Autorenanmerkung: Leute, ihr seid der Hammer! Danke für die Reviews, Lesemaus und TeddyHamster. Und Danke an alle, die lesen und ihren Spaß daran haben und die Hitzahlen in die Höhe treiben. Antworten auf die Reviews gab es wieder mal per Review-Reply.

Ich habe gehört, dass die Alerts mal wieder nicht funktionieren, aber das Problem löst sich meist in ein paar Tagen immer.

Da ich nächsten Montag außer Haus unterwegs bin und wohl erst sehr spät wiederkomme wollte ich jetzt schon mal ankündigen, dass nächste Woche das Update dann erst am Dienstag erscheinen wird. (Deshalb ist dieses Kapitel auch ein bisschen länger als die anderen... ;-) )

Ein paar Worte zu dem folgenden Kapitel: Hier werden ein paar lose Fäden aus vorhergehenden Kapiteln zusammengeführt. QueenAlex und frl-smilla, ich glaube, ihr beide werdet euch vielleicht besonders darüber freuen. Immerhin hatten wir kleinere Diskussionen darüber und ich sagte damals schon: Das hat so seinen Sinn. Jetzt bekommt ihr endlich eure Erklärung! ;-)

Viel Spaß!


Kapitel 35: Bei Danny

Gemeinsam stiegen wir die Treppen zu seiner Wohnung hoch. Ich muss gestehen, seitdem wir im Fahrstuhl stecken geblieben waren benutzte ich immer mehr und mehr die Treppen, vor allem, wenn es nur ein paar Stockwerke waren. Danny schloss seine Wohnungstür auf.

„Da sind wir…"

Ich war fast versucht zu lachen, immerhin war es ja nicht so, dass ich nun das erste Mal in seiner Wohnung wäre.

„Bier?"

Ich schüttelte den Kopf. Mir war nach Bier überhaupt nicht zu Mute, stattdessen schob ich meinen Ärmel hoch und entfernte endlich den provisorischen Verband, den man mir nach meiner Blutspende angelegt hatte. Ein Pflaster reichte ihnen ja nicht, vermutlich, weil es doch einige Leute gab, die sogar nach so einer Blutmenge noch anschließend nachbluteten, auch wenn sie auf die Einstichstelle gedrückt hatten. Und wenn jemand schon Blutspenden ging, dann wollten sie ihn wohl nicht auch noch für die Reinigung von verbluteter Kleidung zahlen lassen.

Kurz dachte ich daran, wie oft ich Blut von Tatorten aus meiner Kleidung hatte heraus waschen müssen oder heraus waschen lassen. Bei Anzügen war das alles etwas schwieriger, der Stoff vertrug es nicht unbedingt, wenn man ihn einfach in die Waschmaschine steckte.

„Hast du Mineralwasser da?" wollte ich schließlich von Danny wissen, da dieser mich fragend ansah nachdem ich das Bier nur abgelehnt, aber nicht einen anderen Wunsch zum Ausdruck gebracht hatte.

Danny füllte zwei Gläser und kam zum Sofa, auf dem ich mich niedergelassen hatte. Es war irgendwie nur natürlich gewesen. Und gleichzeitig war es eigentlich komisch, dass ich mich hier so selbstverständlich setzte. Danny und ich waren vielleicht zusammen, zumindest hatte er Aiden und Sid gegenüber dies deutlich gezeigt, aber immer noch hatte keiner von uns sich zu seinen Gefühlen bekannt. Immer noch zweifelte ich, ob Danny überhaupt Gefühle für mich hätte.

Was, wenn er nur mit mir zusammen war, weil er sich eine Beförderung erhoffte? Seine letzte Beförderung hatte sich ja in Rauch aufgelöst, Wort wörtlich, wenn man an den Rauch aus einer Pistole dachte, nachdem ein Schuss abgefeuert worden war. Traute ich es Danny zu, dass er sich hoch schlief? Bis zu diesem Moment hatte ich nie daran gedacht, dass es vielleicht etwas mit dem Job zu tun haben könnte. Bis zu diesem Augenblick hatte ich es einfach nicht in Erwägung gezogen.

Andererseits erschien es mir fast augenblicklich abwegig: Immerhin gab es zwischen Danny und mir bisher keinerlei sexuelle Handlungen. Es war nichts wirklich passiert, abgesehen von den Küssen, den Umarmungen, dem Kuscheln. Ich hatte zwar immer mal wieder gespürt, dass ihn alles erregte, aber nie hatte ich meine Hand auf seinen Schritt gelegt. Okay, wohl aber auf seinen Hintern.

Trotzdem, da war immer noch ein Unterschied. Auch wenn es, falls er mich wegen sexueller Belästigung belangen sollte, vermutlich keinen großen Unterschied machen würde. Aber was einen Unterschied machte war die Tatsache, dass er mich in seine Wohnung eingeladen hatte, nicht ich mich selber. Ich war nicht einfach hierher gekommen, ich war mit ihm her gekommen.

Ich nahm Danny mein Glas ab und trank einen Schluck. Irgendwie war mein Hals bei den ganzen Überlegungen trocken geworden. Als so berechnend hatte ich Danny nie gesehen. Aber ich verließ mich in diesem Fall einfach auf meine Menschenkenntnis, dass es nur ein Gedanke, nur eine Möglichkeit gewesen wäre. Ich wollte nicht glauben, dass Danny aus anderen Motiven mit mir zusammen wäre als aus dem Grund, weil er mich mochte.

Mehr als Mögen konnte ich mir nicht eingestehen. Aber ich glaubte immerhin, dass er mich gern hatte. Erst zu diesem Zeitpunkt merkte ich, wie dicht er sich neben mich gesetzt hatte. Ich hielt immer noch mein Glas in Händen, das inzwischen halb leer war, während mich seine blauen Augen so erwartungsvoll ansahen. Groß, blau und voller Ehrlichkeit, so konnte ich seine Augen in dem Moment beschreiben. Der grüne Schimmer, der so oft in ihnen lag, sei es vom Licht oder von Dannys Gefühlslage, war gerade nicht sichtbar. Wieso, das weiß ich nicht, aber es war so.

Dann fühlte ich seine Finger auf meinen, die mir sanft das Glas entwanden und es dann auf dem Tisch vor dem Sofa abstellten, neben das Glas von Danny, das dort wohl schon etwas länger stand. Ich sah ihn immer noch an, wie sein Blick wieder auf mir ruhte. Und dann berührten seine Finger meine Wangen, strichen sanft darüber, bevor sich seine Lippen auf meine pressten und sein Körper sich gegen meinen drängte.

Seine Hände strichen über mein Gesicht und schließlich über meinen Brustkorb, und ich war im ersten Moment so überrascht gewesen, dass ich gar nicht viel tat. Meine Lippen öffneten sich zwar etwas, und zaghaft erwiderte ich auch den Kuss, aber ich zog Danny nicht in meine Arme, fuhr nicht mit meinen Händen durch sein Haar oder über seinen Rücken.

Sanft drückte er mich langsam aufs Sofa, bis ich halb lag, während er mich immer noch küsste. Da war eine Leidenschaft in seinen Küssen… Seine Zunge eroberte immer wieder meinen Mund, versuchte meine Zunge zu einem Tanz, einem Kampf, herauszufordern. Meine Hände begannen endlich ihn zu berühren, über seine Oberarme zu streicheln, während sein Mund immer noch meinen forderte.

Dann spürte ich seine Hand an meinem Hosenbund.

Ja, ich war durch die Zärtlichkeiten schon hart geworden. Wer wäre es nicht? Ich fand Danny verdammt attraktiv und heiß, seine Küsse waren feurig und süß zur gleichen Zeit. Er hatte alles, was mein Herz höher schlagen ließ, und ich war in ihn verliebt. Doch trotzdem, aus einem Reflex handelnd, drückte ich ihn etwas von mir fort.

Seine Lippen verließen meine, und unsere beiden Augen öffneten sich fast schlagartig. Keinen Millimeter bewegte sich seine Hand in dem Moment. Ich dachte schon fast, dass er von mir ablassen würde, als er sie schließlich auf meinen Schritt gleiten ließ. Sie lag genau auf meiner Erektion, die sich gegen meinen Slip und die Hose drängte, und jetzt auch noch gegen seine Hand. Ein kleines, erregtes Stöhnen konnte ich nicht unterdrücken. Verdammt, ich wollte Danny, ich wollte ihn so sehr. Ich wollte all die Dinge mit ihm tun, die ich in meiner Phantasie schon so oft mit ihm getan hatte.

Doch mein Verstand wollte anders als mein Körper. Meine Hand schloss sich um sein Handgelenk.

„Nein."

Sein Blick, gerade noch lustverschleiert, änderte sich augenblicklich. Von verwirrt weiter zu resigniert und schließlich zu gekränkt.

Verdammt, ich verletzte seine Gefühle. Aber ich konnte nicht ganz von dem Gedanken lassen, dass er dies vielleicht nur für seine Karriere tat. Wieso war dieser Gedanke mir ausgerechnet an diesem Abend gekommen. Wegen Aidens Hinweis darauf, wie abwegig es war, dass Danny mit mir zusammen sein wollte? Sie hatte es zwar nicht klar ausgedrückt, aber ihre Worte halten in meinem Kopf wieder: ‚Und dann auch noch mit... Mac?'

Erhoffte Danny sich etwas davon, dass er und ich gerade hier so auf dem Sofa saßen? Ich konnte es nicht sagen, aber sein verletzter Blick sagte eigentlich mehr als tausend Worte es gekonnt hätten.

Instinktiv zog ich ihn in eine Umarmung, eng an mich heran und auf mich.

„Ich bin noch nicht so weit…" flüsterte ich ihm ins Ohr.

Ich konnte an seinem Körper spüren, dass er enttäuscht war (nein, nicht weil seine Erektion, die sich eindeutig aufgebaut hatte, wieder zusammen gefallen wäre, nein, irgendwie anders). Ich wollte ihn nicht enttäuschen, aber ich konnte nun mal nicht aus meiner Haut heraus. Immer noch gab es Vorbehalte von mir: Ich wollte nicht mit ihm intim werden, wenn ich mir nicht sicher sein konnte, dass es halten würde. Und darüber würde ich mir erst sicher sein, wenn er mir sagen würde, dass er mich liebte, aber dazu würde ich ihm wohl sagen müssen, dass ich ihn liebte, und in gewisser Weise war es wohl ein Machtspiel, wer zuerst seine Gefühle offenbaren würde. Zumindest war es oft so in Beziehungen, dass es darum ging, wer zuerst ‚Ich liebe dich.' sagte.

Danny verlagerte sein Körpergewicht auf mir etwas, und mein hartes Glied zuckte erneut begierig auf, angesichts der Stimulation, die durch die Bewegung auf es ausgeübt wurde.

Ich war ein Kontroll-Freak!

Ich konnte mich so sehr unter Kontrolle halten, dass mir bei diesem Kontakt zwar ein Stöhnen zwischen den Lippen entwich, aber ich mir durchaus die lustvolle Nacht, die hätte kommen können, versagen konnte.

„Vielleicht sollte ich jetzt lieber gehen…" sagte ich schließlich, nachdem wir doch etwas still so dagelegen hatten. Danny hatte angefangen sanft durch mein Haar zu streicheln, etwas Beruhigendes. Der Blick der gekränkten Ehre war noch nicht aus seinen Augen verschwunden, nicht vollkommen, aber er war mit Verständnis gemischt.

Ich drückte Danny etwas von mir weg, um mich wieder richtig hinsetzen zu können. Rasch leerte ich mein Wasserglas.

„Mac?"

Danny sah mich fragend an.

„Du musst nicht gehen…" Verdammt, wenn er mich so ansah, dann fiel es mir doch schwerer jetzt zu gehen, als ich gedacht hätte. Mein Körper schrie danach bei ihm zu bleiben, und vor allem auch danach, mich in seine Hände zu begeben und einfach zu sehen, was passieren würde. Aber mein Verstand verbot mir jeden weiteren Gedanken daran, den er selber doch sonst so oft produzierte. Ich wollte bleiben, und gleichzeitig wusste ich nicht, in wie weit ich Danny dann noch standhalten würde.

„Irgendwie doch." antwortete ich schließlich. In mir hatte sich so ein Verlangen aufgebaut, ein sexuelles Verlangen, dass ich nicht wusste, wie lange ich es noch würde bändigen können, vor allem nicht, so lange er in Reichweite war, und dazu noch bereit mit mir eben jenes sexuelle Verlangen zu stillen. Nicht, dass es nicht auch seiner eigenen Befriedigung gedient hätte.

„Ich brauche Zeit." versuchte ich mal wieder zu erklären.

„Ich weiß, Mac."

Es tat noch weher, dass er mich verstand. Es war komisch, auf der einen Seite konnte ich einfach nicht das tun, was ‚normal' gewesen wäre. Es wäre gleichzeitig auch bequem gewesen, einfach mit ihm zu schlafen, natürlich. Oh Gott, wer sagte eigentlich was davon, dass wir in dieser Nacht miteinander schlafen würden? Dafür wäre ich erst recht nicht bereit.

Es gäbe auch andere Möglichkeiten sich gegenseitig zu befriedigen, ich hatte so oft darüber schon nachgedacht. Definitiv würde es ebenso spannend werden, ebenso wie wenn wir endlich miteinander schlafen würden. Es würde komisch sein, wenn ich es Danny mal mit der Hand besorgen würde. Es ist eine Sache, wenn ich mir selber einen runterholte. Aber es wäre etwas total anderes, wenn ich Danny so befriedigen würde.

Ganz zu schweigen von der Möglichkeit ihm einen zu blasen.

Aber das Thema wollte ich in diesem Augenblick gedanklich nicht weiter vertiefen. Mir tat weh, dass er akzeptieren konnte, dass ich nicht mit ihm körperlich so nah zusammen sein wollte, wie er es gerne wollte.

Ich wollte schon fragen, ob er sich sicher war, dass er es wusste. Wusste er auch wieso? Das konnte ich nicht sagen. Und noch weniger konnte ich ihm erklären, wieso ich noch nicht mit ihm schlafen konnte… wollte…sollte. Ich weiß nicht welches Wort das angemessene gewesen wäre. Natürlich konnte ich körperlich mit ihm zusammen sein. Und eigentlich wollte ich auch, aber da war halt auch noch die Stimme der Vernunft, die es nicht wollte.

Ich war hin und her gerissen.

„Mac?" Ich hatte wohl zu lange nichts gesagt, während ich so überlegte.

„Ja?"

„Und wenn wir einfach nur reden?"

Huch? Nicht, dass Danny jemand war, dem ich nicht zutraute zu reden. Eigentlich war er jemand der sogar relativ viel redete. Es war nur ungewohnt, so einen Vorschlag von ihm zu hören. Ich wusste, wie sehr er körperlichen Kontakt brauchte. Nachdem ich herausgefunden hatte, wie sensibel er auf Berührungen reagierte. Und dass er kein Kostverächter gewesen war, was Frauen anging, dass hatte ich auch bemerkt. Würde er mich vielleicht verlassen, weil ich ihm nicht das gab, was er brauchte?

Das war absurd. Er hatte sich selber in einem Gespräch beschwert, dass es in früheren Beziehungen nur um den Sex gegangen war. Vielleicht war es ihm wirklich wichtig, dass wir auch redeten. Aber trotzdem hatte er natürlich auch körperliche Bedürfnisse. Himmel, die hatte ich ja auch. Irgendwie kam der Gedanke wieder daran hoch, dass er in meinem Schlafzimmer masturbiert hatte.

„Hm…" brummelte ich, bevor ich beschloss ihn vollkommen zu überraschen: „Hast du dir in meinem Schlafzimmer einen runtergeholt?"

„WAS?!?" Es war mehr eine rein instinktive Reaktion von Danny als dass er mich nicht ganz genau verstanden hätte. Vielleicht überraschte es ihn, dass ich zwar keinen Sex schon mit ihm wollte, aber mal wieder über das Thema redete.

„Hast du dir in meinem Schlafzimmer einen runtergeholt?" wollte ich erneut wissen. Ich hatte die Frage ganz ruhig wiederholt. Ich wollte darauf eine Antwort. Dabei kannte ich sie ja eigentlich schon.

„Ähm…"

Danny war total niedlich, wenn er in Verlegenheit gebracht wurde. Seine Ohren liefen rot an, wenn auch nicht seine Wangen. Wieso musste ich ihn nur schon wieder als ‚niedlich' bezeichnen? Er war doch kein Welpe oder so was. Tierbabys, die sind niedlich. Danny war ein ganzer Kerl, durch und durch. Das hatte ich schon öfters ja spüren können…

Er rutschte etwas auf dem Sofa hin und her, auf dem wir beide wieder oder immer noch saßen. Wie um Zeit zu schinden trank er erst mal einen Schluck Wasser.

„Hast du dir in meinem Schlafzimmer einen runtergeholt?" fragte ich ihn erneut und setzte einen Blick auf, den ich für durchdringend hielt. Ja, ich glaube, ich wechselte in den Verhörmodus. So ganz kann man die Arbeit wohl nie außen vor lassen.

„Wir können hier bis morgen früh sitzen, wenn du mir die Frage nicht beantwortest…" Dabei hatte Dannys Reaktion ihn ja eigentlich schon verraten.

„Sag es mir." bat ich ihn.

Schließlich nickte er, während sein Blick beschämt zu Boden gesenkt war.

„Wieso?" bohrte ich weiter, obwohl ich genau wusste, wie schwer ihm eine Antwort wohl fallen würde.

„Ist das nicht offensichtlich, wieso man sich einen runterholt?" antwortete er mit einer Gegenfrage, etwas hitziger als es nötig gewesen wäre. Ich liebte sein Temperament, zeitweise. Manchmal konnte es in unserem Beruf auch hinderlich sein.

„Ich will es trotzdem von dir hören."

„Weil ich geil war. Verdammt, Mac, ja, ich bin scharf auf dich, ist das so schwer zu verstehen? Und an dem Morgen… Ich weiß doch, dass du nichts überstürzen willst, aber so… So konnte ich unmöglich zur Arbeit…"

Ich nickte nur verständnisvoll, zumindest zum letzten Teil.

„Moment mal. Du bist…" Ich konnte es nicht sagen oder wiederholen. Es war zwar keine Liebeserklärung, aber es war etwas, das mir lange niemand mehr gesagt hatte. Es schmeichelte definitiv meinem Ego.

„Ich finde dich anziehend. Sehr anziehend. Ich mag unsere Gespräche, aber… Ich möchte dich berühren… Dich anfassen… Dich küssen… Mit dir schlafen…" Der letzte Teil kam nur noch gemurmelt über Dannys Lippen, während ich ihn fast fassungslos ansah und gleichzeitig merkte, dass in meiner Hose sich wieder ein Aufruhr bildete.

Nur zu gerne wollte ich unser Gespräch wieder auf etwas neutraleres Territorium bringen.

„Warst du nicht derjenige, der mir sagte, dass er nicht immer nur als Sexobjekt angesehen werden will?" fragte ich schließlich.

Stille.

„Okay, so hast du es nicht ausgedrückt…"

Danny sah mich an, immerhin sah er mich wieder an. Und er lächelte.

„Ja."

Erneut folgte ein Moment der Ruhe, bevor Danny fortfuhr: „Schön, dass du dich daran erinnerst."

„Natürlich erinnere ich mich daran, es war auch der Tag, an dem du mir sagtest, dass du bi bist." Das war einer der Gründe, weshalb ich mich an dieses Gespräch erinnerte. Außerdem hatte Danny sich mir zu diesem Zeitpunkt zum ersten Mal so richtig geöffnet. Vor allem zum ersten Mal richtig nach dem Minhas-Zwischenfall. Natürlich erinnerte ich mich auch daran, was für eine Reihe von Ereignissen das alles nach sich gezogen hatte.

„Ja…" Danny schaute wieder verschämt zu Boden.

„Wieso eigentlich?" fragte ich ihn.

„Wieso eigentlich was?"

„Na, wieso du mir das erzählt hast… Niemand hat dich dazu gezwungen dich zu offenbaren. Das war deine Privatsache…" Wenn man mal davon absah, dass es mit der Auslöser gewesen war, dass ich jetzt bei ihm in der Wohnung saß, denn hätte er nie gesagt, dass er bi ist, dann hätte ich wohl nie raus gefunden, dass Flack schwul ist, ich hätte nicht dieses Gespräch mit Stella gehabt, ich hätte mich nie vor allen offenbart, ich hätte nicht Danny im betrunkenen Zustand geküsst.

Alles hängt zusammen.

Ich merkte erst jetzt, wie diese Theorie von mir, die sich aber auch zu bewahrheiten schien, immer und immer wieder, auch auf mein Privatleben zutraf.

„Ich… Ich…" Danny fing an zu stottern, was irgendwie süß war. „Ich wollte wissen, ob…"

Er stockte, und ich versuchte seinen Satz zu vollenden. „Ob ich auch auf Männer stehe?"

Er nickte, aber da war noch mehr, denn er öffnete wieder den Mund um was hinzuzufügen. „Und ob du mich auch magst…" murmelte er schließlich.

„Ob ich dich auch mag?" Ich sah ihn an, meine Augen müssen wohl Spiegeleiern geglichen haben. „Auch?"

Danny nickte zaghaft.

„Natürlich mag ich dich." Ich zog ihn in eine Umarmung. Das war einfach der richtige Moment für eine Umarmung. „Sehr sogar." flüsterte ich leise in sein Haar.

Ich war mir nicht sicher, ob er das gehört hatte. Ich war mir noch nicht mal sicher, ob ich wollte, dass er das hörte. Aber ich hatte es gesagt. Es war zwar keine Liebeserklärung, aber ich glaube, es war das erste Mal, dass wir uns gegenseitig in Worten eingestanden, dass wir Gefühle füreinander hatten. Natürlich konnten das auch rein freundschaftliche Gefühle sein. Aber Männer neigen eher nicht dazu ihre Gefühle zu verbalisieren. Nicht, wenn es nur eine Freundschaft ist. Das war mehr eine Sache von Frauen. Stella hatte mir mal gesagt, dass sie mich lieb hatte. Ich glaube, ich habe diese Aussage damals gar nicht beantwortet. Aber es war gut gewesen zu wissen, dass sie mich mochte.

„Bitte bleib heute Nacht hier." hörte ich Danny gegen meine Schulter murmeln. Ich konnte seinen Atem durch den Stoff meines Hemdes spüren. Schließlich nickte ich.

„Okay, wenn du das wirklich willst."

Und so verbrachte ich die erste Nacht zusammen mit ihm bei ihm. Wir hielten uns im Arm, als wir einschliefen.