Hallo, mitten in den Ferien bekommt ihr ein neues Kapitel. Es ist weiter gereist, als viele von uns. Dank dem globalen WWW konnte Quarks im fernen Thailand dieses Kapitel betalesen. Ganz herzlichen Dank an ihn.


Rückblick auf Kapitel 34

„Guten Morgen, Severus!"

Wie er diese Besuche hasste, der allmächtige Direktor erschien, wo immer er wollte. Severus hatte es nicht verhindern können, dass Dumbledore einen Schritt vorwärts machte und in seinem Schlafzimmer stand.

„Professor Dumbledore, ich bin kein Schüler mehr. So ein überraschender Besuch könnte leicht zu peinlichen Situationen führen."

Dumbledore gluckste vergnügt: „Lieber Severus, solange du nur von Harrys Katze Besuch bekommst, brauche ich das nicht zu befürchten. Was mich mehr besorgte, war dein Zustand. Es ging dir sehr schlecht. Du hast mir schon einmal gesagt, dass du Empfangskomitees nicht magst und deshalb komme ich erst heute Morgen vorbei. Dobby hat sicherlich alles getan, um dir zu helfen. Ich habe ihn gebeten, nach dir zu sehen. Du weißt, er war bei den Malfoys, er kennt sich mit dem Thema aus."

Snape nickte, jetzt wusste er, warum Lucky hier war. Es musste ihm wirklich mies gegangen sein, dass Dobby Felicitas geweckt hatte. Jetzt saß sie in ihrer Animagusgestalt auf seinem Bett und hörte sich seinen Bericht an Dumbledore an.


35 Nachhilfe und Nachsitzen

„Mensch Felicitas, wo warst du denn beim Frühstück?", erkundigte sich Ron beim Mittagessen. „Ich könnte es nicht so lange ohne Essen aushalten."

„Geht alles, Ron. Ich habe mir ein Sandwich kommen lassen und noch etwas gelernt. Vielleicht kann ich Professor Snape heute Abend noch ein paar Fragen stellen."

Sie konnte von ihrem Platz aus den Lehrertisch beobachten. Sie sah Snape prüfend an, war er wirklich wieder schon so fit, um einen ganzen Tag lang unterrichten zu können? Er beantwortete ihren fragenden Blick mit einem knappen Nicken. Sie hatte Harry und Ginny noch vor Unterrichtsbeginn über ihren Einsatz bei ihm informiert. Wie genau sie Snape geholfen hatte, wollten sie gar nicht so genau wissen. Es war gut, dass er die Folter von Voldemort überstanden hatte. Felicitas musste lächeln, es war typisch für ihn gewesen. Vor ein paar Monaten wäre sie darüber beleidigt gewesen, kaum ein Dankeschön hatte er übrig gehabt. Nur ein ‚es soll also weitergehen' und die misstrauische Frage, was sie ihm denn in der Nacht eingeflößt hatte. Ihr war bewusst, dass er nicht wollte, dass jemand, nicht einmal Harry und Ginny, von seinem Zustand am Abend erfuhr. Genauso konnte sie sich darauf verlassen, dass niemand von ihrer Hilfe erfuhr. Es war also die beste Voraussetzung, ihn zu bitten, mit ihr zu lernen. Vielleicht sogar mit der neuen Methode?

Hermine drängelte schon wieder, sie wollte nicht zu spät zum Unterricht kommen. Während Harry sich noch seinem Nachtisch widmete, wurde Felicitas von Ginny, die ihr gegenüber saß, beobachtet. Fragend zog diese eine Augenbraue nach oben. Felicitas antwortete mit einem leichten Kopfschütteln auf die lautlos gestellte Frage. Nein, sie hatte keine Grenze überschritten, obwohl sie weitergegangen war als geplant. Ginny wusste es, es war ein schreckliches Gefühl, dass sie vor ihr nichts verbergen konnte. Ganz ohne Legilimentik wusste sie es, nur aus der reinen Beobachtung heraus. So gut wie Ginny kannte sie, außer Harry, kaum jemand. Sie war wirklich eine Seelenverwandte von ihr.

Felicitas stand auf, als Harry fertig war und eilte mit ihm und Ginny Hermine hinterher. Dieser Pünktlichkeitswahn war kaum zu ertragen. In der Eile hatte sie das alte Zaubertränkebuch am Tisch vergessen. Sie kehrte um und wurde Zeuge, wie Dean Thomas am Tisch stehend das Buch betrachtete. Nun sah er sich vorsichtig um.

„Accio Zaubertränkebuch!"

Dean sah sie erschrocken an. Beim Verlassen der Großen Halle bemerkte sie noch Schüler am Tisch der Slytherins. Dies störte sie nicht. Sie wollte nun doch nicht, dass sich Professor Sprout über sie ärgerte. Beim Lernen auf die Prüfung waren ihr ein paar Besonderheiten bei Alraunen aufgefallen. Sie hoffte, dass die Professorin eine Antwort hatte, denn Neville hatte erfolglos in seinen Bücher nachgeschlagen.

Nach dem Unterricht stand eine ganze Gruppe von Erstklässlern vor dem Gewächshaus. Sie schienen auf jemanden zu warten. Harry sah sie freundlich an, aber sie machten ihm nur respektvoll Platz. Er seufzte, sicherlich war dies noch eine Reaktion auf diese verdammte Sache mit dem ‚Bösen Blick'. Kurz darauf verließ Hermine das Gewächshaus, die sogleich von den wartenden Schüler umringt wurde. Harry konnte lediglich ein paar Worte verstehen. Ginny nahm ihn einfach bei der Hand, als nun auch Felicitas von den Jüngeren um Hilfe gebeten wurde. Sie zog Harry in Richtung Schloss, bei einem großen Baum blieb sie stehen.

„Bitte einmal in Phineas Klassenzimmer, ich bevorzuge Hausaufgabenhilfe im kleinen Rahmen."

„Zu Beginn des Schuljahres haben sie mich genauso umringt wie jetzt die Beiden, und nun?"

„Nun hast du mich als deine Meisterschülerin", konterte Ginny. Harry nahm sie lachend in den Arm und verschwand mit ihr.

„He, Black-Castle war aber nicht geplant."

„Nicht von dir, aber von mir. Wo ich meine Meisterschülerin unterrichte, kann ich doch entscheiden. Du brauchst nur deinen Zauberstab und komm mit!"

Ginny legte ihre Schultasche auf einen Sessel und folgte Harry in den Park. Verwundert sah sie sich um, aber Harry war nicht da. Sie hatte das Grinsen wohl doch richtig verstanden, es gab keine Unterrichtsstunde, sondern eine Prüfung. Sie schwang ihren Zauberstab und beschwor einen Schutzschild, danach den Spruch von Dumbledore. Harry sah überrascht aus seinem Versteck hinter der Hecke hervor, schon traf ihn ein Fluch. Ein roter Farbklecks zierte nun sein T-Shirt.

„Eins zu null für dich", rief Harry, während er sich umschaute, ob irgendwo Ginny auftauchte. Da, im Gebüsch bewegte sich etwas. Diesmal beschwor Harry auch einen Schutzschild und ging auf das Gebüsch zu, plötzlich fühlte er etwas Feuchtes auf seinem Rücken.

„Für den dritten Treffer darfst du dir die Farbe aussuchen", schlug Ginny lachend vor. „Gelb oder Rosa?"

Harry antwortete nicht, auch er konnte sich unsichtbar machen. Einen Schutzzauber um sich herum aufzubauen war nicht schwer und nun wollte er für sie die Farbe wählen. Auf dem hohen Baum war ein Geräusch zu hören, plötzlich fiel etwas herunter. Harry rannte zu der Stelle in der Wiese unter dem Baum. Hier war die Stelle des Aufschlages deutlich zu sehen. Sein Zauberstab färbte die Stelle in ein grelles Lila. Nichts regte sich! Harry hob den Schutzschild auf und ging näher auf die Stelle zu. Er sprach einige Erkennungszauber, die vielleicht einige Gegenstände von Ginny sichtbar machten.

„Harry, Rosa oder Gelb?" Ginny saß, wieder sichtbar, lachend auf ihrem Besen und schwebte über ihm: „Du musst zugeben, dies war ein toller drei Punkte Sieg für mich!"

Er nickte, während er versuchte, die Farbkleckse zu beseitigen. „Die Aktion mit dem Baum war unfair. Ich hatte wirklich befürchtet, du wärst vom Baum gefallen."

„Guter Trick! Der Feind versucht immer deine persönlichen Schwächen auszunutzen. Und deine größte Schwäche ist allgemein bekannt: du willst immer helfen."

Harry und Ginny drehten sich zum Haus um. Felicitas stand dort mit einem Packen Büchern unter dem Arm. „Die Aktion passt toll in unser neues Konzept. Wir müssen eines ausarbeiten, denn Snape befürchtet, dass Voldemort eine neue Taktik anwenden wird. Vielleicht erfahren wir nachher mehr."

Felicitas sprang schnell zur Seite, als Harry neben ihr auftauchte und die Arme nach ihr ausstreckte. „Nein, Harry! Keinen Kuss, sonst bin ich danach genauso bunt wie du. Wenn du sauber bist, bekommst du einen."

„Nur einen?"

„Auch mehr, aber nur, wenn du sauber bist."

Felicitas verschwand im Haus, kurze Zeit später hörte man sie in der Bibliothek. Harry beseitigte die Farbkleckse, welche Ginnys Sieg über hin verkündeten. Diese übte im Park Verwandlungszauber. Kyrill, der im Park saß, gab ihr einige Ratschläge. So kam es, dass auf der Terrasse von Black-Castle allerlei wunderliche Skulpturen herumwandelten. Ginny hatte großen Spaß dabei, die Figuren zum Leben zu erwecken.

„He, Harry, meinst du, McGonagall nimmt es mir sehr übel, wenn plötzlich die verwandelten Kästchen mit den Scharnieren klappern? Die Sprüche von Kyrill sind erste Sahne!"

Harry zog seinen Zauberstab und eine besonders hässliche Schlange bewegte ihren Kopf und schlängelte sich in den Park.

Felicitas, die gerade aus dem Haus kam, überlegte schnell. Sie hob ihren Zauberstab und war überrascht, als der alte Kyrill ihr die Hand auf den Arm legte. „Lass den Beiden ihr Spiel." Er sprach sehr leise, wartete aber nicht auf eine Antwort. „Lass dir etwas einfallen, etwas Außergewöhnliches. Somit unterbrichst du sie nicht und es entsteht nicht der Eindruck, du willst dich einmischen."

Felicitas sah den alten Mann fragend an.

„Schlage ihnen etwas vor, was sie von dir nicht erwarten, aber selber gerne tun."

„Wie wäre es mit Fliegen? Ich kann es noch nicht richtig, Harry könnte es mir zeigen. Ginny macht es Spaß."

Kyrill legte die Hand auf ihre Schulter: „Ich wusste, du findest eine gute Lösung! Es gibt zwar keine Prophezeiung für dich, aber glaube mir, du hast eine große Aufgabe. Du bist die, welche ihn dazu bringt, neue Wege zu betreten."

Der Alte hatte Recht. Wenn sie sich in das Spiel eingemischt hätte, wäre aus dem kleinen Spaß vielleicht ein Wettbewerb geworden. Sie brauchten aber mehr Gemeinsamkeiten.

Ginny fing derweil auch schon an, die Gegenstände zurück zu verwandeln. „Harry, du suchst gefälligst die dumme Schlange!"

„Accio Schlange!"

Ginny stellte sich schnell hinter Felicitas Was jedoch unnötig war, denn die Schlange war bereits zurückverwandelt.

„Feli, warum hast eigentlich nicht mitgezaubert?"

„Harry, mir hat es Spaß gemacht, euch zu beobachten. Sagt mal ...", Felicitas sah nachdenklich in den Himmel. „Wie lange brauchen wir mit dem Besen nach Hogwarts? Irgendwann muss ich das doch auch mal lernen."

Überrascht sah Harry seine Freundin an. „Ich schätze mal, so eine halbe Stunde."

Ginny schüttelte den Kopf: „Ihr habt Einfälle. Wir müssten einen großen Bogen über den Verbotenen Wald fliegen. Mit meinem Besen hier brauche ich bedeutend länger. Feli, die Schulbesen sind furchtbar. Ich hätte gern einen tollen Besen." Ginny sah träumend vor sich hin. „Feli, so einen, wie Harry und ich in der Winkelgasse gesehen haben."

Begeistert erzählte Ginny von dem Besen, seinem Aussehen und den flugtechnischen Möglichkeiten. Felicitas hörte ihr zu, man sah ihr aber an, dass sie keine Ahnung von dem Thema hatte.

„Mach jetzt hier nicht auf die Mitleidstour, Ginny. Du bist selber schuld, hättest du in der Winkelgasse zugestimmt, flögen wir jetzt schon damit."

„Ich werde nicht immer zustimmen, nur weil du dir etwas in den Kopf gesetzt hast. Du kannst ihn mir immer noch zu Weihnachten schenken."

Harry drückte ihr ein längliches Päckchen in die Hand. „Gut, du bekommst ihn zu Weihnachten, bis dahin leihe ich ihn dir. Einverstanden?"

„Blödsinn", mischte sich Felicitas ein. „Ginny bekommt ihn jetzt und basta, was soll die Spielerei? Weihnachten kann sie nicht damit fliegen, ohne zu erfrieren."

Interessiert sah sie zu, wie Ginny ihr Päckchen auf die Normalgröße brachte. Das Papier fiel zu Boden und sie verstand, warum Ginny allein schon vom Aussehen des Fluggerätes begeistert war. Gegenüber ihrem alten Besen war das kein Vergleich. Vorsichtig streichelte sie über den schönen Stiel. „Wenn ich mal richtig fliege, will ich auch so einen Besen. Hast du das gehört, Harry?"

„Ja, wenn du mal richtig fliegen kannst, bekommst du einen. Aber jetzt steig auf, sonst lernst du es nie und ich habe dies hier umsonst besorgt." Harry hielt ihr ein Päckchen hin, welches genauso aussah wie das von Ginny.

„Nein, gib her! Wenn du ihn schon gekauft hast, will ich ihn gleich haben!"

Langsam flog Felicitas, umsorgt von vielen guten Ratschlägen, nach oben. Ihre Haare wehten im Wind und sie schien mit jedem Meter etwas sicherer zu werden.

Harry beschloss, Ginnys Rat zu befolgen und einen weiten Bogen zu fliegen, so kamen sie über dem Quidditch-Feld an. Es wunderte deshalb niemanden, dass sie mit geschulterten Besen im Schloss eintrafen.


Nach dem Abendessen gingen Harry, Feli und Ginny zum Klassenzimmer für Zaubertränke.

Die anderen hatten frei, sie lernten, trafen sich oder gingen ihrem Hobby nach. Vor einem Jahr wäre dieser Gang für ihn noch ein Graus gewesen, aber seit den Sommerferien hatte sich das Verhältnis zwischen Snape und ihm geändert. Er war gespannt, was heute kommen würde.

Im Klassenzimmer war es düster, nur wenige Fackeln brannten. Ganz ohne Schüler wirkte der Raum wesentlich größer. Vorne hatte Snape mehrere Kessel aufgestellt. Bei jedem der drei Kessel lagen andere Zutaten. Also gab es keine Töpfe zu schruppen, aber auch keine gemütliche Runde.

Der Zaubertränkemeister stand an seinem Kessel und rührte konzentriert. Hatte er sie überhaupt bemerkt? Harry wollte etwas sagen, aber Felicitas hielt ihn zurück. Irritiert stellten sich die Drei hinter die Kessel.

„Wenigstens pünktlich!", knurrte Snape plötzlich. „Sie finden die Anweisungen neben den Zutaten. Ich erwarte ordentliche Arbeit. Die Zutaten sind zwar nicht teuer, aber meine Zeit ist mir kostbar. Auf was warten Sie noch?"

Er sah von seinem Kessel auf. Der übliche Gesichtsausdruck verbarg alle Emotionen. „Professor Weasley gibt sich uns heute Abend die Ehre seiner Anwesenheit. Er möchte sicherstellen, dass ich Miss McKinnon nicht gegen die Regeln unterstütze. Professor Weasley wird alle Fragen und Antworten notieren, um sie an das Ministerium weiterzutragen."

„Nicht alle, Professor Snape", antwortete Percy, der bisher unbeachtet in einer Ecke des Raumes stand, herablassend. „Natürlich nur die Fragen, welche Zaubertränke betreffen. Die Regeln verlangen es so."

Felicitas sah sich die Aufgabe überrascht an, dann musste sie lächeln. „Professor Weasley, ich hoffe, ich werde gleich den Prüflingen an St.Mungo behandelt. Leider sah ich von dort noch keine Fragen und Antworten."

„Nun", äußerte sich Percy verlegen, „vielleicht gibt es dort noch keine, oder sie sind auf dem Weg."

„Keine Sorge, Miss McKinnon, der Schulleiter wird für Klarheit sorgen", mischte sich Snape ein. „Sollte es irgendeinen Verdacht geben, wird er es sich nicht nehmen lassen, die Angelegenheit vor den Geheimen Rat zu bringen. Bitte beginnen Sie mir ihren Aufgaben."

Harry wunderte sich über die Zutaten: Es waren ganz normale Sachen, wie er sie auch bei Tante Petunia in der Küche finden würde. Nicht nur bei ihr, sondern auch in jeder Küche des Landes, in der richtig gekocht wurde.

„Mister Potter, wenn Sie jede Rübe einzeln schneiden wollen, dann stehen Sie Morgen noch immer an dieser Stelle. Nehmen Sie sich doch ein Beispiel an den jungen Damen."

Er sah sich um, tatsächlich! Bei Felicitas waren sogar zwei Messer dabei, die Zutaten zu richten. Er erinnerte sich an den Zauberspruch und nun ging es auch bei ihm flott voran. Seine Heilpaste nahm endlich die Konsistenz an, um sie auf Verbrennungen auftragen zu können. Er roch daran, ja, sie hatte auch den gleichen Geruch. Cedric hatte bei dem trimagischen Turnier die Paste im Gesicht, damit seine Verbrennungen heilten.

„Schön, Mister Potter! Sie sind vor ihren Freundinnen fertig. Damit Sie sich nicht langweilen, erörtern sie mir bitte, weshalb und warum diese Paste die Farbe rosa hat. Die Bücher verbergen Hinweise für Schüler, welche das Lernen beherrschen."

Harry füllte die Paste in die bereitgestellten Tiegel ab, beschriftete sie sorgfältig und wandte sich nun dem Buch zu. Er schlug das Buch bei dem Lesezeichen auf. Er staunte, hier standen bereits die Erklärungen und der Hinweis, dass er sich Zeit lassen solle.

Es klopfte kurz an der Türe, was ein verärgertes ‚Herein' bei Snape auslöste.

Daphne Greengras betrat den Raum und sprach leise mit Professor Snape, um kurz darauf zu verschwinden. Keine fünfzehn Minuten später erschien Draco Malfoy, der Harry genau beobachtete.

„Draco, ich bin kein Ausstellungsstück, verpiss dich!", fauchte Harry.

„Hab dich nicht so, will ja nur sehen, dass du keine Sonderbehandlung bekommst."

„Mister Malfoy!", ertönte Snapes Stimme konzentriert höflich. „Sie können sich gerne überzeugen, dass ich alle gleich behandle. Gehen Sie zu diesem Platz dort und machen Sie ein Feuer! Sie dürfen mitmachen."

„Sir, ich wollte doch nur?"

„Mehr Nachsitzen einkassieren als zwei Stunden heute?"

Die Stimme hatte die nötige Schärfe erreicht, so dass Draco folgte. Wütend vor sich hinbrummend machte sich der Blonde ans Werk.

„Professor Snape, sind bei Ihnen die Arreststunden so beliebt geworden, dass die Schüler freiwillig kommen?"

Snape überging den Einwurf von Professor Weasley. Er konzentrierte sich auf Draco Malfoy und wie aus dem Nichts erschien ein weiterer Schülerkessel. Die Arbeitsanweisung und die Zutaten legte der Meister der Zaubertränke persönlich auf den Tisch.

Die Türe öffnete sich erneut ohne das notwendige Anklopfen. Draco sah den Zaubertränkeprofessor verärgert an, der beinahe fröhlich rief: „Oh, Mister Zabini, ich habe Ihnen schon einen Arbeitsplatz eingerichtet. Sie haben das Anklopfen vergessen, deshalb bleiben Sie hier."

Felicitas war mit ihrem Trank fertig, niemandem fiel auf, dass sie den Kessel nicht reinigte, sondern dass er einfach verschwand. Ihre Probe stellte sie auf dem Lehrerpult ab und räumte ihren Arbeitsplatz auf. Ginny hatte die schriftliche Aufgabe genauso wie Harry erledigt und wartete nun auf eine Anweisung von Snape.

„Professor Weasley, sie haben sich überzeugen können, dass es hier mit rechten Dingen zuging. Sie können nun berichten gehen, vergessen Sie nicht, wir warten auf die Informationen aus St.Mungo." Snape nickte den Gryffindors zu und wies auf die Türe.


Ron saß mit Hermine vor dem Kamin, als die Drei im Gemeinschaftsraum eintrafen. Erstaunt sah er auf: „Der hat euch aber eine Ewigkeit behalten! Für das wenige Sprechen im Unterricht finde ich es ungerecht."

Hermine reagierte nicht auf Ron, sondern sah den Ankömmlingen interessiert entgegen. „Und, habt ihr wenigstens etwas lernen können?"

„Nee, Percy war da und hat aufgepasst, außerdem waren ständig Slytherins da, da konnte er nichts sagen", brummte Harry. „Er hat es aber gnädig gestaltet, wir haben je einen Trank brauen müssen und einige Erklärungen dazu zu schreiben."

Felicitas kramte in ihrem Rucksack und legte ein paar Dinge auf den Tisch. Grinsend zeigte sie ihr Aufgabenblatt.

„Der ist aber kompliziert", meinte Hermine. Ginny schaute auch auf das Blatt: „He, ist das etwa das ‚Hallo Wach'?"

Zufrieden packte Felicitas ihre Sachen wieder ein. Sie nahm Dean Thomas erneut ihr Zaubertränkebuch aus der Hand. „Dean, ich will darin noch etwas lernen. Nach der Prüfung kannst du es dir gerne ansehen!"

„Das ist aber kein Buch aus der Bibliothek, woher hast du das?"

„Du bist ja direkt ein Blitzmerker. Ich habe dieses Zaubertränkebuch geschenkt bekommen, wenn du etwas wissen willst, kann ich es dir ja übersetzen."

„Es sind auch keine Runen", warf er kritisch ein.

„Die Welt schreibt ja nicht nur in englisch oder in Runen. Du musst dir meinetwegen keine Gedanken machen, ich kann die Schrift lesen. Ich muss noch etwas lernen, bis morgen!"

Langsam verschwanden die Schüler aus dem Gemeinschaftsraum. Im verborgenen Klassenzimmer wurden die Freunde schon erwartet.

„Harry, endlich! Ich bin schon ganz aufgeregt."

Felicitas sah Natalija überrascht an: „Was habt ihr denn vor?"

„Nur keine Eifersucht, Harry bringt mich nur nach Rumänien. Ich muss mal nach Großväterchen Dragan schauen, außerdem sollte man seiner Familie nicht zu lange fern bleiben. Du darfst gerne mitkommen, wenn du willst?"

Mit Schwung stellte Harrys Freundin ihren Rucksack auf einen Stuhl. Ein kurzer Blickwechsel mit Ginny schien ihre Befürchtung zu bestätigen. „So nicht, Harry, nicht schon wieder ein Alleingang. Natalija, keine Angst, wir werden gleich aufbrechen, aber vorher müssen wir zuerst einmal einiges klären. Ich lasse mich nicht schon wieder übergehen!"

„Feli, was soll der Aufstand?", verblüfft sah Harry seine Freundin an. „Ich kann doch Natalija nach Rumänien bringen, ohne dass du dich gleich übergangen fühlst. Willst du mich jetzt etwa auch einsperren?"

Ginny schüttelte den Kopf: „So geht das nicht, Leute, setzt euch hier an den Tisch. Felicitas und ich wollen dich nicht einsperren! Wir wollen nur nicht, dass du dich wieder total planlos und ohne Rückendeckung in ein Abenteuer stürzt."

„Eben", stimmte Felicitas ihr zu. „Wir fangen jetzt endlich mal an zu planen. Du willst ja auch einmal agieren und nicht nur immer auf die Schläge der Gegenseite reagieren. Wie ich euch von Severus erzählt habe, traut uns Voldemort nur vorhersehbares Handeln zu. Folglich

müssen wir unsere Aktionen so planen, dass es für alle Anderen immer ein Überraschungsmoment gibt."

„Ist ja gut, Felicitas. Ich will ja nur für ein paar Minuten nach Rumänien. Niemand weiß das, niemand ahnt das! Weshalb sollten wir gerade dort auf den Gegner stoßen?"

„He, Harry, was ist denn, wenn ‚du weißt schon wer' zufällig genauso denkt und jetzt auch dorthin geht?", mischte Ron sich ein. Zur Verwunderung aller übernahm er die Planung der Aktion. Nachdem Harry und Natalija ihre Pläne erklärt haben, plante er an der Tafel die Aktion komplett neu. Statt vor dem Schlosstor der Vampire aufzutauchen, war das Zielgebiet nun ein Hügel gegenüber dem Schloss. Ginny wälzte in einem dicken Buch, um die Koordinaten des Hügels herauszufinden.

„Harry", unterbrach Hermine das leise Gespräch zwischen ihm und seiner Freundin. „Hast du den Portschlüssel schon vorbereitet, damit wir ihn dort nur noch genauer justieren müssen? Weiß Natalija schon, wie er aussieht, vielleicht haben wir dort nicht die Zeit, ihr das alles zu erklären. Funktioniert bei Vampiren ein Desillusionszauber? Es wäre gut, wenn wir dort unsichtbar auftauchen könnten. Mit Ron habe ich den Zauber schon geübt, es müsste klappen."

Harry schüttelte den Kopf und beeilte sich, die Aufgaben zu erfüllen. Natalija kramte kurz in ihrer Umhangtasche, dann hielt sie Harry eine Münze unter die Nase: „Wenn du diese rumänische Münze nimmst, kann ich sie besser unterscheiden."

Nachdem Harry die Münze verwandelt hatte, fädelte sie diese zu den anderen Portschlüssel auf ihre Kette. Irritiert sah sie sich um, alle sahen ihr zu, da die Vorbereitungen abgeschlossen waren. Bereitwillig stellte sie sich in die Mitte des Zimmers und wurde von Felicitas mit einem Desillusionszauber belegt.

„Hat es geklappt?"

„Schau selber, dort an der Wand hängt ein Spiegel, ... öh, sorry, Natalija, geht ja nicht. Du kannst es anders testen, halt dir doch mal die Hand vor die Augen." Ron grinste Hermine an, die bei der Erwähnung des Spiegels schon tief Luft geholt hatte.


„Und, habe ich nun übertrieben mit meiner Vorsicht? So ein Empfangskomitee und du wolltest ganz allein dorthin! Du wolltest ursprünglich ja sogar im Schloss ankommen, die hätten sicherlich verärgert reagiert." Felicitas konnte nicht warten, bis sie neben Harry im Bett lag. Sie musste es gleich loswerden.

„War schon gruselig, im Hintergrund das alte Schloss und rings um uns herum die vielen Vampire." Ginny schüttelte sich. Da Ron und Hermine nicht widersprachen, war es ihnen nicht anders ergangen.

„Ich konnte ja nicht wissen, dass sie ein eigenes Alarmsystem haben", verteidigte sich Harry. „Natalija hat jedenfalls nichts davon erzählt. Nun jedenfalls glauben ihr die Vampire, dass wir ihre Freunde sind. Ich denke, sie waren beeindruckt."

Schnell verschwanden sie in ihren Betten, es war spät geworden, nachdem die Vampire sehr gesprächig gewesen waren.

In Harrys Zimmer war das Bett wieder verbreitert worden. Alle drei lagen erschöpft darin.

„Ja, wenigstens diese Aktion macht nachträglich keinen Ärger", bemerkte Ginny. „Wir müssen uns bald zusammensetzen, am Besten mit Snape, Tonks und Remus. Vielleicht hat Voldemort unsere Gedächtniszauber bei den Todessern schon gebrochen und weiß bereits, wie die Ausländer aussehen. Er war ja sehr daran interessiert. Wir bräuchten dann allerdings eine neue Tarnung."

„Warten wir es ab, mich würde das schon sehr ärgern", brummte Harry. „Ich müsste wieder auf einige Freiheiten verzichten."

„Nicht nur du. Aber mit etwas Übung schaffen wir das. Wir könnten ja auch statt in der Winkelgasse", warf Felicitas ein, „in Salon-de-Provences einkaufen gehen. Dort gibt es die magische Rue de Nostradamus."

„Du hast vergessen, Mumbai vorzuschlagen", bemerkte Ginny müde.

„Ich hoffe, dass es ihm nicht gelungen ist. Ich will nicht immer vor ihm fliehen", murmelte Harry verärgert.