35. Ein sorgloses Weihnachtsfest?

Bis darauf, dass sie auf Stefanie aufpassen mussten, schienen die Zwillinge sich keine Sorgen wegen der Angriffe zu machen. Im Gegenteil, sie fanden das Ganze offenbar sehr lustig. Oder zumindest die Tatsache, dass sich jetzt die ganze Schule vor Harry fürchtete.

Nichts konnte ihnen in dieser Zeit mehr Freude bereiten, als vor Harry herzugehen und laut zu rufen: „Macht Platz für den Erben von Slytherin, ein gaaanz böser Zauberer kommt hier durch…"

Nicht selten kam es außerdem vor, das sie Harry laut fragten, wen er denn als nächstes angreifen wollte, und ob er schon an diesen oder jenen gedacht hätte, der ihnen nicht sympathisch war. Dabei erwähnten sie nie Stefanies Namen, oder den einer Person, die wirklich von Muggeln abstammte, und dafür war Stefanie nicht undankbar.

Als die Weihnachtsferien kamen, war das Schloss wie leergefegt. Stefanie hatte das Gefühl, dass selten so wenig Schüler im Schloss geblieben waren, obwohl es alleine im Gryffindorturm immer noch zehn Personen waren.

Sie und die Zwillinge verbrachten ihre Zeit nur zu gerne damit, wieder an Süßigkeiten zu basteln, die einen erbrechen ließen, oder für einen Fieberausbruch sorgten. Leider war es um einiges schwerer, ein Gegenmittel für all diese Gebrechen zu entwickeln, als das Mittel selbst. Genau wie beim Nasenblutnougat standen sie vor dem Problem, es wieder aufhören lassen zu müssen und da Stefanie sich meistens weigerte, als Testobjekt zu dienen, und die Zwillinge damit auch schon schlechte Erfahrungen gemacht hatten, war es ein schweres Stück Arbeit und kostete sie auch den einen oder anderen Besuch im Krankenflügel.

Als Stefanie, kurz vor Weihnachten, nach dem Mittagessen, in den Gemeinschaftsraum kam, der, erwartungsgemäß, nur wenig besetzt war, wollte sie sich gerade auf ihren Lieblingsplatz am Kamin niederlassen, als sie den vertrauten Klang ihrer Muttersprache hörte. Suchend drehte sie sich um, bis sie Daniel und Marie in einer dunklen Ecke des Raumes ausmachte und entschied, dass ein deutsches Gespräch ihre Neugierde auf jeden Fall verdient hatte.

Die beiden blickten auf, als sie sich näherte, und verstummten. „Der nicht gerade süße Klang der deutschen Sprache hat mich angelockt", erklärte Stefanie auf Deutsch und setzte sich neben Marie auf den Boden. „Oder ist es geheim?"

„Nein", sagte Marie und ihre Stimme war erschreckend leise. „Wir haben nur gerade über unseren Blutstatus gesprochen."

Stefanie blickte zu Daniel und ihr fiel ein, dass natürlich auch er muggelgeboren war. Zumindest wusste sie nichts gegenteiliges.

„Ich habe es nie jemanden erzählt", sagte er in diesem Moment und sein Gesichtsausdruck war düster. „Ihr seid die einzigen, die es wissen. Und mich hat auch nie jemand gefragt."

„Ich habe es den Weasleys erzählt. Also, meine Herkunft", flüsterte Stefanie und warf einen Blick über ihre Schultern. Von Harry, Ron und Hermine fehlte jede Spur, Ginny war ebenfalls nicht da, aber die Zwillinge hatten ein Schachspiel mit Percy begonnen und unterhielten sich gerade über irgendetwas, das Stefanie, trotz der Lautstärke, nicht verstand.

„Ich habe das noch nie mit jemanden thematisiert", erklärte Marie inzwischen und seufzte. „Ginny weiß es von dir, und die Weasleys natürlich auch."

Und sie warf Stefanie einen Blick zu, der ihr fast das Gefühl gab, ein schlechter Mensch zu sein, weil sie schon mal mit jemanden über ihre Herkunft gesprochen hatte. „Bisher hatte nie jemand ein Problem damit, dass ich das herumerzählt habe", wehrte sie ab, fühlte sich aber dennoch schuldig. „Konnte doch keiner wissen, dass hier ein Monster lebt, das es auf Muggelgeborene abgesehen hat!"

„Das stimmt", gab Daniel ihr, zu ihrer Erleichterung, recht. „Aber ich glaube nicht, dass es ein Monster ist, das wirklich nur Muggelgeborene tötet. Ich glaube, dass der Erbe Slytherins, der es befiehlt, es auf Leute hetzt, von denen er weiß, dass sie es sind. Deshalb solltet ihr das Thema besser mit niemandem mehr ansprechen. Ich gehe mal optimistisch davon aus, dass der Erbe Slytherins nicht zufällig ein Weasley ist."

Er grinste schief und Marie kicherte. „Wo doch überliefert ist, dass Slytherin rote Haare hatte", schäkerte sie und Stefanie erhob sich lächelnd.

„Nein, ich denke auch, dass von ihnen keine Gefahr ausgeht. Aber Marie und ich versuchen, nicht ohne Begleitung eines Reinblüters herumzugehen."

„Ich hab den Gemeinschaftsraum seit zwei Monaten nicht mehr allein verlassen", bestätigte Marie, klang aber mehr stolz, als verärgert darüber.

Daniel schmunzelte und griff nach einem Buch, das er neben sich abgelegt hatte. „Dann muss ich mir ja um dich keine Sorgen machen. Ich für meinen Teil fühle mich auch in Gruppen wohler, aber wie gesagt, außer euch beiden weiß niemand, dass ich keine Zauberer als Eltern habe. Irgendetwas an mir muss wohl sehr reinblütig rüberkommen."

Das fand Stefanie auch, obwohl sie nicht benennen könnte, was genau es war.

Als sie sich wenig später zu den Zwillingen gesellte, blickten diese von ihrem Schachbrett auf und grinsten.

„Wir haben ziemlich harte Worte aus der Ecke gehört", teilte George ihr mit und schlug Percys Bauern. Er verstieß dabei gegen die Regeln des Zauberschachs und nahm die Figur in die Hand, um den Bauern richtig vom Spielfeld schleudern zu können, was Percy ein genervtes Schnauben entlockte.

„Fred, du weißt, dass die Figuren das nicht gut vertragen. Wenn sie sich selbst zerschlagen, können sie sich reparieren – wenn du sie kaputt machst, weil sie am Boden aufkommen, dann muss ich das selber machen", lamentierte er und stand auf, um den Bauern, der einige Meter weit geflogen war, aufzuheben.

„Kommt nie wieder vor", antwortete Fred mit unterdrücktem Lachen, obwohl er es gar nicht gewesen war, bevor auch er seine Aufmerksamkeit Stefanie zuwandte.

Diese hatte das kurze Geplänkel genutzt, um zu begreifen, dass George mit „harten Worten" die deutsche Sprachmelodie meinte und setzte sich grinsend.

„Tut mir Leid, dass ich nicht aus Frankreich stamme. Obwohl ich dann wohl auf einer anderen Schule gelandet wäre. Aber mal was anderes, wollt ihr vielleicht einen Schneemann bauen gehen? Wir könnten, wenn ihr Schachspielen wollt, auch Schneeschachfiguren bauen und sie verzaubern und dann eine große Schneeschachpartie spielen…?"

„Keine schlechte Idee, diese Partie hier ist eh verloren", sagte Fred und erhob sich mit einem Gähnen.

„Hey, Perce, wir gehen raus und bauen Schneeschachfiguren. Willst du mit?"

Percy warf ihm einen Blick zu, als hätte er ihn gerade gefragt, ob er seine ZAGs gegen Snapes Haare eintauschen wollen würde. „Danke für das Angebot, aber in diesem Fall werde ich mich wohl ein wenig zum Lernen zurückziehen."

Er nickte ihnen zu und verschwand in Richtung Jungenschlafsäle, nicht, ohne vorher demonstrativ den zerstörten Bauern mit seinem Zauberstab repariert zu haben. Stefanie und die Zwillinge räumten das Schachspiel weg, zogen sich warme Sachen an, nahmen Daniel und Marie mit und machten sich daran, ein riesiges Schneeschachbrett zu kreieren.

Alles in Allem waren es also angenehme Ferien, und als Stefanie am kalten Weihnachtsmorgen erwachte, fühlte sie sich geborgen und von der Angst, die im Schloss herumgegangen war, war nichts zu spüren.

Sie war alleine im Schlafsaal, aber an diesem Morgen hatte sie keine Lust auch alleine zu bleiben. Zuerst spielte sie mit dem Gedanken, zu ihrer Schwester hinunter zu gehen, aber dann fiel ihr ein, dass die ja mit Ginny in einem Schlafsaal schlief und Ginny noch in Hogwarts war. Die beiden hatten sicher auch ohne sie ihren Spaß.

Stefanie stand auf und grinste. Es gab da ja noch jemanden, den sie besuchen konnte. Die Zwillinge hatten zwar sicher auch ohne sie Spaß, aber mit ihr noch mehr. Also beeilte sie sich dabei, ihre Geschenke auszupacken, was nicht sehr schwer war, denn es waren nicht viele.

Von ihren Eltern bekam sie, wie eigentlich jedes Jahr, neue Kleidungsstücke, während ihr Bruder ihr ein Paar Ohrringe schenkte, die verdächtig so aussahen, als hätte er sie aus dem Erbe ihrer Großmutter entnommen. Von Alicia und Angelina bekam sie Berti Botts Bohnen und ein paar andere Leckereien und auch die Zwillinge hatten sich nicht als viel kreativer erwiesen und ihr ebenfalls nur etwas aus dem Honigtopf mitgebracht. Das störte sie aber in keiner Weise, denn dieses Jahr hatte sie auch nicht mehr Ideen in Weihnachtsgeschenke investiert und, wie schon einmal, einfach alle mit Süßigkeiten aus dem Honigtopf versorgt.

Dann war da aber noch ein weiteres Geschenk und zu Stefanies großer Überraschung und auch Freude, enthielt es einen Weasley-Pullover von Mrs. Weasley. Offenbar hatte sie das Gefühl, ihr etwas schenken zu müssen, als Dank dafür, dass sie ihr jenes Lockhart-Buch gekauft hatte.

Vor zwei Jahren hatte Mrs. Weasley ihr schon einmal einen Pullover gestrickt, der lavendelfarben gewesen war. Ihr neuer Pullover hatte eine etwas andere Form. Er war natürlich größer, aber auch taillierte und wesentlich besser für ein Mädchen geeignet, als für einen Jungen. Sie hatte sich offenbar wirklich Mühe gegeben, ihr einen modischen Pullover zu stricken und dafür die Farbe Senfgelb gewählt, die sehr gut zu Stefanies herbstbraunem Haar passte.

Begeistert tauschte sie ihr Pyjamaoberteil gegen diesen Pullover und zog sich dazu eine dunkle Jeans an, die sie ebenfalls geschenkt bekommen hatte. Dann lief sie die Treppe hinunter, in den Gemeinschaftsraum und dann die Treppe zu den Jungenschlafsälen noch oben. Hier war sie schon einmal gewesen und es war befriedigend zu wissen, dass auch Fred und George direkt unter dem Dach schliefen und jedes Mal so viele Treppen bezwingen mussten, um in ihren Schlafsaal zu gelangen.

Stefanie schaffte es hinauf zu rennen, ohne einem anderen Jungen zu begegnen und klopfte vorsichtig an, ehe sie, ohne auf eine Antwort zu warten, die Türe einen Spalt breit öffnete. Die Zwillinge waren schon wach, ganz eindeutig, denn die saßen aufrecht in ihren Betten und vor jedem lag ein Stapel Geschenke.

„Morgen!", begrüßte Stefanie sie fröhlich und trat in den Raum. Beide blickten auf und grinsten, wobei Fred gerade einen halben Schokofrosch im Mund hatte, und die andere Hälfte herausstand.

„Morgen", nuschelte er, während George deutlich: „Und frohe Weihnachten!", wünschte.

„Danke, euch auch… wie ich sehe seid ihr auch schon fleißig beim Auspacken."

„Und du warst es auch schon, wie es aussieht… obwohl ich mich nicht rühmen würde, deine Garderobe auswendig zu kennen", stellte George fest und packte ihr Geschenk aus, das eine Zusammenstellung aus verschiedenen Süßigkeiten enthielt. So unkreativ war sie noch nie gewesen, aber sie hatten auch noch nie so viel um die Ohren gehabt.

„Ja, ich bin schon fertig." Stefanie lachte und zupfte an ihrem Pullover. „Wie findet ihr ihn?"

„Super", sagte Fred und steckte beide Daumen in die Luft, nachdem er seinen Frosch fertig gegessen hatte. „Von deinen Eltern? Er steht dir nämlich echt gut. Sieht teuer aus."

„Nein." Sie schüttelte ihren Kopf und grinste geheimnisvoll. „Das macht übrigens der Schnitt. Er liegt eng an und betont die Figur. Und er ist nicht von Zuhause, sondern von…" Sie machte eine kurze Pause um die Spannung zu steigern. „Von eurer Mum!"

„Nein!?" Entsetzt starrten sie sie an, als hätte sie ihnen gerade gesagt, dass die Welt untergehen würde. Das irritierte sie ein wenig.

„Äh….doch."

„Nicht dein Ernst", begann George und gestikulierte irgendwie mit seinen Händen herum. „Ich meine… das kann nicht von ihr sein. Ihre Pullover sind immer so… so…"

„Schlabbrig…. Unförmig…", zählte Fred auf, um seinen Bruder zu unterstützen und Stefanie schnaubte.

„Ihr solltet ein wenig mehr Dankbarkeit zeigen, eure Mutter investiert sehr viel Arbeit in diese Pullover.

„Ja, aber sie könnte wenigstens bei den Farben variieren…bei uns. Bei dir und Harry gibt sie sich dafür ziemlich viel Mühe, jetzt hat sie für dich, wie's aussieht, sogar ein neues Schnittmuster ausprobiert…"

„Naja", merkte Stefanie trocken an, „Wenn ihr ganz lieb fragt, macht sie eure nächstes Mal auch so."

„Das meinte ich nicht." George stand auf und schob dafür seine Süßigkeiten zur Seite. Er ging auf Stefanie zu und begann, sich ihren Pullover genauer anzusehen. „Ich meinte, dass sie anscheinend genau überlegt hat, welche Farben zu deinem Haar passen und wie groß du bist. Oder hast du ihr deine Größe verraten?"

Stefanie schüttelte den Kopf, aber sie verstand langsam, was er meinte.

„Sie muss dich wirklich schätzen", sagte Fred schließlich und warf sich ein paar Schokokugeln in den Mund. „Sonst hätte sie sich die Mühe nicht gemacht."

„Ich glaube, mit dem Lockhart-Buch hast du sie total von dir überzeugt", stimmte sein Bruder ihm zu und Stefanie wog unsicher ihren Kopf hin und her.

„Ich habe ihr das aber nicht geschenkt, damit sie … von mir überzeugt ist, oder so."

Fred warf den Haufen an Geschenkpapier, der sich angesammelt hatte, auf den Boden und stand ebenfalls auf. Wie Stefanie auffiel, trug er einen Weasleypullover, auf dem ein großes ‚F' gestickt war.

„Meine Güte, Stefanie! Du tust ja gerade so, als wäre es ein Nachteil, wenn unsere Mutter dich schätzt."

„Naja", sie zuckte mit den Achseln und grinste dann. „Ich war eben sehr überrascht, einen Pullover von ihr zu bekommen."

„Dabei ist es nicht einmal dein erster…"

„… Und sicher nicht dein letzter." Fred, der das gesagt hatte, warf mit einer Schokokugel nach ihr, die auf ihren wunderhübschen, neuen Pullover fiel.

„Hey!", machte sie entrüstet und warf sie zurück. „Nur, weil du neidisch auf den Pullover bist, musst du ihn nicht gleich mit Schokolade bewerfen!"

Er lachte und hielt es offenbar für eine gute Idee, die Kugel wieder auf sie zu werfen, aber weil sie sich duckte, traf sie nicht sie, sondern George. Es kam, wie es kommen musste und aus der harmlosen Angelegenheit entwickelte sich eine wilde Schlacht, die mit einem lachenden Gerangel auf dem Bett endete. Offenbar waren sie dabei allerdings ein wenig zu laut geworden, denn schon steckte Percy seinen Kopf herein und seine Augen weiteten sich vor Entsetzten, als er Stefanie inmitten seiner Brüder sah (sie hatte gerade George in den Schwitzkasten genommen) und er bereitete dem ein Ende.

Später gingen sie hinunter in die Große Halle, die in weihnachtlichem Glanz erstrahlte. Weihnachtsbäume waren aufgestellt worden und sie waren geschmückt mit Eiskristallen, Stechpalmenzweigen und Misteln, die aber auch kreuz und quer über die Decke gespannt waren. Verzauberter Schnee schneite vom magischen Himmel, und wenn er zu Boden fiel, dann schmolz er weder, noch war er kalt, sondern vielmehr weich und trocken.

Sie ließen sich das Weihnachtsessen schmecken und sangen zusammen mit Dumbledore Weihnachtslieder. Wenn Stefanie, Daniel und Marie sie kannten, dann sangen sie laut in ihrer Muttersprache, was den ganzen Tisch amüsierte.

Fred verhexte heimlich Percys Vertrauensschülerabzeichen, so dass statt ‚Vertrauensschüler', ‚Eierkopf' darauf zu lesen war und Percy, dem das entgangen war, verstand nicht, warum schon wieder alle lachten, wenn sie ihn ansahen.

Dafür trug, bis auf Daniel, Marie und Hermine, der gesamte Gryffindortisch einen Weasley-Pullover, und auch das fanden sie alle sehr lustig.

„Ich glaube sowieso, dass Mum Harry und dich am liebsten adoptieren würde, wenn sie könnte", gab George zum Besten, während er zusammen mit ihr an einem Knallbonbon zog. Ihnen gegenüber versuchten sich Mariechen und Daniel an einem, nachdem Marie schon zusammen mit Ginny ein paar weiße Mäuse freigelassen hatte. Es knallte zweimal laut und aus dem Bonbon gegenüber ergoss sich ein Schwall an Schokokugeln, während ein halber Kilo Pfefferminzbonbons in Stefanies Schoß fiel.

„Die nehme ich!", verkündete sie und stopfte sie alle in ihren Beutel, da ihr persönlicher Vorrat schon wieder merklich geschrumpft war.

„Letztes Jahr war ein Schachspiel dabei", meinte George und klang ein wenig enttäuscht, während er seine persönliche Beute, die nicht gering war, zusammenschob. „Schade, ich hätte gern wieder eines bekommen…"

„Weil du dein altes gleich am ersten Tag kaputt gemacht hast", warf Fred ohne Mitleid ein und sein Bruder seufzte tief, als würde es ihn wirklich berühren.

„Ich habe es nicht aus dem Fenster geworfen. Das war Peeves."

„Ja", kicherte Stefanie, „weil du nicht mit ihm Schach spielen wolltest."

„Wer will schon gegen den spielen?"

Generell war die Stimmung bei Tisch sehr gut, es als, als hätten sie alle vergessen, dass Schüler angegriffen worden waren und der Erbe Slytherins unter ihnen sein könnte.

(„Ich persönlich glaube ja, er ist in den Ferien nach Hause gefahren", posaunte Fred laut beim Nachmittagstee.)

Nach dem Essen zogen sich Stefanie und die Zwillinge zusammen mit Ginny und Marie zurück in den Gemeinschaftsraum und auch Daniel war dabei, während von Ron, Hermine, Harry und Percy jede Spur fehlte.

Die sechs spielten zusammen Zauberschnippschnapp, aber nach einer Weile verloren sie die Lust daran und während Ginny und Marie über irgendetwas Geheimes kicherten, zog sich Daniel mit einem Buch über Besenpflege in einen gemütlichen Sessel zurück. Stefanie und die Zwillinge nahmen ihre Arbeit an den Scherzartikeln auf und weil sie so gut gelaunt waren, probierten sie auch so einiges aus.

Nach dem Tee fingen sie an, es ein wenig auffällig zu finden, dass irgendwie nicht alle da waren, aber es dauerte nicht lange, da kamen Ron und Harry vollkommen aufgelöst in den Gemeinschaftsraum gestürzt.

„Was ist?", erkundigte Stefanie sich und blickte von dem Buch auf, in dem sie gerade las.

„Ach", winkte Ron ab und tat, als wäre die Aufregung in ihren Gesichtern nur Schein. „Nichts."

„Wo ist Hermine?", fragte Fred weiter und sah Ron mit einem durchdringenden Blick an.

„Im Krankenflügel", gab Harry schließlich zu und alle, die im Raum waren, dachten sofort an das Schlimmste.

„Sag bitte nicht, dass sie angegriffen wurde…" Daniel legte sein Buch beiseite und verschränkte seine Finger ineinander, doch zur Erleichterung aller, schüttelten die beiden ihre Köpfe.

„Nein, sie hatte nur einen kleinen Unfall… mit einem Zaubertr;"

„Zauber", unterbrach Harry Ron. „Mit einem Zauber. Sie wird wohl ne Weile im Krankenflügel liegen…"

„Oh… das ist natürlich blöd. Jetzt über die Feiertage… was für ein Zauber war es denn?" Stefanie konnte in diesem Punkt ihre Neugierde nicht unterdrücken. Sie wusste, dass manche Zauber, oder das Experimentieren damit, eine Gefahr darstellen konnte, und genau deshalb wollte sie nun auch wissen, was bei Hermine schief gegangen war.

„Äh….", begann Harry und warf Ron einen verzweifelten Blick zu.

„Keine Ahnung. Wir verstehen nix von solchen schwierigen Sachen….", sagte dieser dann und Stefanie gab sich damit zufrieden.