CPOV

Es ist Samstag Morgen und nach einer Jogging-Runde in Montesano bin ich wieder zurück in meinem Hotel. Ich habe heute noch das Meeting mit George Clarkson, aber danach werde ich wieder nach Seattle zurückkehren und wieder 100 Meilen zwischen mir und den Steeles bringen. Ich könnte mich noch immer in den Hintern beißen für den unangebrachten Kommentar zu Ana und es bricht mir das Herz, wenn ich an ihren Gesichtsausdruck denke, aber es ist schön zu wissen, dass Elena, die ja dafür verantwortlich war, dafür büßen muss. Ich habe ihr gedroht, die Verlobung zu lösen, wenn sie nicht auf der Stelle zurück nach Seattle fährt.

Nachdem ich mich geduscht und umgezogen habe, sitze ich mit meinem Laptop auf der Couch und bearbeite einige E-Mails, als Taylor ins Zimmer kommt.

„Sir, es tut mir leid, dass ich Sie unterbreche, aber es gibt eine Angelegenheit in der Lobby, die Ihre Aufmerksamkeit verlangt", führt er aus. Ich sehe ihn an, aber er denkt nicht daran, sich zu erklären. Also klappe ich den Laptop zu und folge Taylor zu den Aufzügen, da er mich inzwischen kennt und genau weiß, wann etwas meine persönliche Anwesenheit benötigt und wann nicht.

Als die Türen mit einem ‚Ping' wieder aufgehen, gehe ich in die Lobby und sehe mich um. Schon bald erkenne ich Sawyer und Reynolds, die auf der anderen Seite der Halle stehen, aber ich sehe niemanden bei ihnen stehen. Trotzdem mache ich mich auf zu meiner Security. Auf halben Wege fällt mir auf, dass beide auf den Boden starren und erst dann sehe ich zwei Paar zusätzliche Beine.

„Tommy! Andy! Was macht ihr hier? Wo ist eure Mutter?", frage ich sofort, als ich die vier erreiche.

„Daddy!", rufen die Beiden und stürzen in meine Arme.

„Beantwortet hier irgendwer meine Fragen?", frage ich etwas brummig.

„Mommy schläft", sagt Andy.

„Weiß Mommy, dass ihr hier seid?", frage ich und Andy schüttelt den Kopf. Scheiße!

„Habt ihr denn schon etwas gegessen?", frage ich weiter und beide schütteln den Kopf. „Na gut, ihr kommt jetzt mal mit!", sage ich und nehme beide an der Hand. „Sawyer, Sie besorgen zwei Autositze und holen uns in 30 Minuten ab! Reynolds, bestellen Sie Frühstück aufs Zimmer!", feuere ich meine Kommandos ab und gehe mit den Jungs zum Aufzug, wo Taylor auf uns wartet.

Tommy und Andy starren Taylor ganz böse an. Als die Türen aufgehen und Taylor in den Aufzug tritt, bleiben die Beiden wie angewurzelt stehen.

„Was ist los, Jungs?", frage ich die beiden, worauf sie nur sehr widerwillig ein paar Schritte vorwärts gehen, so dass wir nach oben fahren können. Während der Fahrt dreht sich Tommy plötzlich zu Taylor und sagt:

„Ich mag dich nicht!", Taylor schaut ganz entsetzt und fragt ihn:

„Und warum nicht?"

„Weil du meinen Daddy gestohlen hast!", sagt Tommy und dreht sich weg. Taylor sieht mich an und wir müssen uns beide zurückhalten, um nicht lauthals lachen zu müssen.

Nachdem ich den Kindern etwas Nahrhaftes zum Frühstück eingeflößt habe, ist es an der Zeit, ein ernstes Wörtchen mit den grummeligen Zwergen zu führen.

„Ok Jungs, jetzt erzählt mir bitte, warum ihr hier seid und warum ihr eurer Mutter nicht Bescheid gegeben habt!", sage ich mit meinem ernsten CEO-Gesicht.

„Gestern hast du uns doch gesagt, dass wir dich in Seattle besuchen sollen, also haben wir uns gedacht, dass wir gleich heute mit dir mitfahren", erklärt Tommy, als wäre es das Normalste auf der Welt. Ich bin so verblüfft über diese einfache Antwort, die in den Augen eines Sechsjährigen sogar Sinn macht. Ich seufze.

„Und eure Mom hat noch geschlafen, als ihr auf die Idee gekommen seid?", frage ich, als ich seine Gedanken fertig spinne. Beide Burschen nicken und ich schüttle nur meinen Kopf.

„Wisst ihr, eure Mutter ist sicher fast gestorben vor lauter Sorgen. Es gibt so viele Dinge, die euch passieren hätten können und das ist das einzige, woran sie jetzt denken kann. Ihr müsst mir versprechen, dass ihr NIE WIEDER etwas macht, ohne eurer Mama Bescheid zu sagen!", sage ich wieder sehr ernst. Beide nicken nur stumm und sehen beschämt auf den Tisch.

‚Stark bleiben!' denke ich mir und schiebe beiden je ein Stück Kuchen hin. „So und jetzt esst noch den Kuchen zusammen, bevor wir zurück zu eurer Mutter fahren", sage ich beschwichtigend.

„Aber wir wollten uns doch mit dir Seattle ansehen!", protestiert Tommy.

„Das machen wir ein anderes Mal!", sage ich und deute ihnen zu essen.

Nachdem wir fertig gegessen haben, nehme ich die Kinder an der Hand und gehe mit ihnen nach unten zu Sawyer.