Soo hier bin ich wieder :)
Vielen Dank an derxteversuch, noname und selina für eure Reviews!
Wünsch euch viel Sapaß beim Lesen...
Als ich auf der Rückbank von Emmetts Jeep saß und die vorbeiziehende Landschaft beobachtete; (Wenn er weiter so raste, würden wir Edward wohl demnächst auf Dauer Gesellschaft im Krankenhaus leisten, und zwar nicht als Besucher); wanderten meine Gedanken zum gestrigen Tag. Besser gesagt zu dem Augenblick, indem Edward und ich gemeinsam am Flügel saßen.
In den letzten Tagen hatte sich etwas zwischen mir und Edward verändert. Bis zu diesem Augenblick war ich mir dessen allerdings völlig unbewusst gewesen. Doch dieser Moment gestern war ausschlaggebend dafür, dass ich an die Anfänge unserer... "Freundschaft" zurückdachte und ihren Lauf bis zum jetzigen Zeitpunkt verfolgte.
Erst jetzt, da ich mit dem erhabenen Blick eines erfahreneren Menschen auf das Geschehen zurückblickte, wurden mir diese vielen kleinen Momente bewusst, die nach und nach dazu geführt hatten, dass Edward und ich uns über seine anfängliche Distanziertheit hinaus kennen gelernt hatten. Inzwischen bildete ich mir ein, recht gut über seinen Charakter bescheid zu wissen. Dies beruhigte meinen aufgewühlten Verstand ein bisschen, der sich lautstark über meine eigene Unzulänglichkeit beschwerte. Denn Edward war keines Falls dieser zynische, egoistische Typ, für den ich ihn auf den ersten Blick gehalten hatte. Edward hatte einen starken Charakter, das stand außer Frage. Er war selbstgefällig und überheblich. Und das auf eine Art und Weise, die mir verlässlich die Zornesröte ins Gesicht trieb. Doch das war die eine Seite seiner Person.
Die andere förderte ab und zu Eigenschaften zu Tage, die ich weder ihm, noch den meisten anderen Leuten zugetraut hatte, die ich kannte. Zuerst einmal war da diese beschützerische Art, die ich einmal Edward gegenüber als Neandertalerverhalten bezeichnet hatte. Wie nützlich und ... anziehend sie sein konnte, hatte ich zum Zeitpunkt, indem diese Unterhaltung stattgefunden hatte allerdings nicht gewusst. Edward war impulsiv und einschüchternd, aber trotz dessen gehörte er keinesfalls zu diesen angeberischen Halbstarken. Edward wusste was er tat und war schnell von Begriff, sodass er über die Charaktere der Leute in seiner Umgebung bestens im Bilde war. Edward war kein einfacher Mensch und auf den ersten Blick ein solcher, den ich besser weiträumig umging. Aber eben nur auf den ersten Blick. Auf den zweiten oder dritten konnte man erkennen, dass er Jemand war, der die Bereicherung seiner Freundschaft nur denjenigen zukommen ließ, bei denen er sicher war, dass sie es wert waren. Wenn man sich allerdings zu diesen Leuten zählen konnte, bekam man zu spüren, was bedingungslose Rückendeckung bedeutete. Ein nächster Punkt auf meiner imaginären Liste, die Edwards positive Eigenschaften enthielt, war sein exquisiter Humor, ein bisschen ironisch aber nicht zu sehr.
Ich fragte mich mit dem Anflug von Besorgnis, wie sich die Dinge wohl in nächster Zeit zwischen uns entwickeln würden. Als wir uns gestern am Flügel in die Augen gesehen hatten, hatte es sich nach mehr angefühlt. Ich seufzte und fing mir einen neugierigen Blick von Alice ein, die neben mir auf der Rückbank saß. Wie es um meine Gefühle stand, war keine Frage aber welche Absichten sich hinter Edwards Neckereien und Galanterien verbargen, wusste ich nicht. Ich war mir im Klaren darüber, dass Edward kein Typ für Gefühle war und dass seine Aufmerksamkeit mir gegenüber entweder völlig unbewusst, zu seinem bloßen Vergnügen oder meiner Fantasie entsprungen war. Eine andere Möglichkeit gab es nicht... aber trotzdem... manchmal bildete ich mir ein, dass die Wahrheit über jegliche meiner Vermutungen hinausging. Meine Hände umklammerten meine Arme, versuchten mir selbst Halt zu geben. Die Fingernägel gruben sich in meine Haut und erinnerten mich daran, wo ich war. Als Emmett auf dem Krankenhausparkplatz hielt, schnallte ich mich hastig ab und stieg aus.
Die Fahrt hatte aufgrund seines halsbrecherischen Tempos nur eine Viertelstunde gedauert, war mir aber viel länger vorgekommen. Ich eilte hinter Emmett, Jasper, Rosalie und Alice her und konnte zur Abwechslung einmal keinen einzigen klaren Gedanken fassen.
Jasper wechselte ein paar Worte mit der Frau hinter der Rezeption. Sie schien die Familie von Carlisle sofort zu erkennen. Ein Glück, dass sich die anderen in dem Gewirr aus Gängen und automatisch aufschwingenden Türen zurecht zu finden schienen. Ich wäre alleine jedenfalls hoffnungslos verloren gewesen. Als wir im vierten Stock dem Aufzug entstiegen, kam uns Carlisle mit langen Schritten und wehendem Kittel entgegen. Ich suchte sein Gesicht nach Zeichen ab, die darauf hinweisen könnten, dass sich Edwards Zustand verschlechtert hatte, doch fand keine. Er wirkte lediglich leicht gestresst. "Er ist schon wieder bei Bewusstsein", rief er uns zur Begrüßung zu und lächelte erschöpft in die Runde. Für einen Vater gab es wahrscheinlich nichts schlimmeres, als den eigenen Sohn wieder zusammen flicken zu müssen. Carlisle machte Kehrt und bedeutete uns, ihm zu folgen. Seine Gegenwart ließ mich ruhiger werden. Er als Arzt würde wissen, wann Grund zu ernstlicher Sorge bestünde.
Er öffnete eine der Türen, die von einem hellen, weißen Gang abgingen, wie wir sie schon zu genüge durchschritten hatten, und ließ uns den Vortritt.
In einem der drei belegten Krankenhausbetten lehnte Edward mit aufgerichtetem Oberkörper gegen das Kopfteil. Sein Gesicht war weder von Kratzern überzogen, noch der Kopf bandagiert oder eine Vorrichtung angebracht, um einen mögliches gebrochenes Bein zu entlasten. Die Erleichterung, die mich bei seinem Anblick überkam, war kaum zu beschreiben. Im Nachhinein war ich der Überzeugung, dass lediglich meine Nerven mit mir durchgegangen waren und nie Grund zu ernstlicher Sorge bestanden hatte, doch im Moment war ich einfach nur erleichtert. Edwards Gesicht war so perfekt wie eh und je und trug keine Spuren eines Unfalls. Doch er wirkte sehr blass, fast schon ungesund und das Lächeln, dass sich auf seinem Gesicht ausbreitete, als wir eintraten, wirkte sehr mühsam.
"Hatte ich nicht gesagt, du sollst dich nicht aufrichten?", meine Carlisle streng, doch ich hörte ein Lächeln in seiner Stimme. "Ich bin kein schwer verletzter, Dad", beschwerte sich Edward schwach. Er wirkte erschöpft. "Gott sei Dank! Ich dachte schon, ich würde nie mehr mit meinem Bruder Football spielen können", rief Emmett, der bei Edwards Anblick seine gute Laune wieder gefunden hatte. "Sehr witzig, Em. Aber wenn du weiter so schreist platzt mein Kopf." Rosalie und Alice waren beide in Tränen aufgelöst.
Alice plapperte in einer Tour und Rosalie setzte sich auf den Bettrand und schloss Edward in eine feste Umarmung, die dieser mit einem schmerzerfüllten Gesichtsausdruck quittierte.
"Du sollst ihn nicht zerquetschen, Rose!", tadelte sie Jasper lächelnd. Ich stand nach wie vor an der Tür, unfähig mich den anderen anzuschließen. Nach der plötzlichen Hektik und all meinen übertriebenen Ängsten, war ich ziemlich fertig. Erleichtert, aber erschöpft, wie ein Gummischlauch, aus dem man die Luft gelassen hatte. Carlisle musste wieder an die Arbeit und nach fast einer Stunde verkündete Emmett, dass er nach dem Schock unbedingt in der Krankenhauscafeteria etwas essen musste. Rose schloss sich ihm an und mir fiel auf, dass Jasper viel daran zu liegen schien, dass auch Alice sie begleitete. Jedenfalls redete er so lange auf sie ein, bis sie zustimmte und die vier lachend und schwatzend das Zimmer verließen. Ich hatte bis jetzt kaum mehr als drei Worte gesprochen. Edward betrachtete mich neugierig, doch seine Augenlider wirkten schwer. "Alles in Ordnung mit dir?", fragte er nach kurzem Zögern. Ich senkte den Blick, der Schalk in seinem Blick entging mir allerdings trotzdem nicht. "Klar", antwortete ich mit rauer Stimme. Verlegen trat ich näher an das Bett heran. Edward klopfte einladend auf den Bettrand. "Setzt dich! Ich mag es nicht, wenn du so auf mich herunterschaust." Ich ließ mich auf der äußersten Bettkante nieder.
"Ich habe gewusst, dass dich deine Raserei irgendwann ins Krankenhaus bringt", sagte ich schwach. Edward lächelte dieses hinreisende schiefe Lächeln, das seine Wirkung auch dann nicht verfehlte, wenn es ihm augenscheinlich bescheiden ging. "Mich triff keine Schuld. So ein klappriger oranger Chevy-Transporter hat mir die Vorfahrt genommen und ist mir seitlich rein gefahren. Mein Volvo ist Schrott." Seine Mundwinkel senkten sich ärgerlich. Ich schüttelte halb belustigt, halb ärgerlich den Kopf. "Sei lieber froh, dass du leicht verletzt davon gekommen bist. Das Auto ist Nebensache."
Edward schmunzelte, wirkte jedoch wenig überzeugt. "Du hättest es ruhig ein wenig euphorischer aufnehmen können, dass mich der Chevy nur fast zerquetscht hat."
Es sah ihm ähnlich, mich selbst dann aufzuziehen, wenn ich tausend Tode aus Sorge um ihn gestorben war. "Wie kannst du jetzt Witze machen?", fragte ich pikiert. Edward zuckte mit den Schultern und verzog zeitgleich das Gesicht zu einer Grimasse. Anscheinend würde er einige Prellungen davon tragen. Mein Blick fiel auf seinen Oberarm, der mit einer weißen Mullbinde verbunden war.
"Erwartest du, dass ich einen Freudentanz aufführe?", fügte ich heftiger als beabsichtigt hinzu. "So etwas in der Art." Er schwieg kurz. "Naja, eigentlich wollte ich dich nur zum Lachen bringen. Du bist mit den Nerven total am Ende. Und dabei bin ich der mit dem Unfall." Er lächelte.
Ich verlor mich ein paar Sekunden in der markanten Linie seines Kiefers, der Wangenknochen und dem Kinn, bevor ich mich wieder unter Kontrolle hatte.
"Ich hatte schreckliche Angst, dass ich von jetzt an selber Klavier lernen muss." Ich hatte versucht auf seine Anspielung mit Humor einzugehen, doch das Ergebnis war eher kläglich. Edward lächelte, ganz der Gentleman, trotzdem.
"Ich bin so großherzig und tue nicht nur so, als hätte ich deine Lüge nicht bemerkt, sondern sogar, als würde ich sie dir blind abkaufen", erwiderte er vergnügt. Meine Lippen verzogen sich unwillkürlich ebenfalls zu einem Lächeln.
"Ganz ehrlich, du siehst aus, als hättest du ein Gespenst gesehen", zog er mich auf.
Dann wurde seine Miene plötzlich ernst und nachdenklich, bevor sie sich wieder erhellte.
"Wie wäre es, wenn ich dafür sorge, dass du wieder ein bisschen mehr Farbe ins Gesicht bekommst?" Sein Tonfall ließ mich aufhorchen. "Wie willst du das machen?" Edwards Lächeln wurde breiter.
"Küss mich!"
Mein Mund klappte auf und es hätte nicht viel gefehlt und ich wäre vom Bett gefallen. "I-Ich glaube dein Kopf hat bei dem Aufprall etwas abbekommen. Vielleicht sollte ich Carlisle holen", erwiderte ich, bemüht um einen neutralen Tonfall. Edwards Grinsen wurde noch eine Spur breiter. "Meinem Kopf geht es bestens. Ich glaube du willst mir nur schonend beibringen, dass du mich auf keinen Fall küssen möchtest", sagte er heiter. "Wir sind Freunde!", stammelte ich empört.
"Und?" Ich wich seinem intensiven Blick aus. "Freunde küssen sich nicht!"
"Du verletzt meinen Stolz, Bella", meinte Edward gespielt beleidigt. Ihm schien meine Entrüstung Vergnügen zu bereiten. "Ich würde mein Ja bekommen", stellte er selbstgefällig fest. Ich atmete tief durch und zermarterte mein Gehirn nach einer Antwort, die weder alles abstritt, noch sein Ego bestätigte. Ich wollte ihn zwar nicht herausfordern, doch einen Mittelweg fand ich genauso wenig. "Sicher nicht und du wirst Gentleman genug sein, es nicht zu probieren." Ich versuchte den panischen Unterton zu unterdrücken, doch es gelang mir nicht gänzlich. "Was macht dich dessen so sicher?", fragte er und fixierte mich mit einem Blick, der mein Herz zum Rasen brachte. Ich sah in seinen Augen dieses Funkeln, dass ich bereits bei ihm gesehen hatte, als er kurz davor war, eine Herausforderung an zu nehmen.
Edward würde doch nicht wirklich... Er zog mich doch nur auf, oder?
"Edward...!" Ich versuchte mich an einem strengen Tonfall, doch er misslang mir gänzlich.
"Was ist dein Problem? Es ist doch nur ein Kuss" Für ihn war es das vielleicht, aber für mich...
"Das hatten wir doch schon!" Mir stieg die Zornesröte ins Gesicht, weil ich in seiner Gegenwart zu nichts zu gebrauchen war und seine Amüsiertheit mich auf die Palme brachte. "Freunde küssen sich nicht! Und ich bin keines dieser Mädchen, dass sich auf solche Geschichten-"
Mit einer, für jemanden, der gerade einen Autounfall gehabt hatte, bemerkenswerten Schnelligkeit, umfasste er mit der einen Hand mein Kinn und zog mein Gesicht zu seinem heran. Wir waren uns so nahe, dass unsere Nasen sich fast berührten. Mein Herz schlug holprig in meiner Brust, meine Augen waren weit aufgerissen. Ich schluckte, spürte einen Hauch Panik in mir aufsteigen. Mein Blick wanderte über sein perfektes Gesicht, über die Bartstoppeln und den hypnotisierenden Schwung der Lippen, bevor er in Edwards wunderschönen grünen Augen hängen blieb. Aus seinem Blick war jeglicher Spott verschwunden. Ich zitterte leicht, als ich seinen warmen Atem auf der Haut spürte. Inzwischen war mir alles egal, vielleicht sehnte ich es sogar herbei oder ich hatte mich schlicht und ergreifend mit der Ausweglosigkeit meiner Situation abgefunden, jedenfalls schlossen sich meine Augen und warteten auf die sanfte Berührung seiner Lippen. Doch es geschah nichts.
"Siehst du, ich hätte mein Ja bekommen", flüsterte er mit rauer Stimme. Zu meiner Verwirrung spürte ich, wie sich sein Griff um mein Kinn lockerte. Ich öffnete perplex die Augen und wich ein Stück vor ihm zurück.
Sooo ... was sagt ihr dazu? Hoffentlich hat´s euch gefallen!
Habt ihr gemerkt, dass Bellas Auto aus dem richtigen Buch auch seinen Auftritt hatte? Es hat mich so lange angebettelt, bis es auch mitspielen durfte... ;)
Es hat mich wirklich total gefreut, als ich gehört habe, dass sich andere Hobbyautoren von der Story inspiriert fühlen :) Ich glaube das ist eines der größen Komplimente, die man bekommen kann ;) Vielen Dank dafür
Also wir lesen uns dann wieder am Mittwoch (voraussichtlich) ;)
