Explosion
Meine Beine fühlten sich an wie Blei, als ich durch den Flur ging. Zum ersten Mal in meinem Leben zog ich es ernsthaft in Betracht zu schwänzen. Jedes Mal wenn ich an den Blick dachte, den er mir im Flur zugeworfen hatte, fuhr mir ein kalter Schauer über den Rücken.
An der Türschwelle atmete ich tief durch, denn ich bemerkte, dass Edward schon auf seinem Platz saß. Und seinem Blick nach zu urteilen, hatte er keine gute Laune. Ich schloss kurz die Augen und ging über die Schwelle.
Dann ging ich zielstrebig auf meinen Platz und ließ mich auf meinen Stuhl fallen. Meine Tasche stellte ich auf meinen Tisch und suchte meine Sachen heraus, ohne Edward zu beachten. Leider tat Edward mir nicht den Gefallen, das genauso zu machen.
„Na, hast du dir schon einen neuen Freund gesucht?", fragte er und sah mich finster an.
„Was?", fragte ich und blickte nun doch zu ihm.
„Naja, du hast du deinen neuen besten Freund Jakob Black schon an die Schule gebracht."
Erneut brachte ich nichts weiter heraus als ein atemloses „Was". War das sein Ernst? Glaubte er das ernsthaft von mir? Glaubte er, dass ich wie Lauren, Jessica oder Tanya die Typen wie Unterwäsche wechselte?
„Scheint ja doch nicht so schlimm gewesen sein, dass ich dich entjungfert habe. Das macht dir das Ganze doch deutlich einfacher. Hätte ich gar nicht von dir erwartet, Isabella."
Die Verachtung in seiner Stimme tat weh. Ich spürte bei jedem seiner Worte einen Stich im Herzen. Was gab ihm das Recht über mich zu urteilen? Was hatte denn bitte ICH IHM getan? Es war doch eher anders herum gewesen. Ich spürte die Wut in mir aufkochen.
Ich atmete tief ein und legte dann los: „Verdammt, Edward! Was geht dich das an? Denkst du das wirklich von mir? Und selbst wenn es wirklich so wäre, hätte das nicht mit dir zu tun! Das wäre ganz allein meine Sache!"
„Bella?", fragte Edward erschrocken.
„Halt die Klappe! Halt einfach die Klappe, Edward. Ich will dich einfach nie wieder sehen!", fuhr ich ihn wütend an.
„Reg dich mal ab, Isabella. Mir ist das ega-"
Meine Ohrfeige schnitt ihm das Wort ab. Ich konnte schon sehen, wie sich langsam der Abdruck meiner Hand auf seiner Wange abbildete. Ich gab zu, dass ich erleichtert war, weil ich seine Nase dabei nicht berührt hatte, doch es hatte gut getan, die ganze Wut einfach einmal heraus zu lassen.
Nun stand ich auf, packte meine Tasche und ging aus dem Raum. Die Entscheidung, zu Schwänzen, war jetzt wie von selbst gefallen. Die bisher unterschwellige Wut, die er an die Oberfläche gebracht hatte, musste erst einmal abkühlen, bevor ich wieder in demselben Raum wie er sein konnte.
Ich ging durch die Halle und das Blei, dass ich vorher in meinen Beinen gespürt hatte, war wie weggeflogen. Ich fühlte mich wie auf Wolken und spürte das Adrenalin durch meine Adern floss.
Ich zog meinen MP3-Player aus der Tasche und steckte mir die Stöpsel ins Ohr und drehte die Musik auf. Ich spürte das Lächeln wie von selbst, als ich meine alten Tanzlieder anhörte.
Sie erinnerten mich an meine alten Zeiten. Und plötzlich wusste ich, was ich statt Biologieunterricht machen würden. Ohne weiter darüber nachzudenken machte ich mich auf den Weg zu meinem alten Tanzstudio.
Seit dem Vorfall im Wald war ich nicht mehr dort gewesen, doch ich hatte das Gefühl, dass ich meinen Fuß jetzt soweit belasten konnte. Jetzt wo ich mir so viel mit der Musik aufgebaut hatte und mich darin noch mehr verlieren konnte, wie im Tanzen, würde es sie nicht mehr ersetzten. Aber es würde mir gut tun.
Gerade als ich am Studio ankam, fuhr Miss Tailor, meine alte Trainerin, mit dem Auto vor. Ihre Augen weiteten sich, als sie mich erblickte und ich lächelte sie an, erfreut sie nach so langer Zeit wieder zu treffen, denn sie war schon immer ein Vorbild für mich gewesen. Sie stieg aus und kam auf mich zu.
„Bella? Was machst du hier? Sag bloß du kannst wieder mitmachen?", fragte sie und ich konnte dir Freude in ihrer Stimme hören.
„Naja, ich muss natürlich langsam anfangen, aber ich möchte es zumindest probieren. Allerdings muss ich sagen, dass Tanzen nicht mehr der Schwerpunkt in meinem Leben sein wird."
Miss Tailor blickte mich prüfend an, bevor auch sie lächelte. „Das verstehe ich natürlich. In so einer langen Pause findet man oft etwas, das einen aufrechterhält. Und oft hat das für einen dann mehr Bedeutung, als das Tanzen. Diesen Fall habe ich schon ein paar Mal bei meinen Tänzern und Tänzerinnen erlebt."
„Und du bist mir nicht böse?", fragte ich besorgt.
„Böse? Wieso sollte ich? Natürlich ist es schade, dass du dich nicht mehr darauf spezialisieren wirst, weil du wirklich Talent hattest. Aber ich freue mich umso mehr darüber, dass du es nicht ganz aufgeben willst."
Ich umarmte sie kurz und folgte ihr dann ins Studio. Es sah alles genauso aus, wie vorher auch und sofort fühlte ich mich wieder wohl. Ich hatte Glück, denn es war meine alte Gruppe, die sich heute ihr Training auf diese Zeit gelegt hatte.
Ich wurde mit großem Hallo begrüßt und in einen Haufen Arme geschlossen. Natürlich fragten sie alle, ob ich jetzt wieder regelmäßig mitmachen würde. Doch ich sagte ihnen sofort wie es stand. Ich würde wieder ins Training gehen, aber nicht mehr ganz so regelmäßig, sollte es die Musik beeinträchtigen. Umso mehr freute ich mich, als sie sagten, dass die Uhrzeit heute eine Ausnahme sei, weswegen ich weiterhin mit ihnen trainieren konnte.
Gemeinsam liefen wir uns warm und dehnten uns. Zum Glück hatte ich noch ein paar meiner Sportsachen hier, weswegen ich mir nichts ausleihen musste. Es fühlte sich gut an, wieder hier zu sein.
„Hey Bella", rief Jay von der anderen Ecke des Raumes.
„Was ist?", fragte ich. Er drückte auf die Play-Taste und natürlich erkannte ich das Lied sofort, dass daraus erklang. Unser letzter Tanz, bevor ich aufhören musste! Ich konnte mein Grinsen nicht unterdrücken.
„Meinst, dass du das noch hinbekommst?", fragte Thomas frech.
Ich zögerte einen Moment. Sollte ich damit direkt einsteigen. Ich belastete meinen Fuß probehalber und merkte, dass es gar nicht wehtat. Also nickte ich und machte mich tanzbereit, zog jedoch sicherheitshalber noch meine Bandage an, denn man konnte ja nie wissen.
Bevor wir jedoch loslegten, packte mich Miss Tailor bei der Schulter und sagte: „Bella, überanstreng dich nicht. Du musst vorsichtig sein."
( video/x8o3pu_billie-piper-day-and-night_music - gibt es leider nicht mehr auf youtube)
Ich nickte ihr zu und gesellte mich zu den anderen. Jay machte die Musik an und ich nahm meine Position hinter Lisa ein. Die Musik durchströmte ich und ich bemerkte, wie sehr die Musik mir damals schon gut getan hatte.
Lächelnd versank ich in dem Klang und die Schritte kamen wie von selbst. Ich war überrascht, dass ich alles noch so gut im Kopf hatte, aber es freute mich umso mehr. Auch die anderen hatten den Tanz noch lange nicht verlernt.
An den Stellen, an denen ich früher meine Solostellen gehabt hatte, während die anderen Schritte auf dem Boden ausführten, hielt ich mich jedoch ein wenig zurück. Ich wollte es wirklich nicht riskieren, mich direkt wieder zu verletzen.
Viel zu schnell war das ganze schon wieder vorbei und ein bisschen außer Atem hielt ich in unserem Schlussbild inne. Es war ein unglaubliches Gefühl gewesen, endlich wieder ein Teil dieser Gruppe zu sein, insbesondere, da sie ohne weiteres Nachfragen akzeptiert hatten, dass ich wieder dabei war.
Und noch etwas hatte ich gemerkt. Diese Anstrengung hatte mir geholfen, Edward zu verdrängen und hatte es in vollen Zügen genossen. Jetzt hatte ich sogar zwei Möglichkeiten meinen Gefühlen und all meinen Problemen zumindest für eine Weile zu entkommen.
Ich blickte auf die Uhr, die an der Wand hing, und mir wurde klar, dass Rose keine Ahnung hatte wo ich wahr und wahrscheinlich auf mich warten würde. Also verabschiedete ich mich rasch von den anderen und machte mich in meinen Sportklamotten, die aus einer einfachen grauen knielangen Hose und einem grünen Top bestanden, auf den Weg, da ich keine Lust hatte, mich jetzt noch einmal umzuziehen.
Pfeifend lief ich durch die Straßen und konnte kaum glauben, wie glücklich ich war. Ich hatte wirklich vergessen, was für einen Spaß Tanzen mir immer gemacht hatte. Doch ich würde es nicht noch einmal vergessen. Rose würde mir sicher eine Entschuldigung für Bio schreiben und ich musste einfach lernen, Edwards Kommentare zu ignorieren.
Zum einen Ohr rein und zum anderen wieder raus. Aber ich war überzeugt, dass ich das mit ein wenig Übung hinbekommen würde. Ich würde mich nicht von Edward runter ziehen lassen.
So, da wär ich dann auch wieder
Einmal mehr bitte ich um vergebung, wegen letztem Sonntag…
Aber wir hatten kirmes und… sagen wir mal ich hatte anderes im kopf
Hat es euch gefallen? Oder eher weniger?
Sagt mir eure meinungen :) pretty please?
Lg Scara
