Kapitel 36

Der kurze Fußmarsch ins Dorf Hogsmeade dauerte vielleicht zwanzig, höchstens fünfundzwanzig Minuten und man konnte auch langsam die ersten Häuserspitzen hinter einer kleinen Bergkuppe erkennen. Harry wurde es richtig warm ums Herz, als er dies sah und eine gewisse Aufregung spielte auch mit. Hermine, die diese Veränderung bei ihrem Freund spürte, drückte sanft Harrys Hand und lächelte. Schließlich war ihr Harry ja derjenige Schüler von Hogwarts, der, wenn man ihn mit seinen gleichaltrigen Freunden verglich, wohl am wenigsten im Dorf zu sehen war. Dies war nicht ihm anzulasten, sondern wohl eher seinem Schicksal. Wie war das doch gleich? Ach ja im dritten Jahr war die Sache mit Sirius Flucht und den Dementoren, wo Harry es nur einmal geschafft hatte, sich aus dem Schloss zu stehlen und auch die anderen Jahre kam meist etwas dazwischen.

Mit diesen Gedanken und einem weiteren Blick auf Harrys glückliches Gesicht erreichten sie schließlich das Dorf und die kleine Gruppe trennte sich. Damion und Ginny wollten zuerst zu Madame Malkins, da Ginny meinte gehört zu haben, dass sich die meisten Schüler erst später dort einfinden wollten. Somit bestand ja die Möglichkeit, noch ein paar wirklich gute Stücke zu finden, doch Harry musste schmunzeln, denn schließlich war dies hier die Zaubererwelt und mit ein wenig Magie sollten Kleidungsstücke wohl nie ausgehen. Die zwei Paare verabschiedeten sich voneinander und Harry führte Hermine in Richtung Honigtopf, wo sie dann auch einen Großteil ihrer Mitschüler fanden.

Harry grüßte Dean und Seamus, die ihn erstaunt ansahen und den Gruß erwiderten. Nach einige Minuten, in denen vor allem der irische Junge Harry die Neuheiten im Laden erklärte, bemerkte Harry, dass Hermine weiter wollte. Er drehte sich zu ihr, küsste sie kurz und fragte, ob sie gehen wollten. Seine Freundin lächelte aber nur zurück und sagte, „Nein, nein Harry, bleib du nur hier bei Dean du Seamus. Ich muss nur kurz rüber in die Apotheke, meine Zaubertrankzutaten ein wenig auffrischen. Soll ich dir etwas mitbringen?"

Harry nickte und dachte kurz nach. Dann holte er fünf Galleonen aus seinem Geldbeutel und bat seine Freundin liebevoll, sie möge ihm doch ein paar frische Blindschleichenschwänze mitbringen. Sie brauchten sie schließlich nächste Woche für einen Trank bei Professor Slughorn und er wollte sie vorher noch aufbereiten.

Hermine sah Harry ein wenig überrascht an, lächelte dann aber, da sie sich erinnerte, wie unglücklich Harry darüber gewesen war, dass ausgerechnet er diesen Trank aus dem Lostopf gezogen hatte. Sie küsste Harry noch kurz auf den Mund und machte sich auf den Weg zur Apotheke. Harry sah ihr nach und grinste leicht. Dies blieb natürlich Dean und Seamus nicht verborgen und der schwarze Gryffindor fragte, „Sag mal Harry, hätten es nicht getrocknete Schwänze auch getan? Die haben wir doch immer in der Schule vorrätig."

Harry machte ein leicht ertapptes Gesicht, erwiderte aber mit leicht geheimnisvoller Stimme, „Das stimmt sogar Dean, doch ich brauche ein wenig Zeit, um etwas zu erledigen. Man weiß ja nie, ob man noch mal das Glück hat, hier ins Dorf zu kommen. Und da Hermine mit meinen Wunsch mindestens eine halbe Stunde beschäftigt ist, müsst ihr mich jetzt kurz mal entschuldigen."

Die beiden Gryffindors sahen Harry fragend hinterher und ihre Blicke erhellten sich erst, als sie sahen, dass Harry in einem Laden verschwand, der augenscheinlich ein Juwelier zu sein schien. Nun wurde ihnen auch klar, warum ihr Kumpel mal ein wenig Zeit ohne Hermine brauchte und beide grinsten nun in sich hinein.

Eine halbe Stunde später fand sich Hermine wieder im Honigtopf ein und war erstaunt, dass die drei Jungen immer noch über die ganzen Leckereien philosophierten. Harry sah zu ihr hinüber und winkte. Dann nahm er ihr die kleine Tasche ab und tat so, als würde es ihm für heute an Informationen über das „Hüftgold deluxe" reichen. Er legte seinen Arm um Hermine und führte sie aus dem Laden in Richtung Madame Malkins. Dort angekommen hatten die Beiden sogar ein wenig Glück, denn genau in dem Moment, wo sie den Laden betraten, war ein anderes Pärchen, sie waren den Farben nach Huffelpuffs, fertig und die Verkäuferin winkte Hermine ins Nebenzimmer und auf ein Podest, wo sie jeden Kunden vermaß.

„Was solls denn werden, junge Dame?", fragte die Schneiderin, welche ihrem Aussehen nach und dem von Harry geschätzten Alter schon Dumbledore seine Schuluniformen verpasst haben musste. Hermine sah sich leicht verlegen um und antwortete, „Oh, ich suche ein Ballkleid, etwas in grün gehaltenes, damit es mit den Augen meines Freundes harmoniert."

Harry sah sie überrascht an und runzelte dann die Stirn. ‚Was hat denn das Eine mit dem Anderen zu tun?', fragte er sich und als er diese Frage auch noch mal laut wiederholte, bekam er nicht nur von Hermine sondern auch von der Schneiderin ein Schnauben geschenkt, was sehr stark nach „Männer" klang. Zwei Minuten später war Hermine vermessen und die alte Hexe komplimentierte Harry höflich aus dem Raum. Erst wollte der Gryffindor noch protestieren, doch dann sah er, wie Hermine begann sich auszuziehen und rasch wandte er sich peinlich berührt ab.

Harry überlegte, was er nun tun sollte, denn etwas verloren stand er ja nun doch da. So kam es, dass der Gryffindor Hermine erst mal Hermine sein ließ und langsam begann, ein wenig im Laden zu stöbern. Dabei bemerkte Harry zwar, dass ihn ein etwas älterer Zauberer mit einem sehr komischen Glitzern in den Augen beobachtete, doch ihm entging, dass er sich immer weiter auf eine Abteilung des Geschäftes zu bewegte, von der er gehoffte hatte, eine solche nie wieder betreten zu müssen. Zu schweißtreibend waren die Erlebnisse in den letzten Ferien gewesen. Doch Gott meinte es nicht gut mit ihm und Harry stoppte erst, als es schon zu spät war. Immer wieder zu dem alten Zauberer schauend vergaß Harry nach vorne zu gucken und stieß mit jemandem zusammen. Es folgte eine kurze genuschelte Entschuldigung von Harry und ein spitzer Schrei seitens seines Gegners. Harry schaute auf und starrte im nächsten Moment auf Ginny, die in einem Hauch von Nichts vor ihm stand.

Harry wollte augenblicklich im Boden versinken, bedeckte seine Augen und rannte mit rotem Gesicht und eine weitere Entschuldigung stammelnd in Richtung Ausgang. Dort traf sein Blick wieder auf den alten Zauberer und dieser grinste nun breiter als der Grand Canyon. Dies machte Harry nur noch mehr verlegen und er sah sich panisch nach einem Versteck um. Doch da war keins und glücklicherweise kam Hermine auch kurz darauf hinter dem Vorhang hervor. Sie trug eine große Tasche und strahlte Harry überglücklich an.

Der Gryffindor ging zu ihr hinüber und fragte, ob sie was Schönes gefunden habe. Hermine nickte und bedeutete Harry, dass er nun dran war. Sie wollte in der Zwischenzeit noch mal kurz in eine andere Abteilung und so trafen sich die Zwei erst zwanzig Minuten später wieder. Allerdings, und dies erschreckte Harry ein wenig, kam Hermine nicht allein aus der Abteilung, die Harry von nun an mied, sondern Ginny begleitete sie und beide Mädchen hatten ein sonderbares Glitzern in den Augen, Hermine noch mehr als Rons Schwester.

Harry befürchtete das Schlimmste, doch es kam nichts dergleichen. Kurz darauf verließen sie Madame Malkins Geschäft und machten sich auf den Weg zum „Drei Besen". Dort trafen sie auch Ron und Parvati sowie den Rest der Gryffindors. Sie alle setzten sich an einen großen Tisch im hinteren Teil des Lokals und bestellten eine Runde Butterbier. Bevor Madame Rosmerta aber ihre Runde servieren konnte, kam ein Passant herein gerannt und schrie aus vollem Hals „Todesser!!!"


Minerva McGonagall saß mit ihren Kollegen im Lehrerzimmer und genoss ein wenig die Ruhe, die heute im Schloss herrschte. Natürlich liebte sie ihre Schüler und vermisste sogar ein wenig ihr Verhalten im Unterricht. Wie oft hatte sie sich nach den Stunden gewundert oder amüsiert, wie ihre Schüler stets versucht hatten, trotz ihrer straffen und strengen Weise des Unterrichtens ein wenig ihren Kopf durchzusetzen. Doch diese Zeiten waren vorerst vorbei und nun hieß es die Verantwortung für die ganze Schule zu tragen. Glücklicherweise gab es jedoch eine Menge Freunde im Lehrerkollegium und sie halfen sich gegenseitig, wo es nur ging.

Am meisten überrascht war sie allerdings darüber, wie gut sich ihre beiden Neuen und vor allem jüngeren Lehrer eingewöhnt hatten. Besonders bei Emily Stormfire hatte sie anfänglich so ihre Bedenken gehabt, doch diese zeigten sich nun als völlig unbegründet. Auch war ihr aufgefallen, dass sich die junge Lehrerin sehr gut mit Stephano verstand, aber das war ja schon früh so gewesen und vielleicht war es ja so vorherbestimmt. Im nächsten Moment dachte die alte Hexe aber, ‚bei Merlin, ich fange an, wie Albus zu denken' und sie schüttelte ihren Kopf.

„Minerva, ist irgendwas?", fragte Stephano Styls und sah von seinem Buch auf. Die Direktorin lächelte jedoch nur und verneinte, „Nein, Steph, es ist alles in Ordnung. Ich musste nur kurz an Albus denken und..." Den Satz vollenden konnte Minerva jedoch nicht mehr, da Professor Styls plötzlich in seinen Umhang faste und eine leuchtende Kugel hervor holte. Das Ding summte wie verrückt und der Lehrer für VgddK rief den Namen seines Sohnes. Dieser antwortete auch und seine Stimme drang aufgeregt aus der Glaskugel.

Die Gesichter sämtlicher Professoren im Raum waren wie versteinert, als sie die Worte des Gryffindors hörten, denn man konnte ganz deutlich die Begriffe „Todesser" und „Angriff" vernehmen und in nächsten Moment stürmten auch schon die ersten Erwachsenen in Richtung Ausgang. Es war Gefahr im Verzug und es galt nun so schnell wie nur möglich die Schüler zu retten.


„Lauft zum Schloss", rief Harry den Anderen zu und feuerte einen Stuporzauber über seine Schultern nach hinten. Hermine und Ginny beschleunigten daraufhin ihre Schritte und gingen nur ab und zu hinter einer Bank oder einem Busch in Deckung.

Das Dorf Hogsmeade schien einem Hexenkessel zu gleichen, denn vor gut zehn Minuten waren vereinzelt die Auroren des Ministeriums eingetroffen und bekämpften die Anhänger Voldemorts energisch. Überall schlugen Flüche ein, Feuer loderten in den Himmel und Schreie drangen durch die Gassen. Teils gehörten sie den Anwohnern und Besitzern der Läden, die versuchten neben ihrer Haut auch noch ihr Hab und Gut zu retten, aber auch so mancher Kämpfer ging zu Boden. Doch das beschäftigte Harry im Moment nicht wirklich, denn er, Ron, Damion und ihre Freundinnen mussten jetzt erst einmal aus der Gefahrenzone. Daher drängte er die Fünf immer weiter in Richtung des Dorfrandes, der sich Hogwarts am nächsten befand.

Irgendwie mussten sie es doch schaffen, der Hölle hier zu entkommen. Eine weitere Explosion durchfuhr lautstark die Luft, gefolgt von mehreren Apparationsgeräuschen. Zu Harrys Entsetzten kamen aber keine Auroren, sondern es sah so aus, als würden die bösen Jungs Nachschub bekommen. ‚Shit', dachte Harry und war gleichzeitig froh, dass die anderen Schüler, also diejenigen, die nicht zu seinen engsten Freunden gehörten, erst einmal in Sicherheit waren. Harry hatte nämlich nach dem Verlassen des „Drei Besen" sofort reagiert und allen die er getroffen hatte, zugerufen, sie sollten sich im Honigtopf einfinden. Zuerst hatte man ich für verrückt erklärt, da dieser sich auf der anderen Seite des Dorfes befand, doch nachdem Harry Neville und Luna vom Geheimgang unter dem Verkaufsraum berichtete, sahen dies Alle als eine Chance, hier raus zu kommen und die Verluste so gering wie nur möglich zu halten.

Harry, Ron und die Anderen, die jetzt noch im Dorf waren, hatten mit allerlei Kämpfen und Ablenkung dafür gesorgt, dass die Passage, solange es ging, offen war. Doch dann hatten die Todesser bemerkt, dass sie keine Schüler mehr antrafen und recht schnell den Grund herausbekommen. Das Resultat bestand nun darin, dass es den Honigtopf nicht mehr gab, da ihn ein gewaltiger, von mehreren Todessern ausgesprochener Redutorfluch förmlich aus dem Straßebild getilgt hatte.

Nun lag es an Harry, seine Freunde in Sicherheit zu bringen. Glücklicherweise waren sie alle sehr bewandert was das Thema Verteidigung anging und auch Damion stand ihnen in Nichts nach. Harry musste ihn sogar manchmal zurückrufen, damit er sich nicht in unnötige Kämpfe verwickeln ließ und merkte dabei auch rein zufällig dass sich die Augenfarbe des Gryffindors ab und zu ins Schwarze veränderte. Doch die Antwort auf dieses Rätsel musste erst einmal warten.

Schließlich hatten sie den Dorfrand erreicht und wollten etwas abseits, jedoch parallel zum Weg, weiter in Richtung Hogwarts laufen, als hinter der letzten Hausecke plötzlich ein mehrfaches „Expelliarmus" erklang und bevor irgend jemand reagieren konnte, wurde allen Schülern der Zauberstab entrissen, die Mädchen sogar zu Boden geschleudert und Harrys Gruppe war von mehreren Todessern umstellt.

„Sieh an, sieh an, Babypotter und seine Schlammblutfreundin." Sagte die schrille Stimme von Bellatrix Lestrange, die nun sichtlich erfreut aus der Menge hervortrat.

Harry schaute sich um, zog Hermine schützend hinter sich und sah der Mörderin seines Paten voller Verachtung ins Gesicht. Damion und Ron taten es ihm, was ihre Freundinnen betraf gleich und dieses Verhalten rief bei den Todessern ein höhnisches Gelächter hervor. Bellatrix meinte sogar, dass ihre Kumpane nachher noch eine Menge Spaß mit den Mädchen haben könnten, da sie ja nur Potter wollten. Harry dachte schnell nach, da sich die Todesser immer weiter auf die Mädchen zu bewegten.

„Lass sie gehen Lestrange, dann bleibe ich freiwillig." Sagte Harry leicht verzweifelt, doch seine Freunde riefen entsetzt „Nein!" Und wieder lachten die Todesser über das doch heldenhafte Verhalten des Jungen, was in Harry die Wut über seine Dummheit noch mehr schürte. „Nein, niemand wird freigelassen", sagte Lestrange kalt. „Wir alle hier, haben noch eine Rechnung offen. Schon vergessen Potter? Unser Lord will zwar dich lebend, doch die Anderen haben bei uns letztes Jahr für eine Menge Schmerzen seitens unseres Lords gesorgt. Habt ihr schon vergessen, was im Ministerium passiert ist?"

Harry versuchte unter den Masken einige Gesichter zu erkennen, doch es gelang ihm nicht. Außerdem wunderte er sich, warum diese Verbrecher überhaupt auf freiem Fuße waren. Wurden sie nicht alle, mit Ausnahme von Sirius Cousine damals von den Auroren damals verhaftet? Schließlich meldete sich einer der Todesser und Harry meinte ihn als Dolohow wieder zu erkennen. Er war es damals gewesen, der seine Freundin mit diesem gefährlichen Schneidefluch getroffen hatte und eine neue Welle der Wut erfasste seinen Körper.

Harry fragte sich allerdings auch, warum die Auroren nicht endlich eintrafen. Schließlich waren die Geräusche des Kampfes ein wenig abgeflaut und es hörte sich so an, als wären Voldemorts Anhänger doch nicht so stark gewesen, um gegen sie zu gewinnen. Außerdem wurde es allmählich dunkel und der Mond ging leuchtend hinter dem Verbotenen Wald auf. Worauf warteten die Todesser nur? Diese Frage durchzuckte Harrys Geist, während sein Blick auf den plötzlich bedrohlich aussehenden Vollmond gerichtet war. Doch er schien nicht der Einzige zu sein, den das Warten nervte, denn einer von Bellatrix Begleitern schien auch langsam die Geduld zu verlieren und schnappte sich plötzlich Rons Schwester.

„Ginny, nein!", riefen Hermine und Parvati und wollten sie zurückziehen, doch sahen sie sich im nächsten Moment ihren eigenen Zauberstäben gegenüber. Damion schien dies jedoch nicht zu beeindrucken und er zog plötzlich hinter seinem Rücken etwas hervor, das sehr stark einem Schwert glich. Bei näherer Betrachtung war es dann jedoch nur eine Art fünf Zentimeter breiter Metallstreifen. Lestrange aber reagierte schneller, als Damion sich bewegen konnte.

„Nein mein kleiner Held, das tust du nicht... Crucio!"

Mit erhobenem Stab und überlegenem Blick schritt sie auf Damion zu und die anderen Todesser lachten über Bellatrix Art mit Problemen umzugehen lauthals los. Dieses kalte Lachen verschwand aber auch gleich wieder, genauso so, wie die entsetzten Blicke der Gryffindors, in Anbetracht der Tatsache, dass einer aus ihrer Gruppe gefoltert wurde. Damion stand nämlich, anders als zu erwarten war, immer noch auf seinen beiden Beinen und schien nicht den kleinsten Anschein von Schmerz zu spüren. Zwar war sein Gesicht verspannt, doch Harry, der sich ganz genau an die Auswirkungen von Voldemorts Cruciatusfluch erinnerte erkannte, dass es keinem Gesicht glich, das von körperlichem Schmerz geprägt war. Dann fiel ihm aber erneut auf, dass sich die Augen seines Kumpels vom Goldenen ins Schwarze verwandelt hatten. Doch was hatte das zu bedeuten? Harry wusste es einfach nicht. Schließlich reagierte Damion und sagte mit trotziger, fast schreiender Stimme: „Du nicht, du Schlampe. Du tust mir nicht weh, nie wieder."

Dann erhob er seine Waffe und schritt weiter in Richtung der Todesser. Harry fragte sich, ob der Gryffindor übergeschnappt war, zumal Bellatrix noch mehr Power in ihren Fluch legte. Da dies aber offensichtlich nichts brachte, löste sie ihn wieder und richtete ihren Zauberstab augenblicklich auf Ginny.

„Na denn mein kleiner Held, mal sehen, wie weit du gehst, wenn wir deiner kleinen Schlampe ein wenig Spaß bereiten."

Augenblicklich erstarrte Damion und sah Lestrange mit blanker Wut in den Augen an. Bellatrix machte ein zufriedenes Gesicht. „Na also, es geht doch", sagte sie und grinst breit zu den Anderen hinüber. Dann dreht sie sich zurück zu Damion und befahl: „Und nun, du Penner, wirf diesen Witz da, den du Waffe nennst, ganz vorsichtig zu mir herüber. Aber Vorsicht, nicht dass du mich verletzt."

Harry sah leicht resignierend zu Damion, zog Hermine noch weiter hinter sich und bemerkte dabei, dass sein Kumpel sehr angespannt nachzudenken schien. Dann hob der Gryffindor den Metallstreifen plötzlich hoch und bevor man sich versah warf er ihn im großen Bogen über Bellatrix Kopf hinweg in Richtung Wald. Harry meinte kurz darauf ein metallisch klingendes Klappgeräusch zu hören, doch es ging in Lestranges wütendem Schrei unter. Die Todesserin, rasend vor Wut, schrie den Braunhaarigen an, dass er dies bereuen würde. Sie schleuderte mehrere Flüche auf ihn und verursachte auch kleine Schnitte im Umhang des Jungen. doch Damion rührte sich nicht.

Harry fragte sich, was mit seinem Kumpel los war, doch alles was Styls Sohn zu tun schien war auf etwas zu warten. Dann plötzlich, von einer auf die andere Sekunde, ging alles rasend schnell. Harry sah, wie Bellatrix ihren Zauberstab auf Ginny richtete und gleichzeitig wurden seine Ohren auf ein surrendes Geräusch, welches immer lauter wurde und näher kam, gelenkt. Er versuchte es instinktiv, und mit magisch verstärkten Sinnen zu orten, aber die Quelle schien sich zu bewegen. Dann klangen schmerzhaft laut die Worte „Accio Ginny" von Damion an sein Ohr, gefolgt von Bellatrix „Cruc..."

Lestrange beendete die Beschwörung jedoch nicht mehr und alle in der Gruppe, sei es Todesser oder Hogwartsschüler, schauten überrascht zu ihr hin. Bellatrix stand nur noch da, blickte starr geradeaus und der Zauberstab fiel ihr unbegreiflicherweise aus der Hand. „Was ist hier los Bella?", rief Dolohow überrascht und seine Augen weiteten sich vor Entsetzten, als sich plötzlich eine hauchdünne rote Linie am weißhäutigen Hals der Hexe bildete. Und dann geschah es. Etwas, dass keiner so recht verstand, denn die Linie wurde immer breiter, verwandelte sich in einen Strom aus Blut und mit einem Schrei des Entsetzens seitens der Mädchen, kippte Lestranges Kopf zur Seite und fiel zu Boden. Sekunden später brach die Hölle los und mehrere Flüche schlugen zwischen Lestrange und den Todessern ein.

Harry erkannte zwischen den ganzen Schreien, die nun die Luft erfüllten die Stimme von Professor Styls und dieser schrie, sie sollten sich auf den Boden werfen. Das taten dann auch Alle außer Damion. Der Gryffindor schien noch wie verwandelt zu sein, jedenfalls sah es Harry so, ging auf den nun leblos und kopflos daliegenden Körper von Bellatrix Lestrange zu und hob etwas auf. Es war... seine Waffe, die er weggeschleudert hatte. Harry erkannte nun, dass sich der Metallstreifen von vorhin verändert hatte. Er war um gut ein Drittel vergrößert und bestand jetzt nicht nur mehr aus einem einzelnen Stück glänzenden Eisens, Nein, ein weiterer Metallstreifen war hinzugekommen und zusammen bildeten sie einen Winkel. Harry klappte der Mund auf als er erkannte, dass es sich um einen australischen, messerscharfen Boomarang handelte und fassungslos starrte er auf das blutverschmierte Gerät, welches jetzt auch das klappende Geräusch erklärte.

Doch Harry fand seine Fassung sehr schnell wieder und aus seinem Augenwinkel sah er, wie einer der immer noch kämpfenden Todesser seinen Zauberstab voller Wut auf Damion richtete.

„Damion, pass auf!", schrie Harry und sein Kumpel wirbelte herum. Noch in der Bewegung tat er etwas, dass Harry das Blut in den Adern gefrieren ließ. Die Zeit schien still zu stehen, als er sah, wie sich Damions Augen wütend wieder ins Schwarze verwandelten, er seinen rechten Arm hob und die Worte „Avada Kedavra", begleitet von einem grünen Blitz durch die Luft surrten.

‚Oh mein Gott', dachte der Gryffindor entsetzt. ‚Damion hat den Todesfluch gesprochen.' Viel Zeit blieb den Schülern um Harry herum aber nicht, um über das Gesehene geschockt zu sein, denn von irgendwo her kamen plötzlich eine Menge Flüche und sie streckten die ersten Auroren nieder. Harry war zuerst wie gelähmt, beim Versuch, zu Hermine hinüber zu krabbeln, doch dann bewegte er sich immer schneller in Richtung Deckung, denn scheinbar hatten es die Todesser nun vollends auf ihn abgesehen. Schließlich erreichte Harry seine Freundin und bedeckte sie erst mal schützend mit seinem Körper. Dann sprang plötzlich Professor Styls in einem gewagten Salto zu ihnen und versuchte durch den Lärm des Kampfes hindurch mit Harry zu sprechen.

„Harry", sagte er und atmete erst mal tief durch, „du und Mr. Weasley, ihr bringt die Mädchen hier raus. Ich, Damion und der Rest, wir werden versuchen die Todesser abzulenken und euch damit vielleicht etwas Zeit verschaffen. Damion wird mit..."

„Wir wollen auch kämpfen Professor", rief Harry seinem Lehrer zu und war ein wenig vor den Kopf gestoßen, dass Styls ihn nicht für fähig genug hielt, sondern nur seinen Sohn.

„Nein Harry, ihr müsst hier weg", rief Styls und duckte sich unter einem Fluch hinweg, während er selbst einen Reduktor abfeuerte. „Ihr seid noch nicht so weit. Ihr müsst zurück ins Schloss."

Harry spürte, wie sich eine gewisse Wut in ihm aufbaute und sah den Mann vor sich mit durchdringendem Blick an. Professor Styls erwiderte jedoch vorerst nichts. Er schien zu überlegen, was er tun sollte. Doch dann, er hatte hoch zum Himmel geblickt, schüttelte er hastig den Kopf und sagte, „Nein Harry, du musst mir vertrauen. Ihr seid hier nicht mehr sicher. Es ist Vollmond und dass bedeutet, es gibt nur einen Grund, warum die Todesser noch nicht aufgegeben haben. Sie warten auf Greyback. Harry, du musst die Mädchen ins Schloss bringen. Setzte sie nicht der Gefahr aus, dass sie von den Werwölfen gefangen werden. Du hast keine Ahnung, was sie dann erwarten würde."

Harrys Augen weiteten sich geschockt, als sich plötzlich unvorstellbare Bilder in seinem Geist bildeten. Ihm wurde bewusst, in welcher Gefahr sie möglicherweise schwebten und nickte seinem Professor hastig zu. Dieser lächelte für einen Moment erleichtert, klopfte seinem Schüler auf die Schulter und mit einem „Viel Glück", nahm er wieder aktiv am Kampfgeschehen teil. Harry sah sich suchend und möglichst gedeckt nach seinen Freunden um und bedeutete ihnen, ihm vorsichtig zu folgen. Dann erreichten sie einem kleinen Fleck, wo man sich ungesehen konzentrieren konnte und mit einem letzten Blick auf Professor Styls, den kämpfenden Auroren und auch Damion, der nun scheinbar rasend vor Wut alles mit seinem Boomrang bekämpfte, was ihm im Weg stand, konzentrierte sich Harry zusammen mit Ron darauf, direkt zur Apparationsgrenze von Hogwarts, zu apparieren. Dort angekommen traf ihn aber völlig unvorbereitet etwas am Bein und mit einem Schmerzensschrei ging er zu Boden.