So, Kapitel 36. Erinnert ihr euch noch, dass ich vor einigen (okay, viiiiiiiiiiiiielen) Kapiteln mal gesagt hatte, dass ich nicht weiß, wie ich mit der Zeit hinkomme beim schreiben, es aber unfair gegenüber euch ist, wenn ich nicht mehr fertig werde und deswegen die FF verkürzen könnte? Ich hab mir mal neulich noch mal die Reviews hier so durchgelesen und wäre fast vom Stuhl gefallen als mir auffiel, dass ich zwei große Pausen hatte. Ich dachte, ich hätte nur eine lange Pause nach Kapitel 6 eingelegt, aber ich hatte ja vorher schon eine Pause. Da ist es echt ein Wunder, dass ihr die FF jetzt noch lest und ihr eine weitere Chance gegeben hattet. Ich glaub, ich hätte den Autor verflucht und in Gedanken ein Ei an den Kopf geschmissen.

Okay, ich schweife ab ^^ Ich wollte eigentlich auch nur darauf hinweisen, dass dieses Kapitel eines der ist, wo man glaub ich dem Autor wieder ein Ei an den Kopf werfen möchte, weil es sehr ihr wisst schon was ist. Es gibt ja Momente, wo man sich als Leser dann sagt, okay, jetzt ist der Autor durchgedreht und zu weit gegangen. Das ist nicht mehr der Charakter, den man kennt und dann ist es zumindest bei mir so, dass ich abschalte und nicht mehr hingugge.

Ich hab euch ja mal gesagt, dass ich die FF auch verkürzen kann und das ist hier so ein Kapitel, nachdem ich zum Ende hätte hinspringen können, um die FF zu verkürzen und der Black Heart Saga ein Ende zu geben. Also wenn ihr wollt ^^ +mich klein mach und verkrümel+

Reviews:

anonym: Hallöchen =)

Dumbledore hatte etwas damit zu tun, das stimmt. Ich hoff mal, dass in diesem Kapitel nun das wesentliche erklärt wurde. Ich bin mir nicht sicher, ob, weil ich glaub ich meine eigene Sprachlosigkeit ein wenig auf meine Charaktere übertrage Öö. Ich hoffe mal, dass dieses Kapitel nach einem wie das letzte nicht all zu krank rüberkommt. Thanks fürs Review =)

Liebe Grüßle

Mannequin: Hallouuu =)

Wie alt sind deine Großeltern eigentlich? +neugierig bin+ Und war Feier schön?

Hm... Ich weiß nicht. Das Problem ist, Ginny in den Filmen ist wirklich blass und hat irgendwie keine Chemie mit Harry. Sie ist bei weitem nicht so hübsch wie Hermine. Ginny in den Büchern dagegen, wird immer viel hübscher und beliebter als Hermine beschrieben, weswegen ich schon finde, dass sie in den Büchern durchaus zu Harry passt. In den Filmen jedoch stimmt die Chemie eher zwischen Harry und Hermine. Tja... so wandelt sich der Film vom Buch ab. In den Büchern hätte man aus Ginny zwar in der Tat auch mehr machen können, aber ich denk, es ist hart einen Charakter „mehr" scheinen zu lassen als den, den man mehr mag. Ich glaub nämlich schon, dass Rowling irgendwie eine sehr enge Bindung zu Hermine aufgebaut hatte und Ginny eher in den Hintergrund rückte. So tu ich mich zum Beispiel auch schwer über Peter zu schreiben und Remus rückt auch oft in den Hintergrund, da ich viel lieber über James schreibe. Selbst Sirius hat da manchmal damit zu kämpfen, weil ich in BtF ja fast ausschließlich James in den Vordergrund schob.

+g+ Ich mag eure Vermutungen und irgendwie komm ich mir dann doch immer etwas blöd vor, wenn ich es so trivial auflöse wie dieses Mal wieder.

Yup, hat er. Voldemort hatte ja eigentlich geplant, dass James eines seiner engeren Diener wird. Vll. Werde ich diese eine Szene zwischen den beiden sogar noch schreiben, die an dem Tag passiert ist, bevor sie den Freunden im Wald begegnet sind, aber da bin ich mir noch nicht sicher. Ist mir auch erst gerade eingefallen, dass ich das schreiben könnte, statt es für gegeben zu sehen.

Und zu James Verfassung, denk ich, wird dieses Kapitel hier mehr liefern. Ich werd mal weniger dazu sagen, weil sich vieles beim lesen erledigen wird, aber eins kann ich dir versprechen. Dies ist eines der Kapitel, wovor ich Angst hatte es zu schreiben, aber es hängt halt mit dem letzten zusammen. Ich hab mir die Option offen gehalten Chains of Xerchia zu verkürzen, falls ihr nun alle das große Kotzen kriegt ^^

Thanks fürs liebe Review =)

Liebe Grüßle


Chapter 36 – Dive for the sparkle of light I

Lilli's Behandlung hatte bei weitem nicht so lange gedauert, wie die von James. Die Freunde hatten im Flur auf Nachricht der Zustände ihrer beiden Freunde gewartet, obgleich es spät in der Nacht war. Diana lag erschöpft in Remus Armen und war irgendwann vor Müdigkeit eingeschlafen. Auch Peter lag schlafend auf zusammengerückten Stühlen neben dem Pärchen. Remus, Sirius und Anna dagegen blieben wach, wenn sie auch kein Wort miteinander gewechselt hatten. Zu besorgt waren sie gewesen, als dass sie in ihr übliches Witzeln hätten zurückfallen können. Lilli war von Stradford aus der Behandlung entlassen worden und statt sich in einem Zimmer auszuruhen, hatte sie sich zu den Freunden in den Flur begeben und sich zu ihnen dazugesetzt. Nach wie vor hatte sie Anna entgeistert angesehen, welche durchaus wusste, woher diese Reaktion rührte und lächelte daher ein wenig süffisant.

„Harte Nacht," kommentierte sie leise. Lilli schüttelte langsam und fassungslos den Kopf.

„Anna... wie konntest du überleben? Der Fluch... Ich hab gesehen, wie er dich erwischt hat."

„Jiah, dasselbe hatten die beiden Jungs auch gemeint," sagte sie mit Seitenblick auf Remus und Sirius. „Ich glaub in gewisser Weise dachte ich sogar selbst getroffen worden zu sein und gerade zu sterben."

„Aber?" fragte sie nun drängend. Ihre Freundin blickte ein wenig melancholisch auf den Boden, bevor sie sich ihr wieder zuwandte und nun gar ein wenig peinlich berührt zu sein schien.

„Dumbledore. Er war da," antwortete Anna sanft. „Bevor mich der Todesfluch treffen konnte, traf mich sein Fluch und warf mich über den Rand die Schlucht hinab und das war eindeutig haarscharf. Wie gesagt, ich hab den Todesfluch gesehen und war mir sicher, dass dies das Ende ist. Das nächste was ich sah war der Himmel über mir, spürte den Sog eines Portschlüssels und fand mich in einem anderen Waldgebiet wieder."

„Und woher weißt du, dass es Dumbledore war?"

„Ich fiel hart aus dem Portschlüssel wieder heraus und konnte mich ne ganze Weile lang nicht vom Fleck rühren, so stumpf fühlte sich mein Körper an. Dumbledore kam nach einer Weile und hat mich aufgestützt und mir alles erzählt. Er wäre beim Kampf dabei gewesen und hätte dich und James aber aus den Augen verloren."

„Aber ich hab ihn gar nicht gesehen?"

„Das hat keiner, Lil," sagte Sirius.

„Dumbledore kann sich unsichtbar machen," erklärte Anna leise. Etwas schuldbewusstes zeichnete das sonst so starke Gesicht, dass Lilli nun doch verwirrte. „Er hat sich mit Absicht nicht gezeigt, weil Voldemort sonst womöglich mit James sofort wieder verschwunden wäre und wir wollten ihn schließlich zu uns zurückholen. Er sagte, er hätte aber gesehen, dass James mich in die Enge treiben wollte und sah keinen anderen Ausweg als mich so zu retten."

„Er ist... unglaublich," sagte Lilli nachdenklich und erleichtert, aber ihre Freundin schien diese Auffassung nicht zu teilen. „Anna, alles okay? Du wirkst so merkwürdig."

Sie schüttelte den Kopf und zum ersten Mal überhaupt sah man ihr die Gefühle, die sie empfand auch in dem Maße an. Sie war verwirrt und etwas belastete ihr Herz, was sie unbedingt jemanden mitteilen wollte, aber offenbar war dies nicht Lilli gewesen.

„Wäre er nicht gewesen, ich wäre jetzt tot, James wäre für immer ein Todesser geworden und Voldemort hätte gewonnen... Ich hab ihm Unrecht getan..." murmelte Anna leise.

„Was ist überhaupt zwischen euch passiert? Habt ihr euch gestritten?" fragte sie vorsichtig, wohl wissend, dass die junge Hexe normalerweise nicht über ihre Beziehung zu ihrem Urgroßvater sprach. Selbst wenn man fragte, bekam man nicht immer eine Antwort sondern rügendes Schweigen, aber dieses Mal war es anders. Es kam keine Antwort, aber es kam auch kein rügendes Schweigen. Anna seufzte betreten auf und signalisierte, dass sie dies mit Dumbleodre alleine klären würde.

Stradford war einen Augenblick später zu ihnen herausgeschritten, um sie über die Behandlung informieren. Normalerweise sah man Heilern an, wenn sie gute oder schlechte Nachrichten hatten aber Stradford hatte einen merkwürdigen Ausdruck, als sie ihnen mitteilte, dass die Operation entsprechend gut verlaufen war und dass James den Tag aber wohl durchschlafen und am nächsten Morgen erst aufwachen würde. Sie sollten alle nach Hause gehen. Sie verabschiedete sich dann mit einem Lächeln und ging weg. Anna aber hatte es sich nicht nehmen lassen ihre Empathie anzuwenden und was sie spürte und in den Gedanken der Heilerin las erschreckte sie. Ihr Ausdruck war keinem der Freunde entgangen. Peter und Diana waren durch die Worte der Heilerin wach geworden und standen wie auch die anderen auf ihren Beinen mitten im Flur in der Erwartung etwas von der Freundin zu hören.

„Stradford hat Recht," sagte sie schließlich und versteckte ihre Sorgen hinter einer Maske der Zuversicht. „Ihr solltet nach Hause gehen und euch ausruhen. Ist nicht gut, wenn wir hier alle den Flur besetzen."

„Okay," sagte Peter. „Dann sehen wir uns morgen."

Er sah Remus und Sirius erwartungsvoll an und erwartete offenbar, dass auch sie ihm folgen würden. Remus nickte.

„Okay... ," sagte er erschöpft. „Aber... sollte nicht jemand hier bleiben? Das St. Mungo ist ein öffentliches Krankenhaus und für jeden zugänglich. Nicht, dass ich annehme, dass Voldemort hier auftaucht, aber für den Fall der Fälle?"

„Ich bleibe," sagten Lilli, Anna und Sirius gleichzeitig, woraufhin Remus sanft lächelte. Er wäre am liebsten auch geblieben, aber Diana war am Ende ihrer Kräfte und er wusste, dass wenn er hier blieb sie es auch tun würde.

Remus, Diana und Peter verabschiedeten sich von den drei Freunden und verließen das Krankenhaus. Sie waren kaum um die Ecke gebogen, da wandten sich Sirius und Lilli gleichzeitig an Anna.

„Was ist hier los?" schoss es von Sirius heraus.

„Etwas stimmt nicht, nicht wahr?" drängte Lilli besorgt.

Sie nickte langsam und blickte finster zu beiden zurück.

„Er ist nicht mehr hier im St. Mungo," antwortete sie Stirn runzelnd, woraufhin Lilli und Sirius einander misstrauisch ansahen. Was hatte das zu bedeuten?


Matte, finstere, haselnussbraune Augen blickten hinter der Brille verloren in die Ferne. James stand am Fenster seines Zimmers und hatte sich in die Leere vertieft. Eine Hand hielt seinen verbundenen Bauch, das durch das offene Hemd zu erkennen war. Er stand barfuß auf dem Holzboden, sein Umhang und seine Stiefeln lagen weiter weg auf einem Sessel. Der Raum war fast vollständig von Dunkelheit eingehüllt, hätte nicht der Mond ein wenig Licht hinein geworfen.

„Deine Freunde werden sich Sorgen machen," sagte Dumbledore leise. Er saß auf einem weiteren Sessel im Raum, seine Hände lagen auf den Lehnen und er beobachtete den jungen Zauberer vor sich mit tiefer Sorge. Als James sprach hatte er sich nicht umgedreht, seine Stimme war ruhig und gefasst.

„Wusstest du, dass Lilli schwanger ist?"

„Ich wusste es," kam die sanfte Antwort. James nahm einen tiefen, wenn auch schweren Atemzug und schloss für einen Moment seine Augen. Er wusste nicht, was er wirklich fühlte. Als er beinahe gestorben wäre, da schien er genau zu wissen, was in ihm vorging. Schuld, weil er Lilli mit dem gemeinsamen Baby alleine ließ, Reue, weil er Sirius, Remus und Peter im Stich ließ im Kampf gegen Voldemort und Zufriedenheit, weil er seine gerechte Strafe bekam für all seine Taten, weil er geglaubt hatte seine beste Freundin getötet zu haben. Nun war er am Leben, war aufs Neue dem Tod entkommen und James wusste einfach nicht, was er fühlte oder was in ihm vorging. Es war ein Wirrwarr aus gegensätzlichen Gefühlen. Er wollte Lilli bei sich haben und gleichzeitig ertrug er es nicht sie zu sehen. Er wollte mit seinen Freunden sprechen und gleichzeitig stieß er ihre Nähe ab. Er wollte sich an Voldemort rächen für das was er getan hatte und gleichzeitig wollte etwas in ihm drin dem dunklen Lord folgen und dienen. Er wollte leben... und gleichzeitig wünschte er, er wäre gestorben.

Es war der Schulleiter, der ihn mit seinen Worten schließlich aus diesem Chaos herauszerrte.

„Das erste Mal, dass wir von Black Heart hörten, war kurz nach deiner Geburt. Ich hatte mich bis dahin noch nie damit beschäftigt, obgleich ich davon im Bezug auf Gryffindor's Magie gehört hatte. Wir bekamen rein zufällig mit, dass Voldemort sich darauf konzentrierte und wir versuchten uns über das uns bis dahin fremde zu informieren. Wie du jedoch sicherlich mitbekommen hast, ist Black Heart nicht gerade etwas, worüber man ausführlich in Lehrbüchern schreibt.

Nach etlichen Mühen fanden wir schließlich heraus, dass es der Schlüssel zu Gryffindor's Magie war. Dein Vater war derjenige, der eine Hexe fand, die sich damit auseinandergesetzt hatte. Leider blieb unsere Suche nicht unbemerkt. Die Hexe wurde getötet noch bevor wir das wesentliche erfahren konnten. Was wir jedoch verstanden war, dass es das Black Heart schwer haben wird, auf dieser Welt, wo Voldemort hinter dieser armen Seele her sein würde. Wir wollten Vorkehrungen zu seinem oder ihrem Schutz treffen... Leider kann man sich Lord Voldemort nicht ungestraft widersetzen."

„Ja, ich weiß," sagte James frustriert. Er war es leid sich zu wehren. Jedes Mal, wenn sie versuchten seine Pläne zunichte zu machen, Unschuldige zu beschützen oder sich gegen ihn zu wehren, schlug er noch härter und schrecklicher zurück. Es war als ob er damit zeigen wollte, dass man das Monster nicht zu reizen hatte, wenn man wenigstens eines schnellen Todes sterben wollte anstatt langsam und qualvoll von ihm Stück für Stück grauenvoll zerstört zu werden.

Dumbledore schüttelte traurig seinen Kopf hinter James Rücken, wissend, was in dem jungen Zauberer gerade vor sich ging und verstehend, dass er nichts für ihn tun konnte. Er war an einem Punkt in seinem Leben, an dem er selber nicht mehr fähig war, ihm Beistand leisten zu können.

„Sie sind auf dem Weg hier her," sagte der ältere Zauberer nach einer Weile und war vom Sessel aufgestanden. James hörte seine Schritte, die sich ihm näherten, doch er drehte sich nicht um in der Hoffnung, dass Dumbledore einen Blick nicht erzwingen würde und das tat sein Freund auch nicht. Er kam hinter ihm zum Halt und legte sanft die Hand auf seine Schulter. James wünschte sich, dass diese Geste ihm Mut gegeben hätte, aber stattdessen fühlte es sich an, als ob man ihm eine weitere Last auferlegte.

„Ich möchte dir an dieser Stelle einen Weg hinaus geben," sagte er einfühlsam und zugleich bestimmend. „Wenn du dich dazu entscheidest, wird Voldemort sich nie wieder in dein Leben einmischen..."

James schloss schweren Herzens seine Augen. Er kannte seinen Freund mittlerweile gut genug, um zu wissen, dass dies nicht alles war und er brauchte nicht seine Worte, um zu wissen, was kam.

„Aber genau so wenig werde ich Lilli, Sirius und die anderen wiedersehen..." beendete er den Satz für ihn. Er brauchte Dumbledore nicht anzusehen, um sein Schweigen deuten zu können.

„Lilli wäre zudem in Sicherheit...,nicht wahr? Voldemort hätte keinen Grund sie zu jagen aufgrund seines Versprechens und sie und das Baby wären in Sicherheit..."

„Komme zu mir, wenn du dich entschieden hast."

Und nur einen Augenblick später war Dumbledore hinausgeschritten und James war wieder alleine. Er fühlte sich elend, denn er wusste, wie feige es war, diese Möglichkeit tatsächlich in Betracht zu ziehen, aber sie war zu verlockend, als dass er nicht darüber hätte nachdenken können.


Lilli, Sirius und Anna waren gerade in das Potter Haus eingetreten als sie Dumbledore bereits am Fuß der Treppe stehen sahen und den Weg in das obere Stockwerk damit verbarrikadierte. Es lag auf der Hand, dass der einzige Grund für seine Anwesenheit James' Aufenthalt in seinem Zimmer gewesen war.

„Bevor ihr etwas tut, möchte ich, dass ihr mich einen Moment lang anhört," begann er streng und ließ damit auch keine Wiederworte zu. „James muss mit dieser Situation aus eigener Kraft herausfinden. Ihr dürft ihn unterstützen, aber die Entscheidungen muss er selber fällen. Wenn ihr euch nicht daran haltet, dann kann dies sehr schwerwiegende Folgen für sein Leben nach sich ziehen."

Er hatte nicht gefragt, ob sie es verstanden, doch sein auffordernder Blick war genug, damit sie nickten. Erst dann schritt er von der Treppe zur Seite, so dass Lilli und Sirius durchgehen konnten. Anna war bei Dumbledore stehen geblieben, was die beiden auch erst bemerkt hatten, als sie bereits einige Stufen hinaufgeschritten waren. Verwirrt blieben sie stehen und warfen der Freundin einen besorgten Blick zu.

„Geht schon mal vor, ja? Ich komme gleich nach," sagte sie behutsam. Die beiden hatten sich kurz fragend angesehen, waren dann jedoch weitergegangen, um Urgroßvater und Urenkelin die Möglichkeit zur Aussprache zu geben. Anna hatte einen Moment gewartet, so dass ihre Freunde außer Hörweite waren, um sich ihrem Gegenüber zuzuwenden. Er hatte weder begonnen zu sprechen, noch eine Geste in ihre Richtung getan, dass er auf etwas Bestimmtes warten würde. Dumbledore war einfach nur stehen geblieben und hatte sie ausdruckslos hinter seiner Halbmondbrille beobachtet.

Sie hatte den Mund geöffnet und sofort wieder geschlossen. Die Wahrheit war, dass ihr die richtigen Worte fehlten und sie die falschen nicht einfach so rauslassen wollte. Ihr Herz blutete anhand der vielen Gefühle, die sie zur selben Zeit auf einmal empfinden konnte.

„Danke," flüsterte sie schließlich gefühlvoll und fuchtelte ein wenig nervös mit ihren Fingern herum. Dumbledore hatte endlich gelächelt und sie mit denselben vertrauten und fürsorglichen Augen angesehen, die sie von ihm immer gekannt hatte, seitdem sie ihn in Hogwarts traf.

„Ich werde immer da sein, wenn du mich brauchst," wiederholte er bestimmend, bevor er sie liebevoll mit seiner Hand am Arm getätschelt hatte und vorbei schritt.

„Weiß Stone schon, dass James in Sicherheit ist?" fragte sie noch bevor er in den Kamin steigen konnte. Dumbledore atmete schwer ein, bevor er sich erneut zu ihr umdrehte und mit traurigen Blick den Kopf schüttelte.

„Marcel Stone ist tot."

„Was?" Fassungslos war sie plötzlich auf den Stufen der Treppe hinabgesunken und hatte hastig einen Punkt gesucht, den sie hätte anstarren können, um sich zu beruhigen. Dumbledore war daraufhin zu ihr zurückgeschritten und hatte sich neben sie auf die Treppe niedergesetzt.

„Was ist passiert?" krächzte sie verstört.

„Wir haben keinen Leichnam, aber wir haben denjenigen, der sich als Stone ausgegeben hat. Vielsafttrank. Es ist sicher, dass Stone tot ist. Sie haben ihn abgepasst, als er aus dem Wald zurück kam und euch die Suche nach James überließ."

Anna nickte verstehend, wenn auch nach wie vor betroffen. Sie wusste, wie eng James seinen Paten stand und nach Jaivenko einen weiteren Menschen zu verlieren, der ihm so viel bedeutete und das ausgerechnet jetzt, wo es ihm ohnehin nicht gut ging, das musste sich anfühlen wie der Stoß über die Klippe.

„Weiß James davon?"

„Ich habe es ihm mitgeteilt."

Anna wusste nicht wieso es ihr eigenes Herz so sehr berührte, wo sie mit Stone nicht wirklich viel zu tun hatte und dann fielen ihr wieder die harten Worte ein, die er ihr bei ihrer Abreise an den Kopf geworfen hatte und welche sie genau so sehr getroffen hatten. Marcel Stone war wichtig für die Potter Familie gewesen und die Potter Familie war ihr wichtig gewesen. Es war wohl nur ein kleines Trostpflaster, dass dies ebenfalls bedeutete, dass die Schuldzuweisungen nicht von jemandem kamen, der den Potters nahe stand, sondern einem Todesser, der absolut nichts mit ihnen zu tun hatte.

„Das ist nicht fair," sagte sie deprimiert. „James verliert jeden der ihm nahe steht. Jetzt auch noch beide Paten... Das ist... einfach nicht fair."

Dumbledore tätschelte ihr tröstend die Schulter und sah sie stärkend an. Er hatte diese Aura an sich, die einem Kraft gab, wenn er bei einem war. Für sie war Dumbledore jedoch in den letzten Jahren mehr geworden, als jemand, der die Welt beschützen konnte, wenn er da war. Noch fand sie keine Worte, um diesen Zustand zu beschreiben, vielleicht würde sie es eines Tages aussprechen können.

„Der Tod gehört zum Leben dazu," sagte er mild. „Solange ihr ihn nicht als euren Feind anseht, ist er nichts, wovor ihr euch fürchten müsstet, noch etwas, was euch Leid zufügen wird. Ich werde noch ein wenig in London bleiben. Solltest du mich suchen, weißt du wo du mich findest. Das Haus ist geschützt vor Eindringlingen. Ihr seid sicher so lang ihr euch hier aufhaltet. Maria wird bald von ihrem Auftrag wieder zurückkehren. Bis dahin werde ich mich in eurer Nähe aufhalten."

Die beiden sahen einander freundlich an, bevor er schließlich das Haus verließ. Anna hatte traurig eingeatmet. Es waren nicht mehr Worte nötig gewesen, um zu wissen, was er dachte und fühlte. Sie wusste nicht, ob er dies nun mit Absicht tat oder sie stärker in ihrer Empathie wurde, aber Dumbledore's Gefühle wurden für sie immer klarer und verständlicher mit der Zeit. Sie fühlte sich nun noch schlechter sich ihm gegenüber so benommen und an seinen Absichten gezweifelt zu haben, wo sie nun genau mitbekam, was er bereit war, für James und sie zu tun. Sie wusste nach wie vor nicht, wie sie damit umgehen sollte, dass er ihr Erinnerungen entnommen hatte, aber dafür war sie sich nun sicher, dass er das nur tat, weil er keine andere Wahl hatte.


Als Anna oben bei James Zimmer ankam, sah sie Sirius und Lilli am Boden gegenüber der Tür sitzen. Sie wirkten beide verloren ohne wirklich zu wissen was sie tun konnten oder sollten, also setzte sie sich im Schneidersitz zwischen ihnen und der Tür hinab.

„Traut sich keiner rein, hm?"

Beide nickten niedergeschlagen. Hätte Dumbledore sie vorher nicht aufgehalten und ihnen erklärt, was auf dem Spiel stand, wären sie vielleicht einfach so rein gegangen, um ihrem Freund beizustehen, aber nun lag die Situation anders. Ein falsches Wort könnte dafür verantwortlich sein, dass er sich sein Leben ruinierte. Wie sollten sie damit umgehen?

„Draußen bleiben und nichts tun ist nicht besser," sagte Anna verständnisvoll. „Dumbledore meinte damit, dass wir James mit Rat und Tat zur Seite stehen können, aber wenn er fragt, was er tun soll, darf ihm das keiner von uns sagen. Er muss alleine wissen, was er tun soll oder er wird nicht mehr mit sich selbst leben können. Letztes Jahr konnte er sich nicht daran erinnern, was er als Todesser getan hatte. Dieses Mal schon und aus der Sicht von jemanden, der das selbst durchlebt hat, kann ich euch sagen, dass es nicht leicht ist, damit fertig zu werden. Er weiß nun, was noch in ihm steckt, obwohl er dies nie für möglich gehalten hatte und ich denk, er befürchtet, dass diese Seite stärker ist als die andere. Was wir tun können und sollten ist ihm zu helfen herauszufinden wer er wirklich ist."

Sirius und Lilli schienen beide gleich verunsichert zu sein und auch dieselbe Frage zu haben, die sie nicht stellen wollten, aber Anna wusste sie auch schon vorher. War es doch dasselbe, womit sie selber lange Zeit zu kämpfen hatte.

„Und wenn es die andere Seite ist, die überwiegt, müssen wir damit klar kommen, so wie James es tun muss. Wir können ihn nicht zu etwas zwingen und er sollte es auch nicht. Wir müssen einfach... Vertrauen haben, dass er sich für uns entscheidet."

Es gab eine Zeit, da hätte Sirius ohne zu zögern jeden angefaucht, der auch nur daran gezweifelt hätte, dass sich sein bester Freund für seine Freunde entscheidet, aber so dunkel wie die Zeiten nun wurden, fand auch er sich an einem Ort wieder, den er nicht wiedererkannte.

„Nur damit ihr es wisst... Ich hab gerade von Dumbledore erfahren, dass Marcel Stone tot ist. Er traf auf dem Rückweg aus dem Wald heraus wohl auf Todesser und hat es nicht überlebt. Den Stone, den wir danach trafen, dass war ein Todesser, der sich als ihn ausgab."

Sirius war total schockiert und auch Lilli konnte nur noch fassungslos den Kopf schütteln.

„Weiß James davon?" fragte sie besorgt und Anna nickte bedrückt.

„Dumbledore hat es ihm erzählt..."

Da Anna sah wie unsicher und irritiert Sirius mittlerweile wirkte, beschloss sie, dass es keinen Sinn machte zu einem labilen Freund einen noch labileren Freund zu schicken.

„Lil, vielleicht solltest du als Erste reingehen? Immerhin konntest du ihn auch aus diesem Zustand reißen."

„Ich hab ihm ein Dolch in die Brust gestochen," sagte sie verzweifelt. „Ich weiß nicht, ob er mich jetzt wirklich sehen will."

„Ich bin mir sicher, dass du die Einzige bist, die er jetzt sehen möchte."

Lilli sah sie nach wie vor verunsichert und niedergeschlagen an, aber das zuversichtliche Leuchten in den dunklen Augen ihrer besten Freundin gab ihr etwas Kraft.

„Was, wenn ich das Falsche sage?" fragte sie unsicher. Anna schüttelte mit optimistischem Blick den Kopf.

„Glaub mir, Lil. Im Bezug auf James gibt es absolut nichts, was du falsch machen könntest. Du bist diejenige, die ihn beeinflussen kann. Das hat James entschieden. Er hat dich gewählt. Der Dolch hätte ihn sonst mit dem Herausziehen getötet, wenn er nicht noch etwas Gutes in ich getragen hätte. Dumbledore hatte den Dolch so präpariert, dass so lange etwas Licht in dem Zauberer ist, das Gift nicht tödlich ist. Was immer du auch zu ihm gesagt hast, er hatte das Gute in sich wiederentdeckt noch bevor du den Dolch wieder rausgezogen hattest."

Lilli nickte verstehend, bevor sie schließlich aufstand und vorsichtig an die Zimmertür klopfte. Es kam keine Aufforderung hereinzutreten, doch sie tat es dennoch, öffnete die Tür, trat hinein und schloss sie hinter sich wieder. Sie erhaschte James Gestalt im Schatten am Fenster und erneut ließ sich ein schwerer Felsen auf ihr Herz nieder. Sie wollte ihn auf keinen Fall verlieren und die bestehende Angst erschwerte ihr zu atmen.


Lilli war an der Tür auf Abstand stehen geblieben, um James nicht einzuengen oder ihn zu überrumpeln. Sie konnte in der Tat nach wie vor seine Magie spüren, sie war kalt und dunkel und es erschreckte die junge Hexe.

„Hi," sagte sie sanft. James atmete einmal tief ein und wieder aus, bevor er seinen Kopf vom Fenster wegdrehte und nun seitlich auf den Boden blickte.

„Hi..." sagte er im selben Ton. Er schluckte hart, bevor er sich umdrehte und sie endlich ansah. Seine Augen hatten ihre Trübheit nicht verloren und der Glanz war nach wie vor schwach und kaum erkennbar. Stände er nicht im Schein des Mondes, ihr wäre das vielleicht gar nicht aufgefallen, aber nun zerrte es an ihrem Herzen. Sie überwand den kleinen Abstand zwischen ihnen bis sie nah genug bei ihm stand, um seine Hand mit ihrer berühren zu können. Es war eine Sekunde, die sie zögerte, doch nachdem sie ihn berührt hatte, drückte sie fest zu und schwor sich ihn nie wieder loszulassen. Die Wahrheit war, dass in dem Moment, in dem sie seine Hand berührte, genau das fühlte, was sie die ganzen letzten 2 Jahre gefühlt hatte seitdem sie ein Paar wurden. Intensive Liebe, angenehm, unglaubliche Wärme und eine starke Zugehörigkeit. Sie riss sich zusammen, wissend, dass wenn sie jetzt nicht die richtigen Worte fand, sie ihn verlieren würde und so fixierte sie ihren Blick tief in seinen Augen. Es war ein Versuch ihn mit ihrem Licht zu stützen und zu leiten.

„Ich liebe dich," hauchte sie zärtlich. „Bitte, lass mich dir helfen."

Einen Moment lang schienen die haselnussbraunen Augen sie nicht zu verstehen, hatten sie einfach nur angesehen, als ob die Worte gar nicht angekommen wären. Die Angst, die sie für diesen winzigen Moment einnahm, dass sie ihn gleich verlieren würde, wurde von etwas anderem in ihr drin verdrängt und weggesperrt. Entschlossen sah sie ihn weiter an und festigte ihren Griff an seiner Hand.

„Lass uns den Weg zusammen gehen," flüsterte sie weich. Mit ihrer anderen Hand fuhr sie an seine Wange und berührte sie zuerst nur mit ihren Fingerkuppen bevor sie mit ihrer gesamten Handfläche seine Haut erfasste. Sie näherte sich mit ihren Lippen seinen, hoffend, dass er nicht zurückziehen würde und er tat es nicht. Sie fühlte seinen vertrauten Atem und presste ihre Lippen leidenschaftlich auf seine.


„Was denkst du?" fragte Sirius. Er und Anna saßen gegenüber der Tür in James Zimmer auf dem Boden an der Wand gelehnt und hatten ein wenig verloren ins Leere geblickt nachdem Lilli hinein gegangen war. „Schafft sie's?"

„Klar," kam die schnelle Antwort, obgleich sie sich ihm nach wie vor nicht zugewandt hatte. Sirius schüttelte den Kopf und tat das, was er am besten konnte, wenn es um seine Freundin ging. Er war aufgestanden, hatte sich über sie aufgebaut, seine Hände in ihre geschlungen und mit einem kräftigen Ruck auf die Beine gezogen. Noch bevor Anna ein Wort von sich geben konnte hatte er sie mit seinem ganzen Körper an die Wand gedrückt und war mit ihr stürmisch in einen langen, leidenschaftlichen Kuss versunken. Als er seine Lippen von ihr wieder löste, musste sie einmal tief einatmen, um sich zu beruhigen. Ihr Innerstes war aufgewühlt und alles in ihr drin kochte vor Hitze.

So gefühlvoll und sanft funkelten diese dunklen Augen sie an und sie lösten erneut dieses Kribbeln in ihrem Magen aus, was sich anfühlte wie ein Feuerwerk.

„'s Leben ist zu kurz und ich will keine Sekunde ohne dich sein. Es ist nicht aus, okay?!" sagte Sirius und hatte sie bestimmend und gleichzeitig absolut warm angesehen. Das war somit keine Frage, sondern ein klares Statement und sie konnte nicht anders als zu lächeln.

„Es ist nicht aus," stimmte sie amüsiert zu und nun war es sie, die ihn küsste und zwar genau so stürmisch, lang und leidenschaftlich.

„Ich hab Angst," flüsterte Sirius. „Prongs, Lil und du... Ich brauch euch... Ich hatte noch nie so viel Schiss wie heute Abend euch drei zu verlieren. Ich könnte niemals mit dir Schluss machen und solange ich es verhindern kann, werde ich nicht zulassen, dass du mit mir Schluss machst."

Sie glaubte nicht, dass er wusste, wie sehr sie diese Worte von ihm brauchte und hörten wollte. Obwohl es für ihre Gefühle nach wie vor keine Worte gab, glaubte sie, dass Sirius sie verstand, weil er sie immer verstand.

„Darf ich... die rote Karte ziehen?" flüsterte sie sensibel zurück. Sirius nickte und lächelte sanft.

„Klar..."

Und so sanken beide zurück auf den Boden, wo er sich wieder an die Wand lehnte und Anna ihren Kopf auf seine Schulter legte. Eine Weile lang starrte sie die weiße Wand vor sich an und vertiefte sich in ihre Gedanken.

„Was soll ich nur tun, Sirius? Die Königin der Phowlyris wird bald sterben und wenn ich sie nicht rechtzeitig finde... Es ist meine Schuld, dass sie überhaupt in die Fänge von Shanoba geraten ist. James wird vielleicht nicht wieder werden.. wenn wir ihn verlieren, dann hat dies alles keine... Unser Kampf... er steht und fällt mit Gryffindor's Magie... Ich hab Angst... Meine Eltern... Ich kann ihnen einfach nicht entkommen..."

Er hatte sie fester zu sich herangezogen und ihr einen sanften Kuss auf ihren Kopf gegeben, bevor er Mut machend in ihre gefühlvollen Augen hinabblickte.

„Was kommen wird, wird kommen. Hauptsache wir sind nicht alleine," sagte er innig und Anna lächelte ihn an. Wie er dieses Mädchen doch liebte. Er hatte lange gebraucht, um zu erkennen, was sie ihm wirklich bedeutete, doch nachdem er es verstand, da war er sich einer Sache sicher. Er würde alles tun, um sie zu halten. Irgendwann, wenn die Zeit gekommen war, würde er sie um ihre Hand bitten und vielleicht würden sie in der Tat dann ihre kleine Familie gründen...


James und Lilli saßen nebeneinander auf James Bett an der Wand. Ihre linke Hand hielt nach wie vor seine rechte, doch gesagt hatte er nichts, nachdem sie sich von ihrem Kuss gelöst hatten und sie ihn mit sich zum Bett rüberzog, damit sie sich hinsetzten konnten. Ihr Blick fiel auf seine verbundene Wunde und sie fuhr sehr vorsichtig mit ihrer freien Hand über seine Brust.

„Es tut mir Leid," flüsterte sie traurig. „Hätte ich gewusst, dass du... Ich hätte es nicht getan."

„Schon okay," antwortete er teilnahmslos. Es mag nicht kalt gemeint sein, aber es kam kalt bei ihr an. Lilli wollte am liebsten schreien, dass die Dunkelheit ihn gefälligst in Ruhe lassen und verschwinden soll, aber sie beherrschte sich. Sie würde dies richtig angehen und sie würde ihn aus Voldemort's Klauen befreien, die er über ihren Mann gelegt hatte. Lilli beschloss Geduld mit ihm zu haben und lehnte ihren Kopf auf seine Schulter. Eine Weile lang betrachtete sie seine Hand, welche er mit ihrer verhakt hatte und fragte sich, ob sie für immer so dasitzen konnten. Dann hätte sie ihn zumindest bei sich und wüsste, dass er sich in Sicherheit befand. Sie spürte dass er traurig und durcheinander war, aber zumindest hielten sie sich in einem vertrauten Haus auf. Es war wenigstens nicht mehr ein grausamer, einsamer Ort, an dem sie von einem Monster gejagt und gequält wurden.

„Lils?" flüsterte James nach längerer Zeit.

„Ja, mein Herz?" antwortete sie einfühlsam und begann ein wenig zu lächeln. Sie wusste nicht wieso sie das tat, denn so hatte sie ihn noch nie genannt. Es kam einfach so über sie. Es war ihr nicht entfallen, dass er sie ab und zu als seine Göttin bezeichnete und so fand sie es irgendwie angebracht, wenn sie sich ebenfalls etwas für ihn einfallen ließ. Sie bereute es im nächsten Moment, denn er war wieder still geworden.

„Sorry," fügte sie sofort hinzu und beugte sich auf, um ihn ansehen zu können. Es war ein fremder Blick, den er ihr zuwarf und wieder überkam sie die unerfreuliche Angst ihn jeden Moment für immer zu verlieren.

„Ich möchte dir nicht weh tun," sagte James leise und hatte seinen Kopf zur Seite gedreht. Er hätte sie dabei nicht ansehen können, denn ihre Gefühle hätten sich in ihren Augen widergespiegelt und das hätte er zu diesem Zeitpunkt einfach nicht ertragen können.

„Egal was es ist... sag es einfach..."

Diese Worte waren zuversichtlicher gesprochen als sie sich wirklich fühlte und Lilli hatte Angst vor dem, was gleich kommen könnte, aber die Angst ihn zu verlieren, wenn sie ihn nicht die Freiheit gab seine Gefühle preis zu geben, war größer. Sie wollte es nehmen, egal was es sein würde. Es würde sie nicht von ihm trennen. James schloss für einen Moment seine Augen und als er sie wieder öffnete, starrte er weiter die Leere vor sich an.

„Ich bin irgendwo auf dem Weg falsch abgebogen... und..." Er machte eine Pause und schluckte hart. „Nun finde ich nicht mehr zurück."

Lilli begann zu lächeln und war froh ihn gesprochen lassen zu haben, denn es war nicht das Schlimme, wovor sie sich gefürchtet hatte, weil es ihre Beziehung zerstören könnte. Es war etwas, womit sie tatsächlich umgehen und an das sie arbeiten konnte. Lilli zog seine Hand, die sie mit ihrer gehalten hatte, vom Bett rauf zu ihrer Brust und drückte sie mit ihrer anderen Hand an ihr Herz ran. James sah endlich zu ihr rüber und tief in die Augen der Frau, die er geheiratet hatte und die er stets aus tiefstem Herzen liebte. Was er fühlte war unendliche Liebe und Vertrautheit.

„Dann lass uns den Weg gemeinsam finden," sagte sie liebevoll. Der tiefe Glanz in diesen Smaragdgrünen Augen berührte sein Herz und ganz kurz spürte James das, was er in sich gesucht hatte und verloren geglaubt war. Obwohl es sehr schnell wieder verschwand, war es schön es noch mal gefühlt zu haben und sich daran zu erinnern, dass es noch etwas anderes gab als das dunkle und schmerzhafte Gefühl, was ihn bis dahin einnahm.

„Was, wenn ich nie wieder zurück zu dem Leben finde, was wir kennen?"

„Dann leben wir das neue Leben," antwortete sie entschlossen. „In guten wie in schlechten Zeiten, so dass nicht mal der Tod uns scheiden wird."

Natürlich lautete ihr Hochzeitsschwur anders, aber sie fand dies passender, um ihm zu zeigen, dass sie sich vor nichts mehr fürchtete, solange sie zusammen blieben und sie hätte ihm dies nicht besser zu verstehen geben können wie in diesem Moment. James hatte seine Lippen zu einem sehr wagen Lächeln verzogen. Irgendwie konnte er es wieder, wenn er in das bildhübsche Gesicht sah, dass ihn in jedem Moment, in dem er geglaubt hatte, die Welt würde um ihn herum zusammenbrechen, den Halt zurückgab.


Lilli glaubte zu wissen, was James nun helfen könnte oder wo er am besten aufgehoben war. Mit Sirius und Anna's Einverständnis hatte sie ihn schließlich auf den Friedhof gebracht, wo die Gräber seiner Familie standen. Die beiden Freunde standen ein wenig weiter weg von ihnen, um auf sie aufpassen zu können und ihnen dennoch genug Freiraum zu geben. James hatte auf dem Weg nicht wirklich mit den beiden gesprochen, daher hielten sie es für besser ihm auf den Friedhof nicht auch noch zu bedrängen, indem sie ständig in seiner Nähe herumlungerten.

Der Schnee war eisig gewesen, aber ihre dicken Umhänge wärmten sie genug, um die Kälte aushalten zu können. James stand am Grab seines Vaters ohne sein Blick von ihm genommen zu haben. Genau so fest hatte Lilli seine Hand festgehalten und war neben ihm stehen geblieben. Es war eine ähnliche Situation wie vor einem Jahr, als sie sich auf der Beerdigung befanden. Sie hatte rüber zum nebenan liegenden Grab von Harold Potter gesehen und ihr fielen die Worte ihrer Freundin wieder ein. Lilli wandte ihren Blick kurz zu ihren beiden Freunden rüber, die mit dem Rücken zu ihnen mitten auf der Wiese standen, und dann wieder zurück zu James, der nach wie vor starr in das Grab seines Vaters vertieft war. Sie atmete tief ein und entschloss sich ihm das nun mitzuteilen. Es hätte der denkbar schlechteste Moment sein können, aber Lilli glaubte, dass es für so etwas nie ein guten Zeitpunkt gab.

„James?" begann sie leise. Er hatte sich ihr langsam zugewandt und sie fragend angesehen. Seine Wangen waren mittlerweile von der Kälte gerötet und sie konnte nicht anders als ein wenig zu lächeln. Er sah so unglaublich süß aus, dass sie dem Verlangen ihn sofort zu küssen, kaum widerstehen konnte.

„Es gibt da etwas, dass du im Bezug auf deinen Großvater wissen solltest."

Er nickte als Zeichen, dass er bereit war zuzuhören und so erzählte sie ihm alles, was sie von Anna gehört hatte. James hatte sie kein einziges Mal unterbrochen, noch sein Ausdruck verändert und es war am Ende diese Gleichgültigkeit die ihr Panik machte. War es ihm wirklich egal gewesen oder konnte er seine Gefühle einfach nicht mehr zeigen? Was immer es auch war, die Vermutung lag nahe, dass dies Auswirkungen von Voldemort's Schatten waren, die er über James' Seele gelegt hatte.

Als Lilli die Erzählung abschloss, tat er eine Weile lang nichts, außer nachdenklich zurück zum Grab seines Vaters zu blicken. Einen Moment schoss ihr durch den Kopf, dass er ihr vielleicht gar nicht zugehört haben könnte, aber dann wandte er sich dem Grab seines Großvaters zu und schüttelte frustriert den Kopf.

„Er hat meine Großmutter getötet..." sagte er plötzlich. Sie wusste nicht, ob sie froh sein sollte, denn immerhin sprach er mit ihr und gab seine Gefühle zum Ausdruck. Es war nur, dass das was er ihr mitteilte, alles andere als schön war.

„Er hat es gesagt... Er ist Schuld am Tod von jedem in meiner Familie... Ich werde meine Mutter nicht beschützen können..."

„James," sagte Lilli und hatte seinen Arm mit ihrer freien Hand ergriffen. Sie wollte, dass er sie ansah, doch er hatte seinen Blick nicht vom Grab seines Großvaters abgewandt.

„Und ich habe dich in Gefahr gebracht..."

„Nein, das hast du nicht," sagte sie entschlossen. Wenn er sie doch nur ansehen würde, wenn er doch nur in ihre Augen blicken würde, dann würde er verstehen, dass dies nicht der Realität entsprach sondern nur Hirngespinste waren, die die Dunkelheit in ihm hervorrief. Sie spürte förmlich, wie sich alles ihm veränderte und hart zu kaltem Stein wurde und auch, dass sie es nicht aufhalten konnte, egal wie sehr sie auch gerade versuchte ihre Magie auf seine zu übertragen. Lilli wollte am liebsten ihre Freunde zur Hilfe rufen, denn das Gefühl, dass er ihr gerade entglitt weckte in ihr eine schreckliche Furcht. Sie tat es nicht, denn ihr war zur selben Zeit klar, dass wenn sie sie rief, sie ihn erst Recht für immer verlor. So schluckte Lilli einmal diese Angst hinunter und bezwang dieses nagende Gefühl.

„Ich liebe dich," sagte sie bestimmend. „Du hast mich nicht in Gefahr gebracht... Du hast mir mein Leben gerettet."

„..."

Fast erleichtert atmete sie auf, als er sich ihr endlich zuwandte und sie nun in die matten, dumpfen Augen sehen konnte, die so verzweifelt nach dem Licht suchten.

„Es gibt niemand, der mir das Gefühl geben konnte, leben zu wollen, so wie du es getan hast," sagte Lilli gefühlvoll und rutschte mit ihrer anderen Hand an seinem Arm hinab zu seiner Hand, so dass sie nun beide in ihren hielt und liebevoll drücken konnte.

„Lilli..." sagte James verwirrt und genau das gaben auch seine Augen wieder. Es war ersichtlich, dass er sich irgendwo auf einer Schwelle befand aber auch, dass sie ihn nach wie vor erreichen konnte und solange dies der Fall war, würde sie weiterhin versuchen zu ihm durchzukommen. Sie lächelte plötzlich traurig.

„Weißt du, wie du mich gerettet hast?"

Er hatte kein Kommentar dazu abgeben und sie nur angesehen, aber für sie kam das einer Aufforderung gleich, ihm das mitzuteilen und das tat sie auch. Lilli sah ihn sehnsüchtig mit leuchtenden Augen an.

„Für 15 Minuten, an diesem einen Tag, als wir uns sahen, da hast du mir mit deinen Augen eine Welt geöffnet, die ich zum ersten Mal so gesehen habe. Du gabst mir ein Gefühl, dass ich nie vorher gefühlt hatte, aber an das ich mich danach immer wieder fest hielt, wenn ich traurig war oder mich alleine oder unverstanden fühlte. Selbst wenn wir streiten oder du nicht bei mir bist, kann ich dieses Gefühl nach wie vor spüren. Nach wie vor, wenn ich traurig bin oder Angst vor der Zukunft habe, kann ich mich wieder an dieses Gefühl klammern und es gibt mir Kraft. Du hast es mir damals für 15 Minuten gegeben und du gibst es mir heute in jeder Sekunde, in der wir zusammen sind... Selbst jetzt."

Es war merkwürdig zu spüren, wie sich seine Magie veränderte, doch genau so angenehm fühlte es sich an, zu fühlen, wie sie sich zum positiven wandelte, wie die Wärme und das Licht langsam wieder in ihr zurückkam und das kalte, finstere Stück für Stück vertrieb. Das Wissen, dass sie einen solchen Einfluss auf ihn hatte, war einerseits beängstigend und andererseits war es das kostbarste, was es für sie gab. James hat dich gewählt. Das waren Anna's Worte gewesen und Lilli konnte nicht anders als bei diesen Worten zu lächeln.

„Willst du mir vielleicht sagen, was du jetzt fühlst?" fragte sie vorsichtig. Da sie seine Aufmerksamkeit hatte und er sie auch ansah, da wollte sie einen Versuch wagen, ihn mit ihrem Licht zu leiten. James schluckte, hatte aber zum Glück seinen Blick nicht von ihr abgewandt.

„Lils, ich liebe dich. Ich weiß, dass ich dich liebe und zwar so sehr, dass der Gedanke, dich in Gefahr zu bringen und dich eines Tages zu verlieren, mich in diesem Moment umbringt."

Sie hatte den Mund geöffnet, um ihm mitzuteilen, dass er daran nicht denken solle, weil es für sie genauso unerträglich wäre ihn zu verlieren. Sie konnte das nur abstellen, weil sie sich zwang nicht daran zu denken und die Zeit mit ihm zusammen sich so schön und intensiv anfühlte, dass sie dazu auch im Stande war. Aber sie behielt diese Worte für sich, um ihn nicht zu unterbrechen.

„Dumbledore hat... Er sagte er könnte all das hier beenden. Das mit Voldemort und Gryffindor's Magie. Der Preis jedoch ist, dass ich keinen von euch jemals wiedersehen werde."

„..."

Man hatte sie davor gewarnt, ihm die Entscheidung abzunehmen und ermahnt, dass James sie alleine fällen müsse. Nicht einzugreifen war schwerer als sie gedacht hätte. Sie wollte ihn nicht verlieren und sie hätte sich mit Händen und Füßen bis aufs letzte Blut gewehrt. Lilli riss sich zusammen und sah ihn verständnisvoll an.

„Es ist deine Entscheidung," sagte sie leise. Sie drückte seine Hände und lehnte sich mit ihrer Stirn an seine. Für einen Moment schloss sie ihre Augen und versuchte ein letztes Mal diese Nähe zu genießen und zu halten und den Moment in ihrem Herzen zu speichern.

„Ich liebe dich und will, dass du glücklich bist. Wenn du glaubst, dass du gehen solltest, dann solltest du das tun... und wenn du glaubst, dass du bleiben möchtest, dann werde ich da sein. Du wirst hier nicht alleine sein."

Sie presste ihre Lippen auf seinen und versank in einen leidenschaftlichen und innigen Kuss. Wenn es ihr letzter war, so wollte sie ihn genießen und halten, solange es möglich war.


Sie waren danach ins Potter Haus zurückgekehrt, wo James und Lilli sich in seinem Zimmer zum Schlafen hinlegten und auch Sirius und Anna in einem der anderen Zimmer schliefen. James wusste, dass seine Frau nicht einschlafen würde, egal wie müde sie war, solange er nicht schlief. So schloss er seine Augen und blieb so liegen in der Hoffnung, dass ihm der Schlaf einholen würde. Das tat es nicht, dafür schlief Lilli irgendwann vor Erschöpfung in seinen Armen ein. Er beobachtete sie eine Weile, um sicher zu gehen, dass sie nicht aufwachen würde, sobald er sich bewegte und das tat sie glücklicherweise auch nicht. Er konnte seinen Arm von ihr wegziehen und sich vorsichtig aus dem Bett schleichen. Nachdem er sie warm zugedeckt hatte, ging er aus dem Zimmer, bedacht darauf leise genug zu sein, um keine Geräusche zu verursachen.

Er war gerade ins Wohnzimmer geschritten als er eine Vertraute Anwesenheit in seiner Nähe spürte. Verwirrt blickte er zur Seite. Hatte er doch erwartet, dass Anna tief und fest bei Sirius im Bett schlief, doch stattdessen stand sie am Türrahmen des Wohnzimmers und hatte ihn besorgt angesehen.

„Ich hab meine Empathie auf dich gerichtet," erklärte sie leise und setzte sich zu ihm auf das Sofa. „Was soviel heißt wie, ich kriege es mit ob du schläfst oder nicht. Entschuldige, wenn ich mir die Freiheit herausgenommen habe, auch wieder in deine Gedanken einzudringen."

James atmete schwer ein. Er spürte von ihrem Eindringen schon gar nichts mehr und fragte sich für einen Moment, ob er sich nun daran gewöhnt hatte, dass man in ihn eindrang oder sie einfach nur mittlerweile so gut war, dass man nichts mehr von dem Zauber spürte.

„Ich weiß nicht, was los ist, An..." sagte er leise.

„Genau so wenig Sirius und Lilli... und Remus und Peter... Oder irgendjemand anders. Sie müssen nicht mit dem kämpfen, womit du zu kämpfen hast."

„...?"

„Lilli hat dir von deinem Großvater und Voldemort erzählt, nehm ich an."

„..."

„Erinnerst du dich, dass du mich darum gebeten hattest, dich nicht aufzugeben, egal was passiert?"

„..."

Sie versuchte einen Blickkontakt mit ihm herzustellen, doch er hatte es erfolgreich vermieden sie anzusehen und sich stattdessen auf einen Fleck auf dem Teppich konzentriert.

„James, ich kann dir nur helfen, wenn du dich selber noch nicht aufgegeben hast..." schloss sie leise, doch er reagierte nicht auf ihre Worte.

„..."

„Ich bin vielleicht die Letzte, die dir helfen kann. Dem bin ich mir durchaus bewusst. Kann mich schließlich selbst nicht von meinen Eltern lösen."

„..."

„Ich versuch's... Ich hab es so oft versucht... Dumbledore sagte, dass sie keine Kontrolle über mich haben werden, wenn ich mich löse. Ich habe nur absolut keine Ahnung wie. Es ist mit Worten nicht getan oder meinem Willen, denn ich will. Ich bin mir sicher, dass ich will."

„..."

„Es vergeht nicht ein Tag, an dem ich Angst habe, dass ich euch in Gefahr bringe. Es vergeht nicht ein Tag, an dem ich mir nicht selbst die Schuld gebe, dass dein Vater und dein Großvater gestorben sind."

„..."

„Und dann frage ich mich, ob es nicht besser wäre, wenn ich allen den Gefallen tue und es beende."

James hatte es nicht beabsichtigt, aber er wandte sich ihr plötzlich zu. Etwas kaltes war über sein Herz gestreift, als ob ein eisiger Windzug durch sein Körper hindurchzog. Er fühlte sich ertappt und kam nicht umhin sie fast hilfesuchend anzusehen.

„Er hat mir das auch schon mal angeboten," sagte sie einfühlsam. „Es ist schon lange her... Sogar noch in Hogwarts."

„Wieso hast du abgelehnt?"

Da sie sich nach wie vor bei ihnen befand, lag es wohl auf der Hand, dass sie Dumbledore's Angebot nicht angenommen hatte und James wollte wissen, was einen dazu bewegte, die Dunkelheit zu behalten und die Grausamkeit dem Frieden vorzuziehen. Ihre dunklen Augen waren plötzlich voll von Emotionen, die er in sich selbst wiedererkannte. Sie waren im Chaos, so wie er es war.

„Ich habe mir selbst die Frage gestellt, ob das, was ich zu verlieren hatte, wertvoller war, als das, was ich gewinnen würde."

James hatte sie verwirrt angesehen, aber Anna ging nicht weiter darauf ein. Stattdessen nahm sie eine Phiole aus ihrem Umhang heraus, nahm seine rechte Hand und legte die Phiole auf diese rauf.

„Das ist eine Zukunftsvision gewesen, die ich sah, als ich einen Wunschzauber ausführte, um zu sehen, was wäre wenn ein bestimmtes Ereignis nicht passiert wäre. Diese Zukunft, kann nun leider so nicht mehr geschehen, aber vielleicht gibt sie dir etwas wieder, was du glaubst, nicht mehr wiederzufinden."

Damit drückte sie ihm freundschaftlich die Schulter und ging zurück in ihr Zimmer. James blickte den glitzernden Faden in der Phiole eine Weile lang an, bevor er es in seinen Umhang einsteckte.

Wollte er es denn wirklich wissen, was gewesen sein könnte? Irgendwie hatte er genug von diesen was-wäre-wenn Vorstellungen.


Er war noch länger auf der Couch geblieben und hatte den Teppich angestarrt. Er wusste nicht wann, aber ihn schien irgendwann die Erschöpfung eingeholt zu haben und er schlief im Wohnzimmer ein.

James fand sich in einem Alptraum wieder und wurde dort gefangen. Er sah die Chains of Xerchia, jeden einzelnen dieser flammenden Ringe, die um ihn kreisten und ihn die Orientierung raubten. Sie verschwanden und er fand sich auf einem Hügel in Iargrove wieder. Er sah seine Freunde, die gegen Todesser kämpften und Dumbledore, der gegen Voldemort kämpfte. James wollte seine Hand nach ihnen ausstreckten, seinen Zauberstab ergreifen und ihnen helfen, doch gerade als er ihn gezogen hatte und auf einen der Feinde richten wollte, befand er sich nicht mehr auf dem Hügel, sondern im Potter Haus. Er sah seine Eltern, die ihn beide glücklich anlächelten. Er spürte eine Hand, die sich auf seine Schulter legte und wandte sich zur Seite, wo er nun seinen Großvater sah. Er hatte ebenfalls gelacht, so wie er es immer tat, wenn er sie alle nicht ernst nahm.

„Wo bin ich?" versuchte James zu fragen, doch er hörte seine eigenen Worte nicht obgleich er seinen Mund bewegte. Er spürte eine Hand auf seiner linken Schulter und drehte sich zur anderen Seite, wo nun seine Großmutter in ihrer durchsichtigen Gestalt stand und ihn freundlich angesehen hatte.

„Großmutter?" fragte er, doch wieder kam kein Ton aus seiner Kehle. Sie deutete mit ihrem Finger an, dass er nach vorne blicken müsse, doch als James das tat sah er seine Schwester, die tot am Boden lag. Er rannte zu ihr auf den Boden und wollte sie in seine Arme heben, doch sie war verschwunden. Stattdessen hatte er einen schwarzen Umhang in seinen Händen. Der Umhang der Todesser... James ließ ihn sofort fallen, doch statt sich auf dem Boden auszubreiten entwickelte der Umhang ein Eigenleben und flatterte in der Luft vor ihm umher.

„Niemals!" schrie er aus voller Kehle und hatte seinen Zauberstab gegen ihn gerichtet. Er hörte ein überhebliches, lautes Lachen. Voldemort.

„Verschwinde!" James verfluchte den Umhang mit allem was er an Flüchen kannte und der Umhang fiel zu Boden. Voldemort aber stand da und hielt ihm die Hand entgegen. James schritt von ihm weg und fand sich plötzlich rennend auf einer Straße wieder. Er wusste nicht wohin er rannte, nur dass er weg wollte.

Qual. Qual ist das, was dein Leben füllen wird.

Voldemort's Stimme jagte ihn und hallte an allen Ecken in jeder Richtung wieder.

„Sohn, renn nicht weg."

James blieb stehen als er die Stimme seines Vaters hörte. Er suchte nach ihm, doch es war nichts außer fremde Menschen, die er auf der Straße um ihn herum liefen.

„Du sagtest, ich solle loslassen und Vertrauen haben!" brüllte er in die Leere. „Wieso? Ich bin am Ende! Siehst du das nicht?!"

Wieder das kalte, triumphierende Lachen von Voldemort und James wollte nicht warten, bis er ihn wieder sah. Er lief vor der Stimme weg so schnell wie er konnte. Die Tür zu Fortescuen's Eissalon! James riss sie auf und rannte hinein. Hier hatte er sich früher immer gern mit seinen Freunden aufgehalten und das Eis genossen. Er atmete kurzatmig vom schnellen Rennen und stellte erst jetzt fest, dass er sich nicht im Eissalon befand...

Diese Gegend war ihm fremd. Er kannte das Haus nicht.

„Was machst du denn hier?" Die Stimme eines kleinen Mädchens ertönte hinter ihm und er drehte sich um. James blieb wie erstarrt stehen. Sah sie Lilli doch so unglaublich ähnlich. Exakt dieselben roten, lockigen Haare, ihr Lächeln, ihre unschuldigen Gesichtszüge. Der einzige Unterschied waren ihre Augen. Sie waren ihm vertraut... diese braunen, haselnussbraunen Augen waren dieselben, in die er jeden Tag blickte, wenn er vor dem Spiegel stand.

„Ich ähm... Sorry... Ich... Wer bist du?"

„Jilli und du?" fragte die Kleine freundlich.

„James..."

„Mein Daddy heißt auch so," sagte sie lächelnd und schlang ihre kleine Hand in seine große.

„Komm!"

James wusste nicht wieso, aber er ließ sich von ihr mitziehen.

„Du siehst aus wie mein Daddy," plauderte sie munter weiter, während sie ihn mit sich durch das halbe Haus führte. „Meine Mum erzählt mir immer von ihm. Er ist ein ganz lieber und mutiger."

„Deine Mum? Ich seh aus wie dein Dad? Wie heißt deine Mum?"

„Lilli Potter."

James blieb erstarrt stehen, so dass das kleine Mädchen keine andere Wahl hatte, als ebenfalls stehen zu bleiben. Hatte er Lilli und sein Baby tatsächlich im Stich gelassen?

„Daddy, Mammi wartet schon auf dich."

Diesmal hatte ihn das Mädchen direkt angesprochen und James sah sie vollkommen aufgelöst an.

„Was?"

„Ich hab dich wiedererkannt, Daddy," strahlte sie.

Dieses Mal... werde ich dich... vernichten!

Erschrocken drehte sich James um, als er Voldemorts Stimme vernahm, doch es befand sich niemand hinter ihm. Stattdessen hörte er das Mädchen schreien und weinen. Er hatte sich sofort wieder umgedreht, um nach ihr zu sehen, als er Voldemort hinter ihr mit seinem Zauberstab gegen ihren Hals gerichtet stehen sah.

„Ich sagte ja, dass du das büßen wirst, Potter!"

„Nein, bitte!"


James fand sich flach atmend auf der Couch im Wohnzimmer des Potter Hauses wieder als er mit einem Ruck seine Augen aufgerissen hatte. Wieso fühlten sich diese Alpträume nur immer so real an? Es machte ihn noch verrückt. Draußen wurde es langsam hell und bald würde die Sonne aufgehen. Er wollte sich gerade aufrichten als ein ziehender Schmerz von der Wunde an seinem Bauch durch seinen gesamten Körper schoss. Er kniff die Augen zusammen und warteten einen Moment, bis das Gefühl vorbei ging, um sich dann aufzurichten.

„Alles okay, Kumpel?" fragte Sirius. James sah irritiert zur Seite, wo er den Freund etwas verschlafen auf der anderen Couch vorfand. Stirn runzelnd verzog er skeptisch eine Grimasse.

„Hast du hier etwa gepennt?"

Sirius zuckte mit dem Mundwinkel.

„An schnarcht."

James konnte nicht anders als ein wenig zu grinsen. Wenn er ehrlich war, dann wusste er nicht, ob sein Freund nun scherzte oder es ernst meinte. Was jedoch klar war, war die Tatsache, dass er hier draußen bei ihm geschlafen hatte. Selbst wenn Anna schnarchte, so gab es im Potter Haus mehr als nur das eine Zimmer, in denen sie schlafen konnten.

„Seit wann bist du schon hier?"

„Ne Weile," antwortete Sirius mit einem lauten gähnen. „Übler Alptraum? Du hast komische Sachen gemurmelt."

James fiel in sein Schweigen zurück. Ihm ging so vieles im Kopf herum, dass er einfach nicht wusste, was er hätte sagen können, sollen oder gar dürfen. Im Tageslicht sollte alles anders aussehen als im dunkel der Nacht, aber für ihn fühlte es sich nach wie vor an wie ein einziges alles in sich verschlingendes Chaos.

„'s war irgendwie einfacher als Lil und An noch nicht da waren, wie?" kam es von Sirius, woraufhin James ihn verwirrt ansah. Der Marauder hatte breit geschmunzelt.

„Versteh mich nicht falsch, Kumpel. Ich liebe beide Frauen und könnte gar nicht mehr ohne sie. 's nur... Früher war alles leichter."

„Das war es in der Tat," stimmte James ihm zu und wandte sich zurück, um den Boden zu fixieren.

Er wollte seinen Freund nicht ausschließen und sich zurückziehen, er tat es ohne es wirklich zu beabsichtigen... und es war das, was er wollte... oder? Noch während ihm diese Gedanken kamen, hatte sich Sirius zurück auf die Couch gelegt und seine Augen geschlossen. Irritiert hatte James ihn kurz angesehen, dann jedoch kroch ihm der Anflug eines Lächelns über die Lippen. Damit hatte er ihm gezeigt, dass er nichts sagen musste, er aber genau so wenig einfach weg ging, sondern an seiner Seite blieb.

Etwas warmes breitete sich an seinem Rücken aus und James drehte sich verwirrt um. Es war die Sonne, die aufging und ihre Sonnenstrahlen direkt in das Potter Haus hinein abgab. Der Schnee hatte eine komplett weiße Decke auf den Garten und der dortigen Schaukel gelegt. Die helle Sonne hinter den Bäumen langsam auftauchen zu sehen war ein merkwürdiges Schauspiel gewesen, denn in der Tat schien sie gerade das dunkle in ihm drin zu verdrängen und Zuversicht und Hoffnung mit sich heraufzutragen.


8 ½ Jahre zuvor

In alter Tradition wurden die Erstklässler auf kleinen Booten über das Gewässer zum Schloss gebracht. Dass es an diesem Herbsttag wie aus Eimer goss schien jedoch offenbar nur die armen Schüler zu interessieren. Die 11jährigen James und Sirius sahen einander ungläubig an als Hagrid einen nach dem anderen der Schüler ihren Booten zuwies, obgleich es um sie herum donnerte und blitzte.

„Die nächsten!" brüllte er stets, nachdem er vier in ein Boot reingeschoben hatte.

„Das meint er doch nicht ernst, oder?" fragte James fassungslos. Vom Rand aus konnte man sehen wie sich die Boote sehr schnell mit Wasser füllten und die anderen Schüler panisch versuchten mit ihren Händen das Wasser wieder rauszuschöpfen.

„Sieht aus als ob die Boote nur ein Mittel zum Zweck sind. Wir werden ins Schloss schwimmen müssen," stellte Sirius sarkastisch fest.

„Ich kann nicht schwimmen," sagte James erschrocken.

„Echt nicht?" fragte Sirius und lachte.

„Stellt euch nicht so an," sagte Hagrid ernst. „Die Boote halten. Das müssen sie auch, denn wer aus dem Boot fällt, der wird vom Seemonster gefressen, und jetzt rein mit euch."

Er schob James und Sirius in das Boot hinein, wo Remus und Peter bereits saßen und fleißig dabei waren, das Wasser mit ihren Händen wieder rauszuschöpfen.

„Glaubt der seinen eigenen Worten eigentlich?" fragte James kopfschüttelnd und half mit das Wasser aus dem Boot zu bekommen. Sirius dagegen hatte sich gemütlich breit gemacht und seine Füße auf den Rand gelegt.

„Ey, willst du nicht mithelfen, Sirius?"

„Nah," antwortete er gelassen. „Jeder tut das was er am besten kann. Deswegen tu ich gar nichts."

Die Boote setzten sich in Bewegung und trotteten langsam auf das Schloss zu. Um sie herum hörte das Donnern und Blitzen nicht auf und der Regen wurde immer heftiger. James weitete seine Augen als er sah wie das erste Boot langsam sank und die Schüler panischer und schneller versuchten das Wasser abzuschöpfen.

„Sirius! Wir gehen hier wirklich gleich unter!" schrie James ihm zu, aber der schwarzhaarige Junge hatte sich ihm müde zugewandt und gegähnt.

„Dann lernst jetzt halt schwimmen. Irgendwann hättest du's eh lernen müssen... und das Seeeeeeemonster! Uuuuuuuuuuh."

„Blödmann," kommentierte James ungläubig, grinste jedoch amüsiert.

„Oih," rief Hagrid im vordersten Boot. „Passt auf, ihr kleinen Racker! Da kommt eine große Wel -"

WUSCH!

Und die Welle hatte einige Boote mit sich umgerissen. Schüler waren aus den Booten ins Wasser gefallen und beinahe hätte es auch James getroffen, wenn ihm nicht eine Hand rechtzeitig am Handgelenk gehalten hätte. Es war Sirius, der ihn frech angrinste.

„Nun find mal deine Eier wieder, James."

Wieder traf sie eine gewaltige Welle, doch dieses Mal schmiss es Sirius mit James zusammen an den Rand des Bootes und nur eine Sekunde später traf sie die nächste Welle und es wurden alle vier Jungs aus dem Boot geschmissen.

James begann mit seinen Händen und Füßen wie ein wahnsinniger Irrer um sich zu treten, doch er wurde mit einem Ruck unter Wasser gerissen. Kaltes Wasser schoss ihm in die Nase und er verschluckte sich. Panisch versuchte er nach irgendetwas zu greifen doch seine Hände schlossen sich immer wieder um nichts. Er bekam keine Luft und sah wie das winzige Licht von der Wasseroberfläche immer kleiner wurde, wissend, dass er in die Tiefe fiel und nichts dagegen tun konnte. Sein Herz begann schmerzvoll zu rasen als er etwas in der Tiefe aufleuchten sah. Augen! Es waren Augen! Das Monster war also die Wahrheit gewesen! Es gab ein Monster im Wasser! Panisch versuchte James sich erneut an die Oberfläche zu kämpfen, doch seine Kleidung war nass und schwer und zog ihn nach unten. Zog ihn näher die schwarze Gestalt im Meer. Er spürte etwas an seinem Bein und sah etwas dunkles, was sich um sein Fußgelenk wickelte. James war drauf und dran panisch zu schreien, da schloss sich eine Hand um seine Brust und er wurde an einen Körper hintergedrückt. Wie verrückt schien derjenige hinter ihm zu versuchen ihn von dem Tier wegzuziehen und hatte auch eine gewaltige Kraft. James stieß mit seinem anderen Fuß heftig an das schwarze an seinem Bein, damit es ihn losließ und tatsächlich hatte es sich im nächsten Moment von seinem Bein gelöst. Das Licht unter ihm wurde wieder kleiner und im letzten Moment, bevor ihm die Atemnot in die Bewusstlosigkeit gestürzt hätte, tauchte er wieder an der Wasseroberfläche auf.

James spuckte, hustete und schnappte heftig nach Luft. Seine Brille war voll von Wassertropfen, was ihm das Sehen fast unmöglich machte.

„Hab dich," sagte Sirius und schwamm mit ihm zu dem Boot zurück, wo Peter und Remus die beiden hinein zogen. „Wow! Da ist ja echt ein Ding da unten... und du kannst ja wirklich nicht schwimmen."

„Du dachtest -" James huste. „- das ich -" Keuchte. „ - scherze?" Hustete auch den letzten Rest Wasser wieder raus.

Sirius lachte und obgleich James die Panik nach wie vor in seinen Knochen und seinem Körper spürte, konnte er angesichts des heiter lachendes Freundes nicht anders, als ebenfalls zu lachen. Irgendetwas anderes in ihm drin war nämlich aufgetaucht und war dabei die Angst und den Schock vom eben erlebten zu verdrängen und es fühlte sich unglaublich an.

„Seid ihr okay?" fragte Remus besorgt. James und Sirius warfen sich einen vielsagenden Blick zu, bevor sie gleichzeitig antworteten.

„Ging uns nie besser."

Für James und Sirius war das ihr erstes Abenteuer gewesen und als sie es danach ihren Freunden erzählten, schmückten sie es ohne Scham mit viel erfundener Fantasie aus.


Heute

James hatte dieses Abenteuer schon fast vergessen. Sie hatten irgendwann so viele Abenteuer erlebt, dass dies in den Hintergrund geraten war. Mit der Zeit hatten sie schließlich auch herausgefunden, dass es kein Seemonster war, sondern eine Krake, die im See um Hogwarts herum friedlich lebte und verirrte Schüler wieder aus dem Wasser fischte. Er wusste nicht, ob dies das Erlebnis war, dass eine solche Freundschaft erst möglich gemacht hatte. Was er wusste war, dass Sirius und er ab da an, wie Pech und Schwefel zusammenhielten und er sich stets auf ihn verlassen konnte. Es war dabei egal, um was für einen Mist es ging, sein Freund hatte ihm stets den Rücken frei gehalten und dasselbe tat James. Wie konnte er ihm nun in den Rücken fallen und einfach abhauen?

„Prongs?"

„Ja?"

„Ich wollt nur sagen, was immer du tust. Ich steh hinter dir. Du kannst auf mich zählen."

„Danke, Padfoot," sagte James bedrückt nach einer Weile. Wenn er doch nur das Zerren an seinem verflixten Herz abstellen könnte, um endlich das Richtige zu tun, wovon er wusste, dass es das Richtige war.


Lilli war sofort wach geworden als James sich gerührt hatte, doch sie bewegte sich nicht. Sie ahnte, was seine Absichten waren und wollte ihm die Zeit geben, die er für sich brauchte. Sie saß auf der Treppe, als Anna von ihrem Gespräch mit James wieder an ihr vorbei ging und sie Mut machend an der Schulter gedrückt hatte und sie war sitzengeblieben, als Sirius sich zu ihr hinsetzte und sie ins Bett schicken wollte. Er würde sich um James kümmern und schlug ihr vor, um des Babys Willen, etwas Schlaf zu nehmen. Doch Lilli war selbst nachdem Sirius zu James ins Wohnzimmer schritt nicht aufgestanden. Sie blieb an der Wand gelehnt sitzen und berührte mit ihrer Hand ihren Bauch, ihr Baby, das kleine Wunder, was James und ihre Liebe erschaffen hatten.

'Bitte, James, entscheide dich für uns' dachte sie am Rande der Erschöpfung, bevor sie die Bewusstlosigkeit einholte und sie schließlich vor Müdigkeit einschlief. 'Ich brauche dich so sehr. Ich liebe dich doch...'