Epilog

Lang ersehntes Glück

Esmes POV

Wer hätte gedacht, dass sich alles so entwickelt. Dass nicht nur mein Leben solch einen Verlauf nehmen wird.

Ich dachte 1921, als ich meinen Sohn verlor, und damit alles, was mir auf dieser Welt etwas bedeute, wäre alles vorbei. Mein Leben hatte keinen Sinn mehr.

Und doch wurde ich eines Besseren belehrt. Schon, als mir Carlisle das erste Mal begegnete, 1911, nachdem ich mir mein Bein brach, hatte ich ein besonderes Gefühl in seiner Nähe. Von Sicherheit, aber auch Geborgenheit.

Kaum, dass ich 1921 die Augen öffnete, nachdem Carlisle mich in einen Vampir verwandelte, hatte ich wieder dieses Gefühl. Man sagt, das erste was man spürt, wenn man als Vampir erwacht, ist der Blutdurst. Doch bei mir waren es eben diese Gefühle der Geborgenheit und Liebe.

Es dauerte nicht lange, dass ich mich an mein Dasein als Vampir gewöhnte. Schließlich hatte ich jemanden an meiner Seite, der mich liebte. Der mich so liebte, wie es mir mit Charles verwehrt war. Carlisle ist mein Leben und ich bin ihm unendlich dankbar, dass er mich rettete.

Edward, Rosalie, Emmett, Alice und Jasper mögen nie meine eigenen Kinder gewesen sein, aber sie ließen mir das Gefühl, dass sie mich als Mutter-Figur brauchten, auch wenn sie ihr Leben sicher auch ohne meinen Einfluss gemeistert hätten. Dennoch liebe ich das Gefühl des Gebrauchtwerden.

Zusammen haben wir sieben lange Jahrzehnte harmonisch zusammen gelebt, in verschiedenen Städten und Ländern dieser Welt. Ich möchte kein Jahr missen.

Edward war dabei immer mein ‚Sorgenkind'. Auch wenn er es gut zu verstecken konnte, wusste ich, wie sehr es ihn bedrückte, alleine zu sein. Natürlich war er nie alleine, bei unserer großen Familie, doch musste er viele, viele Jahr zuschauen, wie um ihn herum alle glücklich verliebt waren.

Unsere Versuche, ihn mit Tanya Denali aneinander zu bringen scheiterten kläglich. Auch wenn mir der Gedanke, nach meiner Vergangenheit mit Charles, nicht behagte, Edward mit jemanden zusammen zu bringen. Aber ich konnte mir einfach nicht mehr mit ansehen, wie alleine er war.

Aber das sollte sich alles ändern, als wir 2002 zurück nach Forks zogen. Wer hätte gedacht, dass dieses kleine Städtchen unser Schicksal trug.

Bella Swan kam nicht nur in Edwards Leben. Sie bewegte uns alle. Sie war Alice beste Freundin, Emmetts kleine Schwester, Rosalies ärgste Feindin, so sah es zumindest aus, und für mich war und ist Bella wie eine Tochter. Auch für Carlisle zählte sie wie eine weitere Tochter.

Doch für Edward war sie alles. Es gab nur sie. Er liebte sie so sehr, dass ihm ihre Sicherheit vor uns wichtiger war, als sein Glück. Bellas 18. Geburtstag wird wohl nie vergessen werden, denn es war der Tag, an dem sich unser aller Leben änderte. Als Edward dann auch noch zu den Volturi ging, um seiner Existenz ein Ende zu bereiten, fühlte ich mich wie 1921, als ich meinen Sohn verlor.

Aber damals gab es noch keine Bella Swan. Zu dem Zeitpunkt waren noch nicht mal ihre Großeltern geboren. Aber eben diese Bella Swan, von der wir dachten, sie wäre ein ganz normaler, verletzlicher Mensch, rettete Edward. Ich bin ihr noch heute dankbar.

Aber wir wissen mittlerweile alle, es gehörte zu ihrem Schicksal.

Ab diesen Zeitpunkt konnten die zwei endlich ihre Liebe genießen. Das nächste Drama ließ zwar nicht lange auf sich warten, aber gemeinsam überwindeten sie auch diese Hürden und besiegelten ihre Liebe am 13. August 2006.

Nicht nur für die beiden war es ein ganz besonderer Tag.

Aber als sie dann vorzeitig aus ihren Flitterwochen zurück kamen, sollte ihr Glück eine erneute Wendung nehmen.

Denn am 10. September 2006, drei Tage vor Bellas 19. Geburtstag kam Renesmee Carlie Cullen zur Welt. Damals konnte noch keiner ahnen, was das für schicksalhaftes Ereignis werden würde.

Es war für uns Cullens, aber vor allem für die Eltern, der schönste, aber auch gleichzeitig der traurigste Tag unserer Existenz. Ich konnte gut mit Bella mitfühlen, als sie Renée ihre wunderhübsche Tochter übergab.

Aber wie es das Schicksal so wollte, kam sie nach 18 langen Jahren zurück in die Familie. Ich werde den Tag nicht vergessen, als ich das erste Mal ihre Stimme hörte, als wir allesamt in Phoenix waren und Rosalie bei Renesmee wachte.

Wer bist du?"

„Ich bin Rosalie."

„Und was machst du hier?"

„Das erkläre ich dir am besten mit allen Anderen. Sie warten im Wohnzimmer."

„Die Anderen?"

„Komm, Renesmee. Sie warten unten. Dann wird sich alles aufklären."

„Woher kennst du meinen Namen?"

„Ich war bei deiner Geburt dabei und habe mich um dich gekümmert, als es deiner Mutter noch nicht so gut ging."

„Oh. OK."

Ab da an nahm alles seinen gewohnten, dramatischen Lauf. Warum sollte es den einfachen Weg geben?!

Renesmee damals aus ihrer ungewohnten Umgebung zu reißen, fiel keinem leicht. Phil und Renée hatten wirklich Renesmee zu einer liebevollen und aufrichtigen jungen Dame erzogen, die ein sorgenfreies Leben in Arizona genoss. Der Abschied von ihrem Freund Scott und ihren restlichen Freunden war für uns alle herzzerreißend.

Aber es war von Nöten, denn Renesmee war zu diesem Zeitpunkt nicht mehr das unschuldige Mädchen, wie all ihre Freunde sie kannten. Nein, sie war nun ein Halb-Vampir mit sagenhaften Kräften, die meinen lieben Gatten in Verzückung brachten.

Auch wenn Renesmee unter der Trennung ihrer gewohnten Umgebung litt, waren Bella und Edward einfach nur glücklich. Vor allem, als Renesmee ihr Leben akzeptierte und ihre Eltern lieben lernte. Sie fügte sich in die Familie ein, als gehörte sie schon immer dazu.

Emmett hatte wieder seine kleine Schwester. Ihm zur Seite stand Jasper, der über Renesmee eben so beschützend war wie Rosalie, Carlisle und ich. Alice hatte eine weitere beste Freundin. Und Edward und Bella hatten endlich ihre Tochter.

Die Denalis waren anfangs nicht ekstatisch über ihre Ankunft, aber auch unter ihnen fanden sich einige, die Renesmee einfach nur lieb gewannen.

Aber was wäre unser Leben, ohne ein weiteres dramatisches Ereignis. Wobei uns allen klar war, dass das Interesse der Volturi bald geweckt werden würde. Doch hofften wir, Renesmee lange vor ihnen geheim halten zu können, um eine Lösung zu finden.

Leider zu spät. Aber die Volturi übertrafen sich bei ihrem Angriff selbst, denn ihr Vorgehen schockte selbst Carlisle und Eleazar, die lang genug mit den Volturi lebten. Renée, Phil und Charlie überlebten den Angriff, doch für Scott gab es keine Chance, als Jane ihn biss.

Er wurde zum Vampir und seine große Liebe wurde nach Volterra entführt, wo sie einiges durchmachen musste. Aber schon da machte sich die Prophezeiung bemerkbar.

Es war beeindruckend, wie viele Vampire uns zur Hilfe eilten. Aber auch, dass die Wölfe kamen. Sie alle riskierten so viel für nur eine Person. Renesmee.

Ein Bild aus Volterra werde ich nie vergessen können. Als Renesmees Augen blutrot wurden und sie Jane vernichtete. Renesmees Unschuld nahm damals einen herben Bruch.

Aber wir schafften es, sie wieder aufzubauen. Sie kam auch drüber hinweg, dass Scott nun ein Vampir war. Ihre Liebe wuchs und alles nahm einen wundersamen Verlauf. Und dieses neue Glück, nahmen wir zum Anlass, ein neues Leben zu starten. In Highlands.

Dort lebten sich alle Familienmitglieder prächtig ein. Scott und Renesmee gewöhnten sich fabelhaft an die neue Schule und lernten, das Leben zu genießen.

Wir waren glücklich, so glücklich, dass wir die Augen vor Bösem verschlossen.

Alec schaffte es, dieses ganze Glück erneut zu zerstören. Ich weiß nicht, ob ich es gut genug vor Edward verstecken konnte, doch ich glaubte damals wirklich an das Ende. So viel, wie diese Familie schon durchmachen musste, fand ich nicht mehr den Glauben daran, dass wir es auch ein weiteres Mal schaffen.

Zumal es noch nie so nah dran war, denn Alec hatte wirklich einiges getan, um uns und alle anderen zu zerstören. Renesmee war für ihn nur ein einzelner kleiner Baustein, den er brauchte, um sein Werk zu vollenden.

Aber er hatte sich mit den Falschen angelegt. Nicht nur wir, auch Alec wusste nichts davon, dass Renesmee dazu geboren war, eine Prophezeiung zu erfüllen. Eine Prophezeiung, die endlich dem ganzen Drama ein Ende bereiten sollte. Auch wenn damit viel Schmerz für alle Beteiligten verbunden war.

Doch am meisten war es Renesmee. Sie trug eine Bürde in sich, die ihr keiner abnehmen konnte und kaum einer wollte. Wobei jeder aus der Familie es versucht hätte, wäre die Möglichkeit da. Doch es war ihr nun mal vorbestimmt.

Renesmee brauchte eine Weile, bis sie akzeptierte, dass sie tun musste, was geschah. Ohne sie, würde es uns alle nicht mehr geben. Wir alle sind ihr zu Dank verpflichtet. Doch davon will sie nichts hören.

Das war vor 15 Jahren.

Mittlerweile hat es uns wieder weg aus Denali verschlagen. Das Weltklima veränderte sich auf der ganzen Welt und Alaska versank in Schnee und Eis. Kalifornien bleibt weiterhin ein Traum für uns. In Copper Harbor, an der Spitze des US-Bundesstaates Michigan, haben wir unser neues Domizil gefunden.

Es regnet dort nicht so oft, wie wir es aus Forks kennen. Auch die Sonne konnten wir öfter genießen. Aber unser neues großes Haus liegt weit abgeschieden von jeglichen Zivilisation.

Ich genieße gerade mal wieder ein leeres Haus. Während Carlisle seinen Dienst in Ahmeek absolviert, wo auch die High School der Kinder ist, arbeite ich von Zuhause aus an meinen neuen Projekten meines kleinen eigenen Unternehmens. Alice hat mir geholfen, mein Hobby zum Beruf zu machen und dekoriere Häuser für andere Familien.

Copper Harbor ist nur ein kleines Städtchen, das an einem der größten Seen der USA liegt. Die Stadt ist so klein, dass die Kinder, die längst keine Kinder mehr sind, täglich einen weiten Weg zur Schule haben. Aber das gab ihnen nur die Gelegenheit, ihre Wagen zur Höchstgeschwindigkeit anzutreiben.

Meine Arbeit ist für heute erledigt. An solchen Tagen wandere ich gerne durchs Haus und schwelge in Erinnerungen. Dabei stolpere ich mal wieder über eines dieser Spielgeräte von Emmett. Hier im Wohnzimmer spielt sich immer alles ab.

Jeder Einzelne liebt seine private Zeit, aber dennoch finden sich alle immer wieder hier ein. Emmett, Scott und Jasper spielen dann ihre Videogames, während Edward und Bella eng aneinander geschmiegt ein Buch lesen. Bella, wie sollte es auch anders sein, mit dem Buch Sturmhöhe. Rose und Alice gehen stattdessen sämtliche Kataloge durch. Nur Renesmee ist in ihrer eigenen Welt.

Carlisle hat ihr, nachdem sie auch Wochen später die Schlacht von Missouri nicht verarbeitete, ein Tagebuch geschenkt. Anfangs belächelt sie das Buch nur und glaubte nicht an die seelische Befreiung. Bis sie an einem Tag doch anfing, darin zu schreiben.

Mittlerweile stapeln sich in ihrem Zimmer die Tagbücher. Jeden interessiert es, was sie alles darin schreibt, aber niemand wagt es, darin sie lesen. Auch wenn sie es, wie heute, auf dem kleinen Tisch im Wohnzimmer liegen ließ. Aber das Schreiben brachte die erhoffte Befreiung.

Carlisle und ich ziehen uns dann gerne zurück und genießen das fröhliche Gelächter aus der Ferne.

Mal wieder räume ich Emmett sein Spielzeug hinterher und gehe Richtung Flur. Dabei komme ich an der Küche vorbei. Ein Trauerspiel, denn sie ist noch unbenutzt und wird es wohl auch erstmal bleiben. Wie gerne erinnere ich mich daran zurück, als ich Renesmee noch etwas kochen konnte. Sie liebte es, wenn ich ihr Käse-Makkaroni machte. Oder wenn wir gemeinsam einen Kuchen backten.

Ich schüttel nur den Kopf, um die Gedanken zu vertreiben. Manchmal schmerzt es mich auch, denn ich vermisse diese Zeit.

Viele Bilder begleiten mich, als ich durch den Flur streife. Scott hat es sich zum Hobby gemacht, mit dem Fotografieren zu beginnen. Und dass er talentiert ist, beweisen die vielen zauberhaften Familienbilder.

Er hat es sich sogar nicht nehmen lassen, vor jeder Zimmertür ein Bild zu montieren, von den Bewohnern. So wunderte es niemanden, dass an der Tür zu Rosalie und Emmetts Zimmer ein Bild der beiden prangt, auf dem sie sich innig küssen. Picture Perfect.

Aber auch, als ich in ihr Zimmer trete, ist einfach alles perfekt. Natürlich ist es Rosalie zu verdanken, dass das Zimmer betretbar ist. Wie würde es wohl aussehen, wären die beiden nicht zusammen? Wobei, die Vorstellung, dass Emmett und Rose nicht zusammen seien, mir nicht in den Kopf will. Soviel Vorstellungskraft besitze ich dann doch nicht.

Die zwei haben sich mittlerweile ein Bett gekauft, beziehungsweise anfertigen lassen, das aus Titan besteht. Das sollte doch jetzt halten, denn viele, viele Betten segneten das zeitliche. Wie hatte es Renesmee damals beschrieben, als sie uns ihre Traumhefter überreichte?

Rosalie und Emmetts Liebe ist sehr körperlich…", beschrieb sie es.

„Ihr Haar ist so wunderschön blond. Ihr Gesicht so samt und glänzend. Ich habe nie ein schöneren Menschen gesehen…"

Auch damit hatte Renesmee recht. Rosalie ist wahrlich eine wunderschöne Person. Und Emmett weiß um seinen Schatz und hütet sie, als wäre sie noch immer ein verletzlicher Mensch. Manchmal ist dies Rosalie zu viel, doch genauso oft genießt sie Emmetts fürsorgliche Liebe.

Diese beiden haben sich damals wirklich gesucht und gefunden.

Emmett, der Bär der Familie. Wie oft habe ich versucht, ihm die Leviten zu lesen, weil er mal wieder im Haus etwas kaputt machte. Doch dann grinst er mich nur an mit seinen Grübchen und der Ärger ist schnell wieder vergessen. Niemand kann ihm lange böse bleiben. Nur Rose weiß es, ihm das Fürchten zu lehren.

Ein Zimmer weiter stehe ich vor der Tür, mit einem Bild, das Alice und Jasper am besten beschreibt. Jasper trägt seine Alice auf dem Arm. Beide lachen gelöst und blicken sich dabei verliebt an.

Und so ist es in ihrer Beziehung. Jasper trägt Alice auf Händen. Für ihn ist Alice seine Erlösung von einem Leben voller Qual und Folter. Wäre sie nicht gewesen, wäre er noch heute ein vampirischer Soldat, der es nicht verabscheut, von Menschen zu trinken.

Jasper dankt es Alice jeden Tag. Sie war es auch, die ihm immer beistand, ihm gut zu redete, wenn er mal wieder an sich zweifelte. Und diese Tage gab es die ersten Jahrzehnte zu Hauf. Jasper mag ein starker Krieger sein, aber was sein Selbstvertrauen im Umgang mit Menschen betraf, war er noch weit am Anfang.

Doch mittlerweile ist er der Erfahrene, der sein Wissen weiter gibt. Gerade er war und ist noch immer eine große Stütze für Renesmee, die anfangs arge Probleme hatte, sich zu kontrollieren. Es hat schon seinen Grund, warum Ahmeek ihre erste High School ist, seitdem sie ein richtiger Vampir ist. Deshalb fällt es ihr auch nicht so leicht in der Schule, wie allen anderen, die mittlerweile etliche Schulabschlüsse haben.

Es war ein weiter Weg für Renesmee und sie dankt es Jasper ebenfalls jeden Tag. Durch diese Zusammenarbeit fanden sie eine große Gemeinsamkeit. Sie lieben die amerikanische Geschichte. In vielen Gesprächen dieses Themas fand Renesmee ihre innere Ruhe und die Kraft der Selbstkontrolle. Wobei ich aber nicht nur Jasper loben darf.

Die gesamte Familie stand Renesmee bei. Gerade bei Rückschlägen verkroch sie sich gerne zu Scott, oder suchte die schützenden Arme ihrer Eltern.

Alice spielte dabei auch eine große Rolle. Nicht nur, dass sie, wenn auch noch immer verschwommen, Renesmees Zukunft und damit verbundene Ausrutscher sehen konnte, nein, sie sorgte auch immer wieder für heitere Stimmung.

Sie ist nicht nur die shoppingvernarrte Elfe. Alice ist immer dabei, alle bei guter Laune zu halten. Zusammen mit Emmett bringt sie alle zum Lachen.

Jasper und seine Dame haben sich, nach allem was passiert war, gar eine Auszeit genommen. Nachdem wir uns alle in Denali niedergelassen haben und unsere Ruhe fanden, reisten die beiden für ein Jahr in den Süden und schlossen sich Peter und Charlotte an.

Ich war sehr traurig, sorgte ich mich doch, ob sie wieder kommen. Aber sie taten es, denn sie vermissten ihre Familie. Renesmee gab sich damals die Schuld, dass die beiden verreisten, doch Alice schaffte es, ihr diese Last zu nehmen. Dennoch war Renesmee diejenige, die sich am meisten freute, als Alice und Jasper wieder vor der Tür standen.

Vor der nächsten Tür hängt ein Bild, bei dem ich jedes Mal wieder in Verzückung gerate. Ausnahmsweise hat es mal nicht Scott gemacht, denn dieser ist eben auf diesem Bild, zusammen mit Renesmee. Scott sitzt auf einer Schaukel und Renesmee auf seinem Schoß. Sie grinsen sich liebevoll an. Renesmees Gesicht wirkt dabei so frei, so losgelöst.

‚Unsere Kleine', wie sie noch immer von uns allen liebevoll genannt wird, hat auch jede Menge durchmachen müssen. Aber sie hat es gemeistert, weshalb wir noch immer alle sehr stolz auf sie sind.

Scott war ihr dabei wohl der größte Halt. Er wich nicht mehr von ihrer Seite und das brauchte sie auch. Es gab gute Tage, aber genauso gab es schlechte Tage, wo wir Renesmee nicht aus ihrem Zimmer bekamen. Aber irgendwer schaffte es dann doch, sie aus ihrer Misere zu befreien. An einem Tag war es Scott, am anderen Bella, am nächsten ich. Jeder hatte mal seinen Tag, das Gespür, Nessie zu trösten.

Während Scott in unserer Zeit in Denali die High School erfolgreich besuchte, blieb Renesmee unwillentlich Zuhause. In der Zeit waren es meistens Carlisle und ich, oder Carmen und Eleazar, die sich um sie kümmerten, aber auch um sie zu lehren. Renesmee wollte es so, hatte sie Angst, zurückzufallen, hinter allen anderen. Deswegen ist sie auch noch immer wie besessen dabei, zu lernen, um genauso gut zu sein, wie alle anderen. Und laut Edward sieht es ganz gut aus mit ihren Noten.

Scott kann ich gar nicht mehr wegdenken aus unserer Familie. Er gehört dazu, als wäre er von der ersten Minute dabei. So, wie er sich mit der Familie arrangiert hat, wundert es mich nicht. Aber erwartet hatte ich es nicht. Jeder wusste um seine Liebe zu Renesmee und seine anfängliche Missgunst uns gegenüber. Diese Sorge war aber schnell unbegründet, denn Emmett hat in Scott einen richtigen Kumpel gewonnen.

Die beiden bringen mich oft in Rage, wenn sie im Haus wieder Unsinn veranstalten oder ihre Geschwister ärgern. Selbst ihre Frauen bekommen sie dann nicht im Griff.

Im Zimmer unserer Jüngsten stehen viele Bilderrahmen, nicht nur von der Familie. Obwohl, doch, denn nach vielen Jahren in Alaska zählen die Denalis zur Familie. Sie haben auch einen großen Teil daran, dass unsere Familie wieder so harmoniert.

Dabei schlossen Dolton und Renesmee ein festes Band, dass selbst Scott besorgte, aber Dolton und Renesmee wurden einfach nur enge Freunde. Sie verbrachten viel Zeit, um über Tyra zu reden. So gaben sie sich gegenseitig Kraft, denn Dolton traf der Tod seiner Schwester hart. Schließlich hatte er sie gerade erst wieder, nachdem die Volturi sie jahrelang weggesperrt hatten.

Heute ist Dolton wieder der Schlingel, wie ihn jeder kennt. Eine ganz bestimmte Dame hat ihm dabei geholfen und tanzt noch immer an seiner Seite. Chiara hat den gleichen Schmerz wie er erlebt, eine Schwester verloren. Diese Trauer verband sie und dabei verliebten sie sich. Und nach Renesmees Auskunft, die oft mit einem der beiden Kontakt hat, sind sie sehr glücklich.

Aber nicht nur Dolton und Chiara fanden ihre Liebe. Auch die drei Denali-Ladys haben endlich einen Mann an ihrer Seite. Dass Kate in Garett ihren Seelenverwandten getroffen hat, wunderte niemanden. Die beiden waren schon bei ihrem ersten Aufeinandertreffen, nicht mehr voneinander zu lösen. Die Wahl von Irina und Tanya dagegen, war eine große Überraschung. Nicht nur bei uns, in der ganzen Vampirwelt.

Tanya und Irina haben es doch tatsächlich geschafft, zwei der wichtigsten Volturi-Wachen an sich zu binden. Ich mag zwar gesehen haben, dass Tanya hin und wieder einen Blick auf Felix warf, aber dass sie es schafft, diesen Kraftprotz zu zähmen und ihn lieben zu lernen, hat selbst mich verblüfft. Ihre Beziehung erinnert ein wenig an Rosalie und Emmett. Nur sind sie noch immer am Anfang ihrer Beziehung. Carmen hat sie mittlerweile ans andere Ende des Schlosses verfrachtet.

Irina hat sich doch tatsächlich in Demetri verliebt. Der Junge hatte gar keine Chance, ihr zu widerstehen. Aro war sichtlich bestürzt über den Verlust seiner Wachen, doch er fand schnell Ersatz. Verloren hat er Demetri und Felix ja nicht ganz. Sie sind so etwas wie ein Außenposten der Volturi.

Die Volturi sind nicht mehr die, wie man sie kannte. Sie sorgen noch immer dafür, dass das Geheimnis der Vampire gewahrt wird. Aber sie setzen es nicht mehr so durch, wie sie es noch vor Renesmees Einfluss getan haben.

Seit der Schlacht von Missouri hat auch Carlisle wieder regelmäßig Kontakt zu Aro. Sie sind wieder die Freunde, wie sie es am Anfang waren, als Carlisle zu den Volturi stieß. Aro konnte es nicht lassen, Carlisle zu fragen, ob er sich ihm wieder anschließe. Er hatte aber nicht wirklich an eine Zusage Carlisles geglaubt und sah es mit einem Lächeln.

Wir fanden es allerdings weniger witzig, endete seine letzte Abwerbung um Renesmee doch in einer Katastrophe. Diesen Moment werde ich nie vergessen.

Ich frage dich, Renesmee Carlie Cullen, möchtest du zusammen mit meinem Zirkel auf unserem Schloss in Volterra leben? Ich würde dich gerne an meiner Seite schätzen. Deine Kräfte sind von unbezahlbarem Wert. Hier wären sie doch nur Verschwendung. Komm mit uns."

Nein danke. Ich habe eine Familie, die mich liebt und die ich liebe."

Mit dieser Antwort habe ich gerechnet. Aber ich bin mir sicher, dich noch umstimmen zu können."

Sag mir, Kind, hat man dich aufgeklärt, was es für Folgen hat, wenn du die Existenz von Vampiren verrätst?"

Nein."

Diese Menschen müssen getötet werden."

Nein, bitte nicht."

Das könnt ihr nicht machen, Aro. Ihr habt kein Recht dazu. Renesmee ist kein Gegenstand, welchen man verschachern kann. Diesen Handel werde ich nicht zulassen", sagte Edward wütend.

Aro machte eine Handbewegung, sofort machten sich Heidi, Chelsea und Felix auf und rannten aus dem Schloss. Sekunden später kamen sie zurück. Nur nicht allein. Über ihren Schultern hingen Charlie, Phil, Renée und Scott.

Die Familie wäre somit komplett", grinste Caius.

Nachdem Aro verstand, wie tief dieser Schmerz noch sitzt, entschuldigte er sich bei der Familie und machte sich wieder auf nach Italien.

Aro interessiert sich zwar noch immer für Renesmee, aber mittlerweile nur noch, um auf dem neuesten Stand zu sein.

Wir waren uns alle nicht bewusst, was für Kräfte Renesmee nach ihrer Verwandlung als Vampir nun weiter haben wird. Nachdem sie sich ganz erholte, testete Carlisle, wenn auch sehr ungern, was nun in ihr steckte.

Es blieben ihre gesamten Kräfte. Sie konnte wieder Gedanken lesen und ein Schild um sich aufbauen. Zusammen mit Bella kann sie ein Schild aufbauen, welches undurchdringbar ist. Es hält wirklich allem stand. Wenn Bella und Renesmee frisch getrunken haben, können sie es einige Tage aufrecht halten.

Was sie nicht wieder probierten, ist, wie Renesmee die Kraft eines anderen Vampirs steuert. Das ist ein gefährliches Thema für Renesmee. Sie hatte sich mehrmals bei Benjamin entschuldigt. Obwohl er selber erfreut war, dass er seinen Anteil daran hatte, den Casottis ein Ende zu setzen.

Meinetwegen müssen sie es auch nicht wieder probieren, denn ich bin einfach nur froh, dass Renesmee wieder ihr altes Ich ist. Ich freue mich jetzt schon, wenn sie zusammen mit den anderen später von der Schule kommt.

Vor fünf Jahren reisten Scott und Renesmee gemeinsam nach Phoenix, denn an diesem Tag erfüllte sich Alice Vision. Scotts kleine Schwester bekam ihre Zwillinge, die tatsächlich ihre Namen tragen. Liam Scott Peters und Elisha Carlie Peters. Beide besuchen sie mittlerweile die Vorschule und gedeihen prächtig.

Für Scott war es wichtig, zu sehen, dass es seiner Schwester gut geht. Er wäre ihr am liebsten richtig begegnet, doch Renesmee belehrte ihn eines Besseren und genossen das junge Glück aus sicherer Entfernung.

Ich warte noch immer auf den Tag, an dem Scott seiner Renesmee die Frage stellt, ob sie seine Frau werden möchte. Von Edward weiß ich, dass Scott ihn schon nach seiner Erlaubnis fragte. Zu gerne hätte ich damals Edwards Gesicht gesehen. Obwohl er von Scott mittlerweile ganz angetan ist. Schließlich spielte Scott eine ganz wichtige Rolle im Prozess um Renesmees Genesung. Ich habe das Gefühl, dass die Frage schon bald fallen wird.

Besonders freue ich mich, wie sehr Edward, Bella und Renesmee das alles zusammengeschweißt hat. Wir mögen zwar eine Familie sein, dennoch sind die drei eine eigene kleine Familie. Ich höre jetzt noch viele Geschichten von Renesmee und ihrem zweimonatigen Urlaub auf Esme Isle. Man konnte damals wirklich eine Veränderung in Renesmee sehen, als sie wieder zurück kamen.

Ich könnte wirklich Stunden in diesem Zimmer verbringen, um in Erinnerungen zu schwelgen. Aber wenn Renesmee mitbekommt, dass ich mal wieder lange Zeit in ihrem Zimmer verbrachte, wird sie böse mit mir. Wenn auch nur ein paar Sekunden.

Edwards und Bellas Zimmers ist weit entfernt von dem ihrer Tochter. Meistens flüchtet Renesmee dennoch, wenn ihre Eltern sich mal wieder sehr nahe kommen. Was das angeht, ist unsere Kleine doch recht prüde. Wobei sie selber mittlerweile kein Unschuldslamm mehr ist, was Intimität beetrifft. Allerdings meiden Scott und Renesmee unser Haus, wenn ihnen die Lust überkommt.

Natürlich gibt es auch ein Bild an Edward und Bellas Tür. Es ist ausnahmsweise kein posiertes Bild. Es entstand an dem Ort, an dem alles begann. Ich selber war noch nie dort, denn jeder weiß, dieser Ort gehört nur Bella und Edward. Die Lichtung außerhalb von Forks ist etwas ganz besonderes für die beiden.

Das kuriose ist, Bella und Edward bekamen nicht mal mit, wie jemand das Bild machte, wie sie dort im Gras liegen, die Augen geschlossen und aussehen, als würden sie friedlich schlafen. Leah Clearwater war es, die den Auftrag von Alice und Renesmee bekam. Wie sie es schaffte, bleibt bis heute ein Geheimnis.

Das Bild ist ein Symbol der Liebe zwischen den beiden. Diese Ruhe und Zufriedenheit.

Schon damals, als Edward das erste Mal mit Bella unser Haus in Forks betrat, wusste ich, diese beiden gehören zusammen. Sie sind Seelenverwand. Auch wenn sie lange dafür kämpfen mussten. Aber dass sie das Prädikat seelenverwandt zurecht tragen, zeigt, dass sie auch den noch so härtesten Kampf überstanden haben und ihre Liebe zueinander nur stärker wurde.

Bella… Wir haben ihr so viel zu verdanken. Wäre sie nicht in unser Leben getreten, wäre unsere Familie nicht dieselbe. Sie hat uns alle einander näher gebracht. Wie beschreibe ich es am besten? Bella hat eine innere Ruhe in die Familie gebracht, die wir nach vielen Jahren Zusammenlebens gebraucht haben.

Wer hätte gedacht, wie viel sich innerhalb ein paar Jahren verändert. Edward war, solange ich ihn kenne, alleine, ohne eine Partnerin. Eine Partnerin, die ihn so liebte wie Bella. Er hat es sich nicht anmerken lassen, aber meine Mutterinstinkte zeigten mir, wie einsam er sich wirklich fühlte.

Aber die Zeiten sind lange Vergangenheit. Sie sind glückliche Eltern eines Teenagers, auch wenn dieses Glück ein ums andere Mal getrügt wurde, sind sie eine kleine glückliche Familie. Für beide war es sicher nicht einfach, ihre Tochter so leiden zu sehen. Doch sie gaben sich gegenseitig Halt und sind füreinander da.

Noch heute liegen die drei an manchen Tagen im Bett und genießen die Nähe zueinander. Es ist ein wöchentliches Ritual, was keiner missen will. Dann sind sie in ihrer eigenen Welt. Und keiner wird es ihnen nehmen.

Bella tat sich schwer, nach der Schlacht von Missouri. Auf sie stürzte genauso viel ein, wie auf ihre Tochter. Sie plagten Schuldgefühle, gleichzeitig die Sorge um Renesmee. Jasper erzählte mir sogar im Vertrauen, dass er merkwürdigen Zweifel von Bella wahrnahm. Und das jedes Mal, wenn sie Edward nah war.

Hatte sie etwa Zweifel an der Liebe zu ihrem Mann?

Selbst wenn es das gewesen war, konnten sie es bereinigen, denn nach ihrem Urlaub mit Renesmee, blühte ihre Liebe wie eh und je.

Bella und Renesmee waren wieder ein Herz und eine Seele. Es ist so berauschend, den beiden zuzuschauen, bei was auch immer sie machen. Und da bin ich nicht die Einzige. Immer wieder erwische ich Edward, wie er versteckt seine beiden Frauen beobachtet. Dabei hat er dieses zufriedene Lächeln auf seinem Gesicht, was auch mich mit Wärme erfüllt.

Überhaupt ist dieses Haus mit einer Ruhe erfüllt, wie wir es uns immer erträumt haben. Es gibt niemanden, der unzufrieden ist mit unserem derzeitigen Leben. Wir alle haben uns gewünscht, ein Leben zu leben, was dem der Menschen sehr nahe kommt. Für diese Normalität wurden wir so oft von anderen Vampiren belächelt, gar verspottet.

Aber auch dies ließen wir an uns abprallen und genießen unser Leben.

Ein Bild auf Bellas Schreibtisch, unsere Bella ist unter die Autoren gegangen, erweckt meine Aufmerksamkeit. Dieses Bild steht auch in Renesmees Zimmer.

Es zeigt zwei glückliche Ehepaare, allesamt im besten Alter. Wer hätte gedacht, dass diese vier mal so glücklich zusammenstehen. Aber auch sie wurden durch das ganze Geschehen zusammengeschweißt. Was so ein paar Wochen auf einer kleinen Insel doch verrichten kann.

Denn was Jacob uns verschwiegen hatte, er schickte nicht nur Phil, Renée und Charlie auf die Insel Sankt Helena, die gerade mal 15 km lang ist und knapp 1900km vor Afrika im Südatlantik liegt. Eine gewisse Sue Clearwater stand Charlie zur Seite.

Später erfuhren wir, dass Charlie und Sue schon zu Zeiten, als Renesmee noch bei Renée und Phil lebte, etwas füreinander übrig hatten. Auf der Insel erlebten beide Paare ihren zweiten Frühling. Immerhin waren alle schon weit über 50.

So war es leider auch so, dass vor zwei Jahren Charlie starb. Das Leben als Polizist hatte ihn gezeichnet. Im Alter von 75 Jahren schlief er friedlich ein und erwachte nicht mehr. Sein Herz war mittlerweile einfach zu schwach. Sue folgte ihm ein paar Tage später.

Ich werde nie vergessen, als sie einschlief, lächelte und leise murmelte:„Ich bin bald bei dir Charlie."

Alice hatte es voraus gesehen, weshalb wir alle zusammen nach LaPush fuhren und Charlie und Sue die letzte Ehre erwiesen. Bella, wie auch Renesmee, waren sehr traurig, auch wenn sie wussten, der Tag würde irgendwann kommen. Denn Charlie war für beide ein wichtiger Halt. Gerade zu Nessie hatte er ein inniges Verhältnis, wie sie es auch zu Carlisle hat. Ein typisches Großvater-Enkelin-Verhältnis.

Ich weiß noch genau, als Renesmee erfuhr, dass Charlie nicht ihr Onkel, sondern ihr Großvater sei.

Onkel Charlie", rief Renesmee, während Bella „Dad", rausbekam, als Charlie in Phoenix dazu stieß.

„Ich bin so froh, dass du da bist", schluchzte Renesmee in die Schulter ihres ‚Onkels'.

„Das bin ich auch, mein Schatz."


Bella hatte Charlie damals das erste Mal seit 18 Jahren gesehen und war hin und weg.

„Dad?"


„Bella."

„Ihr kennt euch?", fragt Nessie irritiert.

„Ch-charlie ist dein Vater?", fragte sie noch unsicher, bis sie begriff, was vor sich ging.

„Klar. Meine Eltern sind meine Großeltern. Meine Onkel, mein Opa. Noch irgendwer, den ihr mir verschweigt?", richtete sie sich damals an Reneè und Phil.

Sie war enttäuscht, nicht nur von den beiden. Auch von Charlie.

„Du hast gesagt, du würdest mich nie anlügen", wütete Renesmee.
„Renesmee, Schatz…."

„Wir haben einen Pakt abgeschlossen, uns nie anzulügen. Du hast geschworen, mir immer die Wahrheit zu sagen."

Diese Lüge war damals nötig. Aber Renesmee hatte ihm schnell verziehen. Zu wichtig war er ihr. Und erst in den Jahren, als Charlie nicht mehr konnte, wie er wollte, war er ein richtiger Großvater. Vorher versuchte er immer noch so viel wie möglich mit Renesmee zu erleben.

Bella hatte sich, zusammen mit Edward, alleine von ihrem Vater verabschiedet. Auch er hatte schließlich dazu beigetragen, dass die Prophezeiung ihren Lauf nimmt. Hätte er Bella damals nicht aufgenommen, oder sie nach Jacksonville geschickt, als sie in Depressionen verfiel, nachdem Edward sie verließ, wäre es nie so gekommen.

Phil und Renée leben noch heute in Phoenix. Sie wollen dort einfach nicht weg. So viele Erinnerungen stecken in ihrem Haus. Immerhin sind dort Bella und Renesmee aufgewachsen und zu zwei bildhübschen und cleveren jungen Damen geworden.

Für dieses Erlebte beneide ich Renée regelrecht. Sie hat miterlebt wie sie von winzigen Babys zu wohlerzogenen Mädchen zu starken Frauen wurden. Man muss schon den Hut vor Renée ziehen. Sie hat einfach alles richtig gemacht.

„Esme?", höre ich meinen Liebsten hinter mir.

Ich drehe mich um und schaue in das Gesicht, welches mir noch immer weiche Knie bereitet, wenn er mich so zärtlich ansieht.

„Schwelgst du mal wieder in Erinnerungen, Darling?", lächelt er mich an und kommt auf mich zu.

Ich grinse ihm verlegen und ertappt zu, als er mich in seine Arme schließt. Wie so oft hat er mich dabei erwischt, wie ich durch die Zimmer der ‚Kinder' schleiche und gedankenverloren alles in mich aufnehme. Er nimmt mir das Bild von Renée, Phil, Charlie und Sue ab und schaut es sich mit ernster Miene an.

Trotz der anfänglichen Unstimmigkeiten zwischen den Großvätern, entwickelte sich eine kumpelhafte Freundschaft zwischen Charlie und Carlisle. Zu den Feiertagen reisten wir oft nach La Push und danach Richtung Phoenix, um den nicht mehr ganz so jungen Familienmitgliedern die langen Reisen zu ersparen.

Es steht immer außer Frage, dass wir diese Tage zusammen mit den Menschen unsere Familie verbringen.

Carlisle stellt das Bild wieder ab und nimmt meine Hand, um mich aus dem Zimmer zu führen.

„Gehen wir lieber schnell, bevor die Kinder kommen. Wenn Renesmee dich hier ertappt, wird sie wissen, dass du auch in ihrem Zimmer warst. Und wir wissen doch nur zu gut, wie sehr sie das hasst", grinst er und ich klinge mit ein.

Renesmee mag es wirklich nicht. Nicht, dass sie etwas zu verbergen hat. Sie hasst es einfach, wenn jemand etwas in ihrem Zimmer verrückt. Selbst wenn ein Bild nur Millimeter den Platz wechselte. Unsere Kleine ist ein kleiner Ordnungsfanatiker geworden. Aber diese kleinen Macken lieben wir doch an ihr. Vor allem Emmett, der sie damit zu gerne ärgert.

„Granny…"

Und da ist sie auch schon. Jedes Mal, wenn sie mich so nennt, erfüllt sich mein Herz mit Leben. Renesmee schafft es, egal bei welcher Stimmung, einen Raum mit Leben zu erhellen. Auch wenn sie es nicht mag, ist und bleibt sie unsere ‚Kleine'. Sie mag zwar nicht mehr das unschuldige kleine Mädchen sein, wie wir sie als Halbvampir kennenlernten, doch ist sie vom Jahrgang her dennoch die Jüngste. Auch die Tatsache, dass sie die Tochter ‚meiner Kinder' ist, macht sie für mich eine Person, die noch immer Schutz benötigt.

Natürlich wehrt sich Renesmee jedesmal vehement dagegen und verweist mich darauf, dass Edward und Alice jünger seien als sie. Doch da steht sie alleine da. Denn nicht nur für mich bleibt sie die Jüngste unserer Familie.

Carlisle entlässt mich aus seiner Umarmung, da er weiß, was gleich folgt. Renesmee kommt schon im Flur auf uns zu und umarmt mich mit einem breiten Lächeln. Carlisle kommt natürlich nicht zu kurz. Es ist für sie ein Ritual nach jedem Schultag. Renesmee freut sich jedes Mal, wenn sie nach Hause kommt und die ganze Familie wieder beisammen ist.

„Hey mein Schatz, wie war die Schule?", frage ich.

„Alles wie immer. Scott mimt den Eifersüchtigen, weil die Jungs hinterher starren. Dad weiß nicht, wem er zuerst den Kopf abreißen soll, denen, die mir hinterher gucken oder denen, die Mom hinterher gucken, oder Emmett, der das ganze total amüsant findet", lacht sie herzhaft.

„Und wie fandest du es, Renesmee?", fragt Carlisle, obwohl er die Antwort längst kennt, denn sie ist Renesmee ins Gesicht geschrieben.

„Ich fand es lustig. Wie immer", kichert sie.

„Gar nicht witzig", grummelt Scott, als er an uns vorbei kommt.

„Hey, Esme, Carlisle", begrüßt er uns und gibt mir einen Kuss auf die Wange.

Als er Richtung seines Zimmers geht, klatscht ihn Renesmee auf den Hintern und springt auf seinen Rücken. Mit Leichtigkeit fängt er sie auf und geht mit ihr Huckepack ins Zimmer. Ihr Bett gibt nach, was für Carlisle und mich bedeutet, das Weite zu suchen.

Im Wohnzimmer sitzt der Rest der Kinder, wohl im Sinne der wilden Knutscherei, die im oberen Stockwerk gerade von sich geht.

„In ein paar Minuten sind sie fertig", grinst Alice und fängt sich einen finsteren Blick von Bella und Edward ein.

„Keine Sorge. Es bleibt beim Küssen", kichert sie.

„Hi Esme", kommt es ganz unschuldig von ihr.

Auch der Rest der Familie begrüßt mich. Nicht nur Renesmee ist überglücklich, wenn die ganze Familie wieder zusammen ist.

„Au, Scott, du weißt, wie sehr ich es hasse, wenn du mich beißt", hören wir Renesmee.

Fast jeder in der Familie kann sich das Lachen nicht verkneifen. Bis auf Edward, der laut knurrt. Und würde ich ihn nicht festhalten, wäre er längst in Renesmees Zimmer. Er wird es wohl nie akzeptieren, dass sein kleines Mädchen längst nicht mehr so klein ist.

Ups. Diesmal schaut er mich böse an. Was? Sie ist erwachsen, Edward. Sei froh, dass sie nicht nach Hause kommen kann und dir berichtet, dass sie schwanger ist. Sein Blick darauf ist noch amüsanter.

„Oh. Ein Gewitter ist in Anmarsch", freut sich Alice.

Und kaum, dass sie es ausgesprochen hat, sind Scott und Renesmee Hand in Hand im Wohnzimmer und schauen uns verlegen, aber grinsend an.

„Baseball?", fragt Renesmee.

„BASEBALL!!!", schreit Emmett.

Und so kommt es wie immer, wenn sich hier in Copper Harbor ein Gewitter anmeldet, dass wir uns in den Wald zurückziehen, um unserem Hobby zu frönen. Wie immer, bin ich dabei der Schiedsrichter, denn irgendwer schummelt immer.

Aber es hat auch einen anderen Grund, warum ich diese Position am liebsten ausführe, denn von meinem Posten kann ich die ganze Familie am besten beobachten. Wie sie lachen, kreischen, sich necken und Spaß haben.

Ich kann nicht genug bekommen von dieser, meiner Familie. Sie ist das Beste, was mir je passieren konnte.

Es wird sicher in unserem langen Leben, mal wieder düstere Wolken geben, über unserem sonnigen Gemüt. Aber zusammen werden wir auch jedes noch so dramatische Problem verarbeiten.

Diese Familie ist einfach unzertrennlich.

Ende