Es war gar nicht so leicht, diesen Verlobungsring zu verstecken. Schließlich durfte vorerst niemand erfahren, dass ich überhaupt verlobt war, geschweige denn mit wem.
Also hatte ich mir, zwar sah es recht eigentümlich aus, ganz besonders zu dieser Jahreszeit, Handschuhe übergezogen, die den Ring verbargen.
Ich saß gerade wieder in der Bibliothek und durchforstete die neuen Bücher der verbotenen Abteilung, wie schon das ganze Wochenende über. Was ich mir erhoffte? Einen Hinweis was das für ein Wesen war, dass uns angegriffen hatte. Irgendwas. Ich konnte es bisher noch nicht einmal richtig benennen. Es war bisher nur ein ES. Was es war und woher es kam, wusste ich noch immer nicht.
Ich war bisher zu nur wenigen Schlüssen gelangt. Eine davon war, dass Severus nicht angegriffen wurde, da er Okklumentik beherrschte und seinen Geist aktiv immer schützte. Deswegen konnte dieses Ding auch von Harry Besitz ergreifen, da er zwar Okklumentik beherrschte, aber seit Voldemorts Tod nicht mehr seinen Geist schützte. Also schien es damit auch zusammen zu hängen, wie aktiv man seinen Geist verschloss.
Ich hatte nicht den blassesten Schimmer, wie es durch die Schutzwälle von Hogwarts kommen konnte. Schließlich war doch alles magisch gesichert und seit Voldemort nur noch mehr. Zwar vermutete ich, dass es nur eindringen konnte, wenn es in ein magisches Wesen eindrang, welches dann durch die Tore spazieren konnte und somit ES Zugang zur Schule und deren Bewohner hatte. Aber ob es wirklich so war, konnte ich noch nicht beurteilen. Dafür wusste ich noch zu wenig über dieses Ding.
Dieser schwarze Nebel war recht ungewöhnlich. Es erinnerte mich ein wenig an die Dementoren, nur dass keine bedrückende Kälte aufgezogen war, sondern nur dieser schwarze Nebel, der einem jede Sicht geraubt hatte.
Ich klappte gerade das nächste Buch zu, da auch in diesem nichts stand. Leicht verzweifelt raufte ich meine braunen Locken. Wo sollte ich nach einem Anhaltspunkt suchen?
„Hey Hermine! Was ist los?", kam Neville um die Ecke und lächelte mich freundlich an. Als sein Blick jedoch auf meine Hände fiel wirkte er kurz verwirrt, schüttelte den Kopf und ließ es letztendlich dabei bleiben.
„Ach. Ich suche etwas, aber es scheint nicht hier in der Bibliothek zu sein. Selbst in der verbotenen Abteilung werde ich einfach nicht fündig", seufzte ich leidlich. Das war alles zum Haare ausreißen.
„Zwar weiß ich nicht, wonach du suchst, aber vielleicht wirst du im magischen London fündig", schlug er mir überlegend vor und ich schlug mir gegen die Stirn. „Ja. Danke, Neville", breitete sich ein hoffnungsvolles Lächeln auf meinen Zügen aus. Das könnte klappen. Aber wenn dann nur in der Nockturngasse und da sollte ich wirklich nicht hin. Vielleicht könnte Severus dort mal die Läden absuchen. Ich würde ihn gleich mal fragen.
Ich sprang mit neuer Motivation aus dem Sessel, in dem ich es mir bequem gemacht hatte, stellte das Buch weg, verabschiedete mich hastig von Neville, ehe ich in die Kerker sprintete, um Severus aufzusuchen.
Als ich aber zwei Stimmen um die Ecke vernahm, blieb ich wohl weißlich stehen. Ich wollte nicht hier unten entdeckt werden. Also würde ich abwarten, bis sich die Stimmen von hier entfernt hatten.
An sich wollte ich auch gar nicht lauschen, doch die Lautstärke des Gesprächs war gar nicht zu überhören.
„Das kann nicht dein Ernst sein!", erklang die eine Stimme, die sich schwer nach Malfoy anhörte, regelrecht empört. „Doch!", erklang die zweite Stimme und duldete keine Widerworte, doch Malfoy schien das nicht sonderlich zu interessieren, da er die Warnung in dem Wort einfach überhörte und weiter meckerte.
„Das kann ich nicht. Sie... ich... Nein!", regte er sich auf. „Du wirst mich nie dazu bekommen."
„Draco! Dein Ton!", kam es kalt und herrisch von dem anderen, den ich jetzt auf seinen Vater schätzte. Also ein Gespräch, welches ich definitiv nicht mit anhören durfte. „Und es ist beschlossene Sache."
„Aber...", wurde Malfoy von seinem Vater unterbrochen. „Nichts aber." Dann war es auf einmal still und plötzlich stand der ältere Malfoy vor mir und musterte mich. „Lauschen gehört sich nicht, Miss Granger!", meinte er spitz und donnerte herrisch seinen Gehstock in den Boden, sodass ich bei dem Geräusch leicht zusammen zuckte.
„Dann sollte man solche Streitereien nicht in der Öffentlichkeit austragen. Und zur Not gibt es immer noch Privatsphärezauber", meinte ich achselzuckend. Nur nicht von ihm einschüchtern lassen. Schließlich reichte es, dass er mich im Malfoy Manor schwach erlebt hatte, als ich wegen Bellatrix geschrien hatte.
Ich ging und ließ ihn einfach stehen. Verzeihen würde ich ihm nichts und dann würde ich ihm auch nicht mit geheuchelter Freundlichkeit kommen.
Kopfschüttelnd betrat ich Severus Räume, die ich leer vorfand. Ich sah mich um und fand ihn konzentriert über einen dampfenden Kessel gebeugt im Labor. Er nickte leicht als Zeichen, dass er mich wahrgenommen hatte.
Schweigend blieb ich im Türrahmen stehen und ließ ihn weiter arbeiten, da ich wusste, wie sehr er es hasste, wenn man ihn bei der Arbeit störte. Ich war ja auch nicht anders. Also konnte ich es gut nachvollziehen.
Nach einer Weile drehte er sich zu mir um und lächelte leicht, als er auf mich zu kam und mir einen Kuss auf die Stirn gab.
„Was führt dich zu mir?", fragte er interessiert und ich fing gespielt an zu schmollen. „Braucht deine Verlobte etwa einen Grund, um dich zu sehen?" Ein leichtes Funkeln trat in seine sonst so schwarzen ausdruckslosen Augen, als er verneinend den Kopf schüttelte.
„Aber ja du hast recht. Heute führt mich etwas Wichtiges zu dir." Daraufhin zog ich ihn zum Sofa und bat ihn um die Bücher aus der Nockturngasse.
„Ich werde mich mal umsehen", meinte er knapp und verwickelte mich in einen seichten Kuss. „Bald sind die Herbstferien, also kannst du auch über die Bücher in DEINER Bibliothek lesen", dabei betonte er "deiner" ganz besonders, was mich nur zufrieden lächeln ließ. An die Bibliothek hatte ich wirklich nicht mehr gedacht, da seit dem so viel geschehen war.
Aber eine Woche noch und ich würde zwei Wochen lang im Prince Manor verweilen und hätte genügend Zeit um die Bibliothek zu durchforsten.
