in Nightmare und wandte sich an seine Freunde: "Tut mir Leid, ihr müsst ohne mich anfangen, Fawkes und ich haben etwas zu erledigen". Ohne eine Antwort abzuwarten, nickte er Fawkes zu und der Phönix teleportierte.
Sie tauchten in einem dichten Wald auf, der von einem unheimlichen, grünen Licht spärlich erhellt wurde. Die Quelle dieses Lichts schien vor ihnen zu sein und Harry rannte darauf zu. "Sei vorsichtig, Freund, wir nähern uns einer Lichtung, dort ist unser Ziel. Nimm deinen Zauberstab in die Hand, du wirst ihn brauchen", sagte Fawkes telepathisch. Harry folgte der Anweisung seines gefiederten Freundes, dann rannte er weiter.
Er konnte nun das begeisterte Gejohle etlicher Männer hören, irgendetwas in Harry sagte deutlich: "Todesser!". Einige Sekunden später erreichten sie die Lichtung und in Harry stieg angesichts dessen, was er da sah, die Galle hoch. Das Dunkle Mal drehte sich über den Resten einer Burg oder eines kleinen Schlosses, rechts von den Trümmern stand ein gutes Dutzend Todesser, die offenbar sehr stolz auf ihre Tat waren. Sie johlten, schlugen sich gegenseitig auf die Schultern und einige von ihnen führten sogar ein kleines Freudentänzchen auf.
"Machen wir sie fertig!", hörte Harry die zornige Stimme von Fawkes in seinem Gehirn. Ohne weiter darüber nachzudenken, schoss er Feuerkugeln aus seiner Hand auf die circa 70 Meter entfernte Bande, während er mit seinem Zauberstab einen Schocker nach dem anderen losjagte. Laute Schmerzensschreie waren von den getroffenen Todessern zu hören, da hob Fawkes von Harrys Schulter ab und raste in den Pulk der Feinde. Was nach dem Angriff des Phönix noch lebte, disapparierte schleunigst, es waren nur drei oder vier, die es schafften zu entkommen. Harry wunderte sich, dass überhaupt jemand entkommen war, denn Fawkes war mitten im Pulk der Feinde zu einer gewaltigen Feuersäule geworden, deren Hitze Harry selbst auf diese Entfernung hin deutlich gespürt hatte.
Harry rannte zu der Stelle, wo eben noch die Todesser gewesen waren und nun nur noch Fawkes flatternd herumschwebte. Harrys Magen machte Anstalten, die mehr als reichlich genossenen Spaghetti wieder von sich zu geben, als er die glasiert wirkenden Leichen sah, welche wirkten, als ob sie mit dem Boden verschmolzen wären. Fawkes spürte das wohl, denn er tönte telepathisch: "Bleib cool, Harry, kotzen kannst du später, wenn du das dann noch willst".
Harry grinste schwach, er begann sich wirklich etwas besser zu fühlen. Fawkes ließ ihm einige Sekunden Zeit, sich noch etwas zu beruhigen, dann sagte er: "Es wird Zeit, dass du deine Phönixkräfte kennen lernst, es sind nicht nur Feuer, Telepathie und Teleportation. Geh zu den Trümmern, es liegt jemand darunter, jemand, der gerade noch so lebt und für dich sehr wichtig werden wird. Fühle sie, fühle ihre Lebenskraft!".
Harry vertraute Fawkes, wenn er so etwas sagte, hatte er mit Sicherheit Gründe dafür. Harry ging eine Weile an den Trümmern entlang, er fühlte nichts, bis er sich auf Fawkes Aufforderung hin stärker konzentrierte. Jetzt konnte er etwas fühlen, es war, als würde eine magnetische Kraft ihn zur linken Seite des Trümmerfeldes ziehen.
Er begann vorsichtig, Trümmerstücke weg schweben zu lassen, er konnte kaum glauben, dass unter diesen riesigen Steinbrocken jemand überlebt haben sollte. Es dauerte fast eine Stunde, bis Harry etwas anderes als Trümmer sah. Es war eine Hand, die aus den Trümmern ragte, eine sehr weiße Hand.
Harry ging näher und bemerkte, dass die allmählich schwindende Lebensenergie von der Person kam, deren Hand er freigelegt hatte. Er musste nun vorsichtiger zu Werke gehen, wenn er zu unbedacht war, würde er die Person vielleicht töten. Vorsichtig hob er ein großes Trümmerstück an und ließ es zur Seite schweben, die anderen Stücke lagen zum Glück fest und rutschten nicht nach.
Jetzt konnte er schon den ganzen Arm sehen, er war mit Blut verschmiert, was einen seltsamen Kontrast zu der weißen Hand ergab. Nun hatte Harry ein Problem, zwei Trümmerstücke befanden sich dort, wo sich der Kopf der Frau befinden musste. Sie waren aneinander gelehnt, dass sie wie ein Dachgiebel wirkten. Hätte er einen der Trümmer entfernt, würde der andere nach unten stürzen und den Kopf der Frau zerschmettern. Es gab nur eine Möglichkeit, Harry musste beide Brocken gleichzeitig heben, allerdings hatte er noch nie zwei Gegenstände gleichzeitig schweben lassen. Aber da er keine Wahl hatte, versuchte er es.
Er konzentrierte sich wie noch nie zuvor bei diesem Zauber, dann vollführte er die Zauberstab-Bewegung und sagte: "Wingardium Leviosa". Die Brocken hoben sich langsam und gleichmäßig, es war bei weitem nicht so schwierig, wie Harry erwartet hatte. Das Erste, was Harry sah, nachdem er die Brocken zur Seite geschafft hatte, waren endlos lange, schwarze Haare. Sie bedeckten größtenteils das Gesicht der Frau und Harry nahm sich nicht die Zeit, sie ihr aus dem Gesicht zu streichen, um sich die Frau zu betrachten. Stattdessen ließ er die Trümmer von ihrem Oberkörper und schließlich auch von ihren Beinen schweben.
Als er sie vollständig frei gelegt hatte, benutzte er den Mobilcorpus, um sie aus den Trümmern zu heben. Auf einem weichen Stück Rasen legte er sie ab und nun betrachtete er sie zum ersten Mal genauer. Ihre Kleidung bestand nur aus blutigen Fetzen, sie hatte einen kurzen Rock und eine Bluse getragen und zu Harrys Verblüffung auch ein Korsett. Von ihrem Gesicht war nicht viel zu erkennen, denn es war von teilweise schon angetrocknetem Blut bedeckt.
Harry wandte sich an Fawkes: "Was war das eigentlich für ein Gebäude hier, Fawkes?". "Eine Schule", antwortete der Phönix. Harry warf noch einen Blick auf die junge Frau vor ihm und sagte telepathisch: "Wenn das, was sie da trägt, eine Schuluniform ist, dann muss ich zugeben, dass ich gerne hier zur Schule gegangen wäre". Die Antwort des Phönix ließ nicht lange auf sich warten: "Glaubst du, dass dir solche Kleidung stehen würde? Ich möchte dein Ego nicht verletzen, aber ich bin in diesem Punkt eher skeptisch". "Du könntest Recht haben, ein Korsett dürfte mir wirklich nicht besonders gut stehen".
Harry wollte noch mehr von sich geben, aber da blickte er in das Gesicht der Frau und er sah staunend, wie ein tiefer Schnitt in ihrer Wange aufhörte zu bluten und sich dann innerhalb weniger Sekunden schloss. "Das gibt's doch nicht!", stieß er hervor. "Bleib ruhig, du wirst bald erfahren, wieso sie das kann, Harry. Es wird Zeit, zurückzukehren, unsere Freunde und vor allem deine Freundin werden allmählich ungeduldig. Du solltest das Dunkle Mal mit deinen Phönixkräften etwas überarbeiten, Dann nimm die Verletzte auf die Arme und teleportiere mit ihr in dein Haus".
Fawkes verschwand, bevor Harry fragen konnte, was er mit überarbeiten meinte. Er folgte einfach seinem Instinkt und schickte eine Ladung Phönixmagie in das Dunkle Mal. Obwohl das Mal eigentlich nur aus Licht bestand und nicht materiell war, begann es zu Harrys Verblüffung zu brennen. Es löste sich zwar nicht auf, aber es schien langsam von dem Phönixfeuer vernichtet zu werden. Harry wandte sich nun der jungen Frau zu, er griff unter ihren Rücken und ihre Kniekehlen und hob sie hoch. In Harrys Gehirn erschien ein großes Fragezeichen, denn die Frau schien gewichtslos zu sein. Gewiss, sie war sehr schlank und bestimmt leicht, aber dass sie überhaupt nichts zu wiegen schien, verwirrte Harry nicht gerade unbeträchtlich. Aber dieses Rätsel konnte er später lösen, er konzentrierte sich auf sein Haus und teleportierte.
"Hoffentlich machen die nichts Gefährliches", meinte Remus, nachdem Harry und Fawkes verschwunden waren. "Ich glaube nicht, dass Fawkes Harry in eine gefährliche Situation bringt, er ist ja sein Partner", sagte Sirius beruhigend. "Außerdem dürfte Fawkes wissen, dass die, deren Name nicht genannt werden darf, ihn rupfen würde, wenn er ihren Harry in Gefahr bringen würde", gab Ted genüsslich von sich. Dann erbleichte er, als Ian an ihm vorbei blickte und fragte: "Oh, hallo Tonks, ist der Film schon fertig?". Ted wirbelte herum und stellte erleichtert das Nichtvorhandensein seiner Tochter fest. "Na, Schiss, Teddymäuschen?", fragte Ian grinsend und bekam Teds erhobenen Mittelfinger zu sehen.
Alle prusteten los, dann meinte Dave: "Ich finde, wir sollten mit der Neugründung der Rumtreiber warten, bis Harry wieder da ist. Aber wir können uns ja mal im Keller umschauen, ob wir uns da einen passenden Clubraum einrichten können". "Vielleicht sollten wir in Erwägung ziehen, einen ähnlichen Raum wie diesen hier einzurichten. Dann hätten wir eine Fluchtmöglichkeit für den sicher eintreffenden Fall, dass sich die Damen einen Schmachtfetzen anschauen wollen", meinte Vernon nachdenklich. "Genau, einen Raum nur für uns, keine Frauen erlaubt!", rief James begeistert. "Dann brauchen wir Schutzzauber, Stillezauber, Verschleierungszauber und etwas, was Frauen nicht passieren lässt!", rief Sirius.
Man machte sich auf den Weg in den Keller, um einen geeigneten Raum auszusuchen. Dann wurden Pläne geschmiedet, wie man den Raum einrichten sollte. Im Prinzip sollte der Raum genau wie derjenige eingerichtet werden, den die Frauen gerade besetzt hatten. Dummerweise brauchte man Albus für die Illusionszauber, lieber hätte man ihn aus dieser Sache heraus gehalten, denn er galt nicht mehr als vertrauenswürdig, weil er sich mit den Frauen diesen Schnulzenfilm ansah. Harriet hatte vor einigen Tagen gesagt: "Männer werden zu Kindern, wenn man mehrere von ihnen unbeaufsichtigt lässt" und die Männer traten gerade den Beweis für ihre Aussage an.
Neville machte schließlich den Vorschlag, Albus um Hilfe zu bitten und ihm einen Schwur abzunehmen, so dass er nichts den Frauen erzählen konnte. "Genau! Und die Strafe für den Fall, dass er doch etwas ausplaudert, muss etwas wirklich peinliches sein", stimmte Sev ihm zu. "Wir sollten alle Verschwiegenheit schwören", sagte Dave nachdenklich. "Genau, unsere Süßen verfügen ja über gewisse Überredungskünste, also sollten wir Vorkehrungen treffen", stimmte Draco ihm zu. Die Männer diskutierten noch eine Weile über ihren zu gründenden Geheimclub, dann warf Vernon einen Blick auf die Uhr und sagte: "Die Schnulze dürfte bald fertig sein, wir sollten nach oben gehen und die flennende Frauenherde in Empfang nehmen".
Man folgte Vernons Anregung und kaum hatten sie das Zimmer erreicht, da wurde die Tür geöffnet. Die erste flennende Frau, welche den Raum verließ, war Albus. "Jenny!", schluchzte er laut. "Es ist so traurig, sie war doch noch so jung!". "Was ist mit Jenny!?", fragte Sirius erschrocken. "Bleib ruhig, so heißt die Tussi, die in dem Film abnippelt", sagte Ian beruhigend. Erleichtert nahm Sirius seine Jenny in die Arme, die nach Albus schluchzend den Raum verließ.
"Wo ist mein Harry?", schluchzte da Tonks, die Jenny auf dem Fuße gefolgt war und nun nach ihrem Freund suchte, um sich von ihm trösten zu lassen. "Mit Fawkes unterwegs", gab Remus Auskunft und wunderte sich, dass sich Sev und Dave nach hinten verdrückten. Im nächsten Moment konnte er nicht umhin, die Umsicht der Beiden zu bewundern, denn Tonks zeigte ihr Missfallen mehr als deutlich. "Ihr habt ihn alleine weg gelassen?", fragte sie grollend und zückte ihren Zauberstab. "Tonks, beruhige dich, wie hätten wir ihn denn aufhalten sollen, wenn er teleportiert", sagte Arthur beruhigend. "Außerdem würde Fawkes Harry nie in Gefahr bringen. Glaub mir, Harry ist sicher bei Fawkes", sagte Albus und legte Tonks einen Arm um die Schultern und drückte sie kurz an sich.
Tonks beruhigte sich etwas, aber wirkte immer noch angespannt. Nach einer Weile tauchte plötzlich Fawkes auf, er war alleine und Tonks wollte gerade in Panik verfallen, als der Phönix auf ihre Schulter flog und ein beruhigendes Lied für sie sang. Es dauerte nicht lange, da tauchte Harry auf. Er trug eine übel zugerichtete und offensichtlich bewusstlose junge Frau in seinen Armen. Tonks stürmte auf ihn zu und fragte: "Wo bei Merlin bist du gewesen? Und wer ist das da?".
Harrys Antwort war zunächst einmal ein kurzer, heftiger Kuss, dann sagte er: "Das erzähle ich gleich, komm, wir legen sie im Wohnzimmer auf eine Couch". Er schritt mit der Bewusstlosen voran, Tonks folgte ihm und beschwor eine Decke, welche sie auf die größte Couch legte. Harry legte die junge Frau ab und sah, dass sie nicht so gewichtslos sein konnte, wie er es empfunden hatte, denn das Polster gab etwas unter ihrem Gewicht nach.
"Wo steckt Poppy?", fragte Harry, er hatte nicht mitbekommen, dass die Schulheilerin sich nach dem Essen für einige Stunden nach Hogwarts verabschiedet hatte, um eine Inventur ihrer Heiltränke vorzunehmen. "Sie ist in Hogwarts und wir werden sie nicht brauchen", sagte Albus und deutete auf den linken Arm der Bewusstlosen, wo sich gerade eine Wunde schloss. Er hatte sein Ich-weiß-etwas-was-du-nicht-weißt-Gesicht aufgesetzt und machte sich einen Spaß daraus, die auf ihn einstürmenden Fragen zu ignorieren.
Stattdessen fragte er Harry: "Wo hast du sie gefunden?". "Unter einigen Tonnen Trümmern", antwortete er. Dann erzählte er alles, was passiert war, kassierte einige Anschisse (hauptsächlich von Tonks und Lily) dafür, dass er die Todesser angegriffen hatte und ignorierte diese gründlich. Er ließ sich auf einem Sessel gegenüber der Couch nieder, zog Tonks auf seinen Schoß und sagte: "Ich werde mit meiner Süßen warten, bis unser Gast aufwacht. Ihr solltet nicht alle hier rumstehen und sie angaffen. Wenn sie aufwacht, kommt sie sich ja vor wie in einem Zoo". Albus nickte ihm anerkennend zu und sagte: "Harry hat Recht, wir gehen inzwischen in die Küche und trinken einen Kaffee, wir sollten wirklich nicht alle hier rumstehen".
Sie gingen und ließen Harry und Tonks mit der Bewusstlosen alleine. Das Paar saß eng aneinander geschmiegt da und beobachtete fasziniert, wie sich die Wunden der jungen Frau immer schneller schlossen und verschwanden. Nach einigen Minuten war die letzte Wunde verschwunden und Harry fühlte plötzlich eine merkwürdige Energie, welche nur von der jungen Frau ausgehen konnte. Da begann sie sich zu bewegen, ihre Augenlider flatterten und dann öffneten sie sich. Sie blickte kurz zur Decke, dann drehte sie ihren Kopf und schaute Harry genau in die Augen. Ihm stockte beim Anblick ihrer Augen fast der Atem, ein so intensives Blau hatte er noch nie gesehen. Auch ihr schien bei seinem Anblick kurz die Luft weg zu bleiben, dann richtete sie sich langsam auf und ließ dabei Harry nicht aus den
Augen, ihr eben noch leicht verklärter Blick wurde stechend, Harry fühlte sich plötzlich, als würde er geröntgt werden. Nach einigen Sekunden wurde ihr Blick wieder weich und auch freundlich, sie begann zu lächeln und Harry und Tonks zogen erschrocken die Luft ein, als sie ihre langen, spitzen Eckzähne sahen.
"Wieso lebe ich noch?", fragte sich Lufia in Gedanken. Sie durchlebte noch einmal die letzten Sekunden, bevor sie ihr Bewusstsein verloren hatte. Sie war in der Bibliothek gewesen und hatte gerade einige Bücher in die Regale geräumt, da hörte sie durch die geöffneten Fenster, wie etliche Stimmen Explosionsflüche brüllten. Der Boden hatte gebebt, dann war sie plötzlich gefallen. Während sie noch gefallen war, hatte sie etwas am Kopf getroffen und ihr waren die Lichter ausgegangen. Nun lag sie hier auf etwas Weichem und spürte, wie ihre völlig erschöpfte Magie zurück kehrte. Wahrscheinlich war sie schwer verletzt gewesen, sonst hätte sie magisch nicht so ausgelaugt sein können.
Sie schickte ihre geistigen Fühler aus und erschrak fast, als sie die Präsenz einer gewaltigen Macht fühlte. Im ersten Moment befürchtete sie, in Voldemorts Fänge geraten zu sein, aber diese Macht hier war anders als diejenige dieses mörderischen Bastards. Nein, das hier war der genaue Gegenpol zu der Macht Voldemorts und das bedeutete, dass sie ihn endlich gefunden hatte... ihren Bruder.
Sie wollte ihn sehen, wollte wissen, ob es derjenige war, mit dem sie gerechnet hatte. Sie öffnete mühevoll ihre Augen, starrte einen Moment die Decke an und drehte ihren Kopf dann ihrem Bruder zu. Die Narbe auf seiner Stirn bestätigte das, was sie schon lange vermutet hatte, es war Harry Potter.
Plötzlich schien die Zeit stillzustehen, in ihrem Geist hallte die Stimme ihrer Mutter wieder, sie hörte die Worte, welche sie bei ihrer letzten Begegnung in ihrer abgehobenen, leicht kryptischen Art von sich gegeben hatte: "Es wird ein Junge in dein Leben treten, dem du alles anvertrauen wirst, den du liebst ohne ihn zu lieben, wie eine Frau einen Mann, und mit dem du auf ewig verbunden sein wirst, ohne körperlich eins mit ihm zu sein".
Schon damals hatte sie gewusst, was das zu bedeuten hatte. Sie würde einen Jungen kennen lernen und ihn lieben, aber ohne eine Beziehung mit ihm zu haben. Seit damals hatte sie den Jungen als ihren Bruder betrachtet und nun saß er hier vor ihr. Männertechnisch war er nicht gerade ihr Typ, auch wenn er gut aussah, aber sie stand eher auf dunklere Typen. Sie warf einen kurzen Blick auf die Frau, die auf seinem Schoß saß und musste Harry einen guten Geschmack zugestehen.
Die Beiden erhoben sich, auch sie setzte sich auf, stemmte sich auf die Beine und tapste auf Harry zu. Im nächsten Moment umarmte sie ihn fest, was ihn ziemlich verwirrte, das konnte sie deutlich fühlen. Er zögerte kurz, dann erwiderte er die Umarmung. Um keine Eifersucht aufkommen zu lassen, ließ sie Harry nach ein paar Sekunden wieder los und umarmte dessen Freundin. Als sie sich auch von dieser wieder löste, lächelte sie und sagte zu ihr: "Ich habe beginnende Eifersucht in dir gespürt, aber das war unnötig. Ich habe nur meinen Bruder umarmt".
Die Beiden sahen so herrlich verdattert aus, dass Lufia laut lachen musste. Als sie wieder sprechen konnte, sagte sie: "Ich erkläre euch das gleich, aber erst wüsste ich gerne, wo ich hier bin und wie ich hierher komme". Tonks fasste sich als Erste wieder und sagte: "Vielleicht solltest du dir erst einmal etwas anziehen, was du da trägst, sind nur noch Fetzen". Jetzt erst schaute Lufia an sich herunter und schnaubte: "Verdammt, mein neues Korsett! Erst heute Morgen habe ich es bekommen und jetzt kann ich es wegschmeißen!". "Du kannst dir von mir etwas ausleihen, aber ein Korsett kann ich dir leider nicht anbieten". "
Dann wandte sie sich an Harry: "Schatz, wir sollten mit ihr in unser Zimmer teleportieren, wenn wir durchs Haus gehen, laufen wir unseren Freunden in die Arme". "Teleportieren?", fragte Lufia, aber da war Harry schon zwischen sie und seine Freundin getreten, hatte seine Arme um sie Beide gelegt und dann standen sie plötzlich in einem anderen Raum.
Harry grinste, als er ihre verblüffte Miene sah. "Du scheinst noch nicht oft teleportiert zu sein", gluckste er. "Wie hast du das gemacht?", fragte Lufia, noch immer verblüfft. "Das erklären wir dir später, erst suchst du dir etwas zum Anziehen aus, dann solltest du dir eine Dusche gönnen, du siehst aus, als hättest du in einem Sandkasten gespielt. Übrigens, ich bin Nymphadora Tonks und wenn du deine Haare magst, dann nenn mich einfach nur Tonks. Dein Bruder heißt Harry Potter, falls du das noch nicht wissen solltest".
"Na, wer kennt ihn denn nicht. Ich heiße Lufia und wenn jetzt jemand "Komischer Name" sagt, hat derjenige einmal Augen gehabt", antwortete Lufia. Harry und Tonks prusteten los, dann komplimentierte Tonks Lufia zu ihrem Kleiderschrank. "Na, wenigstens ein Body, wenn du schon kein Korsett hast", meinte Lufia. "Du brauchst doch gar keins, du bist doch total dünn", meinte Tonks. "Das ist meine persönliche Note", antwortete Lufia.
Dann verschwanden die Frauen ins Bad, Harry hörte das Wasser rauschen und die Stimmen der beiden Frauen, die sich angeregt unterhielten. Nach einigen Minuten öffnete sich die Tür einen Spalt, Tonks schaute heraus und beauftragte Harry, zwei Kaffee zu besorgen, er selbst dürfe sich auch einem mitbringen. Harry ging nach unten, wo man ihr Fehlen schon bemerkt hatte. Die auf ihn einprasselnden Fragen würgte er ab, während er drei Kaffee zapfte, sagte er: "Kurz zusammen gefasst: Sie heißt Lufia, ist offenbar eine Vampirin, trägt Korsetts und bezeichnet sich als meine Schwester. Einen schönen Abend noch". Er teleportierte in sein Zimmer und ließ eine sprachlose Versammlung zurück.
